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	<title>Philadelphia-Chromosom - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Philadelphia-Chromosom&amp;diff=259778&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Martin Sg.: fm/wf</title>
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		<updated>2025-11-17T14:28:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;fm/wf&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Bcrablmet.jpg|mini|Fluoreszenz-Bild von Metaphasechromosomen (blau), bei denen eine Translokation t(9;22) (q34;q11) durch [[In-situ-Hybridisierung|FISH]] mit dem Einsatz zweier genspezifischer Sonden (grün und rot) nachgewiesen wurde. Erkennbar ist die Translokation an den direkt benachbarten roten und grünen Signalen.]]&lt;br /&gt;
Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Philadelphia-Chromosom&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (veraltet &amp;#039;&amp;#039;Ph&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;) ist ein verkürztes [[Chromosom 22 (Mensch)|Chromosom 22]], das bei manchen menschlichen [[Leukämie]]n zu finden ist. Es entsteht durch eine [[Translokation (Genetik)|Chromosomentranslokation]] zwischen den [[Chromosom 9 (Mensch)|Chromosomen 9]] und [[Chromosom 22 (Mensch)|22]]. Die [[Zytogenetik|zytogenetische]] Schreibweise für die Translokation lautet: t(9;22)(q34;q11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Philadelphia-Chromosom wurde erstmals 1960 durch [[Peter C. Nowell|Peter Nowell]] und David Hungerford in [[Philadelphia]] in Leukämiezellen eines Patienten mit [[Chronische myeloische Leukämie|chronischer myeloischer Leukämie]] (CML) beschrieben und erhielt seinen Namen vom Ort der Entdeckung.&amp;lt;ref&amp;gt;P. C. Nowell, D. A. Hungerford: &amp;#039;&amp;#039;Chromosome studies on normal and leukemic human leukocytes.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Journal of the National Cancer Institute]].&amp;#039;&amp;#039; 1960; 25, S. 85–109. PMID 14427847&amp;lt;/ref&amp;gt; Es war die erste identifizierte [[Chromosomenmutation|Chromosomenveränderung]], die mit der Entstehung von [[Krebs (Medizin)|Krebs]] in Verbindung gebracht werden konnte. Bei mehr als 95 Prozent der CML-Patienten ist die Veränderung nachweisbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Czerwenka u. a. 2003, S. 170.&amp;lt;/ref&amp;gt; Später wurde entdeckt, dass es auch bei einem Teil der Patienten mit [[Akute lymphatische Leukämie|akuter lymphatischer Leukämie]] (ALL) zu finden ist (etwa bei 4 % der Fälle bei Kindern und 25 % bei Erwachsenen), sehr selten auch bei der [[Akute myeloische Leukämie|akuten myeloischen Leukämie]] (AML; bei weniger als einem Prozent der Fälle&amp;lt;ref&amp;gt;Bain 1999, S. 83.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehung und Folgen ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Philadelphia Chromosom.svg|300px|mini|&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Philadelphia-Chromosom&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;: Im Verlauf einer Zellteilung „brechen“ Chromosom Nr.&amp;amp;nbsp;9 und Nr.&amp;amp;nbsp;22 jeweils in zwei Stücke und werden vertauscht wieder „zusammengebaut“.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Translokation ===&lt;br /&gt;
Die Chromosomenveränderung findet im [[Knochenmark]] in einer [[Stammzelle]] des [[Blut]]es statt. Dabei bricht das Chromosom 9 im Bereich q34.1 (q benennt den langen Chromosomenarm, 34.1 die Position auf diesem) und das Chromosom 22 auf q11.2.&amp;lt;ref&amp;gt;Miller &amp;amp; Therman 2001, S. 408.