<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Seitschen</id>
	<title>Seitschen - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Seitschen"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Seitschen&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-29T19:24:40Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Seitschen&amp;diff=1968989&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;J budissin am 13. März 2026 um 19:25 Uhr</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Seitschen&amp;diff=1968989&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-03-13T19:25:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland&lt;br /&gt;
| Ortsteil = Seitschen&lt;br /&gt;
| Alternativname = Žičeń&lt;br /&gt;
| Gemeindename = Göda&lt;br /&gt;
| Breitengrad = 51/09/51/N&lt;br /&gt;
| Längengrad = 14/19/38/E&lt;br /&gt;
| Bundesland = Sachsen&lt;br /&gt;
| Höhe = 210&lt;br /&gt;
| Höhe-Bezug = NHN&lt;br /&gt;
| Fläche                 = 2.378&lt;br /&gt;
| Fläche-Quelle          = &amp;lt;ref name=&amp;quot;Gindex&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://geoindex.io/gemarkungen/141457 |titel=Gemarkung Großseitschen, Gemeinde Göda |werk=GEOindex |abruf=2026-03}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Einwohner              = {{Metadaten Einwohnerzahl Göda}}&lt;br /&gt;
| Einwohner-Stand-Datum  = {{Metadaten Einwohnerzahl Göda|DAT=1}}&lt;br /&gt;
| Einwohner-Quelle       = &amp;lt;ref&amp;gt;Angaben der Gemeindeverwaltung Göda&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Eingemeindungsdatum    = 1974-01-01&lt;br /&gt;
| Postleitzahl1     = 02633&lt;br /&gt;
| Vorwahl1          = 035930&lt;br /&gt;
| Bild              = Göda Seitschen Gut Aerial Pan.jpg&lt;br /&gt;
| Bild-Beschreibung = Luftbild&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Seitschen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, {{wenS}} {{Audio|Žičeń.ogg|&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Žičeń&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;}}, früher auch &amp;#039;&amp;#039;Großseitschen&amp;#039;&amp;#039;, ist ein Dorf in der [[Oberlausitz]] und seit 1974 [[Ortsteil]] der Gemeinde [[Göda]] im Zentrum des [[Sachsen|ostsächsischen]] [[Landkreis Bautzen|Landkreises Bautzen]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;HS&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle|url=https://daten.verwaltungsportal.de/dateien/legalframework/4/9/9/2/8/Hauptsatzung_2024.pdf |titel=Hauptsatzung |titelerg=§&amp;amp;nbsp;2 |werk=Webauftritt |hrsg=Gemeinde Göda |format=PDF;&amp;amp;nbsp;100&amp;amp;nbsp;kB |abruf=2026-03}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Ort zählt zum offiziellen [[Sorbisches Siedlungsgebiet|sorbischen Siedlungsgebiet]]. Seitschen wurde 1012 erstmals erwähnt und ist damit einer der am längsten bekannten Orte in der Region.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografie ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Fotothek df rp-c 0600067 Göda-Seitschen. Oberreit, Sect. Bautzen, 1844-46.jpg|mini|Groß- und Kleinseitschen auf der Oberreit-Karte von 1844/46]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort befindet sich etwa acht Kilometer westlich von [[Bautzen]] und zwei Kilometer südlich des Gemeindezentrums Göda im Tal des [[Langes Wasser (Hoyerswerdaer Schwarzwasser)|Langen Wassers]] und am Rand des [[Oberlausitzer Bergland]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heutige Seitschen besteht aus zwei historischen Siedlungskernen, die auch heute noch deutlich voneinander unterschieden werden können. Das nördlichere Großseitschen am westlichen Ufer des Langen Wassers ist ein [[Gassendorf]] mit Gutshof und Dorfteich, das etwas südlichere Kleinseitschen dagegen eine Gutssiedlung am östlichen Ufer. