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	<title>Rainer Beck (Matrose) - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Rainer Beck&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[16. Oktober]] [[1916]] in [[Gliwice|Gleiwitz]]; † [[13. Mai]] [[1945]] in [[Amsterdam]]) war ein deutscher Matrose und eines der letzten [[Opfer der NS-Militärjustiz]]. Beck war [[Juden|jüdischer]] Abstammung und desertierte aus der [[Wehrmacht]], um sich dem [[Holocaust|Völkermord an den Juden]] zu entziehen. Er wurde fünf Tage nach Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] von einem deutschen [[Militärgerichtsbarkeit (Nationalsozialismus)|Kriegsgericht]] mit Zustimmung alliierter Stellen wegen [[Fahnenflucht]] verurteilt und bei der [[Hinrichtung deutscher Deserteure am 13. Mai 1945]] hingerichtet. Das [[Todesstrafe|Todesurteil]] wurde 1997 aufgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Beck wuchs in Gleiwitz auf, als Sohn des [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]]-Mitglieds Max Emil Beck (1879–1938).&amp;lt;ref name=&amp;quot;tilt&amp;quot;&amp;gt;Stephan Scholz: &amp;#039;&amp;#039;Ein fauler Kopf verdirbt die ganze Ladung&amp;#039;&amp;#039;, tilt 1/1997.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Vater war dort von 1922 bis 1928 [[Polizeipräsident]] und wurde anschließend in den einstweiligen Ruhestand versetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Rüdiger Bergien: &amp;#039;&amp;#039;Die bellizistische Republik: Wehrkonsens und &amp;quot;Wehrhaftmachung&amp;quot; in Deutschland 1918-1933.&amp;#039;&amp;#039; München 2012, S.&amp;amp;nbsp;137&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach der nationalsozialistischen [[Machtergreifung]] erstritt sich der [[Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich)|Frontoffizier]] mit der Drohung, er werde zukünftig als Straßengeiger, in Uniform und Orden, seinen Lebensunterhalt verdienen, vom preußischen Innenminister [[Hermann Göring]] eine ansehnliche Monatsrente von knapp 300 [[Reichsmark]]. Als Max Beck 1938 starb, wurde seiner Witwe Elsa die Pension gestrichen, da sie Jüdin war. Rainer wurde als „[[Halbjude]]“ mit sechzehn Jahren vom Gymnasium, seine Schwester Fredegund von der Universität verwiesen. Schwester Berthilde erhielt [[Berufsverbot]] als Hebamme. Die Familie wurde von den Machthabern als „[[Jüdischer Bolschewismus|jüdisch-marxistische]] Pestbeule“ öffentlich diffamiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rainer Beck ging 1936 als [[Harpunier]] auf einen [[Walfänger]] und verlobte sich in Kanada, kehrte aber beim Tod des Vaters zurück, um für die Mutter zu sorgen. Er heuerte auf einem deutschen Fischdampfer an, der 1941 dienstverpflichtet wurde. Beck wurde mit dessen Mannschaft zur [[Kriegsmarine]] eingezogen. Bei seinem Heimaturlaub in Gleiwitz trat Beck demonstrativ in Uniform auf, um seine Familienangehörigen zu schützen, obwohl er sich bewusst war, dass er die Uniform der Leute trug, die ihn und seine Familie vernichten wollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im September 1944 befand sich Beck bei der Hafenschutzgruppe von [[IJmuiden]] bei [[Amsterdam]]. Am 5.&amp;amp;nbsp;September 1944 erhielt er einen [[Marschbefehl]] nach Deutschland. Die Verbindung zur Mutter war abgerissen, im Reich selbst war für Beck die Gefahr deutlich größer, Opfer des Holocaust zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er entschloss sich zur [[Fahnenflucht|Desertion]] und verbarg sich bis zur [[Deutsche Kapitulation|deutschen Kapitulation]] am 8.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 mit Hilfe [[Widerstand gegen den Nationalsozialismus#Niederlande|niederländischer Widerstandskämpfer]] in Amsterdam. Am 5.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 hatte die [[Festung Holland]] kapituliert, zwei Tage darauf wurde Amsterdam durch [[Kanadische Streitkräfte|kanadische Truppen]] befreit. Die in Amsterdam befindlichen knapp 3.000 Angehörigen der Kriegsmarine wurden am 11. bzw. 12.