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	<title>Reflexologie - Versionsgeschichte</title>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Reflexologie&amp;diff=386714&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Thomas Dresler: Commonscat mit Helferlein hinzugefügt</title>
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		<updated>2025-12-09T20:53:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Commonscat mit &lt;a href=&quot;/index.php?title=Benutzer:Wurgl/8Schwestern&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Benutzer:Wurgl/8Schwestern (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;Helferlein&lt;/a&gt; hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Reflexologie&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; war eine medizinhistorisch bedeutsame Lehre zur Arbeitsweise des [[Zentrales Nervensystem|Zentralen Nervensystems]] (ZNS) und wurde als objektive &amp;#039;&amp;#039;Wissenschaft von den [[Reflex]]en&amp;#039;&amp;#039; am Anfang des 20. Jahrhunderts gemeinsam von [[Wladimir Michailowitsch Bechterew]] und [[Iwan Petrowitsch Pawlow]] begründet. Beide Forscher schufen damit jeweils auch 1903 (Pawlow) und 1907 (Bechterew) eine neue Richtung der [[Objektive Psychologie|objektiven Psychologie]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;HofstätterFLP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 10 zu Stw. „Begründung der Reflexologie 1903 (Pawlow) und 1907 (Bechterew)“.&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchischkoffPWB&amp;quot; details=&amp;quot;S. 577 zu Lemma „Reflexologie“.&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 67 zu Stw. „Pawlow und Bechterew als Begründer der objektiven Psychologie“ in Lemma „Bechterew“.&amp;quot; /&amp;gt; Die Erforschung der Reflexe wurde durch Tierexperimente gestützt. Pawlow war u.&amp;amp;nbsp;a. Schüler der Physiologen [[Sergei Petrowitsch Botkin]] ab 1860 in Petersburg und 1884/85 von [[Carl Ludwig (Mediziner)|Carl Ludwig]] in Leipzig sowie von [[Rudolf Heidenhain]] in Breslau.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ArnoldLDP&amp;quot; details=&amp;quot;Sp. 1562 zu Stw. „physiologische Ausbildung Pawlows bei Heidenhain und Ludwig“ in Lemma „Pawlow“.&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 97, Anm. 11) zu Stw. „physiologische Ausbildung Pawlows bei Heidenhain und Ludwig“.&amp;quot; /&amp;gt; Bechterew war Schüler des neuropathologisch und psychotherapeutisch ausgerichteten Psychiaters [[Jean-Martin Charcot]] in Paris sowie des Psychologen und Philosophen [[Wilhelm Wundt]] in Leipzig.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. zu Lemma „Reflexologie“; S. 67 zu Lemma „Bechterew“.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ergebnisse ==&lt;br /&gt;
Pawlow hat vor allem den Begriff der [[Bedingter Reflex|bedingten Reflexe]] geprägt. Diese galten ihm auch als universelles [[Krankheitskonzept|Modell]] für die Erklärung psychischer Störungen. Dabei stellte er sie als erlernte &amp;#039;&amp;#039;konditionierte Reflexe&amp;#039;&amp;#039; den ererbten &amp;#039;&amp;#039;natürlichen&amp;#039;&amp;#039; bzw. &amp;#039;&amp;#039;unkonditionierten Reflexen&amp;#039;&amp;#039; gegenüber, so z.&amp;amp;nbsp;B. auch den vegetativen, verdauungsphysiologischen Nervenleistungen, die er am Hundeexperiment nachweisen konnte. Psychisches war damit gewissermaßen durch einen „[[Psychischer Reflexbogen|psychischen Reflexbogen]]“ zu beschreiben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;!--PetersLPS_c--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 97 f. zu Stw. „bedingte Reflexe als Grundlage alles Seelischen“.