<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Radikalismus</id>
	<title>Radikalismus - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Radikalismus"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Radikalismus&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-07T11:00:47Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Radikalismus&amp;diff=283623&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;SchlurcherBot: Bot: http → https</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Radikalismus&amp;diff=283623&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2025-11-02T04:17:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Emma Bonino.jpg|miniatur|Die ehemalige EU-Kommissarin und ehemalige italienische Außenministerin [[Emma Bonino]] von der [[Radicali Italiani|Radikalen Partei]]]]&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Radikalismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet man eine politische Einstellung, die grundlegende Veränderungen an einer herrschenden [[Gesellschaftsordnung]] anstrebt. Das Adjektiv „radikal“ ist vom [[Lateinische Sprache|lateinischen]] &amp;#039;&amp;#039;radix&amp;#039;&amp;#039; (Wurzel) abgeleitet und beschreibt das Bestreben, gesellschaftliche und politische Probleme „an der Wurzel“ zu greifen und von dort aus möglichst umfassend, vollständig und nachhaltig zu lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsentwicklung ==&lt;br /&gt;
Der Begriff „Radikalismus“ stammt ursprünglich aus der liberalen Freiheits- und Demokratiebewegung des 19. Jahrhunderts und stand lange Zeit als politischer Richtungsbegriff für die [[Bürgertum|bürgerliche]] [[Politische Linke|Linke]] (das [[Linksliberalismus|linksliberale]] politische Spektrum). Die radikalen Demokraten traten für das [[Allgemeines Wahlrecht|allgemeine Wahlrecht]], eine konsequente [[Säkularisation|Entmachtung der Kirche]] und die [[Republik]] als [[Staatsform]] ein. Besonders in romanischen Ländern (etwa Frankreich und Italien) steht die Bezeichnung auch heute noch für linksliberale und radikaldemokratische [[Politische Partei|Parteien]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem im deutschen Sprachraum hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein Bedeutungswandel vollzogen, sodass die Bezeichnung im allgemeinen Bewusstsein heute Strömungen jedweder politischen [[Politische Farbe|Couleur]] meinen kann, die ihre Ziele besonders entschieden oder kompromisslos&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[https://www.buchstaben.com/raetsel/kompromisslos-extremistisch Lösung für kompromisslos, extremistisch, mit 7 Buchstaben: RADIKAL.]&amp;#039;&amp;#039; In: Kreuzworträtsel-Lösungen online, abgerufen am 11. Mai 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{dwds.de |Stichwort=Radikalität |Abruf=2025-05-11}} („Eigenschaft einer Person, Gruppe, Position, Äußerung o.&amp;amp;nbsp;Ä., zum Extremen oder Grundsätzlichen zu neigen (…): mit Adjektivattribut: äußerste, kompromisslose Radikalität. (…) Bedeutungsverwandte Ausdrücke: Kompromisslosigkeit“).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle | url=https://www.phonostar.de/radio/was-menschen-radikal-macht-kompromisslosigkeit-ist-stark-aber-auch-gefaehrlich/v/120225/2015-09-13 | titel=Was Menschen radikal macht: Kompromisslosigkeit ist stark – aber auch gefährlich | werk= hr2 Camino – Religionen auf dem Weg |hrsg=[[Hessischer Rundfunk]] | datum=2015-09-13 | sprache=de | abruf=2025-05-11 | kommentar=„Radikalität endet jedoch nicht zwangsläufig im Terrorismus. Der Satz: ‚Etwas anderes kommt für mich nicht in Frage‘, ist eine kompromisslose Formel für Menschen, die glauben, das Richtige zu tun.