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	<title>Ritterlichkeit - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-01T09:06:49Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Ritterlichkeit&amp;diff=89999&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;W. Edlmeier: +WL</title>
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		<updated>2025-02-11T11:13:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;+WL&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ritterlichkeit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; umfasst einen Katalog von tugendhaftem Verhalten oder bestimmten [[Tugend]]en; manchmal sogar ein [[Ethos]]. Es stammt vom [[mittelhochdeutsch]]en [[Adjektiv]] bzw. [[Adverb]] rîtterlich oder rîterlich; das [[Substantiv]] Ritterlichkeit ist also späteren Ursprungs. Dort bezeichnet es das einem [[Ritter]] geziemende Verhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;siehe [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/bmz/wbgui?lemid=BR01295 Eintrag des Mittelhochdeutschen Wörterbuchs]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chronologischer Abriss ==&lt;br /&gt;
=== Hochmittelalter ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Meister der Manessischen Liederhandschrift 001.jpg|mini|Manessische Liederhandschrift (Große Heidelberger Liederhandschrift), Szene: Der [[Schenk Konrad von Limpurg|Schenke von Limburg]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des [[Hochmittelalter]]s (1170 bis 1250) beinhaltete der Begriff vor allem in der Literatur das Ideal eines nichtkodifizierten Ethos des [[Rittertum]]s, das folgende [[Wertvorstellung]]en umfasste:&lt;br /&gt;
* diemüete: [[Demut]] (S)&lt;br /&gt;
* êre [{{IPA|eːrə}}]: ritterliches Ansehen, [[Würde]] (P)&lt;br /&gt;
* güete: Freundlichkeit (S)&lt;br /&gt;
* [[hôher muot]] [{{IPA|ˈhohər ˈmu.ɔt}}]: seelische Hochstimmung (P)&lt;br /&gt;
* höveschkeit: [[Höfisch]]keit, [[Höflichkeit]] (S)&lt;br /&gt;
* manheit: [[Tapferkeit#Höfisches Mittelalter|Tapferkeit]] (S)&lt;br /&gt;
* [[mâze]] [{{IPA|ˈmaːsə}}]: maßvolles Leben, Zurückhaltung (P)&lt;br /&gt;
* milte: Freigiebigkeit, [[Großzügigkeit]] (S)&lt;br /&gt;
* [[minne]]: Dienstbare, hingebungsvolle Liebe (P)&lt;br /&gt;
* stæte: Beständigkeit, Festigkeit (P)&lt;br /&gt;
* triuwe [{{IPA|ˈtryvə}}]: Treue (S)&lt;br /&gt;
* werdekeit: Würde (P)&lt;br /&gt;
* zuht [{{IPA|ˈtsʊxt}}]: Erziehung nach festen Regeln, [[Anstand]], Wohlerzogenheit (P)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ritterlichen Tugenden bestanden aus persönlichen (P) wie [[Soziale Norm|sozialen Normen]] (S), die zum einen das Ansehen des Rittertums und damit des Adels überhaupt erhalten und begründen (êre, zuht), aber auch die Ordnung der sozialen Beziehungen der Menschen festigen und garantieren sollten. Sie dienten damit auch der [[Legitimität|Legitimation]] des Adels als des vornehmsten Standes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie fußten auf den militärischen Tugenden Treue und Tapferkeit (denn Ritter waren zunächst die Soldaten eines Lehnsherren), überstiegen diese jedoch weit. Dabei handelte es sich um Idealisierungen, die vornehmlich der [[Höfischer Roman|höfischen Dichtung]] wie [[Erec]], [[Parzival]] oder [[Iwein]] sowie dem [[Minnesang]] entlehnt sind und die sich dort in ritualisierten Handlungen niederschlagen. Die &amp;#039;&amp;#039;höveschkeit&amp;#039;&amp;#039;, aus der sich der neuhochdeutsche Begriff der &amp;#039;&amp;#039;Höflichkeit&amp;#039;&amp;#039; herleitet, bezeichnet die Umgangsformen am [[Hof (Monarchie)|Hof]], das gesittete und musisch gebildete Verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Minnesang (genauer: in der Hohen Minne) etwa wird diese Ritterlichkeit am stärksten ritualisiert, indem das [[Lyrisches Ich|lyrische Ich]] die Angeminnte zu einem unerreichbaren Ideal stilisiert, wobei es diese stets seines &amp;#039;&amp;#039;hôhen muots&amp;#039;&amp;#039; sowie seiner &amp;#039;&amp;#039;staete&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;diemüete&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;triuwe&amp;#039;&amp;#039; versichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den großen [[Ritterepos|Ritterepen]] kommen die Ritter nur durch &amp;#039;&amp;#039;mâze&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;staete&amp;#039;&amp;#039; an ihr Ziel.