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	<title>Rote Juden - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-06T23:43:32Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;growthexperiments-addlink-summary-summary:2|1|0&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Marienkirche Frankfurt an der Oder - Glasfenster - Detail.jpg|miniatur|Am Ufer des [[Sambation]] erwarten die &amp;#039;&amp;#039;Roten Juden&amp;#039;&amp;#039; das [[Endzeit|Ende der Zeit]] (Glasfenster der [[Marienkirche Frankfurt (Oder)]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;roten Juden&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[jiddisch]] &amp;#039;&amp;#039;rojite jidlech&amp;#039;&amp;#039;) waren nach einer [[mittelalter]]lichen [[Legende]] ein [[Juden|jüdisches Volk]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vermutete es am Rande der Welt, irgendwo im [[Nordostasien|Nordosten Asiens]], jenseits des legendären Flusses [[Sambation]], durch den es vom Rest der Welt abgeschnitten war – denn an den Wochentagen verhinderte das Tosen und Toben des Flusses eine Überquerung, und am [[Sabbat]] beruhigte er sich zwar, jedoch war es dann den Juden verboten, den Fluss zu befahren. Erst beim Kommen des [[Messias]] würden sie den Fluss überwinden; ihr Auftauchen wäre so ein Zeichen der [[Endzeit]]. Kern der Legende ist die Geschichte der [[Verlorene Stämme Israels|verlorenen Stämme Israels]], jener Teile des jüdischen Volkes, die nach der Zerstörung des [[Nordreich Israel|Nordreiches Israel]] im 8. Jahrhundert vor Chr. aus der [[Babylonisches Exil|Babylonischen Gefangenschaft]] nicht zurückkehrten, seitdem als verschollen galten und bis in die Neuzeit in den unterschiedlichsten Weltgegenden lokalisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt wurde der Begriff Rote Juden durch den jiddischen Schelmenroman &amp;#039;&amp;#039;[[Die Fahrten Binjamins des Dritten]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Mendele Moicher Sforim]] (1836–1917), weshalb man die Bezeichnung früher der Tradition des [[Aschkenasim|aschkenasischen]] [[Juden in Osteuropa|Ostjudentums]] zuordnete. Tatsächlich tauchen Begriff und Legende bereits im Deutschland des 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Legende entstand dabei aus einer Verschmelzung mehrerer Elemente. Einerseits der Geschichte von den verlorenen zehn Stämmen, zum anderen einer Episode des [[Alexanderroman]]s, der zufolge der König [[Alexander der Große|Alexander]] weit im Osten barbarische Völker hinter einer riesigen, unüberwindlichen Mauer verschloss, und schließlich der Legende von [[Gog und Magog]], zwei Völkern, die laut der [[Apokalypse des Johannes]] in der Endzeit aus dem Osten hervorbrechen würden; schließlich aber werde der [[Parusie|wiedergekehrte Messias]] über sie triumphieren ({{B|Offb|20|8-10|ELB}}). Die Roten Juden wurden nun in der christlichen Vorstellung neben Gog, Magog und den Barbarenvölkern des Alexanderromans zu einem weiteren Heer des [[Antichrist]]en, das am Ende der Zeit über die christliche Welt herfallen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rolle der Roten Juden in der jüdischen Legende entspricht spiegelbildlich der christlichen: Hier sind die &amp;#039;&amp;#039;Roten Juden&amp;#039;&amp;#039; mächtige Krieger, die nach der Ankunft des [[Messias|Maschiach]] den Fluss Sambation überschreiten, die Juden aus der Knechtschaft der &amp;#039;&amp;#039;[[Goi (Nichtjude)|Völker]]&amp;#039;&amp;#039; befreien und Rache nehmen für die Jahrtausende der Misshandlung und Unterdrückung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Walsperger - Mappa mundi - Detail Red Jews.jpg|miniatur|Die [[Weltkarte des Andreas Walsperger]] von 1449 lokalisiert die Roten Juden jenseits von [[Gog und Magog]], östlich der [[Kannibalismus|Menschenfresser]] (Osten ist links, Süden oben)]]&lt;br /&gt;
Die Existenz der Roten Juden wurde im Mittelalter als sicher betrachtet, weshalb sie wie andere fabelhafte Völker auch auf den [[Mappa mundi|Mappae mundi]], den mittelalterlichen Weltkarten, erscheinen. Meist wurden sie im Nordosten angesiedelt, in der Nähe von Gog und Magog, Menschenfressern und anderen wilden Völkern. Erst um 1600 verschwanden sie allmählich aus der Kartographie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Von ainer grosse meng.jpg|miniatur|Flugschrift von 1523]]&lt;br /&gt;
