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	<title>Roter Fingerhut - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;SchlurcherBot: Bot: http → https</title>
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		<updated>2026-02-01T22:10:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Für Informationen zum Umgang mit dieser Vorlage siehe bitte [[Wikipedia:Taxoboxen]]. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Taxobox&lt;br /&gt;
| Taxon_Name       = Roter Fingerhut&lt;br /&gt;
| Taxon_WissName   = Digitalis purpurea&lt;br /&gt;
| Taxon_Rang       = Art&lt;br /&gt;
| Taxon_Autor      = [[Carl von Linné|L.]]&lt;br /&gt;
| Taxon2_Name      = Fingerhüte&lt;br /&gt;
| Taxon2_WissName  = Digitalis&lt;br /&gt;
| Taxon2_Rang      = Gattung&lt;br /&gt;
| Taxon3_Name      = Wegerichgewächse&lt;br /&gt;
| Taxon3_WissName  = Plantaginaceae&lt;br /&gt;
| Taxon3_Rang      = Familie&lt;br /&gt;
| Taxon4_Name      = Lippenblütlerartige&lt;br /&gt;
| Taxon4_WissName  = Lamiales&lt;br /&gt;
| Taxon4_Rang      = Ordnung&lt;br /&gt;
| Taxon5_Name      = Euasteriden I&lt;br /&gt;
| Taxon5_Rang      = ohne&lt;br /&gt;
| Taxon6_Name      = Asteriden&lt;br /&gt;
| Taxon6_Rang      = ohne&lt;br /&gt;
| Bild             = Digitalis_purpurea_01.jpg&lt;br /&gt;
| Bildbeschreibung = Roter Fingerhut (&amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039;)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Rote Fingerhut&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039;), auch Fingerhut, Fingerkraut, Fuchskraut, Schwulstkraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle genannt, ist eine [[Art (Biologie)|Pflanzenart]] aus der [[Gattung (Biologie)|Gattung]] der [[Fingerhüte]] (&amp;#039;&amp;#039;Digitalis&amp;#039;&amp;#039;) in der Familie der [[Wegerichgewächse]] (Plantaginaceae). Der Gattungsname &amp;#039;&amp;#039;Digitalis&amp;#039;&amp;#039; leitet sich vom [[latein]]ischen Wort &amp;#039;&amp;#039;digitus&amp;#039;&amp;#039; für Finger ab und bezieht sich auf die charakteristische Blütenform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rote Fingerhut wurde 2007 zur [[Giftpflanze des Jahres]] gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Digitalis purpurea - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-053.jpg|mini|Illustration]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vegetative Merkmale ===&lt;br /&gt;
Der Rote Fingerhut wächst meist als [[Zweijährige Pflanze|zweijährige]], [[krautige Pflanze]]. Im ersten Jahr bildet sie eine [[Rosette (Botanik)|Grundblattrosette]], aus der im Folgejahr ein bis zu 200&amp;amp;nbsp;cm hoher, meist unverzweigter, beblätterter [[Stängel]] austreibt. Diese Halbrosettenpflanze treibt seltener auch in weiteren Jahren aus den basalen Achselknospen wieder aus. Die grundständigen, bis 20&amp;amp;nbsp;cm langen [[Blatt (Pflanze)|Laubblätter]] sind lang gestielt und besitzen einen keilig verschmälerten Spreitengrund, die oberen sind ungestielt. Die Blattstellung ist spiralig, das sechste Blatt steht genau über dem ersten, was bei zwei Umläufen einem Divergenzwinkel von 144 Grad entspricht. Die eiförmige Blattspreite ist beidseitig, unterseits grau-weiß, behaart, der Blattrand kerbig gesägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Generative Merkmale ===&lt;br /&gt;
