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	<title>Realität - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-07T02:49:26Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Realit%C3%A4t&amp;diff=22157&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Jürgen Engel: /* Literatur */ Verlag eingefügt.</title>
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		<updated>2025-11-17T20:42:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur: &lt;/span&gt; Verlag eingefügt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Realität&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird im [[Gemeinsprache|allgemeinen Sprachgebrauch]] die Gesamtheit des &amp;#039;&amp;#039;Realen&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet. Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;real&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; gilt zum einen etwas, das keine [[Illusion]] ist und nicht von den Wünschen oder [[Überzeugung]]en einer [[Subjekt (Philosophie)|einzelnen Person]] abhängig ist. Zum anderen das, was in [[Wahrheit]] so ist, wie es erscheint, bzw. dem bestimmte [[Eigenschaft]]en „[[Robustheit|robust]]“ – also nicht nur in &amp;#039;&amp;#039;einer&amp;#039;&amp;#039; Hinsicht und nicht nur vorübergehend – zukommen (→&amp;amp;nbsp;[[Authentizität]]). Realität ist in diesem Sinne somit dasjenige, dem „Bestimmtheit“ zugeschrieben werden kann. Ein [[Intentionalität|intentionales]] [[Objekt (Philosophie)|Objekt]] (z.&amp;amp;nbsp;B. eine Überzeugung, eine Einschätzung, eine Beschreibung, ein Bild, ein Film oder Computerspiel) gilt dann als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;realistisch&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, wenn es die Eigenschaften der darzustellenden [[Wirklichkeit]] in vielerlei Hinsicht und ohne [[Verfälschung|Verzerrungen]] wiedergibt (→&amp;amp;nbsp;[[Realismus]]). Manche Positionen unterscheiden allerdings Wirklichkeit und &amp;#039;&amp;#039;Realität&amp;#039;&amp;#039; oder betrachten sie zumindest als unterscheidbare Aspekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff stammt von {{laS|realitas}}, ‚Wirklichkeit‘; über &amp;#039;&amp;#039;{{lang|la|[[res]]}}&amp;#039;&amp;#039;, ‚Sache‘, ‚Ding‘, ‚Wesen‘. Der [[Plural]] &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Realitäten&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; als [[Synonym]] oder [[Kollektivum|Sammelbegriff]] für jemandes &amp;#039;&amp;#039;[[Immobilie]]n&amp;#039;&amp;#039; ist heute überwiegend veraltet. Lediglich in [[Österreich]] (und gelegentlich, immer seltener, auch im [[Oberdeutsche Dialekte|oberdeutschen Dialektraum]] Süddeutschlands) findet er noch regelmäßig Anwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriff ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaues Verständnis davon, was unter der &amp;#039;&amp;#039;Realität&amp;#039;&amp;#039; zu verstehen ist, beruht zum einen auf getroffenen [[Philosophie|philosophischen]] Voraussetzungen; dies gilt auch für das Realitätsverständnis der einzelnen Wissenschaften. Für die [[Naturwissenschaft]]en ist Realität das, was der wissenschaftlichen Betrachtung und Erforschung zugänglich ist. Dinge, die nicht [[Messung|messbar]] sind – etwa Phänomene, die dem Bereich der [[Transzendenz]] oder dem [[Glaube]]n zuzuordnen sind –, sollen keine Basis für wissenschaftliche [[Theorie]]&amp;amp;shy;bildung sein. Dabei geht es vor allem um methodisch feststellbare Wechselwirkungen. Inhalte von Vorstellungen, Gefühlen, Wünschen, Wahrnehmungen und ähnlichem gelten zunächst einmal als nicht der Realität zugehörig. Die Identifizierung von &amp;#039;&amp;#039;Realität&amp;#039;&amp;#039; und [[Wirklichkeit]] ist jedoch nicht unproblematisch (siehe [[Realismus (Philosophie)#Wissenschaftlicher Realismus|Realismusdebatte]]). Von Positionen, die sich um eine Unterscheidung bemühen, ist mit dem Begriff „Wirklichkeit“ eine Realität gemeint, die auf Dinge eingeschränkt ist, die in [[Actio und reactio|Wechselwirkung]] zu anderen bereits als real erkannten Dingen stehen. Als &amp;#039;&amp;#039;Realität&amp;#039;&amp;#039; wird darüber hinaus alles begriffen, was als Gegenstand des individuellen Bewusstseins aufgefasst werden kann, gerade eben auch [[Sozialer Tatbestand|Soziale Tatbestände]], angenommene spirituelle Gegenstände und sowohl fremde wie eigene Gefühle und Einstellungen, insofern diese nicht auf bloße Willkür zurückgeführt werden können, sondern selbst als unter [[Philosophische Untersuchungen#Einer Regel folgen|Regeln]] stehend vorgestellt werden. Dieser weite Realitätsbegriff, der auch von bestimmten Positionen der [[Sozialwissenschaft]]en geteilt wird, wird für gewöhnlich jedoch auf verschiedene soziale Kontexte beschränkt: was bspw. in der Logik, vor einem Gericht, bei einem Streitgespräch unter Partnern oder in einer Kirche als real gilt, sind jeweils sehr verschiedene [[Entität]]en, die nur bedingt zur gleichen Zeit für gleichermaßen real gehalten werden können. Generell werden Positionen, die positive Kriterien für die Realität von etwas aufstellen, als [[Realismus (Philosophie)|„realistisch“]] bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach Kontext hat der Realitätsbegriff unterschiedlichen Gehalt. Man kann verschiedene Realitätsbegriffe oder Kriterien für die Realität unterscheiden. Keine dieser Bestimmungen ist jedoch unproblematisch&amp;lt;ref&amp;gt;grob nach: [[Anton Hügli]], Poul Lübcke (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; 5. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-55453-4.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;margin-left:1em&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine alle Gegenstände der Außenwelt umfassende &amp;#039;&amp;#039;Physische Realität&amp;#039;&amp;#039;. Dabei ist umstritten,&lt;br /&gt;
** Ob nicht unmittelbar wahrnehmbare Dinge (z.&amp;amp;nbsp;B. elektromagnetische Strahlung, Neutronen) real sind, oder nur theoretische Entitäten, siehe [[Realismus (Philosophie)#Wissenschaftlicher Realismus|Realismusdebatte]].&lt;br /&gt;
** Ob Bewusstseinsinhalte real sind, oder ob es sich dabei um metaphorische Beschreibungen für [[Neurowissenschaften|neurowissenschaftliche]] Phänomene handelt, siehe [[Philosophie des Geistes]]&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Objektivität]]&amp;#039;&amp;#039;, dieses Kriterium schließt auch soziale, ästhetische oder historische Gegebenheiten ein.&lt;br /&gt;
** Hier stellt sich die Frage, ob unter solchen abstrakten Strukturen, die vom menschlichen Denken und Handeln abhängen, Unterschiede bestehen, ob in etwa die Gegenstände der „Idealwissenschaften“ [[Mathematik]] bzw. [[Logik]] in höherem Maß der objektiven Wirklichkeit entsprechen als etwa Schönheit oder ein [[historisches Ereignis]], ob es auch objektive Werte gibt, siehe [[Metaethik|Ethischer Realismus]], und ob diese Realität mehr als nur vorläufige Gültigkeit beanspruchen kann, siehe [[Historismus]].&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Bewusstseinsunabhängigkeit&amp;#039;&amp;#039;, alle bewusstseinsabhängigen Phänomene wie Farbigkeit, [[Qualia]], und die primären Qualitäten Raum, Zeit und Gestalt sollen von der Realität ausgeschlossen werden,&lt;br /&gt;
** Auch hier gibt es jedoch eine Debatte über die Schranken des Begriffs, auch im Hinblick auf Absicht, Träume und Empfindungen (zu denen die Qualia gehören).