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	<title>Patrizier - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-30T06:15:12Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Patrizier&amp;diff=64089&amp;oldid=prev</id>
		<title>~2026-56441-9: /* Verhältnis zum Adel */</title>
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		<updated>2026-02-19T09:23:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Verhältnis zum Adel&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stand der Patrizier. Zum weiteren Bedeutungen siehe [[Patriziat (Begriffsklärung)]] und [[Patrizier (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Ring Reinh. Reiners@Herzog Anton Ulrich Museum.JPG|mini|hochkant|Bild eines wohlhabenden Patriziers (1569) von [[Ludger tom Ring der Jüngere|Ludger tom Ring]]]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Patrizier&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{laS|patricius}}, [[Griechische Sprache|griechisch]] πατρίκιος) war die Bezeichnung für Angehörige des &amp;#039;&amp;#039;[[Patriziat (Römisches Reich)|römisch-antiken Patriziats]]&amp;#039;&amp;#039;, der alteingesessenen und senatsfähigen [[Oberschicht]] im [[Römisches Reich|antiken Rom]]. Dieser Begriff wurde seit Anfang des 16. Jahrhunderts auch für die sozial relativ abgeschlossene Oberschicht in vielen [[mittelalter]]lichen und [[frühneuzeit]]lichen Städten übernommen, die sich vor allem im 13. bis 15. Jahrhundert gebildet hatte. Dieses spätmittelalterliche und frühneuzeitliche &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Patriziat&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird hier behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Aristokratie|aristokratische]] Herrschaft des bürgerlichen Patriziats wird als [[Städtearistokratie]] bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutsche Städte des Mittelalters und der Frühneuzeit ==&lt;br /&gt;
=== Entwicklung und Vorrechte ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Köln-Altstadt-Süd Rheingasse 8 Overstolzenhaus Denkmal 124.jpg|mini|hochkant|Das [[Overstolzenhaus]] in Köln von 1225]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Trier Dreikönigenhaus BW 1.JPG|mini|hochkant|Das [[Dreikönigenhaus (Trier)]] von 1230]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Goliathhaus2012.jpg|mini|hochkant|Das [[Goliathhaus]] in Regensburg von 1260]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den deutschen [[Freie Reichsstadt|Reichsstädten]] des [[Mittelalter]]s bildete sich vom 11. Jahrhundert an ein Patriziat aus dem Ortsadel oder der örtlichen [[Ministeriale|Ministerialität]] heraus. Sie nannten sich selbst „Geschlechter“. Die Patrizier besetzten den Rat und wichtige andere städtische Ämter und versuchten, sich ein ausschließliches Recht auf diese Ämter zu wahren, also den Zugang zu den Ämtern der Stadtregierung auf „ratsfähige Geschlechter“ zu beschränken. Sie gründeten oft Vereinigungen, die als &amp;#039;&amp;#039;[[Patriziergesellschaft]]en&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet werden und nach dem Muster von zünftigen &amp;#039;&amp;#039;[[Stubengesellschaft]]en&amp;#039;&amp;#039; oder religiösen &amp;#039;&amp;#039;[[Bruderschaft]]en&amp;#039;&amp;#039; organisiert waren. Bezeichnend ist aber, dass sie „geschlossene Gesellschaften“ waren, was sich etwa an dem 1521 aufgestellten [[Tanzstatut]] der [[Reichsstadt Nürnberg]] erweist. Niemand konnte einer solchen Gesellschaft aus eigenem Willen beitreten, sondern Außenstehende wurden, wenn überhaupt, durch [[Kooptation]] seitens der vorhandenen Mitglieder aufgenommen. Oft entschied gerade die Aufnahme in eine solche Gesellschaft über die Wahlfähigkeit in den Rat der Stadt und damit über die Aufnahme ins Patriziat. Die „Schwörbriefe“ der Gesellschaften glichen frühen Verfassungen, welche zum