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	<title>Poststrukturalismus - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Poststrukturalismus&amp;diff=50523&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Morehands: /* Theoretiker des Poststrukturalismus */</title>
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		<updated>2026-04-25T11:28:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Theoretiker des Poststrukturalismus&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Poststrukturalismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; kennzeichnet unterschiedliche [[Geisteswissenschaften|geistes-]] und [[Sozialwissenschaften|sozialwissenschaftliche]] Ansätze und Methoden, die Ende der [[1960er]] Jahre zuerst in Frankreich entstanden und die sich auf unterschiedliche Weise kritisch mit dem Verhältnis von sprachlicher Praxis und sozialer Wirklichkeit auseinandersetzen. Maßgeblich ist dabei die Ansicht, dass die Sprache die Realität nicht bloß abbilde, sondern mittels ihrer [[Kategorisierung (Kognitionswissenschaft)|Kategorien]] und Unterscheidungen auch herstelle. Typischerweise ist mit dieser Perspektive auch eine Abkehr von einer [[Objektivität|objektivistischen]] Sicht auf die Gesellschaft verbunden, die [[soziale Tatsache]]n als notwendig ansieht; stattdessen werden die unterschiedlichen Möglichkeiten ([[Kontingenz (Philosophie)|Kontingenz]]) gesellschaftlicher Entwicklungen betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Philosophiegeschichtliche Verortung ==&lt;br /&gt;
Der Begriff „Poststrukturalismus“ ist eine [[Philosophiegeschichte|philosophiegeschichtliche]] Bezeichnung. Für die unter diesem Sammelbegriff zusammengefassten Theoretiker lassen sich nur schwer gemeinsame Thesen formulieren. Ein Grund dafür ist, dass viele Poststrukturalisten betonen, dass es ihnen bewusst nicht um die Aufstellung einer alternativen umgreifenden philosophischen Theorie geht, sondern um eine bestimmte Methode oder eine denkerische oder analytische Haltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Differenzen zum klassischen [[Strukturalismus]] eines [[Roman Jakobson]]s, [[Ferdinand de Saussure]]s und anderer werden von den einzelnen Poststrukturalisten unterschiedlich bestimmt. Grundlegend ist eine Ausweitung des [[Text]]-Begriffs. Der einzelne Text gilt als mit anderen vernetzt; er gilt als Zitat früherer Texte und es gibt auch keine privilegierte Lesart. Außerdem wird der Textbegriff auf die Geschichte oder ganze Kulturen ausgeweitet. Andere Unterschiede werden in der Abgrenzung gegenüber bestimmten theoretischen oder methodischen Voraussetzungen strukturalistischer Klassiker gesehen, die von den Poststrukturalisten nicht übernommen werden. Dies betrifft v.&amp;amp;nbsp;a. kulturübergreifende, übergeschichtliche, starre und abstrakte [[Gesetz]]e, wie sie besonders [[Claude Lévi-Strauss]] entdeckt zu haben meinte. Allgemein werden historische Diskontinuitäten stärker betont als bei klassischen Strukturalisten. Heterogenität wird stärker als Homogenität betont. Typisch sind eine [[Kulturkritik|kritische]] Herangehensweise an strukturierende Begriffe, normative Vorstellungen und theoretische Prinzipien. Ordnungsprinzipien klassischer [[Metaphysik|metaphysischer]] Systeme werden auf die Bedingungen ihrer Geltung hin analysiert. Dabei werden [[Psychoanalyse|psychoanalytische]], [[Diskursanalyse|diskursanalytische]], [[Semiotik|semiotische]] und [[Sprachphilosophie|sprachphilosophische]] Methoden verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oftmals wird in Anknüpfung an strukturalistische Konzepte, insbesondere der [[Semiotik]], das Verhältnis von (sprachlichen) Zeichen ([[Signifikant]]en) und Bedeutungen ([[Signifikat]]en) problematisiert und das Augenmerk auf die Veränderbarkeit [[Sprache|sprachlicher]] und diskursiver Strukturen gerichtet. So