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	<title>Sassoon - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;DynaMoToR: /* Oder Indien? */</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Oder Indien?&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:David Sassoon and sons.jpg|mini|David Sassoon mit seinen Söhnen etwa um das Jahr 1850]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Baghdad 1923 Bell Cornwallis Eskell Bourdillon.jpg|mini|Ezechiel Sasson (Sassoon Eskell) 1923 im Kreis der Mächtigen des Irak, rechts neben ihm sitzend [[Gertrude Bell]], „Ko-Architektin des modernen Irak“]]&lt;br /&gt;
[[Datei:The Sassoon Hospital for Europeans - Poona.jpg|mini|Das von der Familie Sassoon gestiftete Hospital in [[Pune]]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stamp of India - 1998 - Colnect 161888 - David Sassoon Library and Reading Room.jpeg|mini|Indische Briefmarke im Andenken an die Bibliothek &amp;#039;&amp;#039;David Sassoon Library and Reading Room&amp;#039;&amp;#039;, 1998]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Sassoon House, The Bund, Dec 2017 (2).jpg|mini|Das 77 Meter hohe zweite Sassoon House im Geschäftsviertel [[The Bund|Bund]] von Shanghai, nach dem Abriss des ersten Sassoon-Hauses von 1872 an gleicher Stelle von 1926 bis 1929 errichtet. Später wurde es das &amp;#039;&amp;#039;Peace Hotel&amp;#039;&amp;#039;.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Sassoon&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (auch [[Sasson]], von &amp;#039;&amp;#039;Śāśōn&amp;#039;&amp;#039; = „Freude“) ist der Name einer berühmten [[Judentum in China|bagdadi-jüdischen]] Kaufmannsfamilie, sie wurde als die „[[Rothschild (Familie)|Rothschilds]] des Ostens“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Jordyn Haime |url=https://www.tabletmag.com/sections/community/articles/decline-sassoon-family |titel=The Dramatic Decline of the ‘Rothschilds of the East’ |werk=Tablet |hrsg=Alana Newhouse (Hrsg.) |datum=2022-11-03 |abruf=2022-11-07}}&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet. Eine Linie der Familie stieg 1890 als [[Baronet]] in den [[Britischer Adel|britischen Adel]] auf, eine weitere 1909. Beide Titel sind heute erloschen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Von al-Andalus ins Zweistromland ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gehen... ====&lt;br /&gt;
Die Sassoons können ihre [[Sephardim|sephardischen]] Ursprünge als „ibn Schoschon“ bis ins [[Al-Andalus|maurische Spanien]] des [[Spätmittelalter]]s zurückführen. Infolge der [[Vertreibung der Juden aus Spanien]] durch die [[Katholische Könige|Katholischen Könige]] flohen sie im 16. Jahrhundert von [[Toledo]] nach [[Bagdad]], sie verwendeten im Alltag die [[Judäo-Arabisch|judäo-arabische]] Sprache. In Bagdad lebte die Familie gut 200 Jahre im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, bis [[Daud Pascha]] zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine „aggressiv habgierige“ Geldforderung an David Sassoon stellte. 1828/1829 ging er allein und ohne Kapital zunächst ins [[Iran|persische]] Beshira ([[Buschehr|Bushire]]) am [[Persischer Golf|persischen Golf]], wo seine Familie nachzog, und 1832 nach [[Bombay]]. Dort gründete er mit Hilfe eines unverzinslichen Darlehens des Kaufmanns Samuel Zacharia das Handelshaus [[David Sassoon &amp;amp; Co.]] (später &amp;#039;&amp;#039;Old Sassoon&amp;#039;&amp;#039;), später auch judäo-arabische Zeitungen, wie das zwischen 1855 und 1866 erschienene &amp;#039;&amp;#039;Doresh Tov Le Ammo.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dt. &amp;#039;&amp;#039;Der das Gute für sein Volk sucht&amp;#039;&amp;#039;, gemäß der Übersetzung von Georges Bensoussan, S. 215.