&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Faktizität&amp;#039;&amp;#039;, dabei werden „gegebene“ Sachverhalte im Gegensatz zu nur möglichen und unmöglichen als real ausgezeichnet, siehe [[Tatsache]].&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Wahrheit&amp;#039;&amp;#039; als Kriterium führt zu den Fragen, was der Träger von [[Wahrheit]] ist und nach welchem Kriterium diese bestimmt wird.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Gegensatz zur [[Phantasie]]&amp;#039;&amp;#039; oder Einbildung, vgl. Bewusstseinsunabhängigkeit.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Erscheinung]]sabhängigkeit&amp;#039;&amp;#039; im Gegensatz zu bloß begrifflicher Bestimmtheit. z.&amp;amp;nbsp;B.:&lt;br /&gt;
** Der Inhalt des Begriffs Dreieck kann nur am konkreten Beispiel gedacht werden, ebenso wie die Zahl 10 nur als Symbol (Ziffern) oder als Anzahl von zehn Einheiten vorgestellt wird, siehe [[synthetisches Urteil a priori]].&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Wesentlichkeit&amp;#039;&amp;#039;, d.&amp;amp;nbsp;h., es wird ein realer Kern des [[Sein (Philosophie)|Seins]] hinter einer trügerischen Alltagserfahrung des [[Sein|Seienden]] vermutet,&lt;br /&gt;
** Ein solcher Realitätsbegriff wird insbesondere in einer [[Heilsgeschichte]] oder Positionen der [[Geschichtsphilosophie]] vermutet, siehe [[List der Vernunft]], sowie Positionen, die zur [[Mystik]] gehören oder ihr nahestehen.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Inhaltlichkeit&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Materialität&amp;#039;&amp;#039; im Gegensatz zur [[Form (Philosophie)|Formalität]], das Konkrete, Nicht-allgemeine, siehe [[Universalienproblem|Universalienstreit]].&lt;br /&gt;
* Allgemeines sowohl wie Einzelnes, sofern es begrifflich exakt bestimmt werden kann, siehe [[Rationalismus]].&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Erfahrbarkeit&amp;#039;&amp;#039; bzw. &amp;#039;&amp;#039;Wahrnehmbarkeit&amp;#039;&amp;#039;, siehe [[Empirismus]] bzw. [[Sensualismus]],&lt;br /&gt;
** Wobei die Realität abstrakter Regelmäßigkeiten im Empirismus zum Problem wird, siehe [[Induktionsproblem]] und im Sensualismus die Existenz von Gegenständen überhaupt (zu Gunsten von Qualia).&lt;br /&gt;
* [[Intentionalität|Intendierter]] &amp;#039;&amp;#039;Sinn&amp;#039;&amp;#039; einer Äußerung oder einer Handlung, siehe [[Sinn (Semantik)]].&lt;br /&gt;
* Über-individuelle &amp;#039;&amp;#039;Anerkennung&amp;#039;&amp;#039;, siehe [[Sozialkonstruktivismus]].&lt;br /&gt;
* Realität allgemein als [[Systemeigenschaften#Dynamik|dynamische]] Wirklichkeit:&lt;br /&gt;
** Real ist, was als Wirkung aus einer realen Ursache hervorgegangen ist ([[Aristoteles]]), siehe [[Kausalität]]. Hier ergibt sich die Frage nach einer ersten absolute Realität (oder einem [[Infiniter Regress|unendlichem Regress]], siehe [[Antinomien der reinen Vernunft]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abweichend, aber nicht ohne Bezug zum modernen Realitätsbegriff verstand die [[Scholastik|scholastisch]]-rationalistische Terminologie bis hin zu Immanuel Kant unter Realität die [[Kategorie (Philosophie)|Kategorie]] der positiven qualitativen Bestimmtheit. Derjenige Gegenstand, der die maximale Kombination an positiven Bestimmtheiten aufweisen sollte, wurde als [[Ens (Philosophie)|ens realissimum]] bezeichnet. In der &amp;#039;&amp;#039;Kritik der reinen Vernunft&amp;#039;&amp;#039; schloss Kant aus, dass [[Existenz]] selbst eine qualitative Bestimmung (ein „reales Prädikat“) sei, sondern vielmehr nur das Gegeben-sein in einer Wirklichen Erfahrung, also eine Beziehung zwischen Objekt und Subjekt zum Ausdruck bringt. Infolgedessen