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	<title>On Bullshit - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-03T12:53:20Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=On_Bullshit&amp;diff=606290&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Dmicha: typografische Anführungszeichen korrigiert</title>
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		<updated>2025-08-31T08:43:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;typografische Anführungszeichen korrigiert&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:&amp;#039;&amp;#039;On Bullshit&amp;#039;&amp;#039;}}&lt;br /&gt;
[[Datei:On Bullshit cover.jpeg|mini|Buchcover]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;On Bullshit&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist der Originaltitel eines [[Essay]]s des amerikanischen Philosophen [[Harry Frankfurt]]. Der Text handelt vom Phänomen des &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; (deutsch etwa &amp;#039;&amp;#039;Bockmist&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Humbug&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;leeres Gerede&amp;#039;&amp;#039;). Er erschien [[Literaturjahr 1986|1986]] zum ersten Mal als Aufsatz im &amp;#039;&amp;#039;Raritan Quarterly Review&amp;#039;&amp;#039; und wurde 2005 als gebundene Einzelausgabe in den [[USA]] zum Bestseller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
=== {{Anker|Bullshit (Begriff)}} Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
In der heutigen [[Englische Sprache|englischen]] [[Umgangssprache]] bezeichnet das [[Vulgärsprache|vulgäre]] Wort eine bestimmte Art von Gerede, das im [[Gestik|Gestus]] prätentiös, inhaltlich aber leer ist und einer Wahrheitsprüfung nicht standhält. Am treffendsten lässt der Ausdruck sich mit dem [[Neudeutsch|neudeutschen]] Wort Hohlsprech übersetzen, eingeschränkt auch mit [[Salbader]]n. Verwandten Wörtern wie [[Humbug]], [[Unsinn]], Blödsinn, Schwachsinn und [[Mumpitz]] fehlt im Deutschen die Konnotation des [[Hochmut|Anmaßenden]]. Auch der Ausdruck [[Geschwurbel]] weist in diese Richtung, hat aber eine zusätzliche Konnotation von Unverständlichkeit, die dem Begriff &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; nicht zu eigen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Etymologie]] des englischen Worts &amp;#039;&amp;#039;bullshit&amp;#039;&amp;#039;, das sowohl als [[Substantiv]] als auch als [[Verb]] verwendet wird, ist nicht eindeutig geklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.etymonline.com/word/bullshit |titel=bullshit {{!}} Origin and meaning of bullshit by Online Etymology Dictionary |abruf=2020-11-08 |sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Es lässt sich als „Bullen-“ oder „Stierscheiße“ übersetzen. Das Wort „bull“ hat jedoch eine weitere Bedeutung (‚unaufrichtig sprechen‘, ‚täuschen‘), die Frankfurt erwähnt. Das Wort wird mit dem [[Altfranzösische Sprache|altfranzösischen]] ‚bole‘ (‚Täuschung‘) und [[Isländische Sprache|isländischen]] ‚bull‘ (‚Unsinn‘) in Verbindung gebracht und hat nichts mit der Tierbezeichnung zu tun.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.etymonline.com/word/bull |titel=bull {{!}} Origin and meaning of bull by Online Etymology Dictionary |abruf=2020-11-08 |sprache=en}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ausgangsfrage ===&lt;br /&gt;
Am Anfang und erneut am Ende des Textes bemerkt Frankfurt, dass wir in unserer Kultur ständig von &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; umgeben seien. Am meisten interessiert ihn dabei derjenige &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;, der im öffentlichen Leben sichtbar werde, besonders in der [[Werbung]] und in der [[Öffentlichkeitsarbeit]], etwa von Parteien und Politikern, wobei Werbung, [[Öffentlichkeitsarbeit|PR]] und Politik heute sehr nahe benachbart seien.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=1, 22}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; werde unvermeidlich dann hervorgebracht, wenn Menschen gezwungen seien oder auch nur Gelegenheit erhalten, über Dinge zu sprechen, von denen sie nicht genug verstehen. Im öffentlichen Leben sei dies leider sehr oft der Fall. Als zweite Ursache für eine Flut von &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; nennt Frankfurt die verbreitete Überzeugung, dass in einer [[Demokratie]] jeder Bürger zu sämtlichen Angelegenheiten, die sein Land betreffen, dezidierte [[Meinung]]en haben müsse. Darüber hinaus möchten viele, die sich als bewusst moralisch Handelnde verstehen, sogar Vorkommnisse und Bedingungen in aller Welt bewerten; wenn Faktenkenntnisse fehlen, entstehe auch hier unausweichlich &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=62‒64}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frankfurts Ziel ist es, eine theoretische Handhabe zu entwickeln, die über die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs hinausgeht, die &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; genau beschreibt und die es erlaubt, &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; zu identifizieren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=1f}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Max Black: The Prevalence of Humbug ===&lt;br /&gt;
