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	<title>Pathologisierung - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-03T06:52:25Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Pathologisierung&amp;diff=241924&amp;oldid=prev</id>
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		<updated>2025-07-09T03:12:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Weblinks: &lt;/span&gt; Normalen Link anstelle von Archivlink eingefügt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Pathologisierung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (zur Etymologie siehe [[Pathologie]]) gilt die Deutung von Verhaltensweisen, Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken, sozialen Verhältnissen oder zwischenmenschlichen Beziehungen als [[Krankheit|krankhaft]].&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Stichwort Pathologisierung im Glossar zu Anne Allex, Alice C. Halmi: &amp;#039;&amp;#039;Stop Trans*-Pathologisierung: Berliner Beiträge für eine internationale Kampagne.&amp;#039;&amp;#039; AG SPAK Bücher, 2012, ISBN 3-940865-36-2, S. 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem umfassenderen Sinn bezieht sich Pathologisierung nicht nur auf die Bewertung von [[Psychisch|psychischen]] und [[Sozial|sozialen]] [[Phänomen]]en als krankhaft. Vielmehr geht es auch um Abweichungen vom medizinisch definierten Normalzustand, die keine nennenswerte Funktionsbeeinträchtigung mit sich bringen, von den meisten Betroffenen als nicht nachteilig empfunden werden oder – wie [[Symptom]]e des [[Altern]]s – als normale körperliche Vorgänge verstanden werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Petra Kolip]]: &amp;#039;&amp;#039;Weiblichkeit ist keine Krankheit: die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen&amp;#039;&amp;#039;. Beltz Juventa, 2000, ISBN 3-7799-1068-3, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Pathologisierung gilt als Teilaspekt einer umfassender verstandenen [[Medikalisierung]] der Gesellschaft. Als Spezialform der Pathologisierung wird die Strategie pharmazeutischer Unternehmen verstanden, durch Aufbauschen der Häufigkeit ([[Prävalenz]]) von Krankheiten ein sogenanntes [[Disease Mongering]] zu betreiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Riederer, Gerd Laux: &amp;#039;&amp;#039;Grundlagen der Neuro-Psychopharmakologie: Ein Therapiehandbuch.&amp;#039;&amp;#039; Springer DE, 2009, ISBN 3-211-85472-X, S. 7 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Krankhaftes als unerwünscht angesehen wird und als zu therapieren gilt, geht mit der Pathologisierung eine negative Bewertung einher. Oft wird kritisiert, dass die wertenden Komponenten nicht als solche zur Sprache gebracht, sondern als medizinische Tatsachenfeststellung ausgegeben werden. Was in einer Gesellschaft als negativ beurteilt wird, unterliegt Veränderungen. Im herrschenden Verständnis als krankhaft gedeutete Zustände oder Prozesse können deshalb nach [[Sozialer Wandel|gesellschaftlichen Veränderungen]] als Pathologisierungen erscheinen. Ein bekanntes Beispiel ist die Pathologisierung der [[Homosexualität]]. Im nationalsozialistischen Deutschland kam es zu einer Pathologisierung der pluralistischen Gesellschaft, insofern aufgrund einer wissenschaftlich unhaltbaren [[Eugenik|Rassenhygiene]] der „gesunde Volkskörper“ gefordert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Analog bedeutet die Pathologisierung individueller Komponenten, wie sie in manchen Fällen in der [[Psychiatrie]] (&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Psychiatrisierung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;) praktiziert wird, ihre Herauslösung aus den individuell-psychischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Die pathologisierte Komponente wird dabei als [[Psychische Störung|Störung]] gedeutet, die zu beseitigen oder medikamentös zu unterdrücken sei, ohne dabei die [[Identität]] des Patienten in Frage zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Relativität des Krankheitsbegriffs ==&lt;br /&gt;
