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	<title>Sittenroman - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Sittenroman&amp;diff=206273&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Aka: /* Literatur */ Leerzeichen korrigiert</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur: &lt;/span&gt; Leerzeichen korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Edouard Manet 049.jpg|mini|[[Édouard Manet]]: Émile Zola, 1868]]&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Sittenroman&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man eine Gattungsvariante des [[Roman]]s, in dem die Darstellung der sozialen Konventionen einer bestimmten Gesellschaftsschicht im Mittelpunkt steht. Das klassische Grundprinzip eines so genannten „Sittenromans“ ist die Offenlegung der jeweiligen gesellschaftlichen Sozialmechanismen anhand der persönlichen intellektuellen und [[Sexualität|sexuellen]] [[Emanzipation]] eines [[Individuum]]s. Dabei kann &amp;#039;&amp;#039;der&amp;#039;&amp;#039; oder meist &amp;#039;&amp;#039;die&amp;#039;&amp;#039; [[Protagonist]]in, wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Émile Zola]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Nana (Roman)|Nana]]&amp;#039;&amp;#039;, [[Gustave Flaubert]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Madame Bovary]]&amp;#039;&amp;#039; oder [[Theodor Fontane]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Effi Briest]]&amp;#039;&amp;#039;, in jeder Hinsicht scheitern oder zumindest beruflich erfolgreich in der Überwindung von [[Soziale Klasse|Klassenschranken]] sein – oft sind die [[soziale Werte|sozialen Werte]] auf der Strecke geblieben, um so der Gesellschaft ihren anprangernden Spiegel vorzuhalten. Doch in der Regel sind die Helden der jeweiligen Romane am Ende [[Paria]], Ausgestoßene der selbst verkrusteten und [[Dekadenz|dekadenten]] Gesellschaft, die sich ihrerseits im &amp;#039;&amp;#039;[[Fin de Siècle]]&amp;#039;&amp;#039; befindet. Bereits bei der ersten Übersicht fallen die Überschneidungen zum ähnlich charakterisierten [[Gesellschaftsroman]] auf. Während manche Literaturgeschichten&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich G. Hoffmann, Herbert Rösch: &amp;#039;&amp;#039;Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung.&amp;#039;&amp;#039; Hirschgraben-Verlag, Frankfurt/a.&amp;amp;nbsp;M. 12. Aufl. 1983, ISBN 3-454-33701-1.&amp;lt;/ref&amp;gt; zwar selbst den Großstadtroman und vor allen Dingen den Gesellschaftsroman unterscheiden, wird man selbst im Index den Sittenroman vergeblich suchen. Dem entgegen steht jedoch oft die zeitgenössische Selbstbezeichnung im Verlagsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „Novel of manners“ oder Sittenroman? ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Jin Ping Mei chapt4.jpg|mini|&amp;#039;&amp;#039;Ximen und Goldener Lotus,&amp;#039;&amp;#039; Illustration des Jin Ping Mei]]&lt;br /&gt;
Auch wenn viele den Sittenroman erst mit den &amp;#039;&amp;#039;Novel of manners&amp;#039;&amp;#039; im [[England]] des frühen 18. Jahrhunderts ansetzen, kann man ähnliche Grundprinzipien in der [[Antike]] bei [[Titus Petronius]] im &amp;#039;&amp;#039;[[Satyricon (Petron)|Satyricon]]&amp;#039;&amp;#039; oder im China des 16. Jahrhunderts mit [[Jin Ping Mei]] finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der moderne Sittenroman entstand nach der Ansicht mancher Literaturhistoriker in England, wo er als &amp;#039;&amp;#039;novel of manners&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet wird. Am Beginn dieser Romanform standen die Autorinnen [[Fanny Burney]], [[Charlotte Lennox]] (&amp;#039;&amp;#039;[[The Female Quixote or the Adventures of Arabella]]&amp;#039;&amp;#039;, 1752) und vor allem [[Jane Austen]], aber auch Autoren wie [[Henry James]] und [[Edith Wharton]] sind in diesem Zusammenhang zu nennen: Whartons &amp;#039;&amp;#039;The Age of Innocence&amp;#039;&amp;#039; gilt als geradezu klassisches Beispiel eines Sittenromans.