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	<title>Reichsschwert - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Reichsschwert&amp;diff=185762&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Serse2: /* Literatur */</title>
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		<updated>2025-02-02T16:56:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:I09 526 Reichsschwert (cropped).jpg|mini|Reichsschwert und [[Scheide (Behälter)|Scheide]] im [[Kunsthistorisches Museum|Kunsthistorischen Museum Wien]]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Imperial Sword of the Holy Roman Empire.jpg|mini|Detail]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Reichsschwert&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird im deutschsprachigen Raum das zu den [[Reichskleinodien]] der römisch-deutschen [[Römisch-deutscher König|Könige]] und [[Römisch-deutscher Kaiser|Kaiser]] des [[Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches]] gehörende Schwert bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Allgemeinen ist dies die Bezeichnung eines bestimmten Schwertes, das als Staatssymbol einer [[Monarchie]] die Macht, Stärke und Wehrhaftigkeit eines Reiches darstellt. So existieren oder existierten Reichsschwerter beispielsweise in [[England]], [[Schottland]], [[Preußen]], [[Dänemark]], [[Norwegen]], [[Ungarn]], den [[Niederlande]]n, dem [[Westfrankenreich|Westfränkischen Reich]] und [[Japan]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt jedoch auf einer Beschreibung des Reichsschwertes des Heiligen Römischen Reiches mit seiner Geschichte, seinem Aussehen und seiner Bedeutung für das Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Ursprung dieses Schwertes dem [[St. Mauritius|heiligen Mauritius]] zugeschrieben wurde, bezeichnet man es auch als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Mauritiusschwert&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;. Das Schwert überreichte der [[Papst]] dem römisch-deutschen Kaiser bei seiner Krönung als Zeichen der weltlichen Macht, die er aus der Hand Gottes erhält. Beim anschließenden Auszug aus der Kirche wurde es dem neuen Kaiser vom Schwertführer mit der Spitze nach oben als Zeichen der weltlichen Macht und Gewalt vorangetragen. Es ist heute unter der Inventarnummer SchK XIII 17 in der [[Schatzkammer (Wien)|Weltlichen Schatzkammer]] der [[Wien]]er [[Hofburg]] ausgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aussehen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Reichsschwert stich mit zeremonienschwert.JPG|mini|hochkant|Das Reichsschwert von beiden Seiten, in der Mitte das [[Zeremonienschwert]], kolorierter [[Kupferstich]] von [[Johann Adam Delsenbach]] aus dem Jahre 1751]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klinge, Parierstange, Griff und Knauf ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Schwertfegermarke des Reichsschwerts des Heiligen Roemischen Reiches.png|mini|130px|Schwertfegermarke&amp;lt;ref&amp;gt;Darstellung nach Schulze-Dörrlamm, &amp;#039;&amp;#039;Das Reichsschwert&amp;#039;&amp;#039;, 1995, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schwert hat insgesamt eine Länge von 110 cm und die 95,3 cm lange Klinge besteht aus Stahl. Die spitz zulaufende Klinge ist mehrfach nachgeschliffen worden und zeigt auf jeder Seite eine eingeschlagene [[Schwertfeger]]marke in Gestalt eines Kreises, in dem ein [[Kruckenkreuz]], also ein Kreuz mit Querbalken an den 4 Enden, einbeschrieben ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Fillitz, S. 36 und Schulze-Dörrlamm, 1995, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Parierstange]] und der Knauf sind schwach vergoldet, und der Griff wurde mit einem gestückelten [[Silber]]draht umwickelt. Dieser Draht ist wohl eine neuzeitliche Ergänzung aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, könnte aber auch bereits zur Zeit der Entstehung angebracht worden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schwert war zum feierlichen Tragen mit der Spitze nach oben bestimmt, dies kann man aus der Anordnung der Arbeiten auf der Scheide deutlich erkennen. Außerdem ist nur in dieser Haltung eine der auf beiden Seiten der Parierstange eingravierten Inschriften lesbar, zwischen deren Wörtern einfache Punkte stehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|CHRISTVS · VINCIT · CHRISTVS · REIGNAT · CHRISTVS · INPERAT&lt;br /&gt;