&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und christliche Tugenden, wie sie sich in den mönchischen Tugenden der Hilfsbereitschaft, keuschen Zucht und [[Askese]] wiederfinden, ergänzen sich. Wenig umstritten ist auch die These, dass die ritterlichen wesentlich auf den christlichen Tugenden beruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Verständnis von mittelalterlicher Ritterlichkeit ist der Unterschied zwischen dem Figurentyp des Helden und dem des Ritters entscheidend. Der Held, wie er in Heldenepen des Artussagenkreises oder der Nibelungensage etwa in den Personen Siegfrieds oder König Artus’ dargestellt wird, entspricht nicht dem Ideal höfischer Ritterlichkeit. Siegfried wird dort als ungehobelter, recht einfacher, jedoch mutiger Mann beschrieben, der nicht die ritterlichen Kriterien von &amp;#039;&amp;#039;êre&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;höveschkeit&amp;#039;&amp;#039; erfüllt. Die keltische [[Artussage]] (um 500) wird erst durch ihre spätere Rezeption in Frankreich (12. Jahrhundert) für die höfisch-ritterliche Dichtung interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spätmittelalter ===&lt;br /&gt;
Die hochmittelalterlichen Idealvorstellungen von Ritterlichkeit sind auch Gegenstand nachträglicher [[Glorifizierung]]. In der [[Literatur]] zum Beispiel bei [[Thomas Malory]] (um 1405–1471) und seinen Geschichten von &amp;#039;&amp;#039;[[Artus|König Arthus]] und den Männern von der Tafelrunde&amp;#039;&amp;#039;. Hier werden die Geschichten um den keltischen Artussagenkreis zu einem Prosa-[[Heldenepos]] verschmolzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Miguel de Cervantes|Cervantes]]’ (1547–1616) [[Don Quijote]] bildet den Abgesang auf die idealisierenden und verklärenden Vorstellungen von Ritterlichkeit in einer Zeit, da das Rittertum durch die Erfindung des [[Schießpulver]]s militärisch obsolet geworden und wirtschaftlich verarmt war. Tatsächlich gibt Cervantes mit seinem „Ritter von der traurigen Gestalt“ alle Vorstellungen einer neuen Ritterlichkeit der Lächerlichkeit preis; die Zeiten der Ritter sind schlicht vorbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Romantik ===&lt;br /&gt;
Am stärksten rezipiert und wiederbelebt wurden die ritterlichen Ideale in der [[Romantik]], in der die [[Lehnswesen|feudale]] Ordnung mit ihren ritterlichen Tugenden als rückwärtsgewandte [[Utopie]] gegen die neue bürgerliche Gesellschaft [[Eskapismus|eskapistisch]] formuliert wird. Vor allem die [[Ritterroman]]e des 19. Jahrhunderts vermitteln das Bild einer heilen Welt von Ritterlichkeit, etwa von [[Friedrich de la Motte-Fouqué]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Heinrich Heine]] hatte schon am 18. August 1820 in einem mit &amp;#039;&amp;#039;Die Romantik&amp;#039;&amp;#039; überschriebenen Artikel des &amp;#039;&amp;#039;Rheinisch-westphälischen Anzeiger. Kunst und Wissenschaftsblatt&amp;#039;&amp;#039; auf den Zusammenhang zwischen Romantik und Rittertum hingewiesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Viele aber, die bemerkt haben, welchen ungeheuren Einfluss das Christentum, und in dessen Folge das Rittertum, auf die romantische Poesie ausgeübt haben, vermeinen nun beides in ihren Dichtungen einmischen zu müssen, um denselben den Charakter der Romantik aufzudrücken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in seiner Schrift &amp;#039;&amp;#039;Die Romantische Schule&amp;#039;&amp;#039; wird dies erwähnt. Neben [[Ludwig Tieck]]s &amp;#039;&amp;#039;Ritter Blaubart&amp;#039;&amp;#039; fiel auch die Herausgabe der &amp;#039;&amp;#039;Deutschen Sagen&amp;#039;&amp;#039; durch die [[Brüder Grimm]] in die Zeit der Romantik. Ob dies jedoch mit einem Wiederaufleben des ritterlichen Ideals und der Ritterlichkeit einherging, ist in der Forschung nicht mehr nur umstritten, sondern wird auch zunehmend abgelehnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Jüngere Gegenwart ===&lt;br /&gt;
