<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Nehrungskurisch</id>
	<title>Nehrungskurisch - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Nehrungskurisch"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Nehrungskurisch&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-26T06:33:04Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Nehrungskurisch&amp;diff=236078&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;WajWohu: Änderung 263124326 von WajWohu rückgängig gemacht; doch</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Nehrungskurisch&amp;diff=236078&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-01-07T16:17:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Änderung &lt;a href=&quot;/index.php/Spezial:Diff/263124326&quot; title=&quot;Spezial:Diff/263124326&quot;&gt;263124326&lt;/a&gt; von &lt;a href=&quot;/index.php/Spezial:Beitr%C3%A4ge/WajWohu&quot; title=&quot;Spezial:Beiträge/WajWohu&quot;&gt;WajWohu&lt;/a&gt; rückgängig gemacht; doch&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt das seit dem 15. Jahrhundert aus Kurland an die litauische und preußische Küste ausgebreitete, bis zum Zweiten Weltkrieg auf der Kurischen Nehrung gesprochene Neukurische, dessen wohl letzte Sprecher bis Anfang des 21. Jahrhunderts leben. Für das wohl bis zum 16. Jahrhundert vom Litauischen und Lettischen verdrängte Altkurische siehe [[Kurische Sprache]].}}&lt;br /&gt;
{{Infobox Sprache&lt;br /&gt;
|Sprache= Nehrungskurisch&lt;br /&gt;
|Länder= [[Deutschland]]&lt;br /&gt;
|Sprecher= ~7 (Stand ca. 2015)&lt;br /&gt;
|Klassifikation=&lt;br /&gt;
* [[Indogermanische Sprachen]]&lt;br /&gt;
*: [[Baltische Sprachen]]&lt;br /&gt;
*:: Ostbaltische Sprachen&lt;br /&gt;
*::: [[Lettische Sprache|Lettisch]]&lt;br /&gt;
|KSprache= Nehrungskurisch&lt;br /&gt;
|Amtssprache= &lt;br /&gt;
|ISO1= &lt;br /&gt;
|ISO3= &lt;br /&gt;
|ISO2= &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Nehrungskurisch&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (nehrungskurisch: &amp;#039;&amp;#039;kursineeki wahloda&amp;#039;&amp;#039;, {{lvS|kursenieku valoda}}, {{ltS|kuršininkų kalba}}) oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Neukurisch&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (häufiger auf {{enS|New Curonian}}) ist eine aussterbende [[Baltische Sprachen|ostbaltische Sprache]], die bis nach 1945 auf der [[Kurische Nehrung|Kurischen Nehrung]] (damals Teil [[Ostpreußen]]s) von Fischern, den [[Nehrungskuren]], gesprochen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linguistische und sprachgeschichtliche Einordnung ==&lt;br /&gt;
Es handelt sich um einen [[Lettische Sprache|lettischen]] Dialekt oder eine eigene Sprache mit starken Einflüssen der [[Litauische Sprache|litauischen]], [[Niederdeutsche Sprache|niederdeutschen]] und [[Deutsche Sprache|deutschen Sprache]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen veralteten Hypothesen des 19. Jahrhunderts ist Nehrungskurisch weder ein Überrest der [[Baltische Sprachen|westbaltischen]] [[Altpreußische Sprache|altpreußischen Sprache]] noch der wahrscheinlich westbaltischen [[Kurische Sprache|altkurischen Sprache]], die beide seit Jahrhunderten nicht mehr gesprochen werden. Stattdessen steht das Nehrungskurische der ostbaltischen [[Lettische Sprache|lettischen Sprache]] am nächsten und wird entweder als lettischer Dialekt oder als eigene ostbaltische Sprache klassifiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;Als lettischen Dialekt betrachtet Nehrungskurisch z.&amp;amp;nbsp;B. Wolfgang P. Schmid, in Zusammenarbeit mit I. Bernowskis (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Nehrungskurisch. Sprachhistorische und instrumentalphonetische Studien zu einem aussterbenden Dialekt&amp;#039;&amp;#039; Stuttgart 3 Bd.e, 1989–99, für die Einordnung als Sprache plädiert z.