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	<title>Millenarismus - Versionsgeschichte</title>
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&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Millenarismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Millennialismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (von {{laS|millennium}} „[[Jahrtausend]]“) oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (von {{grcS|χίλια|chilia}} „tausend“, [[Adjektiv|adj.]] „chiliastisch“) bezeichnet ursprünglich den Glauben an die [[Parusie|Wiederkunft Jesu Christi]] und das Errichten seines tausend Jahre währenden Reiches (genannt &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Tausendjähriges Reich&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;tausendjähriges Friedensreich&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;), manchmal mit [[Israel]] als politisch und religiös dominierender [[Weltmacht]]. Der Begriff wird auch allgemein verwendet als Bezeichnung für den [[Apokalyptik|Glauben an das nahe Ende der gegenwärtigen Welt]], manchmal verbunden mit der Erschaffung eines irdischen [[Garten Eden|Paradieses]], oder für einen [[Apokalypse|apokalyptischen]] [[Fatalismus]] im Zusammenhang mit einer Jahrtausendwende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religiöser Millenarismus ==&lt;br /&gt;
=== Messianismus und Chiliasmus ===&lt;br /&gt;
Einen [[Eschatologie|eschatologischen]] [[Messianismus]] als erweiterten Begriff des Millenarismus gibt es sowohl im [[Christentum]] als auch im [[Judentum]], im [[Islam]] und im [[Zoroastrismus]] und weiteren kleineren Religionsgemeinschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige christliche Gruppen wie etwa die [[Mormonen]] sind der Ansicht, dass ihr eigenes Auftreten mit dem Kommen des Millenniums gleichzusetzen ist oder durch das Kommen des Millenniums begründet wird. Für die Christen der [[Bibelforscherbewegung]] beginnt das Millennium nach [[Harmagedon]] und ist gleichzusetzen mit dem [[Jüngstes Gericht|Jüngsten Gericht]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch einen säkularen Millenarismus. In der [[Soziologie]] wird dafür eher der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus&amp;#039;&amp;#039; verwendet (vgl. [[Wilhelm Emil Mühlmann]], &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus und Nativismus&amp;#039;&amp;#039;); es wird vermutet, dass alle Kulturen (auch [[Volksstamm|Stammeskulturen]]) in schweren sozialen [[Krise]]n zu chiliastischen [[Innovation]]en neigen, das heißt neuartige Lösungen für die Probleme hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sichtweisen des Millenniums3 (Deutsch).jpg|miniatur|hochkant=1.7|Die vier hauptsächlichen Sichtweisen des Millenniums]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Millenaristische Konzepte im heutigen Christentum ===&lt;br /&gt;
==== Prämillenarismus und Dispensationalismus ====&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Prämillenarismus}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese im [[Evangelikalismus]] weit verbreitete Überzeugung geht auf die frühen Christen zurück, insbesondere auf {{B|Offb|20|1–10|LUT}}. Der Ausdruck besagt, dass Christus &amp;#039;&amp;#039;vor&amp;#039;&amp;#039; dem Millennium sichtbar wiederkommen wird ([[Lateinische Sprache|lat.]] &amp;#039;&amp;#039;prae&amp;#039;&amp;#039; „vor“). Innerhalb des Prämillenarismus gibt es ursprünglich die historische (auch: „heilsgeschichtliche“) und die futuristische Denkrichtung. Die historische Richtung sieht in den Visionen im [[Buch Daniel]] und der [[Offenbarung des Johannes]] symbolisch vorgeschaltete Abfolgen der Kirchengeschichte. Die futuristische Richtung bringt die Endzeit in Zusammenhang mit dem geistlich wiederhergestellten [[Israel]].