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	<title>Methodologischer Individualismus - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-01T20:15:06Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Methodologischer_Individualismus&amp;diff=693585&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Thomas Dresler: Format</title>
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		<updated>2024-06-19T06:56:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Format&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Methodologische Individualismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein Begriff, der von [[Joseph Schumpeter]] eingeführt wurde. Ihm zufolge finden Beschreibung und Erklärung sozialer Vorgänge ([[Makroebene]]) im [[Soziales Handeln|Handeln]] der einzelnen daran beteiligten Personen ([[Mikroebene]]) ihre kausale Begründung.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Schumpeter: &amp;#039;&amp;#039;Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie.&amp;#039;&amp;#039; 2. Auflage. Berlin 1970, S. 90f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Folge „sind auch soziale Phänomene wie Institutionen, Normen, soziale Strukturen usw. […] über individuelles Handeln zu erklären“.&amp;lt;ref&amp;gt;Büschges, Abraham, Funk (1996): &amp;#039;&amp;#039;Grundzüge der Soziologie.&amp;#039;&amp;#039; S. 85.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen Gegensatz zum methodologischen Individualismus bildet der [[Methodologischer Kollektivismus|methodologische Kollektivismus]]; vermittelnde Ansätze wie die soziologische [[Soziales Netzwerk (Soziologie)|Netzwerktheorie]] setzen sich kritisch davon ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundidee ==&lt;br /&gt;
Die Kernidee des methodologischen Individualismus ist es, soziale Phänomene aus dem Blickwinkel des absichtsgeleiteten Handelns einzelner [[Individuum|Individuen]] zu betrachten. Die Individuen befinden sich dabei innerhalb eines Systems von Interaktionsbeziehungen mit anderen Individuen. Der methodologische Individualismus ist damit solchen sozialwissenschaftlichen Analysemethoden entgegengesetzt, die „Aggregate“ wie [[Klasse (Soziologie)|soziale Klassen]], [[Bevölkerungsgruppe]]n oder [[Nation]]en als elementare Einheiten der Analyse nutzen.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. Raymond Boudon: &amp;#039;&amp;#039;La logique du social. Introduction à l&amp;#039;analyse sociologique.&amp;#039;&amp;#039; Hachette Littérature. 1979, S. 61&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird in den [[Politische Theorie und Ideengeschichte#empirisch-analytischer Ansatz|empirisch-analytisch]] arbeitenden [[Wissenschaft]]en dabei von einem [[Modell]] des [[Rationalität|rationalen]], seine eigenen [[Interesse (Politikwissenschaft)|Interessen]] verfolgenden und seinen [[Nutzen (Wirtschaft)|Nutzen]] maximierenden Menschen &amp;#039;&amp;#039;([[homo oeconomicus]])&amp;#039;&amp;#039; ausgegangen, gelegentlich auch in der modifizierten Variante des so genannten [[RREEMM]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Benennung als &amp;#039;&amp;#039;methodologischer&amp;#039;&amp;#039; Individualismus soll die strenge Abgrenzung vom philosophischen [[Individualismus]] (auch: ontologischer Individualismus) kennzeichnen, der Aussagen über den [[Realität|realen]] Menschen macht. Im Gegensatz dazu geht es dem methodologischen Individualismus nicht um das „wahre [[Wesen (Philosophie)|Wesen]] des Menschen“. Seine [[Anthropologie|anthropologischen]] Annahmen ([[RREEMM#Zusätzliche Bedingungen durch die conditio humana|conditio humana]]) sind rein instrumentell bzw. [[Analytik|analytisch]] zu verstehen. Die Annahmen tragen zur Erklärung [[sozial]]er Phänomene bei, die&amp;amp;nbsp;– etwa aus Sicht des [[Kritischer Rationalismus|Kritischen Rationalismus]]&amp;amp;nbsp;– genutzt werden können, um empirisch falsifizierbare Hypothesen über diese Phänomene zu generieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelegentlich wird zwischen einer starken und einer schwachen Version des methodologischen Individualismus unterschieden. Während die starke behauptet, alle sozialen Phänomene sollten durch Individuen und ihre [[Interaktion]]en erklärt werden, misst die schwache Variante auch sozialen [[Institution]]en (z. B. der Schule) und anderen [[Sozialstruktur|gesellschaftlichen Strukturen]] eine wichtige Rolle in [[sozialwissenschaft]]lichen [[Erklärung]]en zu (Mesoebene).