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	<title>Schleier - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Schleier&amp;diff=966615&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Anachoret: Literatur ergänz</title>
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		<updated>2025-12-16T20:58:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Literatur ergänz&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt das Bekleidungsstück Schleier, weitere Bedeutungen unter [[Schleier (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Johannes Vermeer - Woman Holding a Balance - Google Art Project.jpg|mini|Die Perlenwägerin von [[Johannes Vermeer]] 1665]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Schleier&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist eine [[Kopfbedeckung]] aus leichtem [[Gewebe (Textil)|Gewebe]] mit meist angenähert rechteckiger Grundform und von unterschiedlicher Länge. Der Schleier kann entweder das Gesicht freilassen, auch den unteren Teil des Gesichtes bedecken oder aber das Gesicht ganz verhüllen. In der Länge kann er das Haar und den Nacken bedecken, den Oberkörper [[schal]]artig umhüllen oder als Ganzkörperschleier den gesamten Körper verbergen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Christian F. Feest]], Alfred Janata: &amp;#039;&amp;#039;Technologie und Ergologie in der Völkerkunde.&amp;#039;&amp;#039; Band 2, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1989, S. 171.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Haar wird von einem Schleier oft nur teilweise bedeckt und z.&amp;amp;nbsp;B. der Haaransatz freigelassen. Schleier werden hauptsächlich von Frauen getragen. Sie haben unterschiedliche Funktionen und [[symbol]]isieren oft bestimmte Bedeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Funktion ==&lt;br /&gt;
Für die Verschleierung des Kopfes lassen sich [[Kulturgeschichte|kulturhistorisch]] drei verbreitete Funktionen nachweisen:&lt;br /&gt;
* Zum einen geht es um den Schutz vor übersinnlicher Bedrohung, etwa durch [[Dämon]]en oder den [[Böser Blick|bösen Blick]]. Da Frauen in vielen Kulturen als schwach und daher besonders schützenswert gelten, wird besonders ihnen die Verschleierung nahegelegt oder befohlen.&lt;br /&gt;
* Zum anderen kann umgekehrt der Schutz vor der verhüllten Person im Mittelpunkt stehen, namentlich vor der sexuellen [[Verführung]]skraft, die dem Haar namentlich von Frauen zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
* Schließlich kann die Verschleierung eine Kommunikationsfunktion haben, indem sie den [[Sozialer Status|sozialen Status]], die [[kulturelle Identität]], die Gefühlslage oder die Haltung der verschleierten Person signalisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Silvia Kuske: &amp;#039;&amp;#039;Schleier&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Christoph Auffarth]], Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 3, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, ISBN 978-3-476-02070-3, S. 252 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Altertum ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Relief Ninsun Louvre AO2761.jpg|mini|Relief von Ninsun im [[Louvre]]]]&lt;br /&gt;
=== Mesopotamien, Assyrien und Ägypten ===&lt;br /&gt;
Der Schleier ist bereits für das frühe dritte Jahrtausend&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr. in [[Mesopotamien]] sowohl für Männer und Frauen als auch für [[Gott]]heiten belegt, beispielsweise für [[Aja (Mythologie)|Aja]] und [[Nanaja|Inanna]], die den [[Epitheton|Beinamen]] „die Verschleierte“ oder „die Verhüllte“ trug. Eine weitere prominente Namensträgerin war die Muttergöttin [[Ninsun]], die von den [[Sumer]]ern auch „verschleierte Fürstin“ genannt wurde. Als weitere Variante des Schleiers zum Verhüllen des Gesichts diente unter anderem auch der [[Kleidung|Gewandsaum]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;E202&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Gilgamesch-Epos]] verweist die Erklärung [[Gilgamesch]]s auf die frühe Existenz des Schleiers: &amp;#039;&amp;#039;Da verhüllte er (Gilgamesch) den Freund ([[Enkidu]]) so wie das Antlitz einer Braut&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Gilgamesch-Epos, Tafel 8, Vers 59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Genauere Informationen, an welche Bedingungen und Anlässe das Tragen des Schleiers geknüpft war, fehlen größtenteils. Der Inhalt der Texte lässt jedoch feste Regeln als wahrscheinlich erscheinen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;E202&amp;quot;&amp;gt;H. Waetzoldt: &amp;#039;&amp;#039;Kopfbedeckung, § 10: Schleier, Bedecken des Gesichts.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Dietz-Otto Edzard]] u.&amp;amp;nbsp;a.: &amp;#039;&amp;#039;[[Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie]].&amp;#039;&amp;#039; Band 6, de Gruyter, Berlin 1983, ISBN 3-11-010051-7, S.&amp;amp;nbsp;202.