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	<title>Rechtsgut - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Trace OB am 21. Oktober 2025 um 11:10 Uhr</title>
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		<updated>2025-10-21T11:10:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Rechtsgut&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein durch die [[Rechtsordnung]] geschütztes Gut oder Interesse.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.duden.de/rechtschreibung/Rechtsgut &amp;#039;&amp;#039;Rechtsgut, das&amp;#039;&amp;#039;] duden.de, abgerufen am 29. August 2017&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rechtsgüterschutz ist Hauptaufgabe des [[Strafrecht]]s&amp;lt;ref&amp;gt;Sabine Swoboda: &amp;#039;&amp;#039;Die Lehre vom Rechtsgut und ihre Alternativen&amp;#039;&amp;#039;. [[Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft|ZStW]] 2010, S. 24 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; und hat dort strafbarkeitsbeschränkende Funktion. Eine Strafrechtsnorm soll nach der Rechtsgutlehre nur dann legitim sein, wenn sie dem Schutz von Rechtsgütern dient. Anders als nach der Lehre von der Rechtspflichtverletzung&amp;lt;ref&amp;gt; [[Wilhelm Gallas]], Festschrift für [[Wenzeslaus von Gleispach|Gleispach]], 1936, S. 50 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder der Auffassung vom personalen Unrechtsbegriff von [[Hans Welzel]] stellt das Rechtsgutkonzept den [[Unwert|Erfolgsunwert]] einer Handlung in den Vordergrund.&amp;lt;ref&amp;gt;Detlef Krauß: &amp;#039;&amp;#039;Erfolgsunwert und Handlungsunwert im Unrecht.&amp;#039;&amp;#039; [[Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft|ZStW]] 1964, [https://www.degruyter.com/view/j/zstw.1964.76.issue-1/zstw.1964.76.1.19/zstw.1964.76.1.19.xml online] erschienen am 2. November 2009&amp;lt;/ref&amp;gt; Moralische Vorstellungen und bloße Gefühle werden danach nicht durch das Strafrecht geschützt und bestraft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Eric Hilgendorf]]: [http://www.zparl.nomos.de/fileadmin/nk/doc/Aufsatz_NK_10_04.pdf &amp;#039;&amp;#039;Punitivität und Rechtsgutslehre. Skeptische Anmerkungen zu einigen Leitbegriffen der heutigen Strafrechtstheorie&amp;#039;&amp;#039;] [[Neue Kriminalpolitik|NK]] 2010, S. 125–131&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
[[Johann Michael Franz Birnbaum]] führte die Idee ein, verletzen könne man nicht &amp;#039;&amp;#039;Rechte&amp;#039;&amp;#039;, sondern nur die rechtsgegenständlichen &amp;#039;&amp;#039;Güter.&amp;#039;&amp;#039; Damit begann der „Übergang von der Rechtsverletzungslehre zur Rechtsgutsverletzungslehre“. Zunächst ermöglichte sie eine Erweiterung des Strafrechts. Heute wird sie meist als Begrenzung und Auslegungsrichtlinie aufgefasst.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Thomas Vormbaum |Titel=Einführung in die moderne Strafrechtsgeschichte |Verlag=Springer Berlin Heidelberg |Ort=Berlin, Heidelberg |Datum=2019 |Reihe=Springer-Lehrbuch |ISBN=978-3-662-59962-4 |DOI=10.1007/978-3-662-59963-1 |Seiten=52–59 |Online=http://link.springer.com/10.1007/978-3-662-59963-1 |Abruf=2022-03-22}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deliktsrecht ==&lt;br /&gt;