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bruchstelle liegt auf beiden Chromosomen im Bereich von [[Gen]]en, dem &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen (oder &amp;#039;&amp;#039;ABL1&amp;#039;&amp;#039;; für &amp;#039;&amp;#039;Abelson Murine Leukemia Viral Oncogene Homolog 1&amp;#039;&amp;#039;) auf dem Chromosom 9 und dem &amp;#039;&amp;#039;[[Breakpoint Cluster Region|BCR]]&amp;#039;&amp;#039;-Gen („breakpoint cluster region“; benannt aufgrund der häufigen Brüche in diesem Gen) auf dem Chromosom 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [[Translokation (Genetik)|Translokation]] wird der 5&amp;#039;-Anteil des &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Gens mit dem 3&amp;#039;-Teil des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gens verknüpft. Dabei gibt es verschiedene mögliche Bruchpunkte im &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Gen, aber nur einen Bruchpunkt im &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen, sodass verschieden große Fusionsgene entstehen, bei denen der Anteil des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gens immer gleich ist, die Größe des &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Anteils aber variiert. Auf diese Weise kommt es zur Bildung der Fusionsgene &amp;#039;&amp;#039;BCR-ABL&amp;#039;&amp;#039; auf Chromosom 22 und &amp;#039;&amp;#039;ABL-BCR&amp;#039;&amp;#039; auf Chromosom 9, das in seiner nun verlängerten Form als 9q+ bezeichnet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Philadelphia Chromosome-positive leukemias: from basic mechanisms to molecular therapeutics.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Annals of Internal Medicine]].&amp;#039;&amp;#039; [[2003]];138, S. 819–830. PMID 12755554. (Review, Free Full Text).&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei den sogenannten philadelphia-positiven Leukämien (meist CML) ist die Chromosomentranslokation bei einer [[Zytogenetik|zytogenetischen Untersuchung]] als verkürztes Chromosom 22, eben dem hier beschriebenen Philadelphia-Chromosom, sichtbar. Auch über eine spezifische [[Polymerase-Kettenreaktion]] kann das Gen festgestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursache dieser Chromosomenveränderung ist in den meisten Fällen nicht bekannt oder nicht feststellbar. In sehr wenigen Fällen kommt als Ursache ein Strahlenunfall ([[Ionisierende Strahlung]]) oder auch [[Benzol]] in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Genprodukt ===&lt;br /&gt;
Durch die gegenseitige (reziproke) [[Translokation (Genetik)|Translokation]] t(9;22) (q34;q11) sowie die neuen Fusionsgene kommt es zu einem veränderten [[Genprodukt]] bei beiden Chromosomen. Das auf dem Chromosom 22 neu entstandene &amp;#039;&amp;#039;BCR-ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen wird in der Zelle [[Transkription (Biologie)|transkribiert]], wodurch als neues [[Protein]] &amp;#039;&amp;#039;BCR-ABL-Genprodukt&amp;#039;&amp;#039; entsteht, ein [[Fusionsprotein]]. Die [[Translation (Biologie)|Translation]] der entstehenden [[mRNA]] führt zur Synthese des veränderten Proteins. Das ursprünglich durch das &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen transkribierte [[Enzym]] ist eine [[Tyrosinkinasen|Tyrosinkinase]] und spielt eine wichtige Rolle bei der zellulären Wachstumsregulation. Das Fusionsprotein besteht aus dem [[N-Terminus|Aminoende]] des &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Proteins und dem Carboxyende des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Proteins, welches eine [[Kinasedomäne]] enthält. Dadurch wird die Tyrosinkinase-Aktivität unter dem Einfluss der &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Region dauerhaft aktiviert und die betroffene Zelle vermehrt sich unkontrolliert (mangelhafte [[Apoptose]]). Über diese Entwicklung wird die Zelle zu einer [[Tumor]]zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der konkrete Mechanismus, wie das neue Fusionsgen zur unkontrollierten [[Zellproliferation|Proliferation]] führt, ist bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. Im Normalfall besitzt das &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen zwei einleitende [[Exon]]s 1a und 1b, die bei der