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der [[Anglophilie|anglophile]] David erhielt 1853 die [[britische Staatsbürgerschaft]] und ließ seine sieben Söhne (fünf aus zweiter Ehe) an Schulen in England erziehen. Einen Namen machte er sich mit [[Philanthropie]], wie dem Bau von [[Synagoge]]n, Schulen, Bibliotheken und sozialen Einrichtungen. Für sich und seine engere Familie ließ er in Bombays privilegierten Stadtteil [[Malabar Hill]] die Villa &amp;#039;&amp;#039;Sans Souci&amp;#039;&amp;#039; errichten. Seinem Beispiel folgend zogen weitere jüdische Familien aus Bagdad gegen Osten und gründeten Gemeinden in [[Kalkutta]] und [[Rangun]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Herman Dicker |Titel=Wanderers and Settlers in the Far East – A Century of Jewish Life in China and Japan |Hrsg=Jacob Freid |Sammelwerk=Jews in the Modern World |Verlag=Twayne Publishers |Ort=New York |Datum=1962 |Seiten=50, 66, 162}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Georges Bensoussan (Historiker)|Georges Bensoussan]] |Titel=Juifs en pays arabes – Le grand déracinement 1850–1975 |Hrsg=Denis Maraval |Sammelwerk=Collection Texto |Auflage=2 |Verlag=Éditions Tallandier |Ort=Paris |Datum=2021 |ISBN=979-1-02105090-7 |Fundstelle=194, 215 f. und Fußnote 224, S. 946 f.; 483, 601 |Kommentar=David Sassoon entfloh nach eigenen Angaben hoher Besteuerung: „fuir la rapacité vindicative du pacha“ (= &amp;#039;&amp;#039;der aggressiven Habgier des Pascha entfliehen&amp;#039;&amp;#039;)}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Bernard Brizay |Titel=Shanghai: Le « Paris » de l’Orient |Verlag=Éditions Pygmalion (Flammarion) |Ort=Paris |Datum=2010 |ISBN=978-2-7564-0219-2 |Kapitel=XX: Les Rothschild de l’Orient |Seiten=293–305}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Oder bleiben? ====&lt;br /&gt;
Ein anderer Teil der Familie Sassoon blieb im [[Mesopotamien|Zweistromland]] wohnen. Sie pflegte einvernehmliche Beziehungen in Bagdads Gesellschaft. Saleh Sassoon und ab 1817 sein Sohn David waren einst städtische [[Kämmerer]] und sogenannte [[Nasi (Titel)|Nasi]]. Damit war die Erwartung der Gemeinschaft und der nichtjüdischen Umgebung verbunden, dass der amtierende Sassoon-Patriarch als Hofberater, Steuerverwalter, Richter und &amp;#039;&amp;#039;Prinz der Juden&amp;#039;&amp;#039; auftrat, eine Gnade, welche ihm vom Sultan des [[Osmanisches Reich|Osmanischen Reiches]] persönlich zuteilwurde. Als der Nasi-Status an Bedeutung verlor, förderte der Bagdadi-Zweig gemeinsam mit der ebenfalls sehr aufstiegsorientierten Familie [[Kadoorie (Familie)|Kadoorie]] Schulgründungen der [[Alliance Israélite Universelle]]. Die Ziele der französischen Organisation waren weit von denen des [[Zionismus]] entfernt. 1909 engagierten sich Sassoon zusammen mit zahlreichen muslimischen Kaufleuten lautstark, aber ohne Erfolg gegen massive Umweltverschmutzung, Gesundheitsbelastung und Explosionsgefahr durch vier große mit [[Petroleum]] betriebene Mühlen in Bagdad.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Philippe Pétriat |Titel=Aux pays de l’or noir – Une histoire arabe du pétrole |Hrsg=Martine Allaire |Sammelwerk=Collection folio histoire inédit |Nummer=306 |Verlag=Éditions Gallimard |Ort=Paris |Datum=2021 |ISBN=978-2-07-282739-6 |Seiten=28 f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Während der 1920er Jahre blieb der vormalige [[Zweite osmanische Verfassungsperiode|osmanische Abgeordnete]] [[Sassoon Eskell|Ezechiel Sasson]] Finanzminister des [[Königreich Irak|Iraks]], er verhandelte Erdölkonzessionen für [[Faisal I.