“ }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Klaus W. West | url=https://faustkultur.de/gesellschaft-essay-reportage/kompromiss-und-radikalitaet/ | titel=Kompromiss und Radikalität. Haltung und Praxis im politischen Alltag | werk=[[Faust-Kultur]] | datum=2022-07-31 | sprache=de | abruf=2025-05-11 | kommentar=„Und in zivilen Gesellschaften der Gegenwart scheint das Adjektiv ‚radikal‘ mit dem Adjektiv ‚kompromisslos‘ gleichgesetzt zu werden.“}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Dorothee Dienstbühl: &amp;#039;&amp;#039;Extremismus und Radikalisierung. Kriminologisches Handbuch zur aktuellen Sicherheitslage.&amp;#039;&amp;#039; Richard Boorberg Verlag, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-415-06579-6, S.&amp;amp;nbsp;71.&amp;lt;/ref&amp;gt; und häufig in [[Opposition (Politik)|Opposition]] zur herrschenden Ordnung verfolgen. In diesem Sinne spricht man etwa vom [[Linksradikalismus|Links-]] oder [[Rechtsextremismus#Begriff|Rechtsradikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sprachgebrauch der [[Staatsschutz]]behörden in der [[Deutschland|Bundesrepublik Deutschland]] wurde der bis dahin verwendete Begriff „Radikalismus“ seit 1975 endgültig durch den Begriff „[[Extremismus]]“ abgelöst. Bezeichnet werden damit äußerste Randpositionen im Verhältnis zur angenommenen Mitte des [[Politisches Spektrum|politischen Spektrums]], die eine Ablehnung des demokratischen [[Verfassungsstaat]]es und in der Regel [[Gewaltbereitschaft]] einschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Liberaler Radikalismus ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Fr Hecker 4.jpg|mini|hochkant|Der radikale Revolutionär von 1848, [[Friedrich Hecker]], neigte teilweise auch zum [[Sozialismus]].]]&lt;br /&gt;
Als „Radikale“ wurden im Europa des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die Anhänger des politischen [[Liberalismus]] bezeichnet, die sich zum [[Linksliberalismus|linken Flügel der liberalen Bewegung]] zählten. Die Bereitschaft, freiheitlich-nationale Ziele im Rahmen einer [[Revolution]] gegen restaurative [[Staatsordnung]]en unter Umständen auch mit Gewalt durchzusetzen, kann dabei zunächst nicht als besonderes Merkmal gewertet werden, das die Radikalen von anderen liberalen Gruppen unterschieden hätte. Vielmehr zielten alle liberalen Ansätze ursprünglich auf eine nachhaltige Veränderung der politischen Verhältnisse ab. Im Vordergrund standen insbesondere die Forderung nach einer [[Verfassung]] ([[Konstitutionalismus]]) und die Absage an ein [[Absolutismus|absolutistisches]] und [[Autokratie|autokratisches]] Herrschaftsverständnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentliche Unterschiede zwischen den von Anfang an heterogenen Bestandteilen des liberalen [[Bürgertum]]s kristallisierten sich erst im Laufe der Zeit und von Land zu Land in unterschiedlicher Weise heraus, wobei sich die Radikalen im Wesentlichen durch besonders weit gehende politische Ziele und die Schärfe der Auseinandersetzung von gemäßigteren Liberalen unterschieden. In vielen Fällen lässt sich eine Differenzierung des liberalen Spektrums dieser Zeit insbesondere daran festmachen, ob eine [[konstitutionelle Monarchie]] gefordert oder das radikale Ziel [[Republik]] (Abschaffung der [[Monarchie]]) verfolgt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Generell sahen sich die Liberalen (im deutschsprachigen Raum auch „Freiheitliche“, „[[Deutsche Fortschrittspartei|Fortschrittliche]]“ oder „[[Freisinn]]“ genannt) seit dem [[Wiener Kongress]] in der Opposition gegen die konservative Ordnung der [[Restauration (Geschichte)|Restaurationszeit]] und forderten von den Fürsten mehr oder weniger vehement die allgemeinen [[Grundrechte#Geschichte|Freiheitsrechte]] ein. Zu einer spürbaren Differenzierung innerhalb des liberalen Lagers kam es zum ersten Mal während der Herrschaft des anfänglich selbst der liberalen Bewegung zugerechneten [[Ludwig Philipp (Frankreich)|„Bürgerkönigs“ Louis-Philippe]] in [[Frankreich]], der durch eine bürgerlich-liberale