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Assyrien]] sind Ende des zweiten Jahrtausends&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr. in der Regierungszeit des [[Tukulti-apil-Ešarra I.]] (1114 bis 1076&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr.) erstmals Gesetzesregeln hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Tragens von Schleiern bestimmter Personengruppen fassbar. Der [[Mittelassyrische Gesetze|mittelassyrischen Rechtssammlung]] ist zu entnehmen, dass die unerlaubte Verwendung eines Schleiers für [[Sklave|Sklavinnen]] und [[Dirne]]n unter Strafe stand.&amp;lt;ref name=&amp;quot;E181&amp;quot;&amp;gt;Eckhart Otto: &amp;#039;&amp;#039;Das Deuteronomium: Politische Theologie und Rechtsform in Juda und Assyrien&amp;#039;&amp;#039;. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-016621-6, S.&amp;amp;nbsp;178 und 181.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Ehefrauen eines a&amp;#039;ilu, Witwen oder assyrische Frauen, die auf die Straße hinausgehen, lassen ihren Kopf nicht unverschleiert […] Wenn sie bei Tage allein auf den Platz gehen, verhüllen sie sich auf jeden Fall. Eine [[Hierodulen|Priesterin]], die ein Ehemann geheiratet hat, ist auf dem Platz verhüllt; eine, die kein Ehemann geheiratet hat, lässt auf dem Platz ihren Kopf unverhüllt […] Eine [[Ḫarimtum|Ḫarimtu]] verhüllt sich nicht, ihren Kopf lässt sie unverhüllt […] Eine Sklavin verhüllt sich nicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;E181&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelassyrische Verhüllungsverbot für Prostituierte und Sklaven diente der sozialen Deklassierung und [[Stigmatisierung]] der nicht freigeborenen Ehefrauen. Ehefrauen oder verheiratete Konkubinen galten als respektabel, was durch die Verschleierung in der Öffentlichkeit äußerlich sichtbar gemacht wurde. Prostituierte und Sklavinnen hingegen standen nicht unter dem Schutz eines Ehemannes und galten daher als nicht respektabel.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Hase (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die keilschriftliche Rechtssammlung in deutscher Fassung.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Harrassowitz. Wiesbaden 1979, ISBN 3-447-02034-2. Zitiert nach: Rahel Gugel: &amp;#039;&amp;#039;Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz&amp;amp;nbsp;–eine rechtspolitische Untersuchung.&amp;#039;&amp;#039; Dissertation im Fachbereich Rechtswissenschaft an der Universität Bremen. 17. Mai 2010, S. 19–20.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wurden durch das Fehlen des Schleiers als sexuell verfügbar markiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kuske 253&amp;quot;&amp;gt;Silvia Kuske: &amp;#039;&amp;#039;Schleier&amp;#039;&amp;#039;. In: Christoph Auffarth et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 3, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 253.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Altes Ägypten|Alten Ägypten]] ist ebenfalls sehr früh die Verschleierung von Gottheiten bezeugt, die sich auch in den Götternamen niederschlug, so beispielsweise für [[Amun]] („Der Verborgene“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Antikes Griechenland und Römisches Reich ===&lt;br /&gt;
Im antiken Griechenland und im Römischen Reich trugen die Frauen über ihrem Haar einen Schleier als Teil der Bekleidung und Symbol des Anstands. Die vornehme [[Frauen im Alten Rom|Römerin]] trug über ihrem Obergewand eine Art Mantel, die [[Palla (Gewand)|Palla]]. In sie hüllte sie sich ganz ein; der obere Stoffteil wurde um den Nacken und den rechten Oberarm geführt. Das über den Rücken fallende Stoffteil zog sie über den Kopf. Der Römer [[Gaius Sulpicius Galus (Konsul 166 v. Chr.)|Gaius Sulpicius Galus]] ließ sich im 2. Jahrhundert v. Chr. von seiner Frau scheiden, da sie sich in der Öffentlichkeit unverschleiert gezeigt hatte, was Valerius Maximus und Plutarch als Beispiel besonderer Sittenstrenge vermerken.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Tassilo Schmitt]]: &amp;#039;&amp;#039;Sulpicius Galus, C.&amp;#039;&amp;#039; in: [[Der Neue Pauly]], Bd. 11. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2001, Sp. 1100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chatsworth (48502621562).jpg|mini|150px|Raffaele Monti: &amp;#039;&amp;#039;Büste einer verschleierten Vestalin&amp;#039;&amp;#039; (1846/47)]]&lt;br /&gt;
[[Datei:RomaAraPacis ProcessioneSudParticolare.jpg|mini|Mitglieder der Familie des Augustus bei einer Opferprozession. Fries auf der Ara Pacis, Rom.]]&lt;br /&gt;
