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	<title>Schreiber - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Schreiber&amp;diff=240368&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Georg Hügler: /* Neuzeit */</title>
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		<updated>2026-04-26T06:56:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Neuzeit&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Escribano.jpg|mini|Schreiber mit diversen Materialien (Darstellung aus dem Mittelalter)]]&lt;br /&gt;
Ein &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Schreiber&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist jemand, der beruflich nach [[Diktat]] oder schriftlicher Vorlage Texte schreibt oder kopiert. Das Berufsbild wandelte sich im Laufe der [[Menschheitsgeschichte]] in seiner Bedeutung und Bedeutsamkeit mehrfach. Die Kunst, eigenen oder auch fremden Gedanken, religiösen Texten oder auch der (land)wirtschaftlichen [[Buchführung]] mittels durch Übereinkunft festgesetzter Zeichen sichtbaren und dauerhaften Ausdruck zu geben, war eine wesentliche Errungenschaft der frühen [[Hochkultur (Geschichtswissenschaft)|Hochkulturen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mesopotamien ==&lt;br /&gt;
Im mesopotamischen [[Sumer]] haben die Archäologen die ältesten, aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. stammenden [[Tontafel]]n mit [[Geschichte der Schrift#Mesopotamische Keilschrift|Schriftzeichen]] gefunden. Die Ursprünge dieser [[Keilschrift#Geschichte und Verbreitung|keilförmigen Schriftzeichen]] liegen in einer [[Bilderschrift]], die sich zur lautbeschreibenden Schrift weiterentwickelte. Menschen, die diese Fähigkeiten beherrschten, gehörten zur Oberschicht bzw. stammten aus ihr, da die Ausbildung aufwändig war und Schreiber vor allem für staatliche Aufgaben benötigt wurden, wie für Steuerlisten. Königliche Schreiber hatten eine Vertrauensposition inne, gaben sie doch oft vertrauliche Nachrichten wieder, und ihre Arbeit war nicht durch jeden überprüfbar. Gerade wenn der König selbst nicht schriftkundig war, bestand ein hohes Potenzial des Betruges. Auch Verträge zwischen Privatpersonen sowie Geldschulden wurden schriftlich festgehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mesopotamien war [[Nabu (Gott)|Nabu]] der Schutzgott der Schreiber. Mehrere Texte preisen den Beruf des Schreibers&amp;lt;ref&amp;gt;z. B. Åke W. Sjöberg, In Praise of the Scribal Art, Journal of Cuneiform Studies 24/4, 1972, 26-131&amp;lt;/ref&amp;gt;. „Sei eifrig in der Kunst des Schreibens, sie wird Dich mit Reichtum und Überfluß versehen“, fordert ein in mehreren Variationen aus der Bibliothek des Assurbanipal in [[Ninive]] sowie aus [[Kisch (Mesopotamien)|Kisch]] überlieferter Text&amp;lt;ref&amp;gt;AO. 9073; TCL 16 96&amp;lt;/ref&amp;gt;. Solche Texte dienten wohl vor allem als Schultexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Amt vererbte sich oft vom Vater auf den Sohn, es gab jedoch auch Söhne, die sich einer solchen Karriere widersetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mesopotamien war [[Aššur-bāni-apli]] der einzige König, der, nach eigenen Angaben, lesen und schreiben konnte und selbst seltene und ungewöhnliche Zeichen beherrschte. Wie ein neuassyrischer Brief des Sin-naʿdi belegt&amp;lt;ref&amp;gt;K 652 (ABL 151)&amp;lt;/ref&amp;gt;, in dem er den König bittet, den Statthalter von [[Arrapcha]] oder einen gewissen Aššur-belu-taqqin anzuweisen, ihm einen Schreiber zuzuweisen, belegt, konnten aber mehr Leute schreiben, als gemeinhin angenommen. Sin-naʿdis Brief ist lesbar, er benutzt aber ungewöhnliche Silbenzeichen und V-K Zeichen statt der bevorzugten K-V-K-Zeichen&amp;lt;ref&amp;gt;Simon Parpola, The Man Without a Scribe and the Question of Literacy in the Assyrian Empire. In: Beate Pongratz-Leisten, Hartmut Kühne, Paolo Xella (Hrsg.), Ana Šadi Labnānî lū allik. Beiträge zu altorientalischen und mittelmeerischen Kulturen. Festschrift für Wolfgang Röllig. AOAT 247, Verlag Butzon &amp;amp; Bercker