Revolution ([[Julirevolution von 1830]]) an die Macht gekommen war, welche das reaktionäre Regime der Bourbonen gestürzt hatte. Das französische Bürgertum zeigte sich aber zunehmend enttäuscht von der [[Julimonarchie]] und die Radikalen forderten insbesondere, das [[Zensuswahlrecht]] durch ein [[Allgemeines Wahlrecht|allgemeines]], freies Männerwahlrecht zu ersetzen, und wollten die völlige und sofortige Ablösung der [[Feudalismus|feudalen Grundlasten]] erreichen. Die Unzufriedenheit der radikaleren Liberalen führte schließlich zur [[Februarrevolution 1848]] und den dadurch ausgelösten [[Europäische Revolutionen 1848/1849|revolutionären Umwälzungen in ganz Europa]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Siège du Parti radical, 1 place de Valois, Paris.jpg|mini|hochkant|Sitz der „radikal&amp;amp;shy;sozialis&amp;amp;shy;tischen“ liberalen Partei. Nach ihrer Adresse in Paris nennt man sie auch &amp;#039;&amp;#039;Parti radical valoisien&amp;#039;&amp;#039;.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Christiane Taubira - Royal &amp;amp; Zapatero&amp;#039;s meeting in Toulouse for the 2007 French presidential election 0529 2007-04-19.jpg|mini|hochkant|Christine Taubira war 2002 französische Präsident&amp;amp;shy;schafts&amp;amp;shy;kandidatin und wurde später auch Vize&amp;amp;shy;vorsitzende der kleinen &amp;#039;&amp;#039;Parti radical du gauche&amp;#039;&amp;#039;. Die „Linken Radika&amp;amp;shy;len“ gehören dem linken Libera&amp;amp;shy;lismus an und hatten sich von der älteren radikalen Partei abgespalten.]]&lt;br /&gt;
„Radikal“ war dieser Flügel der Liberalen also sowohl hinsichtlich seiner Ziele (radikaldemokratisch) als auch der eingesetzten Mittel (Umsturz der Regierungen). Auch für sozialrevolutionäre Tendenzen, die etwa seit 1871 ([[Pariser Kommune]]) die politische Diskussion der Linken immer stärker beherrschten, zeigte sich das radikale Spektrum im Allgemeinen offen, wenngleich es im Unterschied zur [[Arbeiterbewegung]] und [[Sozialdemokratie]] (mit denen die Radikalen häufig Bündnisse eingingen) stets durch seine bürgerliche Herkunft geprägt blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Kantonen der [[Schweiz]] kam es bereits kurz nach der Julirevolution von 1830 zu dezidiert „radikalen“ Umstürzen, der so genannten liberalen „[[Regeneration (Schweiz)|Regeneration]]“. Gegen den konservativ regierten [[Kanton Luzern]] organisierten die Radikalen 1844/45 so genannte [[Freischarenzüge]], um einen gewaltsamen Umsturz herbeizuführen. Nach 1847 wurden die Bezeichnungen „radikal“ und „freisinnig“ bzw. „liberal“ in der Schweiz oft bedeutungsgleich verwendet. In der französischsprachigen Schweiz nennt sich die [[Freisinnig-Demokratische Partei]] noch heute &amp;#039;&amp;#039;Parti radical-démocratique Suisse&amp;#039;&amp;#039; und wird im Volksmund &amp;#039;&amp;#039;les radicaux&amp;#039;&amp;#039; („die Radikalen“) genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders stark ausgeprägt war der Radikalismus in [[Frankreich]], wo er über viele Jahrzehnte in Form der [[Parti républicain, radical et radical-socialiste|Radikalen Partei]] die Politik mitbestimmte und zwischen 1900 und 1940 die dominierende politische Kraft war. Auf Grund ihrer Positionierung zwischen Arbeiterbewegung und [[Konservative]]n war die &amp;#039;&amp;#039;Parti radical&amp;#039;&amp;#039; für Mehrheitsbildungen meist unverzichtbar und daher in verschiedensten politischen Konstellationen an der Regierung beteiligt. Aus einer stark republikanischen, antimonarchistischen und antiklerikalen Tradition kommend, suchten die Radikalen ab dem Jahr 1898 immer wieder erfolgreich Bündnisse mit [[Sozialismus|sozialistischen]] und [[Kommunismus|kommunistischen]] Gruppierungen, um ihre Vorstellungen umzusetzen, so etwa die Gesetze zur [[Trennung von Religion und Staat|Trennung von Staat und Kirche]] 1905 