<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Mensuralismus</id>
	<title>Mensuralismus - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Mensuralismus"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Mensuralismus&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-07T20:42:02Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Mensuralismus&amp;diff=2045373&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Volmar: Präzisierung, Link</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Mensuralismus&amp;diff=2045373&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2023-12-05T23:54:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Präzisierung, Link&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Mensuralismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; interpretiert gregorianische Melodien so, dass jeder einzelne Ton im Zeitmaß (siehe auch [[Mensur (Musik)|Mensur]]) einer [[Natürliche Zahl|natürlichen Zahl]] entspricht. Eine besondere Form des Mensuralismus ist der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Äqualismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, bei dem alle Einzeltöne dasselbe Zeitmaß haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehung ==&lt;br /&gt;
Der [[Gregorianischer Choral|Gregorianische Choral]] wurde in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten nur mündlich tradiert, und seine ausschließlich einstimmigen Melodien konnten ab dem 9.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert mittels [[Neume]]n festgehalten werden. Die Interpretation dieser Gesänge orientierte sich sehr an den Texten, die gesungen wurden, und sie zeigten eine deutliche und vielfältige rhythmische Differenzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits durch die Etablierung der [[Quadratnotation]], aber auch durch die Entstehung der mehrstimmigen Musik vom 9. bis zum 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert ging das Bewusstsein über die ursprüngliche Interpretation des gregorianischen Gesangs zunehmend verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend vom [[Homophonie (Musik)|homophonen]] [[Organum]] mit parallelen Intervallen über die Musik in der [[Modalnotation]] im 12.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert bis zur Musik in der [[Mensuralnotation]] im 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert wurden die Rhythmen der mehrstimmigen Melodien immer komplexer. Die zunehmende [[Polyphonie]] machte es aus praktischen Erwägungen erforderlich, dass sich alle Einzelstimmen am selben Zeitmaß orientieren. Die Verwendung von [[Metrum (Musik)|Metren]] und [[Takt (Musik)|Takten]] setzte sich mehr und mehr durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge gab es für den Gregorianischen Choral immer mehr [[Choralbuch|Choralbücher]], wie die von [[Felice Anerio]] und [[Francesco Soriano]] während der [[Renaissance]] bearbeitete [[Editio Medicaea]], die mensuralistisch oder sogar äqualistisch ediert waren und die ursprünglichen komplexen Rhythmen der Melodien nicht mehr wiedergaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Restitution ==&lt;br /&gt;
Erst im 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert begann die Wiederherstellung der ursprünglichen gregorianischen Melodien. In der [[Editio Vaticana]] von 1908 waren zunächst viele der originalen [[Gruppenneume]]n wieder vorhanden, jedoch ohne dass allerdings rhythmische Differenzierungen vollständig wiedergegeben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Details in der Quadratnotation nicht gut darstellbar waren, wurde im Jahre 1969 das [[Graduel neumé]] herausgegeben, in dem der Editio Vaticana handschriftliche Neumen hinzugefügt wurden. Nach der Herausgabe des [[Graduale Romanum]] mit reiner Quadratnotation erfolgte einige Jahre später dann auch die Veröffentlichung des [[Graduale Triplex]], bei dem bei fast allen Gesängen oberhalb und unterhalb der Notenlinien jeweils eine Neumenhandschrift hinzugefügt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beispiele ==&lt;br /&gt;
Anhand von schriftlichen Zeugnissen aus verschiedenen Jahrhunderten, soll anhand des [[Introitus (Gesang)|Introitus]] &amp;#039;&amp;#039;Nos autem&amp;#039;&amp;#039; verdeutlicht werden, mit welchen deutlichen Unterschieden der Rhythmus des [[Gregorianischer Choral|Gregorianischen Chorals]] festgehalten wurde. Dieser Introitus wurde ursprünglich bei der Feier der [[Kreuzauffindung]] und wird heute zu Beginn der [[Gründonnerstag]]sliturgie gesungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Text ===&lt;br /&gt;
Der Text lautet in Anlehnung an den [[Brief des Paulus an die Galater]] {{Bibel|Gal|6|14|VUL}}:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable toptextcells&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:50%&amp;quot;| Lateinisch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:50%&amp;quot;| Deutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
: Nos autem gloriari oportet in cruce Domini nostri Iesu Christi:&lt;br /&gt;
: in quo est salus, vita et resurrectio nostra&lt;br /&gt;
: per quem salvati et liberati sumus.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
: Für uns aber gebührt es sich, dass wir uns des Kreuzes unseres Herrn Jesu Christi rühmen;&lt;br /&gt;
: bei dem unser Heil ist, unser Leben und unsere Auferstehung,&lt;br /&gt;