Kevelaer/Neukirchener Verlag Neukirchen-Vluyn  1997, 315 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zum – im Vergleich zu alphabetischen Schriften – größeren Zeicheninventar war die Erlernung der Keilschrift dadurch verkompliziert, dass sie einen Sprachstandard abbildete, der sich mehr und mehr von der gesprochenen Sprache entfernte. So waren selbst in [[akkadische Sprache|akkadischen]] Texten [[Sumerogramm]]e zu finden, welche ohne Kenntnis der [[sumerische Sprache|sumerischen Sprache]] – lange nach deren [[Sprachtod]] – schlicht auswendig gelernt werden mussten. Wurde die [[hethitische Sprache]] in Keilschrift geschrieben, konnten neben Sumerogrammen auch Akkadogramme auftreten.&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.researchgate.net/publication/311158186_Sumerograms_and_Akkadograms_in_Hittite_Ideograms_Logograms_Allograms_or_Heterograms&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ägypten ==&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Schreiber im Alten Ägypten}}&lt;br /&gt;
Die Ursprünge der sogenannten [[Ägyptische Hieroglyphen|„Schrift der Gottesworte“]], deren älteste Funde aus der Zeit um 3500 v. Chr. ([[Naqada-Kultur|Naqada III]]) in [[Abydos (Ägypten)|Abydos]] stammen, liegen in einer [[Bilderschrift]], die sich zur lautbeschreibenden Schrift weiterentwickelte. Der Beruf des Schreibers war, wie in der [[Lehre des Cheti#Text|altägyptischen Lehre des Cheti]] ausgeführt, mit großen Privilegien verbunden. [[Imhotep]], der Schreiber des Königs [[Djoser]], wurde zu göttlichem Rang erhoben&amp;lt;ref&amp;gt;Brian E. Colless, Divine Education. Numen 17/2, 1970, 120f.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Antikes Rom ==&lt;br /&gt;
Im [[Römisches Reich|Römischen Reich]] wurde zwischen verschiedenen Arten von Schreibern unterschieden. Ein {{laS| librarius}} war ein berufsmäßiger [[Kopist]] von Büchern.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Walter Hatto Gross]]: &amp;#039;&amp;#039;librarius&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Der Kleine Pauly]]&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 3, dtv, Stuttgart 1979, Sp. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er war meist ein [[Sklaverei im Römischen Reich|Sklave]]. Da die gängigen [[Papyrus]]schriftrollen bei ungünstigen klimatischen Bedingungen mit der Zeit verwitterten und unlesbar wurden, mussten Bücher immer wieder neu abgeschrieben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ann Blair: &amp;#039;&amp;#039;Scribes&amp;#039;&amp;#039;. In: dieselbe, Paul Duguid et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Information. A Historical Companion&amp;#039;&amp;#039;. Princeton University Press, Princeton 2021, ISBN 978-0-691-17954-4, S. 759–763, hier S. 759.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein [[Scriba (antikes Rom)|&amp;#039;&amp;#039;scriba&amp;#039;&amp;#039;]] dagegen war als Buch- oder Rechnungsführer höher gestellt. Er konnte für Privatleute oder im öffentlichen Dienst des Staates bzw. der [[Municipium|Municipien]] tätig sein.&amp;lt;ref&amp;gt;{{KlP|5|52|53|Scriba|[[Helmut Gugel]]|}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Solche [[Sekretär]]e waren, wie [[Marcus Tullius Tiro]] oder der Vater des Dichters [[Horaz]], häufig [[Freigelassene im Römischen Reich|Freigelassene]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Badian]]: &amp;#039;&amp;#039;The scribae of the Roman Republic&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Klio (Zeitschrift)|Klio]]&amp;#039;&amp;#039;. Band 71, 1989, Nr. 2, S. 582–603.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wurden auch als &amp;#039;&amp;#039;[[a manu]]&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet (wörtlich von der Hand).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Helga Botermann]]: &amp;#039;&amp;#039;Wie aus Galliern Römer wurden. Leben im Römischen Reich.&amp;#039;&amp;#039; Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-94048-0, S. 