&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;JaspersAPP&amp;quot; /&amp;gt; Entscheidend war für Pawlow die „Höhe“ der Verschaltung dieser bedingten Reflexe. Er unterschied das corticale und das subcortikale [[Niveauschema der Reizbeantwortung|Niveau]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;ArnoldLDP&amp;quot; details=&amp;quot;Sp. 1564 zu Stw. „cortikales Niveau“ in Lemma „Pawlow“.&amp;quot; /&amp;gt; Beim Menschen fügte er noch das Stirnhirn mit der Sprachfähigkeit als dritte Ebene hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 99, zu Stw. „dritte Ebene der Reflexverarbeitung Pawlows“.&amp;quot; /&amp;gt; Als Beleg für Pawlows These der Erklärung psychischer Störungen diente ihm die Erzeugung [[Experimentelle Neurose|experimenteller Neurosen]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;ArnoldLDP&amp;quot; details=&amp;quot;Sp. 1564 zu Stw. „experimentelle Neurosen“ in Lemma „Pawlow“.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Höhe“ der Verschaltung ist nach Bechterew durch die [[zentripetal (Neurologie)|zentripetale]] Leitung über mehrere Schaltzentren zu verstehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RitterHWPh&amp;quot; /&amp;gt; Bechterew hat die Reihe der von ihm beschriebenen angeborenen Reflexe in großem Stile vermehrt. Damit trug er erheblich zu einer Erweiterung des Wissens bei über die „unkonditionierten Reflexe“ Pawlows – ein Wissen, das nicht ohne Schlussfolgerung bleiben konnte für die [[Lokalisation (Neurologie)|Lokalisation]] der „subcorticalen Reflexe“ bzw. der Vielzahl von „subcortikalen Ebenen“ im Sinne der eher unbestimmten neurophysiologischen „Höhenangaben“ Pawlows.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 67 zu Stw. „Pawlow und Bechterew als Begründer der objektiven Psychologie“ in Lemma „Bechterew“.&amp;quot; /&amp;gt; Reflexologie war die von W. M. Bechterew ab 1910 bevorzugte Bezeichnung für seine objektive Psychologie. Bechterew lehnte im Gegensatz zu Pawlow jede Art [[Materialistisches Weltbild|materialistischer Auffassungen]] ab. Er vertrat einen [[Psychophysischer Parallelismus|psychophysischen Parallelismus]] und war Anhänger der [[Assoziationspsychologie]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;RitterHWPh&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgänger ==&lt;br /&gt;
Als Vorläufer der Reflexologie muss auf die Arbeiten von [[Robert Whytt]] und insbesondere auf die von [[Iwan Michailowitsch Setschenow]] und Botkin verwiesen werden. Von Setschenow und Botkin übernahm Pawlow die Lehre des [[Nervismus]]. In dieser war auch die Grundlage zum Verständnis der Entwicklung „höherer“ Leistungen enthalten. Diese „Höherentwicklung“ war theoretisch auch auf die Evolution und auf die Reflexologie zu übertragen. Die Übernahme evolutionärer Gesichtspunkte war bereits durch den Nervismus erfolgt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DörnerB&amp;amp;I&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZetkinWBM&amp;quot; details=&amp;quot;S. 966 zu Lemma „Nervismus“.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitere Entwicklungen ==&lt;br /&gt;
Die Lehren Pawlows und Bechterews nahmen die später selbstverständlichen Erkenntnisse der [[Neuronentheorie]], der [[Nervenbahn]]en und der im [[Zentrales Nervensystem|ZNS]] lokalisierbaren [[Zentrum (Neuroanatomie)|Schaltzentren]] vorweg. Die Forschungsrichtung sah hintereinander geschaltete Reflexe als Ursache nicht nur für komplexe Bewegungsabfolgen, sondern auch für geistige Leistungen an ([[Reflexkettentheorie]]).&amp;lt;ref name=&amp;quot;BechterewAGR&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;BechterewDKR&amp;quot; /&amp;gt; Auf der logischen Ebene ursächlicher Relationen und Verkettungen solcher [[Leistungspsychologie|Leistungen]] entwickelte Pawlow die Theorie unterschiedlicher [[Signalsystem]]e.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;!