&amp;amp;nbsp;B. die Dalia Kiseliūnaitė ([[Universität Klaipėda]]): [https://core.ac.uk/download/pdf/32302756.pdf &amp;#039;&amp;#039;The sociolinguistic evaluation and recording of the dying Kursenieku language.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 0,3&amp;amp;nbsp;MB) in: Language Documentation &amp;amp; Conservation Special Publication No. 9 (Januar 2016) der [[University of Hawaiʻi at Mānoa]], S. 73–74.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Angaben im Kapitel vgl. [https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;amp;q=Foundations+of+Baltic+languages.+ Pietro U. Dini: &amp;#039;&amp;#039;Foundations of Baltic Languages.&amp;#039;&amp;#039; Vilnius 2014], S. 298.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spracheinflüsse in Lexik und Grammatik ==&lt;br /&gt;
Schon [[Adalbert Bezzenberger|Bezzenberger]] bezeichnete den [[Wortschatz]] (Lexik) der Sprache der Einheimischen auf der Kurischen Nehrung, die er „preußische Letten“ nannte, als „teilweise Deutsch, teilweise Lettisch, teilweise Litauisch“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;amp;q=Foundations+of+Baltic+languages.+ Pietro U. Dini: &amp;#039;&amp;#039;Foundations of Baltic Languages.&amp;#039;&amp;#039; Vilnius 2014], S. 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; Richard Pietsch (siehe unten) schrieb, dass 60 % des Wortschatzes des Nehrungskurischen aus dem Lettischen kommen, 26 % aus dem Deutschen, zumeist aus dem [[Niederdeutsche Sprache|Niederdeutschen]], häufig dem regionalen Dialekt [[Niederpreußisch]] und 13 % aus dem Litauischen, oft aus dem [[schemaitisch]]en (niederlitauischen) Dialekt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Pietsch: &amp;#039;&amp;#039;Deutsch-Kurisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039;, S. 17&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Friedhelm Hinze]] untersuchte daneben eine Gruppe slawischer Lehnwörter aus dem Alltagsleben im Nehrungskurischen, teilweise ein Ergebnis sehr früher Kontakte aus Kurland zur [[Kiewer Rus]],&amp;lt;ref&amp;gt;Dalia Kiseliūnaitė ([[Universität Klaipėda]]): [https://core.ac.uk/download/pdf/32302756.pdf &amp;#039;&amp;#039;The sociolinguistic evaluation and recording of the dying Kursenieku language.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 0,3&amp;amp;nbsp;MB) in: Language Documentation &amp;amp; Conservation Special Publication No. 9 (Januar 2016) der [[University of Hawaiʻi at Mānoa]], S. 73/74.&amp;lt;/ref&amp;gt; teilweise Beleg für das frühere Sprachgebiet bis in die Nähe von [[Danzig]], denn nur hier waren slawische Sprachen vor dem 18. Jahrhundert Kontaktsprachen der Nachbarschaft und näheren Umgebung ([[Polnische Sprache|Polnisch]] und [[Kaschubische Sprache|Kaschubisch]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Friedhelm Hinze: &amp;#039;&amp;#039;Die slawischen lexikalischen Elemente im nehrungskurischen Wortschatz, die das Alltagesleben der Nehrungskuren bezeichnen. Versuch einer Systematisierung&amp;#039;&amp;#039; in: LOSP (=Michał Hasiuk (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Linguistic and Oriental studies from Poznań&amp;#039;&amp;#039;) (1993), S.&amp;amp;nbsp;43–52.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Wolfgang P. Schmid]] beschrieb im lettischen Anteil der Lexik daneben (ähnlich den lettischen Dialekten in Kurland) einen [[Substrat (Linguistik)|Bestand alter Lehnwörter]] aus dem Altkurischen und aus der [[Finno-ugrische Sprachen|finno-ugrischen]] Sprache [[Livische Sprache|Livisch]], eine historische nördliche Nachbarsprache in Kurland, die allmählich vom Kurländer Lettischen zurückgedrängt wurde (der letzte Muttersprachler des Livischen starb 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf grammatischer Ebene zeigt Nehrungskurisch nach Schmid viele Merkmale einer verbundenen gemischten &amp;#039;&amp;#039;fusion language&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang P. Schmid: &amp;#039;&amp;#039;Das Nehrungskurische, ein Sprachhistorischer Überblick.&amp;#039;&amp;#039; 1989, so zusammengefasst bei Pietro U. Dini: &amp;#039;&amp;#039;Foundations of Baltic Languages.&amp;#039;&amp;#039; Vilnius 2014, S. 298.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Geschichte der Nehrungskuren ==&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Nehrungskuren}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Curonians kursenieki in 1649.png|mini|Sprachgebiet des Nehrungskurischen 1649]]&lt;br /&gt;
