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	<title>Standpunkttheorie - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Standpunkttheorie&amp;diff=461841&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Pragma124 am 8. November 2025 um 20:05 Uhr</title>
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		<updated>2025-11-08T20:05:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Eine &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Standpunkttheorie&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; sieht eine Abhängigkeit der [[Erkenntnistheorie|Erkenntnisgewinnung]] von der Position innerhalb gesellschaftlicher [[Herrschaft]]sverhältnisse. Demnach bestimme die soziale Situiertheit einer Person, welche sich z.&amp;amp;nbsp;B. aus Geschlecht, Klasse, Behinderung, Ethnie zusammensetzt, zu welchem [[Wissen]] sie gelangen kann und welches Wissen für sie unzugänglich oder unverständlich bleibt. Standpunkttheorien gehen davon aus, dass sich [[Objektivität]] in der [[Wissenschaft]] nur angenähert werden kann. Hierzu sei es notwendig, möglichst viele verschiedene Standpunkte in die Produktion von Wissen miteinzubeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste Standpunkttheorien entstanden ca. ab den 1920er Jahren und waren stark am [[Marxismus]] orientiert. Dementsprechend fokussierten sich diese auf den Standpunkt von [[Arbeiter]]n. In den 1980er Jahren entwickelten sich zusätzlich dazu auch [[Feminismus|feministische]] Standpunkttheorien. Diese setzten sich zunächst vor allem mit dem Standpunkt von [[Frau]]en auseinander, wurden aber nach und nach auch um eine [[Intersektionalität|intersektionale]] Komponente ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsbestimmung ==&lt;br /&gt;
Standpunkttheoretische Konzepte setzen in der Regel bei [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Herrschaft und Knechtschaft]]&amp;#039;&amp;#039;-Kapitel in der &amp;#039;&amp;#039;[[Phänomenologie des Geistes]]&amp;#039;&amp;#039; von 1807 an.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=W. Scott Cameron |Titel=The Genesis and Justification of Feminist Standpoint Theory in Hegel and Lukács |Sammelwerk=Dialogue and Universalism |Band=15 |Nummer=3–4 |Datum=2005 |Seiten=19–41 |DOI=10.5840/du2005153/443 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Nadine Changfoot |Titel=Feminist Standpoint Theory, Hegel and the Dialectical Self: Shifting the Foundations |Sammelwerk=Philosophy &amp;amp; Social Criticism |Band=30 |Nummer=4 |Datum=2004 |Seiten=477–502 |DOI=10.1177/0191453704044024 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Hegel hat der Knecht einen erkenntnistheoretischen Vorteil gegenüber dem Herrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der These des [[Bewusstsein]]s ist die [[Antithese]] eines anderen Bewusstseins verknüpft. Beide stehen sich in einem [[Paradigma|paradigmatischen]] &amp;#039;&amp;#039;Kampf&amp;#039;&amp;#039; auf Leben und Tod gegenüber. Eines der beiden wird merken, dass es das Leben hoch schätzt, und daher den Kampf abbrechen. Es ist von nun an der [[Knecht]] und muss dem [[Herr]]n dienen. Der Knecht wird nun sowohl den Herrn als anderes Bewusstsein [[Anerkennung|anerkennen]] als auch sich selbst im Produkt seiner [[Arbeit (Philosophie)#Zeitalter der Aufklärung bis zur Philosophie Hegels|Arbeit]] für den Herrn erkennen:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Im Herrn ist ihm das Fürsichsein ein andres oder nur für es; in der Furcht ist das Fürsichsein an ihm selbst; in dem Bilden wird das Fürsichsein als sein eigenes für es, und es kommt zum Bewusstsein, dass es selbst [[An sich#An und für sich bei Hegel|an und für sich]] ist.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Georg Wilhelm Friedrich Hegel: &amp;#039;&amp;#039;Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewußtseins; Herrschaft und Knechtschaft.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Phänomenologie des Geistes.&amp;#039;&amp;#039; 1807, S. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Das Bewusstsein des Knechts wird somit in einem [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel#Die Dialektik|dialektischem Prozess]] in der [[Synthese]] zum [[Selbstbewusstsein]]. Zum wahren Selbstbewusstsein wird es allerdings erst, wenn es seine Todesfurcht überwindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Standpunkttheorien greifen die Ausführungen Hegels bezüglich der verschiedenen Wissensbestände von Herrscher und Knecht auf und verallgemeinern sie zu der Ansicht, dass jedes Wissen [[Situiertes Wissen|situiert]] sei. Das bedeutet, dass Standpunkttheorien davon ausgehen, dass das Wissen, welches ein Subjekt erlangen kann, maßgeblich davon abhängt, welche Position dieses Subjekt innerhalb der [[Sozialstruktur]] einer Gesellschaft einnimmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;stählern&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Titus Stahl |Titel=Social Structure and Epistemic Privilege. Reconstructing Lukács’s Standpoint Theory |Sammelwerk=Análisis |Band=10 |Nummer=2 |Datum=2023 |Seiten=319–349, hier S. 322 |DOI=10.26754/ojs_arif/arif.202329937 |Sprache=en |Online=https://philpapers.org/archive/STASSA-7.pdf |Abruf=2025-07-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Homogene Gruppen – wie beispielsweise eine rein männliche [[Wissenschaftsgemeinde|Gruppe von Wissenschaftlern]] – seien demnach zum Scheitern verurteilt, wenn sie [[Objektivität]] erreichen wollen, weil sie nur über bestimmte Wissensbestände verfügen und andere für sie nur schwer zu erreichen seien.&amp;lt;ref name=&amp;quot;stählern&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus gehen Standpunkttheorien davon aus, dass Subjekte, die von [[Unterdrückung]] betroffen sind, ein sogenanntes &amp;#039;&amp;#039;[[epistemisches Privileg]]&amp;#039;&amp;#039; haben können. Dieses Privileg bezieht sich jedoch nicht auf den Zugang zu Wissen im Allgemeinen. Laut den Standpunkttheorien sind [[Marginalisierung|marginalisierte]] Gruppen dazu gezwungen, die Welt aus zwei Perspektiven zu betrachten: Einerseits aus ihrer eigenen und andererseits aus der der Herrschenden, denen sie sich unterordnen müssen. So erleichtere etwa das unmittelbare Erleben von [[Diskriminierung]] die Erkenntnis, was Diskriminierung eigentlich bedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Sarah-Lea Effert, Hannah Vögele |Titel=Check your privilege check! Eine solidarische Kritik des Privilegiendiskurses |Sammelwerk=diskurs |Band=7 |Datum=2022 |Seiten=40–67, hier S. 58 |Online=https://cris.brighton.ac.uk/ws/portalfiles/portal/32392259/Privilegienartikel_vero_ffentlicht.pdf |Abruf=2025-07-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Subjekte erhielten epistemische Privilegien allerdings nicht einfach nur dadurch, dass sie einer marginalisierten Gruppe angehören. Vielmehr müsse sich dieser Wissensvorteil erkämpft werden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Briana Toole |Titel=From Standpoint Epistemology to Epistemic Oppression |Sammelwerk=[[Hypatia (Zeitschrift)|Hypatia]] |Band=34 |Nummer=4 |Datum=2019 |Seiten=598–618, hier S. 600 |Online=https://philpapers.org/archive/TOOFSE-2 |Abruf=2025-07-29 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Wissensvorteil, den Angehörige marginalisierter Gruppen erreichen können, schließen Standpunkttheorien, dass ihrer Kritik besonderes Gehör geschenkt werden müsse. Aus Sicht der Verfechter von Standpunkttheorie wird dies vor allem im [[Wissenschaft]]sbetrieb noch zu wenig getan. Hier werde am herkömmlichen Verständnis von Objektivität und Neutralität festgehalten und geleugnet, dass die Situiertheit von Subjekten sich auf deren Möglichkeiten, bestimmtes Wissen zu erlangen, auswirke. Laut [[Sandra Harding]] führt dies dazu, dass in der Wissenschaft oftmals nur partikulare Perspektiven als [[Universalität|universell]] dargestellt werden. Diese Umdeutung sichere [[Hegemonie]] und unterstütze die [[herrschende Meinung]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Sandra Harding |Titel=Introduction: Standpoint Theory as a Site of Political, Philosophic, und Scientific Debate |Hrsg=Sandra Harding |Sammelwerk=The Feminist Standpoint Theory Reader: Intellectual and Political Controversies |Verlag=Routledge |Ort=New York/London |Datum=2004 |Seiten=1–16 |ISBN=0-415-94501-1 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marxistische und an Marx anknüpfende Standpunkttheorien ==&lt;br /&gt;