taugte die Identifizierung von &amp;#039;&amp;#039;ens realissimum&amp;#039;&amp;#039; und Gott nicht länger zu einem [[Ontologischer Gottesbeweis|ontologischem Gottesbeweis]], Kant schlug daher im Abschnitt über „Das transzendentale Ideal“ unter &amp;#039;&amp;#039;ens realissimum&amp;#039;&amp;#039; nicht Gott, sondern die Totalität der empirisch erfahrbaren Welt zu verstehen und auch den [[Pantheismus]] von [[Baruch de Spinoza]] in diesem Sinne zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Philosophie ==&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Realismus (Philosophie)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abgrenzung des Begriffs der Realität ist ein Problem verschiedener Fachgebiete der Philosophie. So beschäftigt sich die [[Ontologie]] allgemein mit der Frage, ob es an sich bestehende Realität des Seins gibt, die [[Erkenntnistheorie]] mit der Frage, welche Art Realität zugänglich ist und ob sie von subjektiver Einbildung, Irrtum und subjektiver Vermutung abgrenzbar ist, die [[Wissenschaftstheorie]] untersucht, unter welchen Umständen eine Theoretische Entität real ist oder nicht, oder ob die Alltagsrealität ganz oder teilweise auf eine bestimmte Klasse von Dingen in Anordnungen, Grundkräften usw. [[Reduktionismus|reduziert]] werden kann. Auch in der [[Ethik]] wird gefragt, ob bestimmten Gegenständen in der Welt (oder etwa Personen oder Tieren) reale Werte zukommen bzw. ob objektive ethische Verpflichtungen unabhängig von den Absichten der einzelnen Menschen oder sozialen Konventionen bestehen. In der Logik besteht eine Debatte um die Realität oder Irrealität semantischer Objekte, die nicht mit dem [[Referenz (Linguistik)|Referenzobjekt]] eines Zeichens identisch sind (siehe [[Sinn (Semantik)]]). Diese &amp;#039;&amp;#039;Realismusdebatten&amp;#039;&amp;#039; verbinden oft skeptische oder anti-realistische Positionen mit einem [[Relativismus]], auch wenn Relativismus und Antirealismus nicht deckungsgleich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erkenntnistheoretische Realismus ist insofern stärker, als angenommen wird, dass es prinzipiell eine existierende Wirklichkeit gibt, die in irgendeiner Weise auch erkannt werden kann. Über den Grad der Erkennbarkeit gibt es nun wiederum eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Auffassungen. Die Gegenposition ist der [[Solipsismus]], der davon ausgeht, dass Realität allein auf geistigen Leistungen beruht und die Existenz einer externen Wirklichkeit verneint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich sind die Vertreter des wissenschaftstheoretischen Realismus der Auffassung, dass sich über die Realität Theorien aufstellen lassen, die in gewisser Hinsicht wahr sind. Aus Sicht der analytischen Philosophie hat [[Michael Anthony Eardley Dummett|Michael Dummett]] diese These so formuliert, dass die Wahrheit einer Aussage unabhängig von der Möglichkeit ihrer Rechtfertigung besteht. Die von Dummett vertretene Gegenthese ist der Antirealismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Philosophiegeschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Antike bis zum Mittelalter ist nur die Auseinandersetzung über die Realität von Allgemeinbegriffen ([[Universalienstreit]]) bekannt, das heißt, es ist für diese Zeit von einem naiven bzw. allenfalls kritischen Realismus auszugehen. Die Vorstellung einer reinen Konstruktion der Welt im Bewusstsein wie im subjektiven Idealismus [[Johann Gottlieb Fichte|Fichtes]] oder im Radikalen Konstruktivismus heutiger Zeit gab es damals noch nicht. Erst mit der Bewusstseinsphilosophie [[Descartes]]’ und der idealistischen Interpretation durch [[George Berkeley|Berkeley]] ({{LaS|esse