Unter [[Augustus]] scheint sich die Sitte der Verhüllung der Haare gelockert haben: So warnt zwar [[Ovid]] in seiner &amp;#039;&amp;#039;[[Ars amatoria]]&amp;#039;&amp;#039; züchtige Frauen, die ihr Haar mit &amp;#039;&amp;#039;vittae&amp;#039;&amp;#039; banden, vor der Lektüre seines unanständigen Gedichts: „Este procul, vittae tenues, insigne pudoris! – Hauptumwallende Binde, sei fern, du Zeichen der Keuschheit!“!&amp;lt;ref&amp;gt;Ovid, &amp;#039;&amp;#039;Ars amatoria&amp;#039;&amp;#039; I, 31, zitiert nach Publius Ovidius Naso: &amp;#039;&amp;#039;Liebeskunst. Lateinisch–deutsch.&amp;#039;&amp;#039; Nach der Übersetzung W. Hertzbergs bearbeitet von [[Franz Burger (Philologe)|Franz Burger-München]]. Heimeran, München 1969, S, 8 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der römischen Porträtkunst fehlen diese Binden aber, auch wenn &amp;#039;&amp;#039;[[Matrona]]e&amp;#039;&amp;#039; abgebildet wurden, bei denen sie eigentlich zu erwarten gewesen wären. Dies wird in der Forschung zum Teil damit erklärt, dass die Binden in die Frisur integriert wurden und nach Abblättern der [[Antike Polychromie|Farbe]] nicht mehr von ihr unterschieden werden konnten. Die britische Altphilologin [[Elaine Fantham]] glaubt dagegen, dass das Tragen von &amp;#039;&amp;#039;vittae&amp;#039;&amp;#039; bei Frauen der römischen Elite außer Gebrauch gekommen war und deshalb allenfalls noch in der (mythologischen oder ironischen) Literatur erwähnt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Elaine Fantham: &amp;#039;&amp;#039;Covering the Head at Rome: Ritual and Gender&amp;#039;&amp;#039;. In: Jonathan Edmondson, Alison Keith (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Roman Dress and the Fabrics of Roman Culture&amp;#039;&amp;#039;. University of Toronto Press, Toronto 2008, S. 158–171, hier S. 166 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin üblich war die Bedeckung des Kopfes durch die [[Toga]] bzw. [[Palla (Gewand)|Palla]] bei Priestern bzw. wenn geopfert wurde. [[Vestalin]]nen wurden fast immer mit bedecktem Haar abgebildet. Kennzeichnend für sie waren ihre sechs Zöpfe, die mit den &amp;#039;&amp;#039;vittae&amp;#039;&amp;#039; zusammengebunden wurden, was bei einer Porträtbüste aus [[Hadrian (Kaiser)|hadrianischer]] Zeit, die heute in den [[Uffizien]] in [[Florenz]] gezeigt wird, eine [[turban]]artige Kopfbedeckung ergibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Andrew B. Gallia: &amp;#039;&amp;#039;The Vestal Habit&amp;#039;&amp;#039;. &amp;#039;&amp;#039;Classical Philology&amp;#039;&amp;#039; 109, Heft 3 (2014), S. 222–240, hier S. 224 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen Gesichtsschleier, wie ihn der italienische Bildhauer Raffaele Monti (1818–1881) in seiner &amp;#039;&amp;#039;Büste einer verschleierten Vestalin&amp;#039;&amp;#039; darstellte, trugen die Vestalinnen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich ist der Befund des [[Ara Pacis]] in Rom, der  13 v. Chr. vom römischen Senat in Auftrag gegeben wurde: Das äußere [[Fries]] zeigt eine Opferprozession, bei der mehrere Teilnehmer – unter anderem Augustus, seine Frau [[Livia Drusilla|Livia]] und [[Aeneas]], der das Opfer ausführt – mit bedecktem Kopf, andere Männer und Frauen aber barhäuptig oder mit einem Lorbeerkranz abgebildet werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Elaine Fantham: &amp;#039;&amp;#039;Covering the Head at Rome: Ritual and Gender&amp;#039;&amp;#039;. In: Jonathan Edmondson, Alison Keith (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Roman Dress and the Fabrics of Roman Culture&amp;#039;&amp;#039;. University of Toronto Press, Toronto 2008, S. 158–171, hier S. 163 und 166 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Byzantinisches Reich|Byzantinischen Reich]] war der Schleier ein soziales Distinktionsmerkmal: Freie reiche Frauen trugen ihn, Sklavinnen und Arme nicht, da er sie bei der Arbeit behindert hätte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kuske 253&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vorislamisches Arabien ===&lt;br /&gt;
Das islamische Verschleierungsgebot scheint auf [[Vorislamisches Arabien|vorislamische]] Traditionen zurückzugehen: Der frühchristliche Autor [[Tertullian]] (ca. 160–220) berichtet in seiner Schrift &amp;#039;&amp;#039;De virginibus velandis&amp;#039;&amp;#039;, die [[Heidentum|heidnischen]] Frauen [[Arabische Halbinsel|Arabiens]] würden „nicht bloß ihr Haupt, sondern auch das ganze Gesicht derart verhüllen, dass es ihnen genügt, wenn sie ein einziges Auge frei haben und […] lieber das Licht nur halb geniessen, als ihr ganzes Antlitz [[Prostitution|prostituieren]]“.&amp;lt;ref&amp;gt;„Arabiae feminae ethnicae, quae non caput, sed faciem quoque ita totam tegunt, ut uno oculo liberato contentae sint dimidiam frui lucem quam totam faciem prostituere“. Tertullian: [https://bkv.unifr.ch/de/works/cpl-27/compare/de-virginibus-velandis/18/uber-die-verschleierung-der-jungfrauen-bkv &amp;#039;&amp;#039;De virginibus velandis&amp;#039;&amp;#039; XVI] auf der Website der [[Bibliothek der Kirchenväter]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ähnliches berichtet die [[Mischna]] im Traktat &amp;#039;&amp;#039;Schabbat&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Mira Sievers: &amp;#039;&amp;#039;Intertheologie im Praxistest: Das Beispiel der Verhüllung in den frühen Schriften von Judentum, Christentum und Islam&amp;#039;&amp;#039;. In: dieselbe, Torsten Meireis, Clemens Wustmans (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Intertheologie.  XXXI. Werner-Reihlen-Vorlesung&amp;#039;&amp;#039;. Berlin/Boston 2025, ISBN 978-3-11-158464-5, S. 5–16, hier S. 12 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== {{Anker|Verschleierung im Christentum}}Christentum ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Orthodox pilgrim.jpg|mini|Pilgerin mit Kopfschleier im [[Kiewer Höhlenkloster]] (2011)]]&lt;br /&gt;