|König Faisal]] unter dem [[Britisches Mandat Mesopotamien|britischen Mandat]]. Am 30. August 1929 wurde Aaron Sassoon, Lehrer und Vertreter zionistischen Organisationen in Bagdad, zum Verlassen der Stadt gezwungen. Eine [[Sunniten|sunnitisch]]-[[Schia|schiitische]] Vereinigung hatte in der [[Haidar-Khana-Moschee]] ein Palästina-Komitee gebildet, das auch von Juden Spenden verlangte. Trotz des Pogroms [[Farhud]] im Juni 1941, „einziges derartiges Ereignis seit mindestens hundert Jahren im Leben der irakischen Juden“,&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Lorenzo Kamel |Titel=Terra contesa – Israele, Palestina e il peso della storia |Sammelwerk=Collana Frecce |Nummer=345 |Verlag=Carocci editore |Ort=Roma |Datum=2022 |ISBN=978-88-290-1450-7 |Kapitel=9 |Fundstelle=193 und Fußnote 23, S. 290 |Kommentar=dort zitiert in H. J. Cohen: &amp;#039;&amp;#039;The Anti-Jewish Farhūd in Baghdad, 1941&amp;#039;&amp;#039;. In &amp;#039;&amp;#039;Middle Eastern Studies&amp;#039;&amp;#039;, 3, 1, 1966, S. 2–17}}&amp;lt;/ref&amp;gt; so der Historiker [[Hayyim J. Cohen]] 1966, verließ der überwiegende Teil der Familie den [[Irak]] erst unter der Diktatur&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Richard Haass |url=https://www.nzz.ch/meinung/prekaere-bilanz-des-irak-krieges-der-hohe-preis-von-saddams-sturz-ld.1731557 |titel=Der hohe Preis von Saddams Sturz – 2003 führten die USA im Irak einen Krieg ihrer Wahl, dessen Tragweite und Folgen sie zu wenig vorbedacht hatten. |werk=[[Neue Zürcher Zeitung]] |datum=2023-03-26 |abruf=2023-03-26}}&amp;lt;br /&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Henner Fürtig]] |Titel=Geschichte des Irak – Von der Gründung 1921 bis heute |Nummer=1535 |Auflage=3 |Verlag=Verlag C. H. Beck |Ort=München |Datum=2016 |ISBN=978-3-406-68798-3 |Seiten=110, 118, 120, 143 |Kommentar=Henner Fürtig übertitelt das ganze Kapitel III. mit &amp;#039;&amp;#039;Von der Diktatur zum Neubeginn (1979–2003)&amp;#039;&amp;#039;, siehe S. 112–163}}&amp;lt;br /&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Anne Nivat]] |Titel=Lendemains de guerre en Afghanistan et en Irak |Nummer=30763 |Auflage=2 |Verlag=Librairie Arthème Fayard |Ort=Paris |Datum=2007 |ISBN=978-2-253-11936-4 |Seiten=273, 295, 315, 318}}&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Saddam Hussein]] in den 1970er Jahren. Der Großteil der irakischen Juden hatte den Irak zu diesem Zeitpunkt längst in Richtung des neu gegründeten Staates [[Israel]] verlassen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Justin Marozzi |Titel=Baghdad: City of Peace, City of Blood |Auflage=2 |Verlag=Penguin Books (Random House) |Ort=London |Datum=2015 |ISBN=978-0-14-104710-2 |Seiten=229 und zweiter Bildteil, vor S. 225 |Kommentar=Erstauflage bei Allen Lane, 2014}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Michel Abitbol |Titel=Histoire des juifs – De la genèse à nos jours |Hrsg=Marguerite de Marcillac |Sammelwerk=Collection tempus |Nummer=663 |Auflage=2 |Verlag=Éditions Perrin |Ort=Paris |Datum=2013 |ISBN=978-2-262-06807-3 |Seiten=546, 736 |Kommentar=zu Ezechiel Sasson dort zitiert in Joseph Meir: &amp;#039;&amp;#039;Die soziale und kulturelle Entwicklung der irakischen Juden von 1830 bis heute&amp;#039;&amp;#039;, Tel Aviv 1989 [hebräisch], S. 416 f., Fußnote 81, S. 910}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bombay, Shanghai und London ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== China... ====&lt;br /&gt;