|Übersetzung=Christus siegt – Christus herrscht – Christus gebietet}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Schwert abwärts gerichtet wird oder am Schwertgurt hängt, ist die auf der anderen Seite angebrachte kürzere Inschrift lesbar. Zwischen den Wörtern stehen hier Doppelpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|CHRISTVS : VINCIT : CHRISTVS : REINAT&lt;br /&gt;
|Übersetzung=Christus siegt – Christus herrscht}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Inschrift müsste aber eigentlich lauten: „Christus vincit – Christus re&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;g&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;nat – Christus i&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;m&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;perat“ (fett geschrieben: die korrekte [[Lateinische Sprache|lateinische]] Schreibweise). Der Kunsthistoriker [[Julius von Schlosser]] vertrat auf Grund dieser sprachlichen Eigentümlichkeit im Jahre 1918 die Ansicht, dass dies auf eine Herkunft des Schwertes aus dem [[Romanische Sprachen|romanischen]] Sprachraum, speziell [[Sizilien]], hindeutet. Nach Ansicht heutiger Forscher handelt es sich dabei um das [[Mittellatein]] eines Schreibers, dessen Sprache nord- oder auch südfranzösisch sein kann, wobei die Schreibung des Lateins der dortigen tatsächlichen Aussprache angepasst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inschrift ist der Name eines dreiteiligen christlichen Lobgesanges, mit dem im [[Mittelalter]] das Volk nach der Krönung dem Herrscher huldigte. Dieser Gesang soll in der zweiten Hälfte des [[8. Jahrhundert]]s entstanden sein und wurde wohl erstmals bei der Krönungsliturgie zu Ostern des Jahres 774, nach der Eroberung des [[Langobarden]]reiches durch [[Karl der Große|Karl den Großen]], verwendet. Er blieb bis zum Jahre 1209 verbindlich, bis Papst [[Innozenz III.]] eine neue Krönungsordnung einführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pilzförmige Knauf&amp;lt;ref&amp;gt;Schulze-Dörrlamm, &amp;#039;&amp;#039;Das Reichsschwert&amp;#039;&amp;#039;, 1995, S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; trägt auf der einen Seite das eingravierte Wappen Ottos IV., ein halber Adler und drei schreitende Löwen. Dieses steht auf dem Kopf und konnte ebenso wie eine der beiden Inschriften auf der Parierstange nur erkannt werden, wenn dem Kaiser das Schwert mit erhobener Spitze vorangetragen wurde. Die andere Seite trägt ein Wappen mit dem Reichsadler, das hingegen dann erkennbar war, wenn das Schwert gesenkt oder am Schwertgurt getragen wurde. Der untere Rand des Knaufes trägt die lateinische Inschrift:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|BENEDICTVS · DO[minv]S DE[v]S QVI DOCET MANV[s]+&lt;br /&gt;
|Übersetzung=Gepriesen [sei mein] Herr [und] Gott, der [meine] Hände [kämpfen] lehrt.&amp;lt;ref name =&amp;quot;Ps-18&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schrifttyp ähnelt der Gravur auf der Parierstange. Daraus kann man schließen, dass beide zur gleichen Zeit angebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Scheide ===&lt;br /&gt;