Transkription alternativ genutzt werden können. Die Auswahl findet beim [[Spleißen (Biologie)|Spleißen]] mit dem Exon&amp;amp;nbsp;2 statt, das eine so genannte &amp;#039;&amp;#039;splice acceptor site&amp;#039;&amp;#039; besitzt und hier entweder 1a oder 1b andocken lässt. Bei der Translokation wird das Exon 1 mit dem Bruchstück des &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039; ausgetauscht, das ebenfalls vom Exon 2 akzeptiert und dem Gen angefügt und somit gemeinsam mit den Exons 2 bis 11 des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039; transkribiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Onkogene Wirkung ===&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Siehe Hauptartikel [[Chronische myeloische Leukämie]] und [[Akute lymphatische Leukämie]]&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die veränderte Tyrosinkinase-Aktivität des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gens unter Einfluss der &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Region vermehrt sich die betroffene Zelle unkontrolliert und wird zu einer Tumorzelle. Als pluripotente [[Stammzelle]] produziert sie unterschiedliche Zelltypen, die ebenfalls das veränderte Chromosom enthalten. So enthalten alle von dieser Stammzelle abstammenden Zellen das veränderte Chromosomenpaar 9 und 22 und damit das Philadelphia-Chromosom. Zu einer pathologischen Wirkung kommt es allerdings nur bei den leukämisch veränderten [[Leukozyt|weißen Blutkörperchen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039; ebenso wie andere Versionen des &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gens (zu &amp;#039;&amp;#039;v-ABL&amp;#039;&amp;#039; siehe unten) durch eine Veränderung der Anfangssequenz zu einem [[Onkogen]] wird, spricht man von einem [[Onkogen|Proto-Onkogen]]. Ähnlich wie bei anderen zu Tumorerkrankungen führenden Translokationen entsteht hier ein Onkogen durch Fusion zweier normaler Gene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Fusionsprotein bindet an verschiedene andere Proteine, darunter etwa das Kinaseregulatorprotein &amp;#039;&amp;#039;CRK&amp;#039;&amp;#039; &amp;#039;&amp;#039;(CT10 regulator of kinase)&amp;#039;&amp;#039;, die Phosphatidylinsitol-3&amp;#039;-Kinase sowie GRB-2/SOS-1. Durch die Bindung an Letzteres wird die Aktivierung des &amp;#039;&amp;#039;[[G-Protein Ras|RAS]]&amp;#039;&amp;#039;-Gens, welches eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Zellwachstums und der Zellvermehrung einnimmt, verstärkt. &amp;#039;&amp;#039;RAS&amp;#039;&amp;#039;-Mutationen wiederum gelten als zentrale Auslöser von verschiedenen Tumoren und könnten auch bei der onkogenen Wirkung des &amp;#039;&amp;#039;BCR-ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gens eine zentrale Rolle spielen.&amp;lt;ref&amp;gt;Czerwenka u. a. 2003, S. 170–171.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Variationen und zusätzliche Chromosomenveränderungen ===&lt;br /&gt;
Im Detail unterscheiden sich die Translokationen, die zur chronischen myeloischen [[Leukämie]] (CML) und zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL) führen, an der Position des Bruches im &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Gen des Chromosoms 22 und damit auch in der Länge des später entstehenden BCR-ABL-Genprodukts. Der Bruch im Chromosom 9 liegt immer im gleichen [[Intron]]. Der Bruchpunkt im Chromosom 22 dagegen variiert. In der BCR-Region sind bislang drei Bruchpunkte beschrieben. Sie werden m-BCR (minor), M-BCR (Major) und µ-BCR (mikro) genannt. Der Bruchpunkt m-BCR liegt am weitesten 5&amp;#039;. Das daraus resultierende Fusionsprotein ist daher mit ca. 190 kDa am kleinsten. Der Bruchpunkt M-bcr liegt weiter 3&amp;#039; und führt zu einem Fusionsprotein mit 210 kDa Größe. Der Bruchpunkt µ-BCR liegt am weitesten 3&amp;#039; und führt zu dem größten BCR-ABL-Fusionsprotein mit 230 kDa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fusionsgene, Leukämien und Zytogenetischer Status ====&lt;br /&gt;
