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	<title>Retorsion - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-01T01:59:14Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Retorsion&amp;diff=417086&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;ChristophDemmer am 27. Juli 2024 um 10:40 Uhr</title>
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		<updated>2024-07-27T10:40:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|erläutert den Begriff Retorsion im philosophischen Sinn.&lt;br /&gt;
* Die völkerrechtliche Bedeutung wird unter [[Retorsion (Völkerrecht)]] erläutert.&lt;br /&gt;
* Die strafrechtliche Bedeutung wird unter [[Retorsion (Strafrecht)]] erläutert.&lt;br /&gt;
* Zu dem Begriff Retorsion im Zusammenhang mit handelspolitischen Sanktionen (Embargo, Retorsionszoll) siehe Artikel [[Handelspolitik]].}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Retorsion&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (aus dem [[Lateinische Sprache|lat.]] [[Partizip Perfekt Passiv|PPP]] &amp;#039;&amp;#039;retortum&amp;#039;&amp;#039; des [[Verb]]s &amp;#039;&amp;#039;retorquere&amp;#039;&amp;#039; ‚zurückdrehen‘, also wörtlich „zurückgedreht“)&amp;lt;ref name=&amp;quot;LANGENSCHEIDT_LAT&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Erich Pertsch |Titel=Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch |Auflage= |Verlag=Langenscheidt |Ort=Berlin |Datum=1978 |ISBN=3-468-07201-5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet in der Philosophie eine [[Argumentation]]sfigur, die verschiedene Aussagen einer Argumentation gegen ihre expliziten Schlussfolgerungen wendet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff entlehnt sich dem völkerrechtlichen Prinzip der [[Retorsion (Völkerrecht)|Retorsion]], nach dem bestimmte Maßnahmen gegen einen Staat von diesem durch vergleichbare Maßnahmen beantwortet werden können; beispielsweise wenn auf die Ausweisung von Botschaftspersonal mit einer gleichartigen Maßnahme reagiert wird. Im Strafrecht gibt es eine veraltete Rechtsfigur namens &amp;#039;&amp;#039;Retorsion&amp;#039;&amp;#039;, nach der Beleidigungen unmittelbar erwidert werden durften.&amp;lt;ref&amp;gt;{{DtRechtswörterbuch|Retorsion|SpalteAb=|SpalteBis=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erläuterung ==&lt;br /&gt;
In einem &amp;#039;&amp;#039;Retorsionsargument&amp;#039;&amp;#039; werden Sprechakte, Behauptungen oder Argumentationen eines Sprechers verwendet, um Festlegungen, die der Sprecher explizit treffen wollte, zu widerlegen. Das Retorsionsargument dient nicht dazu, bestimmte Aussagen direkt zu begründen, sondern dazu, bestimmte Aussagen zu widerlegen oder doch ihre Gründe zu entkräften. Im einfachsten Fall wird daher die angeführte Begründung einer Behauptung zum Beweis der negierten Behauptung verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch die Definition in [[Arthur Schopenhauer]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Eristische Dialektik]]&amp;#039;&amp;#039; (Nachlass-Manuskript), dort als Kunstgriff Nr. 26: [https://www.projekt-gutenberg.org/schopenh/nachlas2/chap007.html Link]&amp;lt;/ref&amp;gt; Beispielsweise könnte argumentiert werden, dass ein Kind weniger streng beurteilt werden sollte, da es noch ein Kind ist. Das Argument kann dann wie folgt umgedreht werden: Weil es um ein Kind geht, sollte man strenger sein, damit es die moralischen Regeln lernt, und es auch dann tadeln, wenn es Dinge tut, die bei Erwachsenen schlecht, aber lässlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Performative Retorsion ==&lt;br /&gt;