Die [[Litauerkriege des Deutschen Ordens|langen Grenzkriege]] zwischen dem [[Deutscher Orden|Deutschen Orden]], dem [[Königreich Polen]] und dem [[Großfürstentum Litauen]] verwüsteten die Grenzregionen beider Seiten. Sie wurden erst durch den [[Friede vom Melnosee|Frieden vom Melnosee]] 1422 und endgültig durch den [[Zweiter Thorner Friede|Zweiten Thorner Frieden]] 1466 beendet. Die preußisch-litauischen Grenzgebiete (West-[[Samogitien]] und [[Kleinlitauen]]) waren im 15. Jahrhundert weitgehend entvölkert. So ergab sich die Notwendigkeit, die fast entvölkerte „[[Große Wildnis]]“ im Norden, Osten, Süden und an der Küste des [[Deutschordensstaat]]es Preußen allmählich wieder zu besiedeln.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Andreas Kossert]]: &amp;#039;&amp;#039;Ostpreußen. Mythos und Geschichte&amp;#039;&amp;#039;. Siedler, München 2007, ISBN 3-88680-808-4, S. 192.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nur die Zentralgebiete hatten eine konstante Besiedlung aus deutschsprachiger Bevölkerung, in die sich bis um 1700 auch die [[Prußen|altpreußisch]]-[[Westbaltische Sprachen|westbaltische]] Bevölkerung [[Assimilation (Soziologie)|assimilierte]]. Zur Wiederbesiedlung der „Großen Wildnis“ wurden neben deutschen Siedlern im 16. und 17. Jahrhundert vor allem im Norden und Osten litauische Bauern („[[Preußisch Litauen]]“) ins Land geholt. In den Süden kamen polnische Bauern („[[Masuren (Volk)|Masuren]]“), darunter viele protestantische Emigranten vor der katholischen [[Gegenreformation]] in [[Polen-Litauen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Küste ließen sich Fischer nieder, die im 15. Jahrhundert entlang der Westküste [[Kurland]]s nach Süden gezogen waren, bis ins [[Samland]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Andreas Kossert]]: &amp;#039;&amp;#039;Ostpreußen. Mythos und Geschichte&amp;#039;&amp;#039;. Siedler, München 2007, ISBN 3-88680-808-4, S. 192.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese „Kuren“ (nehrungskurisch: &amp;#039;&amp;#039;[[Kursenieki]]&amp;#039;&amp;#039;, lettisch: &amp;#039;&amp;#039;kursi, kurši&amp;#039;&amp;#039;) sprachen nicht mehr die alte, vermutlich westbaltische [[kurische Sprache]], sondern mittellettische ostbaltische Dialekte, die bis zum 16. Jahrhundert durch den Zuzug aus [[Lettgallen]] und [[Semgallen]] die altkurische Sprache in Kurland verdrängt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus historischen Quellenauswertungen bekannt ist, breiteten sich die kurisch-lettischen Fischerdörfer vom 14. bis 17. Jahrhundert allmählich von Kurland an der [[Rigaischer Meerbusen|Rigaer Bucht]] über die litauische Küste, die Kurische Nehrung und einige Dörfer an der Innenseite des [[Kurisches Haff|Kurischen Haffs]] aus, dann über die Küste Samlands und das [[Frisches Haff|Frische Haff]] bis zur Küste östlich von [[Danzig]]. Die gesamte Meeresfischerei dieser Region lag im 17. Jahrhundert in der Hand kurischer Fischer. Nehrungskurisch wird deshalb oft auch als [[Soziolekt]] der Ostseefischer der Region charakterisiert, während die Bauern im Landesinneren deutsch, polnisch oder litauisch sprachen. Es gab seit 15./16. Jahrhundert auch einige Bauerndörfer abseits der Küste, die von kurischen Siedlern aus Kurland begründet und bewohnt wurden, die sich aber bis ins 18. Jahrhundert sprachlich in ihre litauische oder deutsche Umgebung assimiliert hatten.