Würde die [[gesundheit]]liche [[Referenzwert (Medizin)|Norm]] wertfrei über die mehrheitliche oder durchschnittliche körperliche oder geistige Verfassung einer [[Bevölkerung]] definiert, so würden u.&amp;amp;nbsp;U. Volkskrankheiten wie [[Zahnkaries]] ausgeschlossen oder sogar alle Abweichungen vom Durchschnitt pathologisiert. Zudem ist die körperliche und geistige Verfassung der Bevölkerung dem Wandel unterworfen. Mathematisch definierte Grenzen, die sich an der [[Empirische Standardabweichung|Standardabweichung]] von einem [[Mittelwert]] orientieren, erscheinen häufig als beliebig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Definition von Krankheit fließen auch subjektive Komponenten ein. Wird die gesundheitliche Norm rein subjektiv über das individuelle Wohlbefinden definiert, lassen sich keine allgemeingültigen Diagnosen mehr stellen, vgl. → [[Befindlichkeitsstörung]]. Diese sind jedoch zur [[Indikation]] von Therapien notwendig, wenn etwa eine wirksame Einwilligung des Patienten nicht möglich ist. Sie sind auch entscheidend, wenn Haftungsfragen zu klären sind oder eine Operation über die Krankenkasse finanziert werden muss. Häufig stehen subjektive Einschätzungen von Patienten über die eigene Gesundheit sehr stark mit Einschätzungen von Gesundheitsexperten im Widerspruch. So gehen in Staaten mit hohem [[Alphabetisierung (Lesefähigkeit)|Alphabetisierungsgrad]] und längerer [[Lebenserwartung]] mehr Menschen davon aus krank zu sein als in Staaten mit schlechter [[Medizin|medizinischer Versorgung]] und einer hohen Rate von Analphabetismus.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Amartya Sen]]: &amp;#039;&amp;#039;Health: perception versus observation.&amp;#039;&amp;#039; BMJ 2002, S. 324, [[doi:10.1136/bmj.324.7342.860]] (Veröffentlicht am 13. April 2002).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als krankhaft in einem normativen Sinn kann eine [[Erscheinung]] gelten, die [[Statistik|statistisch]] gesehen zu einem deutlich früheren Eintritt des [[Tod]]es oder zu Veränderungen führt, die von den Betroffenen auf lange Sicht und typischerweise als Leiden angesehenen wird. Allerdings sind auch solche gesellschaftlichen Bewertungen oft nicht eindeutig. Was in bestimmten Gesellschaften als [[Weltschmerz]], [[Melancholie]] oder anlassbezogen als [[Trauer]] bewertet wird, gilt in anderen als therapiebedürftige [[Depression]]. Je nach Definition gibt es daher große Bandbreiten. Beispielsweise wird die [[Prävalenz]] von [[Soziale Phobie|Sozialphobie]] (mit anderen Worten eine definitionsgemäß über die bloße [[Schüchternheit]] hinausgehende Angst vor Sozialkontakten) abhängig von den Diagnosekriterien zwischen 1,9 und 18,7 % angegeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Riederer, Gerd Laux: &amp;#039;&amp;#039;Grundlagen der Neuro-Psychopharmakologie: Ein Therapiehandbuch.&amp;#039;&amp;#039; Springer DE, 2009, ISBN 3-211-85472-X, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen bedeutenden Beitrag zur Erklärung der Funktionsweise von Pathologisierungen als [[Herrschaft]]stechnik leistete [[Michel Foucault]] in „Wahnsinn und Gesellschaft“ (1961) und „Geburt der Klinik“ (1963).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen der Pathologisierung ==&lt;br /&gt;
Obwohl Pathologisierung häufig in einem kritischen Sinne verwendet wird, wird der zugrundeliegende Sachverhalt nicht in jedem Fall und von allen Autoren negativ bewertet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa die kontroverse Diskussion im British Medical Journal zum Thema &amp;quot;non-diseases&amp;quot; und &amp;quot;[[Disease Mongering]]&amp;quot;, z.&amp;amp;nbsp;B. Ray Moynihan: &amp;#039;&amp;#039;Too much medicine? Almost certainly.&amp;#039;&amp;#039; In: BMJ 2002 (13. April), 324(7342): S. 859–860.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;R. Smith: &amp;#039;&amp;#039;In search of &amp;quot;non-disease&amp;quot;&amp;#039;&amp;#039;. In: BMJ 2002 (13. April), 324(7342): S. 883–885.