&amp;lt;ref&amp;gt;Stephan Holthaus: &amp;#039;&amp;#039;Fundamentalismus in Deutschland. Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; (Diss., Leuven 1992) Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 1993, ISBN 3-926105-06-2, S. 66.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Verbreitung des Prämillenarismus wurde durch die pessimistische Weltsicht als psychische Folge von [[Industrialisierung]], [[Depression (Wirtschaft)#Depression (Konjunkturtief)|großen Wirtschaftskrisen]], den [[Weltkrieg]]en, dem [[Kalter Krieg|Kalten Krieg]] sowie des [[Sechstagekrieg|Sechs-Tage-Krieges]] (Israel) gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhänger des &amp;#039;&amp;#039;neueren [[Dispensationalismus]]&amp;#039;&amp;#039; vertreten in der Regel ein Modell der futuristischen Denkrichtung des Prämillenarismus. Eine Besonderheit stellt die [[Entrückung#Christliche Entrückungslehren|Entrückung]] der Gläubigen zusammen mit Christus dar, die vor der [[Große Trübsal|Trübsalszeit]] geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;progressive Dispensationalismus&amp;#039;&amp;#039;, wie er etwa von [[Robert Saucy]], [[Darrell Bock]] und Kenneth L. Barker vertreten wird, geht noch einen Schritt weiter und nähert sich dem Prämillennialismus an. Israel und die Gemeinde werden zwar weiterhin als Völker mit verschiedenen Verheißungen und Aufträgen betrachtet, aber spätestens in der Ewigkeit ist diese Unterschiedenheit aufgehoben.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Lothar Gassmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Was kommen wird. Eschatologie im 3. Jahrtausend.&amp;#039;&amp;#039; Wuppertal 2002, ISBN 3-87857-313-8. Vgl. https://www.bible-only.org/german/handbuch/Dispensationalismus.html&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Postmillenarismus ====&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Postmillenarismus}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese im [[Arminianismus|arminianisch]] geprägten Christentum verbreitete Denkrichtung ist eine Art realisierter Millenarismus. Die systematische Aufarbeitung dieser Richtung geht auf den anglikanischen Geistlichen Daniel Whitby (1638–1726) zurück. Er vertrat die Ansicht, das Millennium bräche an, wenn sich alle Menschen zu Jesus bekehren.&amp;lt;ref&amp;gt;Hanspeter Obrist: &amp;#039;&amp;#039;[https://vfmg.ch/wp-content/uploads/2010/02/2008_cib_wvk_05.pdf Gott hält sich nicht an unseren Endzeitplan].&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Vollwertkost.&amp;#039;&amp;#039; 05/2008. (abgerufen am: 12. April 2012).&amp;lt;/ref&amp;gt; Postmillenaristen glauben, dass das [[Reich Gottes]] durch christliche Predigt und Lehre erreicht wird, die zu einer besseren Welt führt. Christus kommt nach (lat. &amp;#039;&amp;#039;post&amp;#039;&amp;#039; „nach“) dem Millennium und tritt dann erst seine Herrschaft an, d.&amp;amp;nbsp;h. das Millennium ist schon angebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Amillennialismus ====&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Amillennialismus}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese im [[Katholizismus]] und [[Calvinismus|calvinistisch]] geprägten [[Protestantismus]] verbreitete Denkrichtung geht auf die frühen Kirchenväter zurück. Sie wurde von der [[Reformation]] nur teilweise in Frage gestellt. Amillenaristen sehen die Zahl 1000 symbolisch und glauben, dass das Reich Gottes heute in der Welt gegenwärtig ist, da der siegreiche Christus seine Kirche durch Wort und Geist regiere. Die Abgrenzung zum Postmillenarismus ist fließend. Von Amillennialisten werden auch [[Präterismus|präteristische]] Ansichten vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschichte ===&lt;br /&gt;