postulieren viele Poststrukturalisten – insbesondere im Gefolge der Derrida’schen [[Dekonstruktion]] und der Foucault’schen [[Diskursanalyse]] –, dass [[Bedeutung (Sprachphilosophie)|Bedeutungseinheiten]] stets nur als Effekt vorgängig gezogener Differenzen (vgl. Derridas Konzept der [[Différance]]) gebildet werden können,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. G. Plumpe: &amp;#039;&amp;#039;Strukturalismus&amp;#039;&amp;#039;. In: [[HWPh]], Bd. 10, S. 345 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; wodurch die Konstruktionsbedingungen von [[Sinn (Semantik)|Sinn]] und damit zugleich die Prekarität und Veränderbarkeit von Sinnkonstruktionen stärker in den Blick geraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesellschaftliche Strukturen, Wissensordnungen und kulturelle Formationen ([[Diskurs]]e), so eine Voraussetzung der meisten Poststrukturalisten, sind grundsätzlich mit Formen der [[Macht]] verknüpft, welche deren Geltung und hierarchische Ordnung etablieren und dazu [[Herrschaft]]sverhältnisse produzieren und stabilisieren. Ein zentrales Motiv ist daher für viele Poststrukturalisten, wie derartige Herrschaftsordnungen durch [[subversiv]]e (unterlaufende) und interventionistische (eingreifende) Praktiken verändert oder zumindest für kreative Neupositionierungen genutzt werden können. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Analyse von [[Massenmedien]], [[Populärkultur]] und [[Alltag]]spraktiken, wie sie insbesondere durch die Disziplin der [[Cultural studies]] analysiert werden. Wichtige Theoretiker in diesem Zusammenhang sind [[Stuart Hall (Soziologe)|Stuart Hall]] und [[John Fiske (Medienwissenschaftler)|John Fiske]] aus dem Umfeld des britischen &amp;#039;&amp;#039;[[Centre for Contemporary Cultural Studies]]&amp;#039;&amp;#039;. Auch im Kontext des [[Postkolonialismus]] und der [[Queer-Theorie]] sind Fragen nach der Dekonstruktion von diskursiven Machtverhältnissen von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche poststrukturalistische Ansätze kommen in der Kritik an bestimmten klassischen Begriffen von [[Metaphysikkritik|Metaphysik]], [[Subjekt (Philosophie)|Subjekt]] oder [[Rationalität]] überein.&amp;lt;ref&amp;gt;Während zentrale Theoretiker wie Foucault oder Derrida die Annahme eines selbstbestimmten [[Individuum]]s lediglich nicht voraussetzten, sondern diese Voraussetzung methodisch suspendierten, lösen einige spätere Poststrukturalisten das Subjekt auf in ein Bündel von Fremdeinwirkungen und [[unbewusst]]en [[Impuls]]en.&amp;lt;!-- [Beispiel? Beleg?]--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Traditionelle, mit diesen Begriffen verbundene Positionen werden dabei oft als [[totalitär]], [[Patriarchat (Soziologie)|patriarchal]], [[Diskriminierung|diskriminierend]], [[Ethnozentrismus|ethnozentrisch]] sowie als „[[Substantialistisch|substantialisierend]]“ bzw. „[[Naturalisierung|naturalisierend]]“ (im Sinne von „[[Identität]] als natürliche Eigenschaft festschreibend“) oder gar als Ausdruck eines westlichen „[[Logozentrismus]]“ kritisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig verwendete Begriffe in einigen poststrukturalistischen Texten sind etwa: [[Ambiguität]], [[différance]], das (geteilte) [[Selbst]], „[[Der große Andere]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sozialhistorische Hintergründe ==&lt;br /&gt;