Die [[Scheide (Behälter)|Scheide]] des Schwertes ist 101 cm lang und aus Olivenholz gefertigt. Sie ist mit vierzehn [[gold]]getriebenen Platten, auf denen Herrschergestalten dargestellt sind, geschmückt. Zwischen den Platten sitzen [[Email]]plättchen. Dieses Bildprogramm ist mehr als 100 Jahre älter als das Schwert selbst und zählt zweifellos zu den schönsten Arbeiten seiner Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Herrscher tragen eine Krone auf ihrem Haupt. Nur bei einer Darstellung ist links und rechts des Kopfes der Schriftzug „L – REX“ (König L.) eingraviert. Diese Darstellung zeigt, wie der Vergleich mit anderen Quellen nahelegt, den letzten karolingischen Herrscher [[Ludwig das Kind|Ludwig IV. das Kind]], der von 900 bis 911 herrschte und als einziger der dargestellten Herrscher nicht zum Kaiser gekrönt wurde. Damit konnte auf einfache Weise die Personenfolge genau bestimmt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Goldplatten zeigen die historische Reihe von [[Karl der Große|Karl dem Großen]] bis zu [[Heinrich III. (HRR)|Heinrich III.]], dem [[Salier|salischen]] Kaiser aus dem [[Worms]]er Raum. Dabei handelt es sich bei den dargestellten Personen ausschließlich um römisch-deutsche Könige und Kaiser. [[Westfrankenreich|Westfränkische]] und [[italien]]ische Könige, die zu Kaisern gekrönt wurden, sind auf der Scheide nicht dargestellt. Ebenso blieb die Reichsteilung von 876 unberücksichtigt. Von den drei Söhnen [[Ludwig der Deutsche|Ludwig des Deutschen]] ist nur [[Karl III. (Ostfrankenreich)|Karl III. der Dicke]] vertreten, welcher als einziger der drei Kaiser wurde und das Reich unter seiner Herrschaft wiedervereinigt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrscher auf der Scheide wurden folgendermaßen identifiziert (in Klammern die Zeit der Herrschaft, Vorderseite: 1–8, Rückseite: 9–14):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Karl der Große]] (768–814)&lt;br /&gt;
# [[Ludwig der Fromme]] (814–840)&lt;br /&gt;
# [[Ludwig der Deutsche]] (843–876)&lt;br /&gt;
# [[Karl III. (Ostfrankenreich)|Karl III. der Dicke]] (876–887)&lt;br /&gt;
# [[Arnolf von Kärnten]] (887–899)&lt;br /&gt;
# [[Ludwig das Kind|Ludwig IV. das Kind]] (900–911)&lt;br /&gt;
# [[Konrad I. (Ostfrankenreich)|Konrad I.]] (911–918)&lt;br /&gt;
# [[Heinrich I. (Ostfrankenreich)|Heinrich I.]] (919–936)&lt;br /&gt;
# [[Otto I. (HRR)|Otto I. der Große]] (936–973)&lt;br /&gt;
# [[Otto II. (HRR)|Otto II.]] (973–983)&lt;br /&gt;
# [[Otto III. (HRR)|Otto III.]] (980–1002)&lt;br /&gt;
# [[Heinrich II. (HRR)|Heinrich II.]] (1002–1024)&lt;br /&gt;
# [[Konrad II. (HRR)|Konrad II.]] (1024–1039)&lt;br /&gt;
# [[Heinrich III. (HRR)|Heinrich III.]] (1039–1056)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Reliefs sind die vierzehn Herrscher in Frontansicht in vollem Ornat dargestellt. Sie stehen breitbeinig mit ihren Insignien, dem Zepter und dem Reichsapfel in den Händen mit zumeist vor der Brust angewinkelten Armen. Vier Herrscher tragen anstelle des Zepters einen langen Stab, den sie mit dem linken Arm seitlich neben sich halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Bilder sind Beispiele für die Darstellungen der Herrscher auf der Scheide. Sie stammen aus einem der detaillierten Kupferstiche von Delsenbach, die dieser im Jahr 1751 vom Reichsschwert und von den anderen Reichskleinodien anfertigte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center centered&amp;quot; perrow=&amp;quot;5&amp;quot; heights=&amp;quot;250&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
 Reichsschwert karl der große.jpg|Karl der Große&lt;br /&gt;
 Reichsschwert ludwig der deutsche.jpg|Ludwig der Deutsche&lt;br /&gt;
 Reichsschwert ludwig das kind.jpg|Ludwig IV. das Kind&lt;br /&gt;
 Reichsschwert otto der große.jpg|Otto I. der Große&lt;br /&gt;
 Reichsschwert heinrich III.jpg|Konrad II.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Stiche wurden erst im Jahre 1790 veröffentlicht. Auf Grund des Detailreichtums dokumentierten sie gleichzeitig den damaligen Zustand des Schwertes und der Scheide. Ein Vergleich mit heutigen Fotos zeigt jedoch, dass Delsenbach zwar sehr sorgfältig gearbeitet hat, ihm aber trotzdem einige Fehler unterliefen. So stellt er einige Gürtelenden und Schuhe der Herrscher nicht korrekt dar. Außerdem fehlt die Schwertfegermarke auf dem Schwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bieten die Stiche wichtige Hinweise auf das ursprüngliche Aussehen der Scheide, da drei Goldbleche mittlerweile so stark zerdrückt sind, dass man