&amp;lt;/ref&amp;gt; In vielen Fällen führt das Verständnis der physiologischen Wirkmechanismen von Leiden dazu, dass nachteilige gesundheitliche Zustände nicht mehr als schicksalhaft hingenommen werden müssen, sondern wirksame Therapien entwickelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits kann die Erklärung von nachteiligen Zuständen oder Prozessen zu Krankheiten auch zu einer Passivität führen, die für den Einzelnen nachteilig sein kann. In einer einflussreichen Kritik am Medizinsystem schrieb der österreichisch-amerikanische Philosoph und Kulturkritiker [[Ivan Illich]]: {{&amp;quot; |lang=en |Text=People are conditioned to get things rather than to do them … They want to be taught, moved, treated, or guided rather than to learn, to heal, and to find their own way. |Übersetzung=Menschen werden darauf konditioniert, Sachen zu bekommen, anstatt sie zu tun … Sie wollen gelehrt, bewegt, behandelt oder geführt werden, anstatt zu lernen, zu heilen und ihren eigenen Weg zu finden.}}&amp;lt;ref&amp;gt;Zitiert nach Ray Moynihan: &amp;#039;&amp;#039;Too much medicine? Almost certainly.&amp;#039;&amp;#039; In: BMJ 2002 (13. April), 324(7342): S. 859–860.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Haltung kann dazu führen, dass soziale oder psychische Ursachen unterschätzt werden und somatische Therapien als Allheilmittel für unterschiedlichste Probleme angesehen werden. Dabei plädiert Illich nicht für ein Verzicht auf moderne Technik, aber dafür, sie mit der Fähigkeit zur individuellen und [[Selbsthilfegruppe|gemeinschaftlichen Selbsthilfe]] zu verbinden.&amp;lt;ref&amp;gt;Ray Moynihan: &amp;#039;&amp;#039;Too much medicine? Almost certainly.&amp;#039;&amp;#039; In: BMJ 2002 (13. April), 324(7342): S. 859–860.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Borgetto und Martina Klein: &amp;#039;&amp;#039;Entwicklung und Verbreitung von gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen und -organisationen in Deutschland&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Rehabilitation und Selbsthilfe.&amp;#039;&amp;#039; Dies., Forschungsbericht für das Bundesministerium für Gesundheit, [http://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/redaktion/pdf_publikationen/forschungsberichte/Kooperation_Rehabilitationskliniken-Selbsthilfeorganisationen.pdf bundesgesundheitsministerium.de] (PDF; 643&amp;amp;nbsp;kB), S. 19, 27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fälle der Kritik an Pathologisierungen ==&lt;br /&gt;
=== Pathologisierung von Geschlecht und sexueller Ausrichtung ===&lt;br /&gt;
Von Feministinnen und Geschlechterforschern wird oft auf eine Pathologisierung des weiblichen Geschlechts, insbesondere bezüglich [[Menstruation]], [[Schwangerschaft]] und [[Klimakterium]], hingewiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Petra Kolip: &amp;#039;&amp;#039;Weiblichkeit ist keine Krankheit: die Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen im Leben von Frauen&amp;#039;&amp;#039;. Beltz Juventa, 2000, ISBN 3-7799-1068-3, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Homosexualität wurde lange Zeit, seit einer Einstufung durch den Psychiater [[Richard von Krafft-Ebing#Homosexualität|Richard von Krafft-Ebing]] als psychische Krankheit angesehen. Allerdings führte diese Pathologisierung zunächst dazu, dass von einer Bestrafung von Homosexuellen abgesehen wurde. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Homosexualität aus den gängigen Klassifikationssystemen für psychische Krankheiten herausgenommen (siehe [[Homosexualität#Psychologie|Homosexualität]]). Der Biologe [[Cord Riechelmann]] spricht zudem von der Pathologisierung der [[Intersexualität]] durch die Medizin seit dem 18. Jahrhundert.&amp;lt;ref&amp;gt;Cord Riechelmann: [https://jungle.world/artikel/2014/14/natur-und-intersexualitaet Natur und Intersexualität] Jungle World, 3. April 2014.