Zur Entstehungszeit des Poststrukturalismus hatten besonders in Frankreich Gedanken des [[Humanismus]] (im Sinne [[Jean-Paul Sartre]]s) und des [[Marxismus]] Konjunktur. Im Blick früher Poststrukturalisten wurde, was sich mit diesen Theorien verbindet, mehr und mehr fragwürdig. Beiderlei Theorien erschienen für die sich stellenden Fragen unzureichend – Fragen, die aufgeworfen wurden angesichts [[totalitär]]er Strukturen im [[Realsozialismus|Sowjetsozialismus]], vor dem Hintergrund des [[Stalinismus]], dem Verschwinden der [[Arbeiterklasse]] als [[revolution]]ärem Subjekt, der „[[Sozialdemokratie|Sozialdemokratisierung]]“, der Schwäche [[Sozialismus|sozialistischer]] Bewegungen im [[Postkolonialismus]], der Formulierung neuer Dringlichkeiten in der [[Ökologie]], der Selbstzerstörung der Jugendlichen in den Metropolen, der Entstehung neuer selbstbewusster Bewegungen, die sich nicht mehr mit einer „[[Hauptwiderspruch|Nebenwiderspruchsposition]]“ abfinden wollten: [[Frauenbewegung]], [[Black Power|Black-Power]]-Bewegung, [[Schwulen- und Lesbenbewegung]], oder die [[Bürgerrechtsbewegung]]en.&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Postmoderne}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Theoretiker des Poststrukturalismus ==&lt;br /&gt;
Dem Poststrukturalismus werden folgende Theoretiker zugerechnet:&lt;br /&gt;
{{Mehrspaltige Liste&lt;br /&gt;
|breite = 15em&lt;br /&gt;
|liste = * [[Louis Althusser]]&lt;br /&gt;
* [[Roland Barthes]]&lt;br /&gt;
* [[Jean Baudrillard]]&lt;br /&gt;
* [[Judith Butler]]&lt;br /&gt;
* [[Cornelius Castoriadis]]&lt;br /&gt;
* [[Hélène Cixous]]&lt;br /&gt;
* [[Gilles Deleuze]]&lt;br /&gt;
* [[Jacques Derrida]]&lt;br /&gt;
* [[Michel Foucault]]&lt;br /&gt;
* [[Félix Guattari]]&lt;br /&gt;
* [[Donna Haraway]]&lt;br /&gt;
* [[Luce Irigaray]]&lt;br /&gt;
* [[Julia Kristeva]]&lt;br /&gt;
* [[Jacques Lacan]]&lt;br /&gt;
* [[Ernesto Laclau]]&lt;br /&gt;
* [[Jean-François Lyotard]]&lt;br /&gt;
* [[Paul de Man]]&lt;br /&gt;
* [[Christian Metz (Filmwissenschaftler)|Christian Metz]]&lt;br /&gt;
* [[Chantal Mouffe]]&lt;br /&gt;
* [[Jean-Luc Nancy]]&lt;br /&gt;
* [[Jacques Rancière]]&lt;br /&gt;
* [[Slavoj Žižek]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Ansätze des Poststrukturalismus ==&lt;br /&gt;
=== Jacques Derridas Schrifttheorie ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Jacques Derrida|Dekonstruktion}}&lt;br /&gt;
Jacques Derrida ist ein besonders einflussgebender Autor. Er nennt seine Methode (er selbst bevorzugt den Begriff „Praxis“) Dekonstruktion; sie besteht in der Offenlegung der [[Aporie]]n, auf die man bei der Analyse von Versuchen, die Wahrheit zu erzählen, stößt.&amp;lt;ref&amp;gt;Jonathan Culler: &amp;#039;&amp;#039;Dekonstruktion: Derrida und die poststrukturalistische Literaturtheorie.&amp;#039;&amp;#039; Reinbek 1999.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein frühes Hauptwerk &amp;#039;&amp;#039;[[Grammatologie (Derrida)|Grammatologie]]&amp;#039;&amp;#039; behandelt vor allem klassische Sprachtheorien. Derrida versucht zu zeigen, dass es unmöglich sei, im direkten Gespräch die singuläre Bedeutungs[[intuition]] des Gegenübers erfassen zu können. Tatsächlich bleibe diese ebenso entzogen wie im „toten Buchstaben“ schriftlicher Gestalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ebenfalls frühes und grundlegendes Werk &amp;#039;&amp;#039;Die Stimme und das Phänomen&amp;#039;&amp;#039; versucht zu zeigen, dass Individuelles (singuläre Intuition) und Allgemeines ([[Intentionalität|Bedeutungsintention]]) notwendig unvermittelbar sind. Als Grund dafür wird unter anderem die Zeitversetztheit von Formulierungs- und Auswertungsakt angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &amp;#039;&amp;#039;Die Schrift und die Differenz&amp;#039;&amp;#039; (1967) unterscheidet Derrida zwei verschiedene Konzepte von „Struktur“. Das erste „metaphysische“ Konzept versucht nach einem tiefen „Grund“, nach dem Ursprung und der Wahrheit der Zeichen zu spüren. Das zweite, postmoderne will das prinzipiell unabschließbare Spiel der Zeichen beobachten und es schreibend fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derartige Differenzen sollen auch erklären, warum eine sprachlichen Unterscheidungsprinzipien vorgelagerte Bekanntschaft des Subjekts mit sich nicht gegeben sein kann und für theoretische Folgespekulationen (wie in idealistischen Systembildungsversuchen) dienen kann. Die Instanz des Autors als bedeutungsstiftender Urheber hat im poststrukturalistischen Denken keine Funktion mehr. Dies versucht der frühe Derrida etwa an der [[Descartes]]’schen [[Cogito ergo sum|Cogito]]-Szene zu zeigen. Seine frühen Aufsätze setzen sich außerdem mit [[Sigmund Freud]], [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel]], [[Ferdinand de Saussure]] und [[Emmanuel Levinas]] auseinander. Letzteren hat Derridas Kritik (besonders in seinem Text &amp;#039;&amp;#039;Gewalt und Metaphysik&amp;#039;&amp;#039;) teils erst bekannt gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derridas spätere Arbeiten widmen sich fast allen Bereichen der [[Philosophie]]. Nach einer mehr experimentell geprägten Phase stellen seine späten Schriften praktische und politische Fragen expliziter in den Vordergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesprächspartner Derridas waren unter anderem [[Gilles Deleuze]] und [[Félix Guattari]], [[Michel Foucault]], [[Luce Irigaray]], [[Julia Kristeva]], [[Jacques Lacan]], [[Ernesto Laclau]], [[Jean-François Lyotard]] und [[Hélène Cixous]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Jacques Lacans Psychoanalyse ===&lt;br /&gt;
Der französische Psychoanalytiker [[Jacques Lacan]], der für die Entwicklung der [[Psychoanalyse]] in Frankreich eine zentrale Rolle spielte, widmete sich einer erneuten Lektüre der Schriften [[Sigmund Freud]]s im Lichte der [[Strukturalismus|strukturalistischen]] Methode, verarbeitete aber auch Einflüsse der [[Fundamentalontologie]] und im Spätwerk der mathematischen [[Topologie (Mathematik)|Topologie]], deren [[Graph (Graphentheorie)|Graphenmodelle]] er für die Darstellung [[unbewusst]]er Vorgänge einsetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lacan betont, auch vor dem Hintergrund der Freudschen Theorie der [[Fehlleistung]] und des Witzes, dass das Unbewusste „wie eine [[Sprache]]“ strukturiert sei. Die Arbeit des Unbewussten erfolge nach [[Linguistik|linguistischen]] Gesetzen wie [[Metapher]] und [[Metonymie]], Ersetzung und Verschiebung. Die entsprechenden Elemente des psychischen Geschehens nennt er [[Signifikant]]en, jedoch spielt neben dem sprachähnlich strukturierten Feld des [[Das Symbolische|Symbolischen]] auch [[das Imaginäre]] und [[das Reale]] eine zentrale Rolle im psychischen Apparat. Die eigentliche Strukturierungsleistung, und auch die psychoanalytische Kur, vollziehe sich aber auf dem Feld des Sprechens. Auch Phänomene der [[Soziale Norm|sozialen Norm]], des Gesetzes, der [[Autorität]] und der [[Ideologie]] verortet Lacan auf dem Feld des Sprachlichen bzw. Symbolischen und prägte in diesem Kontext den Terminus des „[[Der große Andere|großen Anderen]]“ (vgl. auch [[Name-des-Vaters]]) als symbolische Figur der Autorität im Unterschied zum „kleine anderen“ bzw. „[[Objekt klein a]]“, welches im Kontext des [[Triebtheorie|Triebgeschehens]] eine entscheidende Rolle spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lacans Konzeption des Symbolischen wurde insbesondere von [[Louis Althusser]] im Kontext der Analyse von Ideologie und ideologischer „Anrufung“ ([[Interpellation (Philosophie)|Interpellation]]) für [[Marxismus|marxistische]] Ansätze fruchtbar gemacht. Seine Ausführungen zum [[Visuelle Wahrnehmung|Blick]] als Triebobjekt sowie zur wichtigen Rolle des [[Phantasma]]tischen für das psychische, aber auch [[sozial]]e Geschehen sind für neuere Theoriebildungen im Bereich der [[Kulturwissenschaft|Kultur-]] und [[Bildwissenschaft]] von zentraler Bedeutung. Als wichtigster Vertreter eines von Lacan geprägten Denkens gilt heute der [[Slowenien|slowenische]] Philosoph [[Slavoj Žižek]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Michel Foucaults Diskursanalyse ===&lt;br /&gt;