[[Irenäus von Lyon]] rechnete den Chiliasmus zu den kirchlichen Glaubensbekenntnissen und alle Nichtchiliasten zu [[Ketzer]]n. Auch Kirchenväter wie [[Tertullian]] und [[Cyprian von Karthago|Cyprian]] verkündeten den Chiliasmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der [[Konstantinische Wende|Konstantinischen Wende]] um 313 wurde der Chiliasmus auch innerhalb der Kirche bekämpft. Die Erwartung eines irdischen Gottesreiches galt nun als überflüssig. Der Kirche ging es materiell zunehmend besser. Ihr politischer Einfluss stieg. Dies deutete man als Zeichen, dass das Reich Gottes bereits begann. Man betonte die angebliche „Endlosigkeit“ des Reichs Christi und erklärte die gegenteilige –&amp;amp;nbsp;auch durch [[Paulus von Tarsus|Paulus]] vertretene&amp;amp;nbsp;– Anschauung von einem befristeten ([[Äon (Theologie)|äonischen]]) Messiasreich (z.&amp;amp;nbsp;B. 1. Korintherbrief 15:24) offiziell zur [[Häresie]].&lt;br /&gt;
Die Kirche mühte sich, chiliastische Schriften in ihrer Bedeutung in den Hintergrund treten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Augustinus von Hippo|Augustinus]] verwarf den Millenarismus nach anfänglicher Befürwortung zugunsten eines Konzeptes, das den Anbruch des Millenniums mit dem ersten Erscheinen Jesu Christi gleichsetzte (Amillenarismus). Als 1000 n.&amp;amp;nbsp;Chr. Christus jedoch ausblieb, wurde es für Anhänger des Amillenarismus notwendig, auch die Dauer der 1000 Jahre [[Allegorie|allegorisch]] aufzufassen. Jetzt sollten die 1000 Jahre für einen unbestimmten Zeitraum zwischen den beiden Kommen Christi stehen. [[Teufel|Satan]] sei zwar gebunden, aber noch nicht ganz – das gegenwärtige Zeitalter sei, nach Augustinus, als Kampf zwischen der (weltweiten) Kirche Jesu Christi (der [[Ekklesiologie|Ekklesia]]) und der nichtchristlichen Welt, zwischen „Stadt Christi“ und „Stadt des Teufels“ zu sehen &amp;#039;&amp;#039;(Augustinus, De civitate dei 20,11)&amp;#039;&amp;#039;. Diese allegorische Sicht setzte sich weithin im Christentum durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Richard Landes]] zufolge wurde das Jahr 6000 der [[jüdische Zeitrechnung|jüdischen Zeitrechnung]] im [[mittelalter]]lichen Europa jeweils für 500 und 801 n. Chr. als Ende der Zeiten angesehen. In beiden Fällen habe dies der [[Klerus]] genutzt, um zunächst auf das Ende der Zeiten warnend hinzuweisen und danach die Chronologie zu korrigieren. Im Jahr 500 wurde die biblische Zeitrechnung von 6000 auf 5700 korrigiert. 801 sei die Zählung der Jahre [[Anno Domini]] (abgekürzt AD, „im Jahre des Herrn“) eingeführt worden. Man rechnete für das Jahr 1000 bzw. 1033 nach der Geburt bzw. der Kreuzigung Jesu mit dem Weltende. Das westliche Christentum erhielt dadurch einiges an Schüben: Pilgerwesen, [[Häretiker]], [[Geißlerbewegung|Geißler]] und [[Barfüßer]] erhielten Auftrieb.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Richard Landes]]: &amp;#039;&amp;#039;While God Tarried: Disappointed Millennialism from Jesus to the Peace of God 33–1033&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass es um die Jahre 1000 und 1033 wirklich eine breite millenaristische Erwartung des Endes der Welt gab, wie lange behauptet wurde, wird in der Forschung heute bezweifelt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Sylvain Gouguenheim]]: &amp;#039;&amp;#039;Les fausses terreurs de l&amp;#039;an mil. Attente de la fin des temps ou approfondissement de la foi?&amp;#039;&amp;#039; Éditions Picard, Paris 1999; [[Reinhart Staats]]: &amp;#039;&amp;#039;Apokalyptischer Rückblick vom Jahr 2000 auf das Jahr 1000&amp;#039;&amp;#039; In: Manfred Jakubowski-Tiessen et al.: &amp;#039;&amp;#039;Jahrhundertwenden. Endzeit- und Zukunftsvorstellungen vom 15. bis zum 20. Jahrhundert&amp;#039;&amp;#039;. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2000, S. 369–376.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Joachim von Fiore]] entwickelte im 12. Jahrhundert eine „Drei-Zeiten-Lehre“. Danach gibt es – analog zum Dogma der [[Dreifaltigkeit]] – drei Reiche bzw. drei Zeitalter: Das Zeitalter des Vaters (Altes Testament) dauere bis zum Erscheinen des [[Messias]] [[Jesus von Nazareth]], das zweite, das Zeitalter des Sohnes bzw. der christlichen Kirche bis 1260 n. Chr., das dritte Zeitalter sei das Reich des [[Heiliger Geist|Heiligen Geistes]]. Dieses dritte, glückliche Zeitalter werde von der &amp;#039;&amp;#039;intelligentia spiritualis&amp;#039;&amp;#039; erleuchtet sein und alle Freuden des himmlischen Jerusalem (Off 21) bieten. Mit diesem geschichtstheologischen Modell war eine deutliche Kritik am Zustand der Kirche verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. und 16. Jahrhundert lebte der Prämillenarismus bei [[Täufer]]n und [[Taboriten]] wieder auf. Vor allem um sich aus politischen Gründen von Täuferbewegungen zu distanzieren, verwarfen reformatorische Bekenntnisse (&amp;#039;&amp;#039;[[Confessio Augustana]]&amp;#039;&amp;#039; 17; &amp;#039;&amp;#039;[[Confessio Helvetica posterior]]&amp;#039;&amp;#039; 11) den Chiliasmus als Irrlehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erneut lebendig wurde der Chiliasmus im 17. Jahrhundert bei verfolgten Gemeinden in England und den Niederlanden, etwa bei [[Quäker]]n oder den [[Fifth Monarchy Men]], an der Wende zum 18. Jahrhundert auch im radikalen Pietismus und später in der daraus hervorgegangenen [[Inspirierte|Inspirationsbewegung]]. Auch in der [[Evangelische Kirche|Lutherischen Kirche]] gab es Strömungen des Chiliasmus. Anfang des 19. Jahrhunderts förderte der Chiliasmus die Auswanderung nach [[Bessarabien]], weil die Sehnsucht der Anhänger in Südrussland und vor allem in [[Kaukasien]] einen „Bergungsort“ sah. Vor allem 1817 war ein großer Chiliastenzug mit 14 &amp;#039;&amp;#039;Harmonien&amp;#039;&amp;#039; zu jeweils etwa 400 Personen zu verzeichnen, der sich auf der [[Donau]] auf [[Ulmer Schachtel]]n einschiffte. In Bessarabien bildeten jene Auswanderer die Bevölkerungsgruppe der [[Bessarabiendeutsche]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die „Einigungssätze zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Altpreußens und der Evangelisch-Lutherischen Freikirche“, die 1947 erarbeitet und in denen nur die Differenzpunkte zwischen beiden Kirchen behoben wurden, haben einen Abschnitt „Von den letzten Dingen“ (IV), in dem das Problem des Chiliasmus eine wichtige Rolle spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heutige Akzeptanz ===&lt;br /&gt;
[[Katholische Kirche]], [[evangelisch-lutherische Kirchen]] und [[reformierte Kirchen]] allegorisieren und spiritualisieren heute jene Bibelstellen, die zur Begründung des Prämillenarismus herangezogen werden, und vertreten in der Praxis eine Mischung aus Postmillenarismus und Amillenarismus. Die [[Dikasterium für die Glaubenslehre|Kongregation für die Glaubenslehre]] der römisch-katholischen Kirche wies 1944 den „gemäßigten Millenarismus“, wonach Jesus Christus vor dem Jüngsten Gericht sichtbar auf die Erde zurückkehren und dort herrschen werde, als nicht sicher lehrbar zurück.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[[Enchiridion Symbolorum]]&amp;#039;&amp;#039; 3839, Eintrag vom 19 (22.) Juli 1944, [http://catho.org/9.php?d=byv#dyt.-- online], Zugriff am 22. Mai 2015.&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut dem [[Evangelisches Kirchenlexikon|Evangelischen Kirchenlexikon]] ist der Millenarismus „heute weitgehend diskreditiert“.