--PetersLPS_d--&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;GPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 252 zu Stw. „regeltechnische Modelle im Dienst Pawlowscher Theorie“.&amp;quot; /&amp;gt; In ähnlichem Zusammenhang hat [[Charles Scott Sherrington]] (1857–1952) die [[Regelungstheorie]] in die Reflexologie einbezogen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;BossRLX&amp;quot; details=&amp;quot;S. 1457 zu Lemma „Reflexologie“.&amp;quot; /&amp;gt; Diese Auffassungen beeinflussten den sich in den [[Vereinigte Staaten|USA]] Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitenden [[Behaviorismus]]. Dieser wollte eine neue objektive Methode für die Untersuchung psychischer Vorgänge sein.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Birk Engmann |Titel=Auf der Suche nach Objektivität – das Reflexologie-Konzept als Versuch einer mechanistischen Seelenkunde |Sammelwerk=Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie |Band=88 |Nummer=04 |Datum=2020-04 |ISSN=0720-4299 |DOI=10.1055/a-1060-8665 |Seiten=241–247 |Online=http://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/a-1060-8665 |Abruf=2020-11-06}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Gegenpol zur Reflexkettentheorie entwickelte sich in den 1930er-Jahren die [[Instinkttheorie]] der [[Ethologie|klassischen vergleichenden Verhaltensforschung]] (Ethologie), in der ein Zusammenspiel von äußeren [[Reiz]]en und inneren Antrieben ([[Instinkt]]en) betont wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Würdigung ==&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse der Reflexologie am Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die bisherige Psychologie vor eine Herausforderung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HofstätterFLP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 9 zu Stw. „Krise der Psychologie“.&amp;quot; /&amp;gt; Auch wenn bereits Wundt eine [[experimentelle Psychologie]] betrieben hatte, so suchte diese doch nach den Beziehungen zwischen [[Erlebnis]]sen und objektiven (physikalischen) [[Das Gegebene|Gegebenheiten]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;HofstätterFLP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 9 f. zu Stw. „Wundtsche Lehre und die objektive Psychologie“;.&amp;quot; /&amp;gt; Solche Aufgabenstellungen lehnte die „objektive Psychologie“ Pawlows und Bechterews ab. In [[positivistisch]]em Sinne hielten sie eine [[Innenpsychologie]] für belanglos. Sie teilten die schon von den antiken Skeptikern und zuletzt von [[Immanuel Kant]] geäußerten Bedenken gegen die Zuverlässigkeit der [[Selbstbeobachtung]] oder etwa der [[Selbstberichtsverfahren]]. Kant schrieb, dass „die Beobachtung an sich [selbst] schon den Zustand des beobachteten Gegenstandes alteriert und verstellt“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;KantMANW&amp;quot; /&amp;gt; Daher wurde versucht, alles seelische Geschehen in messbare Reflexe aufzulösen, die verstärkt oder gehemmt werden können. Hauptsächlich unterschiedliche Hemmungen – wie etwa bei der [[Neurasthenie]] – oder der Zusammenstoß erregender und hemmender Stimuli erzeugen nach Pawlow die verschiedenen psychiatrischen Störungen. Er konnte sich bei diesen Annahmen auch auf die Arbeiten von [[Iwan Michailowitsch Setschenow]] (1829–1905) und Botkin stützen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 98, zu Stw. „Auflösung aller eigentlich psychischen Terminologie“.&amp;quot; /&amp;gt; Ihre als [[Nervismus]] bekannte Lehre bestätigt die Hemmung entwicklungsgeschichtlich „niedrigerer Zentren“ durch die „höheren“. Pawlow erkannte, dass die „niedrigeren Zentren“ den unkonditionierten nervösen Aktivitäten entsprechen, die „höheren“ den im Verlauf der Entwicklungsgeschichte konditionierten Aktivitäten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZetkinWBM&amp;quot; details=&amp;quot;S. 1057 zu Lemma „Pawlow“.