Nach der von den Europäern erzwungenen Öffnung [[China]]s für den Kolonialhandel im [[Vertrag von Nanking]] (1842) und dem mit ethischen Bedenken begründeten Rückzug der Erben des Gründers von [[Jardine Matheson Holdings|Jardine, Matheson &amp;amp; Co.]] wurden Sassoon dort verstärkt als [[Komprador]]en aktiv&amp;lt;ref name=&amp;quot;:9&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Oliver Fülling |Titel=Shanghai |Sammelwerk=DuMont-Reise-Taschenbuch |Verlag=DuMont Buchverlag |Ort=Köln |Datum=1999 |ISBN=3-7701-4716-2 |Seiten=63 ff., 82, 129}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und brachte es, durch den laut [[Donald Matheson]] hoch unmoralischen Opiumhandel, zu großem Reichtum. Jardine &amp;amp; Matheson hatte sich bis 1872 vollständig aus diesem Segment zurückgezogen. Das Geschäft mit [[Opium]] kontrollierten Sassoon-Unternehmen zeitweise zu 70 %. Der Opiumhandel war legal, dafür hatten nach dem [[Zweiter Opiumkrieg|Zweiten Opiumkrieg]] in den [[Ungleiche Verträge|Ungleichen Verträgen]] Briten, Franzosen, Amerikaner und Russen gesorgt. Große Summen flossen durch die Besteuerung der Droge in die Kassen der britischen Kolonialbehörden in [[Britisch-Indien|Indien]]. Die fatalen Folgen des Konsums, die protestantische Missionare dokumentierten, waren den Sassoon zwar bewusst, doch behaupteten sie vor der [[Royal Opium Commission]] (1893), ein verantwortlicher Konsum sei möglich. 1875 hatte [[San Francisco]] das erste Antidrogengesetz gegen Opium unter [[Auslandschinesen]] erlassen. Ein Verbot verabschiedete 1891 auch das britische Parlament, dessen Implementierung die Sassoon jedoch verzögerten, bis 1906 ein zweites Gesetz den Handel verbot. Bevor es 1917 nach 10-jähriger Übergangsphase in Kraft trat, hatten sich die Sassoon die weniger problematischen Geschäftsfelder der Baumwolle, des Silberabbaus, des Bank- und Versicherungswesens und des Immobiliensektors aufgebaut. In den 1980er Jahren erhielten chinesische Ökonomen Forschungszugang und schätzten die aus Opium erzielten Profite der Sassoon auf 140 Millionen &amp;#039;&amp;#039;Liang&amp;#039;&amp;#039; ([[Tael]]), der im 19. Jahrhundert zirkulierenden Währung, der Gegenwert von 2,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Horst Gründer]] |Titel=Tsingtau – eine deutsche Musterkolonie in China? |Hrsg=Horst Gründer, [[Hermann Hiery]] |Sammelwerk=Die Deutschen und ihre Kolonien – Ein Überblick |Auflage=3 |Verlag=Bebra Verlag |Ort=Berlin |Datum=2022 |ISBN=978-3-89809-204-3 |Seiten=123–143, hier S. 123}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Davids besonderes Vertrauen genoss seine Geschäftspartnerin Farha Sassoon, die sich als Frau, gegen die Widerstände aus der eigenen Familie, ab 1894 während sieben Jahren an der Spitze des Unternehmens hielt, und seine beiden Söhne [[Albert Abdullah David Sassoon|Abdullah]] und [[Elias David Sassoon|Elias]]. Die Unternehmen wurden mit großer Geheimhaltung geführt, wobei Familienmitglieder nebenbei eigene Firmen zum Erfolg führen mussten, bevor sie als Partner in das Hauptunternehmen eintreten durfen. Das Unternehmen beschäftigte in seinen Büros ausschließlich irakische Juden, darunter Mitglieder der Familien Ezra, Kadoorie, Abraham, Shamoon und Solomon, die aber nie befördert wurden und deshalb später eigene Unternehmen gründeten. Vom aus dem Opiumhandel stammenden reinvestierten Kapital konnte, laut der erwähnten chinesischen Studie, der Gegenwert von im Jahr 2018 rund 5,6 Milliarden US-Dollar an Gewinnen abgeschöpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über [[British Malaya|Malayas]] [[Straits Settlements]] war Elias 1844 nach China gezogen und hatte die Firma [[E. D. Sassoon]] gegründet (auch bekannt als &amp;#039;&amp;#039;New Sassoon&amp;#039;&amp;#039;). Sie ging nach seinem Tod an seinen Sohn Jacob Sassoon (1844–1916, kinderlos gestorben). Die chinesische Linie führte danach Edward Elias Sassoon (1853–1924) weiter. Jacob erhielt 1909 einen Baronstitel. Der Titel