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	<title>Mos gallicus - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-31T00:36:30Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Mos_gallicus&amp;diff=329899&amp;oldid=prev</id>
		<title>90.186.94.46: falscher Genitiv</title>
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		<updated>2023-08-29T15:43:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;falscher Genitiv&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (lat.: die gallische/französische Sitte/Gewohnheit) ist eine kritische Methode des juristischen [[Humanismus]] der [[Frühe Neuzeit|frühen Neuzeit]]. Quellen und Untersuchungsgegenstände waren die überlieferten [[Rechtsbuch|Rechtsbücher]] des &amp;#039;&amp;#039;[[Corpus iuris civilis]]&amp;#039;&amp;#039; und des &amp;#039;&amp;#039;[[Corpus iuris canonici]]&amp;#039;&amp;#039;. Diese waren seit dem Mittelalter von den  [[Glossator]]en und später den [[Kommentatoren]] sowie den kirchenrechtlichen [[Dekretist]]en und [[Dekretalistik|Dekretalisten]] bearbeitet worden. Die Textkritik baut auf festgestellten [[Korruptele]]n auf. Auch die beiden [[spätantike]]n  Kodifikationen selbst wurden textkritisch geprüft, da sich Widersprüche zu älteren Rechtsbestimmungen, vornehmlich den Texten der [[Klassik (Jurisprudenz)|klassischen Jurisprudenz]], auftaten. Die Methode hatte sich der „Wiederherstellung“ des originären [[Römisches Recht|römischen Rechts]] verschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039; korrespondierte mit dem [[Renaissance-Humanismus]] und verstand sich als Bildungsreform. Die in Deutschland als „humanistische Jurisprudenz“ bekannte und bezeichnete Bewegung – Teil der Renaissance – stand dem Vorbild der [[Antike]] nah. In epochaler Hinsicht stand der &amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039; zwischen dem [[Französischer Humanismus|französischen Humanismus]] und dem deutschen &amp;#039;&amp;#039;[[usus modernus pandectarum]]&amp;#039;&amp;#039;, bestimmte so das rechtswissenschaftliche Wirken zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Humanistische Einflüsse ==&lt;br /&gt;
Als Begründer dieser Ausrichtung gelten [[Guillaume Budé]] (1468–1540), [[Andreas Alciatus]] (1492–1550) und für Deutschland [[Ulrich Zasius]] (1461–1535). Weitere Vertreter des &amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039; sind [[Jacques Cujas]] (1522–1590), [[Donellus]] (1527–1591), [[Dionysius Gothofredus]] (1549–1622), [[Antoine Favre (Rechtsgelehrter)|Antoine Favre]] (1557–1624), [[Iacobus Gothofredus]] (1587–1652), und später in den Niederlanden [[Gerhard Noodt]] (1647–1725), [[Arnold Vinnius]] (1588–1657), sowie [[Johannes Voet]] (1647–1713). In den Niederlanden wird auch von der „holländischen“ beziehungsweise „eleganten Jurisprudenz“ gesprochen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Harke&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter war man an überzeitlichen Wahrheiten interessiert. In der frühen Neuzeit begann man, sich wieder für vergangene Zeiten, insbesondere für die griechisch-römische Antike zu interessieren. Dies bedeutete, dass die [[Rechtswissenschaft]] sich von den Glossatoren und Kommentatoren abwandte, da diese durch ihre Glossen und Auslegungen den vorurteilsfreien Blick auf die römischen Rechtsquellen verstellt hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Michael L. Monheit: &amp;#039;&amp;#039;Legal Humanism.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Paul Frederick Grendler]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Encyclopedia of the Renaissance&amp;#039;&amp;#039;, Band 3, New York 1999, S. 230–233, hier: 231.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Humanisten betrieben deshalb genauere Sprachstudien, als dies im Hochmittelalter der Fall gewesen war. Insbesondere bemühte man sich nun um eine korrekte Verwendung der lateinischen Sprache, auch lernte und nutzte man wieder die griechische Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik am &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; ==&lt;br /&gt;
Im Mittelalter und in der beginnenden Frühen Neuzeit wurde an den Universitäten in der &amp;#039;&amp;#039;mittelalterlichen Tradition&amp;#039;&amp;#039; das Recht nach Sitte der Italiener ([[mos italicus]]) gelehrt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. hierzu: [[Herbert Hausmaninger]], [[Walter Selb]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Privatrecht&amp;#039;&amp;#039;, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 60–62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jurist]]en, die der neu entstandenen wissenschaftlichen Richtung des Humanismus angehörten, entdeckten nun, dass das an den Universitäten gelehrte &amp;#039;&amp;#039;Corpus iuris civilis (CIC)&amp;#039;&amp;#039; bisher von den Vertretern des &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; sprachlich unzureichend bearbeitet worden war. Außerdem entdeckte man, dass die in der damaligen Rechtswissenschaft gebräuchlichen Gesetzestexte nicht mit den originalen antiken Gesetzestexten übereinstimmen. Die gebräuchlichen Gesetzestexte stammten von in Teilen mit Fehlern behafteten Abschriften des antiken Originals, der [[Littera Florentina]]. Insbesondere Cujas und Favre machten sich um die Analyse der sich auf die [[Pandekten|Digesten]] beziehenden Handschriften verdient.