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Martin Karrer]]: &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Evangelisches Kirchenlexikon&amp;#039;&amp;#039;. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1986, Bd. 1, Sp. 657.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei [[Adventisten]], [[Baptisten]], der [[Bibelforscherbewegung]], den [[Christadelphian]]s, den [[Jehovas Zeugen]], den [[Mormonentum|Mormonen]], in [[Pfingstgemeinden]], der [[Neuapostolische Kirche|Neuapostolischen Kirche]] und [[evangelikal]]en [[Freikirchen]] dagegen ist die millenaristische Lehre, einschließlich einer Naherwartung der [[Parusie]], weit verbreitet. Der sogenannte [[Christlicher Zionismus|christliche Zionismus]] ist ebenfalls chiliastisch ausgerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten]] wurde der Millenarismus in seiner dispensationalistischen Form nach 1945 wieder populär. Evangelikale und [[Christlicher Fundamentalismus|christlich-fundamentalistische]] Publizisten wie [[Hal Lindsey]] (1929–2024), dessen 1970 erschienenes Werk &amp;#039;&amp;#039;The Late Great Planet Earth&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hal Lindsey: &amp;#039;&amp;#039;The Late Great Planet Earth&amp;#039;&amp;#039;. Zondervan, Nashville 1970; deutsch &amp;#039;&amp;#039;Alter Planet Erde wohin? Im Vorfeld des Dritten Weltkriegs&amp;#039;&amp;#039;. Hermann Schulte, Wetzlar 1973.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein [[Bestseller]] wurde, deuteten den [[Kalter Krieg|Kalten Krieg]] und die [[Geschichte des Staates Israel#Staatsgründung|Gründung des Staates Israel]] als Zeichen des herannahenden Weltendes, wobei die [[Vereinte Nationen|Vereinten Nationen]], die [[Europäische Union]], die [[Globalisierung]] und moderne Kommunikationssysteme als Wegbereiter des Antichristen interpretiert wurden. Seit dem Ende des Kalten Krieges hebt der millenaristische Diskurs stärker auf Umweltkatastrophen und den [[Islamismus]] ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul S. Boyer: &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus. IV. Nordamerika.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Religion in Geschichte und Gegenwart]]&amp;#039;&amp;#039;. 4. Auflage, Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8252-8401-5, Bd. 2, Sp. 140 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der amerikanische Politikwissenschaftler [[Michael Barkun]] schätzt, dass die Stärke des dispensationalistischen Millenarismus in den USA um das [[Jahrtausendwende|Millennium]] herum, aber auch danach sogar die der [[Erweckungsbewegung]]en der 1830er und 1840er Jahre übertrifft.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Michael Barkun]]: &amp;#039;&amp;#039;A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America&amp;#039;&amp;#039;. University of California Press, Berkeley 2013, S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Säkularer Millenarismus ==&lt;br /&gt;
Außerhalb der Religion bezeichnet Millenarismus das [[Utopie|utopische]] Streben, einen politisch-gesellschaftlichen Bruch in der Geschichte und einen paradiesischen Zustand herbeizuführen bzw. die [[Geschichtsphilosophie|geschichtsphilosophische]] Annahme, die Geschichte laufe [[teleologie|teleologisch]] auf einen solchen Endzustand zu. Der deutsche Philosoph [[Karl Löwith]] beschreibt in seinem 1953 erschienenen Werk &amp;#039;&amp;#039;Weltgeschichte und Heilsgeschehen&amp;#039;&amp;#039; den [[Marxismus]] als [[Säkularisierung|säkularisierten]] Millenarismus:&lt;br /&gt;
