<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Tallhover</id>
	<title>Tallhover - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Tallhover"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Tallhover&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-23T11:06:26Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Tallhover&amp;diff=1154526&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Klaaschwotzer: /* Interpretation */ + Link zu Walter Hinck</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Tallhover&amp;diff=1154526&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2022-11-09T16:31:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Interpretation: &lt;/span&gt; + Link zu Walter Hinck&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist der erste Roman des deutschen Schriftstellers [[Hans Joachim Schädlich]]. Er zeichnet die fiktive Biografie eines politischen Polizeibeamten durch alle deutschen Staaten von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. &amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039; wurde 1986 veröffentlicht und im selben Jahr mit dem [[Marburger Literaturpreis]] ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protagonist Tallhover ist in [[Preußen]] für die politische Polizei tätig. Er versucht im Prozess gegen die [[Neue Rheinische Zeitung]] Zeugen gegen [[Karl Marx|Marx]] zu finden. In der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] ist er immer noch tätig, und zwar bei der [[Ministerium für Staatssicherheit|Stasi]]. Er droht jemandem, der im damaligen Prozess keine Aussage machen wollte, damit, ihn zu bestrafen, weil er gegen das etablierte System war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Buches bilden Tallhovers Beobachtungen [[Lenin]]s während eines Deutschlandaufenthalts, seine Kritik an Lenins Fahrt durch Deutschland auf Abmachung mit der [[Oberste Heeresleitung|Obersten Heeresleitung]], weil die Revolutionäre Gelegenheit bekamen, die Revolution auch in Deutschland voranzutreiben. Sein Bericht über [[Karl Radek]], seine Verhaftung und seine Kontakte. Wichtig sind auch die Berichte über seine Tätigkeit unter dem [[Deutsches Reich 1933 bis 1945|NS-Regime]]. Immer dient er der Obrigkeit: dem preußischen König, der NS-Diktatur und der [[Sozialistische Einheitspartei Deutschlands|SED]]. Dass er sich dafür nicht zu verändern braucht, ist Schädlichs Aussage über die Rolle von SED und DDR.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Interpretation ==&lt;br /&gt;
Laut [[Heinz Ludwig Arnold]] ist &amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039; „eine Art [[Sittengeschichte]] der deutschen [[Geheimpolizei]]. Ihr gleichförmiges Denken wird reduziert auf eine einzige Figur“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Stiftung Preußische Seehandlung]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Der Berliner Literaturpreis 1992&amp;#039;&amp;#039;. Gatza, Berlin 1992, ISBN 3-928262-12-2, S. 70.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hans Joachim Schädlich beschrieb: „Tallhover verkörpert den unseligen Typ eines Menschen, der sich jedem politischen System unterwirft, um die Gegner jedes Systems unterwerfen zu helfen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Joachim Schädlich: &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Schauplatz und Elfenbeinturm.&amp;#039;&amp;#039; Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-492-7, S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Walter Hinck]] sah Tallhover nicht als Individuum, sondern als Verkörperung eines Prinzips. Nicht zufällig sei er am 23. März 1819 geboren, dem Tag der Ermordung [[August von Kotzebue]]s, die zum Anlass der [[Karlsbader Beschlüsse]] wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Walter Hinck: &amp;#039;&amp;#039;Mit Sprachphantasie gegen das Trauma. Hans Joachim Schädlich. Der Schriftsteller und sein Werk.&amp;#039;&amp;#039; In: Wulf Segebrecht (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Auskünfte von und über Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut [[Theo Buck]] gehe Tallhover vollständig im System auf, was zu einer Entäußerung des eigenen Ichs führe. Die Identifikation mit seiner Aufgabe führe so weit, dass auch Tallhovers Auflösung nur durch die Anwendung der geheimdienstlichen Mittel von Anklage und Justiz gegen sich selbst möglich werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Theo Buck: &amp;#039;&amp;#039;Von der „versuchten Nähe“ zur ‚versuchten Ferne‘. Schädlichs narrativer Weg zur „Freiheit in der Geschichte“.