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 auf kanadischen Befehl im Lager Hembrug bei Amsterdam in einer ehemaligen Ford-Fabrik untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kanadier setzten den ehemaligen deutschen Hafenkommandanten, Fregattenkapitän [[Alexander Stein (Marineoffizier)|Alexander Stein]], als Lagerkommandanten ein. Er unterstand dem kanadischen Major Pierce, dessen Vorgesetzter wiederum Major Mace war. Die Zweigstelle Amsterdam des Gerichts des [[Kommandierender Admiral in den Niederlanden|Admirals in den Niederlanden]] wurde gleichzeitig in dieses Lager verlegt. Dort wurden die Mannschaften entwaffnet, Offiziere hingegen behielten ihre Pistolen, denn nach kanadischer Auffassung waren die Deutschen in Hembrug keine [[Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg|Kriegsgefangenen]], sondern „kapitulierte Truppen“ ([[Disarmed Enemy Forces]]). Den deutschen Offizieren wurde zudem volle Befehls- und Disziplinargewalt eingeräumt, denn das Gesetz Nr. 153 der Militärregierung Deutschland vom 4.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 garantierte explizit das Fortbestehen der deutschen Feldgerichte mit Einschränkungen hinsichtlich des Strafmaßes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der [[Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht|deutschen Kapitulation]] wandte sich Beck an die kanadischen Truppen – und wurde von diesen am 12.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 zusammen mit dem Gefreiten [[Bruno Dörfer]], der im März 1945 desertiert war und sich gleichfalls nach der Kapitulation bei kanadischen Dienststellen gemeldet hatte, dem deutschen Lagerkommandanten von Hembrug überstellt. Dort wurden beide wegen [[Fahnenflucht]] festgenommen. Noch am gleichen Abend beschloss Lagerkommandant Alexander Stein mit den Marinerichtern Köhn und Bechtel, Beck und Dörfer vor ein Kriegsgericht zu stellen. Major Pierce sowie die vorgesetzte deutsche Militärjustizbehörde wurden davon in Kenntnis gesetzt und um Genehmigung gebeten. Diese wurde von beiden Seiten erteilt. Am nächsten Morgen trat das deutsche Kriegsgericht unter Vorsitz von Marineoberstabsrichter [[Willi Köhn|Wilhelm Köhn]] zusammen, Ankläger war Marineoberstabsrichter Bechtel. Für die Angeklagten waren [[Strafverteidiger (Deutschland)|Verteidiger]] beigeordnet, so dass das Kriegsgericht nach der [[Kriegsstrafverfahrensordnung]] ordnungsgemäß besetzt war. An der Verhandlung nahmen neben zahlreichen Lagerinsassen ein aufsichtsführender Richter des Gerichts des deutschen Admirals in den Niederlanden und der kanadische sowie der deutsche Lagerkommandant mit ihren Übersetzern teil. Die Verhandlung dauerte ein bis zwei Stunden. Beck und Dörfer hatten Gelegenheit, zur Anklage Stellung zu nehmen. Nach etwa fünfminütiger Beratung verkündete der Vorsitzende Köhn das Urteil: Tod durch Erschießen wegen Fahnenflucht. Lagerkommandant Stein bestätigte das Urteil am Nachmittag. Ein deutsches Exekutionskommando unter Führung des deutschen Oberleutnants John Ossenbrücken wurde auf kanadischen Befehl mit Karabinern und Munition aus deutschen Beständen sowie kanadischen Fahrzeugen ausgestattet. In Begleitung des kanadischen Leutnants Swinton wurde das Exekutionskommando mit den zwei Verurteilten zum Schießstand in Amsterdam-Schellingwoude&amp;lt;ref name=&amp;quot;tilt&amp;quot;/&amp;gt; außerhalb des Lagers gefahren, wo beide [[Erschießung|erschossen]] und verscharrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies waren vermutlich die letzten von 23.000 vollstreckten Urteilen der [[Militärgerichtsbarkeit (Nationalsozialismus)|NS-Militärjustiz]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Der Spiegel]]: [https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8715994.html „Im Interesse der Manneszucht“], vom: 12. Mai 1997; abgerufen am: 29. September 2019&amp;lt;/ref&amp;gt; Entsprechende Urteile danach erlangten zumindest keine Bekanntheit. Das Oberkommando der Kriegsmarine in [[Flottenkommando#Die Kaserne des Flottenkommandos|Meierwik]] (im [[Sonderbereich Mürwik]]) bestätigte letztlich noch bis zum 15. Mai 1945 Todesurteile im norddeutschen Raum und Norwegen, mit der anschließenden Forderung sie zu vollstrecken. Erst am besagten Tag gab das Oberkommando bekannt, dass Todesurteile, Körperstrafen sowie jeglicher deutscher Waffeneinsatz aufgrund einer Verfügung der [[Britische Besatzungszone|britischen Besatzungsmacht]] verboten seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Gerhard Paul, Broder Schwensen (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Mai ’45. Kriegsende in Flensburg.&amp;#039;&amp;#039; Flensburg 2015, S.