Im endständigen, [[Traube|traubigen]] [[Blütenstand]] stehen viele Blüten zusammen. Die zwittrigen [[Blüte]]n sind [[zygomorph]]. Die fünf purpurrot-violetten oder selten weißen [[Kronblätter]] sind zu einer 4 bis 6&amp;amp;nbsp;cm langen, fingerhutähnlichen Krone verwachsen, die innen behaart und außen kahl ist. Die Krone ist zweilippig mit auffällig gefleckter Unterlippe. Es sind vier [[Staubblätter]] vorhanden. Die Narbe ist zweilappig. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden mit einer Länge von etwa 12&amp;amp;nbsp;mm eiförmige [[Kapselfrucht|Kapselfrüchte]] gebildet, die sich vor allem entlang der Scheidewände (septizid) öffnen und viele mit einer Länge von etwa 0,5&amp;amp;nbsp;mm kleine [[Same (Pflanze)|Samen]] enthalten. Die Fruchtreife erfolgt im August.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Chromosomenzahl]] beträgt 2n = 56, seltener 112.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberdorfer2001&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ökologie ==&lt;br /&gt;
Die traubigen Blütenstände sind durch Orientierung zum Licht hin einseitswendig (positiv phototrop). Steht der Fingerhut in der vollen Sonne, weisen seine Blüten nach Süden. Die Einzelblüten sind schräg abwärts gerichtet. Es handelt sich um „Rachenblumen“ mit der Innenwand dicht anliegenden Staubbeuteln und Narben. Der Eingang in die Blüten wird kleineren [[Insekten]] durch senkrecht hochstehende Sperrhaare verwehrt; gewöhnlich können nur [[Hummeln]] eindringen („Einkriechblume“). Ihnen dient der vorstehende untere Teil der Blütenglocke als Landeplattform. Wenn das Insekt zum Nektar vordringt, streift es die Staubgefäße mit dem Rücken, der dabei mit Pollen beladen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blüten sind [[Protandrie|vormännlich]]; sie erblühen am Blütenstand von unten nach oben. Wenn die unteren sich im weiblichen Stadium befinden, sind die oberen erst im männlichen Stadium. Da der Anflug von Blütenständen durch Hummeln immer von unten nach oben erfolgt, wird [[Fremdbestäubung]] sichergestellt. Die dunklen und hell umrandeten Flecken der Blüteninnenseite wurden früher als Saftmale gedeutet. Inzwischen konnte gezeigt werden, dass die Blüten bei Abdeckung der Flecken nur fünf Mal seltener angeflogen werden; man deutet die Flecken daher heute als Staubbeutel-Attrappen. Die Lebensdauer der Blüten beträgt etwa sechs Tage. Zuweilen tritt eine monströse Riesenblüte auf (Pseudo-[[Pelorismus|Pelorie]]). In den Blüten ist das Anthocyan [[Cyanine|Cyanin]] enthalten. Die Bestäubung erfolgt vor allem durch langrüsselige Hummelarten, wie die [[Ackerhummel]] und die [[Gartenhummel]].&amp;lt;ref Name=&amp;quot;Sander&amp;quot;&amp;gt;Johannes Sander: &amp;#039;&amp;#039;Eine neue Partnerschaft mit Vögeln in der Neuen Welt.&amp;#039;&amp;#039; S. 321 u. 322 in &amp;#039;&amp;#039;[[Biologie in unserer Zeit]].&amp;#039;&amp;#039; 4/2021&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Digitalis-purpurea-by-Maseltov.jpg|Weiße Variante&lt;br /&gt;
Weißer Fingerhut.jpg|Weißer Fingerhut&lt;br /&gt;
Digitale 7 mars 2014.jpg|Fingerhut &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; (Blätter)&lt;br /&gt;
Digitalis purpurea (Pseudo-Pelorie).jpg|Roter Fingerhut mit Riesenblüte (Pseudo-Pelorie)&lt;br /&gt;
Digitalis purpurea 05 ies.jpg|Geöffnete Kapselfrucht&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vielen kleinen [[Same (Pflanze)|Samen]] sind „Ballonflieger“. Die Kapselfrüchte sind Wind- und Tierstreuer. Die Samen sind [[Lichtkeimer]]. Der Rote Fingerhut ist eine [[Langtagpflanze]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorkommen ==&lt;br /&gt;
Der Rote Fingerhut ist in Westeuropa sowie dem westlichen Süd-, Mittel- und Nordeuropa und in [[Marokko]]&amp;lt;ref name=&amp;quot;GRIN&amp;quot; /&amp;gt; beheimatet. In Nord- und Südamerika ist er gebietsweise eingeschleppt. In Deutschland hat er sein natürliches Verbreitungsgebiet bis zum [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] und dem [[Thüringer Wald]], tritt aber verwildert heute im ganzen Land auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.floraweb.de/MAP/scripts/esrimap.dll?name=florkart&amp;amp;cmd=mapflor&amp;amp;app=distflor&amp;amp;ly=gw&amp;amp;taxnr=1964 Verbreitungskarte bei