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Harke&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund ihrer sprachlichen Schulung, stellten die humanistischen Juristen fest, dass die Rechtstexte des &amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039; nicht einheitlich waren und sich in Textstufen (verschiedene Entstehungszeiten) aufbauten, was Rechtsentwicklungen nahelegte. Auch hatte Kaiser [[Justinian I.]] manche der [[Klassik (Jurisprudenz)|klassischen Rechtstexte]] bei der Schaffung des &amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039; überarbeiten lassen. Diese [[Interpolation (Literatur)|Überarbeitungen]] der Juristen der kaiserlichen Kanzleien waren häufig nicht geglückt. Außerdem fand man weitere original-antike Schriften, deren Heranziehung die Veränderungen im Laufe der Zeit zu Tage treten ließen. Die von den Juristen des &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; vertretene These, dass es sich um ein &amp;#039;&amp;#039;ahistorisches, widerspruchsfreies Recht&amp;#039;&amp;#039; handle, konnte nicht aufrechterhalten werden, denn ihren Vertretern wurde tatsächlich lediglich fehlendes geschichtliches Bewusstsein unterstellt. Zudem erkannte man, dass der [[Scholastik|scholastisch]] geprägte und damit sehr spitzfindig operierende &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; stark auf die Rechtspraxis ausgerichtet war und damit von einigen Regeln des &amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039; willkürlich abwich. Auch diese Rechtsabweichungen kritisierten die humanistischen Juristen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. eine Übersicht bei [[Isabelle Deflers]]: &amp;#039;&amp;#039;Recht/Rechtswissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Manfred Landfester]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption&amp;#039;&amp;#039;, Darmstadt 2014, Sp. 807–815.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== mos gallicus ==&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage dieser Kritik, die vornehmlich französische Rechtswissenschaftler vorbrachten, begann man, an das Recht des &amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039; anders heranzutreten, unter Einbezug der Kritik am &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039;. Man bemühte sich um die Wiederherstellung des antiken Originaltextes und versuchte, die Überarbeitungen der justinianischen Gesetzgebungskommission zu finden. Zudem wollte man das antike [[Römisches Recht|römische Recht]] wieder aus sich heraus begreifen, unabhängig von seiner rechtspraktischen Anwendbarkeit. Der humanistischen Jurisprudenz ging es allgemein weniger um die zeitgenössische Rechtspraxis, womit sie sich in einen Gegensatz zum im 17. Jahrhundert in Deutschland entstehenden &amp;#039;&amp;#039;usus modernus&amp;#039;&amp;#039; setzte, dem es gerade darum ging.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Harke&amp;quot;&amp;gt;[[Jan Dirk Harke]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Recht. Von der klassischen Zeit bis zu den modernen Kodifikationen&amp;#039;&amp;#039;. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57405-4 (&amp;#039;&amp;#039;Grundrisse des Rechts&amp;#039;&amp;#039;), § 2 Rnr. 11–13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Ziele der humanistischen Juristen setzten sie in wissenschaftlichen Gegensatz zu den Vertretern des &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039;. Da der &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; auch weiter an den Universitäten gelehrt wurde, entstanden so zwei unterschiedliche wissenschaftliche Linien, wie das &amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039; wissenschaftlich bearbeitet werden konnte. Der &amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039; war vor allem in Frankreich führend (wo er entstanden war), der &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; vor allem in Italien, aber auch in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuere Forschungen zeigen für das [[Reichskammergericht]] ein unterschiedliches Bild. Es gab Richter am Reichskammergericht, die ganz auf der Grundlage des &amp;#039;&amp;#039;mos italicus&amp;#039;&amp;#039; argumentierten und arbeiteten, so zum Beispiel der Richter Mathias Alber (RKG: 1532–1533). Andere Richter, wie [[Viglius Zuichemus|Viglius van Aytta]] (RKG: 1535–1537), beachteten hingegen den &amp;#039;&amp;#039;mos gallicus&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jan Dirk Harke]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Recht. Von der klassischen Zeit bis zu den modernen Kodifikationen&amp;#039;&amp;#039;. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57405-4 (&amp;#039;&amp;#039;Grundrisse des Rechts&amp;#039;&amp;#039;), § 2 Rnr. 11–13.&lt;br /&gt;
* [[Gerhard Köbler]]: &amp;#039;&amp;#039;Lexikon der europäischen Rechtsgeschichte&amp;#039;&amp;#039;, S. 382. München 1997.&lt;br /&gt;
* Hans Erich Troje: &amp;#039;&amp;#039;Humanistische Jurisprudenz. Studien zur europäischen Rechtswissenschaft unter dem Einfluß des Humanismus.&amp;#039;&amp;#039; Bibliotheca Eruditorum. Internationale Bibliothek der Wissenschaften, hrsg. von Domenico Maffei und Horst Fuhrmann Band 6. Goldbach: Keip 1993, XX, 334 Ss.&lt;br /&gt;
* Hans Erich Troje: &amp;#039;&amp;#039;Die Literatur des gemeinen Rechts unter dem Einfluß des Humanismus.&amp;#039;&amp;#039; in: Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte, hrsg. von H. Coing, 2. Band. Neuere Zeit (1500–1800). Das Zeitalter des gemeinen Rechts. 1. Teilband: Wissenschaft, München: C.H. Beck 1977, S. 615–795.&lt;br /&gt;
* Hans Erich Troje: &amp;#039;&amp;#039;Graeca leguntur. Die Aneignung des byzantinischen Rechts und die Entstehung eines humanistischen Corpus iuris civilis in der Jurisprudenz des 16. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; Forschungen zur Neueren Privatrechtsgeschichte Band 18, Köln/Weimar/Wien: Böhlau 1971, XII, 358 Ss.&lt;br /&gt;
* [[Gunter Wesener]]: &amp;#039;&amp;#039;Humanistische Jurisprudenz in Österreich.&amp;#039;&amp;#039; in: Festschrift zum 80. Geburtstag von [[Hermann Baltl]], hrsg. von [[Kurt Ebert]], Wien 1998, S. 369–387.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsgeschichte der Frühen Neuzeit (Frankreich)|Mos gallicus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Privatrechtsgeschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>90.186.94.46</name></author>
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