&amp;#039;&amp;#039; In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;, S. 21–22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 82 Erzählsequenzen lesen sich wie sachliche [[Protokoll (Niederschrift)|Protokolle]], entlarven aber genau dadurch die ihnen innewohnende [[Ironie]]. Der Autor geht präzise beobachtend auf eine weitestmögliche Distanz zu seinem Erzählgegenstand, der Protagonist Tallhover wird bereits durch seine Langlebigkeit zur [[Kunstfigur]]. Laut Buck führe der Roman in nüchterner Beobachtung eine Krankheitsgeschichte, die [[Verdinglichung]] eines Menschen vor, die aus gesellschaftlichen Ursachen resultiere.&amp;lt;ref&amp;gt;Theo Buck: &amp;#039;&amp;#039;Von der „versuchten Nähe“ zur ‚versuchten Ferne‘. Schädlichs narrativer Weg zur „Freiheit in der Geschichte“.&amp;#039;&amp;#039; In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;, S. 21, 23–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hans Joachim Schädlich beschrieb als Konstruktionsprinzip des Romans, dass er „[[Tatsache|faktische]] ‚Bruchstücke‘ unter seine [[Poetik|poetische]] Idee stellte und Faktisches, das ihm fehlte, entsprechend der faktischen Historie imaginierte sowie die erfundenen Fakten mit der faktischen Historie verknüpfte“ bis „die Grenze zwischen Fakten und [[Fiktion]] zu verschwimmen“ schienen und am Ende einige Leser „die fiktive Figur Tallhover für etwas Faktisches und die faktische Historie für etwas Fiktives halten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Joachim Schädlich: &amp;#039;&amp;#039;Der Roman.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Der andere Blick. Aufsätze, Reden, Gespräche&amp;#039;&amp;#039;. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-23945-0, S. 134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039; wurde 1986 mit dem [[Marburger Literaturpreis]] ausgezeichnet. Begeistert äußerte sich [[Fritz J. Raddatz]] über „ein meisterhaftes Buch – das sich wohl bewußt nicht Roman nennt und das [[Robert Musil]]s Forderung nach dem Essayistischen in moderner Prosa glanzvoll einlöst. Was Hans Joachim Schädlich hier vorlegt, ist ein großer, schrecklicher, auch grausig komischer [[Essay]]; und zugleich ist es [[Prosa]].“ Dem Autor sei „mit seinem entsetzlichen Finsterblick dreierlei gelungen: ein literarischer Krimi; eine makabre Verwerfung; ein bitteres [[Menetekel]].“&amp;lt;ref&amp;gt;[[Fritz J. Raddatz]]: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.zeit.de/1986/41/der-zufall-hiess-lenin/komplettansicht Der Zufall hieß Lenin].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Die Zeit]]&amp;#039;&amp;#039; vom 3. Oktober 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Reinhard Baumgart]] sprach mit „Bewunderung, Betroffenheit, aber auch mit einer Art respektvoller Langeweile“ von einer „Erzähluntersuchung“, die „trocken und sicher einsetzt, dann eine erstaunliche Spannung, Dichte, Unheimlichkeit entfaltet, am Ende sich aber doch verliert in Leere und Virtuosität.“&amp;lt;ref&amp;gt;[[Reinhard Baumgart]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Auge des Staates.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Frankfurter Allgemeine Zeitung]]&amp;#039;&amp;#039; vom 11. Oktober 1986.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1989 setzte Christof Gahl &amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039; für den [[RIAS]] als Hörspiel um. Regie führte [[Norbert Schaeffer]]. Die Titelrolle sprach [[Werner Eichhorn (Schauspieler)|Werner Eichhorn]].&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/hoerspiel/1027266/ Tallhover (Teil 1)].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Deutschlandradio Kultur]]&amp;#039;&amp;#039; vom 3. Oktober 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[http://www.hoerdat.in-berlin.de/select.php?col1=ti&amp;amp;a=Tallhover Tallhover]&amp;#039;&amp;#039; in der [[HörDat]]-Datenbank.