[[Karl Marx]] hat Hegels Philosophie auf den [[Produktionsprozess]] im [[Kapitalismus]] bezogen, in der sich &amp;#039;&amp;#039;Herr und Knecht&amp;#039;&amp;#039; – [[Kapitalist]]en und [[Proletariat|Proletarier]] – in einer organisierten gesellschaftlichen Beziehung als [[Klasse (Soziologie)|Klassen]] gegenüberstehen. Aus der Perspektive des Proletariers ist der Ablauf des Produktionsprozesses prinzipiell verfügbar, da seine Anstrengung die Beziehung zwischen &amp;#039;&amp;#039;Selbst&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Gegenstand&amp;#039;&amp;#039; erst hervorbringe. Vom Standpunkt der herrschenden Klasse hingegen seien die tatsächlichen Praktiken und die hierfür erforderlichen materiellen Bedingungen nicht sichtbar. Aus der Perspektive des Proletariats resultiere sein [[Klassenbewusstsein]] und der damit verbundene [[Klassenkampf]], wenn es von der &amp;#039;&amp;#039;Klasse an sich&amp;#039;&amp;#039; zur &amp;#039;&amp;#039;Klasse für sich&amp;#039;&amp;#039; werde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cynthia Cockburn |Titel=Standpoint Theory |Hrsg=Shahrzad Mojab |Sammelwerk=Marxism and Feminism |Verlag=Zed Books |Ort=London |Datum=2015 |Seiten=331–346 |ISBN=9781783603220 |Online=https://www.cynthiacockburn.org/StandpointforZedApr2014.pdf |Abruf=2025-07-23 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im englischen Sprachgebrauch gibt es für den Ansatz, der vom Standpunkt der [[Arbeiter]] ausgeht, den Begriff [[Operaismus|Workerism]]. Im italienischen [[Operaismus]] wurde davon ausgegangen, dass die Geschichte hauptsächlich durch Arbeiter bestimmt werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen radikalen Klassenstandpunkt nahm die [[Proletkult]]-Bewegung ([[1917]]–[[1925]]) ein. Ihr Haupttheoretiker [[Alexander Alexandrowitsch Bogdanow|Alexander Bogdanow]] forderte in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse&amp;#039;&amp;#039; die Schaffung eigener proletarischer Universitäten sowie die Entwicklung einer eigenen proletarischen Wissenschaft vom Arbeiterstandpunkt aus. Die Perspektive eines einzelnen Individuums bleibe notwendigerweise stets fragmentarisch, sodass die Realität nur vom Standpunkt eines [[Kollektiv]]s aus wirklich erfahrbar werde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=James D. White |Titel=Alexander Bogdanow: Revolutionärer Denker und Sci-Fi-Pionier |Originaltitel=Alexander Bogdanov Was One of Russia’s Great Revolutionary Thinkers and a Sci-Fi Pioneer |Originalsprache=en |Übersetzer=Sven Ulfig |Sammelwerk=[[Jacobin]] |Datum=2024-04-22 |Online=https://www.jacobin.de/artikel/alexander-bogdanow-revolutionaerer-denker-und-sci-fi-pionier |Abruf=2025-07-24}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Meinung der meisten Fachleute konzipierte [[Georg Lukács]]  in &amp;#039;&amp;#039;[[Geschichte und Klassenbewußtsein]]&amp;#039;&amp;#039; die erste Standpunkttheorie im engeren Sinne.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Titus Stahl |Titel=Social Structure and Epistemic Privilege. Reconstructing Lukács’s Standpoint Theory |Sammelwerk=Análisis |Band=10 |Nummer=2 |Datum=2023 |Seiten=319–349, hier S. 319 |DOI=10.26754/ojs_arif/arif.202329937 |Sprache=en |Online=https://philpapers.org/archive/STASSA-7.pdf |Abruf=2025-07-29}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Aufsatz ist das erste Mal von einem „Standpunkt des Proletariats“ die Rede.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Standpunktrevolution&amp;quot;&amp;gt;Georg Lukács: &amp;#039;&amp;#039;III: The Standpoint of the Proletariat.