Beispiel die Sitzverteilung zwischen Patriziern und Handwerkerzünften regelten. Durch diese Zusammenschlüsse und ihre verbrieften Rechte definierten sich in vielen Fällen die Patrizier erst als geschlossener eigener Stand. Patrizier im rechtlichen Sinne, mit den Privilegien der Patriziergesellschaft und der Carolinischen Verfassung dem Patriziat zustehenden Rechten, wurde man erst mit der Aufnahme als „Stubengenosse“ in der Patriziergesellschaft. Der Eintritt erfolgte oft im Zusammenhang mit der Eheschließung. Somit kann man, im Gegensatz zum Adel, nicht von einem Geburtsstand sprechen, kommt diesem jedoch sehr nahe. Denn auch wenn sich nicht jedes Glied einer Familie als „Stubengenosse“ wiederfindet, kann man von „patrizischen Familien“ sprechen. Denn Nachkommen von Mitgliedern einer Patriziergesellschaft werden grundsätzlich als stubenfähig angesehen, sind „standesgemäß“ und ihrer gesellschaftlichen Stellung nach zu den „Geschlechtern“ zu zählen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Hans-Ulrich Freiherr von Rupprecht |Titel=Die Memminger Patrizier |Hrsg=Heimatpflege Memmingen e. V. |Sammelwerk=Memminger Geschichtsblätter |Band=Jahrheft 1981/82 |Verlag=Memminger Zeitung, Verlagsdruckerei GmbH |Ort=Memmingen |Datum=1983 |ISSN=0539-2896}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Patrizier waren zwar Kaufleute, aber sie widmeten sich – im Gegensatz zu denjenigen, die „nach [[Elle (Einheit)|Elle]], [[Pfund]] und [[Lot (Einheit)|Lot]]“ verkauften – ausschließlich dem Groß- und [[Fernhandel]]. Neben der kaufmännischen Grundlage war ein wichtiger Bestandteil in den Lebensformen des Patriziat der Lehnsbesitz und Herrschaftsrechte im Umland der Städte.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Gerhard Fouquet |Titel=Zwischen Nicht-Adel und Adel - Eine Zusammenfassung |Band=53 |Verlag=Jan Thorbecke Verlag GmbH &amp;amp; Co. |Ort=Konstanz |Datum=2001 |ISSN=0452-490X |Seiten=432 |Online=https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/view/17421}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Erstarken des [[Handwerk]]s und der Herausbildung eines in [[Zunft|Zünften]] organisierten [[Bürger]]tums kam es seit dem 13. Jahrhundert zu Kämpfen der Kleinhändler und Handwerker gegen die Vorrechte der Patrizier. In der Regel konnten die Zünfte eine Beteiligung am [[Kommune (Mittelalter)#Stadtgemeinde und Rat|Stadtrat]] erlangen. In [[Köln]] wurde die gesamte Stadtverfassung auf die Zunftverfassung zugeschnitten, während sich in den Reichsstädten [[Reichsstadt Augsburg|Augsburg]], [[Reichsstadt Nürnberg|Nürnberg]], [[Reichsstadt Regensburg|Regensburg]], [[Bern]], [[Reichsstadt Frankfurt|Frankfurt]] und in der Mehrzahl der [[Hanse]]städte das Patriziat behaupten konnte. Auch dieses schloss sich meist in [[Patriziergesellschaft]]en nach dem Vorbild der [[Gilde (Berufsverband)|Gilden]] und Zünfte zusammen, etwa der Lübecker [[Zirkelgesellschaft]]. In Nürnberg war eine solche nicht nötig, da die Patrizierherrschaft stets stark genug blieb, den Einfluss der unteren Stände kleinzuhalten. In [[Hamburg]] gab es ebenfalls keine, weil die bürgerlichen Großhändler die Vorherrschaft besaßen; aus den Kaufleuten bildeten sich später die [[Hanseat]]en als Führungsschicht heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche „Patriziat“ nannte sich selbst nicht so; man sprach üblicherweise von „Geschlechtern“, wie etwa für [[Köln]], [[Frankfurt am Main]], [[Augsburg]] und [[Patriziat (Nürnberg)|Nürnberg]] nachgewiesen. Der Ausdruck „Patrizier“ (vom lateinischen &amp;#039;&amp;#039;patricius&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache|Stichwort=Patrizier |Abruf=2019-11-17}}&amp;lt;/ref&amp;gt;) nach dem Vorbild des [[Patriziat (Römisches Reich)|römisch-antiken Patriziats]] entstammt in seiner Übertragung auf die städtische Oberschicht des