In der Literatur sind somit drei verschiedene BCR-abl Fusionsgene beschrieben. Das Ph-Chromosom kommt nicht nur bei der CML vor, sondern auch in etwa 20 Prozent der untersuchten Fälle bei der ALL des Erwachsenen, in fünf Prozent der untersuchten Fälle bei der ALL des Kindes und in etwa zwei Prozent der Fälle bei einer AML. Zudem haben manche der untersuchten Patienten mit einer CML oder einer adulten Form der ALL kein Ph-Chromosom, aber es kann ein Fusionsgen nachgewiesen werden. Außerdem gibt es eine geringe Anzahl von Patienten mit einer CML, die weder ein Ph-Chromosom haben, noch ein Fusionsgen [[Genexpression|exprimieren]].&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;BCR rearrangement-negative chronic myelogenous leukemia revisited.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Journal of Clinical Oncology]].&amp;#039;&amp;#039; 2001 Jun 1;19(11), S. 2915–2926. PMID 11387365&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Chronische myeloische Leukämie =====&lt;br /&gt;
90 bis 95 Prozent der Patienten mit einer [[Chronische myeloische Leukämie|chronischen myeloischen Leukämie]] (CML) weisen ein Ph-Chromosom auf. Über 99 Prozent aller Patienten mit einer CML exprimieren das 210-kD-Fusionsprotein. Etwa fünf Prozent der Patienten mit einer CML sind Ph-negativ, von diesen wird in fast 100 Prozent der untersuchten Fälle ebenfalls das 210-kD-Fusionsprodukt exprimiert.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Philadelphia chromosome-negative chronic myelogenous leukemia without breakpoint cluster region rearrangement: a chronic myeloid leukemia with a distinct clinical course.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Blood (Zeitschrift)|Blood]].&amp;#039;&amp;#039; 1990 Jan 15;75(2), S. 445–452. PMID 2403827&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Rearrangement in the breakpoint cluster region and the clinical course in Philadelphia-negative chronic myelogenous leukemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Ann Intern Med.&amp;#039;&amp;#039; 1986 Nov;105(5), S. 673–679. PMID 3094418&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit ist bei der CML meist die etwa in der Mitte des &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;-Gens liegende so genannte &amp;#039;&amp;#039;Major-BCR-Region.&amp;#039;&amp;#039; betroffen, die etwa 5,8&amp;amp;nbsp;[[Basenpaar|kb]] des insgesamt über 90 kb großen Gens ausmacht. Das resultierende Genprodukt hat eine [[Masse (Physik)|Masse]] von 210&amp;amp;nbsp;[[Atomare Masseneinheit|kDa]] (P210) gegenüber der Masse von 145 kDa des ursprünglichen &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Proteins, wobei 140 kDa auf &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039; und 70&amp;amp;nbsp;kDa auf &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039; entfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Akute lymphatische Leukämie des Erwachsenen =====&lt;br /&gt;
Bei ca. 20 Prozent der erwachsenen Patienten mit einer [[Akute lymphatische Leukämie#ALL im Erwachsenenalter (ab 16 Jahre)|ALL]] findet man mit zytogenetischen Untersuchungsverfahren ein Ph-Chromosom, dies ist die häufigste genetische Subgruppe der ALL bei Erwachsenen. Das Ph-Chromosom findet sich mit höherem Alter häufiger und findet sich bei über der Hälfte aller über 50-Jährigen Patienten mit einer [[B-Lymphozyt|B-Zell]]-ALL. Eine Ph-positive ALL war bis Ende des 20. Jahrhunderts mit einer sehr schlechten Prognsoe verbunden. Dies hat sich innerhalb von 25 Jahren komplett gewandelt. Durch die Entwicklung der [[Tyrosinkinase-Inhibitor]]en in den 2000er Jahren und der [[Krebsimmuntherapie|Immuntherapie]] v.