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	<title>Schismogenese - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-12T14:32:04Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Schismogenese&amp;diff=309278&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Zollernalb: admin. Rücksetzung nach VM, bitte auf der Disk Konsens finden.</title>
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		<updated>2025-01-10T18:52:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;admin. Rücksetzung nach VM, bitte auf der Disk Konsens finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Schismogenese&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (wörtlich: „Entstehung von Spaltung“) ist ein Konzept, um die Entstehung konfliktbehafteter oder gegensätzlicher sozialer [[Verhaltensmuster]] oder kultureller Normen zwischen Gruppen zu erklären. Es wurde in den 1930er-Jahren vom [[Anthropologe]]n und [[Psychologe]]n [[Gregory Bateson]] entwickelt und in Deutschland von [[W. E. Mühlmann]] aufgenommen. Zentral ist ein sich gegenseitig zunehmend aufschaukelnder Prozess&amp;lt;ref name=&amp;quot;spektrum.de&amp;quot;&amp;gt;Suchbegriff: &amp;#039;&amp;#039;Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; im Lexikon der Psychologie auf spektrum.de, Heidelberg 2000, [https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/schismogenese/13471 online] abgerufen am 6. August 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; in zwei verschiedenen Ausprägungen &amp;#039;&amp;#039;([[#Symmetrische Schismogenese|Symmetrische]] und [[#Komplementäre Schismogenese|Komplementäre S.]]),&amp;#039;&amp;#039; der ursprünglich auf Kleingruppen oder Teile der Gesellschaft bezogen wurde&amp;lt;ref&amp;gt;Sybille Wölfl: &amp;#039;&amp;#039;Der Jäger und seine Wahrnehmung des Luchses.&amp;#039;&amp;#039; Dissertation vom 7. Februar 2022 an der Technischen Universität München, [https://mediatum.ub.tum.de/doc/1639035/1639035.pdf PDF], abgerufen am 5. August 2024, S.&amp;amp;nbsp;58.&amp;lt;/ref&amp;gt; und eine Rolle beim [[Kultureller Wandel|kulturellen Wandel]] spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mühlmanns Konzept kann auch als Ergänzung oder Entgegensetzung zu den [[Axiom|Postulaten]] des soziologischen [[Funktionalismus (Sozialwissenschaften)|Funktionalismus]] verstanden werden, der in Gesellschaften Erzeugungsprozesse organischer oder mechanischer Solidarität ausmachte. Batesons Konzept der Schismogenese betont dagegen Prozesse der Auseinanderentwicklung (s. [[Schisma]]), der Konfrontation, des Konflikts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Paul Watzlawick]] und die psychologisch-sozialwissenschaftliche [[Palo-Alto-Gruppe|Palo-Alto-Forschungsgruppe]] aus Kalifornien verwendeten den Begriff 1967 in der [[Kommunikationstheorie]] im so genannten [[Metakommunikatives Axiom|Metakommunikativem Axiom]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Watzlawick&amp;quot;&amp;gt;Paul Watzlawick; Janet H. Beavin; Don D. Jackson: &amp;#039;&amp;#039;Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien.&amp;#039;&amp;#039; - 12., unveränd. Aufl. - Huber, Bern [u.&amp;amp;nbsp;a.], 2011, S. 78&amp;lt;/ref&amp;gt; Darauf aufbauend nahm die [[Soziolinguistik|Soziolinguistin]] [[Deborah Tannen]] das Konzept der Schismogenese 1990 für Konversations- oder Gesprächsanalysen auf.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tannen&amp;quot;&amp;gt;[[Deborah Tannen]]: &amp;#039;&amp;#039;Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden&amp;#039;&amp;#039;. Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1991, S.&amp;amp;nbsp;29–31, 36–40, 83, 307, 315.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Hein Retter]] hielt 1999 fest, dass sich der Ausdruck nicht als soziologischer Fachbegriff etabliert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hein Retter]]: &amp;#039;&amp;#039;Studienbuch Pädagogische Kommunikation.&amp;#039;&amp;#039; TU Braunschweig, 1999 [https://www.tu-braunschweig.de/fileadmin/Redaktionsgruppen/Institute_Fakultaet_6/Allg-Paed/paed-ret/kommunikat.doc Word-Datei] abgerufen am 31. Juli 2024, S. 107&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestseller-Autoren [[David Graeber]] (Kulturanthropologe) und [[David Wengrow]] (Archäologe) nahmen den Begriff 2021 für ihr Buch &amp;#039;&amp;#039;Anfänge – Eine neue Geschichte der Menschheit&amp;#039;&amp;#039; auf. Im Gegensatz zu Bateson und seinen Nachfolgern weiteten sie das Konzept auf (historische) Prozesse &amp;#039;&amp;#039;zwischen&amp;#039;&amp;#039; verschiedenen Kulturen aus und definierten es abweichend als Tendenz menschlicher Gruppen, sich voneinander durch bewusst gewählte, gegensätzliche Verhaltensweisen abzugrenzen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot;&amp;gt;[[David Graeber]], [[David Wengrow]]: &amp;#039;&amp;#039;Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit.&amp;#039;&amp;#039; Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm, Henning Dedekind und Andreas Thomsen, 4. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-608-98508-5, S.&amp;amp;nbsp;73–74 (Zitat), 188, 195–197 (Bezug auf Mauss), 202–203, 218–219, 227, 250–251, 271, 361, 378, 475, 537.&amp;lt;/ref&amp;gt; (entspricht soziologisch einer gegenseitigen [[Distinktion (Soziologie)|Distinktion]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Symmetrische Schismogenese ==&lt;br /&gt;
Bateson kennzeichnete eine wettbewerbsartige Beziehung zwischen gleichrangigen Partnern als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;symmetrische Schismogenese&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;. Der Psychologe [[Paul Watzlawick]] nennt hier das Prahlen als ein spiegelbildliches, sich aufschaukelndes gleichartiges Verhalten&amp;lt;ref name=&amp;quot;Frei&amp;quot;&amp;gt;Felix Frei: &amp;#039;&amp;#039;Von der Signalübertragung zur Konstruktion von Information.&amp;#039;&amp;#039; AOC Zürich, Bern, Berlin, [https://www.aocfrei.com/pdfs/kommunikation/5n11.pdf PDF], abgerufen am 7. August 2024, S.&amp;amp;nbsp;3–4.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Gemeint ist damit, dass sich gleichrangige Partner ständig zu übertreffen versuchen. Als Beispiel dafür wären z.&amp;amp;nbsp;B. zwei Freunde zu nennen, die sich gegenseitig Witze erzählen und denen jeweils immer lustigere Witze einfallen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Arist von Schlippe]], [[Jochen Schweitzer]]: &amp;#039;&amp;#039;Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung I: Das Grundlagenwissen.&amp;#039;&amp;#039; Dritte, unveränderte Auflage, Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-40185-9, S.&amp;amp;nbsp;96.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Typisch sind [[Konkurrenzgesellschaft|Konkurrenz]], [[Rivalität]] und [[Wettrüsten]]:&amp;lt;ref name=&amp;quot;spektrum.de&amp;quot; /&amp;gt; häufig Interaktionen, die auf eine [[Eskalation]] zulaufen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Frei&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Komplementäre Schismogenese ==&lt;br /&gt;
Aufeinander bezogene Handlungen zwischen ungleichen Partnern werden &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;komplementäre Schismogenese&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; genannt: Etwa [[Dominanz (Psychologie)|Dominanzstreben]] einerseits, Unterwerfung andererseits; dabei handelt es sich weniger um eine einseitige Machtausübung als um eine Dynamik des Missverstehen zwischen den Beteiligten&amp;amp;nbsp;– sie „interpunktieren“ (Watzlawick) die Bedeutung der Situation jeweils unterschiedlich. Freundlich gemeinte Zurückhaltung des einen Partners wird vom anderen z. B. als Schüchternheit oder mangelnde Willensstärke interpretiert, die es anzuleiten gilt; das Gegenüber fügt sich dann in diese Rolle, bestärkt so den dominanten Partner noch.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Weitere Beispiele sind &amp;#039;&amp;#039;Unterstützung-Abhängigkeit&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Exhibitionismus-Voyeurismus.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Frei&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschlechtliche Unterschiede ===&lt;br /&gt;
Deborah Tannen bezog das Konzept der &amp;#039;&amp;#039;komplementären Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; auf die Entstehung von „[[Teufelskreis]]en“ aus Missverständnissen durch unterschiedliche Kommunikationsstile von Frauen und Männern, die in Abneigung und gegenseitigem Misstrauen endet. Tannen schilderte vor allem &amp;#039;&amp;#039;direkte, aufgabenbezogene&amp;#039;&amp;#039; sowie &amp;#039;&amp;#039;indirekte, harmoniebezogene Kommunikationsstrategien&amp;#039;&amp;#039;. Erstere werden überwiegend von Männern verwendet, letztere meist von Frauen. Mit dem eher „männlichen“ Gesprächsstil sollen Probleme direkt angegangen werden, Wünsche werden nicht verhüllt, eventuell als Befehle oder Kommandos sofort verbalisiert. Status und demonstrierte Souveränität (Entscheidungsfreude usw.) sind hier wichtige Faktoren. Im indirekten, eher auf Konsens und Rückversicherung bedachten Kommunikationsstil wird hingegen nicht unvermittelt gefragt: „Könntest Du mal einkaufen gehen?