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;History &amp;amp; Class Consciousness&amp;#039;&amp;#039;. Merlin Press, London 1967 ([https://www.marxists.org/archive/lukacs/works/history/index.htm marxists.org]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut Lukács kann nur das Proletariat als ausgebeutete Klasse den Kapitalismus in seinem vollen Umfang verstehen, sodass sein Wissen sogar über wissenschaftlichem Wissen stehe. Hieraus zieht Lukász auch den Schluss, dass das Proletariat als einziges dazu in der Lage sei, die vom Kapitalismus erzeugte Illusion einer gerechten Produktionsweise mittels einer [[Revolution]] zu zerstören.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Standpunktrevolution&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1980 schrieb der Historiker [[Howard Zinn]] das Geschichtslehrbuch &amp;#039;&amp;#039;[[A People’s History of the United States]]&amp;#039;&amp;#039;, welches die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika aus der Perspektive der innerhalb der Geschichtswissenschaft sonst häufig Unberücksichtigten darstellen soll. Versuche wie der von Zinn, Geschichte vom Standpunkt der Machtlosen und Diskriminierten aus darzustellen, werden [[Geschichte von unten]] genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Pierre Bourdieu]] beruhen die Machtverhältnisse einer Gesellschaft, die sich unter anderem im [[Raum der Lebensstile]] zeigen, auf der Verfügung von Klassen über [[Kapitalsorten]]. Bourdieus Standpunkttheorie ist eine der Kritik an der von ihm so genannten [[Scholastik]], der scheinbar voraussetzungslosen und folgenlosen Erkenntnisproduktion, die aber in Wirklichkeit auf inkorporiertem, d.&amp;amp;nbsp;h. verinnerlichtem [[Kulturelles Kapital|Bildungskapital]] des familiären Umfeldes beruhe. Die scholastische Situation sei &amp;#039;&amp;#039;ein Ort und ein Zeitpunkt sozialer Schwerelosigkeit&amp;#039;&amp;#039;. Es sei wichtig, dass die [[Person|Subjekte]] der [[Objektivierung]] sich selber objektivieren und damit den einem [[Akteur]] bzw. einer [[Klasse (Soziologie)#Die Klassentheorie von Pierre Bourdieu|Klasse]] möglichen Bewusstseins- und [[Soziales Handeln|Handlungsspielraum]] ausnutzen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Pierre Bourdieu |Titel=Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft |Originaltitel=Méditations pascaliennes |Originalsprache=fr |Übersetzer=Achim Russer |Verlag=Suhrkamp |Ort=Frankfurt am Main |Datum=2004 |ISBN=978-3-518-29295-2}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feministische Standpunkttheorie ==&lt;br /&gt;
Die feministischen Standpunkttheorien kritisieren [[Androzentrismus|androzentrische]] [[Weltanschauung]]en, in deren Zentrum Männer stehen, beziehungsweise Männlichkeiten als Maßstab und [[Soziale Norm|Norm]] verstanden werden. Darüber hinaus vertreten sie die Position, dass aufgrund der patriarchalen Herrschaftsverhältnisse Frauen einen objektiveren Zugang zu bestimmten Bereichen der Welt hätten. Bekanntere [[Feministische Theorie|feministische Theoretikerinnen]] der Standpunkttheorie sind [[Nancy Hartsock]], [[Sandra Harding]] und [[Dorothy Smith]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Donna Haraway]] gilt als Vorreiterin der feministischen Standpunkttheorie. Sie formulierte eine Kritik an der nur scheinbaren Objektivität der ([[Patriarchat (Soziologie)|patriarchalen]]) Wissenschaft, die nicht die soziale [[Situiertes Wissen|Situiertheit von Wissen]] mitbedenke. Laut Haraway stehen Forschende immer in einer Beziehung zu den von ihnen beforschten Entitäten. Dementsprechend sei es nicht möglich, Objekte aus einer neutralen Vogelperspektive heraus zu untersuchen. Haraway spricht in diesem Zusammenhang vom „Gottes-Trick“, da der Wissenschaftler so täte, als nähme er eine Position außerhalb des Forschungsobjektes ein, als sei sein Standpunkt erhaben und gottähnlich.