In einem bestimmten Fall geschieht diese Umkehr der Stoßrichtung durch Ausnutzung eines Widerspruchs zwischen Aussageinhalt und Implikaten des Aussagevollzugs. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Widerspruchs, einen sogenannten [[performativer Widerspruch| performativen Widerspruch]]. Das Retorsionsargument geht in diesem Fall von einer „doppelten Mitteilungsfunktion der Sprache“&amp;lt;ref&amp;gt;[[Béla Weissmahr]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Wirklichkeit des Geistes&amp;#039;&amp;#039;. Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 57&amp;lt;/ref&amp;gt; aus: Jede Aussage teilt nicht nur eine Sachaussage (einen sogenannten [[Proposition (Linguistik)|propositionalen Gehalt]]) mit, sondern auch [[Implikatur|Implikate]], die das Äußern der Aussage als [[Sprechakt]] mit sich bringt. Werden diese Implikate expliziert (zu Sprache gebracht), kann möglicherweise zwischen propositionalem und performativem Gehalt ein Widerspruch festgestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein klassisches Beispiel für die performative Retorsion betrifft die global-[[Skeptizismus|skeptische These]] „Es gibt keine wahren Aussagen“. Diese Aussage kann retorsiv widerlegt werden, indem darauf verwiesen wird, dass mit der Äußerung dieser Aussage selbst ein Anspruch auf Wahrheit verbunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Retorsionsargument beweist in vorstehendem Beispiel nicht, dass es [[Wahrheit]] gibt, aber dass nicht sinnvollerweise geleugnet werden kann, dass es Wahrheit gibt. Dieser Sonderfall des Retorsionsarguments wird deshalb auch unter die [[Transzendentalphilosophie|transzendentalen Argumente]] gezählt: Es beruht im erwähnten Fall auf im Vollzug implizierten allgemeinen Bedingungen der Möglichkeit von wahrheitsfähigen Aussagen. In modifizierter Form finden Retorsionsargumente etwa in der [[Transzendentalpragmatik]] von [[Karl-Otto Apel]] und [[Jürgen Habermas]] Anwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine derartige Argumentation findet sich der Struktur nach, aber auch unter explizitem Bezug auf Wahrheit, bereits bei [[Aristoteles]] und danach vielfach in der [[Erkenntnistheorie|erkenntnistheoretischen]] Tradition. Explizit diskutiert und dann auch als solches bezeichnet wird das Retorsionsargument v.&amp;amp;nbsp;a. im [[Neuthomismus]], z.&amp;amp;nbsp;B. bei [[Joseph Maréchal]], [[Hansjürgen Verweyen]] oder [[Béla Weissmahr]].&amp;lt;ref&amp;gt;Hansjürgen Verweyen: [https://www.ub.uni-freiburg.de/fileadmin/ub/referate/04/verweyen/ontol-01.htm &amp;#039;&amp;#039;Ontologische Voraussetzungen des Glaubensaktes&amp;#039;&amp;#039;.] &amp;#039;&amp;#039;Zu transzendentalen Fragen nach der Möglichkeit von Offenbarung&amp;#039;&amp;#039;. Patmos, Düsseldorf 1969, Isaye 1954, bes. S. 109 ff. zu Maréchal.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Talion]]&lt;br /&gt;
* [[Tu quoque]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Karl-Otto Apel]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Problem der philosophischen Letztbegründung im Lichte einer transzendentalen Sprachpragmatik.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Bernulf Kanitscheider]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Sprache und Erkenntnis. Festschrift für Gerhard Frey zum 60. Geburtstag&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft&amp;#039;&amp;#039;, Band 19). Amoe, Innsbruck 1976, ISBN 3-85124-057-X, S. 55–82.&lt;br /&gt;
* Gaston Isaye: &amp;#039;&amp;#039;La justification critique par retorsion.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Revue philosophique de Louvain&amp;#039;&amp;#039;, Band 52, 1954, {{ZDB|1014745-7}}, S. 204–233.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Bill Vallicella: [https://maverickphilosopher.typepad.com/maverick_philosopher/retortion/ &amp;#039;&amp;#039;When Is Retorsion Probative?&amp;#039;&amp;#039;] Blogbeitrag, in: Maverick Philosopher, August 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sprachphilosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Semantik (Philosophie)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rhetorik]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;ChristophDemmer</name></author>
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