&amp;amp;nbsp;a. mit dem bispezifischen [[Monoklonaler Antikörper|monoklonalen Antikörper]] [[Blinatumomab]] gegen das [[B-Lymphozytenantigen CD19]] und den weitgehend T-Zell-spezifischen [[CD3-Rezeptor]] wird seit den 2020er Jahren ein behandlungsfreies Langzeitüberleben von 75–80 % erreicht, ohne dass noch eine [[Chemotherapie]] notwendig ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;foa&amp;quot;&amp;gt;Robin Foà: &amp;#039;&amp;#039;Ph-Positive Acute Lymphoblastic Leukemia — 25 Years of Progress&amp;#039;&amp;#039; [[New England Journal of Medicine]] 2025, Band 392, Ausgabe 19 vom 15./22. Mai 2025, Seiten 1941-1952,[[DOI: 10.1056/NEJMra2405573]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Ph-positiven ALL des Erwachsenen bricht das bcr-Gen in 20–50 Prozent der Fälle im ersten Intron &amp;#039;&amp;#039;(minor-bcr-Region)&amp;#039;&amp;#039; und das Genprodukt des Fusionsgens ist nur 185&amp;amp;nbsp;kDa lang, von denen 45&amp;amp;nbsp;kDa auf &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039; entfallen. In 50–80&amp;amp;nbsp;Prozent der Fälle ist der M-BCR-Bruchpunkt betroffen. Dies führt zu dem auch bei der CML meist vorkommenden 210-kD-Fusionsprotein. Etwa 10&amp;amp;nbsp;Prozent der erwachsenen Patienten mit einer ALL sind Ph-negativ, exprimieren aber ein BCR-abl-Fusionsgen. In diesen seltenen Fällen werden die 190&amp;amp;nbsp;kDa- und 210&amp;amp;nbsp;kDa-Form etwa gleich oft gefunden.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;A novel c-abl protein product in Philadelphia-positive acute lymphoblastic leukaemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Nature]].&amp;#039;&amp;#039; 1987 Feb 12-18;325(6105), S. 631–635. PMID 3543692&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Molecular analysis of chromosome 22 breakpoints in adult Philadelphia-positive acute lymphoblastic leukaemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[British Journal of Haematology]].&amp;#039;&amp;#039; 1987 Sep;67(1), S. 55–59. PMID 3478080&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;J. Erikson u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Heterogeneity of chromosome 22 breakpoint in Philadelphia-positive (Ph+) acute lymphocytic leukemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America|Proceedings of the National Academy of Science USA]].&amp;#039;&amp;#039; 1986 Mar;83(6), S. 1807–1811. PMID 3513189&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Akute lymphatische Leukämie des Kindesalters =====&lt;br /&gt;
Bei der [[Akute lymphatische Leukämie#ALL im Kindesalter (1 bis 15 Jahre)|ALL des Kindes]] findet man in fünf Prozent der untersuchten Fälle ein Ph-Chromosom. Diese Kinder mit einer Ph-positiven ALL exprimieren dabei in 10 Prozent der untersuchten Fälle das 210&amp;amp;nbsp;kDa-Fusionsprotein und in 90 Prozent das 190&amp;amp;nbsp;kDa-Protein. Die Konstellation einer ph-negativen kindlichen ALL mit Nachweis des Bcr-Abl-Fusionsproteins ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Akute myeloische Leukämie =====&lt;br /&gt;
Etwa zwei Prozent der untersuchten Fälle von Patienten mit einer [[Akute myeloische Leukämie|AML]] zeigen zytogenetisch ein Ph-Chromosom. Bei diesen seltenen Fällen kommen die Fusionsproteine p210 und p190 etwa gleich häufig vor. In sehr seltenen Fällen findet man Patienten mit einer Ph-negativen AML, die ein Bcr-Abl-Fusionsgen exprimieren.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Kurzrock u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Expression of c-abl in Philadelphia-positive acute myelogenous leukemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Blood.&amp;#039;&amp;#039; 1987 Nov;70(5), S. 1584–1588. PMID 3311207.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sonstige Befunde ===&lt;br /&gt;