&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Slaven in Deutschland 1902 (117897636).jpg|mini|Nehrungskurische („lettische“) Bevölkerung im März 1897 mit Bevölkerungstabelle, unterschieden zwischen der lettischen/kurischen Bevölkerung allgemein (insgesamt 1196) und jener mit Fachsprache „im Fischereigewerbe“ (insgesamt 3516). Hellrot: ehemaliges Gebiet, mittelrot: „Gebiet vereinzelter Kuren“; rot: „Gebiet mit kurischer Fischersprache“. Die Fischerdörfer nördlich der Nehrung an der heute litauischen Festlandküste zeigten große Unterschiede zwischen wenigen Alltagssprechern und den zahlreichen Sprechern im Fischereigewerbe, auf der Kurischen Nehrung dagegen gab es kaum Differenzierungen.&amp;lt;ref&amp;gt;aus: [[Franz Tetzner]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Slaven in Deutschland : Beiträge zur Volkskunde der Preussen, Litauer und Letten, der Masuren und Philipponen, der Tschechen, Mährer und Sorben, Polaben und Slowinzen, Kaschuben und Polen.&amp;#039;&amp;#039; Braunschweig 1902, Kartenteil „Zu Seite 127.“&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wurde Kurisch allmählich durch Ehen und Kontakte mit dem Hinterland assimiliert und zurückgedrängt. Außerdem war Nehrungskurisch (oder Lettisch) niemals die Kirchensprache der Predigten und Gebete in den evangelisch-lutherischen Kirchen der Region, sondern im Süden Deutsch, im Norden Litauisch. Es bildete sich in einigen Regionen die Sitte, dass die Männer auf ihren Fischzügen Kurisch sprachen, zu Hause wurde dagegen Deutsch oder Litauisch gesprochen. Viele Fachbegriffe der Seefischerei kamen in Preußen aus dem Kurischen, was die Klassifizierung als Soziolekt der Seefischer förderte. Allein in Fischerdörfern der Kurischen Nehrung blieb Kurisch bis zum Zweiten Weltkrieg eine allgemein verwendete Sprache. Im 19. Jahrhundert bildete sich deshalb die Bezeichnung „Nehrungskurisch“. Anfang der 1920er Jahre erhob Lettland kurzzeitig politische Ansprüche auf die abseits gelegene Nehrung, deren Sprache für lettische Besucher weitgehend verständlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg galten bis 1947 sämtliche Bewohner der Fischerdörfer auf der Nehrung offiziell als Deutsche,&amp;lt;ref&amp;gt;Andreas Kossert: &amp;#039;&amp;#039;Ostpreußen. Mythos und Geschichte&amp;#039;&amp;#039;. Siedler, München 2007, S. 339.&amp;lt;/ref&amp;gt; darunter mindestens 245 Familien, die Kurisch sprachen.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Pietsch: &amp;#039;&amp;#039;Deutsch-Kurisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039;. Nordostdeutsches Kulturwerk, Lüneburg 1991, S. 353.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Zuge der [[Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950|Flucht und Vertreibung]] der Deutschen aus Ostpreußen wurden sie 1948 nach Westen vertrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Andreas Kossert: &amp;#039;&amp;#039;Ostpreußen. Mythos und Geschichte&amp;#039;&amp;#039;. Siedler, München 2007, S. 337.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Eine sterbende Sprache ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kuršu valodas pulciņš.jpg|mini|links|Aushang für einen Nehrungskurisch-Kurs von Dalia Kiseliūnaitė in [[Juodkrantė]] (Schwarzort) im April 2019.]]&lt;br /&gt;
Nach der Vertreibung lebten die meisten Muttersprachler in Deutschland. Richard Pietsch (1915–2007) aus [[Nida (Litauen)|Nidden]],&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[[:nds:Richard Pietsch|Richard Pietsch]]&amp;#039;&amp;#039;. Nederdütsche Wikipedia&amp;lt;/ref&amp;gt; ehemals Pferdepostbote mit nur linker Hand am Einspänner, nach der Flucht Versicherungsvertreter und später in der Bundeswehrverwaltung tätig, reiste durch Deutschland und interviewte alte Fischer, die noch Nehrungskurisch sprachen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gabriele Lorenz-Rogler: &amp;#039;&amp;#039;Der letzte Kure: Ein Besuch bei Richard Pietsch&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Preußische Allgemeine Zeitung|Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt]], 8. Februar 2004.