ging danach auf [[Sir (Anrede)|Sir]] Ellice Victor Sassoon (1881–1961) über, bevor er erlosch und später nur noch im Sinne des [[Life Peerages Act 1958|Life Peerages Act]] erneuert wurde. Davon profitierte später der britische Politiker [[James Sassoon, Baron Sassoon]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sassoons waren permanent im &amp;#039;&amp;#039;Shanghai Municipal Council&amp;#039;&amp;#039; des [[Shanghai International Settlement]] vertreten. In den 1920er Jahren führten in dieser der [[Qing-Dynastie]] abgepressten Zone 40.000 Ausländer ein umtriebiges Leben. Victor Sassoon beteiligte sich an der Gründung der Bank [[HSBC]] und verlegte 1931 &amp;#039;&amp;#039;Old Sassoon&amp;#039;&amp;#039; steuergünstig von Indien nach [[Hongkong]], bevorzugte aber persönlich Shanghai. Der unverheiratete [[Playboy (Person)|Lebemann]] investierte enorme Summen in den dortigen Immobiliensektor und erwarb [[Arnhold &amp;amp; Co.]] und somit die Kontrolle über die [[Cathay Land Company]]. Er beauftragte [[P&amp;amp;T Group|Palmer and Turner]] mit dem &amp;#039;&amp;#039;[[Sassoon House]]&amp;#039;&amp;#039; und ließ darin Büros und das Cathay Hotel einrichten. Nach dem Tod des Unternehmers [[Silas Aaron Hardoon|Silas Hardoon]] 1931 erwarb er auch dessen Immobilien. Weitere Besitzungen in Shanghai waren das Hotel Metropole, das Hamilton House und die Broadway Mansions. Die Familien Sassoon, Kadoorie und Hardoon traten miteinander in einen Wettstreit um die größtmögliche Prachtentfaltung entlang des Flusses [[Huangpu Jiang]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Oder Indien? ====&lt;br /&gt;
Abdullah führte das geschäftliche und religiöse Erbe seines religiösen Vaters vor allem in Indien fort. Bombays Wirtschaft entwickelte sich in den 1860er Jahren rasant, die Stadt erreichte 600.000 Einwohner. Der [[Sezessionskrieg]] in den USA ließ die Baumwollexporte hochschnellen, wovon neben den Sassoon auch der „Cotton King“ und spätere Gold- und Silbermagnat [[Premchand Roychand]] profitierte. Die Büros von David Sassoon &amp;amp; Co. von London bis [[Yokohama]] blieben an [[Schabbat]] und [[Liste jüdischer Feste|jüdischen Feiertagen]] geschlossen. Auch Abdullah pflegte die wohltätige Fürsorge der &amp;#039;&amp;#039;[[Zedaka|tzedakah]]&amp;#039;&amp;#039; weiter. Er wurde Mitglied in der [[Indian Central Legislative Assembly|Indian legislative assembly]], doch sein Streben nach kultureller und sozialer [[Assimilation (Soziologie)|Assimilation]] in die Elite Englands führte ihn Mitte der 1870er Jahre nach London. 1890 erhielt Abdullah, der sich nun Albert nannte, unter [[Victoria (Vereinigtes Königreich)|Königin Victoria]] den erblichen Titel eines [[Baron]]s. Er wurde ins britische [[House of Commons|Unterhaus]] gewählt und krönte seinen Aufstieg 1887 mit der Hochzeit seines Sohnes, dem Unterhausabgeordneten Edward Anthony Albert Sassoon (1856–1912), mit der Baroness [[Aline Caroline de Rothschild|Aline Caroline]] (1867–1909) aus dem Hause [[Rothschild (Familie)|Rothschild]]. Auch Sir Philip Sassoon (1888–1939) war Abgeordneter und Sekretär von [[David Lloyd George]]. Er war auch mit [[Charlie Chaplin|Charles Chaplin]] befreundet. Der von der Familie entfremdete Schriftsteller [[Siegfried Sassoon]] ließ sich [[Taufe|taufen]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Charlie Chaplin|Charles Chaplin]] |Titel=Histoire de ma vie – Mémoires |Verlag=Éditions Robert Laffont |Ort=Paris |Datum=2022 |ISBN=978-2-221-26551-2 |Kapitel=Originalausgabe: &amp;#039;&amp;#039;My Autobiography&amp;#039;&amp;#039;, 1964; übersetzt von Jean Rosenthal |Seiten=273 f.