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Donna Haraway |Titel=Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective |Sammelwerk=Feminist Studies |Band=14 |Nummer=3 |Datum=1988 |Seiten=575–599 |JSTOR=3178066 |Online=https://philpapers.org/archive/HARSKT.pdf |Abruf=2025-07-19 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sandra Harding unterscheidet zwischen einer &amp;#039;&amp;#039;starken&amp;#039;&amp;#039; und einer &amp;#039;&amp;#039;schwachen&amp;#039;&amp;#039; Objektivität. Schwache Objektivität nennt Harding das nach wie vor dominante Objektivitätsverständnis, nach dem [[Wissen]] unabhängig von derjenigen Person sei, die es generiert, und Wissenschaftler demnach auch ohne die Berücksichtigung ihres Standpunkts objektive Erkenntnisse gewinnen könnten. Starke Objektivität zeichnet sich Harding zufolge demgegenüber dadurch aus, dass Forscher ihre eigene soziale Gruppenzugehörigkeit in die wissenschaftliche Arbeit bewusst miteinbeziehen. Die Forschung sollte dabei bei den dominierten Gruppen beginnen, weil deren Perspektive in Forschungen, die sich an einer schwachen Objektivität orientieren, zu kurz käme. Harding fordert von Angehörigen dominanter Gruppen ein &amp;#039;&amp;#039;verräterisches Bewusstsein&amp;#039;&amp;#039;, womit die eigene Arroganz und Ignoranz gegenüber dominierten Gruppen beendet werden solle. Allerdings müsse auch berücksichtigt werden, dass Menschen gleichzeitig verschiedenen [[Gemeinschaft]]en angehörten und somit oftmals gleichzeitig dominierten und dominanten Gruppen zugehörig seien. Für Harding ist Objektivität dabei immer ein Idealzustand, der niemals vollständig erreicht werden könne. Ihm könne nur nahe gekommen werden, indem möglichst viele unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Perspektiven an der Produktion von Wissen teilhaben.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Sandra Harding |Titel=Rethinking Standpoint Epistemology: What Is &amp;quot;Strong Objectivity?&amp;quot; |Sammelwerk=The Centennial Review |Band=36 |Nummer=3 |Datum=1992 |Seiten=437–470 |JSTOR=23739232 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Sandra Harding |Titel=Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken Wissenschaft neu |TitelErg=Aus dem Englischen von Helga Kelle |Verlag=Campus |Ort=Frankfurt/New York |Datum=1994 |ISBN=3593350491}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der neueren Frauen- und Geschlechterforschung wurde die klassische feministische Standpunkttheorie inzwischen um einen [[Intersektionalität|intersektionalen]] Ansatz ergänzt. Die neuere feministische Standpunkttheorie erweitert die Analyse aus der Perspektive bzw. dem Standpunkt von Frauen um die Perspektiven anderer marginalisierter Gruppen. Dieser Entwicklung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass bei der Analyse von Ungleichheit und Machtverhältnissen neben Geschlecht auch andere soziale Strukturkategorien wie [[Soziale Klasse|Klasse]], [[sexuelle Orientierung]] und [[Ethnizität]] wichtig sind. Demnach gibt es nicht nur einen feministischen Standpunkt (den von Frauen allgemein), sondern mehrere Standpunkte, etwa die Perspektive [[schwarze]]r, [[lesbisch]]er oder armer Frauen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Nora Ruck |Titel=Blinde Flecken der Erkenntnis: Feministische Überlegungen zu den psychologischen Mechanismen des Nicht-Wissens |Hrsg=Charlotte Busch, Britta Dobben, Max Rudel, Tom Uhlig |Sammelwerk=Der Riss durchs Geschlecht. Feministische Beiträge zur Psychoanalyse |Verlag=Psychosozial |Ort=Gießen |Datum=2018 |Seiten=135–149, hier S. 141 |ISBN=978-3-8379-2711-5 |Online=https://www.researchgate.net/profile/Nora-Ruck/publication/338517759_Ruck_Nora_2018_Blinde_Flecken_der_Erkenntnis_Feministische_Uberlegungen_zu_den_psychologischen_Mechanismen_des_Nicht-Wissens_In_Charlotte_Busch_Tom_Uhlig_Hrsg_Der_Riss_durchs_Geschlecht_S_135-149_Gies/links/5e284d7c92851c3aadcffba7/Ruck-Nora-2018-Blinde-Flecken-der-Erkenntnis-Feministische-Ueberlegungen-zu-den-psychologischen-Mechanismen-des-Nicht-Wissens-In-Charlotte-Busch-Tom-Uhlig-Hrsg-Der-Riss-durchs-Geschlecht-S-135-149.pdf |Abruf=2025-07-20}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Mona Singer: &amp;#039;&amp;#039;Feministische Wissenschaftskritik und Epistemologie. Voraussetzungen, Positionen, Perspektiven.