„Ritterlichkeit“ als eine ständische Tugend wird mit dem Wegfall einer [[Ständeordnung]] heute allenfalls noch innerfamiliär (etwa im [[Adel]]) als Tugend anerzogen. In der Umgangssprache bezeichnet der Begriff heute ein gerechtes und rücksichtsvolles und höflich-zuvorkommendes [[Soziales Handeln|Handeln]], besonders gegenüber Frauen. Er wird jedoch zunehmend seltener verwendet. Von der [[Frauenbewegung]] wird der Begriff gelegentlich kritisch gesehen: Frauen bedürften einer männlichen Tugend nicht, die sie als von Natur aus schwächer ansähe und darin noch bestärke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch heute sind die aus dem Ethos der Ritterlichkeit entstandenen [[Ritterorden]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa M. Fisher: &amp;#039;&amp;#039;The Idea of Chivalry in the Chronicles of the Teutonic Order.&amp;#039;&amp;#039; Kümmerle Verlag, Göppingen 1991 (= &amp;#039;&amp;#039;[[Göppinger Arbeiten zur Germanistik]].&amp;#039;&amp;#039; Band 525), ISBN 3-87452-765-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; kulturell und sozial weltweit von Bedeutung. Weiter ist die Ritterlichkeit eines der [[Ideal (Philosophie)|Ideale]] der [[Pfadfinder]]. Dies hat seinen Ursprung in einer Äußerung [[Robert Baden-Powell]]s, des Begründers der Pfadfinderbewegung. Dieser erklärt in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Scouting for Boys&amp;#039;&amp;#039;, Pfadfinder sollten es anstreben, die „Ritter der Neuzeit“ zu sein (vgl. [[Pfadfindergesetz]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Merkmal einer Einzelpersönlichkeit verlor die „Ritterlichkeit“ mit der Industrialisierung des Krieges die Möglichkeit, sich persönlich auszuzeichnen. Während des Ersten Weltkrieges fand der Begriff noch propagandistische Verwendung für die Ritterlichkeit im [[Luftkampf]] zwischen den Piloten, etwa für das angeblich faire Verhalten des „Roten Barons“ [[Manfred von Richthofen]].&amp;lt;ref&amp;gt;Joachim Castan: &amp;#039;&amp;#039;Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen&amp;#039;&amp;#039;, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.deutschlandfunkkultur.de/demontage-einer-legende.950.de.html?dram:article_id=135461 |titel=Demontage einer Legende |titelerg=Rezension |werk=[[Deutschlandfunk Kultur|deutschlandfunkkultur.de]] |datum=2007-09-26 |abruf=2019-12-03}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Literatur spielt das Ideal der Ritterlichkeit mit wenigen Ausnahmen wie dem [[Fantasy]]-Bestseller &amp;#039;&amp;#039;[[Die Nebel von Avalon]]&amp;#039;&amp;#039; heute nur noch eine untergeordnete Rolle. In Film und Fernsehen werden die Ideale der Ritterlichkeit vornehmlich von Historien- und Fantasy-Filmen aufgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Horst Brunner (Philologe)|Horst Brunner]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick&amp;#039;&amp;#039;. 2. Aufl. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-009485-2.&lt;br /&gt;
* Joachim Bumke: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;. 5. Aufl. dtv, München 2004, ISBN 3-423-04552-3.&lt;br /&gt;
* L. Peter Johnson: &amp;#039;&amp;#039;Die höfische Literatur der Blütezeit&amp;#039;&amp;#039;. In: Joachim Heinzle (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit&amp;#039;&amp;#039;. Bd. II/1. Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-10700-6.&lt;br /&gt;
* [[Werner Paravicini]]: &amp;#039;&amp;#039;Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters&amp;#039;&amp;#039;. Oldenbourg, München 1994, ISBN 3-486-55008-X.&lt;br /&gt;
* Aldo Scaglione: &amp;#039;&amp;#039;[http://ark.cdlib.org/ark:/13030/ft4j49p00c/ Knights at Court: Courtliness, Chivalry, and Courtesy from Ottonian Germany to the Italian Renaissance]&amp;#039;&amp;#039;. University of California Press, Berkeley 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{commonscat|Chivalry}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [http://www.heinrich-heine-denkmal.de/heine-texte/romantik.shtml Heinrich Heines Artikel „Die Romantik“ vom 18. August 1820]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tugend]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur (Mittelalter)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rittertum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;W. Edlmeier</name></author>
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