[[Deliktsrecht (Deutschland)|Deliktisch]] geschützte Rechtsgüter sind insbesondere das Leben, der Körper, die Ehre, die Freiheit und das Eigentum ({{§|823|bgb|juris}} Abs. 1 BGB). Das [[Grundgesetz]] nennt in Art. 1 bis 19 GG [[Grundrecht|grundrechtlich]] geschützte Rechtsgüter. Höchsten Rang genießt danach die vorbehaltlos garantierte [[Menschenwürde]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art und Anzahl der geschützten Rechtsgüter sind nicht abschließend definiert. Dazu zählen etwa „das sich im Mutterleib entwickelnde Leben“&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv039001.html BVerfG, Urteil vom 25. Februar 1975 - 1 BvF 1, 2, 3, 4, 5, 6/74]&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso wie das „Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Märkte“.&amp;lt;ref&amp;gt;Katharina Beckemper: [http://zis-online.com/dat/artikel/2011_5_563.pdf &amp;#039;&amp;#039;Das Rechtsgut „Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Märkte“&amp;#039;&amp;#039;] [[Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik|ZIS]] 2011, S. 318–323&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kollision verschiedener Rechtsgüter bedarf es einer [[Güterabwägung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verhältnis von Rechtsgut und Norm ==&lt;br /&gt;
Rechtspolitisch und dogmatisch umstritten ist, ob der Gesetzgeber durch seine Entscheidung die einzelnen Rechtsgüter erst schafft, indem er sie in einer bestimmten Strafnorm schützt (&amp;#039;&amp;#039;normativer&amp;#039;&amp;#039; Rechtsgutsbegriff) oder ob es dem Gesetzgeber vorgegebene Rechtsgüter gibt, die dieser durch die Schaffung von Strafnormen unter Schutz stellen muss (&amp;#039;&amp;#039;überpositiver&amp;#039;&amp;#039; Rechtsgutsbegriff).&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv120224.html BVerfGE 120, 224] Rdnr. 39&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Relevant wurde diese Diskussion etwa mit dem [[Inzest#Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2008|Inzest-Beschluss]] des [[Bundesverfassungsgericht]]s von 2008.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Claus Roxin]]: &amp;#039;&amp;#039;Zur Strafbarkeit des Geschwisterinzests&amp;#039;&amp;#039;. [[Strafverteidiger (Zeitschrift)|StV]] 2009, S. 544–550&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Luís Greco]]: [http://www.zis-online.com/dat/artikel/2008_5_235.pdf &amp;#039;&amp;#039;Was lässt das Bundesverfassungsgericht von der Rechtsgutslehre übrig? Gedanken anlässlich der Inzestentscheidung des Bundesverfassungsgerichts&amp;#039;&amp;#039;] [[Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik|ZIS]] 2008, S. 234–238&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;John Philipp Thurn: [http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/2009/KJ_09_01_06.pdf &amp;#039;&amp;#039;Eugenik und Moralschutz durch Strafrecht?  Verfassungsrechtliche Anmerkungen zur Inzestverbotsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts&amp;#039;&amp;#039;] [[Kritische Justiz]] 2009, S. 74–83&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Armin Engländer]]: [https://www.degruyter.com/view/j/zstw.2015.127.issue-3/zstw-2015-0031/zstw-2015-0031.xml &amp;#039;&amp;#039;Revitalisierung der materiellen Rechtsgutslehre durch das Verfassungsrecht?&amp;#039;&amp;#039;] [[Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft|ZStW]] 2015, S. 616–634&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arten ==&lt;br /&gt;
Das Strafrecht unterscheidet gemeinhin zwischen Individual- und Kollektivrechtsgütern. Die [[Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches#Straftaten gegen die öffentliche Ordnung|Straftaten gegen die öffentliche Ordnung]] unterscheiden insoweit nicht trennscharf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Roland Hefendehl]]: [http://www.zis-online.com/dat/artikel/2012_10_706.pdf &amp;#039;&amp;#039;Die Rechtsgutslehre und der Besondere Teil des Strafrechts: Ein dogmatisch-empirischer Vergleich von Chile, Deutschland und Spanien&amp;#039;&amp;#039;] [[Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik|ZIS]] 2012, S. 506–512&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung spielt vor allem eine Rolle für die Auslegung eines bestehenden Strafgesetzes, aber auch etwa für die Güterabwägung beim [[Rechtfertigender Notstand (Deutschland)#Verhältnismäßigkeit|rechtfertigenden Notstand]] ({{§|34|stgb|juris}} StGB) oder die Möglichkeit einer rechtfertigenden [[Einwilligung (Strafrecht)|Einwilligung]], die es nur bei Individualrechtsgütern gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle | autor=[[Martin Heger]] | url=https://www.