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die deutsche Entwicklung ist vor allem [[Samuel Richardson]] maßgeblich geworden. [[Christian Fürchtegott Gellert]] nahm sich mit dem Buch &amp;#039;&amp;#039;Leben der schwedischen Gräfin von G***&amp;#039;&amp;#039; (1750) Richardsons Werk zum Vorbild für den ersten deutschen Familien- und Sittenroman.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Autorenlexikon:&amp;#039;&amp;#039; &amp;#039;&amp;#039;Richardson, Samuel,&amp;#039;&amp;#039; S. 2 ff. Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 11401 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 1269 ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einflüsse des französischen Sittenromans ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Gustave Flaubert.jpg|mini|Gustave Flaubert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Edouard Manet 037.jpg|mini|[[Édouard Manet]]: &amp;#039;&amp;#039;Nana&amp;#039;&amp;#039;, 1877]]&lt;br /&gt;
Während des 19. Jahrhunderts scheint für die Stilprägung innerhalb Europas der französische Roman maßgeblich zu wirken, wobei [[Nicolas Edme Restif de la Bretonne]] mit seinen sozialkritischen Ansätzen als Wegbereiter parallel zu den britischen Beispielen gedient haben mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bereits früh verstorbene Autor [[Claude Tillier]] war mit seinem humoristisch-satirischen Sittenroman aus der Provinz &amp;#039;&amp;#039;[[Mein Onkel Benjamin (Roman)|Mein Onkel Benjamin]]&amp;#039;&amp;#039; (1843) (Verfilmung als [[Der Mann im roten Rock|Mein Onkel Benjamin]], 1969 von [[Édouard Molinaro]]), der sich klar aus der zeitgenössischen französischen Literatur hervorhob, für die deutsche und englische Entwicklung maßgeblicher als für die französische Entwicklung. [[Eugène Sue]] war mit seinem Gesamtwerk (&amp;#039;&amp;#039;[[Geheimnisse von Paris]]&amp;#039;&amp;#039;) zwar ungewöhnlich populär, doch sein „flüchtiger schlechter Stil verrät Mangel an Sorgfalt. Ausgesprochen naiv sind s[ind]. weltanschaul[ichen]. Exkurse über humanitäre u[nd]. sozialist[ischen]. Ideen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Autorenlexikon:&amp;#039;&amp;#039; &amp;#039;&amp;#039;Sue, Eugène,&amp;#039;&amp;#039; S. 2&amp;amp;nbsp;ff. &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek,&amp;#039;&amp;#039; Band 13: Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 13133 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 1465 ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1851 begann [[Gustave Flaubert]] nach Reisen nach Italien, Griechenland, Nordafrika und in den Vorderen Orient mit seinen Arbeiten an seinem Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Madame Bovary]]&amp;#039;&amp;#039;, den er 1856 abschloss. In &amp;#039;&amp;#039;Madame Bovary. Moers de province&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Madame Bovary. Ein Sittenbild aus der Provinz&amp;#039;&amp;#039;)&amp;lt;ref&amp;gt; Erstdruck einer gekürzten Fassung in: &amp;#039;&amp;#039;Revue de Paris,&amp;#039;&amp;#039; 1. Oktober-15. Dezember 1856. Erste Ausgabe in zwei Bänden: Levy, Paris 1857. Übers. v. Arthur Schurig, Insel-Verlag, Leipzig 1952.&amp;lt;/ref&amp;gt; schildert er das Eheleben der jungen Protagonistin Emma Bovary und ihre Versuche, dem kleinbürgerlichen Leben auf dem Land und ihrem immer mehr verhassten Mann zu entfliehen. Nach der Veröffentlichung kam es zum Skandal, da sich Flaubert vom geschilderten [[Ehebruch]] nicht distanzierte. Er wurde der [[Immoralität]] angeklagt, zwar freigesprochen, aber die eigentliche Rezeption in der französischen Literatur vorerst für einige Jahre aufgehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Flaubert: &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek,&amp;#039;&amp;#039; Band 89: &amp;#039;&amp;#039;Die Bibliothek der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 25182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Émile Zola]]s Meisterwerk des [[Naturalismus (Literatur)|Naturalismus]] &amp;#039;&amp;#039;[[Nana (Roman)|Nana]]&amp;#039;&amp;#039; (Nana. Neunter Band des Zyklus »Les Rougon-Macquart«, 20 Bde., Paris 1871–1893. Erstdruck des Romans in: &amp;#039;&amp;#039;Le Voltaire,&amp;#039;&amp;#039; 16. Oktober 1879 – 5. Februar 1880. Erste Buchausgabe des Romans: Charpentier. Paris 1880) erschien bereits 30 Jahre später ohne den Zusatz,&amp;lt;ref&amp;gt;Zola: &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek,&amp;#039;&amp;#039; Band 89: &amp;#039;&amp;#039;Die Bibliothek der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 80010.