est percepi}} „Dasein ist Wahrgenommenwerden“) begann die Realismus-Debatte in der Philosophie. Sie prägte vor allem die Auseinandersetzung zwischen [[Rationalismus]] und [[Empirismus]] in der Neuzeit, für die Kant eine vermittelnde Position zu finden suchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Immanuel Kant]] bezeichnete die Außenwelt mit dem Begriff der „Dinge an sich“. Dieser Begriff war für ihn ein Grenzbegriff, weil er die Eigenschaften der Außenwelt für den Menschen als nicht erkennbar ansah. In das Bewusstsein gelangen nur von der Außenwelt affizierte Wahrnehmungen, die er Erscheinungen nannte. Da die Erkenntnisweise bei allen Menschen gleich ist, können die Wahrnehmungen intersubjektiv überprüft werden, so dass es auf der Ebene der Erscheinungen ein objektives [[Wissen]] gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Realität umfasste für Kant aber auch den Bereich des reinen Verstandes und der reinen Anschauungen, die sog. intelligible Welt, die a priori im Menschen liegt. Der Mensch verfügt unabhängig von den Dingen an sich über Anschauungen von Raum und Zeit sowie über Denkstrukturen, die sog. Kategorien, mit denen er die Erscheinungen strukturiert und nach Regeln in Begriffe und Urteile (Aussagen) umwandelt. Auch wenn die Dinge an sich für den Menschen nicht unmittelbar erkennbar sind, müssen sie notwendig angenommen werden, weil sonst keine Anschauungen entstehen können. Auf der anderen Seite bedarf es der menschlichen Begriffsbildung, um eine Realität im Bewusstsein entstehen zu lassen. Darüber hinaus gab es für Kant sog. regulative Ideen, nämlich Gott, die Freiheit und die Seele. Dieses sind absolute Begriffe, die ohne empirische Basis von der Vernunft gebildet werden, weil das Streben nach einer unbegrenzten Erweiterung der Erkenntnis in der Natur des Menschen liegt. Auch diesen reinen Bewusstseinsinhalten sprach Kant in seiner Postulaten – Lehre als gedanklichen Entitäten Realität zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem die Vertreter des [[Deutscher Idealismus|Deutschen Idealismus]] die Annahme einer Außenwelt (der Dinge an sich) bestritten, kamen sie zu der Auffassung, dass die Wirklichkeit durch ein System des Geistes entsteht. Geist und Natur sind als Einheit zu verstehen, die auf ein absolutes Prinzip zurückzuführen ist wie z.&amp;amp;nbsp;B. das Ich, die Natur oder den Weltgeist. Diese in der Spekulation verhaftete Denkweise war nicht geeignet, positive Beiträge und [[Reflexion (Philosophie)|Reflexionen]] zu den sich rasant entwickelnden Naturwissenschaften zu leisten. Für den [[Idealismus (Philosophie)|Idealismus]], ist die Realität nur von geistigen Leistungen abhängig. Zur gleichen Zeit wurden daher vor allem Positionen, die die Realität der Erfahrung Außenwelt und der darin enthaltenen Gegenstände vertraten, als Realismus bezeichnet. Auf der anderen Seite des Spektrums findet sich der Sensualismus etwa wie bei [[Ernst Mach]], der an einen [[Solipsismus]] grenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Sicht erhielt die Diskussion in der linguistischen Wende, mit der allein der Sprache Priorität für Fragen der Erkenntnis eingeräumt wurde. In Konsequenz sind die meisten Vertreter der analytischen Philosophie Antirealisten wie herausragend [[Michael Dummett]] und [[Donald Davidson]] zu nennen sind. In seinem viel diskutierten neopragmatischen Ansatz kommt [[Richard Rorty]] zu der Auffassung, dass die Realismus – Debatte letztlich nutzlos ist und statt dieser Frage vielmehr konkrete wissenschaftliche Themen bearbeitet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichsam als Gegenentwicklung zum Idealismus gewann im Positivismus ein stark realistisches Weltbild