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden außerdem am Bahnhof Seitschen die ersten Gebäude einer dritten Siedlung errichtet, die im Laufe der Zeit gewachsen ist und ebenfalls zu Seitschen zählt. Südlich der Bahnstrecke, auf dem Weg nach [[Gaußig]], steht die früher als Kleinseitschener Ortsteil gezählte Puschermühle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachbarorte sind Göda im Norden, [[Siebitz (Göda)|Siebitz]] im Osten, Brösang im Süden, [[Birkau (Göda)|Birkau]] im Westen und [[Semmichau]] im Nordwesten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Das Gebiet um Seitschen war mindestens seit der [[Bronzezeit]] besiedelt, im „Seitschener Hay“, einem Waldstück südsüdwestlich des Bahnhofs, wurde eine Gruppe von fünf bronzezeitlichen Hügelgräbern entdeckt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Harald Quietzsch]], [[Heinz Jacob]]: &amp;#039;&amp;#039;Die geschützten Bodendenkmale im Bezirk Dresden&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Kleine Schriften des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden.&amp;#039;&amp;#039; Band 2). Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden 1982, S. 10–20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erwähnung eines Ortes &amp;#039;&amp;#039;Sciciani&amp;#039;&amp;#039; bzw. &amp;#039;&amp;#039;Cziczani&amp;#039;&amp;#039; für 1012, 1017 und 1018 in der Chronik des Bischofs [[Thietmar von Merseburg]] wird heute weitgehend als erste schriftliche Nachricht über (Groß-)Seitschen anerkannt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HOV&amp;quot;&amp;gt;[https://hov.isgv.de/Seitschen,_Gro%C3%9F- Groß-Seitschen im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schuster&amp;quot;&amp;gt;[[Heinz Schuster-Šewc]]: &amp;#039;&amp;#039;Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem polnischen Fürstenhaus der Piasten und den altsorbischen Milzenern?&amp;#039;&amp;#039;. Neues Archiv für sächsische Geschichte, Bd. 73 (2002), S. 3–18, ISBN 3-87707-618-1, [https://nasg.journals.qucosa.de/nasg/issue/view/5/16]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Koenitz&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Bernd Koenitz |Titel=Žičeń/Seitschen – vom Identitätsproblem eines Lausitzer Ortes und seines Namens, in: Lětopis 71 |Verlag=Sorbisches Institut |Ort=Bautzen |Datum=2024 |Online=https://lětopis.de/letopis/article/view/40/41 |Kommentar=Übersicht über andere Deutungen auf S. 4–5}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Thietmar schildert die kriegerischen Auseinandersetzungen in den Jahren 1003 bis 1018 zwischen dem polnischen Herzog [[Bolesław Chrobry]] und dem deutschen König und späteren Kaiser [[Heinrich II. (HRR)|Heinrich II.]]:&lt;br /&gt;
* 29.&amp;amp;nbsp;Juni 1012: {{&amp;quot;|Text=Währenddeß kam der König, von Bolizlav durch Gesandte aufgefordert, nach &amp;#039;&amp;#039;Sciciani&amp;#039;&amp;#039;, um Friede zu machen. Daselbst prächtig empfangen, blieb er doch nur zwei Nächte, und kehrte, ohne etwas ausgerichtet zu haben, doch mit reichen Gaben beschenkt, heim.| ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thietmar&amp;quot; details=&amp;quot;Buch VI, Nr. 69&amp;quot;&amp;gt;[https://de.wikisource.org/wiki/Seite:Die_Chronik_des_Thietmar_von_Merseburg.pdf/266 Chronik des Thietmar von Merseburg]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
* 2.&amp;amp;nbsp;Februar 1017: {{&amp;quot;|Text=Vierzehn Tage lang lagerten dann die beiden Erzbischöfe [[Erkanbald]] und [[Gero von Magdeburg|Gero]] und [[Arnulf von Halberstadt|Bischof Arnulf]] nebst den Grafen Sigifrid und Bernhard und anderen Großen des Reiches an der [[Mulde (Fluss)|Milda]], und forderten den Bolizlav auf, zu der von ihm so lange gewünschten Unterhandlung zu ihnen zu kommen. Dieser befand sich damals zu &amp;#039;&amp;#039;Sciciani&amp;#039;&amp;#039; und erwiederte, als er die Botschaft vernommen hatte, er getraue sich aus Besorgniß vor seinen Feinden durchaus nicht dorthin zu kommen.| ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thietmar&amp;quot; details=&amp;quot;Buch VII, Nr. 51&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