}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jonathan Kaufman |Titel=Kings of Shanghai – Two rival dynasties and the creation of modern China |Verlag=Abacus (Little Brown Book Group) |Ort=London |Datum=2021 |ISBN=978-0-349-14298-2 |Seiten=5–9, 12, 20, 40 f., 45, 47, 78, 80, 117 f., 122–125, 152}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:10&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Kiran Nagarkar]], [[Bernard Imhasly]] |Titel=Bombay |Sammelwerk=[[NZZ Folio]] |Nummer=225 |Verlag=Neue Zürcher Zeitung |Ort=Zürich |Datum=2012-10 |Seiten=42}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Zenit zum Niedergang ===&lt;br /&gt;
[[Joseph Sassoon]], [[Arabistik|Arabist]] an der [[Georgetown University|Universität Georgetown]], aus der irakischen Linie stammend, vermutet als Grund für den Abstieg des abgewanderten Zweigs dessen Aufnahme in den Adelsstand, denn zu einem adligen Lebensstil gehöre der Verzicht auf eigene Arbeit. Die Familienunternehmen gerieten im Zuge des [[Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg|japanischen Angriffs auf China]] (1937), des [[Chinesischer Bürgerkrieg|Chinesischen Bürgerkriegs]] und des Aufstiegs der [[Kommunistische Partei Chinas|Kommunistischen Partei]] in Not. Zudem hatte es Victor Sassoon versäumt, sein ganzes Kapital rechtzeitig in Hongkong zu investieren. Er verharrte, mit privaten und politischen Interessen beschäftigt, im [[The Bund|The-Bund]]-Stadtteil von [[Shanghai]] oder ging auf private Reisen. Dem chinesischen Nationalistenführer [[Chiang Kai-shek]] stellte er großzügig Geld zur Verfügung. Er setzte sich für [[Shanghaier Ghetto|jüdische Flüchtlinge aus Europa]] ein. Der US-Militärangehörige und Buchautor [[Herman Dicker]], 1956 bis 1958 in [[Japan]] stationiert, berichtete 1962, Victor Sassoon habe unter ständiger Beobachtung des [[Japanisches Kaiserreich|japanischen Kaiserreichs]] gestanden, zumal David Sassoon &amp;amp; Co. auch in den Häfen von Yokohama und [[Nagasaki]] Niederlassungen besaß. 1949 verstaatlichte die [[Volksrepublik China]] Vermögenswerte in [[Festlandchina|Festland-China]]. Victor Sassoon zog nach [[Nassau (Bahamas)|Nassau]] ([[Bahamas]]) und reinvestierte in Südamerika. 1959 heiratete er seine Pflegerin Evelyn Barnes aus [[Dallas]], die den Großteil des Vermögens erbte. In den 1970er Jahren wurde David Sassoon &amp;amp; Co. liquidiert. Der wohltätige [[Sir Jacob Sassoon Trust]] blieb mit bescheidenen finanziellen Mitteln bestehen, 1998 übernahm Solomon Sopher dessen Leitung. Heute leben Nachkommen der Dynastie vor allem in Großbritannien und den [[USA]]. Anders als die Kadoories, die im Geschäftsleben Ostasiens weiterhin bedeutend sind, haben die Sassoon diese Stellung eingebüßt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:7&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:8&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:9&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berühmte Familienmitglieder ==&lt;br /&gt;
* [[Sasson ben Saleh]] (1750–1830)&lt;br /&gt;
* [[David Sassoon]] (1792–1864)&lt;br /&gt;
* [[Albert Abdullah David Sassoon]] (1818–1896), Geschäftsmann&lt;br /&gt;
* [[Elias David Sassoon]] (1820–1880), Geschäftsmann&lt;br /&gt;
* [[David Sassoon Sassoon]] (1832–1867), Geschäftsmann und Bankier&lt;br /&gt;
* [[Solomon David Sassoon]] (1841–1894)&lt;br /&gt;
* [[Jacob Elias Sassoon]] (1843–1916)&lt;br /&gt;
* [[Edward Albert Sassoon]] (1856–1912), erwarb das Anwesen [[Trent Park]]&lt;br /&gt;
* [[Rachel Beer]] (1858–1927), geb. Sassoon&lt;br /&gt;
* [[Flora Sassoon]] (1859–1936)&lt;br /&gt;
* [[Ezechiel Sasson]] (auch: Sassoon Eskell, Sassoon Effendi) (1860–1932), irakischer Bankier, Finanzminister und Staatsmann&lt;br /&gt;
* [[Victor Sassoon]] (1881–1961), Geschäftsmann und Hotelier&lt;br /&gt;