&amp;quot; /&amp;gt; Als praktische Anwendung der Reflexologie ist auf die [[Lernpsychologie]] sowie auf die [[Werbung]]sindustrie hinzuweisen. Die Werbungspraxis besitzt allerdings den negativen Geruch unterschwelliger Beeinflussung und Nutzung von Vorurteilen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZimbardoPSG&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Herausforderung der Psychologie durch die Arbeiten Pawlows und Becherews steht nicht zuletzt im Zusammenhang mit eher zeitbedingten [[Wissenschaftssoziologie|wissenschaftssoziologisch]] zu verstehenden Auffassungen nicht nur in Russland, die zu einer Betonung naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden beitrugen. Außerdem führten die politischen Entwicklungen in Russland zur Lebenszeit dieser Forscher, speziell in den revolutionären Ereignissen des  Jahrs 1918, primär zu einer Stärkung des naturwissenschaftlichen Forschungsansatzes. Dies bedeutet, dass die Reflexologie bis heute die in Russland offiziell anerkannte Form [[Psychosomatische Medizin|psychosomatischer Medizin]] darstellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;GPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 166 zu Stw. „politische Faktoren“.&amp;quot; /&amp;gt; Ackerknecht spricht hier sogar von „[[Staatsreligion]]“. Er meint, dass Widersprüche in der Theorie der Reflexologie immer neue und daher leider immer absonderlichere Thesen erforderten, was die psychiatrische Krankheitslehre betrifft. Er schildert einige dieser psychologischen und psychopathologischen Thesen, wie etwa Pawlows Forderung nach dem Vorhandensein eines „Freiheitsreflexes“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 98, zu Stw. „Staatsreligion, Freiheitsreflex“.&amp;quot; /&amp;gt; Bechterew veranlasste seit 1918 einfache, methodisch fragwürdige [[Sozialpsychologie|sozialpsychologische]] Leistungsexperimente, die er unter dem Begriff der „[[kollektiv]]en Reflexologie“ zusammenfasste.&amp;lt;ref name=&amp;quot;BechterewDKR&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;RitterHWPh&amp;quot; /&amp;gt; Es kann als trauriges und zugleich tragisches Zusammentreffen bezeichnet werden, dass die seinerzeit in Laboratorien durchgeführten experimentellen Untersuchungen und Konditionierungen sowie die damit – einschließlich der im Behaviorismus – üblich gewordenen [[Tierversuche]] ihr politisches Gegengewicht in den Straf- und [[Konzentrationslager]]n fanden, indem Umerziehung mittels [[Gehirnwäsche]] praktiziert wurde. Dieser noch heute spürbare Trend mag – wie Ackerknecht schätzt – als einzige praktische Anwendung der Pawlowschen Reflexpsychiatrie politisch anregend gewirkt haben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 100 zu Stw. „Gehirnwäsche“.&amp;quot; /&amp;gt; Thure von Uexküll spricht im gleichen Zusammenhang auch von anderen Forschern, wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Sigmund Freud]], die von dem durch die Naturwissenschaft der damaligen Zeit geprägten [[Weltbild]] beeindruckt waren, über das aber Pawlow sich offensichtlich nicht ebenso Rechenschaft gab. Dies erkläre, dass am Ende nicht mehr eine wissenschaftlich geprägte „Reflexologie“ sondern eine „materialistische Reflexmythologie“ entstand.&amp;lt;ref name=&amp;quot;GPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 166 zu Stw. „materialistische Reflexmythologie“.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Problem des eigentlich Psychischen ([[Qualia]]) kann zwar einschließlich einer Negation psychischer Terminologie anhand experimentell gewonnener Daten thematisiert werden, die entsprechenden [[Aufwärts-Effekt#Pawlow|Erkenntnisprozesse]], Schlussfolgerungen und psychiatrischen Thesen der Reflexologie erscheinen jedoch teilweise zu willkürlich und [[reduktionistisch]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZimbardoPSG&amp;quot; /&amp;gt; Die Definition der Reflexologie nach Bechterew und Pawlow als „Wissenschaft objektiv-biosozialer Erforschung der menschlichen Persönlichkeit in ihrer physikalisch-kosmischen u. sozialen Umgebung“&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchischkoffPWB&amp;quot; details=&amp;quot;SchischkoffPWB_b.