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder davon abgeleitet als [[Amanuensis]]. Schreiber, die sich um [[Petition]]en kümmerten, hießen &amp;#039;&amp;#039;[[a libellis]]&amp;#039;&amp;#039;, ein &amp;#039;&amp;#039;[[exceptor]]&amp;#039;&amp;#039; schrieb nach Diktat.&amp;lt;ref&amp;gt;Ann Blair: &amp;#039;&amp;#039;Secretaries&amp;#039;&amp;#039;. In: dieselbe, Paul Duguid et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Information. A Historical Companion&amp;#039;&amp;#039;. Princeton University Press, Princeton 2021, S. 768–771, hier S. 768.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion geschriebener Texte erreichte im Römischen Reich einen ersten quantitativen Höhepunkt. So weiß man von Bibliotheken mit mehreren hunderttausend Werken. Aus Vorworten ist bekannt, dass man sich an der [[Bibliothek von Alexandria]] um [[Textkritik]] durch Heranziehung mehrerer Vorlagen bei der Kopie eines Werkes bemühte. Da der [[Buchdruck]] unbekannt war, muss es eine erhebliche Anzahl Schreiber gegeben haben. Auch Sklaven in den Provinzen waren mitunter des Lesens und Schreibens kundig. Selbst in kleineren Städten wie [[Pompeji]] konnten sich Angehörige der Oberschicht wie der Besitzer der [[Villa dei Papiri]] eine Privatbibliothek mit gut 1800 [[Schriftrolle]]n leisten. Um diesen Bedarf an Büchern, aber auch Verwaltungsschriftgut zu stillen, muss die Zahl der Schreiber groß gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelalter  ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Gero-Kodex01.jpg|miniatur|Ein kleiner dargestellter Schreiber übergibt [[Gero von Köln|Gero]] die auftragsgemäß geschriebene Prunkhandschrift]]&lt;br /&gt;
In der Zeit der [[Völkerwanderung]] kam die Schreibtätigkeit im Westen vielerorts fast völlig zum Erliegen, was zu den [[Bücherverluste in der Spätantike|Bücherverlusten der Spätantike]] führte. Der spätantike Adelige [[Cassiodor]] aber gab in seinem Kloster [[Vivarium (Kloster)|Vivarium]] zum ersten Mal einen überlieferten Auftrag an die Mönche, Bücher abzuschreiben. Die Bibliothek des Vivariums wird auf etwa hundert Titel geschätzt. Im Verlaufe des Mittelalters wurden Klöster in den christlichen Gebieten zu den Hauptzentren der Schriftkunst. Ansehen und Zahl der Schreibkundigen stieg im [[Hochmittelalter|Hoch-]] und [[Spätmittelalter]] stetig an, bedingt durch die Blüte des [[Ritter]]tums, das Einsetzen des Fernhandels und damit auch der [[Geldwirtschaft]] und das Aufstreben des [[Bürgertum]]s. Der Schreiber wurde zum Chronisten und Protokollanten, zum Urkundenverfasser und Bibelkopierer, manchmal auch zum [[Literat]]en und als [[Stadtschreiber (Kanzleivorsteher)|Stadtschreiber]] sogar zum höchsten Beamten der Stadt. In den [[Skriptorium|Skriptorien]] der Klöster wurden Handschriften von schreibkundigen [[Mönchtum|Mönch]]en, den [[Skriptor|Scriptores]], vervielfältigt. Dort galt das Abschreiben von Texten zwar als Handwerk, doch Urkunden erforderten nicht nur Schriftkenntnisse, sondern auch Wissen über Rechtsvorschriften und das Beherrschen der lateinischen Sprache. Deshalb hatten Urkundenschreiber meist höhere Weihegrade inne und stiegen später nicht selten zum Abt auf.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Peter Erhart |Titel=Lesen und Schreiben |Hrsg=Stiftarchiv Sankt Gallen |Sammelwerk=Lebenswelten des frühen Mittelalters in 36 Kapiteln. |Verlag=Kunstverlag Josef Fink |Ort=Lindenberg |Datum=2019 |ISBN=978-3-95976-182-6 |Seiten=13}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Frühmittelalter]] standen die &amp;#039;&amp;#039;Scriptores&amp;#039;&amp;#039; in einem so hohen Ansehen, dass die Verletzung eines Schreibermönches ebenso hart bestraft wurde wie die eines Abtes oder eines [[Bischof]]s.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Peter Dinzelbacher]]: &amp;#039;&amp;#039;Mönchtum und Kultur. 1. Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;. In: Peter Dinzelbacher, [[James Lester Hogg]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Kulturgeschichte der christlichen Orden in Einzeldarstellungen&amp;#039;&amp;#039;. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-520-45001-1, S. 1–18, hier S. 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im [[Fürstabtei St. Gallen|Kloster St. Gallen]] sind bis zum Jahr 1000 140 Mönche bezeugt, die [[Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit|Urkunden]] schrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Peter Erhart |Titel=Im Kloster |Hrsg=Stiftarchiv Sankt Gallen |Sammelwerk=Lebenswelten des frühen Mittelalters in 36 Kapiteln. |Verlag=Kunstverlag Josef Fink |Ort=Lindenberg |Datum=2019 |ISBN=978-3-95976-182-6 |Seiten=21}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Äbten zwischen [[Otmar von St. Gallen|Otmar]] (719-759) und [[Wolfleoz von Konstanz|Wolfleoz]] (812-816) überwogen in der Urkundenproduktion außerklösterliche Schreiber. Unter Abt [[Gozbert (St. Gallen)|Gozbert]] änderte sich dies. Er wollte wohl in so einem rechtlich sensiblen Bereich die Abhängigkeit von auswärtigen Schreibern verringern. Die Kompetenz der Schreiber war auch außerhalb der Klöster beachtlich groß. Einzelne Skriptoren wie der 779 im Raum Konstanz bezeugte Schreiber Alboinus weisen in Schrift und Unterschrift ein so professionelles Erscheinungsbild auf, dass man sogar eine Nähe zur Kanzlei des Königs vermuten kann (ChSG 87).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Peter Erhart |Titel=Auf dem Land |Hrsg=Stiftarchiv Sankt Gallen |Sammelwerk=Lebenswelten des frühen Mittelalters in 36 Kapiteln. |Verlag=Kunstverlag Josef Fink |Ort=Lindenberg |Datum=2019 |ISBN=978-3-95976-182-6 |Seiten=25}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erfindung des [[Buchdruck]]s durch [[Johannes Gutenberg]] etwa 1450, also im Übergang vom [[Mittelalter]] zur [[Neuzeit]], verlor der Beruf des Schreibers schnell an Bedeutung. Die staatlichen Kanzleien entwickelten ein umfangreiches Schriftgut, welches zunächst vor allem auf Latein, später jedoch auch in (volkssprachlich basierten) [[Kanzleisprache]]n verfasst wurde. Das [[mittelniederdeutsche Sprache|Mittelniederdeutsche]] wurde zur [[lingua franca]] des Ostseeraumes, da es die (Schrift)sprache der [[Hanse]] war. Oft wurde von einem Schreiber nicht nur leserliche, schnelle und ordentliche Schrift erfordert, sondern auch die sichere Beherrschung der entsprechenden Verwaltungssprache – oft erheblich von der im Alltag gesprochenen Sprache abweichend. Die Hanse schrieb in London wie [[Weliki Nowgorod|Novgorod]] auf Mittelniederdeutsch und Latein verbreitete sich (nördlich des Mittelmeers) weit jenseits der vormaligen Grenzen des römischen Reiches als Sprache von Kirchen, Klöstern und Kanzleien. Die Bibelübersetzung Luthers konnte auch deswegen so schnell so weite Verbreitung finden, weil große Teile der alphabetisierten Bevölkerung mit der [[Sächsische Kanzleisprache|sächsischen Kanzleisprache]] wenigstens rudimentär vertraut waren. In den Kanzleien entwickelte sich der Begriff weiter vom reinen Schriftkundigen zu einer Art [[Sekretär]] (auch &amp;#039;&amp;#039;Kanzlist&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Kanzellist&amp;#039;&amp;#039;). Der Leiter einer solchen Kanzlei war der [[Kanzler]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neuzeit ==&lt;br /&gt;
Auch das [[Fähnlein]] der [[Landsknecht]]e im 16. Jahrhundert verfügte über einen als Sekretär des Hauptmanns tätigen Schreiber.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ralf Vollmuth]]: &amp;#039;&amp;#039;Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit. Probleme und Lösungsansätze&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Würzburger medizinhistorische Forschungen.&amp;#039;&amp;#039; Band 51). Königshausen &amp;amp; Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 88 und 93.