die Oberhand. Klassischer Vertreter des kritischen Realismus ist [[Nicolai Hartmann]]. Die Lösung des kritischen Rationalismus [[Karl Popper]]s ist ähnlich. Da Popper aber die Möglichkeit des erkenntnistheoretischen Nachweises einer Außenwelt für nicht gewährleistet hielt, nahm er stattdessen an, dass es pragmatisch sinnvoll ist, die Position des kritischen Realismus für sinnvoll zu halten. In Verbindung mit dem von ihm ausgearbeiteten Fallibilismus spricht man bei Popper daher auch von einem [[Hypothetischer Realismus|hypothetischen Realismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jean Baudrillard]] (&amp;#039;&amp;#039;Agonie des Realen&amp;#039;&amp;#039;) als Denker des [[Poststrukturalismus]] sieht Ende des 20. Jahrhunderts die aktuelle Realität durch eine „[[Agonie]] fester Bezüge, Agonie des Realen und Rationalen“ bestimmt, mit dem das &amp;#039;&amp;#039;Zeitalter der [[Simulation]]&amp;#039;&amp;#039; Einzug hält. Die [[Geschichte]] habe sich „zurückgezogen“, einen „Nebel der Indifferenz hinter sich zurücklassend, durchquert zwar von Strömen, aber all ihrer Bezüge entleert“. Baudrillard stellt Theorien der [[Hyperrealität]] auf, in der das [[Zeichen]] auf Kosten des ursprünglich von ihm Bezeichneten an Macht gewinnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erkenntnistheorie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinblick auf den erkenntnistheoretischen Realismus werden üblicherweise die folgenden Positionen unterschieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Naiver Realismus]]&amp;#039;&amp;#039;: Die Realität ist eindeutig beschreibbar und so beschaffen, wie sie erkannt wird, wenn auch Irrtümer und Erkenntnisfortschritt möglich sind. Diese Position ist angesichts der fortgeschrittenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse kaum noch vorzufinden.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Kritischer Realismus]]&amp;#039;&amp;#039;: Die Realität spiegelt sich zwar über Wahrnehmungen und geistige Leistungen nur als Erscheinungen im Bewusstsein des Menschen wider. Doch gibt es zwischen den realen Gegenständen und den Erscheinungen erkennbare Beziehungen, so dass zum Beispiel zwei Personen, die dasselbe wahrnehmen, auch über dieselbe Erscheinung verfügen. Der kritische Realismus geht von einem Erkenntnisfortschritt aus, das heißt der Annäherung des Wissens an die tatsächlichen Verhältnisse in der Außenwelt.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Semantischer Realismus]]&amp;#039;&amp;#039;: Im [[Semantik|semantischen]] Realismus wird unterstellt, dass es für die Außenwelt eine eindeutige Interpretation gibt.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Epistemischer Realismus]]&amp;#039;&amp;#039;: Die vorstehenden Auffassungen können als [[Erkenntnistheorie|epistemischer]] Realismus zusammengefasst werden. Ihnen gemeinsam ist die Auffassung, dass sinnvolle Aussagen über die Außenwelt gemacht werden können.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Schwacher Realismus]]&amp;#039;&amp;#039;: Es gibt zwar eine Realität und diese steht in gewisser Beziehung zum wahrnehmenden Subjekt, doch dieser Tatbestand lässt keine Rückschlüsse auf die Welt an sich zu. Für den Menschen existiert nur, was für ihn erkennbar ist. Jeder andere Rückschluss ist spekulative Metaphysik. Die Sinne des Menschen werden affiziert (ob nun entsprechend der atomistischen [[Assoziationspsychologie]] oder der [[Gestaltpsychologie]] ist dabei unerheblich) und es entsteht ein Umwandlungsprozess, der zu den Erscheinungen im menschlichen Bewusstsein führt ([[Immanuel Kant|Kant]] oder [[Thomas Samuel Kuhn|Kuhn]], bei letzterem heißen die Affizierungen Stimuli). Eine Wirklichkeit