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde aber im Folgenden ebenso beinahe zügellos als &amp;#039;&amp;#039;Ein Pariser Sittenroman&amp;#039;&amp;#039; verkauft.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Arsène Houssaye]]: &amp;#039;&amp;#039;Mademoiselle Cleopatra. Pariser Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; Last, Wien 1865.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etikettierung als Sittenroman ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des gesamten 19. Jahrhunderts scheint sich ausgehend von den stilbildenden französischen Roman in der deutschen Verlagswelt der Trend durchgesetzt zu haben, allen möglichen Werken das Attribut Sittenroman beizufügen – selbst wenn es im Originaltitel oder -skript niemals impliziert war. Mit dem Etikett „Sittenroman“ ließ sich selbst ein eher langweiliges und endloses Werk wie [[Ernst Willkomm]]s &amp;#039;&amp;#039;Die Familie Ammer. Deutscher Sittenroman&amp;#039;&amp;#039; besser absetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Willkomm: &amp;#039;&amp;#039;Die Familie Ammer. Deutscher Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; Verlag von Meidinger, Frankfurt a. M.&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst [[Flandern|flämische]]&amp;lt;ref&amp;gt;Georges Eekhoud: &amp;#039;&amp;#039;Kees Doorik: ein flämischer Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; Übersetzt von Tony Kellen. Insel-Verlag, 1893.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder [[Russland|russische]] Romane, die in das Schema passten, bekamen den Beititel &amp;#039;&amp;#039;Sittenroman&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autoren, die man heute kaum mit dem Etikett Sittenroman assoziieren würde, versuchten sich in diesem Genre: [[James Fenimore Cooper]] mit &amp;#039;&amp;#039;[[Precaution]]&amp;#039;&amp;#039; (1820) (dt. &amp;#039;&amp;#039;[[Mosely Hall]]&amp;#039;&amp;#039;)&amp;lt;ref&amp;gt;Autorenlexikon: &amp;#039;&amp;#039;Cooper, James Fenimore,&amp;#039;&amp;#039; S. 1 ff. &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek,&amp;#039;&amp;#039; Band 13: Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 2927 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 319 ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt; und auch [[Henry James]] folgte, nach dem Beispiel Honoré de Balzacs schielend dem Sittenroman zu: „soziale Frage in &amp;#039;&amp;#039;[[The Princess Casamassima]]&amp;#039;&amp;#039;, satir[ische] Darstellung von Reformern in &amp;#039;&amp;#039;[[The Bostonians]]&amp;#039;&amp;#039;, Künstlerroman in &amp;#039;&amp;#039;[[The Tragic Muse]]&amp;#039;&amp;#039;.“&amp;lt;ref&amp;gt;Autorenlexikon: &amp;#039;&amp;#039;James, Henry,&amp;#039;&amp;#039; S. 1 ff. &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek.&amp;#039;&amp;#039; Band 13: Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 6571 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 728 ff.)&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Alexandros Papadiamantis]] [[Erzählung]] [!] &amp;#039;&amp;#039;[[Die Mörderin (Erzählung)|Die Mörderin]]&amp;#039;&amp;#039; bekam das Etikett Sittenroman. In [[Georgien]] gilt beispielsweise Fürst [[Ilia Tschawtschawadse]] (&amp;#039;&amp;#039;Die Vertauschte Braut&amp;#039;&amp;#039;) als Begründer des Genres, während in [[Russland]] [[Faddei Wenediktowitsch Bulgarin]] bereits 1829 mit dem satirischen Sittenroman &amp;#039;&amp;#039;Ivan Vyzigin&amp;#039;&amp;#039; Erfolg auch außerhalb des Landes hatte, der jedoch keinen dauerhaften Nachhall besaß.&amp;lt;ref&amp;gt;Autorenlexikon: &amp;#039;&amp;#039;Bulgarin, Faddej Venediktovic,&amp;#039;&amp;#039; S. 1. &amp;#039;&amp;#039;Digitale Bibliothek,&amp;#039;&amp;#039; Band 13: Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Weltliteratur,&amp;#039;&amp;#039; S. 2171 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 235).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutsche Entwicklung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-C0225-0010-004, Maxim-Gorki-Theater, Szenenbild &amp;quot;Frau Jenny Treibel&amp;quot;.jpg|mini|Eine Szene aus &amp;#039;&amp;#039;Frau Jenny Treibel&amp;#039;&amp;#039; mit [[Friedel Nowack]] als Jenny Treibel und [[Winfried Wagner (Schauspieler)|Winfried Wagner]] als ihr Sohn Leopold; 1964 im [[Maxim-Gorki-Theater]]]]&lt;br /&gt;