Mittelalters selbst nicht dieser Zeit, sondern erst der [[Renaissance]]. Im Jahr 1516 wurde der Nürnberger Ratskonsulent (Stadtjurist) [[Christoph Scheurl]] (1481–1542) vom [[Generalvikar]] des [[Augustinerorden]]s, [[Johann von Staupitz]], beauftragt, einen Abriss der Nürnberger Verfassung auszuarbeiten. Da diese Arbeit in lateinischer Sprache verfasst war, bezeichnete Scheurl die Nürnberger „Geschlechter“ in durchaus naheliegender Analogie zu römischen Verfassungszuständen als „patricii“, die dann in der zeitgenössischen Rückübersetzung zum „Patriziat“ wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Entstehungsgeschichte der &amp;#039;&amp;#039;Epistel&amp;#039;&amp;#039; auch in: [[Eberhard Isenmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Gelehrte Juristen und das Prozessgeschehen in Deutschland im 15. Jahrhundert.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Franz-Josef Arlinghaus]], [[Ingrid Baumgärtner]], Vincenzo Colli (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Praxis der Gerichtsbarkeit in europäischen Städten des Spätmittelalters&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Rechtsprechung&amp;#039;&amp;#039;, Band 23). Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-465-04007-4, S. 305–417, hier S.&amp;amp;nbsp;305, Fußnote&amp;amp;nbsp;1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Wort setzte sich in dieser Verwendung jedoch erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts allgemein durch.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Eberhard Isenmann: &amp;#039;&amp;#039;Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. 1250–1500. Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft.&amp;#039;&amp;#039; Ulmer, Stuttgart 1988, ISBN 3-8001-2571-4, S.&amp;amp;nbsp;276.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verhältnis zum Adel ===&lt;br /&gt;
Im [[Hochmittelalter]] war der Begriff des [[Deutscher Adel|Adels]] noch mehrdeutig und das Verhältnis zwischen städtischem Patriziat und der [[Ministerialität]] des fürstlichen oder bischöflichen Stadtherrn blieb dynamisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe etwa: Andermann/Johanek, &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Nicht-Adel und Adel&amp;#039;&amp;#039; (Lit.-Verz.)&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Untergang des [[Staufer]]reiches um 1250 zogen etwa eine Reihe von Reichsministerialenfamilien aus dem Umland der [[Reichsstadt Nürnberg]], wie zum Beispiel die [[Pfinzing von Henfenfeld|Pfinzing]], [[Stromer von Reichenbach|Stromer]], [[Haller von Hallerstein|Haller]], [[Muffel von Eschenau|Muffel]] oder [[Groß (Patrizier)|Groß]], vom bisher von ihnen verwalteten [[Reichsgut]] &amp;#039;&amp;#039;(Terra Imperii)&amp;#039;&amp;#039; in die Stadt, wurden dort in den Rat aufgenommen und begannen, sich im Fernhandel - in Nordwestdeutschland in der [[Hanse]] - (und später auch im Bergbau und in Hammerwerken) zu betätigen. Wie die Landadeligen erbauten sie sich in der Frühzeit noch [[Wohnturm|Wohntürme]], die in der Stadt „[[Geschlechterturm|Geschlechtertürme]]“ genannt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Luebeck-Rathaus am Markt v SW-20100905.jpg|mini|rechts|[[Lübecker Rathaus]], Zentrum der [[Hanse]], beherrscht von der [[Zirkelgesellschaft]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im [[Spätmittelalter]] der Landadel sich zur Vertretung seiner Interessen in den [[Ritterschaft]]en zusammenschloss, wurden Patrizier aber von einer Mitgliedschaft fast immer ausgeschlossen (so etwa das [[Patriziat (Nürnberg)|Nürnberger Patriziat]] von den Kantonen des [[Fränkischer Ritterkreis|Fränkischen Ritterkreises]]), obwohl die Patrizierfamilien oft ebenfalls [[Grundherrschaft]]en mit [[Hintersassen]] erworben hatten und sich im Umfeld der Städte [[Herrenhaus (Gebäude)|Herrenhäuser]] erbauten. Da