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Erinnerungen an die Heimat stellte [[Jens Sparschuh]] 2001 in einem Hörfunk-[[Feature (Darstellungsform)|Feature]] zusammen.&amp;lt;ref&amp;gt;ORF Radio Ö1: &amp;#039;&amp;#039;Hörbilder&amp;#039;&amp;#039;, 2001, Koproduktion von SFB, SWF und anderen; Rezension von Tom Peuckert in: &amp;#039;&amp;#039;Der Tagesspiegel&amp;#039;&amp;#039; vom 29. Dezember 2001, S. 27 ([https://www.klangkontext.de/boltenhagen/buecher2001/elch-rez.html online], abgerufen am 8. Februar 2024).&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige Dokumentationen und Wörterbücher des Nehrungskurischen fertigte Pietsch gemeinsam mit dem Muttersprachler Paul Kwauka an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2002 wusste Pietsch noch von sieben weiteren Sprechern des Nehrungskurischen.&amp;lt;ref&amp;gt;Tina Riegler: &amp;#039;&amp;#039;Der alte Mann und die Sprache&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;ruprecht. Heidelberger Studentenzeitung&amp;#039;&amp;#039;, Nr. 80 vom 5. November 2002 ([https://2006-2013.ruprecht.de/nachrichten/archive/2010/february/27/article/der-alte-mann-und-die-sprache/ online]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Einige Nehrungskurisch-Sprecher, meistens Sprecherinnen, sind noch nach seinem Tod bekannt. So dokumentierten die Sprachwissenschaftlerinnen Arina Ivanickaya und Dalia Kiseliūnaitė von der [[Universität Klaipėda]] Nehrungskurisch 2015 mit der in Deutschland lebenden Sprecherin Herta Detzkait-Paul (geb. 1924 in Nidden, 1944 nach Westen geflüchtet).&amp;lt;ref&amp;gt;Arina Ivanickaya: [https://www.researchgate.net/publication/292995915_Kursiu_nerijos_kursininku_tarmes_nykimo_pozymiai_daiktavardziu_linksniavimo_pokyciai_rasytiniuose_paminkluose_Signs_of_Extinction_of_the_Kursenieku_Dialect_on_the_Curonian_Spit_Changes_in_the_Declensi &amp;#039;&amp;#039;Kuršių nerijos kuršininkų tarmės nykimo požymiai: daiktavardžių linksniavimo pokyčiai rašytiniuose paminkluose. Signs of Extinction of the Kursenieku Dialect on the Curonian Spit: Changes in the Declension of Nouns in Written Monuments.&amp;#039;&amp;#039;] Klaipėda 2015.&amp;lt;/ref&amp;gt; Publikationen aus Deutschland vernachlässigen oft, dass nicht alle Nehrungskuren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland lebten. Eine kleinere Gruppe von Familien, meistens Frauen und Kinder, kehrte nach 1948 auf die nun sowjetische Nehrung zurück, wo sie als autochthone evangelisch-lutherische Minderheit zwischen litauischen und russischen Neuzuwanderern lebten, allerdings wanderte die Mehrheit zwischen 1958 und 1960 nach einem westdeutsch-sowjetischen Auswanderungsabkommen wieder ab. Einzelne Kuren blieben aber aufgrund von Ehen mit den Neuzuwanderern, oder weil sowjetische Behörden die Auswanderung nicht genehmigten, auf der Nehrung. In einigen Familien, auch nördlich der Nehrung, sind zumindest rudimentäre Kenntnisse des Nehrungskurischen erhalten. Kiseliūnaitė erwähnte daneben 2016 zwei gelegentlich sprechende voll kompetente Muttersprachler (ein Ehepaar) in Deutschland und einen in Schweden sowie zwei Brüder namens Sakuth in Schweden,&amp;lt;ref&amp;gt; Die [https://www.youtube.com/watch?v=d7KwPjWGbT4 im Interview 2021 mit Dalia Kiseliūnaitė über das Nehrungskurische] min. 20:44–23:05 zu sehenden Nehrungskurisch-Sprecher (mit litauischen Untertiteln) sind drei der ursprünglich vier Sakuth-Brüder.&amp;lt;/ref&amp;gt; die die Sprache regelmäßig im Alltag sprechen. Noch mehr Personen haben noch eine eingeschränkte (Halbsprecher) oder passive Kenntnis des Nehrungskurischen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dalia Kiseliūnaitė: [https://core.ac.uk/download/pdf/32302756.pdf &amp;#039;&amp;#039;The sociolinguistic evaluation and recording of the dying Kursenieku language.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 0,3&amp;amp;nbsp;MB) in: Language Documentation &amp;amp; Conservation Special Publication No. 9 (Januar 2016) der [[University of Hawaiʻi at Mānoa]], S. 75–76.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachbeispiele ==&lt;br /&gt;