Im deutschsprachigen Bereich verkörpern [[Theodor Fontane]]s Romane – je nach Interpretation – den Typus des Gesellschaftsromans oder des Sittenromans am reinsten: Standesbegriffe, Standesschranken und die entsprechenden Dünkel zerstören Beziehungen und Bindungen, egal ob in &amp;#039;&amp;#039;[[L’Adultera]]&amp;#039;&amp;#039; (1882), &amp;#039;&amp;#039;[[Irrungen, Wirrungen]]&amp;#039;&amp;#039; (1888), nahezu karikaturhaft in &amp;#039;&amp;#039;[[Frau Jenny Treibel]]&amp;#039;&amp;#039; und am bekanntesten in &amp;#039;&amp;#039;[[Effi Briest]]&amp;#039;&amp;#039; (1895).&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann, Rösch, S. 236.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn [[Thomas Mann]] mit den &amp;#039;&amp;#039;[[Buddenbrooks]]&amp;#039;&amp;#039; den bürgerlichen Roman zur Vollendungen gebracht hat, dann ist dieser wie &amp;#039;&amp;#039;[[Der Zauberberg]]&amp;#039;&amp;#039; am Ende auch ein Sittenroman geworden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann, Rösch, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als letzten sprachlich eleganten Vertreter des Sittenromans mag man [[Hermann Kesten]] ansehen, der in &amp;#039;&amp;#039;Die Kinder von Gernika&amp;#039;&amp;#039; (1939) „die Sprache wie ein [[Florett]] zu handhaben wußte“.&amp;lt;ref&amp;gt; Hoffmann, Rösch, S. 317.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders plakative und auf den [[Voyeurismus|Voyeureffekt]] abzielende Titel wurden schließlich ab den 1920er Jahren eingesetzt: A. Kuprins &amp;#039;&amp;#039;Jama die Lastergrube&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;A. Kuprin: &amp;#039;&amp;#039;Jama die Lastergrube. Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; Interterritorialer Verlag „Renaissance“, 26. Aufl. Berlin/Wien/Leipzig 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; erreichte 26 Auflagen, was sowohl für die Geschäftstüchtigkeit des Verlags wie auch für die Lesefreudigkeit der damaligen Zeit sprach. Dabei steht dieser Titel für etliche andere jener Ära stellvertretend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein mit anschaulichem Text war jedoch noch nicht der Gipfel der Aufmerksamkeit erreicht. Das ausdrücklich nicht als Sittenroman bezeichnete Werk &amp;#039;&amp;#039;Nackte Menschen – Der Roman einer Freundschaft&amp;#039;&amp;#039; von Albert Schneider&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Schneider: &amp;#039;&amp;#039;Nackte Menschen – Der Roman einer Freundschaft.&amp;#039;&amp;#039; Ostra-Verlag, Leipzig 1922.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigte mit einer barbusigen hübschen Frau auf dem Titelblatt gleich vermeintlich seine „inneren Wert“ und wurde folglich von der [[Reichskulturkammer]] 1938 auf den Index des &amp;#039;&amp;#039;schädlichen und unerwünschten Schrifttums&amp;#039;&amp;#039; gesetzt. Eines dieser Exemplare überlebte im [[Giftschrank]] der [[Bayerische Nationalbibliothek|Bayerischen Nationalbibliothek]], obwohl der inhaltlich eher harmlose klassische Sittenroman in einem eigentlich für Sittenromane nicht gängigen Verlag erschienen war.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/verbotene-buecher-wohin-mit-einer-ganzen-kiste-hitler-1488879.html &amp;#039;&amp;#039;Verbotene Bücher. Wohin mit einer ganzen Kiste Hitler?