die Patrizier jedoch durch Fernhandel zu ihrem Wohlstand kamen, hatten diese „[[Pfeffersack|Pfeffersäcke]]“ in den Augen des Adels ihre etwaige ursprünglich „ritterliche Lebensweise“ aufgegeben und damit ihre [[Ständegesellschaft|Standeszugehörigkeit]] „verwirkt“. Außerdem waren längst bürgerliche Händler ins Patriziat aufgestiegen. Auch ein [[Konnubium]] mit dem Adel war eher selten; zwar heirateten die Patrizier meist unter sich (auch von Stadt zu Stadt), jedoch kamen vereinzelt sowohl Ehen mit Landadeligen als auch mit den unteren Ständen vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gesellen-Stechen 1561.jpg|mini|Gesellen-Stechen der Patriziersöhne auf dem [[Hauptmarkt (Nürnberg)|Nürnberger Hauptmarkt]] &amp;#039;&amp;#039;(von [[Jost Amman]], 1561)&amp;#039;&amp;#039;]]&lt;br /&gt;
Der Ritteradel sprach den Patriziern die [[Ebenbürtigkeit]] und die [[Turnier]]fähigkeit grundsätzlich ab, weshalb etwa die Nürnberger Patrizier demonstrativ sogenannte „[[Gesellenstechen]]“ durchführten, festliche ritterliche [[Lanzenstechen]] nach dem Vorbild des Adels, um ihren Rang zu unterstreichen. Manche Patrizier fügten ihrem Familiennamen ein &amp;#039;&amp;#039;„von“&amp;#039;&amp;#039; mit dem Namen eines zugekauften Landsitzes an, um zu demonstrieren, dass sie sich adelig fühlten. In vielen Fällen gelang es ihnen später, sich diesen eigenmächtigen Zusatz vom Kaiser als Adelsprädikat bestätigen zu lassen. Gerade in Nürnberg (als Reiseresidenz) und [[Geschichte von Frankfurt am Main|Frankfurt]] (als Krönungsort) der [[Römisch-deutscher Kaiser|römisch-deutschen Kaiser]] bestanden zwischen Patriziern und Kaiserhof enge Beziehungen; die Patrizier waren traditionell bedeutende Steuerzahler und Kreditgeber des Reichsoberhaupts. Auch politisch stützten sich die Kaiser auf die Reichsstädte und verteilten daher häufig [[Adelsbrief]]e an deren führende Geschlechter, meist unter Hinweis darauf, dass diesen Familien die Regierung einer volkreichen Stadt anvertraut sei, oft auch unter Erwähnung „alten adeligen und rittermäßigen Standes“ (der bisweilen den Tatsachen entsprach und bisweilen nicht). Die  Augsburger Großunternehmerfamilie [[Fugger von der Lilie|Fugger]], eine überaus (erfolg)reiche Bürgerfamilie, stieg Anfang des 16. Jahrhunderts in den [[Briefadel]] und bald darauf sogar in den [[Hochadel]] auf; die [[Welser]], [[Tucher von Simmelsdorf|Tucher]], [[Langenmantel]] und die [[Imhoff (Patrizier)|Imhoff]] gehören ebenfalls zu den bekanntesten Kaufmannsfamilien oberdeutscher Reichsstädte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Münster, Historisches Rathaus -- 2014 -- 6855.jpg|mini|Rathaus der Stadt Münster, erbaut von [[Erbmänner|Erbmännergeschlechtern]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht nur in freien Reichsstädten gab es Patrizier. Auch in Städten mit einem fürstlichen Stadtherrn konnte sich ein Stadtadel entwickeln, so z.&amp;amp;nbsp;B. in München &amp;#039;&amp;#039;([[Münchner Patriziergeschlechter]])&amp;#039;&amp;#039; oder [[Münster]], wo der Volksmund die Angehörigen des Stadtadels &amp;#039;&amp;#039;[[Erbmänner]]&amp;#039;&amp;#039; nannte. Die Erbmännerfamilien, von denen nicht wenige ursprünglich [[ritter]]bürtig oder sogar [[edelfrei]]&amp;lt;ref&amp;gt;so z.&amp;amp;nbsp;B. die [[Droste zu Hülshoff]]: [[Wilderich von Droste zu Hülshoff]]: 900 Jahre Droste zu Hülshoff, Horben 2018&amp;lt;/ref&amp;gt; waren, verteidigten im Rahmen des „Erbmännerstreits“, der sich ab 1597 beim Reichskammergericht entspann und rund zwei Jahrhunderte dauerte, schließlich durch kaiserlichen Rechtsspruch die Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zum ritterbürtigen Adel und damit vor allem die „[[Stiftfähigkeit]]“, die (Wieder-)Zulassung zum zwischenzeitlich vom Landadel besetzten [[Domkapitel Münster|münsterschen Domkapitel]] und seinen Pfründen. In süddeutschen Fürstbistümern hingegen blieben die [[Domkapitel]] oft den Familien der [[Reichsritterschaft]] und des örtlichen [[Stiftsadel]]s vorbehalten, in [[Kurköln]] erforderte die Aufnahme ins [[Kölner Domkapitel]] sogar die Zugehörigkeit zum [[Hochadel]] des Reiches („Domgrafen“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Krise des Fernhandels ===&lt;br /&gt;