Der erste Text, den Frankfurt auf der Suche nach dieser Handhabe diskutiert, ist [[Max Black]]s Essay &amp;#039;&amp;#039;The Prevalence of Humbug&amp;#039;&amp;#039; (1983).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Max Black |Titel=The Prevalence of Humbug |Verlag=Cornell University Press |Ort=Ithaca, NY |Datum=1985 |ISBN= |Seiten=}}; {{Internetquelle |url=http://www.ditext.com/black/humbug.html |titel=englischer Originaltext online |abruf=2013-11-12}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Ausdruck &amp;#039;&amp;#039;Humbug&amp;#039;&amp;#039; ist im Ton etwas milder als &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;, bezeichnet in der Sache aber vermutlich etwas sehr Ähnliches.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=4‒6}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Frankfurt zufolge definiert Black &amp;#039;&amp;#039;Humbug&amp;#039;&amp;#039; wörtlich als &amp;#039;&amp;#039;„an Lüge nicht ganz heranreichende, irreführende Falschdarstellung der eigenen Gedanken, Gefühle oder Einstellungen, besonders durch anmaßende Worte oder Taten“&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Black: &amp;#039;&amp;#039;The Prevalence of Humbug, and Other Essays,&amp;#039;&amp;#039; Cornell University Press, Ithaca, New York, 1983, ISBN 978-0-8014-15-142, S. 143: „Humbug: &amp;#039;&amp;#039;deceptive misrepresentation, short of lying, especially by pretentious word or deed, of somebody&amp;#039;s own thoughts, feelings, or attitudes.&amp;#039;&amp;#039;“ Ebenfalls zitiert in: Harry G. Frankfurt: &amp;#039;&amp;#039;On Bullshit.&amp;#039;&amp;#039; Princeton University Press, New Jersey 2005, ISBN 0-691-12294-6, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;!-- Hier ist insgesamt sehr unklar belegt: Ist die angeführte Übersetzung eine eigene Übersetzung des Wikipedia-Autors? Ist sie der deutschen Ausgabe von Frankfurts „Bullshit“ entnommen? Es fehlt außerdem, gleichgültig in welcher Ausgabe, die Seitenangabe. --&amp;gt;Er bezeichnet damit einige Charakteristika von &amp;#039;&amp;#039;Humbug&amp;#039;&amp;#039;, die, wie Frankfurt findet, auch &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; ausmachen:&lt;br /&gt;
* die irreführende, trügerische Absicht&lt;br /&gt;
* die Falschdarstellung, die aber nicht mit [[Lüge]] identisch ist&lt;br /&gt;
* die Anmaßung oder Prätention, die das Motiv dafür sein kann (aber nicht muss), dass &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; geredet wird&lt;br /&gt;
Wer &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; redet, liefert eine Falschdarstellung ‒ aber nicht eine Falschdarstellung der Sache, über die er redet, sondern eine Falschdarstellung von sich selbst. Er will in anderen einen bestimmten Eindruck über sich selbst erzeugen und über das, was in seinem Kopf vor sich geht.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=6‒18; 53‒56}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ludwig Wittgenstein ===&lt;br /&gt;
Ein zentrales Anliegen der [[Analytische Philosophie|Analytischen Philosophie]] [[Ludwig Wittgenstein]]s war es, bestimmte Formen von [[Unsinn]] sprachphilosophisch zu identifizieren und aufzuzeigen. Frankfurt bemerkt, dass Wittgenstein ein Merkmal von &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; benannt und durchdacht habe, das Black entgangen sei: Schludrigkeit nämlich. Wer &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; redet, tut dies in der Regel ohne Sorgfalt, ohne Achtsamkeit für Details, ohne gedankliche Disziplin, ohne Bemühung um Objektivität, ohne Rücksicht auf Standards; er folgt ungehindert seinen Impulsen und Launen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=19‒22}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an Sorgfalt ist aber kein sauberes Kriterium für &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;. Neben grobem, gepfuschtem &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; gibt es erstens auch raffiniert ausgetüftelten &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;, etwa in Werbung und PR, wo Experten sich heute hochentwickelte Techniken aus [[Psychologie]], [[Meinungsforschung|Meinungs-]] und [[Marktforschung]] zunutze machen. Zweitens gibt es nicht nur hingeschlampten vagen, nebulösen &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;, sondern auch solchen, der übertrieben detailliert, konkret und spezifisch ist.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=22‒29}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frankfurts Definition ===&lt;br /&gt;