* Am 30.&amp;amp;nbsp;Januar 1018 wurde der [[Frieden von Bautzen]] abgeschlossen. {{&amp;quot;|Text=Vier Tage nachher kam [[Oda (Meißen)|Oda]], eine Tochter des [[Ekkehard I. (Meißen)|Markgrafen Ekkihard]], um welche Bolizlav schon lange geworben hatte und die er jetzt durch seinen Sohn [[Otto (Polen)|Otto]] einholen ließ, nach &amp;#039;&amp;#039;Cziczani&amp;#039;&amp;#039;. Weil es gerade Nacht war, als sie ankamen, so fanden sie viele Lichter angezündet und eine große Menge beiderlei Geschlechts empfing sie. Sie heirathete den Herzog nach Septuagesima,...| ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Thietmar&amp;quot; details=&amp;quot;Buch VIII, Nr. 1&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Heinz Schuster-Šewc verortet diese Ereignisse in der Dorfanlage um die Wasserburg von Großseitschen, die aus der Zeit der slawischen Besiedlung stammt. Bolesław Chrobry benutze den Ort als eine Art Residenz. Von hier aus beobachtete er im Januar 1018 die Friedensverhandlungen in Bautzen. Der slawische Burgwall auf dem Felsplateau über dem Langen Wasser ist erst später errichtet worden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schuster&amp;quot; details=&amp;quot;S. 12–13&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1225 wird ein „allodium novum“ in Sycene genannt, das sich auf das Gut in Kleinseitschen bezieht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Koenitz&amp;quot; details=&amp;quot;S. 2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1228/1241 Die [[Oberlausitzer Grenzurkunde]] beschreibt das Gebiet des [[Burgward]] Sizen zusammen mit einem Gebiet östlich einer Grenzlinie entlang der [[Sebnitz (Fluss)|Sebnitz]], [[Polenz (Fluss)|Polenz]] und [[Wesenitz]] bis zur [[Elbe]]. Es gehörte zum Besitz des [[Geschichte Böhmens|Königreichs Böhmen]] und grenzte im Westen an das Gebiet des Burgward [[Göda]] und im Osten an den Burgward [[Doberschau]], die beide im Besitz des Bistums Meißen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Žičeński hród.jpg|mini|Der Seitschener Gutshof]]&lt;br /&gt;
1276 wird ein „miles Theodericus de Zitzin“ genannt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HOV&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Rittergut Großseitschen ist seit dem 16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert im Besitz der [[Bolberitz (Adelsgeschlecht)|Herren von Bolberitz]], die es 1727 verkauften, danach wechselten oft die Besitzer.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Walter von Boetticher]]: [[Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815]]. Bd. 1, Görlitz 1912, S. 168–175. [https://digital.ulb.hhu.de/ihd/content/pageview/8984803 Volltext]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleinseitschen entstand ursprünglich als [[Vorwerk (Gutshof)|Vorwerk]] des Seitschener Gutes und wurde 1374 erstmals als &amp;#039;&amp;#039;Parva Zyczchen&amp;#039;&amp;#039; verzeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Walther Haupt (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Das Zinsregister des Klosters Marienstern&amp;#039;&amp;#039;. Bautzen 1957, S. 78. [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht?tx_dlf%5Bid%5D=441053&amp;amp;tx_dlf%5Bpage%5D=94 Volltext SLUB Dresden]&amp;lt;/ref&amp;gt; Spätestens 1580 war aus dem Vorwerk bereits ein eigenständiges Rittergut Kleinseitschen geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit 1580 waren die Einwohner beider Orte evangelisch nach Göda gepfarrt, das dem Bistum Meißen gehörte und 1559 auf das [[Kurfürstentum