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	<title>Reiseroman - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;growthexperiments-addlink-summary-summary:1|1|0&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Reiseroman&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist Bestandteil der [[Reiseliteratur]], die in ihrer Gesamtheit dem Stoff nach von Reisen berichtet. Der Reiseroman ist im Unterschied zum [[Reisebericht]] stärker künstlerisch als sachlich geprägt. Das maßgebliche Charakteristikum, das zugleich der Abgrenzung zu anderen Formen der Reiseliteratur dient, ist die [[Dichtung|dichterische]] Überformung der Reiseerlebnisse und die Tatsache, dass die geschilderte Reise in der Regel fiktiv ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition und Abgrenzung zu benachbarten Gattungen ==&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Reiseliteratur|Reisebericht}}&lt;br /&gt;
Der Reiseroman gehört neben dem Reisehandbuch bzw. der [[Perieget|Periegese]], dem modernen [[Führer (Nachschlagewerk)|Reiseführer]] wie dem [[Baedeker-Reiseführer|Baedeker]], der wissenschaftlichen Reisebeschreibung und dem [[Tagebuch|Reisetagebuch]] zur Reiseliteratur. Im Gegensatz zu den anderen Gattungen sind die Reiseerlebnisse im Reiseroman dichterisch ausgestaltet und dienen häufig der Unterhaltung. Die Übergänge des Reiseromans zu benachbarten Formen wie dem [[Staatsroman]], dem [[Abenteuerroman]], dem [[Schelmenroman]] oder dem Lügenroman sind fließend; häufig werden auch letztere zur Reiseliteratur gezählt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilpert676&amp;quot;&amp;gt;Gero von Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Sachwörterbuch der Literatur.&amp;#039;&amp;#039; 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5, S. 676.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Sonderfall des Reiseromans ist mit dem Filmgenre „[[Roadmovie]]“ vergleichbar. Der Textinhalt beschreibt in diesem Fall eine Reise ohne eigentliches Ziel oder Ankunft, typische [[Protagonist]]en sind [[Außenseiter]] und [[Aussteiger]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennzeichnend für den Reiseroman ist, dass dieser eine fiktive Reise schildert, während die vor allem sachbezogenen Reisebeschreibungen den Anspruch erheben, über eine tatsächlich stattgefundene Reise authentisch zu berichten. Allerdings ist die Abgrenzung zwischen dem Reiseroman und anderen Formen der Reiseliteratur nicht immer klar zu ziehen, sondern häufig gehen die Formen von der sachlich gestalteten Reisebeschreibung über die unterhaltsame [[Reportage]] bis zum Reiseroman ineinander über.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilpert676&amp;quot; /&amp;gt; Ferner gilt auch für den sachlichen und den literarisch ausgestalteten [[Reisebericht]], dass dieser wie der Reiseroman eine zusammenhängende [[Handlung (Erzählkunst)|Handlung]] hat.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Korte14&amp;quot;&amp;gt;Barbara Korte: &amp;#039;&amp;#039;Der englische Reisebericht: Von der Pilgerfahrt bis zur Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996, ISBN 3-534-12546-0, S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Literaturwissenschaft]] werden unterschiedliche Positionen vertreten, ob sich Reisebericht und Reiseroman als Textsorten voneinander trennen lassen. Einerseits wird argumentiert, dass beim Reisebericht – im Gegensatz zum Reiseroman – der Glaube an die Schilderung einer [[Authentizität|authentischen]] Reise dominiert und der Reisebericht keine [[Fiktion|fiktionale]] Gattung sei. Andererseits wird eine klare Grenzziehung zwischen Reisebericht und fiktionalen Formen wie dem Reiseroman verneint: Die Authentizität von Reiseberichten, so etwa die Literaturwissenschaftlerin [[Barbara Korte]], lassen sich nur außerhalb des Berichts überprüfen. Ferner bedienen sich sowohl Reisebericht als auch Erzählliteratur um erfundene Reisen derselben [[Erzähltechnik]]en.