&amp;lt;/ref&amp;gt; Lange beschäftigten [[Kanzlei]]en und [[Kontor]]e zahlreiche Schreiber, die Akten und Briefe per Hand zu kopieren und nach Diktat aufzunehmen hatten. Eine ganze Anzahl von persönlichen [[Liste von Goethes Schreibern|Schreibern]] nach Diktat beschäftigte etwa [[Johann Wolfgang von Goethe]]. Dem Berufsbild des Kanzleikopisten hat der amerikanische Schriftsteller [[Herman Melville]] mit der Erzählung &amp;#039;&amp;#039;[[Bartleby der Schreiber]]&amp;#039;&amp;#039; ein literarisches Denkmal gesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Ensslen, Daniel Göske: [http://www.munzinger.de/document/22000461900_050 &amp;#039;&amp;#039;Melville, Herman – Bartleby, the Scrivener&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Kindlers Literatur Lexikon]]&amp;#039;&amp;#039;, 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8 (abgerufen von Bücherhallen Hamburg am 1. August 2021).&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit der Erfindung der [[Schreibmaschine]] wurde der [[Frauenberuf|Beruf feminisiert]], immer mehr Frauen arbeiteten in den [[Büro]]s als Sekretärin. Dies ging einerseits mit einer Abwertung der Tätigkeit einher („[[Tippse]]“), bot andererseits Frauen auch Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit außerhalb von [[Fabrik]] und [[Care-Arbeit]].&amp;lt;ref&amp;gt; Gisela Böhme: &amp;#039;&amp;#039;Handbuch Sekretariat&amp;#039;&amp;#039;. Gabler, Wiesbaden 1989, S. 6 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schreiber heute ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tamil typists in puducherry.jpg|miniatur|Schreiber in [[Puducherry]] (Indien) warten an einer Straße auf Kunden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Anfang des 16. Jahrhunderts gehört in den Ländern mit europäischer Kultur das Schreiben-Können mehr und mehr zum Allgemeingut, so dass es nicht mehr als Kunst im höheren Sinn des Wortes, sondern nur noch als eine Fertigkeit angesehen wird. Der Handschriften verfassende Schreiber verschwindet aus dem Sprachgebrauch, der literarische Schreiber wird zum [[Redakteur]], [[Schriftsteller]], [[Autor]], auch Verfasser genannt. Werke für andere, die unter deren Namen herausgegeben werden, werden von [[Ghostwriter]]n geschrieben, worunter auch [[Redenschreiber]] fallen. Manche Schreiber spezialisieren sich auf [[Kalligrafie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Frankreich gibt es schätzungsweise noch 300 professionelle öffentliche Schreiber, wobei die wenigsten allein von ihrer Schreibtätigkeit leben können. Aufträge sind oft Bewerbungen und Anträge ausländischer Firmen, hin und wieder Beschwerdebriefe verärgerter Kunden, selten persönliche Briefe, die besonderes Fingerspitzengefühl erfordern. Auch Auftragsbiografien sind ein Betätigungsfeld. An der [[Universität Paris III]] und der [[Universität Toulon-Var]] kann das Fach des öffentlichen Schreibers mit Diplom abgeschlossen werden. Dazu kommen viele freiwillige Helfer, die Ausländer und Menschen mit Schreibschwächen bei Behördengängen unterstützen und in Rathäusern Sprechstunden abhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Uwe Gepp, AP: {{Webarchiv|url=http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/karriere/oeffentliche-schreiber-nachfahren-des-cyrano-de-bergerac-528355.html |wayback=20101227001555 |text=Öffentliche Schreiber: Nachfahren des Cyrano de Bergerac |archiv-bot=2019-05-12 20:59:42 InternetArchiveBot }}, stern.de, 16. August 2004&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[http://orf.at/stories/2029571/2029633/ Europas Schreiber suchen Nischen], orf.at, 12. Juni 2011&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ländern mit hoher Analphabetenquote ist der Beruf des Schreibers indes noch bekannt. Dort lassen derzeit vor allem [[Mobiltelefon]]e mit günstigen Tarifen die Aufträge schrumpfen. Im Gegensatz dazu verabredeten sich bei Aufkommen des Festnetztelefons, wo sich meist mehrere Familien einen Apparat teilten, so manche per Brief zum Telefon-Rendezvous. Auch in der Kommunikation mit den Behörden sind heute vielfach Mobiltelefone im Einsatz.&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas Schneider: [http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,ftw84pei7xkqj6dv~cm.asp Rückschau: Marokko - Die letzten öffentlichen Schreiber], ARD-Weltspiegel, 5. Dezember 2010&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[http://orf.at/stories/2029571/2029574/ Siegeszug der Handys], orf.at, 12. Juni 2011&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Schreiber ==&lt;br /&gt;