nur noch mit Hilfe der Stiche eine Vorstellung von dem tatsächlichen Aussehen der darauf befindlichen Reliefs gewinnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Entstehung des Schwertes ===&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich haben bereits [[Otto I. (HRR)|Otto I.]] und seine Nachfolger ein oder mehrere wertvolle Schwerter in ihrem Kronschatz besessen. Diese wurden wohl später durch das heute erhaltene ersetzt. So befindet sich zum Beispiel im [[Essener Domschatz]] ein reich geschmücktes [[Zeremonialschwert (Essen)|Schwert]] mit goldbeschlagener Scheide, das vermutlich [[Otto III. (HRR)|Otto III.]] gestiftet hat. Diese Waffe könnte eine Vorgängerin des Reichsschwertes sein, denn die Darstellungen auf den Scheiden der beiden Schwerter ähneln sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen von [[Mechthild Schulze-Dörrlamm]] (1995), die Mitte der 1990er Jahre archäologische Untersuchungen am Reichsschwert und an anderen Teilen der Reichskleinodien durchführte, stammt das gesamte Schwert vom Ende des 12. Jahrhunderts. Es wurde wohl für Kaiser [[Otto IV. (HRR)|Otto IV.]] angefertigt. Diese Datierung legt das Wappen Ottos im Knauf nahe. Sehr wahrscheinlich wurde das Schwert für Ottos Krönung zum [[Römisch-deutscher König|römisch-deutschen König]] am 12. Juli 1198 in [[Aachen]] hergestellt. Es diente wohl als Ersatz für das alte Schwert aus der Salierzeit, das sich, wie die anderen Reichskleinodien, noch im Besitz des Gegenkönigs [[Philipp von Schwaben]] befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch bei den anderen Reichskleinodien, beispielsweise der [[Reichskrone]], gibt und gab es jedoch auch andere Datierungen. So wurde 1926 durch L. Speneder die These vertreten, dass die Waffe eine typische Waffe des 11. Jahrhunderts sei und genauso wie die Scheide zu Zeiten Heinrichs III. entstanden ist. Lediglich der Knauf sei eine Hinzufügung unter Otto IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später setzte sich die Auffassung durch, dass das Schwert im 12. Jahrhundert entstanden ist. So datierte der Historiker Erben das Schwert zwischen 1130 und 1194 und vermutete, dass es in [[Sizilien]] geschaffen wurde. In den 1980er Jahren vertraten Fillitz und Trnek die Auffassung, wobei sie teilweise ältere Vermutungen revidierten, dass das gesamte Schwert zwischen 1198 und 1230 zu datieren sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Grund der Inschriften auf der Parierstange in romanischem Mittellatein könnte als Ursprungsland Frankreich in Frage kommen. Damit in Zusammenhang könnte der Umstand stehen, dass Otto IV. der zweite Sohn [[Heinrich der Löwe|Heinrichs des Löwen]] war und seine Jugend am Hof seines Onkels, des Königs von [[Königreich England|England]], verbrachte. Von diesem wurde er bereits vier Jahre vor seiner Königswahl zum Grafen von [[Poitou]] und Herzog von [[Aquitanien]] ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zusätzliche Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Mauritiusschwert&amp;#039;&amp;#039; trägt das Schwert seit [[Karl IV. (HRR)|Karl IV.]], der auch die anderen Teile der Reichskleinodien gern in Zusammenhang mit bedeutenden Heiligen brachte. Dem frühchristlichen Märtyrer [[Mauritius (Heiliger)|Mauritius]] wurde bereits im 11. Jahrhundert die [[Heilige Lanze]] zugesprochen. Im Mittelalter war er das Vorbild aller christlichen Ritter. Außerdem stand er in so hohem Ansehen, dass er zeitweise der Patron des Reiches war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung der Scheide ===&lt;br /&gt;