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Korte14&amp;quot; /&amp;gt; In Einführungen in die Reiseliteratur wiederum wird als Kriterium für den Reisebericht herangezogen, dass diese vom Verfasser tatsächlich unternommen wurden und er darüber sachlich aus der [[Erzählperspektive]] der [[Erste-Person-Perspektive|ersten Person]] erzählt. Andere, fiktive Erzählungen wie der Reiseroman beschreiben dagegen erfundene Reisen und werden häufig aus der [[Typologisches Modell der Erzählsituationen|Erzählperspektive der dritten Person]] erzählt.&amp;lt;ref&amp;gt;So etwa in Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039; The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Funktion der Reise im Reiseroman ==&lt;br /&gt;
=== Beispiel &amp;#039;&amp;#039;Himmel über der Wüste&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
In [[Paul Bowles]]’ Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Himmel über der Wüste]]&amp;#039;&amp;#039; (1948) reist die Hauptfigur Port, gemeinsam mit seiner Frau Kit, immer tiefer in die Sahara, um sich selbst zu finden und um seine Ehe wieder ins Lot zu bringen; wie in vielen anderen Reiseromanen scheitert dieses Unternehmen, weil Ports Probleme in ihm selbst liegen und durch eine Ortsveränderung überhaupt nicht behoben werden können. Anders als bei Autoren wie [[Lawrence Durrell]], [[Norman Lewis (Schriftsteller)|Norman Lewis]], [[Robert Byron]] oder [[Patrick Leigh Fermor]], deren Figuren Neugier auf das fremde Land erkennen lassen, erfährt man bei Bowles – obwohl dieser mit der Region intim vertraut war – über Nordafrika nur sehr wenig, und statt unvergesslich schöner sammeln die Figuren in diesem Roman eine endlose Reihe hauptsächlich albtraumhafter Eindrücke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte des Reiseromans ==&lt;br /&gt;
Erste ausführlich verschriftlichte Berichte über Reisen datieren weit zurück ([[Gilgamesch-Epos]]). Zu frühen Vorläufern der Reiseliteratur kann man die [[Odyssee]] zählen, sicher aber die [[Mittelalter|mittelalterlichen]] [[Pilgerbericht]]e diverser Mönche der Reisen in den Fernen Osten&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 19–25.&amp;lt;/ref&amp;gt;, im deutschsprachigen Raum [[Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen|Grimmelshausens]] [[Der abenteuerliche Simplicissimus]] von 1668. [[Aphra Behn]] veröffentlichte 1688 &amp;#039;&amp;#039;Oroonoko&amp;#039;&amp;#039;, der zu den ersten modernen Reiseromanen gezählt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara Korte: &amp;#039;&amp;#039;Der englische Reisebericht: Von der Pilgerfahrt bis zur Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996, ISBN 3-534-12546-0, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte des Reiseromans in neuzeitlichem Verständnis beginnt im 18. Jahrhundert mit Aufstieg des [[Roman]]s zur literarischen Gattung.&amp;lt;ref&amp;gt;Ian Watts: &amp;#039;&amp;#039;The Rise of the Novel: Studies in Defoe, Richardson and Fielding&amp;#039;&amp;#039;. Chatto &amp;amp; Windus, London 1957.&amp;lt;/ref&amp;gt; Prägend wirkten dabei englischsprachige Romane w.z.B. [[Daniel Defoe]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Robinson Crusoe]]&amp;#039;&amp;#039; (1719) und [[Jonathan Swift]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Gullivers Reisen]],&amp;#039;&amp;#039; weiter &amp;#039;&amp;#039;[[Moll Flanders]]&amp;#039;&amp;#039; von Daniel Defoe (1722), &amp;#039;&amp;#039;[[Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Henry Fielding]] (1749) sowie &amp;#039;&amp;#039;[[Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman]]&amp;#039;&amp;#039; (1759–67) von [[Laurence Sterne]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reiseromane des 18. Jahrhunderts griffen auch frühere Traditionen aus anderen, verwandten Gattungen auf, etwa dem aus Spanien stammenden [[Schelmenroman]], einschließlich der Charakterzeichnung der Hauptfigur als Spitzbub und der humorvolle Ton.