&amp;quot; /&amp;gt; erscheint insofern zweifelhaft, als zwar der Anspruch auf einen objektiven und universellen Geltungsbereich dieser Tatsachen gestellt wird, dieser aber mit dem Ausschluss jeder [[Subjektivität]] kontrastiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchurigWRV&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchurigRVT&amp;quot; /&amp;gt; [[Intersubjektivität]] ist nach Habermas die Basis jedes Alltagsverständnisses.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HabermasLDS5&amp;quot; /&amp;gt; Zweifel an der Allgemeingültigkeit der Reflexologie wird insbesondere in der von Dörner gestellten Frage deutlich, warum die Soziologie zwar die Ansätze der Psychoanalyse, nicht aber die früheren Ansätze der Psychiatrie aufgriff?&amp;lt;ref name=&amp;quot;DörnerB&amp;amp;I&amp;quot; /&amp;gt; Unter solchen „früheren Ansätzen der Psychiatrie“ sind die auch seit 1850 in der [[Klassische deutsche Psychiatrie|klassischen deutschen Psychiatrie]] unübersehbaren naturwissenschaftlichen Ansätze zu verstehen, die aufgrund der damals führenden Rolle Deutschlands offensichtlich nicht ohne Einfluss auf die russische Reflexologie geblieben sind. Dörner führt aus, dass Freud die Grenzen zwischen Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaft unscharf hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofstätter glaubt, dass die Herausforderung, vor die sich die Psychologie durch die Reflexologie gestellt sah, in dem damals ermangelnden allgemeinen Bewusstsein bestand, dass sich in dieser noch jungen Wissenschaft sowohl naturwissenschaftliche als auch sozial- und geisteswissenschaftliche Aspekte vereinen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HofstätterFLP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 10 ff. zu Stw. „Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften“.&amp;quot; /&amp;gt; Die Negation einer Innenpsychologie bestand demnach in der Vernachlässigung der Gesamtheit dieser Aspekte. So berücksichtigt die objektive Psychologie eher das Vorliegen einer [[Organneurose]], bei der die vegetativen Funktionen im Sinne einer [[Bereitstellungskrankheit]] gestört sind, als die Diagnose einer [[Ausdruckskrankheit]] zu stellen, bei der das eigene [[Ich]] leidet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;GPS&amp;quot; details=&amp;quot;S. 165 zu Stw. „Organneurose“.&amp;quot; /&amp;gt; Das unterscheidet die Denkweise Pawlows von der [[Wilhelm Griesinger]]s (1817–1868). Dieser hatte sich ebenfalls mit einer Reflextheorie aufgrund experimenteller Daten befasst, war aber zu ganz anderen Schlüssen hinsichtlich der Innenppsychologie gekommen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot; details=&amp;quot;S. 64 f. zu Stw. „Griesingers Reflextheorie“.&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Alternativmedizin ==&lt;br /&gt;
Abzugrenzen von diesen Forschungsrichtungen ist die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Reflextherapie&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, die in der Gegenwart bisweilen auch als &amp;#039;&amp;#039;Reflexologie&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet wird.&amp;lt;ref name=&amp;quot;BossRLX&amp;quot; details=&amp;quot;S. 1457 zu Lemma „Reflextherapie“.