Als Quintessenz von &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; bestimmt Frankfurt die vollständige Gleichgültigkeit des &amp;#039;&amp;#039;Bullshitters&amp;#039;&amp;#039; (d.&amp;amp;nbsp;h. der Person, die &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; redet) gegenüber der [[Wahrheit]]. Den &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; interessiert es nicht, ob seine Aussagen wahr oder falsch sind; er versucht nicht einmal, eine sorgfältige Beschreibung der Realität zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=30‒34}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Frankfurt kommt am Buchende zur Konklusion, dass die zeitgenössische populäre Verbreitung von &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; tiefere Ursachen habe – in einer Form von Skeptizismus gegenüber dem Zugang zu objektiven Fakten bzw. Realitätsbeschreibungen. Dies führt zur Annahme, man könne unmöglich wissen, wie die Dinge wirklich seien. Somit sind viele &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; schlussendlich nicht an einer akkuraten Darstellung der realen Verhältnisse interessiert, sondern an einer ehrlichen Annäherung an das eigene Selbst: Da die Tatsachen kaum oder gar nicht ermittelbar seien, könne sich der &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; nicht aufrichtig der Realität nähern, wohl aber aufrichtig den Zugang zu sich selbst suchen. Da wir Menschen nun selbst von flüchtiger Natur und wenig substanzhaltig seien, sei Aufrichtigkeit selbst &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Datum=2009 |ISBN=978-1-4008-2653-7 |DOI=10.2307/j.ctt7t4wr}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Oxford English Dictionary ===&lt;br /&gt;
Das [[Oxford English Dictionary]] bestätigt im Wesentlichen den Gebrauch, den Frankfurt von dem Begriff &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; bis dahin gemacht hat.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=34‒37}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ansprechend findet er die dort genannte Metapher „heiße Luft“, die ebenso wie die Metapher &amp;lt;nowiki&amp;gt;Bull&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[[Scheiße|shit]]&amp;#039;&amp;#039; auf die Leere, die Substanzlosigkeit der Rede verweist.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=37‒43}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ezra Pound: Canto LXXIV ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres Charakteristikum entdeckt Frankfurt in [[Ezra Pound]]s Gedicht &amp;#039;&amp;#039;Canto LXXIV&amp;#039;&amp;#039; (1948). Pounds lyrisches Ich unternimmt es in diesem Gedicht, einen &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; zur Rede zu stellen. Statt des leeren Geredes fordert er Fakten. &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; ist [[Bluff]]. Es ist eher [[Fälschung]] als Lüge, was auch ein neues Licht darauf wirft, dass es keineswegs schlampig gemacht sein muss.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=43‒48}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eric Ambler: Dirty Story ===&lt;br /&gt;
Die nächste Anregung empfängt Frankfurt aus einer Passage in [[Eric Ambler]]s Roman &amp;#039;&amp;#039;[[Schmutzige Geschichte]]&amp;#039;&amp;#039; (1967). Eine der Figuren macht sich in diesem Thriller das &amp;#039;&amp;#039;Bullshitten&amp;#039;&amp;#039; zur Überlebenstechnik und schlägt sich damit vermutlich besser durch als mit Lügen. Frankfurt fällt dazu erstens ein, dass ein &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; in seiner Umgebung gewöhnlich mehr Toleranz findet als ein Lügner, und dass &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;, weil es so viel schwammiger ist, weniger als persönlicher Angriff empfunden wird als eine &amp;#039;&amp;#039;Lüge&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=48‒50}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens zeigt das Begriffspaar &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Lüge&amp;#039;&amp;#039; sich hier von einer neuen Seite: Eine Lüge ist so scharf fokussiert, die Anforderungen der Lüge sind so streng, dass der Lügner, wenn er erfolgreich sein will, sein Handwerk sehr präzise ausüben muss. Der &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; dagegen hat großen Raum für Fantasie und Improvisation; verglichen mit dem Lügner ist er quasi ein Künstler.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=50‒53}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Augustinus: De mendacio ===&lt;br /&gt;