&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039; The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 38–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Laurence Sterne]]s Reiseroman &amp;#039;&amp;#039;[[Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien]]&amp;#039;&amp;#039; (1768), die Romane von [[Nikolai Michailowitsch Karamsin]] in Russland oder &amp;#039;&amp;#039;Reise in die mittäglichen Provinzen Frankreichs&amp;#039;&amp;#039; von [[Moritz August von Thümmel]] gelten als herausragende Beispiele für den empfindsamen und leicht [[Ironie|ironischen]] Ton in den Reiseromanen des [[Sentimentalismus]]. Als [[Parodie]] des Reiseromans, der bereits die „Reise nach Innen“ vorwegnimmt, gilt &amp;#039;&amp;#039;[[Die Reise nach Braunschweig (Knigge)|Die Reise nach Braunschweig]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Adolph Knigge|Adolph Freiherr Knigge]] von 1792&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilpert677&amp;quot;&amp;gt;Gero von Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Sachwörterbuch der Literatur.&amp;#039;&amp;#039; 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5, S. 677.&amp;lt;/ref&amp;gt; wie auch [[Xavier de Maistre (Schriftsteller)|Xavier de Maistre]]s [[Voyage autour de ma chambre]] von 1795 (Reise um mein Zimmer herum, deutsch erneut von Eva Mayer (2011)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert stieg das Interesse an Reiseberichten durch die [[Kommerz|kommerzielle]] und [[Kolonialismus|koloniale]] Expansion der Europäer. Aber auch durch die [[Grand Tour]], einer der Mittel- und Oberschicht des Bürgertums und des Adels vorbehaltene Gepflogenheit, den ältesten Sohn, manchmal auch die Töchter, quer durch Europa auf Reisen zu schicken. Literarischer Reisebericht ist die [[Italienische Reise]] von Goethe als eine Suche, gezielt, unromantisch, akribisch, dennoch subjektiv geprägt. Im Sinne Wicklmanns: Das Herz der Griechen mit der Seele suchen. Hier schneiden sich [[Romantik]] und [[Klassizismus (Literatur)|Klassizismus]] widersprüchlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Romantik]] erlebte das Genre der Reiseberichte einen Anstieg an Popularität.&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039; The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 40–41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Viele Romantiker veröffentlichten [[Autobiografie|autobiografisch]] geprägte Reiseberichte. In den Romanen der Romantik spiegelt sich der U-Topos der Reise als Lebensparadigma wider ([[Novalis]], &amp;#039;&amp;#039;[[Heinrich von Ofterdingen]])&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilpert677&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Sonderstellung verdienen hier [[Wilhelm Meisters Lehrjahre]] und [[Wilhelm Meisters Wanderjahre]] von J. W. von Goethe. Goethe nimmt die innere Reise als oktroyierten Schritt sowie die äußere Reise als vermeintlich freie Lebens-Reise modernen Schriftstellern vorweg. Gleichzeitig zitiert er die Erzählstile vergangener Epochen und greift nach einem Erzählverständnis aus, das in seiner sprachlichen Leichtigkeit die Wanderung durch die Sprache als Paradigma zur Wanderung durch die Zeit in Dienst nimmt. Er affirmiert in den Lehrjahren und kritisiert in den Wanderjahren damalige Lebenswelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Imperialismus]] und empirisch institutionalisierter [[Rassismus]] bestimmen ab der späten Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund europäischen Hegemonialdenkens und innereuropäischer Rivalitäten die Literatur. Reiseromane wie [[H. Rider Haggard]]s &amp;#039;&amp;#039;[[König Salomos Schatzkammer|King Solomon’s Mines]]&amp;#039;&amp;#039; (1886) entstehen, die den Mythos von Afrika als &amp;#039;&amp;#039;schwarzem Kontinent&amp;#039;&amp;#039; begründen. [[Joseph Conrad]] knüpft mit seinem Reiseroman &amp;#039;&amp;#039;[[Herz der Finsternis]]&amp;#039;&amp;#039; (engl. &amp;#039;&amp;#039;Heart of Darkness&amp;#039;&amp;#039;, 1902) an. [[Rudyard Kipling]] verfasst mit [[Kim (Roman)|Kim]] (1901) eher eine Polemik als einen Roman&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans Ulrich Seeber]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Englische Literaturgeschichte.