Sachsen]] überging, während Seitschen zu den [[Länder der Böhmischen Krone|Ländern der Böhmischen Krone]] gehörte, und erst mit dem [[Prager Frieden (1635)]] zu Sachsen kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1846 wurde abschnittsweise die [[Bahnstrecke Görlitz–Dresden]] mit dem mittig zwischen Dresden und Görlitz gelegenen Haltepunkt Seitschen eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum 1. April 1936 bestanden Groß- und Kleinseitschen als eigenständige Landgemeinden; dann wurden sie zu einer Einheitsgemeinde Seitschen zusammengelegt, die am 1. Januar 1974 in Göda aufging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Rittergut in Großseitschen wurde nach 1945 enteignet und beherbergte zu DDR-Zeiten den Seitschener Kindergarten. Im Sommer 2021 fanden hier Dreharbeiten für die Krimiserie [[Lauchhammer – Tod in der Lausitz]] statt, die im Jahr darauf ausgestrahlt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lauchhammer&amp;quot;&amp;gt; &amp;#039;&amp;#039;Wie das Rittergut Seitschen in die Krimiserie Lauchhammer kam&amp;#039;&amp;#039;, in: Sächsische Zeitung vom 26. September 2022&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bevölkerung ===&lt;br /&gt;
Der ältere Ortsteil Großseitschen ist seit jeher auch der einwohnerreichere. 1834 lebten hier 145, in Kleinseitschen 87 Einwohner. Im 19. Jahrhundert stiegen die Bevölkerungszahlen langsam, aber kontinuierlich. 1871 hatte Seitschen insgesamt 306 Bewohner (188/118), im Jahre 1910 317 (218/99) und 1925 waren es 324 (220/104). Einen sprunghaften Bevölkerungsanstieg gab es nach dem Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] mit dem Zuzug zahlreicher Vertriebener aus den ehemaligen Ostgebieten. Die Bewohnerzahl stieg bis 1950 auf 529, um danach wieder leicht abzunehmen. Ein deutlicher Rückgang ist seit der Wiedervereinigung zu beobachten. Mit Stand Ende 2019 leben in Großseitschen 201, in Kleinseitschen 86 Menschen. Die Siedlung um den Bahnhof gehört zu beiden Gemarkungen, getrennt durch die Bahnhofstraße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für seine Statistik über die [[Sorben|sorbische]] Bevölkerung der Lausitz ermittelte [[Arnošt Muka]] in den 1880er Jahren eine Bevölkerungszahl von 236 Einwohnern für Groß- und 104 für Kleinseitschen. In Großseitschen gab es mit 201 Sorben (85 %) und 35 Deutschen eine deutliche sorbische Mehrheit. In Kleinseitschen lebten 61 Sorben (59 %) und 43 Deutsche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Muka&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Ernst Tschernik |Titel=Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung |Verlag=Akademie-Verlag |Ort=Berlin |Datum=1954}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Seitschen lag damals im geschlossenen Sprachgebiet des [[Obersorbische Sprache|Obersorbischen]]. Seither ist der Gebrauch des Sorbischen jedoch stark zurückgegangen, besonders seitdem nach 1945 zahlreiche deutschsprachige Vertriebene in den Ort zogen. So zählte [[Ernst Tschernik]] 1956 in der gesamten Gemeinde Seitschen einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von nur noch 21,6 %.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tschernik&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Ludwig Elle]] |Titel=Sprachenpolitik in der Lausitz |Verlag=Domowina-Verlag |Ort=Bautzen |Datum=1995 |Seiten=246}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Angaben zur Konfessionsangehörigkeit stammen von 1925. Damals waren in beiden Ortsteilen fast alle Einwohner evangelisch-lutherisch. Nach dem [[Volkszählung in Deutschland 2022|Zensus von 2022]] sind in der Gemeinde Göda 13,9 % katholisch, 32,4 % evangelisch und 53,7 % ohne Konfession oder gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an. Daraus lassen sich jedoch keine Angaben für die einzelnen Teilorte herausfiltern, allenfalls eine Tendenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Infrastruktur ==&lt;br /&gt;