In nicht wenigen christlichen Konfessionen bedecken Frauen ihr Haar in der Kirche mit einem Schleier, einem [[Kopftuch#Christentum|Tuch]] oder einer [[Mantilla]] (Kommunionschleier), unter anderem in der [[Orthodoxe Kirche|orthodoxen Kirche]], in einzelnen [[römisch-katholische Kirche|römisch-katholischen]] Ländern, in einzelnen protestantischen Kirchen wie [[Brüderbewegung|Brüdergemeinden]], bei den russischen [[Baptisten]], den [[Mennoniten]], den [[Amische]]n und den [[Hutterer]]n. Zum Teil wird die entscheidende Schriftstelle des [[Paulus von Tarsus|Apostels Paulus]] ({{BB|1 Kor|11|5–6}}) in Verbindung mit dem [[1. Thessalonicherbrief]] ({{BB|1 Thess|5|17}}, „Betet ohne Unterlass“) so ausgelegt, dass die Frauen in diesen Gemeinschaften immer einen Schleier, ein Tuch oder ein Häubchen tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bibel ===&lt;br /&gt;
Im [[Altes Testament|Alten Testament]] besteht „kein Verschleierungsgebot, dennoch scheint die Kopf-verhüllung für Frauen unter Verwendung von unterschiedlichen Tüchern verbreitet gewesen zu sein“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Evelyn von Dellemann |Titel=Der Schleier in der frühchristlichen Kunst |Ort=Wien |Datum=2013 |Seiten=35}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Schleier wird an verschiedenen Stellen erwähnt, unter anderem in der ersten Begegnung zwischen [[Isaak]] und [[Rebekka]] ([[1. Buch Mose|Genesis]] {{BB|Gen|24|65}}) und im Treffen zwischen [[Juda (Bibel)|Juda]] und seiner Schwiegertochter [[Tamar (biblische Person)#Tamar, Schwiegertochter des Juda|Tamar]] {{Bibel|1 Mos|38}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Orthodoxes Judentum|orthodoxen Judentum]] ist es auch heute üblich, dass verheiratete Frauen ihre Haare bedecken, oftmals mit [[Tichel|Kopftüchern]] oder Schleiern. Der Prophet [[Ezechiel]] beschreibt einen „Zauberschleier“ ({{BB|Hes|13|18}}, {{BB|Hes|13|21}}).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[Neues Testament|Neuen Testament]] schreibt der Apostel Paulus vom Tragen des Schleiers beim [[Gebet]] in seinem [[1. Brief des Paulus an die Korinther|1. Korintherbrief]]: „Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt, entehrt ihr Haupt“ ({{BB|1 Kor|11|5–6}}).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auslegung dieser Bibelstelle wird ambivalent diskutiert, denn, wie der Theologe [[Ludwig Neidhart]] schreibt, ist umstritten, „ob diese Verhüllung nur während öffentlicher Gottesdienste, oder auch für private Andachten oder generell für das Leben im Alltag gelten soll, und ob sie nur für Ehefrauen oder für alle Gottesdienstteilnehmerinnen gilt. Nach einer alternativen Auslegung aber streitet Paulus nicht für, sondern gegen die Verhüllung“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Neidhart: [https://www.ludwig-neidhart.de/Downloads/Schleier.pdf &amp;#039;&amp;#039;Gibt es ein christliches Schleier- oder Kopftuchgebot? &amp;#039;&amp;#039;] auf seiner privaten Website, 2018.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenfalls umstritten ist, was als Verschleierung per se gilt, denn im [[1. Brief des Paulus an die Korinther|1. Korintherbrief]] heißt es:&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Urteilt selber! Gehört es sich, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet? Lehrt euch nicht schon die Natur, dass es für den Mann eine Schande, für die Frau aber eine Ehre ist, lange Haare zu tragen? Denn der Frau ist das Haar als Hülle gegeben. 16 Wenn aber einer meint, er müsse darüber streiten: Wir und auch die Gemeinden Gottes kennen einen solchen Brauch nicht. {{Bibel|1 Kor|11|13-16}}}}&lt;br /&gt;
Der Schweizer Bibelwissenschaftler [[Max Küchler]] sieht im paulinischen Verschleierungsgebot sowohl ein Symbol für die Unterordnung der christlichen Frau unter den Mann als auch eine Abwehr ihrer [[Erotik]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kuske 253&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Katholische Kirche ===&lt;br /&gt;
Vom (wahrscheinlich legendarischen) ersten [[Papst|Bischof von Rom]]  [[Linus (Bischof von Rom)]] (1. Jahrhundert) heißt es im [[Liber Pontificalis]], er habe einen Beschluss über die Verschleierung der Frauen im Gottesdienst durchgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Heinrich Holze]]: &amp;#039;&amp;#039;Linus&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Religion in Geschichte und Gegenwart]]&amp;#039;&amp;#039;. 4. Auflage, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2002, [https://referenceworks.brill.com/display/entries/RGG4/SIM-13056.xml online].&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass diese im [[Alte Kirche|frühen Christentum]] nicht überall praktiziert wurde, zeigt die Streitschrift &amp;#039;&amp;#039;De virginibus velandis&amp;#039;&amp;#039; des Kirchenschriftstellers Tertullian. Er beklagte, dass die jungen Christinnen [[Karthago]]s unverschleiert in den Gottesdienst kamen, und argumentierte dagegen mit der Heiligen Schrift, der Natur und der Disziplin, die die Ermahnung des [[Paraklet]]en, also des Heiligen Geistes, lenke.