: durch den wir erlöst und befreit worden sind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mittelalterliche Handschrift ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Handschrift aus dem Codex Sangallensis 338&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/0338/171/medium e-codices St. Gallen, Stiftsbibliothek, Codex Sangallensis 338, Auszug von Seite 171]&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Neumen aus der Mitte des 11.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts stellt sich dieser Choral so dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.Handschrift.Codex.Sangallensis.338.jpg|600px|mini|links|Hochmittelalterliche, adiastematische Handschrift aus dem Codex Sangallensis 338 aus der Mitte des 11.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear:both;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neumen sind zwar ohne Tonhöhen (adiastematisch), aber rhythmisch sehr differenziert dargestellt und somit auch differenziert interpretierbar. Neben allen [[Gruppenneume]]n und [[Episem]]en können insbesondere auch die beiden [[Dreifachtonneume|Tristrophae]] mit ihrer [[Reperkussion|reperkussiven]] Singweise erkannt werden. Die [[Pausa (Neume)|Pausae]] sind in älteren Handschriften meist nicht explizit angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Hörbeispiel ist entsprechend dieser Handschrift rhythmisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.G338.ogg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Späte Handschrift ===&lt;br /&gt;
Eine Pergament-Handschrift in Quadratnotation, die ungefähr um 1500 hergestellt wurde, zeigt den Introitus durch eine nachträgliche Bearbeitung deutlich verstümmelt. Die zunächst mensuralistische Notation wurde später (offensichtlich nach der durch das [[Konzil von Trient]] angestoßenen Überarbeitung des Gregorianischen Chorals und die Herausgabe der [[Editio Medicaea]] zu Beginn des 17.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts) durch Herauskratzen entfernt, was in der Handschrift durch die Unterbrechungen der entsprechenden Notenlinien erkannt werden kann, so dass eine äqualistische Darstellung entstand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.Handschrift.Quadratnotation.jpg|400px|mini|links|Spätmittelalterliche Handschrift in Quadratnotation um 1500]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear:both;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das folgende Hörbeispiel ist eine Interpretation dieser nachträglich äqualistisch gemachten Handschrift:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.aequalistisch.ogg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Editio Medicaea ===&lt;br /&gt;
Auch die 1890 vom Verlag Pustet in Regensburg herausgegebene Editio Medicaea zeigt diese äqualistische Variante dieses Introitus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:IN.Nos.autem.gloriari.Editio.Medicaea.1890.Pustet.png|500px|mini|links|Editio Medicaea in Quadratnotation von 1890]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear:both;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Choralbuch Anfang 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Die [[Editio Vaticana]] von 1908 stellt diesen Introitus bereits mensuralistisch dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.1908.png|500px|mini|links|Editio Vaticana in Quadratnotation von 1908]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear:both;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Tonwiederholungen sind wieder vorhanden. Nach den ersten Restitutionen wurden in einer inoffiziellen Ausgabe darüber hinaus einige [[Mora (Dehnungszeichen)|Morae]] und [[Episem]]e hinzugefügt, die den Rhythmus zwar besser differenziert darstellen, aber immer noch keine Detailunterscheidung der vielen verschiedenen [[Neume]]n ermöglichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Nos.autem.Graduale.Editio.Vaticana.1908.png|500px|mini|links|Inoffizielle Ausgabe nach der Editio Vaticana mit hinzugefügten Dehnungszeichen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;clear:both;&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Jean-Pierre Schmit: &amp;#039;&amp;#039;Die Dekadenz des Gregorianischen Gesanges.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des Gregorianischen Choralgesanges.&amp;#039;&amp;#039; Paulinus-Verlag, Trier 1952.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Der Rhythmus – Die Rhythmusfrage.&amp;#039;&amp;#039; In: Dominikus Johner, Maurus Pfaff: &amp;#039;&amp;#039;Choralschule.&amp;#039;&amp;#039; 8. Auflage, umgearbeitet. Friedrich Pustet, Regensburg 1956.&lt;br /&gt;
* Bruno Stäblein: &amp;#039;&amp;#039;Der Rhythmus des Gregorianischen Chorals. Äqualismus und Mensuralismus.&amp;#039;&amp;#039; In: Bruno Stäblein: &amp;#039;&amp;#039;Musik und Geschichte im Mittelalter.&amp;#039;&amp;#039; Gesammelte Aufsätze. Herausgegeben von Horst Brunner und Karlheinz Schlager. Kümmerle, Göppingen 1984, ISBN 3-87452-552-X, S. 63–101 (&amp;#039;&amp;#039;Göppinger Arbeiten zur Germanistik&amp;#039;&amp;#039; 344).&lt;br /&gt;
* Franz Caiter: &amp;#039;&amp;#039;Die Rhythmisierung des Gregorianischen Chorals. Eine Studie zum Lebenswerk André Mocquereaus OSB.&amp;#039;&amp;#039; R. G. Fischer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-89501-267-X.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gregorianik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musizierpraxis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musikgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musikästhetik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musik des Mittelalters]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Volmar</name></author>
	</entry>
</feed>