Die Scheide des Reichsschwertes wird auf Grund der dargestellten Herrscher Heinrich III., er ist der letzte auf der Scheide dargestellte König, oder seinem Nachfolger [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrich IV.]] zugeschrieben. Genaue Untersuchungen der Scheide legen jedoch nahe, dass die Schwertscheide nur in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wurde demnach erst für Heinrich IV. (1056–1106) hergestellt. Dafür spricht auch, dass gerade Heinrich IV. in der Zeit des [[Investiturstreit]]s versuchen musste, die Rechtmäßigkeit seines Herrschaftsanspruches zu dokumentieren. Somit ist dies ein zusätzliches Indiz dafür, dass die Scheide für die Kaiserkrönung Heinrichs IV. im Jahr 1084 in [[Rom]] bestimmt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Details der Herstellung, unter anderem die Verwendung echten byzantinischen Emails, Umrahmung der Bildfelder, Kleidung der Herrscher etc., die sonst nur bei byzantinischen und italienischen Arbeiten dieser Zeit zu finden sind, und die Verwendung von Olivenholz für den Scheidenkorpus legen nahe, dass die Scheide in [[Italien]] gefertigt wurde. Außerdem hielt sich Heinrich IV. die drei Jahre vor seiner Krönung ausschließlich in Italien auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist klar, dass die Scheide ursprünglich nicht für das heutige Reichsschwert bestimmt war, sondern etwas mehr als 100 Jahre älter ist. Dafür sprechen auch die unterschiedliche Verwendung der Edelmetalle und stilistische Merkmale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Scheide später weiterverwendet wurde und zum Reichsschwert hinzugefügt wurde, lässt sich nur spekulieren. Neben der außergewöhnlichen Schönheit kann eventuell auch eine Neuinterpretierung der Herrscherreihe dem Auftraggeber des Reichsschwertes Otto IV. gelegen gekommen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Erwähnungen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Erste detaillierte Darstellung des reichsschwertes.jpg|mini|Erste detailgetreue Darstellung des Reichsschwertes (hinten) und des Zeremonienschwertes (vorne)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief einer Hofdame von [[Elisabeth von Aragón]], der Gemahlin [[Friedrich der Schöne|Friedrich III. des Schönen]], aus dem Jahre 1315 findet sich die erste schriftliche Erwähnung des Reichsschwertes als Mauritiusschwert. In einer Inventarliste der Burg Trifels aus dem Jahr 1246 heißt es hingegen lediglich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|zwey swert mit zweyn scheiden, gezieret mit edelem gesteyne}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich also um zwei Schwerter mit edelsteingeschmückter Scheide. Hiermit dürften wohl das Reichsschwert und das [[Zeremonienschwert]] gemeint sein. Ein älterer schriftlicher Beleg als diese Inventarliste ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ältesten bekannten bildlichen Darstellungen stammen erst aus dem 15. Jahrhundert, jedoch besitzen die zwei auf einem [[Holzschnitt]] der Reichskleinodien von [[Hans Spörer]] dargestellten Schwerter keinerlei Ähnlichkeit mit dem Reichsschwert beziehungsweise dem Zeremonienschwert. Die erste detailgetreue Darstellung des Schwertes entstand erst im 17. Jahrhundert. Auf dem hier gezeigten Kupferstich eines unbekannten Künstlers ist das Reichsschwert gekreuzt mit dem Zeremonienschwert zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nürnberg und Wien ===&lt;br /&gt;
Seit das Schwert Ende des 12. Jahrhunderts den Reichskleinodien hinzugefügt wurde, ist sein Schicksal untrennbar mit dem der anderen Reichskleinodien verbunden. Für eine detailliertere Darstellung der Geschichte der Reichskleinodien, siehe deshalb: [[Reichskleinodien#Geschichte|Geschichte der Reichskleinodien]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schwert und die anderen Reichskleinodien wurden während des Spätmittelalters an verschiedenen Orten aufbewahrt, so zum Beispiel in der [[Burg Karlštejn]] bei Prag, auf der [[Reichsburg Trifels]], in der [[Abtei Hersfeld|Reichsabtei Hersfeld]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1423 erhielt [[Nürnberg]] von [[Sigismund (HRR)|Sigismund]] den Auftrag, die Reichskleinodien auf &amp;#039;&amp;#039;ewige Zeiten, unwiderruflich und unanfechtbar&amp;#039;&amp;#039; aufzubewahren. Dies wurde notwendig, da aufgrund der [[Hussitenkriege]] der damalige Aufbewahrungsort in Prag nicht mehr sicher war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nach dem Sieg der [[Französische