ohne interpretierende Zeichen ist nicht vorstellbar ([[Günter Abel (Philosoph)|Günter Abel]]). Eine Wirklichkeit ist nach [[John Hick]] als experience-as (in etwa „erfahren-als“) vorstellbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht ganz in die vorstehende Einteilung passt der Begriff der [[Repräsentation (Psychologie)|Repräsentation]], bei dem die Erscheinung des Gegenstandes im Bewusstsein als etwas Vermitteltes aufgefasst wird. Dabei reicht das Spektrum der Vorstellungen von Repräsentation von der physischen Abbildung über die Sinnesdaten bis hin zur [[Isomorphie (Sozialwissenschaften)|Isomorphie]] zwischen Wirklichkeit und Sprache oder auch Zeichen. Die Repräsentationsauffassungen bezeichnet man auch als Phänomenalismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Bewertung der vorgestellten Grundpositionen muss man feststellen, dass sie alle jeweils empirisch nicht belegbar sind, sondern auf mehr oder weniger plausiblen Interpretationen unseres Bewusstseins bzw. unserer Vorstellungen von der Welt beruhen, so dass sie alle ebenso metaphysisch sind wie ein radikaler [[Skeptizismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Antirealist hat in dieser Debatte eine relativ leichte Position, da er darauf beharren kann, dass das menschliche Erkenntnisvermögen einen empirischen Nachweis der Außenwelt nicht zulässt. Gegen diese Position spricht allerdings die [[Plausibilität]] der Alltagserfahrung, dass offensichtlich alle Menschen ein weitgehend gleichartiges Erleben der Welt haben und die praktische Argumentation der Naturwissenschaften, die mit einer realistischen Weltsicht auf die Erfolge der Forschung verweisen können. Das klassische Beispiel ist die auf der [[Relativitätstheorie]] beruhende Voraussage der Ablenkung von Lichtwellen durch Gravitation, die dann durch die Beobachtung von Positionsverschiebungen sehr ferner astronomischer Objekte im Nachhinein bestätigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissenschaftstheorie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihrem Selbstverständnis zu genügen, bedürfen die Naturwissenschaften eines Realitätsbegriffs, der Entitäten und die Möglichkeit von Messungen als wahr unterstellt, da ansonsten Regelmäßigkeiten nicht zu beobachten und Prognosen nicht möglich wären. Dabei reicht aber die Möglichkeit der Auffassungen von einem strengen metaphysischen Realismus bis hin zu der Sichtweise, dass die Objekte der Wissenschaft Abstraktionen sind. Bei Aussagen der Wissenschaft über die Realität ist heute kaum noch umstritten, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* sie die Wirklichkeit in Symbole (mathematische Zeichen und eine Theoriesprache) übersetzt und&lt;br /&gt;
* die wissenschaftlichen Daten aufgrund von Theorien entstehen (theoriebeladen sind) und interpretiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend kann man vom Gegenstand der Naturwissenschaften ebenso von möglichen Naturen sprechen, wie die Philosophie von möglichen Welten spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Spielart ist der [[Wissenschaftlicher Realismus|Wissenschaftliche Realismus]], der auch nicht beobachtbare Sachverhalte wie Neutronen oder Röntgenstrahlen für etwas Reales hält, weil diese theoretischen Gegenstände empirisch überprüfbare Auswirkungen haben. Ein prominenter Vertreter des [[Entitätenrealismus]] ist [[Ian Hacking]], der aber Theorien keine eigenständige Realität zuspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wissenschaftliche Alltag (Forschung, Publikationen, Lehre) beschränkt sich heutzutage auf die Anwendung einer Reihe bewährter Methoden. Fragen nach dem Realitätsbezug stellen sich nur an wenigen exponierten