&amp;lt;ref&amp;gt;Geoffrey Dunn: &amp;#039;&amp;#039;Rhetoric and Tertullian&amp;#039;s De Virginibus Velandis&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Vigiliae Christianae&amp;#039;&amp;#039; 788 (2005), S. 1–30.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Römisch-katholische Kirche|katholischen Kirche]] sah der &amp;#039;&amp;#039;[[Codex Iuris Canonici]]&amp;#039;&amp;#039; von 1917 vor, dass Frauen bei der [[Heilige Messe|Heiligen Messe]] und in Gegenwart des [[Allerheiligstes Sakrament des Altares|Allerheiligsten]] einen Kommunionschleier oder eine andere Kopfbedeckung tragen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.codex-iuris-canonici.de/cgi-bin/dbman.cgi?db=cic17lat&amp;amp;uid=&amp;amp;view_records=1&amp;amp;Canon=1262&amp;amp;Text=&amp;amp;bool=&amp;amp;view_records=Suche |titel=Codex Iuris Canonici / 1917 lateinisch (Can 1262, Par. 2) |datum=1917 |sprache=lat |abruf=2023-04-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch den CIC von 1983 wurde dieser Canon [[Abrogation (Kanonisches Recht)|abrogiert]]; der CIC von 1983 erwähnt diese Frage nicht, das heißt, das Tragen einer Kopfbedeckung ist für Frauen in der Heiligen Messe nicht mehr verpflichtend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei [[Audienz|Privataudienzen]] beim [[Papst]] gehört für Frauen das Tragen einer [[Mantilla|Mantille]] zum Protokoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tragen des [[Brautschleier]]s bei der [[Trauung]] wird heute als [[Brauchtum]] verstanden. Weitgehend erhalten hat sich der Schleier in seiner antiken Symbolik der Bindung einer Frau durch Ehe oder [[Gelübde]] bei einigen Formen der &amp;#039;&amp;#039;[[Vita consecrata]]&amp;#039;&amp;#039;: im [[Ordensschwester|Ordensleben]] und bei den [[Jungfrauenweihe|geweihten Jungfrauen]], wo der Schleier zur Jungfrauenweihe bzw. als Teil des [[Habit]]s zur [[Einkleidung]] verliehen wird. Über Jahrhunderte war die Redewendung „den Schleier nehmen“ gleichbedeutend mit der Wahl einer gottgeweihten Lebensform durch eine Frau, später wurde sie zum Synonym für den Eintritt einer Frau ins [[Kloster]]. In den [[Ostkirche]]n tragen teilweise auch [[Mönche]] einen Schleier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entwicklung ===&lt;br /&gt;
In der frühchristlichen Zeit wird der Schleier als [[Brautschleier]], Jungfrauenschleier, Witwenschleier, als Verhüllung beim Gebet und als allgemeine Kopfbedeckung der Frauen getragen.&amp;lt;ref&amp;gt;Evelyn von Dellemann: Der Schleier in der frühchristlichen Kunst. Wien 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa des 14. und 15. Jahrhunderts trugen die vornehmen Frauen ihr Haar stets unter einer [[Haube]] oder bedeckten es mit einem Schleier (auf Gemälden aus dieser Zeit ist oft ein Schleier zu sehen, beispielsweise bei der &amp;#039;&amp;#039;[[Mona Lisa]]&amp;#039;&amp;#039; und der &amp;#039;&amp;#039;[[Sixtinische Madonna|Sixtinischen Madonna]]&amp;#039;&amp;#039;). Dieser Brauch hat sich im südlichen Europa bis heute für festliche und kirchliche Angelegenheiten erhalten. Ein Schleier verhüllt „den schönsten Schmuck“ der Frau: ihr Haar. Von daher wird mit dem Anlegen des Schleiers ein Stück weit die [[Eitelkeit]] abgelegt, zumindest sinnbildlich.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Phillis Cunnington, Catherine Lucas |Titel=Costume for Births, Marriages and Deaths |Verlag=Adam and Charles Black |Ort=London |Datum=1972 |ISBN=0-7136-1192-8 |Sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:La Cobijada y el monumento a la mujer vejeriega (33085330931).jpg|mini|Frauenstatue in [[Vejer de la Frontera]], Andalusien]]&lt;br /&gt;
In der südspanischen [[Provinz Cádiz]] war bis zur Machtergreifung [[Francisco Franco|Francos]] im [[Spanischer Bürgerkrieg|Spanischen Bürgerkrieg]] die fast vollständige Verschleierung von Frauen üblich. An diese Tracht, die nur ein Auge freiließ, erinnert heute noch das Denkmal &amp;#039;&amp;#039;La Cobijada&amp;#039;&amp;#039; in [[Vejer de la Frontera]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verpflichtung, sich außerhalb des Hauses nur mit einem Kopftuch zu zeigen, ging in der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] im Zuge der [[Frauenemanzipation]] immer stärker zurück. In der [[Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990)|Bundesrepublik Deutschland]] war das Kopftuch bei Bäuerinnen noch bis in die 1950er Jahre üblich, in [[Italien]] und namentlich dort auf Sizilien und Sardinien ist es bis in die Gegenwart verbreitet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kuske 253&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== {{Anker|Verschleierung im Islam}} Islam ==&lt;br /&gt;
=== Koran und Hadithe ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Hidschāb}}&lt;br /&gt;