Der letzte Text, auf den Frankfurt zurückgreift, ist [[Augustinus von Hippo|Augustinus]]’ Traktat &amp;#039;&amp;#039;De mendacio&amp;#039;&amp;#039;. Der Autor unterscheidet darin acht Arten der Lüge, von denen sieben keine Lügen im strengsten Sinne seien, weil es nicht das Ziel des Lügners sei, eine Unwahrheit zu sagen. Ganz anders bei der achten Art des Lügens, bei der aus Vergnügen am [[Täuschung|Täuschen]] gelogen wird; für Augustinus ist nur dies die wahre Lüge.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=56‒58}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil den &amp;#039;&amp;#039;Bullshitter&amp;#039;&amp;#039; der Unterschied zwischen wahr und falsch überhaupt nicht interessiert, stellt Frankfurt fest, dass nicht die Lüge der größte Feind der Wahrheit sei, sondern &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Harry G. Frankfurt |Titel=On Bullshit |Verlag=Princeton University Press |Ort=Princeton, New Jersey |Datum=2005 |ISBN=0-691-12294-6 |Seiten=61}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kritik am Antirealismus ===&lt;br /&gt;
Abschließend stellt Frankfurt die Frage „Warum gibt es soviel Bullshit?“ Er benennt als „tiefere Ursachen“ hierfür jene „Formen eines [[Skeptizismus]]“, die zum sogenannten [[Antirealismus]] führen und letztendlich das Vertrauen „in das Konzept einer objektiven Forschung“ untergraben. Das „Ideal der [[Richtigkeit]]“ würde in diesem Zuge durch das „Ideal der [[Aufrichtigkeit]]“ ersetzt. Er gibt zu bedenken, dass die von Antirealisten idealisierte Aufrichtigkeit – wie er im letzten Satz des Essays formuliert – „selbst Bullshit“ sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
Der amerikanische Anthropologe und Anarchist [[David Graeber]] bezieht sich in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;[[Bullshit Jobs]]&amp;#039;&amp;#039; (2018) auf Frankfurts Text. Auch die deutsche Philosophie und Sozialtheorie hat Frankfurts Konzept aufgegriffen und auf den medialen und politischen Diskurs angewandt. Dafür stehen etwa [[Philipp Hübl]] mit &amp;#039;&amp;#039;Bullshit Resistenz. Wie wir uns vor Lügen, [[Fake News]] und [[Verschwörungstheorie]]n schützen können&amp;#039;&amp;#039; (2024) sowie [[Robert Feustel]]s und Gregor Ritschels &amp;#039;&amp;#039;[[Populismus|Populistische]] Spiele. Bullshit als politische Strategie&amp;#039;&amp;#039; (2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgaben ==&lt;br /&gt;
* Originaltitel: Harry G. Frankfurt: &amp;#039;&amp;#039;On Bullshit&amp;#039;&amp;#039;. Princeton University Press, Princeton, NJ 2005, ISBN 0-691-12294-6.&lt;br /&gt;
* deutsche Übersetzung: Harry G. Frankfurt: &amp;#039;&amp;#039;Bullshit&amp;#039;&amp;#039;. Aus dem Englischen von [[Michael Bischoff (Übersetzer)|Michael Bischoff]]. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-58450-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://vimeo.com/109144338 Videointerview mit Harry G. Frankfurt] von Princeton University Press&lt;br /&gt;
* [https://www.nzz.ch/articleEKEQ8-1.67769 &amp;#039;&amp;#039;Wenn die Balken sich biegen. Über Nutzen und Nachteil der Lüge in der Politik.&amp;#039;&amp;#039;] Rezension von [[Uwe Justus Wenzel]], [[Neue Zürcher Zeitung]], 14. Oktober 2006&lt;br /&gt;
* Peter Edidin: {{Internetquelle |url=http://www.nytimes.com/2005/02/14/books/14bull.html?pagewanted=2&amp;amp;_r=0 |titel=Between Truth and Lies, An Unprintable Ubiquity |abruf=2013-10-24}} New York Times, 14. Februar 2005&lt;br /&gt;
* Stefan Kühl: &amp;#039;&amp;#039;[https://sozialtheoristen.de/2020/06/03/bullshit-warum-es-hilfreich-sein-kann-manchmal-nicht-auf-den-punkt-zu-kommen/ Bullshit – Warum es hilfreich sein kann, manchmal nicht auf den Punkt zu kommen]&amp;#039;&amp;#039;, sozialtheoristen.de, Juni 2020.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Bullshitting]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
Alle Referenzen auf den Text beziehen sich, wenn nicht anders vermerkt, auf die englische Originalausgabe.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=w|GND=7569995-3|VIAF=215963422}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Philosophisches Werk]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Dmicha</name></author>
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