FloraWeb]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man findet den Roten Fingerhut zerstreut, aber gesellig auf Kahlschlägen, vor allem des Gebirges, an Waldwegen und in Waldverlichtungen. Er bevorzugt frischen, kalkarmen, sauren, lockeren, humusreichen Boden an sonnigen bis halbschattigen Standorten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Zeigerwerte nach Ellenberg|Ellenberg]] ist er eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger mit ozeanischer Verbreitung, ein Frischezeiger, ein [[Säurezeiger]] und in Mitteleuropa eine Charakterart des Epilobio-Digitalietum purpureae aus dem Verband der Weidenröschen-Waldlichtungsfluren (Epilobion angustifolii).&amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberdorfer2001&amp;quot; /&amp;gt; Die ökologischen [[Zeigerwerte]] nach [[Elias Landolt (Botaniker)|Landolt]] [[et al.]] 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).&amp;lt;ref name=&amp;quot;InfoFlora&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 16. Jahrhundert wird er in den gemäßigten Breiten als [[Zierpflanze]] in Parks und Gärten verwendet. Der Rote Fingerhut breitet sich als [[invasive Pflanze]] in gemäßigten Zonen und höheren Berglagen in Mittel- und Südamerika aus. Dort wird die Art auch durch [[Höschenkolibris]] (&amp;#039;&amp;#039;Eriocnemis&amp;#039;&amp;#039;) und [[Rückstrahlerkolibris]] (&amp;#039;&amp;#039;Aglaeactis&amp;#039;&amp;#039;) bestäubt.&amp;lt;ref Name=&amp;quot;Sander&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwendung in der Pflanzenheilkunde ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Digitalis purpurea - Roter Fingerhut.JPG |mini|Zygomorphe Blüten im Detail]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Digitalis purpurea LC0101.jpg|mini|Habitus mit einseitswendigem Blütenstand]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Digitalis purpurea LC0082.jpg|mini|Farbvariationen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rote Fingerhut ist in der Volksmedizin schon lange als Mittel gegen [[Herzinsuffizienz]] (Herzschwäche) bekannt und wird seit dem späten 18. Jahrhundert medizinisch verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser auffallenden Pflanze wurde weder im Mittelalter noch im Altertum große Bedeutung beigemessen. Eine Rezeptsammlung in [[Walisische Sprache|walisischer Sprache]] aus dem 12. oder 13. Jahrhundert erwähnt erstmals eine äußerliche Anwendung der Blätter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Leonhart Fuchs]] berichtet in der deutschen Ausgabe seines Kräuterbuchs (1543, Cap. CCCXLV):&lt;br /&gt;
„Ist in summa ein schön lustig kraut anzusehen, habs derhalben nit künden übergeen, unangesehen das es noch in keinem brauch ist bey den ärtzeten, so vil und mir bewüßt.“ Er berichtet aber weiter unter &amp;#039;&amp;#039;Krafft und würckung&amp;#039;&amp;#039;, wozu es in der Volksmedizin verwendet wird, und schließt dann:&lt;br /&gt;
„Unnd in summa, haben allerley würckung so die Entian hat, welche wir oben in jrem Capitel erzelet haben. Wer selbigen begert zu wissen, der mag sie am gedachten ort suchen und lesen.“&lt;br /&gt;
Auch [[Tabernaemontanus]] wusste [[1588]] noch keine ärztliche Verwendung für diese Pflanze:&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;„Wozu diese Kreuter zu gebrauchen seyn/ finde ich nicht bey den Authorn.“&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwendet hat man ihn jedoch zu dieser Zeit bereits in Irland, verbunden mit [[Magie|magischen]] Bräuchen sollte er gegen den „[[Böser Blick|Bösen Blick]]“ helfen. Die Engländer verwendeten die Pflanze als [[Emetikum|Brechmittel]], zur Förderung des Auswurfs bei [[Bronchitis]] und um 1700 sogar gegen die [[Tuberkulose|Schwindsucht]]. 