oder in der [[Front populaire|Volksfront]] von 1936. Im Gegensatz zu ihren Bündnispartnern, die aus der Arbeiterbewegung kamen, vertrat die &amp;#039;&amp;#039;Parti radical&amp;#039;&amp;#039; das radikalliberale Bürgertum, eine Strömung die in Frankreich auf eine wesentlich stärkere Tradition zurückblickt als etwa im deutschsprachigen Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In katholisch geprägten Ländern wie beispielsweise [[Spanien]] (&amp;#039;&amp;#039;[[Partido Progresista (Spanien)|Partido Progresista]]&amp;#039;&amp;#039;) oder [[Chile]] (&amp;#039;&amp;#039;[[Partido Radical (Chile)|Partido Radical]]&amp;#039;&amp;#039;), in denen die [[Römisch-katholische Kirche|Kirche]] als Grundpfeiler der konservativen Gesellschaftsordnung fungierte, stand der radikale Flügel der (insgesamt ohnehin [[Laizismus|laizistisch]] geprägten) liberalen Bewegung für einen besonders starken [[Antiklerikalismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland waren radikaldemokratische und [[Frühsozialismus|frühsozialistische]] Revolutionäre 1848 besonders stark in [[Badische Revolution|Baden]] vertreten. Später nannte man den linken Flügel der Liberalen im Unterschied zu den [[Nationalliberale Partei|Nationalliberalen]] ausdrücklich Radikalliberale. Als solche verstanden sich die in der [[Deutsche Volkspartei (Deutsches Kaiserreich)|Deutschen Volkspartei]], später der [[Deutsche Freisinnige Partei|Deutschen Freisinnigen Partei]] gebündelten demokratisch-republikanischen Kräfte des [[Deutsches Kaiserreich|Kaiserreichs]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die weitgehende Verwirklichung wichtiger radikaler Ziele wie der Trennung von Staat und Kirche sowie die Ablösung des kritischen Bürgertums durch das [[Proletariat|Arbeiterproletariat]] als der treibenden Kraft der Gesellschaftsveränderung ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und die generell zunehmende Demokratisierung der politischen Systeme der westlichen Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten zur Eingliederung des liberalen Radikalismus in das etablierte Spektrum der linken Mitte. Die Nivellierung der Unterschiede zwischen Arbeitern und Bürgern als Träger linksoppositioneller Strömungen im Zuge der fortschreitenden Verbürgerlichung der westeuropäischen [[Mittelstandsgesellschaft]] in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachten dann letztlich den [[Bedeutungswandel]] des politischen Begriffs „Radikalismus“ mit sich, der heute im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen nicht mehr als Bezeichnung einer betont liberalen und demokratischen politischen Gesinnung dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Radikaldemokratische Strömungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Verbindung zwischen radikal demokratisch gesinnten bürgerlich-liberalen Kräften und im [[Sozialismus]] beheimateten [[Basisdemokratie|basis-]] und [[Räterepublik|rätedemokratischen]] Bestrebungen der [[Politische Linke|politischen Linken]] entstand im Laufe des 20. Jahrhunderts das im Hinblick auf seine Einordnung relativ offene Attribut „[[Radikaldemokratie|radikaldemokratisch]]“, das auch heute noch als programmatische Bezeichnung verwendet wird, um das Selbstverständnis von Gruppierungen recht unterschiedlicher politischer Ausrichtung zum Ausdruck zu bringen, die ihr entschieden demokratisches Politikverständnis betonen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Spektrum dieses Begriffs reicht von eindeutig der linksliberalen „radikalen“ Tradition zuzuordnenden Gruppen wie der in der Spätphase der [[Weimarer Republik]] entstandenen [[Radikaldemokratische Partei|Radikaldemokratischen Partei]] bis hin zu Verfechtern eines [[Demokratischer Sozialismus|demokratischen Sozialismus]] (etwa den [[JungdemokratInnen/Junge Linke|JungdemokratInnen/Jungen Linken]]), die sich