&amp;#039;&amp;#039; 5. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02421-3, S. 332–333.&amp;lt;/ref&amp;gt;. E. M. Forster verarbeitet in &amp;#039;&amp;#039;[[Auf der Suche nach Indien]]&amp;#039;&amp;#039; seine wirr erscheinenden Erfahrungen auf einer Indienreise.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Childs: &amp;#039;&amp;#039;A Passage to India.&amp;#039;&amp;#039; In: David Bradshaw (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge Companion to E.M. Forster&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-54252-4, S. 188–208, hier S. 188.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland verfasste [[Karl May]] Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts idealisierte und romantisierende Reiseromane, die den Zeitgeschmack trafen, jedoch aufgrund der weitgehend eigenbrötlerischen Natur ihrer Verfassung international ohne weitere bedeutende Wirkung blieben. Dennoch wurden seine Boulevardromane in etliche Sprachen übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jules Verne]] erweiterte bis 1905 die Gattung des Reiseromans um fiktive Reisen in ein Utopia und erschuf mit &amp;#039;&amp;#039;[[Die Reise zum Mittelpunkt der Erde]] und&amp;#039;&amp;#039; &amp;#039;&amp;#039;[[Reise um den Mond]]&amp;#039;&amp;#039; den modernen [[Science-Fiction]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wilpert677&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Reisen für größere Bevölkerungsschichten möglich. Während im 18. Jahrhundert die [[Grand Tour]], die Bildungsreise durch Europa, den Söhnen des europäischen [[Adel]]s und später dem gehobenen [[Bürgertum]]s vorbehalten war, waren nun fernere Reisen, auch ins Ausland, für weitere Schichten erschwinglich. Es entwickelte sich langsam der [[Tourismus]]; Reisende wurden zu Touristen. Dies spiegelt sich auch in der Reiseliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts wider. So parodiert [[E. M. Forster]] in seinem Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Zimmer mit Aussicht]]&amp;#039;&amp;#039; die englischen Touristen in Italien.&amp;lt;ref&amp;gt;Ralph Pordzik: &amp;#039;&amp;#039;The Wonder of Travel: Fiction, Tourism and the Social Construction of the Nostalgic&amp;#039;&amp;#039;. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5041-X, S. 120.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Widerspruch zwischen kommerziell organisierten Reisen und dem Anspruch, auch vermittelt durch Reiseführer wie &amp;#039;&amp;#039;[[Lonely Planet]]&amp;#039;&amp;#039;, dass man seine Reise immer noch individuell gestalten solle, kommentierte [[Alex Garland]] humorvoll im Reiseroman &amp;#039;&amp;#039;The Beach&amp;#039;&amp;#039; von 1996 sowie William Sutcliffe in &amp;#039;&amp;#039;Are You Experienced?&amp;#039;&amp;#039; von 1997.&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039; The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 58–61.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Möglichkeit, weitere Reisen zu unternehmen, wurde speziell für Frauen ab dem 19. Jahrhundert leichter möglich. So reisten Frauen im 19. Jahrhundert in Begleitung ihres Ehemannes, der als [[Missionar]], in der [[Kolonie|Kolonialverwaltung]] oder als [[Entdecker]] tätig war. Zunehmend jedoch waren Frauen allein als Reisende unterwegs und hatten auch die Möglichkeit, ihre Erlebnisse literarisch festzuhalten und zu veröffentlichen. So entstand ab dem 19. Jahrhundert immer mehr von Frauen verfasste Literatur in Form von sachlichen und auch literarisch geprägten Reiseberichten, Briefen oder Tagebüchern.&amp;lt;ref&amp;gt;Ina Schabert: &amp;#039;&amp;#039;Englische Literaturgeschichte aus der Sicht der Geschlechterforschung&amp;#039;&amp;#039;. Kröner, Stuttgart 1997, ISBN 3-520-38701-8, S. 590.