Auch heute unterscheidet man Briefeschreiber, Texteschreiber, Zeitungsschreiber. Heutige Berufe, in denen das Schreiben eine wesentliche Rolle spielt, sind etwa der [[Stenografie|Stenograf]], der [[Protokollführer]], der [[Redenschreiber]] sowie der [[Ghostwriter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Staatliche Schreiber ===&lt;br /&gt;
Die im Auftrag eines Staates oder Teilstaates tätigen Schreiber können als Generalsekretär für den Schriftverkehr einer Regierungs- oder Verwaltungsbehörde zuständig sein, das Protokoll bei den Sitzungen von Räten führen oder für das Führen eines Grundbuches oder Kassenbuches zuständig sein. Sie werden u.&amp;amp;nbsp;a. als [[Staatsschreiber]], [[Landschreiber]] oder [[Ratschreiber]] bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stadtschreiber ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Stadtschreiber (Kanzleivorsteher)#Bedeutende Stadtschreiber|titel1=„Bedeutende Stadtschreiber“ im Artikel Stadtschreiber (Kanzleivorsteher)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerichtsschreiber ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Rudolf Robert Wolf Der Aktuar.jpg|&amp;#039;&amp;#039;Der Aktuar&amp;#039;&amp;#039; (Rudolf Wolf)|mini]]&lt;br /&gt;
Ein Gerichtsschreiber, auch &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Aktuar&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder Sekretär genannt, war ein Beamter der [[Gerichtskanzlei]], der die Verhandlungen eines Gerichts oder einer gerichtlichen Behörde aufzeichnete.&amp;lt;ref&amp;gt;Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 34. [http://www.zeno.org/Herder-1854/A/Actuar hier online] auf [[zeno.org]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Gerichtsschreiber war zunächst lediglich [[Protokollführer]], der den Entscheidungen und Akten des Gerichts [[Öffentlicher Glaube|öffentlichen Glauben]] verlieh. In Deutschland wird diese Aufgabe heute von den [[Urkundsperson|Urkundsbeamten]] der [[Geschäftsstelle]] des Gerichts geleistet. Gerichtsschreiber erhielten im Laufe der Zeit zum Teil auch selbständige richterliche Befugnisse, besonders in der [[Freiwillige Gerichtsbarkeit|freiwilligen Gerichtsbarkeit]]. Ab 1923 wurden Schreiber, die zusätzliche gerichtliche Aufgaben übernahmen, laut „preußischer Entlastungsverfügung“ in [[Preußen]] als [[Rechtspfleger]] bezeichnet. In der [[Schweiz]] sind Gerichtsschreiber ausgebildete [[Jurist]]en, die an der Gerichtsverhandlung mitwirken und an der Entscheidungsfindung beteiligt sind. Sie verfassen die schriftliche Begründung des Urteils.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Toter Link |datum=2019-05 |url=http://www.gerichtsschreiber.ch/pdf/geschichtliches.pdf |text=&amp;#039;&amp;#039;Der Gerichtsschreiber – mehr Gericht als Schreiber?&amp;#039;&amp;#039;}} (PDF; 203&amp;amp;nbsp;kB) des Verband St. Gallischer Gerichtsschreiberinnen und Gerichtsschreiber&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Rubrizierung]]&lt;br /&gt;
* [[Küchenschreiber]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Scribes|Schreiber}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Ann Blair: &amp;#039;&amp;#039;Scribes.&amp;#039;&amp;#039; In: dieselbe, Paul Duguid et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Information. A Historical Companion&amp;#039;&amp;#039;. Princeton University Press, Princeton 2021, ISBN 978-0-691-17954-4, S. 759–763.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4130947-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schreiben]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Dienstleistungsberuf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schreiber| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personenbezeichnung (Schreiben)|!]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Georg Hügler</name></author>
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