heute als radikaldemokratisch verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politischer Radikalismus als Bedrohung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die radikalen Bestrebungen des Liberalismus richteten sich von ihrem ursprünglichen Selbstverständnis her auf einen grundlegenden Umbau, gegebenenfalls sogar einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden (undemokratischen) Verhältnisse und galten daher aus Sicht der jeweiligen politischen Machthaber und ihrer [[Konservativismus|konservativen]] Unterstützer stets als Gefahr für das herrschende politische System.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Veränderungen der politischen Landschaft ging ein Bedeutungswandel einher, wonach „Radikalismus“ im Sprachgebrauch der meisten Medien heute in einer Grauzone zwischen „[[Demokratie]]“ und „Extremismus“ angesiedelt und nicht mehr als Inbegriff einer liberalen und demokratischen politischen Haltung verstanden wird. Ganz im Gegenteil wird der Ausdruck „politisch radikal“ im gängigen, allgemeinen Verständnis sogar als Synonym für eine antidemokratische Einstellung begriffen, die auf eine Abschaffung des bestehenden Systems oder des [[Rechtsstaat]]es zugunsten eines ideologisch geprägten [[Autoritarismus|autoritären]] oder gar [[Totalitarismus|totalitären]] Gesellschaftssystems zielt. Radikalismus wird demzufolge wiederum als Gefahr angesehen, diesmal aber für die (heute herrschende) demokratische Ordnung. Er kann dabei politisch sowohl links als auch rechts angesiedelt sein oder etwa auch in Form eines politisch-religiösen [[Fundamentalismus]] vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Westdeutschland kam der Ausdruck „Radikale“ in diesem Sinne besonders in den 1960er und 1970er Jahren in Gebrauch, als es aus Sicht der Bevölkerungsmehrheit um die Abwehr von [[Marxismus|marxistisch]] oder sozialistisch beeinflussten Strömungen ging, die im Rahmen einer linken Radikalopposition – „[[Linksradikalismus]]“ – auf einen Umbau des gesellschaftlichen und politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland zusteuerten. Derartige „Radikale“ wurden von den im Bundestag vertretenen Parteien und den [[Organ (Recht)|staatlichen Organen]] überwiegend als gefährliche, die [[freiheitliche demokratische Grundordnung]] der Bundesrepublik bedrohende Kräfte angesehen. Dieses Misstrauen brachte etwa der 1972 beschlossene [[Radikalenerlass]] zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig begann man, den Begriff auch auf rechtsgerichtete Gegner der demokratischen Ordnung auszudehnen, und unterschied zwischen „Rechtsradikalen“ und „Linksradikalen“. Bis 1974 verwendete der [[Verfassungsschutz]] den Begriff „Radikalismus“ im Sinne von „als verfassungsfeindlich angesehene Bestrebungen“. Danach wurde der Begriff in dieser Bedeutung von dem Ausdruck „Extremismus“ abgelöst.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Parlament 45/2005&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Mirko Heinemann |url=https://webarchiv.bundestag.de/archive/2010/0824/dasparlament/2005/45/Thema/004.html |titel=Wirrwarr der Begriffe. Die Unterschiede zwischen Radikalismus, Extremismus und Populismus |werk=[[Das Parlament]], 45/2005 |hrsg=Deutscher Bundestag |abruf=2025-09-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Radikalismus“ ist noch immer positiver besetzt als „Extremismus“ und gilt im allgemeinen Empfinden als weniger „bedrohlich“ als Letzterer. Das Attribut „radikal“ kann unter Umständen sogar positiv konnotiert sein und für besondere Konsequenz und Entschiedenheit in der Auswahl und bei der Verfolgung und Umsetzung übergeordneter Ziele stehen. Er wird daher von manchen Gruppierungen, die die bestehende Staats- und/oder Wirtschaftsordnung grundsätzlich kritisieren und verändern wollen, auch als Selbstbezeichnung verwendet. Schon die [[Außerparlamentarische Opposition|APO]] der 68er nahm die seinerzeit abwertende Fremdbezeichnung rasch für sich in Anspruch, wie es etwa in dem auf Demonstrationen skandierten, ironisch-provozierenden Satz zum Ausdruck kommt: &amp;#039;&amp;#039;Wir sind eine kleine radikale Minderheit.