Durch den Ort verläuft die Staatsstraße 107 (Göda – Gaußig). Die nächste Anschlussstelle der [[Bundesautobahn 4|A 4]] (Dresden – [[Wrocław]]) ist &amp;#039;&amp;#039;Salzenforst&amp;#039;&amp;#039;, sieben Kilometer nordöstlich. Seitschen verfügt zudem über einen [[Haltepunkt]] an der [[Bahnstrecke Görlitz–Dresden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Bahnhof und die Bahnhofssiedlung ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Bahnhofsgebaeude Seitschen 2937 WC.jpg|mini|Haltepunkt Seitschen]]&lt;br /&gt;
Im Juni 1846 wurde der Abschnitt von Bischofswerda nach Bautzen der [[Bahnstrecke Görlitz–Dresden]] eröffnet. Seitschen erhielt am südlichen Rand des Ortes einen [[Haltepunkt]], um den sich erst im 20. Jahrhundert ein neuer Ortsteil entwickelte. Um 1900 waren nur die beiden Villen und die Post vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon früh angelegte Haltepunkt erklärt sich nicht aufgrund des Reisendenaufkommens, das marginal war. Vielmehr wurden von hier die landwirtschaftlichen Produkte der näheren Umgebung zu den Städten entlang der Bahnstrecke gebracht. Dieser Güterverkehr erforderte schon bald ein drittes Ladegleis mit dem noch heute vorhandenen Güterschuppen. Fünfzig Jahre später sind erhebliche Milchlieferungen nach Dresden belegt. So wurde 1895 Seitschen als größte Versandstation sowohl für den Bahnhof Dresden-Neustadt I ([[Bahnhof Dresden-Neustadt#Schlesischer Bahnhof|Schlesischer Bahnhof]]) als auch für den Personenbahnhof Dresden-Altstadt genannt. Es wurden im Laufe dieses Jahres 68.149 volle Krüge Milch mit einem Gewicht von 1.788.930 kg von Seitschen nach Dresden transportiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Milch&amp;quot;&amp;gt;Amtsblatt der Königl. Generaldirektion der Sächsischen Staatseisenbahnen, Nº 10 vom 5. März 1896. [https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/amtsdekog_20457627Z_1896_001/amtsdekog_20457627Z_1896_001_tif/jpegs/00000139.tif.original.jpg Digitalisat der SLUB Dresden]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst wurde 1846 der Güterschuppen, eine Kalkablage und ein zweistöckiges Bahnwärterhaus errichtet. Dieses beherbergte den Bahnwärter für den beschrankten Bahnübergang am Bahnhof und seine Familie sowie den Oberbahnwärter nebst Familie für die Aufsicht des Streckenabschnitts von Seitschen nach Bischofswerda.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Bwhaus&amp;quot;&amp;gt;Hans von Polenz: &amp;#039;&amp;#039;Bahnwärterhäuser&amp;#039;&amp;#039;, Löbau 2014, S. 76, ISBN 978-3-00-044644-3&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Stationsgebäude gab es anfangs nicht. 1854 kam die Bahnhofsrestauration als zweites Steingebäude am Ort hinzu. Schon früh muss es nach Seitschen Ausflugsverkehr gegeben haben. Auf der Terrasse entstand ein Biergarten. Das Obergeschoss der Restauration wurde als Ballsaal genutzt. Bis zum Bau eines eigenen Postgebäudes 1895 war hierin mit einer Unterbrechung von 1866 bis 1883 jahrzehntelang auch die Postagentur untergebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Post&amp;quot;&amp;gt;Siegfried Casper: &amp;#039;&amp;#039;Das ehemalige Post- und Telefonamt Seitschen&amp;#039;&amp;#039;, in: Lausitzer Almanach 12, 2019, Seite 106–112&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor dem Ersten Weltkrieg bestand das Ensemble im Wesentlichen aus Stationsgebäude mit Schuppen, Bahnwärterhaus mit Nebengebäuden, Bahnhofsrestauration mit Kegelbahn, der Post und zwei um 1900 erbauten Villen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Seitschen Bahnhofstrasse 6.jpg|mini|Ehemaliges Postgebäude in Seitschen, als solches nicht in Rot]]&lt;br /&gt;