Im Islam gibt es im [[Koran]] Kleidungsvorschriften, die allerdings unterschiedlich ausgelegt werden. Zu beachten ist dabei vor allem, dass der Begriff „Schleier“ keinen fest definierten Inhalt hat. Teilweise wird darunter nur die Bedeckung des Haares verstanden, teilweise eine &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Vollverschleierung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, vollständige Verhüllung des Körpers ([[Tschador]], [[Çarşaf]], [[Burka]]).&amp;lt;ref&amp;gt;[http://community.seattletimes.nwsource.com/archive/?date=20011005&amp;amp;slug=veils05 &amp;#039;&amp;#039;Interpreting veils: Meanings have changed with politics, history&amp;#039;&amp;#039;] Seattle Times, 5. Oktober 2001, mit [https://old.seattletimes.com/news/nation-world/crisis/theregion/veils.html Illustration verschiedener Schleier] (engl.)&amp;lt;/ref&amp;gt; Die hierfür verwendeten, aus der arabischen Sprache stammenden Begriffe haben oft keine deutsche Entsprechung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Koran enthält nur wenige Stellen, die Anweisungen zur Bekleidung von Frauen beinhalten, so [[Sure 24]] an-Nur / Das Licht, 31. [[Āya]] und [[Sure 33]] al-Ahzab / Die Gruppen, 59. Āya.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Rotraud Wielandt]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Vorschrift des Kopftuchtragens für die muslimische Frau: Grundlagen und aktueller innerislamischer Diskussionsstand.&amp;#039;&amp;#039; (auf [[Deutsche Islamkonferenz]] [https://www.deutsche-islam-konferenz.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Sonstiges/Wielandt_Kopftuch.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=3 deutsche-islam-konferenz.de])&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Versen wird nicht erwähnt, dass die Frau sich das Haar zu bedecken oder etwa das Gesicht zu verhüllen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;nach Sichtung in der dt. Übersetzung des Koran nach Paret&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Claudia Knieps |url=http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/konfliktstoff-kopftuch/63289/einstieg-in-die-debatte |titel=Schreibt der Koran das Kopftuch vor? {{!}} bpb |werk= |hrsg=Bundeszentrale für politische Bildung |datum= |sprache=de |abruf=2019-02-20}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Vielmehr geht es darum, dass sich ein Tuch über das [[Dekolleté]] ihres Kleides zu legen. Außerdem handeln einige [[Hadith]]e – Überlieferungen des Propheten [[Mohammed]] –, von Frauenkleidung aussagen. In einer von ihnen schreibt er Frauen vor, beim Verlassen des Hauses ausschließlich Hände, Füße und das Gesicht zu zeigen. Auf diesen Hadith gehen die verschiedenen Verschleierungsformen von Muslimas in der islamischen Welt zurück.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kuske 253&amp;quot; /&amp;gt; Da der Gesichtsschleier bereits in vorislamischer Zeit in Iran und in Mesopotamien üblich war, setzte er sich bald in islamischen Städten durch. Auch Jüdinnen und Christinnen trugen ihn, wenn auch in anderen Farben als die Muslimas.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wiebke Walther]]: &amp;#039;&amp;#039;Frauen VII: Islam&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Religion in Geschichte und Gegenwart]]&amp;#039;&amp;#039;. 4. Auflage, Bd. 3, Mohr Siebeck, Tübingen 2000, Sp. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu unterscheiden sind der Gesichts-, der Kopf- und der Ganzkörperschleier. Der Halb- oder Mundschleier (&amp;#039;&amp;#039;[[Litham]]&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[Milfa]]&amp;#039;&amp;#039;) bedeckt die untere Gesichtshälfte, und der &amp;#039;&amp;#039;[[Niqab]]&amp;#039;&amp;#039; ist ein das gesamte Gesicht mit Ausnahme der Augen verhüllender Vollschleier. Für Männer gibt es (selten) andere Formen, besonders auffällig bei den [[Tuareg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das islamische Verschleierungsgebot wird zumeist sexuell begründet: Frauen sollen vor den als lüstern imaginierten Blicken der Männer geschützt werden. Dies ist verbunden mit der großen Bedeutung, die der [[Jungfrau#Islam|Jungfräulichkeit]] in islamischen Kulturen beigemessen wird: Einerseits soll sie die (männliche) Kontrolle über das Reproduktionsverhalten junger Frauen sichern, andererseits wird sie eng mit der [[Ehre]] nicht nur der jungen Frau, sondern auch ihrer gesamten Familie verknüpft.&amp;lt;ref&amp;gt;Silvia Kuske: &amp;#039;&amp;#039;Schleier&amp;#039;&amp;#039;. In: Christoph Auffarth et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 3, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 254.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der amerikanischen Geographin Anna Mansson McGuinty zufolge zeigten Studien, dass das Tragen eines Schleiers eine wichtige Rolle bei der [[Konversion (Religion)|Konversion]] von Frauen zum Islam spiele. Die Verschleierung markiere im Konversionsprozess die Herausbildung einer neuen muslimischen Identität sowie die Übernahme der spezifisch islamischen Vorstellungen über Geschlechterbeziehungen und Sittsamkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Anna Mansson McGuinty: &amp;#039;&amp;#039;Becoming Muslim. Western Women&amp;#039;s Conversions to Islam.&amp;#039;&amp;#039; Palgrave Macmillan: New York, NY 2009. S. 115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutschland ===&lt;br /&gt;