&amp;#039;&amp;#039; Derartige „Radikale“ sehen ihre eigene (positiv verstandene) Radikalität zumeist in ihren Zielen, nicht aber in ihren Methoden (Umsturz, Gewalt) verortet, während sie das Attribut „extremistisch“ als diskreditierend verstehen und für sich ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Fundamentalismus|Radikalreligiöse]], vor allem auch [[Islamismus|radikalislamische Bestrebungen]], die letztlich auf den Umsturz der freiheitlich demokratischen Grundordnung und die Errichtung einer [[Theokratie]] unter radikaler Ablehnung des im [[Westliche Welt|westlichen]] Denken unter Bezugnahme auf die [[Aufklärung]] etablierten [[Kritik#Kritik in anderen wissenschaftlichen Disziplinen|kritischen]] [[Vernunft]]begriffs zielen, bestimmen das Verständnis von Radikalität im Kontext des 21. Jahrhunderts stärker als bisher. Viele Westeuropäer denken bei dem Wort „radikal“ heute anders als noch vor wenigen Jahrzehnten in erster Linie an [[Islamismus|islamistischen]] oder generell einen [[Religion|religiös]] unterlegten Extremismus. Besonders in diesem Kontext hat sich auch das Wort „[[Radikalisierung]]“ verbreitet, das den teils schwer erklärlichen Prozess der Übernahme antifreiheitlicher Ideologien durch Mitglieder freier Gesellschaften beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Philosoph [[Helmuth Plessner]] (1892–1985) definiert Radikalismus als „die Überzeugung, daß wahrhaft Großes und Gutes nur aus bewußtem Rückgang auf die Wurzeln der Existenz entsteht; den Glauben an die Heilkraft der Extreme, die Methode, gegen alle traditionellen Werte und Kompromisse Front zu machen. Sozialer Radikalismus ist daher die Opposition gegen das Bestehende, insofern als es immer einen gewissen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Kräften der menschlichen Natur einschließt und den Gesetzen der Verwirklichung, dem Zwang des Möglichen, gehorcht.“ Plessner sieht soziale Mechanismen wie Taktgefühl, Diplomatie, Prestige und Zeremoniell als der seelischen Struktur des Menschen angemessen und daher wirkungsvoll zur Aufrechterhaltung einer humanen Gesellschaft; sozialer Radikalismus wird von ihm als „Ethik der Taktlosigkeit“ abgelehnt.&amp;lt;ref&amp;gt;Helmuth Plessner: &amp;#039;&amp;#039;Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus&amp;#039;&amp;#039;. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 2002, S. 14. und S. 110.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition durch den bundesdeutschen Verfassungsschutz ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0116-023, Leipzig, beschlagnahmtes rechtsradikales Werbematerial.jpg|mini|Aus Westdeutschland stammen&amp;amp;shy;des, in der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] beschlag&amp;amp;shy;nahmtes „rechtsradikales Werbematerial“ der [[Die Republikaner|Republikaner]], Leipzig 1990]]&lt;br /&gt;
In der [[Deutschland|Bundesrepublik Deutschland]] wurde die Unterscheidung zwischen den Begriffen „radikal“ und „extremistisch“ vor allem durch das [[Bundesverfassungsgericht]] und die [[Verfassungsschutz]]ämter geprägt.