In der Zeit um 1600 zogen sich viele deutsche Patrizierfamilien von den Handelsgeschäften zurück. Dies hatte wirtschaftliche Gründe, da der Fernhandel, der seit dem Mittelalter über die [[Seidenstraße]] via [[Konstantinopel]] und [[Venedig]] über die Alpenpässe in die süddeutschen Reichsstädte geführt hatte, die sodann die Weiterverteilung der Waren innerhalb des Reiches übernahmen, nach der [[Entdeckung Amerikas 1492]] sich zunehmend auf die Küstenstädte und Übersee verlagert hatte. Die Hafenstädte der [[Republik der Sieben Vereinigten Provinzen|Republik der Vereinigten Niederlande]] (und deren Patriziat) erlebten nun ihr &amp;#039;&amp;#039;[[Goldenes Zeitalter (Niederlande)|Goldenes Zeitalter]]&amp;#039;&amp;#039;. Doch führte ihr [[Achtzigjähriger Krieg]] gegen die Spanier auch mehrfach zu [[Staatsbankrott]]en Spaniens, Frankreichs sowie der spanischen und der unabhängigen Niederlande. Die vielen aus Amerika importierten Edelmetalle verursachten eine Geld- und Absatzkrise. Viele reichsstädtische Handelshäuser mussten schließen: Die [[Welser]] verkauften 1610 ihre Nürnberger Niederlassung und 1614 war ihre Augsburger Handelsgesellschaft zahlungsunfähig. Der [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährige Krieg]] von 1618 bis 1648 unterbrach die Handelsrouten und schnitt die Reichsstädte von den thüringischen, böhmischen und Tiroler Bergbaurevieren ab, in denen manche Patrizier investiert waren. Sebald XI. [[Tucher von Simmelsdorf|Tucher]] (1583–1649), dessen Familie neben den [[Imhoff (Patrizier)|Imhoff]] zu den letzten großen [[Safran]]importeuren zählte, musste 1636 wegen Überschuldung aus dem Nürnberger Rat ausscheiden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Tucher_von_Simmelsdorf_(Familie) Tucher], von Matthias Kirchhoff in: &amp;#039;&amp;#039;Historisches Lexikon Bayerns&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch diese letzten patrizischen Fernhändler zogen sich schließlich auf ihre Landgüter mit abgabenpflichtigen [[Grundherrschaft]]en zurück und näherten sich adeliger Lebensweise an; dadurch erlangten sie nun auch häufiger Aufnahme in die [[Ritterschaft]]en. Andere, nicht landgesessene Patrizierfamilien traten als Beamte und Offiziere in fürstliche Dienste und damit in den Beamtenadel über. Nicht geadelte oder verarmte Patrizier sanken ins Kleinbürgertum oder in den Handwerkerstand ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die [[Reichsstadt Nürnberg]] mitsamt ihrem Umland 1808 vom Königreich Bayern übernommen wurde, endete zwar die exklusive Ratsherrschaft des [[Patriziat (Nürnberg)|Nürnberger Patriziats]], doch wurden die bis dato noch ratsfähigen Patrizierfamilien 1813 allesamt in den bayerischen Adel aufgenommen und die (nach dem Tanzstatut von 1521) „alten“ ratsfähigen Familien in die [[Freiherr]]enklasse immatrikuliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Andere Länder ==&lt;br /&gt;