Die teils im Gefolge der [[Strukturalismus|Strukturalisten]], v.&amp;amp;nbsp;a. aber durch [[Michel Foucault]] entwickelte [[Diskursanalyse]] ist für die poststrukturalistischen Instrumentarien grundlegend. In Anlehnung an Foucault wurde die Diskursanalyse in den 1990er Jahren zu einer relativ reguliert verwendbaren Methode weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entfaltet wurde sie zunächst im [[Methodologie|methodologischen]] Hauptwerk Foucaults, &amp;#039;&amp;#039;Archäologie des Wissens&amp;#039;&amp;#039;. Dieses folgt seinen konkreten Studien zur Geburt einer „[[humanwissenschaft]]lichen“ Wissensordnung in &amp;#039;&amp;#039;[[Die Ordnung der Dinge]]&amp;#039;&amp;#039; und zu den Mechanismen des Ausschlusses und der gleichzeitigen Definition von Kranken und [[Wahnsinn]]igen – ein Ausschließungsakt, der zugleich erst die Selbstvergewisserung einer Gesellschaft über die eigene [[Identität]], Gesundheit und [[Vernunft|Vernünftigkeit]] stabilisiert. Die dabei implizit bereits verwendete Methode wurde, teilweise in Antwort auf Kritiker, dann von Foucault als &amp;#039;&amp;#039;Diskursanalyse&amp;#039;&amp;#039; expliziert. Dabei geht es um die Analyse der Struktur und Etablierungsbedingungen von Ordnungen des [[Wissen]]s, die jeweils mit eigenen [[Konvention]]en über Zulässigkeit und Wertigkeit von Wissenselementen, mit bestimmten „Regeln des [[Diskurs]]es“ einhergehen. Deren epochenspezifisches Gesamtdenken wird in den Begriff der „[[Épistémologie|Epistéme]]“ gefasst. Faktoren des Kontexts wie Regeln und Normen werden dabei als grundlegend dafür verstanden, dass überhaupt Sinn vermittelbar ist, also Kommunikate generierbar sind. Insbesondere werden prä-diskursive Rahmenbedingungen in den Blick genommen, welche etwa die Organisation von [[Macht]]&amp;amp;shy;verhältnissen über Strategien der Herrschaftsetablierung und Taktiken der Positionierung in Herrschaftsverhältnissen betreffen, eine Ebene, die Foucault als „[[Mikropolitik]]“ beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wurde diese Methode u.&amp;amp;nbsp;a. in die [[Kulturwissenschaft|Kultur-]], [[Geschichtswissenschaft|Geschichts-]] und [[Literaturwissenschaft]] eingeführt. Sie setzt sich dabei von einem subjekt- und autorzentrierten Erkenntnisbegriff klassischer [[Hermeneutik|hermeneutischer]] Ansätze ab. Im Zentrum steht nicht ein [[Autor]]&amp;amp;shy;subjekt und dessen [[Intention (Literatur)|Intention]]. Der Gebrauch einer Autor-Instanz dient nur zur Markierung mittelgroßer diskursiver Einheiten. Die Etablierung eines Autorsubjekts selbst ist ein an historische und kulturelle Wandlungen gebundener Diskurs.&amp;lt;ref&amp;gt;Für eine Studie derartiger Wandlungen vgl. Erich Schön: &amp;#039;&amp;#039;Der Verlust der Sinnlichkeit oder Die Verwandlungen des Lesers. Mentalitätswandel um 1800&amp;#039;&amp;#039;, Stuttgart : Klett-Cotta 1987, ISBN 3-608-91439-0&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere ist der Autorbegriff mit dem Begriff des Eigentums verzahnt.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Ein Privatbrief kann einen Schreiber haben, er hat aber keinen Autor; ein Vertrag kann wohl einen Bürgen haben, aber keinen Autor.&amp;#039;&amp;#039; Michel Foucault: &amp;#039;&amp;#039;Was ist ein Autor?&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die Stelle des Autors tritt bei Foucault das Gefüge einer Wissensordnung, die ihm seine Ausdrucksmöglichkeiten überhaupt erst bereitstellt. Der dafür einschlägige Begriff des Diskurses integriert dabei gerade auch die erwähnten vor-diskursiven Konstitutionsbedingungen kulturellen Wissens, insbesondere auch Systeme der Kontrolle und Regulierung. „Diskurs“ ist ein gesamtes Feld kulturellen Wissens, das sich in Form von Aussagen und Texten gleichsam als Spitzen eines Eisbergs &amp;#039;&amp;#039;manifestiert&amp;#039;&amp;#039;. [[Denken]] und [[Wahrnehmung]] sind, so Foucaults