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/hgr/stm/vl_kpol_ss2016.pdf | titel=Kriminalpolitik und Strafrechtsdogmatik | kommentar=Vorlesung „Kriminalpolitik in der BRD“ 2016, S. 1/2 | abruf=2025-09-01}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der verfassungsrechtlich normierten Gleichheit vor dem Strafgesetz ({{Art.|3|gg|juris}} Abs. 1 GG) kommt eine weitere Differenzierung nicht in Betracht.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Reulecke: &amp;#039;&amp;#039;Gleichheit und Strafrecht im deutschen Naturrecht des 18. und 19. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; [[Mohr Siebeck]], 2007. ISBN 978-3-16-149354-6&amp;lt;/ref&amp;gt; Exklusive, [[Höchstpersönliches Recht|höchstpersönliche Rechtsgüter]], die nicht alle Individuen gleichermaßen schützen, gibt es im Strafrecht nicht. Einen [[Strafantrag (Deutschland)#Antragsberechtigung|Strafantrag]] kann aber grundsätzlich nur der [[Verletzter (Strafprozessrecht)|Verletzte]] stellen ({{§|77|stgb|juris}} Abs. 1 StGB).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Individuelle Rechtsgüter ===&lt;br /&gt;
Individuelle Rechtsgüter dienen den Interessen einzelner Individuen. Sie unterliegen der Verfügung des Einzelnen.&amp;lt;ref&amp;gt;BGH, Beschluss vom 14. Mai 1970, Aktenzeichen {{Rspr|4 StR 131/69}}, BGHSt 23, 261&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei den individuellen Rechtsgütern werden die Rechtsgüter der [[Vermögensdelikt (Deutschland)|Vermögensdelikte]], die Rechtsgüter der [[Körperintegrität|körperlichen Integrität]] und die sog. persönlichkeitskonstituierenden Rechtsgüter, etwa die durch die [[Ehrdelikt]]e geschützten Rechtsgüter unterschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kollektive Rechtsgüter ===&lt;br /&gt;
Kollektive Rechtsgüter dienen den Interessen beliebig vieler Personen, mit anderen Worten der Allgemeinheit. Die Literatur unterscheidet vier unterschiedliche Gruppen kollektiver Rechtsgüter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die kollektiven Vertrauensrechtsgüter mit dem Beispiel des Vertrauens in die Sicherheit des Geldes ([[Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches#Geld- und Wertzeichenfälschung|Geld- und Wertzeichenfälschung]]),&lt;br /&gt;
* die Rechtsgüter zum Schutz aufzehrbarer gesellschaftlicher Kontingente mit dem Beispiel der [[Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches#Straftaten gegen die Umwelt|Umweltrechtsgüter]],&lt;br /&gt;
* staatliche Funktionsrechtsgüter mit dem Beispiel des [[Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches#Friedensverrat, Hochverrat und Gefährdung des demokratischen Rechtsstaates|Bestands des Staates]] und seiner [[Liste der Tatbestände des deutschen Strafgesetzbuches#Straftaten gegen Verfassungsorgane sowie bei Wahlen und Abstimmungen|Einrichtungen]] sowie&lt;br /&gt;
* aufzehrbare staatliche Kontingente mit dem Beispiel des [[Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt|Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchsten Güter der internationalen Gemeinschaft sind nach Präambel Abs. 3 des [[Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs|Rom-Statuts]] „der Frieden, die Sicherheit und das Wohl der Welt“.&amp;lt;ref&amp;gt;Lars Berster: [http://www.zis-online.com/dat/artikel/2017_5_1107.pdf &amp;#039;&amp;#039;Leichenschändung als Kriegsverbrechen&amp;#039;&amp;#039;] Besprechung von BGH, Beschluss vom 8. September 2016 – StB 27/16. [[Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik|ZIS]] 2017, S. 264, 269&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutz durch die Rechtsordnung ==&lt;br /&gt;