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makro-Mikro-Makro-Schema ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Colemansche Badewanne.svg|mini|hochkant=2|Coleman’sche Badewanne]]&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Beispiel für die Anwendung des methodischen Individualismus ist das Makro-Mikro-Makro-Schema. Dieser Ansatz geht auf [[James Samuel Coleman]] zurück (auch: &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Coleman’sche Badewanne&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;) und besagt, dass zwischen zwei beobachteten [[Gesellschaft (Soziologie)|gesellschaftlichen]] Phänomenen (&amp;#039;&amp;#039;1, 4&amp;#039;&amp;#039;) zunächst ein Zusammenhang unterstellt wird (&amp;#039;&amp;#039;Kollektivhypothese&amp;#039;&amp;#039;). Um die Kollektivhypothese zu untersuchen, bedarf es der Überprüfung des [[Sozialverhalten|Verhaltens]] und der Handlungen auf der Individualebene (&amp;#039;&amp;#039;2, 3&amp;#039;&amp;#039;). Hierzu wird eine Brückenhypothese (&amp;#039;&amp;#039;a&amp;#039;&amp;#039;) formuliert, die als Randbedingung der Akteure deren Merkmal(e) konstituiert (&amp;#039;&amp;#039;2&amp;#039;&amp;#039;). Die individuelle Handlung (&amp;#039;&amp;#039;3&amp;#039;&amp;#039;) wird durch die individuelle Handlungstheorie (&amp;#039;&amp;#039;b&amp;#039;&amp;#039;) determiniert. Um die Ausgangsfrage zu klären und zur kollektiven Handlung (&amp;#039;&amp;#039;4&amp;#039;&amp;#039;) zu gelangen, bedarf es einer Aggregationsregel (&amp;#039;&amp;#039;c&amp;#039;&amp;#039;), die die individuellen Handlungen in kollektive Handlungsergebnisse umwandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bsp Coleman.jpg|mini|hochkant=2|Coleman’sche Badewanne am Beispiel des AdR]]&lt;br /&gt;
Betrachten wir ein Beispiel. Um das Entscheidungsverhalten (Aggregatmerkmal) der Mitglieder im [[Ausschuss der Regionen]] (AdR) in Abhängigkeit von dessen Zusammensetzung (Kollektivmerkmal) zu erklären, werden die Interessen (Individualmerkmal) der im AdR vertretenen Akteure betrachtet. Die Brückenhypothese lautet hier: Akteure haben Interessen. Die Akteursinteressen (beispielsweise Nation, Partei, Territorium) werden in individuelle Handlungen (Individualmerkmal) umgesetzt. Hierzu bedarf es einer überprüfbaren individuellen Handlungstheorie (Individualhypothese). Beispielsweise könnten die Interessen entlang von [[Cleavage-Theorie|Cleavages]] entstehen. Um schließlich das Entscheidungsverhalten im AdR (Aggregatmerkmal) zu erklären, bedarf es einer geeigneten &amp;#039;&amp;#039;Aggregationsregel&amp;#039;&amp;#039;. Im AdR kämen hierfür die vorhandenen institutionellen Regeln, beispielsweise Mehrheitsregeln, und individuelle Machtoptimierung beziehungsweise die Implementation erwünschter Politikinhalte in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zusammensetzung des AdR erklärt somit über die Handlungen von Individuen das Entscheidungsverhalten dieser Institution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
Der methodologische Individualismus wird aus zwei unterschiedlichen Richtungen kritisiert:&lt;br /&gt;
# vom Standpunkt des [[Methodologischer Kollektivismus|methodologischen Kollektivismus]] (auch: methodologischer [[Holismus]]), der von sozialen Kollektiven als „Ganzheiten“ ausgeht, z. B. [[Systemtheorie#Soziologische Systemtheorie|soziologische Systemtheorien]] oder auch [[Marxismus|marxistische Theorien]].&lt;br /&gt;
# aus Richtungen, die sowohl den Individualismus als auch den Holismus für einseitig halten und versuchen diese beiden Perspektiven zu verbinden (z. B. [[Pierre Bourdieu]], [[Norbert Elias]], [[Ulrich Beck]]). [[Charles Cooley]] betrachtet den Gegensatz Individuum/Gesellschaft als künstliche, reine Begriffsdogmatik, das menschliche Individuum sei wesentlich gesellschaftlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Handlungstheorie (Soziologie)]]&lt;br /&gt;
* [[Behavioralismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Hans Lenk (Philosoph)|Hans Lenk]]: &amp;#039;&amp;#039;Der methodologische Individualismus ist (nur?) ein heuristisches Postulat&amp;#039;&amp;#039;. In: Klaus Eichner, Werner Habermehl (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Probleme der Erklärung sozialen Verhaltens&amp;#039;&amp;#039;. Anton Hain, Meisenheim 1977, ISBN 3-445-01428-0, S. 46–84.&lt;br /&gt;
* Jens Greve: &amp;#039;&amp;#039;Reduktiver Individualismus.&amp;#039;&amp;#039; Zum Programm und zur Rechtfertigung einer sozialtheoretischen Grundposition. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-06556-0.&lt;br /&gt;
* Lars Udehn: &amp;#039;&amp;#039;The Changing Face of Methodological Individualism&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Annual Review of Sociology&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 28 (2002), S. 479–507. ([https://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev.soc.28.110601.140938 PDF])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{SEP|https://plato.stanford.edu/entries/methodological-individualism/|Methodological Individualism|[[Joseph Heath]]}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sozialwissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wissenschaftstheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Empirische Sozialforschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Soziologische Forschungsrichtung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Thomas Dresler</name></author>
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