1748 zeigten Versuche der [[Académie Française]], dass nach Verfütterung von Fingerhut an Truthähne deren Herz, Leber, Gallenblase und Lunge geschrumpft waren. Das führte dazu, dass auch die Engländer den Fingerhut seltener anwendeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der englische Arzt [[William Withering]] griff 1775 auf ein altes Familienrezept (zur Behandlung der Wassersucht) zurück und behandelte mit Blättern des Roten Fingerhuts erfolgreich Wasseransammlungen ([[Ödem]]e), die auf eine Herzschwäche zurückzuführen waren. Angeblich gestand ihm die Ehefrau eines seiner Patienten, dass sie eine Kräuterfrau um Hilfe gebeten hatte. Allerdings – so behauptet es die Legende – wollte die Kräuterfrau ihm nicht Namen und Wuchsort der Pflanze verraten; er ließ sie beobachten und fand, dass das Elixier der Kräuterfrau Digitalis enthielt. Von 1776 bis 1779 führte Withering eine Reihe von Experimenten an Dutzenden seiner Herzpatienten durch. Aufgrund seiner Beobachtungen schloss er auch, dass sich das Pflanzengift des Fingerhuts im Körper anreichert, da die Wirkung des Medikamentes bei längerer Verabreichung zunahm.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Pelt&amp;quot;&amp;gt;Jean Marie Pelt: &amp;#039;&amp;#039;Die Geheimnisse der Heilpflanzen.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Knesebeck, München 2005, ISBN 3-89660-291-8, S.&amp;amp;nbsp;106 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1785 veröffentlichte er dann seine berühmte Abhandlung &amp;#039;&amp;#039;An account of the Foxglove and its medical uses&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch W. T. Dawson, John Chapman: &amp;#039;&amp;#039;Withering on Digitalis.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Ann. med. Hist.&amp;#039;&amp;#039; Neue Folge, Band 6, 1934, S. 31–34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Form der Therapie setzte sich jedoch anfänglich nicht durch, und erst nach 1850 wurde Digitalis häufiger verschrieben. Dazu beigetragen hatten die Untersuchungen des französischen Arztes Drebeyne (1786–1867), der herausfand, dass Digitalis nicht nur harntreibend wirkt, sondern auch die Herztätigkeit stärkt. Der Chemiker Nativelle konnte 1868 dann den Wirkstoff isolieren. Weitere pharmakologische Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts führten danach zu einer Bestimmung einer Reihe weiterer Wirkstoffe in mit dem Roten Fingerhut verwandten Fingerhut-Arten. Man entdeckte außerdem, dass auch Pflanzenarten anderer Familien herzwirksame Substanzen – sogenannte [[Digitaloide]] – enthielten. Zu den Pflanzenarten, bei denen man vergleichbare Wirkstoffe fand, zählten das [[Maiglöckchen]], der [[Oleander]] und die [[Christrose]]. Lediglich die [[Meerzwiebel]] zählte unter den in der Folge von Witherings Untersuchungen entdeckten Heilpflanzen zu den Arten, die bereits der Heilkunde der [[Antike]] bekannt waren. 1874 gelang Oswald Schmiedeberg (1838–1921) die Gewinnung des [[Digitoxin]] als erstes Reinglykosid.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur|Autor=[[Wolf-Dieter Müller-Jahncke]], [[Christoph Friedrich (Pharmaziehistoriker)|Christoph Friedrich]], Ulrich Meyer|Titel=Arzneimittelgeschichte|Hrsg=|Sammelwerk=|Band=|Nummer=|Auflage=2., überarb. und erw. Aufl|Verlag=Wiss. Verl.-Ges|Ort=Stuttgart|Datum=2005-01-01|Seiten=76}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkstoffe des Fingerhuts sind [[Herzglykoside]], die heute überwiegend aus dem [[Wolliger Fingerhut|Wolligen Fingerhut]] gewonnen werden. Herzglykoside regen den geschwächten Herzmuskel an, sich wieder stärker zusammenzuziehen. Im therapeutischen Einsatz von Digitalis steht der die Herzfrequenz senkende Effekt von Digitalis immer mehr im Vordergrund gegenüber der Stärkung der Herzleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Pflanzenteile des Roten Fingerhutes sind hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei bis drei Fingerhutblättern kann tödlich enden. Aufgrund des bitteren Geschmacks kommt es allerdings selten dazu. [[Iatrogen]]e (= durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufene) Vergiftungen können im Rahmen einer Therapie vorkommen, da die Wirkungsbreite der Digitalisglykoside gering ist. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle und ein Sinken der Pulsfrequenz unter 50 Schläge pro Minute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fingerhut im Aberglauben ==&lt;br /&gt;