Revolution|französischen Revolution]] im Jahre 1789 und dem Sturz des Königtums die anschließenden [[Koalitionskriege]], die die Monarchie wiederherstellen sollten, auch auf Deutschland übergriffen, waren die Reichskleinodien in Nürnberg nicht mehr sicher. Deshalb wurden sie im Jahr 1800 in einer geheimen Aktion nach [[Wien]] an den Sitz des damaligen Kaisers verbracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis auf ein Intermezzo von 1938 bis 1946 ruhen das Schwert und die anderen Reichskleinodien seitdem in der [[Schatzkammer (Wien)|Weltlichen Schatzkammer]] der [[Hofburg|Wiener Hofburg]] und werden dort ausgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches ===&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zu den anderen Reichskleinodien wurde das Reichsschwert auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 noch einige Male für repräsentative Zwecke verwendet. So wurde es beispielsweise im Jahr 1838 bei der Krönung [[Ferdinand I. (Österreich)|Ferdinands I.]] in Mailand, bei der Tiroler [[Erbhuldigung]] im gleichen Jahr, bei der Eröffnung des österreichischen [[Reichsrat (Österreich)|Reichsrates]] und anderen offiziellen Anlässen und letztmals bei der Krönung des Kaisers [[Karl I. (Österreich-Ungarn)|Karl I.]] als Karl IV. zum König von [[Ungarn]] im Jahr 1916 eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um [[Adolf Hitler|Hitlers]] Interesse an einer Rückführung der Reichskleinodien nach Nürnberg zu wecken, überreichte ihm 1935 der damalige Nürnberger Oberbürgermeister [[Willy Liebel]] eine Nachbildung des Reichsschwertes mit den markigen Worten „Das deutsche Reichsschwert dem Führer aller Deutschen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung ==&lt;br /&gt;
Das Überreichen des Schwertes bei der Krönung durch den Papst sollte den Herrscher daran erinnern, dass er der Verteidiger des Reiches und der Kirche war. Er empfing es im übertragenen Sinne also aus den Händen der Apostel Petrus und Paulus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Darstellung der Herrscher auf der Scheide war politisches Programm: Heinrich IV. musste zu Zeiten des [[Investiturstreit]]es, angesichts des über ihn verhängten [[Kirchenbann]]s und nach Kämpfen gegen zwei Gegenkönige, auf die Rechtmäßigkeit seines Herrschaftsanspruches besonderen Wert legen. Mit der lückenlosen Herrscherreihe von Karl dem Großen bis zu seinem Vorgänger Heinrich III. demonstrierte Heinrich IV., dass er der einzig legitime Nachfolger der karolingischen Herrscher war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit stellt dieses Schwert mit seiner Scheide, neben der Abbildung eines starken Traditionsbewusstseins, auch eine frühe Form der Propaganda dar. Die Schwertscheide ist somit als Herrschaftszeichen und königliche Selbstdarstellung auch der Ausdruck des schweren Kampfes zwischen Kirche und Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin hat die Darstellung der vierzehn Herrscher wahrscheinlich auch religiös-symbolischen Charakter. Die Vierzehn als Verdoppelung der „heiligen“ Zahl 7 und dreimal 14 ist die Zahl der Ahnen, die [[Matthäus-Evangelium|Matthäus]] in seinem Stammbaum von [[Abraham]] bis [[Jesus von Nazareth|Jesus]] erwähnt. Da ist solch eine [[Bibel|biblische]] Vorlage für die Herrscherreihe nicht ausgeschlossen, zumal die Zahl Vierzehn so gut zur Zahl der „Vorfahren“ passt, die den Thron des Heiligen Römischen Reiches bis Heinrich IV. innehatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Reichsschwert (Norwegen)|Reichsschwert der norwegischen Reichsinsignien]]&lt;br /&gt;
* [[Reichsschwert (Schottland)|Reichsschwert Schottlands]]&lt;br /&gt;
* [[Throninsignien Japans#Das Schwert Kusanagi no Tsurugi („Grasschneider-Schwert“)|Reichsschwert Japans]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--==Kleiner Exkurs zu Reichsschwertern anderer Monarchien ==&lt;br /&gt;
=== Das niederländische Reichsschwert ===&lt;br /&gt;