Patienten, die ein Philadelphia-Chromosom besitzen, weisen in den betroffenen Zellen häufig zudem weitere veränderte und vermehrte Chromosomen auf, entwickeln also so genannte somatische [[Aneuploidie]]n. So konnte in [[Klinische Studie|klinischen Studien]] von 67 CML-Patienten bei fast 50 Prozent der Untersuchten (33) ein zusätzliches Philadelphia-Chromosom und bei 28 eine [[Trisomie]] des langen Arms des [[Chromosom 17 (Mensch)|Chromosom 17]] ermittelt werden. Neben diesen beiden Formen kamen weitere Aneuploidien der Zellen vor.&amp;lt;ref&amp;gt;David T. Suzuki, Anthony J.F. Griffiths, Jeffrey H. Miller, Richard C. Lewontin: &amp;#039;&amp;#039;Genetik.&amp;#039;&amp;#039; 1. Auflage. VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1993, ISBN 3-527-28030-8, S. 175.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleichbare Onkogene ==&lt;br /&gt;
Vergleichbar mit der onkogenen Wirkung der Genveränderung beim Philadelphia-Chromosom ist die Wirkung des [[Abelson-Maus-Leukämie-Virus]], eines [[Retroviren|Retrovirus]], das Leukämien an [[B-Lymphozyt]]en von Mäusen verursacht. Auch hier wird ein &amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039;-Gen &amp;#039;&amp;#039;(v-ABL)&amp;#039;&amp;#039; durch ein weiteres Gen, in diesem Fall das &amp;#039;&amp;#039;GAG&amp;#039;&amp;#039;-Gen des Virus, verändert und zu einer erhöhten Tyrosinkinase-Aktivität angeregt. Aufgrund der Ähnlichkeit der genetischen Veränderung werden entsprechend erkrankte Mäuse als [[Modellorganismus|Modellorganismen]] für die Entwicklung von Präparaten gegen die onkogene Wirkung der Chromosomenveränderung in der [[Pharmaforschung]] sowie zur [[Grundlagenforschung]] eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsgeschichte ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Bcr abl STI 1IEP.png|mini|Das aktive Zentrum der BCR-ABL Kinase (grün), Verursacher der CML, wird durch das Imatinib-Molekül (rot) blockiert.]]&lt;br /&gt;
Das Philadelphia-Chromosom wurde im Jahre 1960 von [[Peter C. Nowell|Peter Nowell]] von der &amp;#039;&amp;#039;[[University of Pennsylvania]] School of Medicine&amp;#039;&amp;#039; und [[David Hungerford]] vom &amp;#039;&amp;#039;Fox Chase Cancer Center’s Institute for Cancer Research&amp;#039;&amp;#039; als erste konstant auftretende chromosomale Veränderung in Tumorzellen beschrieben, und zwar bei Patienten mit [[Chronische myeloische Leukämie|chronischer myeloischer Leukämie]]&amp;lt;ref&amp;gt;P. C. Nowell, D. A. Hungerford: &amp;#039;&amp;#039;A minute chromosome in human granulocytic leukemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Science.&amp;#039;&amp;#039; 1960; 132, S. 1497 [[doi:10.1126/science.132.3438.1488]] Hinweis: Die recht kurze Veröffentlichung ist Bestandteil einer Abstract-Sammlung&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Sie fanden ein sehr kurzes Chromosom, welches sie erst für das [[Y-Chromosom]] hielten, in den Blutproben von zwei Patienten. Später stellte sich heraus, dass es sich um das verkürzte Chromosom 22 handelte, welches nach dem Ort seiner Entdeckung als Philadelphia-Chromosom (abgekürzt &amp;#039;&amp;#039;Ph&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;) benannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;P. C. Nowell: &amp;#039;&amp;#039;The minute chromosome (Phl) in chronic granulocytic leukemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Blut.&amp;#039;&amp;#039; 1962 Apr;8, S. 65–66. PMID 14480647&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 2007 erschienenen Bericht schildert PC Nowell seine persönlichen Erinnerungen an die Entdeckung des Philadelphia-Chromosoms.&amp;lt;ref&amp;gt;P. C. Nowell: &amp;#039;&amp;#039;Discovery of the Philadelphia chromosome: a personal perspective.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;J Clin Invest.&amp;#039;&amp;#039; 2007 Aug;117(8), S. 2033–2035. PMID 17671636 (Free Full-Text)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1972 konnte [[Janet Rowley]] zeigen, dass dieses [[Chromosom]] durch einen Austausch von genetischem Material zwischen den langen Armen von Chromosom 9 und Chromosom 22 entsteht.