In Zeiten [[Chiliasmus|chiliastischer]] Hochspannung und allgemeiner Erwartung des [[Apokalyptik|Weltendes]] wurden Nachrichten vom angeblichen Anmarsch der Roten Juden in [[Flugschrift]]en und [[Sendschreiben]] verbreitet. So berichtet eine Flugschrift von 1523 &amp;#039;&amp;#039;Von ainer grosse meng vnnd gewalt der Juden die lange zeyt mit vnwonhafftigen Wüsten beschlossen vnd verborgen gewesen / Yetzunder auß gebrochen vnd an tag kommen seyn&amp;#039;&amp;#039;. Man sieht eine schwer bewaffnete Armee von Juden, kenntlich an ihren [[Judenhut|spitzen Hüten]], aus den Bergen der Dunkelheit marschieren. Vor ihnen liegt ruhig der Fluss Sambation. Weiter meldet die Schrift, dass das Judenheer schon 30&amp;amp;nbsp;Tagesmärsche vor [[Jerusalem]] stehe und sich dort gelagert habe. Dergleichen [[Tatarenmeldung]]en gab es im 16. Jahrhundert des Öfteren. Umgekehrt führte die jüdische Messiaserwartung, auf die Spitze getrieben in der Zeit des [[Schabbtai Zvi|Sabbatai Zwi]], dazu, dass jüdische Gemeinden täglich erste Nachricht vom Anmarsch der verlorenen Stämme erwarteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Verknüpfung der Farbe [[Rot]] mit diesem sagenhaften Judenvolk wurden verschiedene Erklärungsmodelle vorgelegt. Die Assoziation wurde begründet:&lt;br /&gt;
* mit der negativen [[Konnotation]] der Farbe Rot im Mittelalter. Insbesondere roter Bart und [[Rot (Haarfarbe)|rote Haare]] galten als Zeichen von Falschheit und Tücke:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:4em;font-style:italic;&amp;quot;&amp;gt;im was der bart und daჳ hâr&lt;br /&gt;
beidiu rôt, viurvar.&lt;br /&gt;
von den selben hœre ich sagen,&lt;br /&gt;
daჳ si valschiu herze tragen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wirnt von Grafenberg]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Wigalois]]&amp;#039;&amp;#039;, V. 2841–2844. Vgl. [[Deutsches Wörterbuch]], Bd. 14, Sp. 1287.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
* mit der Verbindung [[Esau]]s mit [[Edom]] und Edoms wieder mit Rot ([[Hebräische Sprache|hebr.]] {{he|אדום}} &amp;#039;&amp;#039;adom&amp;#039;&amp;#039; bedeutet auch ‚rot‘), wobei das [[Christentum]] sich als Volk des [[Bund (Bibel)#Neuer Bund|Neuen Bundes]] und als das „wahre Israel“ (&amp;#039;&amp;#039;verus Israel&amp;#039;&amp;#039;) sah, im Gegensatz zu den mit Edom identifizierten Juden,&lt;br /&gt;
* mit der Identifikation der Roten Juden mit den &amp;#039;&amp;#039;Weißen [[Chasaren]]&amp;#039;&amp;#039;, einer Gruppe des zum Judentum konvertierten [[Turkvolk]]es der Chasaren, dessen Angehörige arabischen Quellen zufolge rötliches Haar und blaue Augen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Al-Istachrī]] (10. Jhdt.), vgl. Douglas M. Dunlop: &amp;#039;&amp;#039;The History of the Jewish Khazars&amp;#039;&amp;#039;. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1954, S. 96.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine entsprechende Theorie wurde von Kevin Alan Brook vertreten.&amp;lt;ref&amp;gt;Kevin Alan Brook: &amp;#039;&amp;#039;The Jews of Khazaria.&amp;#039;&amp;#039; 2. Aufl. Rowman &amp;amp; Littlefield Publishers, Lanham, Md. 2006, ISBN 0-7425-4981-X.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von jüdischer Seite wurde bei der Umdeutung der Legende die Farbe Rot positiv konnotiert, indem sie mit König [[David]] assoziiert wurde, der biblischer Tradition gemäß rötliche Haare hatte {{Bibel|1 Sam|16|12|ELB}}. So wie David den [[Goliat]]h bezwang, würden die Roten Juden die übermächtigen Feinde Christentum und Islam überwinden. {{Siehe auch|Rot (Haarfarbe)#Bildende Kunst|titel1=Abschnitt „Bildende Kunst“ im Artikel „Rot (Haarfarbe)“}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Andrew C. Gow: &amp;#039;&amp;#039;The Red Jews. Antisemitism in an Apocalyptic Age, 1200–1600&amp;#039;&amp;#039; (Studies in medieval and reformation thought; Bd. 55). Brill, Leiden 1995, ISBN 90-04-10255-8 (zugl. Dissertation, University of Arizona 1993).&lt;br /&gt;
* [[Rebekka Voß]]: &amp;#039;&amp;#039;Umstrittene Erlöser. Politik, Ideologie und jüdisch christlicher Messianismus in Deutschland, 1500–1600&amp;#039;&amp;#039; (Jüdische Religion, Geschichte und Kultur; Bd. 11). Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-56900-9 (zugl. Dissertation, Universität Köln 2007).&lt;br /&gt;
* Rebekka Voß: &amp;#039;&amp;#039;[http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/dok/2011/2011_3/fofra_3-11_09.pdf Von Muskeljuden und Rotschöpfen]&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Forschung Frankfurt. Das Wissenschaftsmagazin&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 29 (2011), Heft 3, S. 37–41, {{ISSN|0175-0992}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{commonscat|Red Jews|Rote Juden}}&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[http://derstandard.at/1325485482858/Judaistik-Vom-Mythos-der-Roten-Juden Vom Mythos der Roten Juden]&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Der Standard]]&amp;#039;&amp;#039; vom 8. Januar 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Jüdische Mythologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Eschatologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Legende]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mythisches Volk]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Rheinpaul</name></author>
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