Eine im Jahr 2016 veröffentlichte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes [[TNS Emnid]] im Auftrag des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der [[Westfälische Wilhelms-Universität|Universität Münster]] unter 1200 Zuwanderern aus der [[Türkei]] und ihren Nachkommen ab 16 Jahren ergab, dass 31 % aller türkeistämmigen muslimischen Frauen in [[Deutschland]] ein Kopftuch tragen. Dabei ging der Wert von 41 % bei der ersten Generation auf 21 % bei der zweiten und dritten Generation zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Detlef Pollack, Olaf Müller, Gergely Rosta, Anna Dieler |url=https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/religion_und_politik/aktuelles/2016/06_2016/studie_integration_und_religion_aus_sicht_t__rkeist__mmiger.pdf |titel=Integration und Religion aus der Sicht von Türkeistämmigen in Deutschland |werk= |hrsg= |datum= |format=PDF |abruf=2018-01-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In mehreren Ländern der Bundesrepublik Deutschland ist es Lehrkräften verboten, ein Kopftuch zu tragen. Darum geht es im [[Kopftuchstreit]], weil das Verbot manchen gegen die [[Religionsfreiheit in Deutschland|Religionsfreiheit]] zu verstoßen scheint. Davon zu unterscheiden ist das [[Verschleierungsverbot]] mancher Bundesländer: Demnach dürfen bei Ausübung von Dienstgeschäften einer Beamtin oder im Schulunterricht keine Niqabs, Burkas oder ähnliche Bekleidungen getragen werden, die das Gesicht verdecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Islamische Länder ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Retour d&amp;#039;école par la plage. Stone Town 4.jpg|mini|Schülerinnen mit Schleier an einem Strand in [[Tansania]]]]&lt;br /&gt;
In einigen islamischen Ländern ist das Tragen des Schleiers gesetzlich vorgeschrieben, etwa in [[Saudi-Arabien]] oder im [[Iran]]; vergleichbar ist die Rechtslage in der indonesischen Provinz [[Aceh]]. Zur Durchsetzung und Überwachung dient die [[Religionspolizei]]. In [[Afghanistan]], das von den [[Taliban]] regiert wird, ist das Tragen der &amp;#039;&amp;#039;[[Burka]]&amp;#039;&amp;#039; Pflicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Türkei]] wurde das Tragen des Kopftuchs durch [[Atatürk]] unter Androhung der Todesstrafe verboten. Obwohl das [[Kopftuchstreit#Türkei|Kopftuchverbot]] auf großen Widerstand der weiblichen Bevölkerung stieß, besonders in ländlichen Gebieten, für viele Frauen war dies gleichbedeutend mit Nacktheit, widersetzten sich viele dieser Anordnung erst nach dem Tod Atatürks.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Halil Gülbeyaz]]: &amp;#039;&amp;#039;Mustafa Kemal Atatürk. Vom Staatsgründer zum Mythos.&amp;#039;&amp;#039; Parthas-Verlag, Berlin 2004, S. 187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Kopftuchverbot wurde in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen nach und nach wieder aufgehoben, zuletzt 2014 in den Schulen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=deutschlandfunk.de |url=https://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-schuelerinnen-duerfen-wieder-kopftuch-tragen-100.html |titel=Türkei - Schülerinnen dürfen wieder Kopftuch tragen |sprache=de |abruf=2022-09-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf amtlichen Urkunden, wie z.&amp;amp;nbsp;B. auf Ausweisen, dürfen nur Fotos ohne jegliche Kopfbedeckung verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut der Autorin Irmhild Richter-Dridi wurde der Schleier in [[Nordafrika]] – auch in [[Tunesien]] – erst im 15. Jahrhundert eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Irmhild Richter-Dridi: &amp;#039;&amp;#039;Frauenbefreiung in einem islamischen Land – ein Widerspruch?&amp;#039;&amp;#039; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-596-23717-3.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Zeitraum emigrierten viele nunmehr [[Mauren#Reconquista|verfolgte Mauren]] aus Spanien und führten ihn „als Zeichen von Anstand und guten Sitten“ ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitere Funktionen des Schleiers ==&lt;br /&gt;
=== Trauer ===&lt;br /&gt;
[[Datei:William-Adolphe Bouguereau (1825-1905) - The Day of the Dead (1859).jpg|mini|Trauerschleier in einem Gemälde von [[William Adolphe Bouguereau]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Trauerschleier kann von Witwen getragen werden, um die Trauer über den Verlust eines Menschen zum Ausdruck zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Duden online: [https://www.duden.de/rechtschreibung/Trauerschleier &amp;#039;&amp;#039;Trauerschleier&amp;#039;&amp;#039;]&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gegensatz zum Brautschleier wird im westlichen Kulturkreis der Trauerschleier heute nur mehr sehr selten getragen. In England war der Trauerschleier bis in die 1950er Jahre zumindest innerhalb der königlichen Familie verbreitet (Bsp. Begräbnis von [[Georg VI. (Vereinigtes Königreich)|Georg VI]]. 1952 oder [[Maria von Teck|Queen Mary]] 1953). [[Wallis Simpson]] war beim Begräbnis ihres [[Eduard VIII.|Mannes]] 1972 wohl eine der letzten, die einen Trauerschleier trugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eheschließung ===&lt;br /&gt;