{{Zitat| Der ganze Geschichtsprozess, wie er im [[Kommunistisches Manifest|Kommunistischen Manifest]] dargestellt wird, spiegelt das allgemeine Schema der jüdisch-christlichen Interpretation der Geschichte als eines [[Vorsehung|providentiellen]] [[Heilsgeschichte|Heilsgeschehens]] auf ein sinnvolles Endziel hin. Der [[Historischer Materialismus|historische Materialismus]] ist Heilsgeschichte in der Sprache der [[Nationalökonomie]]. Was eine wissenschaftliche Entdeckung zu sein scheint […], ist vom ersten bis zum letzten Satz von einem eschatologischen Glauben erfüllt.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Löwith: &amp;#039;&amp;#039;Weltgeschichte und Heilsgeschehen. Die theologischen Voraussetzungen der Geschichtsphilosophie.&amp;#039;&amp;#039; Kohlhammer, Stuttgart 1953, S. 48; zitiert bei Wolfgang Marienfeld: &amp;#039;&amp;#039;Weltgeschichte als Heilsgeschehen. Die Idee des Endreiches in der Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Hannover 2000, S. 28 ({{Webarchiv|url=http://www.nibis.de/nli1/rechtsx/nlpb/pdf/PolBildung/Weltgeschichte.PDF |wayback=20160304055242 |text=online   }}, Zugriff am 14. Mai 2015).&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Außerdem werden verschiedene Formen eines integralen [[Nationalismus]] und der [[Nationalsozialismus]], der seine eigene Herrschaft [[Propaganda|propagandistisch]] als „Tausendjähriges Reich“ überhöhte, in den säkularen Millenarismus gerechnet: Sie würden eine kollektive Erlösung im Diesseits versprechen, wenn nur erst bestimmte Voraussetzungen erreicht seien – die Zusammenfassung aller Angehörigen der jeweiligen Nation in weitgespannten Grenzen, die Sprengung der Ketten des [[Versailler Vertrag]]s, die [[Holocaust|Vernichtung der Juden]] etc.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wolfgang Wippermann]]: &amp;#039;&amp;#039;Drittes Reich&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Wolfgang Benz]] et al. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Enzyklopädie des Nationalsozialismus]]&amp;#039;&amp;#039;. 5., aktualisierte und erweiterte Aufl., dtv, Stuttgart 2007, S. 479 f.; [[Hans-Ulrich Wehler]]: &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Gesellschaftsgeschichte&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 4: &amp;#039;&amp;#039;Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck Verlag, München 2003, S. 569; Michael Barkun: &amp;#039;&amp;#039;A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America&amp;#039;&amp;#039;. University of California Press, Berkeley 2013, S. 16 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der säkulare Millenarismus verlor mit dem Ende des [[Kalter Krieg|Kalten Krieges]] im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Seitdem sieht Michael Barkun eine dritte Form, den „improvisationalen Millenarismus“ aufkommen. Der improvisationale Millenarismus gründe sich nicht auf heilige oder kanonische Texte, sondern bediene sich hochgradig [[Eklektizismus|eklektisch]] bei diversen, auch disparaten Überzeugungen und Weltanschauungen und verknüpfe heterodoxe religiöse Überzeugungen ([[Esoterik]], [[New Age]]) mit [[Grenzwissenschaft]] und radikalen politischen Ideen, oft auch mit [[Verschwörungstheorie]]n. Als Beispiele für solchen „improvisationalen Millenarismus“, der sich im Internet-Zeitalter leicht ausbreiten könne, nennt Barkun unter anderem die [[Aum-Sekte]] und den [[Ufoglaube]]n.&amp;lt;ref&amp;gt;Michael Barkun: &amp;#039;&amp;#039;A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America&amp;#039;&amp;#039;. University of California Press, Berkeley 2013, S. 17 f. und passim.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Vier-Reiche-Lehre]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Claus Bernet]]: &amp;#039;&amp;#039;Gebaute Apokalypse. Die Utopie des Himmlischen Jerusalem in der Frühen Neuzeit.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3706-9.&lt;br /&gt;