Annahme, je bereits durch Diskursordnungen geprägt. [[Wahrheit]] und [[Wirklichkeit]] konstituiert sich vermittels [[kultur]]eller Äußerungen und über Praktiken der Wahrheitsetablierung und eines Kampfes um das „Hörbarmachen“ von „Stimmen“ (Meinungen). Wissen ist grundsätzlich nur in Dokumenten zugänglich, diese sind aber im sie ermöglichenden Kontext einer gesamten Diskursformation (Episteme) zu analysieren. Das Selbstverständnis und die Ordnungsmechanismen einer Gesellschaft sind daher zumindest mittelbar fassbar. Auch Gesellschaft formiert sich über Texte und kulturelle Artefakte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die methodische Einklammerung der Autorinstanz kann als ein Spezialfall von Foucaults Subjektkritik erklärt werden. Ein Subjekt entwirft sich Foucault zufolge grundsätzlich im Feld verfügbarer Diskursivierungsstrategien des [[Selbst]]s, in dem es in unterschiedlichem Maße von kreativen taktischen Zügen der Selbstpositionierung Gebrauch machen kann. Auf diese Beweglichkeit kommt es Foucault an, die durch einen klassischen, [[substantialistisch]]en Subjektbegriff eher eingeengt wird. Foucaults späte Arbeiten konzentrieren sich besonders auf das Thema des Selbstentwurfs, das er in Anlehnung an [[Stoa|stoische]] Theorien als „Selbstsorge“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
=== Intertextualität und das Denken von Julia Kristeva ===&lt;br /&gt;
=== Roland Barthes ===&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
Der Poststrukturalismus wurde sowohl als Ganzes wie in einzelnen seiner Vertreter von verschiedensten Seiten kritisiert. Bekannt sind beispielsweise die Einwände von [[Jürgen Habermas]]&amp;lt;ref&amp;gt;Besonders in [[Jürgen Habermas]]: &amp;#039;&amp;#039;Der philosophische Diskurs der Moderne&amp;#039;&amp;#039;, wo Derrida und andere Poststrukturalisten in eine [[Linkshegelianismus|linkshegelianische]], [[Friedrich Nietzsche|nietzscheanische]] Traditionslinie eingeordnet werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Manfred Frank (Philosoph)|Manfred Frank]]&amp;lt;ref&amp;gt;Unter anderem in [[Manfred Frank (Philosoph)|Manfred Frank]]: &amp;#039;&amp;#039;Was ist Neostrukturalismus&amp;#039;&amp;#039; und verschiedenen Rezensionen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ein von [[Alan Sokal]] unternommenes Experiment ([[Sokal-Affäre]]): Dieser erwirkte in einer Zeitschrift, die sich poststrukturalistischen Theoriebildungen widmete, die Veröffentlichung eines Textes, der in Anlehnung an Stilformen einiger Poststrukturalisten verfasst war, aber nur Unsinn enthielt, was nach Sokal die mangelhafte intellektuelle Redlichkeit der gesamten Bewegung belege.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.physics.nyu.edu/faculty/sokal/transgress_v2/transgress_v2_singlefile.html Sokal, A.D. (1996). Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity. &amp;#039;&amp;#039;Social Text&amp;#039;&amp;#039;. 46/47:217-252]; zu Hintergrund und Rezeption siehe auch den Hauptartikel [[Sokal-Affäre]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Siehe auch&amp;#039;&amp;#039; die Kritik-Abschnitte in den Hauptartikeln [[Michel Foucault]], [[Jacques Derrida]], [[Jacques Lacan]] und [[Jean Baudrillard]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Sozialkonstruktivismus]]&lt;br /&gt;
* [[Nouvelle Philosophie]]&lt;br /&gt;
* [[Postdramatisches Theater]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Johannes Angermuller|Johannes Angermüller]]: &amp;#039;&amp;#039;Why There Is No Poststructuralism in France. The Making of an Intellectual Generation.&amp;#039;&amp;#039; Bloomsbury Academic, London u. a. 2015, ISBN 978-1-4742-2630-1.&lt;br /&gt;
* Johannes Angermüller: &amp;#039;&amp;#039;Nach dem Strukturalismus. Theoriediskurs und intellektuelles Feld in Frankreich.&amp;#039;&amp;#039; transcript, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-810-0.&lt;br /&gt;