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Transidentität]] hatte früher entsprechende Einträge als Krankheit in den Klassifikationssystemen: „Transsexualität“ (302.5) wurde erstmals in der ICD-9 (1975) genannt und dort den „Sexuellen Verhaltensabweichungen und Störungen“ zugeordnet, „Transsexualismus“ fiel in der von 1990 bis 2022 gültigen ICD-10 (F64.0) unter „Störungen der Geschlechtsidentität“ (F64) und war damit allgemein den „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ (F60 – F69) zugeordnet.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Udo Rauchfleisch |url=https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/geschlechtliche-vielfalt-trans/245353/medizinische-einordnung-von-trans-identitaet/ |titel=Medizinische Einordnung von Trans*identität |werk=bpb.de |hrsg=Bundeszentrale für politische Bildung |datum=2018-08-08 |sprache= |abruf=2024-11-01}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rassenhygiene als Form der Pathologisierung des „Volkskörpers“ ===&lt;br /&gt;
Eine besondere Bedeutung hatte die Pathologisierung im nationalsozialistischen Deutschland. Die Gesellschaft wurde hier [[Biologismus|biologistisch]] als „[[Volkskörper]]“ aufgefasst, der von „[[Volksschädling|Schädlingen]]“ befallen und durch Vernichtung dieser „Schädlinge“ zu „heilen“ sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Dominik Groß, Sabine Müller, Jan Steinmetzer: &amp;#039;&amp;#039;Normal - anders - krank?: Akzeptanz, Stigmatisierung und Pathologisierung im Kontext der Medizin. Humandiskurs - Medizinische Herausforderungen in Geschichte und Gegenwart&amp;#039;&amp;#039;. MWV, 2008, ISBN 3-939069-28-0, S. 354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Walkenhorst: &amp;#039;&amp;#039;Nation – Volk – Rasse: Radikaler Nationalismus Im Deutschen Kaiserreich 1890–1914.&amp;#039;&amp;#039; Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, 2007, ISBN 3-525-35157-7, S. 96.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Antipsychiatrie als Fundamentalkritik ===&lt;br /&gt;
Im Bereich [[Psychische Störung|psychischer Störungen]] wurde insbesondere in den 1960er Jahren von der [[Antipsychiatrie]] die Möglichkeit objektiver psychiatrischer Diagnosen grundsätzlich in Zweifel gezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Schott, Rainer Tölle: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Psychiatrie: Krankheitslehren, Irrwege, Behandlungsformen.&amp;#039;&amp;#039; C.H.Beck, 2006, ISBN 3-406-53555-0, S. 338.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als &amp;#039;&amp;#039;krank&amp;#039;&amp;#039; würde gelten, wer von der [[Soziale Norm|sozialen Norm]] abweicht. Die Vertreter der Antipsychiatrie sahen in den psychisch Kranken Opfer gesellschaftlicher Repression, die erst durch das sogenannte [[Etikettierungsansatz|Labeling]] per Diagnose krank gemacht („pathologisiert“) wurden. Auch wenn die grundsätzliche Kritik der Antipsychiatrie am Stellen von Diagnosen als gescheitert gilt, gibt es doch im Einzelnen weiterhin große Probleme, zwischen krankhaften und gesunden psychischen Zuständen klar zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pathologisierung durch die Pharmaindustrie und plastische Chirurgie ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Disease Mongering}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In neuerer Zeit wird vor allem unter dem Stichwort des „Disease Mongering“ auf den Einfluss von Pharmaunternehmen und Lobbyverbänden bei der Definition von Krankheiten hingewiesen. Ein kontroverses Beispiel aus dem Bereich der Psychiatrie ist die Prävalenz von [[ADHS]]. Hier wird in der öffentlichen Diskussion das Risiko hervorgehoben, dass unruhige oder unkonzentrierte oder einfach nur lebhafte Kinder medizinisch pathologisiert würden.&amp;lt;ref&amp;gt;Unter Verweis auf Willenbring (2009) [[Cornelia Hoffmann (Erziehungswissenschaftlerin)|Cornelia Hoffmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Disziplinschwierigkeiten in der Schule: Eine qualitative Einzelfallstudie mit einem gruppen- und bindungstheoretischen Schwerpunkt.&amp;#039;&amp;#039; Springer, 2009, ISBN 3-531-16420-1, S. 74.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Anne Eckhardt et al.: Human Enhancement. vdf Hochschulverlag AG, 2011, ISBN 3-7281-3396-5, S. 29.