Ein [[Brautschleier]] gehört in vielen Ländern zur Kleidung einer Braut an ihrem Hochzeitstag. Die Religionswissenschaftlerin [[Angelika B. Hirsch]] vermutet als ursprünglichen Grund, dass damit die Braut während ihres Übergangs vom Mädchen zur Frau unsichtbar gemacht werden soll, entweder um sie vor schädlichen magischen Einflüssen zu schützen oder als symbolischer Tod der Braut in ihrer Existenz als [[Jungfrau]].&amp;lt;ref&amp;gt;Angelika B. Hirsch: &amp;#039;&amp;#039;Warum die Frau den Hut aufhatte. Eine kleine Kulturgeschichte des Hochzeitsrituals&amp;#039;&amp;#039;. Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525604-37-3, S. 68 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mode ===&lt;br /&gt;
Der mit dem Hut verbundene [[Halbschleier]] (der nur die Augen verdeckte) war ein modisches Attribut gehobener Damenbekleidung bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Veranschaulichung: [http://www.ln-online.de/Lokales/Fotostrecken-Lokales/Fotostrecken-Luebeck/Die-lange-Geschichte-der-Verschleierung#p3 Hut mit Halbschleier], vorgeführt von [[Désirée Nick]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schutz vor Insekten ===&lt;br /&gt;
Ein Schleier kann getragen werden zum Schutz vor [[Insekt]]en, z.&amp;amp;nbsp;B. [[Mücken]]. [[Imker]] tragen oft einen Schleier zum Schutz vor [[Bienen]]stichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Formen des Schleiers ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rembrandt Harmensz. van Rijn 088.jpg|[[Rembrandt van Rijn]], Porträt der Saskia mit Haarschleier, 1633&lt;br /&gt;
Millais - Das Tal der Stille.jpg|[[John Everett Millais]],&amp;lt;br /&amp;gt;Das Tal der Stille, 1858&lt;br /&gt;
Carolina Coronado, por Federico de Madrazo.jpg|Mantille&lt;br /&gt;
Bundesarchiv Bild 102-14245, Hochzeit des Fürsten von und zu Stolberg.jpg|Hochzeit des Fürsten von und zu Stolberg, 1933&lt;br /&gt;
Batz-sur-Mer Coiffe.jpg|Junges Mädchen mit Schleierhaube, 1988&lt;br /&gt;
Emil Rabending - Clara Schumann (1880er).jpg|Clara Schumann mit Witwenhaube&lt;br /&gt;
Hutterer-Frauen bei der Arbeit.jpg|Hutterische Frauen bei der Arbeit&lt;br /&gt;
Bronze Statuette of a Veiled and Masked Dancer 1.jpg|Bronzestatue einer Tänzerin mit [[Niqab]] ca. 2. Jh. v. Chr.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Leila Ahmed]]: &amp;#039;&amp;#039;A Quiet Revolution. The Veil&amp;#039;s Resurgence from the Middle East to America&amp;#039;&amp;#039;, Yale University Press, New Haven, Connecticut, USA 2013, ISBN 978-0-300-17095-5.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Cultural Fabric. The Long History and Complex Significance of the Muslim Veil.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Time]].&amp;#039;&amp;#039; 11. Juli 2011, S. 47&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Hilke Jabbarian]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Schleier in der Religions- und Kulturgeschichte: eine Untersuchung von seinem Ursprung bis zu den Anfängen der Islamischen Republik Iran &amp;#039;&amp;#039;, LIT Verlag Münster, 2009, ISBN 978-3-82581-938-5.&lt;br /&gt;
* [[Sabine Kebir]]: &amp;#039;&amp;#039;Dialektik des Schleiers. Das Beispiel Algerien.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Edith Laudowicz]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Fatimas Töchter. Frauen im Islam.&amp;#039;&amp;#039; PapyRossa, Köln 1992 (= &amp;#039;&amp;#039;Neue Kleine Bibliothek.&amp;#039;&amp;#039; Band 29), ISBN 3-89438-051-9, S. 162–180.&lt;br /&gt;
* Claudia Knieps: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Verschleierung der Frau im Islam&amp;#039;&amp;#039;, Ergon, Würzburg, 1993.&lt;br /&gt;
* {{Literatur&lt;br /&gt;
   |Autor=Peter Stein&lt;br /&gt;
   |Titel=Religionsfreiheit, Kopftuch, Arbeit&lt;br /&gt;
   |Sammelwerk=Soziales Recht&lt;br /&gt;
   |Band=8&lt;br /&gt;
   |Nummer=3&lt;br /&gt;
   |Datum=2018&lt;br /&gt;
   |ISSN=2193-5157&lt;br /&gt;
   |Seiten=107–121&lt;br /&gt;
   |JSTOR=26626276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Veils|Schleier}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4195493-2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Insigne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religiöse Kleidung (Christentum)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ordenstracht (christliche Ordensgemeinschaft)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religiöse Kleidung (Islam)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schleier| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kostümkunde des Altertums]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauenkleidung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen und Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Anachoret</name></author>
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