&amp;quot; /&amp;gt; Hierunter wird eine Druck- und Massagetechnik ([[Reflexzonenmassage]]) verstanden, die eine Verbindung bestimmter Bereiche auf der Oberfläche des menschlichen Körpers mit bestimmten inneren Organen herstellt. Auch soll beispielsweise die [[Headsche Zone]] [[alternativmedizin]]isch genutzt werden können, um im Wege einer &amp;#039;&amp;#039;Umkehr&amp;#039;&amp;#039; des Reflexgeschehens innere Organe zu beeinflussen; Ähnliches wird für die &amp;#039;&amp;#039;Mackenzie-Zonen&amp;#039;&amp;#039; in Bezug auf bestimmte Muskelbereiche behauptet. In einer 2011 publizierten [[Systematische Übersichtsarbeit|Literaturübersicht]] (Review) wurde zusammenfassend festgestellt, dass es keine Studien mit überzeugenden Belegen für eine Wirksamkeit dieser Behandlungsformen gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Edzard W. Ernst et al.: &amp;#039;&amp;#039;Reflexology: an update of a systematic review of randomised clinical trials.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Maturitas.&amp;#039;&amp;#039; Band 68, Nr. 2, 2011, S. 116–120, [[doi:10.1016/j.maturitas.2010.10.011]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Reflexology|Reflexologie}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;AckerknechtKGP&amp;quot;&amp;gt;[[Erwin H. Ackerknecht]]: &amp;#039;&amp;#039;Kurze Geschichte der Psychiatrie&amp;#039;&amp;#039;. [1967] 3. Auflage, Enke, Stuttgart 1985, ISBN 3-432-80043-6&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ArnoldLDP&amp;quot;&amp;gt;[[Wilhelm Karl Arnold]] et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Psychologie&amp;#039;&amp;#039;. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;BechterewAGR&amp;quot;&amp;gt;[[Wladimir Michailowitsch Bechterew]]: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeine Grundlagen der Reflexologie des Menschen.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Franz Deuticke, Leipzig und Wien 1926.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;BechterewDKR&amp;quot;&amp;gt;Wladimir Michailowitsch Bechterew: &amp;#039;&amp;#039;Die kollektive Reflexologie.&amp;#039;&amp;#039; Carl Marhold Verlagsgesellschaft, Halle/Saale 1928.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;BossRLX&amp;quot;&amp;gt;Norbert Boss (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Roche Lexikon Medizin&amp;#039;&amp;#039;. 2. Auflage. Hoffmann-La Roche AG und Urban &amp;amp; Schwarzenberg, München 1987, ISBN 3-541-13191-8&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;DörnerB&amp;amp;I&amp;quot;&amp;gt;[[Klaus Dörner]]: &amp;#039;&amp;#039;Bürger und Irre&amp;#039;&amp;#039;. Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. [1969] Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt / M 1975, ISBN 3-436-02101-6; S.&amp;amp;nbsp;10&amp;amp;nbsp;f. zu Stw. „Gründe für die Präferenz der Soziologie für psychoanalytische Modelle“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;HabermasLDS5&amp;quot;&amp;gt;[[Jürgen Habermas]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Universalitätsanspruch der Hermeneutik.&amp;#039;&amp;#039; [1970] In: „Zur Logik der Sozialwissenschaften“. 5. Auflage, Suhrkamp Taschenbuch, Wissenschaft 517, Frankfurt 1982, ISBN 3-518-28117-8; S.&amp;amp;nbsp;332, 340, 345, 349 u. ö. zu Stw. „Intersubjektivität“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;HofstätterFLP&amp;quot;&amp;gt;[[Peter R. Hofstätter]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Psychologie&amp;#039;&amp;#039;. Das Fischer Lexikon, Fischer-Taschenbuch, Frankfurt a.&amp;amp;nbsp;M. 1972, ISBN 3-436-01159-2&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;JaspersAPP&amp;quot;&amp;gt;[[Karl Jaspers]]: &amp;#039;&amp;#039;Allgemeine Psychopathologie&amp;#039;&amp;#039;. 9. Auflage, Springer, Berlin 1973, ISBN 3-540-03340-8; S.