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 47–48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darüber hinaus entstanden auch autobiografisch geprägte Reiseromane, so z.&amp;amp;nbsp;B. [[Elizabeth von Arnim]]s Reiseroman &amp;#039;&amp;#039;Elizabeth auf Rügen&amp;#039;&amp;#039; oder [[Virginia Woolf]]s &amp;#039;&amp;#039;[[The Voyage Out]]&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Selma Lagerlöf]] schrieb mit &amp;#039;&amp;#039;[[Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden]]&amp;#039;&amp;#039; (1906/1907) einen bedeutenden Reiseroman der [[Kinder- und Jugendliteratur]], mit dem sie schwedischen Schulkindern die [[Geographie]] Schwedens näherbringen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 20. und 21. Jahrhundert ist die Reiseliteratur durch verschiedene Tendenzen gekennzeichnet: eine zunehmende und schnellere Mobilität durch z.&amp;amp;nbsp;B. das Auto oder Flugzeug, intellektuelle und ästhetische Bewegungen wie etwa die aufkommende [[Psychoanalyse]], die innere Reisen in den Mittelpunkt stellten, und schließlich [[Antirassismus]]-Bewegungen und [[Dekolonisation]], die Texte hervorbrachten, die koloniale [[Stereotyp]]en in Frage stellten.&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Reisen und Reiseliteratur wurden ferner durch Erfahrungen kriegerischer Gewalt, etwa durch die [[Weltkrieg]]e, dann aber auch durch [[neue Medien]] und durch neu sich öffnende Kulturräume geprägt. Die Forschung zur Reiseliteratur stellt ferner die Frage, ob Reisen im 20. und 21. Jahrhundert eine so banale Erfahrung ist, dass sie keine literarischen Werke mehr hervorbringt, und sieht sich überraschenderweise einem Boom der Reiseliteratur gegenüber.&amp;lt;ref&amp;gt;Michaela Holdenried, Alexander Honold und Stefan Hermes (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reiseliteratur der Moderne und Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-503-17129-3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reiseromane des 20. und 21. Jahrhunderts zeichnen sich durch ihre große Vielfalt an Themen und Erzähltechniken aus, exemplarisch sollen hier einige Autoren mit ihren Romane genannt werden. [[James Joyce]]’ [[Ulysses]] ist vor allem bekannt als wegweisend für den modernen Roman und für seinen Einsatz des [[Bewusstseinsstrom]]s als zentrale Erzähltechnik. Bemerkenswert ist, dass Joyce die Handlung des Romans an Homers &amp;#039;&amp;#039;Odyssee&amp;#039;&amp;#039; anlehnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039; The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein bekannter Autor aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ist [[Jack Kerouac]]&amp;lt;ref&amp;gt;Gero von Wilpert: &amp;#039;&amp;#039;Sachwörterbuch der Literatur.&amp;#039;&amp;#039; 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5, S. 678.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Hervorzuheben sind Kerouacs Reiseberichte aus den USA und sein Reiseroman &amp;#039;&amp;#039;[[Unterwegs]]&amp;#039;&amp;#039; von 1957. Die Sicht eines [[Postkolonialismus|postkolonialen]] Autors vertritt der [[Nobelpreis für Literatur|Literaturnobelpreisträger]] [[V. S. Naipaul]], der sowohl Reiseberichte verfasst hat als auch die Themen Reise, [[Migrationssoziologie|Entwurzelung]] und Heimatlosigkeit der Auswanderergeneration in seinen Romanen thematisierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Yashoda Bhatt: &amp;#039;&amp;#039;V. S. Naipaul: An Introduction&amp;#039;&amp;#039;. B.R. Publishing Corporation, New Delhi 2000, ISBN 81-7646-108-3, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 21. Jahrhundert hat der deutschsprachige Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Die Vermessung der Welt]]&amp;#039;&amp;#039; (2005) von [[Daniel Kehlmann]] international Anerkennung gefunden. &amp;#039;&amp;#039;Die Vermessung der Welt&amp;#039;&amp;#039; ist ein [[historischer Roman]], der sich mit [[Forschungsreise]]n befasst.