Das zweistöckige steinerne Stationsgebäude scheint erst Ende der 1870er Jahre erbaut worden zu sein. Im Obergeschoss befand sich zunächst die Dienstwohnung des Vorstehers, später wurde es an Bahnbedienstete und ihre Familien vermietet. Der Bau wurde um einen einstöckigen Anbau für Warteraum und Gepäckaufbewahrung ergänzt. An der Stirnseite zum Vorplatz hin befand sich der Zugang für die Reisenden. Das Erdgeschoss des Hauptgebäudes und des Anbaus wurde mehrfach umgebaut und entspricht heute nicht dem Zustand Ende des 19. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Güterverkehr nahm um die Wende zum 20. Jahrhundert derart zu, dass durch das ständige Rangieren der direkt am Bahnhof gelegene Bahnübergang häufig für längere Zeit geschlossen war. Deshalb wurde eine Umgehungsstraße gebaut, ein Personentunnel errichtet und der Bahnübergang 1914 geschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1945 richtete die [[Deutsche Reichsbahn (1945–1993)|Deutsche Reichsbahn]] separierte Zimmer für das Bahnhofs- und Rangierpersonal im Obergeschoss der Restauration ein. Die Pächter der weiterhin rege genutzten Restauration waren lange Zeit auch gleichzeitig die Besitzer des Kohlenlagers auf der gegenüber liegenden Gleisseite. Der letzte Pächter der Restauration hat in den 1980er Jahren den Betrieb aus Altersgründen aufgegeben. Mit der [[Bahnreform (Deutschland)|Behnreform]] kam das Gebäude an die [[Deutsche Bahn]] AG, die das Gebäude leer stehen ließ. Um 2020 erwarb die Gemeinde [[Göda]] das Grundstück zusammen mit dem Gebäude. Während des Leerstandes wurde schon zu Zeiten der Deutschen Bahn das Dach undicht und in der Folge ist eine Hälfte der Zwischendecken eingebrochen. Das Gebäude ist zum Abriss vorgesehen, was bislang aus Kostengründen unterblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1970 wurden die Bahnhofs- und Gleisanlagen grundlegend umgestaltet. Das Gütergleis verschwand genauso wie die beiden daran angeschlossenen Stichgleise. Grund für den Umbau war die Errichtung des ACZ ([[Agrochemisches Zentrum]]) Seitschen südwestlich des Bahnhofs. Hierfür wurde ein neuer Gleisanschluss mit einem Schuppen für zwei Kleinlokomotiven errichtet. 1983 waren zwei Kilometer Gleise mit elf Weichen in Betrieb. Darauf wurden allein von der örtlichen Be- und Entladegemeinschaft 11.000 Tonnen Rohbraunkohle, 1.200 Tonnen Pflanz- und Saatgut, 1.800 Tonnen Baustoffe, 45.200 Tonnen Zuckerrüben, 3.000 Tonnen Nassschnitzel und 21.000 Tonnen Mineraldünger umgeschlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ACZtonnen&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Wie gut werden Transport und Umschlag bewältigt?&amp;#039;&amp;#039;, in: Sächsische Zeitung vom 7./8. Januar 1984&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach 1990 erwarben westdeutsche Bau- und Agrarunternehmen das Gelände und nutzten den Anschluss für Gütertransporte noch bis 2012. Seither ist der Anschluss mit einer Ausnahme nicht mehr bedient worden, im Prinzip jedoch noch nutzbar. Das Gelände wurde Anfang um 2020 von einem Holzunternehmen in [[Neukirch/Lausitz]] erworben. Die beiden Kleinlokomotiven gingen 2019 an einen Sammler nach Mecklenburg-Vorpommern.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kleinloks&amp;quot;&amp;gt;[https://www.walter-kuhl.de/seitschen/geschehen2019.htm#Ueb_Klok Der Bahnhof in Seitschen. Was 2019 so alles geschieht], zu den Kleinlokomotiven des ACZ und ihrem Verbleib auf der privaten Webseite von Walter Kuhl&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Seitschen Wegestein 5 AB 2017.JPG|mini|2017 noch vorhandener, danach zerstörter Wegestein am Seitschener Gutshof]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Umbau der Bahnanlagen im Zusammenhang mit der Errichtung des ACZ Seitschen wurde 1969 ein Spurplanstellwerk des [[Relaisstellwerk#Deutsche Reichsbahn|Typs GS II DR]] im Raum für die [[Fahrdienstleiter]] untergebracht und löste das [[Mechanisches Stellwerk|mechanische Stellwerk]] im Nachbarraum ab, in dem nunmehr die Fahrkartenausgabe untergebracht war. Mit der Inbetriebnahme des [[Elektronisches Stellwerk|EStW]] in Bautzen 2006 verließ der letzte Fahrdienstleiter das Gebäude, das nach dem anschließenden Auszug der Mieterin des Obergeschosses mehrere Jahre leer stand. 