&amp;lt;ref&amp;gt;J. D. Rowley: &amp;#039;&amp;#039;A new consistent chromosomal abnormality in chronic myelogenous leukaemia identified by quinacrine fluorescence and [[Giemsa-Färbung|Giemsa staining]].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Nature.&amp;#039;&amp;#039; 1973; 243, S. 290. PMID 4126434&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1983 und 1984 wurde entdeckt, dass sich an den Chromosomenbruchstellen zwei Gene befinden (&amp;#039;&amp;#039;ABL&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;BCR&amp;#039;&amp;#039;), die durch die Chromosomentranslokation miteinander fusioniert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;N. Heisterkamp u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Localization of the c-ab1 oncogene adjacent to a translocation break point in chronic myelocytic leukaemia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Nature.&amp;#039;&amp;#039; 1983; 306, S. 239–242. PMID 6316147&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;J. Groffen u. a.: &amp;#039;&amp;#039;Philadelphia chromosomal breakpoints are clustered within a limited region, bcr, on chromosome 22.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Cell (Zeitschrift)|Cell]].&amp;#039;&amp;#039; 1984; 36, S. 93–99 PMID 6319012&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die pharmakologische Forschung bemühte sich in der Folge, die onkogene Wirkung des veränderten Genprodukts zu blockieren. Mit Hilfe von [[Imatinib]], einem in den 1980er Jahren entwickelten Hemmer der BCR-ABL-Tyrosinkinase, ist es heute möglich, bei der CML länger andauernde [[Remission (Medizin)|Remissionen]] zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Philadelphia-Chromosom.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Herder-Lexikon der Biologie.&amp;#039;&amp;#039; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-8274-0354-5.&lt;br /&gt;
* [[Bruce Alberts]], Dennis Bray, Julian Lewis, [[Martin Raff]], Keith Roberts, [[James Watson|James D. Watson]]: &amp;#039;&amp;#039;Molekularbiologie der Zelle.&amp;#039;&amp;#039; 1. korrigierter Nachdruck der 3. Auflage, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1997, ISBN 3-527-30055-4.&lt;br /&gt;
* Barbara J. Bain: &amp;#039;&amp;#039;Leukaemia Diagnosis.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Blackwell Science, Oxford 1999, ISBN 0-632-05165-5.&lt;br /&gt;
* Klaus Czerwenka, Mahmood Manavi, Kerstin Pischinger: &amp;#039;&amp;#039;Einführung in die Molekularbiologie.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Wilhelm Maudrich, Wien 2003, ISBN 3-85175-796-3.&lt;br /&gt;
* Ricky Lewis: &amp;#039;&amp;#039;Human Genetics. Concepts and Applications.&amp;#039;&amp;#039; Wm. C. Brown Publishers, Dubuque 1994, ISBN 0-697-13315-X.&lt;br /&gt;
* Orlando J. Miller, Eeva Therman: &amp;#039;&amp;#039;Human Chromosomes.&amp;#039;&amp;#039; 4. Auflage. Springer-Verlag, New York 2001, ISBN 0-387-95046-X.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Seyffert: &amp;#039;&amp;#039;Lehrbuch der Genetik.&amp;#039;&amp;#039; Spektrum Akademischer Verlag, 2003.&lt;br /&gt;
* Friedrich Vogel, [[Arno Motulsky|Arno G. Motulsky]]: &amp;#039;&amp;#039;Human Genetics.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 1997, ISBN 3-540-60290-9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{OMIM|608232|Name=Leukemia, Chronic Myeloid; CML}}.&lt;br /&gt;
* {{OMIM|151410|Name=Breakpoint Cluster Region &amp;#039;&amp;#039;(BCR)&amp;#039;&amp;#039;}}.&lt;br /&gt;
* {{OMIM|189980|Name=Abelson Murine Leukemia Viral Oncogene Homolog 1 &amp;#039;&amp;#039;(ABL)&amp;#039;&amp;#039;}}.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesenswert|24. Oktober 2007|38180852}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genetische Störung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Leukämie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Martin Sg.</name></author>
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