Besonders den englischen und irischen Sagen nach dient der Fingerhut dem Elfenvolk als Kopfbedeckung. Böse Feen sollen die Blüten einst den Füchsen als Handschuhe geschenkt haben, damit diese lautlos ihr Unwesen in den Hühnerställen treiben konnten. Die Zeichnung der Blüten soll daher von den Fingerabdrücken der unglückbringenden Feen herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fingerhut in der Literatur ==&lt;br /&gt;
In [[Theodor Fontane]]s Roman &amp;#039;&amp;#039;Der Stechlin&amp;#039;&amp;#039; taucht der Fingerhut als Symbol des bevorstehenden Lebensendes auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Dubslav hielt die kleine Flasche gegen das Licht und tröpfelte die vorgeschriebene Zahl in einen Löffel voller Wasser. Als er sie genommen hatte, bewegte er die Lippen hin und her, etwa wie wenn ein Kenner eine neue Weinsorte probt. Dann nickte er und sagte: „Ja, Engelke, nu geht es los. Fingerhut.“&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taxonomie und Systematik ==&lt;br /&gt;
Die [[Erstbeschreibung]] von &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; erfolgte 1753 durch [[Carl von Linné]] in &amp;#039;&amp;#039;[[Species Plantarum]]&amp;#039;&amp;#039;, Band 2 S. 621–622.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterarten von &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; sind beispielsweise&amp;lt;ref name=&amp;quot;GRIN&amp;quot;&amp;gt;{{GRIN|ID=13986|WissName=Digitalis purpurea}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;amandiana&amp;#039;&amp;#039; {{Person|(Samp.) Hinz}} (Syn.: &amp;#039;&amp;#039;Digitalis amandiana&amp;#039;&amp;#039; {{Person|Samp.}}): Sie kommt in [[Portugal]] nur in Braganca, Porto und Vila Real vor. Nach K. Marhold ist sie aber keine eigenständige Unterart, sondern als Synonym zu &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;purpurea&amp;#039;&amp;#039; zu stellen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;purpurea&amp;#039;&amp;#039; (Syn.: &amp;#039;&amp;#039;Digitalis miniana&amp;#039;&amp;#039; {{Person|Samp.}}, &amp;#039;&amp;#039;Digitalis nevadensis&amp;#039;&amp;#039; {{Person|Kunze}}, &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; var. &amp;#039;&amp;#039;tomentosa&amp;#039;&amp;#039; {{Person|(Hoffmanns. &amp;amp; Link) Brot.}}, &amp;#039;&amp;#039;Digitalis tomentosa&amp;#039;&amp;#039; {{Person|Hoffmanns. &amp;amp; Link}})&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;bocquetii&amp;#039;&amp;#039; {{Person|Valdés}}: Sie kommt in Spanien vor.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;gyspergerae&amp;#039;&amp;#039; {{Person|(Rouy) Rouy}}: Sie kommt auf Korsika vor.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;heywoodii&amp;#039;&amp;#039; {{Person|P. Silva &amp;amp; M. Silva}}: Sie kommt in Spanien und in Portugal vor.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; subsp. &amp;#039;&amp;#039;mariana&amp;#039;&amp;#039; {{Person|(Boiss.) Rivas Goday}}: Sie kommt in Spanien und in Portugal vor.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trivialnamen ==&lt;br /&gt;