Stellen wie zum Beispiel bei Klimamodellen oder der Urknall-Theorie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Physik: Realismus und Quantenmechanik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Interpretation der [[Quantenmechanik]] stellte sich verschärft das Problem, den Begriff „Realität“ zu definieren. Denn die zu beobachtenden Objekte stellen sich je nach Experiment unterschiedlich dar, einmal als Teilchen, einmal als Lichtwelle ([[Welle-Teilchen-Dualismus]]). Dies führte [[Albert Einstein|Einstein]], [[Boris Podolsky|Podolsky]] und [[Nathan Rosen|Rosen]] zu folgendem Kriterium der physikalischen Wirklichkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Text=Kann man den Wert einer physikalischen Größe mit Sicherheit (das heißt mit der Wahrscheinlichkeit 1) vorhersagen, ohne ein System dabei in irgendeiner Weise zu stören, dann gibt es ein Element der physikalischen Wirklichkeit, das dieser physikalischen Größe entspricht.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl diese Definition sehr vorsichtig klingt, scheint sie zu Problemen zu führen, wenn zum Beispiel die Resultate der [[Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon|EPR-Experimente]] erklärt werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bewusstseinszustand]]&lt;br /&gt;
* „[[Das Reale]]“ bei [[Jacques Lacan]]&lt;br /&gt;
* [[Erweiterte Realität]]&lt;br /&gt;
* [[Gemäßigter Realismus]]&lt;br /&gt;
* [[Ideologie]]&lt;br /&gt;
* [[Instrumentalismus (Wissenschaftstheorie)]]&lt;br /&gt;
* [[Konstruktivismus (Philosophie)]]&lt;br /&gt;
* [[Positivismus]]&lt;br /&gt;
* [[Virtuelle Realität]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Günter Abel (Philosoph)|Günter Abel]]: &amp;#039;&amp;#039;Zeichen der Wirklichkeit.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt 2004, ISBN 3-518-29251-X. (Interpretationismus als schwacher Realismus)&lt;br /&gt;
* [[Peter L. Berger]], [[Thomas Luckmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der [[Wissenssoziologie]].&amp;#039;&amp;#039; Fischer TB, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-26623-8.&lt;br /&gt;
* [[Nicolai Hartmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Möglichkeit und Wirklichkeit.&amp;#039;&amp;#039; 1938. (Kritischer Realismus)&lt;br /&gt;
* [[Jürgen Mittelstraß]]: &amp;#039;&amp;#039;Realität.&amp;#039;&amp;#039;, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 7: Re - Te. Stuttgart, Metzler 2018, ISBN 978-3-476-02106-9, S. 15 – 17 (ausführliches Literaturverzeichnis)&lt;br /&gt;
* Vanderlei de Oliveira Farias: &amp;#039;&amp;#039;Kants Realismus und der Aussenweltskeptizismus.&amp;#039;&amp;#039; Olms, 2006.&lt;br /&gt;
* Hans Günther Ruß: &amp;#039;&amp;#039;Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie und die Suche nach der Wahrheit.&amp;#039;&amp;#039; Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-018190-4. (Kritischer Realismus aus der Perspektive des Kritischen Rationalismus)&lt;br /&gt;
* [[Paul Watzlawick]]: &amp;#039;&amp;#039;Wie wirklich ist die Wirklichkeit – Wahn, Täuschung, Verstehen.&amp;#039;&amp;#039; 1978, ISBN 3-492-24319-3. (Radikaler Konstruktivismus)&lt;br /&gt;
* Marcus Willaschek (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Realismus.&amp;#039;&amp;#039; Schöningh, Paderborn u.&amp;amp;nbsp;a. 1999. (Aufsatzsammlung mit sehr unterschiedlichen Positionen amerikanischer Philosophen)&lt;br /&gt;
* [[Viktor Žmegač]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Realität als literarisches Problem.&amp;#039;&amp;#039; Carinthia-Verlag, Klagenfurt 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Jürgen Engel</name></author>
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