“, sondern eher: „Ach, ich bräuchte jetzt noch dringend ein Paar Sachen aus dem Laden, wenn ich nicht so müde wäre…“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Männer empfinden diese indirekte Form der Botschaftsübermittlung als &amp;#039;&amp;#039;„manipulativ“&amp;#039;&amp;#039;. Und tatsächlich soll ja mit der indirekten Botschaft letztlich Ähnliches erreicht werden, wie mit einer umschweiflosen Auftragserteilung. Die verschiedenen Konversationsstile führen jedoch zur Irritation, zur komplementären Schismogenese&amp;amp;nbsp;– stillschweigend oder offen wird in die &amp;#039;&amp;#039;[[Metakommunikation]]&amp;#039;&amp;#039; über den &amp;#039;&amp;#039;Beziehungsaspekt der Kommunikationssituation&amp;#039;&amp;#039; gewechselt: &amp;#039;&amp;#039;„Warum sagt sie nie, was sie denkt, redet nicht konkret von dem, was sie will?“&amp;amp;nbsp;– „Weshalb versteht er nicht, was ich von ihm möchte?“&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur komplementären Schismogenese kommt es dann, wenn unterschiedliche Empfindlichkeiten und vorhanden sind, die nicht offen kommuniziert werden und sich gegenseitig aufschaukeln. So zieht sich der Mann etwa aus einem Gespräch zurück, weil er sich manipuliert fühlt. Die Frau hingegen nimmt dies persönlich und fürchtet den Verlust der Nähe, worauf sie versucht, größere Nähe herzustellen. Dies interpretiert der Mann jedoch als zunehmende Manipulation, so dass er sich weiter zurückzieht … und so fort.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Tannen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kulturelle Unterschiede ===&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Es gibt allen Grund zu der Annahme, etwas Vergleichbares geschehe auch &amp;#039;&amp;#039;zwischen&amp;#039;&amp;#039; Gesellschaften. Menschen grenzen sich von ihren Nachbarn ab. Stadtbewohner werden städtischer und Barbaren werden barbarischer. Wenn es tatsächlich so etwas wie einem „[[Nationalcharakter]]“ gibt, dann ist er das Ergebnis solcher schismogenetischer Abgrenzungsprozesse: Engländer geben sich alle Mühe, bloß nicht so zu werden wie Franzosen, Franzosen wollen nicht sein wie Deutsche und so weiter. Zumindest werden sie im Streit miteinander ihre Unterschiede definitiv hervorheben.&lt;br /&gt;
 |Graeber und Wengrow&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestseller-Autoren [[David Graeber]] (Kulturanthropologe) und [[David Wengrow]] (Archäologe) nahmen den Begriff &amp;#039;&amp;#039;Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; 2021 für ihr Buch &amp;#039;&amp;#039;Anfänge – Eine neue Geschichte der Menschheit&amp;#039;&amp;#039; auf.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot; /&amp;gt; Im Gegensatz zu Bateson und seinen Nachfolgern weiteten sie das Konzept auf (historische) Prozesse &amp;#039;&amp;#039;zwischen&amp;#039;&amp;#039; verschiedenen Kulturen aus und definierten es abweichend als Tendenz menschlicher Gruppen, sich voneinander durch bewusst gewählte, gegensätzliche Verhaltensweisen &amp;#039;&amp;#039;(→ [[Distinktion (Soziologie)|Distinktion]])&amp;#039;&amp;#039; voneinander abzugrenzen. Anders ausgedrückt ist &amp;#039;&amp;#039;Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; hier das kollektive Verhalten benachbarter Gesellschaften, die miteinander in Kontakt stehen, jedoch die kulturellen Muster des Nachbarn – etwa die Einstellungen zu Arbeit, Nahrung und materiellem Wohlstand, Kleidungsstile, Wohnformen uvm. – ablehnen und deshalb demonstrativ das „genaue Gegenteil“ präsentieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verglichen mit Batesons Konzept würde es sich hier um eine Form der &amp;#039;&amp;#039;komplementären Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; handeln, Graeber und Wengrow sprechen jedoch nur von &amp;#039;&amp;#039;Schismogenese&amp;#039;&amp;#039; und differenzieren nicht zwischen symmetrisch und komplementär.