Für den Roten Fingerhut bestehen bzw. bestanden auch die folgenden weiteren deutschsprachigen [[Trivialnamen]]: Blatzblummen ([[Ruhla]]), Fingerhood ([[Münsterland]]), Fingerhütlein ([[Elsass]]), Fingerhut, brauner Fingerhut, Fingerkraut, Fingerpiepen (Münsterland), Handtelen, Klaprause ([[Göttingen]]), Waldschellen und Waltglöcklin.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Georg August Pritzel]], [[Carl Jessen]]: &amp;#039;&amp;#039;Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze.&amp;#039;&amp;#039; Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 135.([http://archive.org/stream/diedeutschenvol00pritgoog#page/n153/mode/2up online]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Liste giftiger Pflanzen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* W. Arnold: [http://www.awl.ch/heilpflanzen/digitalis_purpurea/ &amp;#039;&amp;#039;HEILPFLANZEN - Roter Fingerhut - Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039;.]&lt;br /&gt;
* [http://linnet.geog.ubc.ca/Atlas/Atlas.aspx?sciname=Digitalis%20purpurea &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; L. bei E-Flora BC: &amp;#039;&amp;#039;Electronic Atlas of the Plants of British Columbia&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [[Leonhart Fuchs]]. &amp;#039;&amp;#039;New Kreütterbuch.&amp;#039;&amp;#039; Isengrin, Basel 1543, Kapitel 345 [http://bildsuche.digitale-sammlungen.de/index.html?c=viewer&amp;amp;l=de&amp;amp;bandnummer=bsb00017437&amp;amp;pimage=00874&amp;amp;v=100&amp;amp;nav= Digitalisat]&lt;br /&gt;
* Adelheid Overhamm. &amp;#039;&amp;#039;Zur Geschichte der Digitalis unter besonderer Berücksichtigung ihrer äußerlichen Anwendung.&amp;#039;&amp;#039; Jal-Verlag, Würzburg 1976 (= &amp;#039;&amp;#039;Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie.&amp;#039;&amp;#039; Band 13).&lt;br /&gt;
* [[Georg Philippi]]: &amp;#039;&amp;#039;Scrophulariaceae, Braunwurzgewächse&amp;#039;&amp;#039;, In: O. Sebald, S. Seybold, G. Philippi &amp;amp; A. Wörz (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs&amp;#039;&amp;#039;, Band 5. – Ulmer, Stuttgart 1996. ISBN 3-8001-3342-3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commons|Digitalis purpurea|Roter Fingerhut (&amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039;)}}&lt;br /&gt;
* {{FloraWeb|1964}}&lt;br /&gt;
* {{BiolFlor|993}}&lt;br /&gt;
* {{BIB|1964}}&lt;br /&gt;
* Thomas Meyer: [https://www.blumeninschwaben.de/Zweikeimblaettrige/Rachenbluetler/fingerhut.htm#Roter Fingerhut Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei &amp;#039;&amp;#039;Flora-de: Flora von Deutschland&amp;#039;&amp;#039; (alter Name der Webseite: &amp;#039;&amp;#039;Blumen in Schwaben&amp;#039;&amp;#039;)]&lt;br /&gt;
* [http://www.pharmakobotanik.de/systematik/6_droge/digi-p-f.htm Pharmakobotanik.de]: Roter Fingerhut, abgerufen am 12. November 2016&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Oberdorfer2001&amp;quot;&amp;gt;{{BibISBN|3800131315|Seite=846}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Euro+Med&amp;quot;&amp;gt;Karol Marhold, 2011: &amp;#039;&amp;#039;Scrophulariaceae&amp;#039;&amp;#039;:&lt;br /&gt;
[http://ww2.bgbm.org/EuroPlusMed/PTaxonDetail.asp?NameId=33178&amp;amp;PTRefFk=7200000 Datenblatt &amp;#039;&amp;#039;Digitalis purpurea&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.&amp;#039;&amp;#039;]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;InfoFlora&amp;quot;&amp;gt;{{InfoFlora|ID=1015370|WissName=Digitalis purpurea L.| Abruf=2025-10-11}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Navigationsleiste Giftpflanze des Jahres in Deutschland}}&lt;br /&gt;
{{Gesundheitshinweis}}&amp;lt;!-- wegen Giftigkeit --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4178522-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Fingerhüte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilpflanze]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
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