&amp;amp;nbsp;130 ff., 133 ff., 150 f., 156, 403; zu Stw. „psychischer Reflexbogen“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;KantMANW&amp;quot;&amp;gt;[[Immanuel Kant]]: &amp;#039;&amp;#039;Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft&amp;#039;&amp;#039;. [1786] bey [[Johann Friedrich Hartknoch]], Riga; S. XI. In: Sämtliche Werke, RM-Buch und Medienvertrieb, © by Mundus, Band 5 „Naturphilosophie“, S.&amp;amp;nbsp;134 - [http://www.philosophiebuch.de/metannat.htm Philosophiebuch.de]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;PetersLPS&amp;quot;&amp;gt;[[Uwe Henrik Peters]]: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, Medizinische Psychologie&amp;#039;&amp;#039;. 5. Auflage, Urban &amp;amp; Fischer, München 2000; ISBN 3-437-15060-X&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;RitterHWPh&amp;quot;&amp;gt;[[Rudolf Bergius]]: &amp;#039;&amp;#039;Reflexologie.&amp;#039;&amp;#039; In: J. Ritter/K. Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 8, Schwabe Verlag Basel, 1992; Druckausgabe, 13 Bände, 1971 bis 2007, ISBN 978-3-7965-0115-9; Sp. 408 f., [https://www.schwabeonline.ch/schwabe-xaveropp/elibrary/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27verw.reflexologie%27%20and%20%40outline_id%3D%27hwph_verw.reflexologie%27%5D online] eingeschränkte Textversion, abgerufen am 22. Mai 2021.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchischkoffPWB&amp;quot;&amp;gt;[[Heinrich Schmidt (Philosoph)|Heinrich Schmidt]]: &amp;#039;&amp;#039;Philosophisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Kröners Taschenausgabe.&amp;#039;&amp;#039; 13). 21. Auflage, neu bearbeitet von [[Georgi Schischkoff]]. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-01321-5&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchurigWRV&amp;quot;&amp;gt;[[Volker Schurig (Psychologe)|Volker Schurig]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Widerlegung der Reflexkettentheorie des Verhaltens (1935) und ihre Folgen für die biologische Wissenschaftsentwicklung.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Biologisches Zentralblatt.&amp;#039;&amp;#039; Band 113, Nr. 2, 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;SchurigRVT&amp;quot;&amp;gt;Volker Schurig: &amp;#039;&amp;#039;Reflextheorie versus Tätigkeitskonzept&amp;#039;&amp;#039;. Pawlows Blockade eines Paradigmenwechsels in der sowjetischen Psychologie. In: Norbert Kruse und Manfred Ramme (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Hamburger Ringvorlesung Kritische Psychologie. Wissenschaftskritik, Kategorien, Anwendungsgebiete.&amp;#039;&amp;#039; Ergebnisse Verlag, Hamburg 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GPS&amp;quot;&amp;gt;[[Thure von Uexküll]]: &amp;#039;&amp;#039;Grundfragen der psychosomatischen Medizin.&amp;#039;&amp;#039; Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 1963:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(a) S. 252 zu Stw. „regeltechnische Modelle im Dienst Pawlowscher Theorie“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZetkinWBM&amp;quot;&amp;gt;Zetkin-Schaldach: &amp;#039;&amp;#039;Wörterbuch der Medizin&amp;#039;&amp;#039;. dtv, München und Georg Thieme, Stuttgart 1980; ISBN 3-423-03029-1 (dtv) und ISBN 3-13-382206-3 (Thieme)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ZimbardoPSG&amp;quot;&amp;gt;[[Philip G. Zimbardo]], Richard J. Gerrig: &amp;#039;&amp;#039;Psychologie&amp;#039;&amp;#039;. Pearson, Hallbergmoos bei München 2008, ISBN 978-3-8273-7275-8; S.&amp;amp;nbsp;152–156 zu Stw. „Bottom-up-Verarbeitung“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Reflex]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neurophysiologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Evolution]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alternativmedizin]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Thomas Dresler</name></author>
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