&amp;#039;&amp;#039;] www.faz.net&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Weg in die literarischen Niederungen waren nunmehr auch für den Sittenroman vorgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einer Untersuchung von rund 200 so genannten deutschsprachigen &amp;#039;&amp;#039;Trivialromanen&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bücher, die nicht für Buchhandel vertrieben, sondern nur für den damaligen Bedarf von zum Teil kommerziellen [[Leihbücherei]]en produziert wurden. Die Jahresproduktion betrug in der [[Bundesrepublik Deutschland|BRD]] ca. 1.800 Titel&amp;lt;/ref&amp;gt; der 1950er und Anfang der 1960er Jahre kam der [[Ethnologe]] Walter Nutz zu folgendem Unterscheidungsmerkmal: „die Liebe wird ausgeschrieben“: „»Mit weit aufgerissenen, Augen, vor Angst geöffneten Lippen schaute sie zu ihm herab, über ihren entblößten Körper, der zum Spielball seines und ihres Begehrens zu werden drohte. Seine Küsse brannten auf ihrer Haut, und die Zärtlichkeiten seiner Hände schienen sie in Fetzen reißen zu wollen.« Im Frauenroman kommt es nie so weit, auf einen Kuß folgt die Verlobung, und auf einen gierigen Blick folgen drei Pünktchen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45139862.html &amp;#039;&amp;#039;Trivialroman. Liebe muss sein.&amp;#039;&amp;#039;] &amp;#039;&amp;#039;[[Der Spiegel]],&amp;#039;&amp;#039; 17/1962.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitere Beispiele für Sittenromane ==&lt;br /&gt;
* [[Eduard Breier]]: &amp;#039;&amp;#039;Wien und Rom. Sittenroman aus der Zeit Kaiser Joseph II.&amp;#039;&amp;#039; Wien 1851.&lt;br /&gt;
* Eduard Breier: &amp;#039;&amp;#039;Wien in der Nacht. Sittenroman aus der Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; Wien 1853.&lt;br /&gt;
* [[Margarete Böhme]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Tagebuch einer Verlorenen]].&amp;#039;&amp;#039; 1905&lt;br /&gt;
* Margarete Böhme: &amp;#039;&amp;#039;Dida Ibsens Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; 1907&lt;br /&gt;
* [[Victorien Du Saussay]]: &amp;#039;&amp;#039;Frauenärzte: Pariser Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; 1908.&lt;br /&gt;
* [[Artur Landsberger]]: &amp;#039;&amp;#039;Lu. Die Kokotte.&amp;#039;&amp;#039; 1918&lt;br /&gt;
* [[Max Kretzer]]: &amp;#039;&amp;#039;Drei Weiber. Berliner Sittenroman.&amp;#039;&amp;#039; Berlin 1920.&lt;br /&gt;
* F. Dirsztay: &amp;#039;&amp;#039;Die Revolution der Parasiten.&amp;#039;&amp;#039; 1923&lt;br /&gt;
* V. Mandelstamm: &amp;#039;&amp;#039;Hollywood. Sittenroman aus der Welt des Films.&amp;#039;&amp;#039; o.&amp;amp;nbsp;J.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Christine Maillard, Michael Titzmann (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Literatur und Wissen(schaften) 1890–1935.&amp;#039;&amp;#039;  Metzler, Stuttgart/Weimar 2002.&lt;br /&gt;
* [[Peter Nusser]]: &amp;#039;&amp;#039;Trivialliteratur (= Sammlung Metzler, 262).&amp;#039;&amp;#039; Metzler, Stuttgart 1991.&lt;br /&gt;
* Walter Nutz: &amp;#039;&amp;#039;Der Trivialroman.&amp;#039;&amp;#039; Westdeutscher Verlag, Köln 1962.&lt;br /&gt;
* [[Marianne Wünsch]]: &amp;#039;&amp;#039;Wege der ‚Person‘ und ihrer ‚Selbstfindung‘ in der fantastischen Literatur nach 1900.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Manfred Pfister (Literaturwissenschaftler)|Manfred Pfister]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Modernisierung des Ich. Studien zur Subjektkonstitution in der Vor- und Frühmoderne&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;PINK/Passauer Interdisziplinäre Kolloquien;&amp;#039;&amp;#039; 1), S. 168–179.&lt;br /&gt;
* Marianne Wünsch: &amp;#039;&amp;#039;Regeln erotischer Beziehungen in Erzähltexten der Frühen Moderne und ihr theoretischer Status.&amp;#039;&amp;#039; In: SPIEL (= &amp;#039;&amp;#039;Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft&amp;#039;&amp;#039;) 9, Heft 1, S. 131–172&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.uni-passau.de/2204.html?&amp;amp;module=Lecturedetails&amp;amp;target=3383&amp;amp;source=3383&amp;amp;config_id=232ee5ad516ac92bf590f99ac8c2baa8&amp;amp;range_id=f05&amp;amp;seminar_id=1911cb2bc0a4d1ac0ba027f120207a78 &amp;#039;&amp;#039;Sittenfilm und Sittenroman&amp;#039;&amp;#039; Hauptseminar im Wintersemester 2009, Universität Passau (Jan-Oliver Decker)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturgattung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Aka</name></author>
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