&amp;lt;/ref&amp;gt; So gäbe es eine „Grauzone“ zwischen bestimmungsgemäßem und nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von [[Ritalin]], der vor allem auf Unschärfen bei der Diagnose von ADHS sowie [[Narkolepsie]] zurückzuführen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anne Eckhardt et al.: Human Enhancement. vdf Hochschulverlag AG, 2011, ISBN 3-7281-3396-5, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiele für somatische Krankheiten, deren Häufigkeit stark umstritten ist, sind das [[Colon irritabile]] oder das [[Restless-Legs-Syndrom]].&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Riederer, Gerd Laux: &amp;#039;&amp;#039;Grundlagen der Neuro-Psychopharmakologie: Ein Therapiehandbuch.&amp;#039;&amp;#039; Springer, 2009, ISBN 3-211-85472-X, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Bereich der Gynäkologie ist die „[[Hypertrophie]]“ der [[Labia minora]] eine Diagnose, die als Indikation für plastisch-chirurgische Eingriffe der Kritik ausgesetzt ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Borkenhagen&amp;quot;&amp;gt;Ada Borkenhagen, Elmar Brähler, Heribert Kentenich: [https://www.aerzteblatt.de/archiv/63783 &amp;#039;&amp;#039;Intimchirurgie: Ein gefährlicher Trend.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;Deutsches Ärzteblatt&amp;#039;&amp;#039; 2009; 106(11): A-500 / B-430 / C-416&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Pathologisierung im {{Webarchiv|url=http://www.journal-ethnologie.de/Deutsch/Schwerpunktthemen/Schwerpunktthemen_2007/Weibliche_Genitalbeschneidung/Weibliche_Genitalverstuemmelung_und_die_Hottentottenschuerze/index.phtml |wayback=20100628202148 |text=journal-ethnologie.de |archiv-bot=2024-04-12 06:27:29 InternetArchiveBot }}.&amp;lt;/ref&amp;gt; Oft würde nicht ausreichend über die natürliche Varianz des Aussehens aufgeklärt, so dass sich Patientinnen aufgrund einer falschen Vorstellung über die mangelnde Normalität ihres Aussehens zu einem Eingriff entschließen würden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lloyd05&amp;quot;&amp;gt;Jillian Lloyd, Naomi S. Crouch, Catherine L. Minto, Lih-Mei Liao, Sarah M. Creighton: &amp;#039;&amp;#039;Female genital appearance: &amp;#039;normality&amp;#039; unfolds.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;International Journal of Obstetrics &amp;amp; Gynecology.&amp;#039;&amp;#039; Band 112, Heft 5, 2005, S. 643–646. PMID 15842291 {{Webarchiv |url=http://www.sindromedimorris.org/txt/pdf/Creighton-normal-genitalia.pdf |text=Volltext |wayback=20131102072410 |archiv-bot=2019-05-06 07:13:55 InternetArchiveBot}} (PDF; 171&amp;amp;nbsp;kB)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Michael Schetsche: &amp;#039;&amp;#039;Soziale Kontrolle durch Pathologisierung? Konstruktion und Dekonstruktion, außergewöhnlicher Erfahrungen&amp;#039; in der Psychologie.&amp;#039;&amp;#039; In: Birgit Menzel, Kerstin Ratzke (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Grenzenlose Konstruktivität? Standortbestimmung und Zukunftsperspektiven konstruktivistischer Theorien abweichenden Verhaltens.&amp;#039;&amp;#039; Leske + Budrich, Opladen 2003, S. 141–160.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Daniel Hell: [http://www.uzh.ch/news/articles/2003/1037.html &amp;#039;&amp;#039;Über die zunehmende Pathologisierung von Seelenschmerz&amp;#039;&amp;#039;.] Psychiatrie-Tagung, Universitätsklinik Zürich 2003.&lt;br /&gt;
* Lena Eckert: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.ash-berlin.eu/fileadmin/Daten/Einrichtungen/Frauenbeauftragte/Quer/12_2006_Queer.pdf „Gender“ – Pathologisierung einer Kategorie?]&amp;#039;&amp;#039; (PDF; 8,8 MB) In: Frauenrat der Alice Solomon Fachhochschule Berlin (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;QUER&amp;#039;&amp;#039;. Ausgabe 12/2006, S. 26–28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Diskriminierung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;LogicalLens</name></author>
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