* [[François Dosse]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des Strukturalismus&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Fischer-Taschenbücher.&amp;#039;&amp;#039; 13475–13476). 2 Bände (Bd. 1: &amp;#039;&amp;#039;Das Feld des Zeichens, 1945–1966.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 2: &amp;#039;&amp;#039;Die Zeichen der Zeit, 1967–1991.&amp;#039;&amp;#039;). Ungekürzte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-13475-7 (Bd. 1), ISBN 3-596-13476-5 (Bd. 2).&lt;br /&gt;
* [[Manfred Frank (Philosoph)|Manfred Frank]]: &amp;#039;&amp;#039;Was ist Neostrukturalismus?&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;[[Edition suhrkamp]].&amp;#039;&amp;#039; 1203 = Neue Folge 203). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-11203-1.&lt;br /&gt;
* [[Klaus W. Hempfer|Hempfer, Klaus W.]]: &amp;#039;&amp;#039;Poststrukturale Texttheorie und narrative Praxis: Tel Quel und die Konstitution eines nouveau nouveau roman&amp;#039;&amp;#039;, Fink, München 1976.&lt;br /&gt;
* [[Gabriel Kuhn]]: &amp;#039;&amp;#039;Tier-Werden, Schwarz-Werden, Frau-Werden. Eine Einführung in die politische Philosophie des Poststrukturalismus.&amp;#039;&amp;#039; Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-441-8.&lt;br /&gt;
* [[Stephan Moebius]]: &amp;#039;&amp;#039;Die soziale Konstituierung des Anderen. Grundrisse einer poststrukturalistischen Sozialwissenschaft nach Lévinas und Derrida&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Campus Forschung.&amp;#039;&amp;#039; 834). Campus, Frankfurt am Main u. a. 2003, ISBN 3-593-37268-1 (Zugleich: Bremen, Universität, Dissertation, 2002).&lt;br /&gt;
* Stephan Moebius, [[Andreas Reckwitz]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Poststrukturalistische Sozialwissenschaften&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; 1869). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-29469-7.&lt;br /&gt;
* [[Stefan Münker]], Alexander Roesler: &amp;#039;&amp;#039;Poststrukturalismus&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Sammlung Metzler.&amp;#039;&amp;#039; 322). Metzler, Stuttgart u. a. 2000, ISBN 3-476-10322-6.&lt;br /&gt;
* Michael Ryan: &amp;#039;&amp;#039;Structuralism and Poststructuralism.&amp;#039;&amp;#039; In: Maryanne Cline Horowitz (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Dictionary of the History of Ideas|New Dictionary of the History of Ideas]].&amp;#039;&amp;#039; Band 6: &amp;#039;&amp;#039;Taste to Zionism. Index.&amp;#039;&amp;#039; Thomson Gale, Detroit MI u. a. 2005, ISBN 0-684-31383-9, S. 2260–2264.&lt;br /&gt;
* [[Urs Stäheli]]: &amp;#039;&amp;#039;Poststrukturalistische Soziologien.&amp;#039;&amp;#039; Transcript, Bielefeld 2000, ISBN 3-933127-11-4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Rudolf Behrens: [http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/rudolf.behrens/Vorlesung_Poststrukturalismus.html Einführung in den Poststrukturalismus]&lt;br /&gt;
* {{Internetquelle |url=http://www.ffst.hr/ENCYCLOPAEDIA/doku.php?id=poststructuralism_and_philosophy_of_education |autor=Michael Peters |titel=Poststructuralism and Education  |werk=ffst.hr |datum=1999 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20111109184128/http://www.ffst.hr/ENCYCLOPAEDIA/doku.php?id=poststructuralism_and_philosophy_of_education |archiv-datum=2011-11-09 |offline= |abruf=2022-09-09 |abruf-verborgen=ja |sprache=en}} In: &amp;#039;&amp;#039;Encyclopaedia of Philosophy of Education&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4137176-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Poststrukturalismus| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturtheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Morehands</name></author>
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