=== Individualrechtsgüter ===&lt;br /&gt;
Typische Individualrechtsgüter werden in Deutschland durch die [[Grundrechte]] geschützt: [[Menschenwürde]], [[körperliche Unversehrtheit]] (Leib und Leben), Eigentum, aber auch Ehre, [[sexuelle Selbstbestimmung]] u.&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;m. Diese Grundrechte gewähren oder garantieren (je nach rechtsphilosophischem Standpunkt) gegenüber dem Staat [[subjektives Recht|subjektiven Rechte]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgüter sind in der Regel „disponibel“ (verfügbar). Der Inhaber eines Rechtsguts kann nach seinem freien Willen über seine Rechtsgüter verfügen (disponieren). Eine Ausnahme bilden nach ganz [[herrschende Meinung|herrschender Meinung]] die Menschenwürde sowie das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die widerrechtlichen Rechts- und Rechtsgutsverletzungen werden [[zivilrecht]]lich im Recht der [[unerlaubte Handlung|unerlaubten Handlungen]] ([[Deliktsrecht (Deutschland)|Deliktsrecht]]) (§{{§|823|bgb|juris}} ff. [[Bürgerliches Gesetzbuch|BGB]]) geschützt und können [[Schadensersatz]]ansprüche auslösen. Zugleich können [[Unterlassungsanspruch|Unterlassung]]s- und [[Beseitigung]]sansprüche in entsprechender Anwendung von {{§|1004|bgb|juris}} BGB bestehen (so genannter „[[quasinegatorischer Anspruch]]“). Hinsichtlich von Rechtsfolgen muss es zu keiner Schädigung des Rechtsgutes kommen („substanzontologischer Rechtsgutsbegriff“), zivilrechtlich benötigt ein Schadensersatz jedoch immer einen merkantilen Schaden. Daneben kann bei immateriellen Schäden in bestimmten Fällen [[Schmerzensgeld]] ({{§|253|bgb|juris}} Abs. 2 BGB) als Rechtsfolge zuerkannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschreiten die widerrechtlichen Eingriffe eine gewisse Schwelle, so kann dies strafrechtlich geahndet werden. Die Schwelle bestimmt sich dabei nach dem jeweiligen [[Erfolgsunwert|Erfolgs-]] und [[Handlungsunwert]]. Der strafrechtliche Schutz der Individualrechtsgüter ergibt sich aus der Pflicht des [[Rechtsstaat|Rechts-]] und [[Sozialstaat]]s, die individuellen Rechtsgüter zu schützen. Ein strafrechtlich relevanter Eingriff in Individualrechtsgüter ist gleichzeitig ein Eingriff in die [[Rechtsordnung]] als solche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem strafrechtlichen Schutz von Rechtsgütern sind nach dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der [[Verhältnismäßigkeitsprinzip|Verhältnismäßigkeit]] jedoch Grenzen gesetzt. Nur wenn der Schutz eines Rechtsgutes auf keinem anderen Weg erreicht werden kann, dürfen staatliche Sanktionen eingesetzt werden (z.&amp;amp;nbsp;B. der &amp;#039;&amp;#039;Strafanspruch des Staates&amp;#039;&amp;#039;). Da das Strafrecht insofern erst als letztes mögliches Mittel zum Schutz eines Rechtsguts eingesetzt wird, spricht man in diesem Zusammenhang häufig von der [[Subsidiarität (Recht)|Subsidiarität]] des Strafrechts oder dem Strafrecht als [[ultima ratio]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kollektivrechtsgüter ===&lt;br /&gt;