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Michaela Holdenried: &amp;#039;&amp;#039;Von der Unermesslichkeit der Welt. Historische Forschungsreisen in der Gegenwartsliteratur.&amp;#039;&amp;#039; In: Michaela Holdenried, Alexander Honold und Stefan Hermes (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reiseliteratur der Moderne und Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-503-17129-3, S. 289–312.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039; Auch in Thomas Stangls Roman &amp;#039;&amp;#039;Der einzige Ort&amp;#039;&amp;#039; (2004) und Ilja Trojanows &amp;#039;&amp;#039;Der Weltensammler&amp;#039;&amp;#039; (2006) ist der Zweck der Reise die Erforschung oder Eroberung neuer Orte. In vielen Romanen des 21. Jahrhunderts erfolgt die Reise dagegen, um vergangene Ereignisse aus dem privaten Umfeld zu enthüllen, so zum Beispiel in Lucy Frickes &amp;#039;&amp;#039;Töchter&amp;#039;&amp;#039; (2018), Vea Kaisers &amp;#039;&amp;#039;Rückwärtswalzer&amp;#039;&amp;#039; (2019) und Jaroslav Rudis &amp;#039;&amp;#039;Winterbergs letzte Reise&amp;#039;&amp;#039; (2019). Die Reise als Flucht aus der Realität findet man in zahlreichen Romanen des 21. Jahrhunderts, so zum Beispiel in Bodo Kirchhoffs &amp;#039;&amp;#039;Widerfahrnis&amp;#039;&amp;#039; (2016), Michael Kumpfmüllers &amp;#039;&amp;#039;Tage mit Ora&amp;#039;&amp;#039; (2019), Mercedes Lauensteins &amp;#039;&amp;#039;Blanca&amp;#039;&amp;#039; (2018), Edgar Rais &amp;#039;&amp;#039;Nächsten Sommer&amp;#039;&amp;#039; (2010), Peter Stamms &amp;#039;&amp;#039;Weit über das Land&amp;#039;&amp;#039; (2016)&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Berger, Norbert |Titel=Das Motiv der Reise in zeitgenössischen Romanen der deutschen Literatur. |Sammelwerk=Wirkendes Wort |Band=71. Jahrgang |Nummer=Heft 2 |Auflage=1 |Verlag=Wissenschaftlicher Verlag Trier |Ort=Trier |Datum=2021-08 |ISSN=0935-879X |Seiten=277–307}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und in [[Tschick (Roman)|&amp;#039;&amp;#039;Tschick&amp;#039;&amp;#039;]] (2010) von [[Wolfgang Herrndorf]], eigentlich ein [[Kinder- und Jugendliteratur|Jugendroman]]. Er zeigt „die exotische Provinz“ als [[Motiv (Literatur)|Reisemotiv]].&amp;lt;ref&amp;gt;Stefan Hermes: &amp;#039;&amp;#039;Die exotische Provinz. Zur Reisemotivik in Wolfgang Herrndorfs &amp;quot;Tschick&amp;quot;.&amp;#039;&amp;#039; In: Michaela Holdenried, Alexander Honold und Stefan Hermes (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reiseliteratur der Moderne und Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-503-17129-3, S. 329–348.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Reiseroman.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Günther Schweikle]], Irmgard Schweikle: &amp;#039;&amp;#039;Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1990, S.&amp;amp;nbsp;384 f.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Reiseliteratur.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Gero von Wilpert]]: &amp;#039;&amp;#039;Sachwörterbuch der Literatur.&amp;#039;&amp;#039; 8. Auflage. Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-23108-5, S. 676–678.&lt;br /&gt;
* Michaela Holdenried, Alexander Honold und Stefan Hermes (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reiseliteratur der Moderne und Postmoderne&amp;#039;&amp;#039;. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-503-17129-3.&lt;br /&gt;
* Tim Youngs: &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge Introduction to Travel Writing&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-0-521-69739-2.&lt;br /&gt;
* Berger, Norbert: Das Motiv der Reise in zeitgenössischen Romanen der deutschen Literatur. In: Wirkendes Wort. 2021. Heft 2. S. 277 - 307. ISSN 0935-879X&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Reiseroman| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Lisaliterary</name></author>
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