Das [[Vaterunser]] auf Kurisch:&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem lang=&amp;quot;lv&amp;quot; style=&amp;quot;font-style:italic&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Teve mūses, kur tu es danguj,&lt;br /&gt;
Garbiets ir taue vards.&lt;br /&gt;
Lai nāke taue karelīste.&lt;br /&gt;
Taue vale nuoase duoade ka is dange, ta ir us zeme.&lt;br /&gt;
Mūse diene maize duoade mums šuoadiene.&lt;br /&gt;
Ir paduoade mums mūse kalte,&lt;br /&gt;
Ka ir mes paduoadame mūsams kaltejams.&lt;br /&gt;
Ir nevede mums is pajundijuma,&lt;br /&gt;
Islidze mums nu piktume.&lt;br /&gt;
Tad taue ir ta kareliste un ta sile un ta šviesibe&lt;br /&gt;
Nu amžu lidz amžu. Amen&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Sprachvergleich mit den in Wortschatz, Satzbau und Grammatik teilweise deutlich verschiedenen altpreußischen, möglicherweise altkurischen, lettischen, litauischen und [[Jatwingische Sprache|jatwingischen]] Vaterunser, siehe [[Sprachvergleich anhand des Vaterunsers#Vergleichstabelle baltischer und finnougrischer Sprachen|Sprachvergleich baltischer und finno-ugrischer Vaterunser]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Richard Pietsch im Deutsch-Kurischen Wörterbuch wiedergegebener Beispieltext:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Kuoa tie Laužes ede&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;br /&amp;gt;(Essgewohnheiten)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Kad tie zvejes par labes saguvumes juoa dauge āspelnij, tap pirages cepte, tas jau pussvete tap uoazgrieste un duoate.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;br /&amp;gt;(Wenn die Fischer durch gute Fänge mehr verdienten, wurde auch Kuchen gebacken, der bereits am Sonnabend aufgeschnitten und gereicht wurde.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Svedienes deve tad sāles rāpučes ar pečānes brādes, apvirtes gribes, tie rudina tap ielikte, va ieliktes bruklines lasete is kāpe meze.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;br /&amp;gt;(Sonntags gab es dann Salzkartoffeln mit Schweinebraten, gedünstete Pilze, die im Herbst eingelegt worden waren, oder eingelegte Preiselbeeren aus dem Nehrungswald.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Ieliktes melines, kracines va aviečes deve nu kāde reze va us svediene pa edine.&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;br /&amp;gt;(Eingemachte Blaubeeren, Brombeeren oder Himbeeren gab es nur zu besonderen Anlässen oder auf dem Sonntagspudding.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
=== Wörterbücher ===&lt;br /&gt;
* Paul Kwauka, Richard Pietsch: &amp;#039;&amp;#039;Kurisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039;. Camen, Berlin 1977, ISBN 3-921515-03-3 (= &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Nordost-Archiv&amp;#039;&amp;#039;, Band 13).&lt;br /&gt;
* Richard Pietsch: &amp;#039;&amp;#039;Deutsch-Kurisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Nordost-Archiv&amp;#039;&amp;#039;, Band 33). Nordostdeutsches Kulturwerk, Lüneburg 1991, ISBN 3-922296-60-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Veröffentlichungen in kurischer Sprache ===&lt;br /&gt;
* Richard Pietsch: &amp;#039;&amp;#039;Fischerleben auf der Kurischen Nehrung. Dargestellt in kurischer und deutscher Sprache&amp;#039;&amp;#039;. Herausgegeben von [[Friedrich Scholz (Sprachwissenschaftler)|Friedrich Scholz]] Nordostdeutsches Kulturwerk, Lüneburg 1982 (= &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Nordost-Archiv&amp;#039;&amp;#039;, Band 20).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Handbuchartikel ===&lt;br /&gt;