* [[Thomas Johann Bauer]]: &amp;#039;&amp;#039;Messiasreich und Neuschöpfung. Die Johannesoffenbarung und der jüdisch-christliche Chiliasmus&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Erbe und Auftrag]]&amp;#039;&amp;#039; 99 (2023), Seite 368–379.&lt;br /&gt;
* Claude Carozzi: &amp;#039;&amp;#039;Weltuntergang und Seelenheil. Apokalyptische Visionen im Mittelalter.&amp;#039;&amp;#039; 1996, ISBN 3-596-60113-4.&lt;br /&gt;
* [[Norman Cohn (Historiker)|Norman Cohn]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Ringen um das Tausendjährige Reich. Revolutionärer Messianismus im Mittelalter und sein Fortleben in den modernen totalitären Bewegungen&amp;#039;&amp;#039;. (Aus dem Englischen &amp;#039;&amp;#039;The Pursuit of the Millennium&amp;#039;&amp;#039;) Francke, Bern 1961.&amp;lt;br /&amp;gt;Mit Nachwort und Änderungen: &amp;#039;&amp;#039;Das neue irdische Paradies. Revolutionärer Millenarismus und mystischer Anarchismus im mittelalterlichen Europa.&amp;#039;&amp;#039; Rowohlt, Reinbek 1988, ISBN 3-499-55472-0.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Die Sehnsucht nach dem Millennium. Apokalyptiker, Chiliasten und Propheten im Mittelalter.&amp;#039;&amp;#039; Herder, 1998, ISBN 3-451-04638-5.&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Apokalyptiker und Propheten im Mittelalter.&amp;#039;&amp;#039; Hohe, Erftstadt 2007, ISBN 3-86756-032-3.&lt;br /&gt;
* Robert G. Clouse (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Das Tausendjährige Reich: Bedeutung und Wirklichkeit. Vier Beiträge aus evangelikaler Sicht herausgegeben von Robert Clouse.&amp;#039;&amp;#039; Beiträge von [[George Eldon Ladd]] (Prämillenialismus), Herman A. Hoyt (Dispensationalismus), Loraine Boettner (Postmillenialismus), Anthony A. Hoekema (Amillenialismus), Marburg an der Lahn 1983&lt;br /&gt;
* [[Klaus Fitschen]] et al.: &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Religion in Geschichte und Gegenwart]]&amp;#039;&amp;#039;. 4. Auflage, Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-8252-8401-5, Bd. 2, S. 136–144&lt;br /&gt;
* [[Stephan Holthaus]]: &amp;#039;&amp;#039;Fundamentalismus in Deutschland: der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Biblia et symbiotica&amp;#039;&amp;#039;, Band 1) Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 1993, ISBN 3-926105-06-2 (Dissertation Universität Leuven 1992, 531 Seiten).&lt;br /&gt;
* [[Richard Landes]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Encyclopedia of Millennialism and Millennial Movements&amp;#039;&amp;#039;. Routledge, New York/London 2006, ISBN 978-0-415-92246-3&lt;br /&gt;
* Richard Landes: &amp;#039;&amp;#039;Heaven on Earth. The Varieties of the Millennial Experience.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press, Oxford/New York 2011, ISBN 978-0-19-975359-8&lt;br /&gt;
* [[Franz Graf-Stuhlhofer]]: &amp;#039;&amp;#039;„Das Ende naht!“ Die Irrtümer der Endzeit-Spezialisten&amp;#039;&amp;#039; (Theologisches Lehr- und Studienmaterial 24). Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn, 3. Aufl. 2007&lt;br /&gt;
* [[Martin Karrer]]: &amp;#039;&amp;#039;Chiliasmus&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Evangelisches Kirchenlexikon]]&amp;#039;&amp;#039;. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1986, Bd. 1, Sp. 655 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* Hanspeter Obrist: [http://www.amzi.org/html/endzeit.html &amp;#039;&amp;#039;Gott hält sich nicht an unseren Endzeitplan.&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [http://www.reformiert-online.net/t/de/bildung/bibelkunde/nt/lek12/index12.jsp Exkurs über Chiliasmus auf &amp;#039;Reformiert online&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [http://www.mille.org/ Center for Millennial Studies an der Boston University]&lt;br /&gt;
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