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Autoren führen ihr Konzept auf die Arbeiten des Ethnologen [[Marcel Mauss]] zurück, der sich mit der Frage beschäftigt hatte, warum es zwischen manchen [[Kulturareal]]en &amp;#039;&amp;#039;(eine geografisch abgrenzbare Einteilung von [[Kultur#Kulturen|Kulturen]] nach ähnlichen Merkmalen)&amp;#039;&amp;#039; scharf gezogene Grenzen innerhalb gleichartiger [[Biom|Lebensräume]] gab, die sich durch viele geradezu gegensätzliche Erscheinungsweisen auszeichneten. Viele Kulturareale sind weitgehend deckungsgleich mit den [[Vegetationszone]]n, sodass die Ähnlichkeiten zwischen Gruppen völlig unterschiedlicher genetischer und sprachlicher Herkunft durch die gleiche [[Subsistenz]]weise (etwa Jäger und Sammler, Reiternomaden, Gartenbauer usw.) erklärt werden. Die ausgesprochen deutlichen Unterschiede zwischen den nordamerikanischen Kulturen der beiden Areale [[Nordwestküstenkultur|Nordwestküste]] und [[Kulturareal Kalifornien|Kalifornien]] oder nach Süden zwischen Kalifornien und dem [[Südwesten (Kulturareal)|Südwesten]] beispielsweise können damit jedoch nicht erklärt werden, da die Umweltbedingungen jeweils sehr ähnlich sind. Die Erklärung, so Mauss, lautet, dass sich benachbarte Kulturen [[Bewusstsein|bewusst]] gegeneinander abgrenzen wollen, um ihre eigene [[Ethnizität|kulturelle Identität]] zu leben und dass es vor diesem Hintergrund zu „Strukturen der Verweigerung“ käme, die zu solch diametralen Gegensätzen führt. Gerade die bewusste Entscheidung, bestimmte Dinge absichtlich nicht zu übernehmen – selbst, wenn sie Vorteile bringen – ist nach Mauss die stärkste Triebfeder zur Bildung von Gruppenidentitäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Graeber und Wengrow greifen zur Beschreibung dieses Verhaltens auf Batesons Schismogenese-Begriff zurück und führen etliche Beispiele [[rezent]]er und historischer Kulturen auf, um solche gegensätzlichen Verhaltensweisen bzw. Kulturmerkmale ([[Dichotomie]]) zu belegen: Als „klassisches Beispiel“ führen sie die antiken griechischen Stadtstaaten [[Geschichte Athens#Klassische Zeit|Athen]] und [[Sparta]] im fünften Jahrhundert vor Christus an und zitieren dazu [[Marshall Sahlins]]: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Dynamisch miteinander verbunden, konstituierten sie sich wechselseitig ... Athen war für Sparta wie das Meer für das Land, kosmopolitisch für fremdenfeindlich, kommerziell für autark, luxuriös für sparsam, demokratisch für oligarchisch, städtisch für dörflich, autochthon für eingewandert, logomanisch für lakonisch: Man kann die Dichotomien nicht zu Ende aufzählen ... Athen und Sparta waren Antitypen.}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Beispiele sind die mittelsteinzeitlichen Kulturen des Hoch- (z.&amp;amp;nbsp;B. [[Göbekli Tepe]]) und Tieflandes (z.&amp;amp;nbsp;B. [[Çayönü]]) im [[Fruchtbarer Halbmond|Fruchtbaren Halbmond]] Westasiens, [[Teotihuacán]] im mexikanischen Hochland und die Tieflandkultur der [[Maya-Zivilisation|Maya]], [[Tenochtitlan]] und [[Tlaxcala (Stadt)|Tlaxcala]] im vorkolumbianischen Mexiko oder die Bergvölker Südostasiens im Vergleich zu ihren Nachbarn in den Tälern.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Anfänge&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nicht eskalierende Formen der Distanzierung ==&lt;br /&gt;
Fein abgestufte (meist nicht konfrontative oder eskalierende) symbolische Formen und subtile Strategien der sozialen Distanzierung ([[Distinktion (Soziologie)|Distinktion]]) untersucht [[Pierre Bourdieu]] in seinem Werk &amp;#039;&amp;#039;[[Die feinen Unterschiede]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;P. Bourdieu: &amp;#039;&amp;#039;Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt am Main 1987.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Gregory Bateson: &amp;#039;&amp;#039;Kulturberührung und Schismogenese&amp;#039;&amp;#039;. In: Ders.: &amp;#039;&amp;#039;Ökologie des Geistes: Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985, S. 99–113, ISBN 3-518-28171-2&lt;br /&gt;
* [[Otthein Rammstedt]]: &amp;#039;&amp;#039;Schismogenesis.&amp;#039;&amp;#039; In: W. Fuchs-Heinritz u.&amp;amp;nbsp;a., &amp;#039;&amp;#039;Lexikon zur Soziologie&amp;#039;&amp;#039;, 4. Aufl., VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15573-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konfliktsoziologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sozialpsychologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Soziolinguistik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kommunikation]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Zollernalb</name></author>
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