&amp;lt;ref&amp;gt;Bundeszentrale für politische Bildung: [http://www.bpb.de/themen/RAGCWA,0,0,Diskussion:_Die_Einordnung_der_REP.html &amp;#039;&amp;#039;Diskussion: Die Einordnung der REP&amp;#039;&amp;#039;] von Florian Blank (2007)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie hat sich inzwischen auch bei den Trägern der [[Politische Bildung|politischen Bildung]] und in den Schulen weitestgehend durchgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der jungen Bundesrepublik verwendete der deutsche Verfassungsschutz den Begriff „Radikalismus“ noch im Sinne von „als [[Verfassungsfeindlichkeit|verfassungsfeindlich]] angesehene Bestrebungen“. In den 1960er und 1970er Jahren wurde diese Bedeutung zunehmend vom Ausdruck „Extremismus“ übernommen. Der neuerliche Bedeutungswandel, in dessen Verlauf die negative Konnotierung des „Radikalismus“ als [[staat]]sgefährdende Bestrebung nach und nach überwunden wurde, vollzog sich schrittweise seit den Jahren zwischen 1966 und 1974:&amp;lt;ref name=&amp;quot;Parlament 45/2005&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitat|Bis 1966 bezeichnete das Bundesamt für Verfassungsschutz rechte verfassungswidrige Organisationen als ‚rechtsradikal‘, später galten rechtsextrem und rechtsradikal als synonyme Bezeichnungen. 1974 etablierte sich der [[Rechtsextremismus]] als Oberbegriff für verfassungsfeindliche Bestrebungen von Rechts.}}&lt;br /&gt;
Heute grenzt das deutsche [[Bundesamt für Verfassungsschutz]] Radikalismus und Extremismus explizit voneinander ab:&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesamt für Verfassungsschutz: [https://www.verfassungsschutz.de/de/service/faq/ Häufig gestellte Fragen: Was ist der Unterschied zwischen radikal und extremistisch?]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitat|Als extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung – die [[freiheitliche demokratische Grundordnung]] – gerichtet sind. Über den Begriff des Extremismus besteht oft Unklarheit. Zu Unrecht wird er häufig mit Radikalismus gleichgesetzt. So sind zum Beispiel Kapitalismuskritiker, die grundsätzliche Zweifel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung äußern und sie von Grund auf verändern wollen, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Auch wer seine radikalen Zielvorstellungen realisieren will, muss nicht befürchten, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird; jedenfalls nicht, solange er die Grundprinzipien unserer Verfassungsordnung anerkennt.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der auf den essentiellen Unterschied zwischen den Aufgaben des Verfassungsschutzes und der [[Sozialwissenschaften]] hinweisende Vorschlag verschiedener Autoren, „das Attribut extremistisch für die Beobachtungsgegenstände der Verfassungsschutzbehörden zu reservieren und die Bezeichnung Radikalismus für das wesentlich breitere sozialwissenschaftliche Betätigungsfeld zu verwenden“, konnte sich bislang nicht durchsetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gero Neugebauer]]: {{Webarchiv | url=http://www.extremismus.com/texte/ext1.pdf | wayback=20070224124448 | text=&amp;#039;&amp;#039;Extremismus – Rechtsextremismus – Linksextremismus: Einige Anmerkungen zu Begriffen, Forschungskonzepten, Forschungsfragen und Forschungsergebnissen&amp;#039;&amp;#039;}} S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{HLS|27156|Radikalismus|Autor= [[Albert Tanner (Historiker)|Albert Tanner]]}} Version vom 29. Januar 2013.&lt;br /&gt;
* [[Eckhard Jesse]]: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Radikalismus Radikalismus.]&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Staatslexikon der Görres-Gesellschaft|Staatslexikon online]].&amp;#039;&amp;#039; Version vom 8. Juni 2022.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wikiquote}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|4048171-2|TYP=Literatur zum Schlagwort}}&lt;br /&gt;
* [https://www.bpb.de/themen/VSBMKQ,1,0,Wann_spricht_man_von_Rechtsextremismus_Rechtsradikalismus_oder_Neonazismus%85_.html BPB: &amp;#039;&amp;#039;Rechtsradikalismus/Rechtsextremismus/Neonazismus&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4048171-2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Ideologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liberalismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
	</entry>
</feed>