* [[Siegfried Sassoon|Siegfried Loraine Sassoon]] (1886–1967)&lt;br /&gt;
* [[Philip Sassoon|Philip Albert Gustave David Sassoon]] (1888–1939), Trent Park&lt;br /&gt;
* [[Sybil Cholmondeley, Marchioness of Cholmondeley|Sybil Sassoon, Marchioness of Cholmondeley]] (1894–1989)&lt;br /&gt;
* [[David Sassoon (1910–1991)|David Sassoon]] (1910–1991)&lt;br /&gt;
* [[Agnes Sassoon]] (1933–2020), britische Modejournalistin und Autorin&lt;br /&gt;
* [[Andre Gabriel Sassoon]] (* 1936), Wirtschaftsanwalt&lt;br /&gt;
* [[James Sassoon, Baron Sassoon|James Meyer Sassoon, Baron Sassoon]] (* 1955), Handelssekretär im britischen Finanzministerium&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Friseur [[Vidal Sassoon]] gehört nicht zu dieser Familie. Es ist nicht bekannt, ob die Musikerin [[Julie Sassoon]] (* 1966) zu ihr gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Katja Behling: &amp;#039;&amp;#039;Jüdische Kaufmannsfamilien. Die Sassoons: Von Bagdad nach Shanghai.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Aufbau (jüdische Zeitung)|Aufbau]]. Schwerpunktthema: &amp;#039;&amp;#039;Mythos Seidenstrasse. Spurensuche: Der Beginn der Globalisierung.&amp;#039;&amp;#039; Nr. 7/8, Juli/Aug. 2010. S. 11f. – Mit weiteren Artikeln über [[Benjamin von Tudela]], die [[Seidenweber]]ei, Jacob d’Ancona (angeblich aus dem 13. Jh.), eine Pseudofigur nach der Behauptung von [[David Selbourne]] u. a. Auf Deutsch, [[Abstract]] auf Englisch.&lt;br /&gt;
* Jonathan Kaufman: &amp;#039;&amp;#039;The Last Kings of Shanghai. The Rival Jewish Dynasties That Helped Create Modern China&amp;#039;&amp;#039;. Penguin Books, London 2021, ISBN 978-0-7352-2443-8.&lt;br /&gt;
* [[Egon Erwin Kisch]]: &amp;#039;&amp;#039;Kapitalistische Romanze von den Bagdad-Juden.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;China geheim!&amp;#039;&amp;#039; Elefanten-Press, Berlin 1993, ISBN 3-88520-604-8.&lt;br /&gt;
* Itamar Livni: &amp;#039;&amp;#039;Juden in China.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Jakob Hessing]] (Hrsg.): Jüdischer Almanach des Leo-Baeck-Instituts 1997, S. 37 ff., ISBN 3-633-54119-5.&lt;br /&gt;
* Joseph Sassoon: &amp;#039;&amp;#039;The Global Merchants. The enterprise and extravagance of the Sassoon dynasty&amp;#039;&amp;#039;. Allan Lane, London 2022, ISBN 978-0-241-38864-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Sassoon family|Sassoon}}&lt;br /&gt;
* [http://genealogics.org/descend.php?personID=I00280025&amp;amp;tree=LEO Genealogie]&lt;br /&gt;
* [http://www.the-south-asian.com/March2001/Jews_of_India-%20Baghdadi-Manipuri.htm Die Sassoons in Indien]&lt;br /&gt;
* [http://www.sefarad.org/publication/lm/022/chine.html Die Sassoons in China]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=121560090|LCCN=sh89006684|VIAF=62407726}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sassoon| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Individuelle Familie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unternehmerfamilie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Englisches Adelsgeschlecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Jüdische Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte des Irak]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Indische Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pune]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Judentum in China]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Chinesische Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Chinesische Wirtschaftsgeschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;DynaMoToR</name></author>
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