&amp;#039;&amp;#039; In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 292–301, hier S. [https://books.google.ca/books?id=OqCnyfK-W94C&amp;amp;pg=PA297 297].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beispielsweise hat [[Patricia Hill Collins]] einen Standpunkt schwarzer Frauen in Abgrenzung zum Ansatz der klassischen feministischen Standpunkttheorie entwickelt, um nicht nur [[Sexismus|sexistische]], sondern auch [[Rassismus|rassistische]], [[Kolonialismus|kolonialistische]] und [[Eurozentrismus|eurozentrische]] Machtverhältnisse zu beleuchten. Ihr Ansatz der &amp;#039;&amp;#039;Outsider Within&amp;#039;&amp;#039; geht von der Position schwarzer Wissenschaftlerinnen aus. Diese würden in [[Kritische Weißseinsforschung|weiß]] dominierten Gesellschaften andere Erfahrungen machen als ihre weißen Kolleginnen und Kollegen, sodass sie auch im Wissenschaftsfeld Außenseiterinnen seien. Diese Position hat laut Hill Collins aber den Vorteil, dass schwarze Wissenschaftlerinnen eher dazu in der Lage seien, althergebrachte Denkmuster kritisch zu hinterfragen. Diese seien für Insider in aller Regel selbstverständlich. Die somit vollständigere Perspektive schwarzer Wissenschaftlerinnen könne daher produktiv zur Produktion neuen Wissens beitragen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Patricia Hill Collins |Titel=Learning from the Outsider Within: The Sociological Significance of Black Feminist Thought |Sammelwerk=Social Problems |Band=33 |Nummer=6 |Datum=1986 |Seiten=S14–S32 |JSTOR=800672 |DOI=10.2307/800672 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Standpunkt]] (Begriffsklärung)&lt;br /&gt;
* [[Werturteilsstreit]]&lt;br /&gt;
* [[Feministische Wissenschaftstheorie]], [[Feministische Erkenntnistheorie]]&lt;br /&gt;
* [[Prinzip der Parteilichkeit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
; Marxistische Standpunkttheorien&lt;br /&gt;
* Alexander Bogdanow: &amp;#039;&amp;#039;Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse.&amp;#039;&amp;#039; Makol-Verlag, Frankfurt a. M. 1971.&lt;br /&gt;
* Pierre Bourdieu: &amp;#039;&amp;#039;Meditationen. Zur Kritik der scholastischen Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2001.&lt;br /&gt;
* Georg Lukács: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik.&amp;#039;&amp;#039; Malik-Verlag, Berlin 1923.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
; Feministische Standpunkttheorien&lt;br /&gt;
* Donna J. Haraway: &amp;#039;&amp;#039;Monströse Versprechen. Coyote-Geschichten zu Feminismus und Technowissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Argument, Hamburg 1995, ISBN 3-88619-234-2.&lt;br /&gt;
* Sandra Harding: &amp;#039;&amp;#039;Feministische Wissenschaftstheorie. Zum Verhältnis von Wissenschaft und sozialem Geschlecht.&amp;#039;&amp;#039; Argument, Hamburg 1990.&lt;br /&gt;
* Sandra Harding: &amp;#039;&amp;#039;Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu.&amp;#039;&amp;#039; Campus, Frankfurt/New York 1994, ISBN 978-3-593-35049-3.&lt;br /&gt;
* Sandra Harding (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Feminist Standpoint Theory Reader. Intellectual and Political Controversies.&amp;#039;&amp;#039; Routledge 2004, ISBN 0-415-94500-3.&lt;br /&gt;
* Dorothy E. Smith: &amp;#039;&amp;#039;Eine Soziologie für Frauen.&amp;#039;&amp;#039; Argument, Hamburg 1999, ISBN 3-88619-235-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftstheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ungleichheitsforschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenssoziologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feminismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Marxistische Philosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kommunikationsmodell]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Pragma124</name></author>
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