In der [[Republik Venedig]] hatte das &amp;#039;&amp;#039;[[Italienischer Adel#Patriziat und Nobilhòmini in Venedig|Patriziat von Venedig]]&amp;#039;&amp;#039; schon im [[Hochmittelalter]] die Macht übernommen; Ähnliches geschah in der [[Republik Genua]]. Seit dem [[Spätmittelalter]] entwickelten sich auch in vielen anderen europäischen Stadtstaaten (den Handelsrepubliken) herrschende Patriziate, etwa in [[Florenz]] und den anderen oberitalienischen Städten. In der [[Republik der Sieben Vereinigten Provinzen|Republik der Vereinigten Niederlande]] waren von Anfang an die Hafenstädte dominant, allen voran [[Geschichte Amsterdams|Amsterdam]], das von den patrizischen [[Regent von Amsterdam|Regenten von Amsterdam]] regiert wurde. Ähnlich waren in der [[Alte Eidgenossenschaft|Schweiz]], welche offiziell erst 1648 aus dem Heiligen Römischen Reich ausschied, die wohlhabenden Stadtkantone politisch führend, und sie wiederum wurden vom [[Patriziat (Alte Eidgenossenschaft)|Patriziat der Alten Eidgenossenschaft]] beherrscht, bis die &amp;#039;&amp;#039;«Gnädigen Herren»&amp;#039;&amp;#039; durch die [[Helvetische Republik]] und definitiv durch die [[Liberalismus|liberalen]] Revolutionen in den 1830er und 1840er Jahren entmachtet wurden. Insbesondere in den Städten konnten sie sich aber noch weiterhin politischen und wirtschaftlichen Einfluss erhalten. Wie in den deutschen Reichsstädten haben sich auch die Patrizier dieser Republiken oft frühzeitig aristokratisiert, man spricht daher von „Städtearistokratien“ an der Spitze sogenannter „[[Aristokratische Republik|Aristokratischer Republiken]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lyon 05 - Hôtel de Bullioud - PA00117911.JPG|mini|Hôtel de Bullioud, [[Lyon]] (ein 1536 im Renaissancestil aus zwei älteren Geschlechtertürmen umgebautes Patrizierhaus)]]&lt;br /&gt;
Im [[Geschichte Englands#Wirtschaft und Gesellschaft im Spätmittelalter|spätmittelalterlichen England]] hingegen beherrschte die [[Gentry]], eine vor allem aus ländlichen Grundbesitzern entstandene Führungsschicht, das immer mächtiger werdende [[House of Commons]], während in den Städten oft die Großhändler den Ton angaben; beide Gruppen sammelten sich in den rivalisierenden Parteien der [[Tory|Tories]] und [[Whig]]s. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Geschichte Frankreichs#1328–1589: Haus Valois|Frankreich]], seit alters geprägt von einer Zentralmonarchie, wurde der Aufstieg des Bürgertums durch die [[Hugenottenkriege]] und folgende Emigrationswellen gebremst; seine Schwächung ermöglichte erst den [[Absolutismus]]. In den Altstädten etwa von [[Lyon]] oder [[Bordeaux]] kann man noch die [[Hôtel particulier|Hôtels Particuliers]] der patrizischen Großhändler und der (oft lombardischen) Bankiers der Renaissancezeit sehen. Die [[Bourgeoisie]] – das meist dem Handwerkerstand entstammende Wirtschaftsbürgertum – wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bedeutender; gemeinsam mit dem Kleinbürgertum ergriff es in der [[Französische Revolution|Französischen Revolution]] von 1789 die Macht. Mit [[Napoleon]] kam dann ein Spross der korsischen Patrizierfamilie [[Bonaparte]] auf den Kaiserthron. Endgültig unter dem „[[Louis-Philippe I.|Bürgerkönig]]“ gelangte aber die Bourgeoisie an die Schalthebel der politischen Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neuere Formen ==&lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert bildeten sich, vor allem in den Reichs- und Hansestädten, aus führenden Familien der Kaufmannschaft neuere Oberschichten, die – im Unterschied zu den Patriziern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit – nicht mehr primär dem Adel nachstrebten (durch den Erwerb von [[Grundherrschaft]]en und Adelstiteln), sondern betont bürgerliche Werte wie das Leistungsideal (meist kaufmännischer Prägung) sowie eine gewisse Dezenz in der Zurschaustellung von Reichtum zu ihrem Kennzeichen machten. Diese Familien, etwa die [[Hanseat]]en oder andere [[Großbürger]], werden daher gelegentlich auch als „[[Bürgeradel]]“ bezeichnet. Sie selbst sahen sich durchaus als „Patrizier“ an und entwickelten ein Standesbewusstsein, das dem der älteren, aristokratischen Patrizier nicht nachstand. Vergleichbar elitäre Gruppierungen konnten sich auch in der erstarkenden Berufsgruppe der Staatsbeamten bilden, ein Beispiel für ein solches gebildetes Staatsbeamten-Patriziat sind etwa die „[[Hübsche Familien|Hübschen Familien]]“ aus [[Kurhannover]]. Allerdings wurden auch diese bürgerlichen Führungsschichten ab Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge von Revolutionen und Industrialisierung in ihren lokalen Wirkungskreisen häufig durch neue Wirtschaftseliten abgelöst – ein neureiches Wirtschaftsbürgertum (die [[Bourgeoisie]]) und ein kultiviertes [[Bildungsbürgertum]] traten ins Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