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gestalt des Hoftaller, eines [[Stasi]]mitarbeiters, der noch nach 1990 unheimliche Macht ausübt, tritt Tallhover in dem Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Ein weites Feld]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Günter Grass]] wieder auf. Grass hatte Schädlich vorab um Erlaubnis gefragt, dessen Figur fortzuschreiben, was ihm auch eingeräumt wurde. Nachträglich aber urteilte Schädlich, „daß Grass meine Tallhover-Figur populistisch verkehrt, also verfälscht hatte durch die Verharmlosung des Stasi-Systems und die Gleichsetzung des Spitzels mit dessen Objekt“. Er habe bei seiner Erlaubnis „nicht wissen können, daß Grass die Tallhover-Figur solcherart mißbrauchen würde.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Joachim Schädlich: &amp;#039;&amp;#039;Tallhover – ein weites Feld.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Der andere Blick. Aufsätze, Reden, Gespräche&amp;#039;&amp;#039;. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-23945-0, S. 151.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1992 erfuhr Schädlich bei der Einsicht in seine [[Stasi-Akte]], dass jahrelang sein eigener Bruder [[Karlheinz Schädlich]] als [[Informeller Mitarbeiter|IM]] für das [[Ministerium für Staatssicherheit]] über ihn Informationen gesammelt hatte. Schädlich verarbeitete diese Erkenntnis in der Erzählung &amp;#039;&amp;#039;[[Die Sache mit B.]]&amp;#039;&amp;#039; Walter Hinck urteilte mit Blick auf &amp;#039;&amp;#039;Tallhover&amp;#039;&amp;#039;: „Wenn je ein Autor von seinem literarischen Thema in der Wirklichkeit eingeholt worden ist, dann ist es Hans Joachim Schädlich.“&amp;lt;ref&amp;gt;Walter Hinck: &amp;#039;&amp;#039;Mit Sprachphantasie gegen das Trauma. Hans Joachim Schädlich. Der Schriftsteller und sein Werk&amp;#039;&amp;#039; In: Wulf Segebrecht (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Auskünfte von und über Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;, S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgaben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Joachim Schädlich: &amp;#039;&amp;#039;Tallhover.&amp;#039;&amp;#039; Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-498-06172-0.&lt;br /&gt;
* Hans Joachim Schädlich: &amp;#039;&amp;#039;Tallhover.&amp;#039;&amp;#039; Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-13195-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Theo Buck]]: &amp;#039;&amp;#039;Von der „versuchten Nähe“ zur ‚versuchten Ferne‘. Schädlichs narrativer Weg zur „Freiheit in der Geschichte“.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Heinz Ludwig Arnold]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;. Edition text+kritik 125, München 1995, ISBN 3-88377-490-1, S. 21–24.&lt;br /&gt;
* Walter Hinck: &amp;#039;&amp;#039;Mit Sprachphantasie gegen das Trauma. Hans Joachim Schädlich. Der Schriftsteller und sein Werk.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Wulf Segebrecht]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Auskünfte von und über Hans Joachim Schädlich&amp;#039;&amp;#039;. Fußnoten zur Literatur. [[Universität Bamberg]], Bamberg 1995, {{ISSN|0723-2950}}, S. 37–40.&lt;br /&gt;
* Frauke Meyer-Gosau: &amp;#039;&amp;#039;In deutschen Diensten – Hans Joachim Schädlichs „Tallhover“.&amp;#039;&amp;#039; In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hans Joachim Schädlich.&amp;#039;&amp;#039; S. 30–37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fritz J. Raddatz]]: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.zeit.de/1986/41/der-zufall-hiess-lenin/komplettansicht Der Zufall hieß Lenin].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Die Zeit]].&amp;#039;&amp;#039; vom 3. Oktober 1986.&lt;br /&gt;
* Britta Kalin: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.humnet.ucla.edu/humnet/germanic/NGR/ngr13/hoftaller.htm „Ist Hoftaller besser als Tallhover?“ Eine Vergleichende Figurenanalyse zwischen Hoftaller in Günter Grass’ „Ein weites Feld“ (1995) und Tallhover in Hans Joachim Schädlichs „Tallhover“ (1986)].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;New German Review - A journal of Germanic Studies&amp;#039;&amp;#039;. Volume 13 1997–1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarisches Werk]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literatur (Deutsch)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Roman, Epik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Klaaschwotzer</name></author>
	</entry>
</feed>