Kollektivrechtsgüter werden zivilrechtlich nicht beziehungsweise kaum geschützt, da ihre Verletzung in der Regel den einzelnen nicht unmittelbar schädigt. Widerrechtliche Eingriffe in Kollektivrechtsgüter werden [[verwaltungsrecht]]lich als [[Ordnungswidrigkeit]]en oder strafrechtlich beispielsweise als Täuschung im Rechtsverkehr ([[Urkundenfälschung]]) sanktioniert. Kollektivrechtsgüter sind auch die „Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs“, geschützt gem. {{§|1|stvo|juris}} [[StVO (D)|StVO]] in der Pflicht zur gegenseitigen Rücksicht oder die Umwelt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen als natürliche Lebensgrundlage des Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt; Roland Hefendehl: [https://strafrecht-online.org/lehre/ws-2013/wirtschaftsstrafrecht/%C2%A7%2014%20Umweltstrafrecht%20%28Teil%201%29%20KK%20399-410.pdf &amp;#039;&amp;#039;Schutz von kollektiven Rechtsgütern/Umweltstrafrecht&amp;#039;&amp;#039;]  Universität Freiburg, 2013&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutzgüter ==&lt;br /&gt;
Die [[Risikoanalyse]] versteht als Schutzgüter alles, was aufgrund seines ideellen oder materiellen Wertes vor einem Schaden bewahrt werden soll.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.bbk.bund.de/DE/Servicefunktionen/Glossar/_function/glossar.html?lv3=1957490&amp;amp;lv2=4968186 &amp;#039;&amp;#039;Schutzgut&amp;#039;&amp;#039;] Website des [[Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe|Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe]], Glossar, abgerufen am 30. August 2017&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Zivilschutz (Deutschland)|Zivilschutz]] umfasst beispielsweise den Schutz der Gesundheit, der öffentlichen [[Infrastruktur]] oder auch den Schutz von [[Kulturgutschutz|Kulturgütern]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem im [[Umweltrecht]] geltenden [[Vorsorgeprinzip]] werden Schutzgüter wie beispielsweise der [[Boden (Bodenkunde)#Bodenfunktionen|Boden]] und seine Funktion im Naturhaushalt durch die [[Eingriffsregelung in Deutschland|naturschutzrechtliche Eingriffsregelung]] erfasst und bewertet, um konkurrierende Bodennutzungen fachgerecht untereinander und gegeneinander abwägen zu können und Beeinträchtigungen zu kompensieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.lfu.bayern.de/boden/bodenfunktionen/ertragsfaehigkeit/doc/arbeitshilfe_boden.pdf &amp;#039;&amp;#039;Das Schutzgut Boden in der Planung. Bewertung natürlicher Bodenfunktionen und Umsetzung in Planungs- und Genehmigungsverfahren&amp;#039;&amp;#039;] [[Bayerisches Landesamt für Umwelt|Bayerisches Landesamt für Umweltschutz]], Augsburg 2003, ISBN 3-936385-44-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/225761/schutzgut_boden_naturschutzrechtlichen_eingriffsregelung.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=schutzgut_boden_naturschutzrechtlichen_eingriffsregelung.pdf &amp;#039;&amp;#039;Das Schutzgut Boden in der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung&amp;#039;&amp;#039;] Arbeitshilfe. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, 2. überarbeitete Auflage, Dezember 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu den Schutzgütern, die bei einer [[Umweltprüfung]] z.&amp;amp;nbsp;B. nach dem [[Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung]] zu betrachten sind, zählen [[Mensch]]en, insbesondere die menschliche [[Gesundheit]], Tiere, Pflanzen und die [[biologische Vielfalt]], Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft, kulturelles Erbe und sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkungen zwischen den genannten Schutzgütern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anglo-amerikanisches Recht ==&lt;br /&gt;