* [[Harald Haarmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Kurisch&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Miloš Okuka]], Gerald Krenn (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens&amp;#039;&amp;#039;. Klagenfurt 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 957 (= &amp;#039;&amp;#039;Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens&amp;#039;&amp;#039;, Band 10) ([http://wwwg.uni-klu.ac.at/eeo/Kurisch.pdf uni-klu.ac.at online]) auf der Internetseite der Enzyklopädie des europäischen Ostens.&lt;br /&gt;
* [[Franz Tetzner]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Kuren in Preußen&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Globus&amp;#039;&amp;#039;, Band LXXV, Nr. 6, vom 4. Februar, Braunschweig 1899, S. 89-96 ([https://books.google.de/books?id=lIflAAAAMAAJ&amp;amp;pg=PA89 Google Books]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sprachwissenschaftliche Untersuchungen ===&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang P. Schmid]], in Zusammenarbeit mit I. Bernowskis (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Nehrungskurisch. Sprachhistorische und instrumentalphonetische Studien zu einem aussterbenden Dialekt&amp;#039;&amp;#039;. (= Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz). Franz Steiner Verlag, Stuttgart&lt;br /&gt;
** Band 1: 1989, ISBN 3-515-05445-6.&lt;br /&gt;
** Band 2: 1995. ISBN 3-515-06758-2.&lt;br /&gt;
** Band 3: 1999, ISBN 3-515-07475-9.&lt;br /&gt;
* Christliebe El Mogharbel: &amp;#039;&amp;#039;Nehrungskurisch, Dokumentation einer moribunden Sprache.&amp;#039;&amp;#039; Hector, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-9801832-8-9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Dalia Kiseliūnaitė: [https://www.spauda.lt/voruta/tekstai/kurshes.htm Die letzte Generation der Nehrungskuren] (litauisch)&lt;br /&gt;
* Dalia Kiseliūnaitė: [https://core.ac.uk/download/pdf/32302756.pdf &amp;#039;&amp;#039;The sociolinguistic evaluation and recording of the dying Kursenieku language.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 0,3&amp;amp;nbsp;MB) in: Language Documentation &amp;amp; Conservation Special Publication No. 9 (Januar 2016) der [[University of Hawaiʻi at Mānoa]], S. 69–79.&lt;br /&gt;
* Christiane Schiller, Dalia Kiseliūnaitė: [http://talpykla.istorija.lt/bitstream/handle/99999/3187/SCHILLER_KISELIUNAITE_2015_Nehrunkurischer_Text_ALt_17_379-402.pdf?sequence=1&amp;amp;isAllowed=y Ein nehrungskurischer Text im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg. Das Blatt 30084 Nidden.] (PDF) &amp;#039;&amp;#039;Archivum Lithuanicum&amp;#039;&amp;#039;, 17 (2015), S. 379–402&lt;br /&gt;
* [https://www.youtube.com/watch?v=0YF7spSdcRM Tonbandaufnahme einer Sprecherin des Nehrungskurischen (Interviewer spricht Deutsch, Lettisch, Englisch; lettische Umschrift über Untertitel anklickbar)], Youtube, die Bilder zeigen kurische Fischerhäuser auf der Kurischen Nehrung.&lt;br /&gt;
* [https://www.youtube.com/watch?v=d7KwPjWGbT4 Interview 2021 mit Dalia Kiseliūnaitė über das Nehrungskurische (auf Litauisch)]. In den Minuten 20:44–23:05 wird ein älteres Video eingespielt, wahrscheinlich um die 1990er Jahre in Schweden gedreht, das eine Unterhaltung von drei Brüdern auf Nehrungskurisch zeigt. Das Video ist Litauisch untertitelt, weil sonst für Litauer nicht verständlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4330058-3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Einzelsprache]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ostbaltische Sprachen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bedrohte Sprache]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur (Ostpreußen)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;WajWohu</name></author>
	</entry>
</feed>