2015 wurde es im Auftrag der Deutschen Bahn versteigert und befindet sich seitdem in Privatbesitz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Auktion&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Wie wär&amp;#039;s mit einem Bahnhof?&amp;#039;&amp;#039;, in: Sächsische Zeitung, online am 25. August 2015&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es halten Triebwagen vom Typ [[DB-Baureihe 642|Desiro Classic]] montags bis freitags in der Regel stündlich in beide Richtungen, am Wochenende und an Feiertagen alle zwei Stunden. Betreiber ist bis Ende 2031 die [[Die Länderbahn|Länderbahn]] unter dem Markennamen [[Trilex (Marke)|Trilex]]. 2014 nutzten montags bis freitags etwa 70 Reisende täglich die Triebwagen zum Ein- oder Ausstieg (letzte bekannte Zahl).&amp;lt;ref&amp;gt;ZVON: &amp;#039;&amp;#039;Fortschreibung Nahverkehrsplan 2017, Entwurf, Stand 01.11.2017&amp;#039;&amp;#039;, Grafik Seite 115&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wegesteine in Seitschen ===&lt;br /&gt;
In Groß- und Kleinseitschen stehen noch drei [[Wegweisersäule|Wegesteine]]. Mit Hilfe von [[Topografische Karte]]n zu Beginn des 20. Jahrhunderts lassen sich acht Wegesteine auf und an den Grenzen der beiden Seitschener Gemarkungen belegen. Diese standen an den Schnittpunkten der Kommunikationswege zwischen den Dörfern der Umgebung. Der ursprünglich direkt am Bahnhof gelegene Wegestein wurde um 1914 im Zuge des Baus der Umgehungsstraße mit gleichzeitiger Auflassung des höhengleichen Bahnübergangs versetzt. 1990 waren davon noch fünf vorhanden, von denen seither zwei durch Unfälle mit [[Lastkraftwagen|LKW]] und PKW zerstört wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* {{Siehe auch|Liste von Wegweisersäulen im Landkreis Bautzen#Göda}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
* [[Adolf Curt von Prenzel]] (1799–1889), Generalleutnant, geboren in Seitschen&lt;br /&gt;
* [[Pětr Młónk]] (1805–1887), sorbischer Volksdichter, geboren in Seitschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Siegfried Casper: &amp;#039;&amp;#039;Göda &amp;amp; Umgebung in alten Bildern&amp;#039;&amp;#039;, 3. erweiterte Auflage Göda 2016, zu Seitschen S. 243–256&lt;br /&gt;
* Hans von Polenz: &amp;#039;&amp;#039;Eisenbahnen im Bautzener Land&amp;#039;&amp;#039;, Löbau 2006, zu Seitschen S. 43–46, ISBN 3-00-018243-8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Seitschen/Žičeń}}&lt;br /&gt;
* {{HOV|Seitschen}}&lt;br /&gt;
* [https://www.goeda.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=244611 &amp;#039;&amp;#039;Ortsteil Seitschen&amp;#039;&amp;#039;] In: Webauftritt der Gemeinde Göda.&lt;br /&gt;
* [https://www.walter-kuhl.de/seitschen/bahnhofsumgebung.htm Der Bahnhof in Seitschen], private Website von Walter Kuhl mit weiterführenden Informationen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Navigationsleiste Ortsteile von Göda}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geographie (Göda)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ort im Landkreis Bautzen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ort in der Oberlausitz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bautzen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ort im sorbischen Siedlungsgebiet]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gemeindeauflösung 1974]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;J budissin</name></author>
	</entry>
</feed>