Die Dogmatik des [[Common Law|angelsächsischen Rechtskreises]] kennt keine echte Entsprechung zum Begriff des Rechtsguts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders als die deutsche Rechtsgut-Theorie herrscht im anglo-amerikanischen Strafrechtsverständnis das &amp;#039;&amp;#039;Harm Principle&amp;#039;&amp;#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;Markus Dubber: [http://www.lawlib.utoronto.ca/bclc/crimweb/bboard/Dubber%20Rechtsgut.pdf &amp;#039;&amp;#039;Rechtsgut and Harm Principle&amp;#039;&amp;#039;] Universität Toronto, 2006 (englisch)&amp;lt;/ref&amp;gt; das auf den britischen Philosophen [[John Stuart Mill#Grenzen der Entwicklungsfreiheit und Straffrage|John Stuart Mill]] zurückgeht&amp;lt;ref&amp;gt;Arthur Ripstein: [http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1088-4963.2006.00066.x/abstract &amp;#039;&amp;#039;Beyond the Harm Principle&amp;#039;&amp;#039;] 2. Juni 2006 (englisch)&amp;lt;/ref&amp;gt; und auch das [[Völkerstrafrecht|internationale Strafrecht]] beeinflusst.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Kai Ambos]]: [https://link.springer.com/article/10.1007/s11572-013-9266-1 &amp;#039;&amp;#039;The Overall Function of International Criminal Law: Striking the Right Balance Between the Rechtsgut and the Harm Principles. A Second Contribution Towards a Consistent Theory of ICL&amp;#039;&amp;#039;] Criminal Law and Philosophy 2015, S. 301–329 (englisch)&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Harm Principle knüpft nicht am Schutz bestimmter Rechtsgüter an, sondern kriminalisiert ein potentiell schädigendes Verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So richten sich der englische &amp;#039;&amp;#039;Crime and Disorder Act&amp;#039;&amp;#039; von 1998 und der &amp;#039;&amp;#039;Anti-Social Behaviour Act&amp;#039;&amp;#039; von 2003 gegen jegliche Formen „antisozialen Verhaltens“.&amp;lt;ref&amp;gt;Marc Thommen: [https://www.rwi.uzh.ch/dam/jcr:ffffffff-cf62-9b13-ffff-ffff8649ea34/Toleranz_und_Antisocial_Behaviour_in_Mediating_Principles.pdf &amp;#039;&amp;#039;Toleranz &amp;amp; Anti Social Behaviour&amp;#039;&amp;#039;] in: Andrew von Hirsch, Kurt Seelmann, Wolfgang Wohlers (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Mediating Principles. Begrenzungsprinzipien bei der Strafbegründung&amp;#039;&amp;#039;. Nomos Verlagsgesellschaft, 2006, ISBN 3-8329-1933-3. S. 109–120&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Roland Hefendehl, Andrew von Hirsch, Wolfgang Wohlers (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Rechtsgutstheorie: Legitimationsbasis des Strafrechts oder dogmatisches Glasperlenspiel?&amp;#039;&amp;#039; Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 978-3-8329-0157-8.&lt;br /&gt;
* [[Petra Wittig]]: &amp;#039;&amp;#039;Rechtsgutstheorie, „Harm Principle“ und die Abgrenzung von Verantwortungsbereichen.&amp;#039;&amp;#039; In: Hefendehl, von Hirsch, Wohlers (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Rechtsgutstheorie. Legitimationsbasis des Strafrechts oder dogmatisches Glasperlenspiel?&amp;#039;&amp;#039; Nomos, Baden-Baden 2003, S. 239–243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://plato.stanford.edu/entries/criminal-law/ &amp;#039;&amp;#039;Theories of Criminal Law&amp;#039;&amp;#039;] Stanford Encyclopedia of Philosophy, Stand: Mai 2013 (englisch)&lt;br /&gt;
* [https://www.oesterreich.gv.at/themen/dokumente_und_recht/strafrecht/1/Seite.2460101.html Rechtsgut in Österreich]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Rechtshinweis}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4048799-4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Juristische Methodenlehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsphilosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Strafrecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Umweltrecht]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Trace OB</name></author>
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