=== Allgemein ===&lt;br /&gt;
* [[Patrizier (Begriffsklärung)]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Römisches Reich)]]&lt;br /&gt;
* [[Patricius]] (römischer Ehrentitel)&lt;br /&gt;
* [[Patriziergesellschaft]]en (Zusammenschlüsse von Mitgliedern einer mittelalterlichen städtischen Oberschicht)&lt;br /&gt;
* [[Patrizierkrone]] (Italien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Einzelne Städte und Regionen ===&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Alte Eidgenossenschaft)|Patriziat der Alten Eidgenossenschaft]]&lt;br /&gt;
* [[Regent von Amsterdam|Patriziat von Amsterdam]]&lt;br /&gt;
* [[Augsburger Patriziergeschlechter|Patriziat von Augsburg]]&lt;br /&gt;
* [[Daig|Patriziat von Basel]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Bern)|Patriziat von Bern]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Frankfurt am Main)|Patriziat von Frankfurt am Main]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Kempten)|Patriziat von Kempten]]&lt;br /&gt;
* [[Kölner Patriziat|Patriziat von Köln]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Luzern)|Patriziat von Luzern]]&lt;br /&gt;
* [[Zirkelgesellschaft|Patriziat von Lübeck]]&lt;br /&gt;
* [[Münchner Patriziergeschlechter|Patriziat von München]]&lt;br /&gt;
* [[Erbmänner|Patriziat von Münster]]&lt;br /&gt;
* [[Patriziat (Nürnberg)|Patriziat von Nürnberg]]&lt;br /&gt;
* [[Regensburger Patriziergeschlechter|Patriziat von Regensburg]]&lt;br /&gt;
* [[Ulmer Patriziergeschlechter|Patriziat von Ulm]]&lt;br /&gt;
* [[Italienischer Adel#Patriziat und Nobilhòmini in Venedig|Patriziat von Venedig]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Michael Hecht (Historiker)|Michael Hecht]]: &amp;#039;&amp;#039;Patriziatsbildung als kommunikativer Prozess. Die Salzstädte Lüneburg, Halle und Werl in Spätmittelalter und Früher Neuzeit&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Städteforschung.&amp;#039;&amp;#039; Reihe A: &amp;#039;&amp;#039;Darstellungen&amp;#039;&amp;#039;, Band 79). Böhlau, Köln u.&amp;amp;nbsp;a. 2010, ISBN 978-3-412-20507-2 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 2008), (Löst sich vom Handbuchwissen und untersucht „Patriziat“ nicht als ständische Einheit, sondern als kommunikativ reproduzierte, dynamische und relationale Ordnungsvorstellung anhand von Besitz- und Beteiligungsverhältnissen, Organisationsstrukturen, sozialem Profil, Erinnerungskultur(en), Initiationsritualen, Zulassungskonflikten, Präzedenzstreitigkeiten, sozialen Erkennungszeichen, ständischen Rollen und Karrieremustern).&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Wüst]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Patrizier – Wege zur städtischen Oligarchie und zum Landadel. Süddeutschland im Städtevergleich. Referate der internationalen und interdisziplinären Tagung. Egloffsteinsches Palais zu Erlangen, 7.–8. Oktober 2016.&amp;#039;&amp;#039; Peter Lang, Frankfurt am Main / New York / Bern u.&amp;amp;nbsp;a. 2018, ISBN 978-3-631-74325-6.&lt;br /&gt;
*  [[Kurt Andermann]] und [[Peter Johanek]] (Herausgeber): &amp;#039;&amp;#039;Zwischen Nicht-Adel und Adel.&amp;#039;&amp;#039; (Vorträge und Forschungen, Reichenauer Tagungsband 53), Jan Thorbecke Vg. Stuttgart 2001, ISBN 978-3799566537.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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