Die [[Niederlande|niederländischen]] Reichsinsignien, neben dem Reichsschwert die Krone, das Zepter, der Reichsapfel und die Reichsstandarte, wurden im Jahre 1840 im Auftrag des Königs [[Wilhelm II. (Niederlande)|Wilhelm II.]] von mehreren Goldschmieden angefertigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das preußische Reichsschwert ===&lt;br /&gt;
Am 18. Januar 1701, krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1657–1713) in Königsberg als [[Friedrich I. (Preußen)|Friedrich I.]] selbst zum ersten König in [[Preußen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das preußische Reichsschwert wurde um das Jahr [[1540]] in [[Königsberg]] (das heutige [[Kaliningrad]]) als Herzogsschwert geschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kroninsignien von 1701 sind heute im Kronkabinett des Schlosses Charlottenburg ausgestellt, so die beiden Krongestelle, das Szepter, der Reichsapfel, das Reichssiegel und das Reichsschwert.&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Hermann Fillitz]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches.&amp;#039;&amp;#039; Schroll, Wien u. a. 1954.&lt;br /&gt;
* [[Percy Ernst Schramm]] mit [[Florentine Mütherich]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Denkmale der deutschen Könige und Kaiser]]. Ein Beitrag zur Herrschergeschichte von Karl dem Großen bis Friedrich II. 768–1250.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 2). Prestel, München 1962.&lt;br /&gt;
* [[Mechthild Schulze-Dörrlamm]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Reichsschwert. Ein Herrschaftszeichen des Saliers Heinrich IV. und des Welfen Otto IV.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 32). Mit dem Exkurs Der verschollene Gürtel Kaiser Ottos IV. Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-0391-9.&lt;br /&gt;
* Mechthild Schulze-Dörrlamm: &amp;#039;&amp;#039;Schwerter des 10. Jahrhunderts als Herrschaftszeichen der Ottonen. Zu den Vorläufern des Reichsschwerts und zu dessen Imitationsformen&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Jahrbuch des Römisch-germanischen Zentralmuseums Mainz&amp;#039;&amp;#039;, Band 59, 2012, S. 609–651 [https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jahrb-rgzm/article/view/15323/9197  Digitalisat]&lt;br /&gt;
* [[Jan Keupp]], Hans Reither, Peter Pohlit, Katharina Schober, [[Stefan Weinfurter]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;„…&amp;amp;nbsp;die keyserlichen zeychen&amp;amp;nbsp;…“ Die Reichskleinodien – Herrschaftszeichen des Heiligen Römischen Reiches.&amp;#039;&amp;#039; Schnell + Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2002-4.&lt;br /&gt;
* [[Sabine Haag]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Meisterwerke der Weltlichen Schatzkammer&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Kurzführer durch das Kunsthistorische Museum.&amp;#039;&amp;#039; 2). Kunsthistorisches Museum, Wien 2009, ISBN 978-3-85497-169-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Imperial Sword of the Holy Roman Empire|Reichsschwert}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|4366151-8|TEXT=Literatur zum}}&lt;br /&gt;
* [https://www.khm.at/de/object/100441/ Kaiserliche Schatzkammer Wien | Das Reichsschwert (Mauritiusschwert)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name =&amp;quot;Ps-18&amp;quot;&amp;gt;(Ps 18,3; Ps 18,35) Von David. Gelobt sei der HERR, mein Fels, der meine Hände kämpfen lehrt und meine Fäuste, Krieg zu führen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Exzellent|10. November 2004|3333290}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4366151-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Reichskleinodien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herrschaftsinsigne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Individuelles Schwert]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeremonialwaffe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Waffensammlung der Schatzkammer (Wien)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Serse2</name></author>
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