&amp;amp;nbsp;109 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ungewöhnliche Kooperationsbereitschaft der [[Kanadische Streitkräfte|kanadischen Streitkräfte]] wie die allgemein fürsorgliche Behandlung kapitulierter [[Wehrmacht]]struppen durch das [[Streitkräfte des Vereinigten Königreichs|Militär Großbritanniens]] bzw. [[Commonwealth]] erklärt sich aus dem aufziehenden [[Kalter Krieg|Kalten Krieg]] und [[Winston Churchill]]s Plan, die Wehrmacht im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion teilweise wieder zu bewaffnen ([[Operation Unthinkable]]).&amp;lt;ref name=&amp;quot;tilt&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Strafanzeige von Becks Schwester leitete die Staatsanwaltschaft Köln ein [[Ermittlungsverfahren]] gegen Köhn ein, der inzwischen Richter am [[Oberlandesgericht Köln]] war. Das Verfahren wurde jedoch 1973 mangels hinreichenden [[Tatverdacht]]s eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende 1996 regte die [[Evangelische Fachhochschule Hannover]], Fachbereich Sozialwissen, die [[Wiederaufnahme des Verfahrens|Wiederaufnahme]] des Kriegsgerichtsverfahrens gegen Beck mit dem Ziel des Freispruchs an. 1997 beantragte die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme mit dem Ziel des Freispruchs. Sie stützte den Antrag u.&amp;amp;nbsp;a. darauf, dass Becks jüdische Abstammung die Fahnenflucht gerechtfertigt habe. Das [[Landgericht Köln]] hob am 19. Dezember 1997 das Urteil des Kriegsgerichts auf und sprach Beck frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beteiligten des Kriegsgerichtsverfahrens wurden nicht belangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2002 hob das [[Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege]] die Urteile gegen Deserteure der Wehrmacht auf. Opfer und Hinterbliebene wurden jedoch nicht entschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Landgericht Köln, Beschluss vom 19. Dezember 1997, [[Neue Juristische Wochenschrift|NJW]] 1998, Seite 2688f. [http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/1998/19982Lehmann_S_254.pdf online] (PDF; 600&amp;amp;nbsp;kB)&lt;br /&gt;
* Karl-Heinz Lehmann &amp;#039;&amp;#039;&amp;quot;Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig&amp;quot; – Wiederaufnahmeantrag eines nach Kriegsende wegen &amp;quot;Fahnenflucht&amp;quot; ergangenen Todesurteils&amp;#039;&amp;#039;, [[Kritische Justiz]], 1997, Seite 94ff [http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/1997/19971Lehmann_S_94.pdf online] (PDF; 945&amp;amp;nbsp;kB)&lt;br /&gt;
* „[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46414282.html &amp;#039;&amp;#039;Kriegsgerichte - Menschlich bedrückend&amp;#039;&amp;#039;]“, in: &amp;#039;&amp;#039;Der Spiegel&amp;#039;&amp;#039;, 38/1966.&lt;br /&gt;
* Chris Madsen, &amp;#039;&amp;#039;Victims of Circumstance: The Execution of German Deserters by surrendered German Troops under Canadian Control in Amsterdam, May 1945&amp;#039;&amp;#039;, in &amp;#039;&amp;#039;Canadian Military History 2&amp;#039;&amp;#039;, 1993, Seite 93–113 [https://www.wlu.ca/lcmsds/cmh/back%20issues/CMH/volume%202/issue%201/Madsen%20-%20Victims%20of%20Circumstance%20-%20the%20Execution%20of%20German%20Deserters%20by%20Surrendered%20German%20Troops%20Under%20Canadian%20Control.pdf online] (PDF; 405&amp;amp;nbsp;kB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Film ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;[[Die im Dreck krepieren]]&amp;#039;&amp;#039;, italienisch-jugoslawischer Spielfilm aus dem Jahre 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|LCCN=no2010004750|VIAF=106863522|GNDfehlt=ja|GNDCheck=2023-04-22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Beck, Rainer}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militärperson (Kriegsmarine der Wehrmacht)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Opfer der NS-Militärjustiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wehrrechtsgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsgeschichte der Neuzeit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Opfer des Holocaust]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1916]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1945]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Beck, Rainer&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=letztes Opfer der NS-Militärjustiz&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=16. Oktober 1916&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Gliwice|Gleiwitz]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=13. Mai 1945&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Amsterdam]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
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