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	<title>Massenstreikdebatte - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2026-04-14T23:14:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Massenstreikdebatte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; war neben dem [[Revisionismus#Sozialdemokratie|Revisionismusstreit]] eine der zentralen Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen [[Sozialdemokratie]] in der Zeit vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. In ihr wurden die unterschiedlichen theoretischen und strategischen Ansichten der einzelnen Parteiflügel deutlich sichtbar. Dabei konnte der [[Freie Gewerkschaften (Deutschland)|Gewerkschaftsflügel]] auf dem [[Reichsparteitag der SPD 1906|Mannheimer Parteitag]] der [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]] von 1906 mit dem so genannten &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Mannheimer Abkommen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; letztlich einen beachtlichen Erfolg erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Debattenverlauf ==&lt;br /&gt;
Mit dem Begriff Massenstreik ist in diesem Kontext kein einfacher [[Streik]] gemeint, sondern die möglichst flächendeckende Arbeitsniederlegung mit einer politischen Zielsetzung. Noch 1893 hatte [[Wilhelm Liebknecht]] auf dem [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|sozialdemokratischen]] Parteitag geäußert, der „Generalstreik für ein Land oder gar ein Weltstreik“ sei „ein Unsinn“ und ein „Schlagwort derer, welche die Gesamtlage nicht übersehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. nach Schönhoven, S. 239.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Jahrzehnt später hatte sich diese Einschätzung jedoch gewandelt. Ausgelöst wurde der Disput durch den [[Deutsche Bergarbeitergewerkschaften (Geschichte)#Die Bergarbeitergewerkschaften in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts|Streik der Bergleute im Ruhrbergbau]], an dem sich mindestens 200.000 Kumpel beteiligten sowie durch die [[Russische Revolution 1905|Russische Revolution von 1905]] und die dabei auftretenden Formen der politischen Auseinandersetzung. Auch der italienische Generalstreik von 1904 und entsprechende Äußerungen der [[Internationale]] spielten eine Rolle. Innerhalb der Sozialdemokratie wurde diskutiert, ob man dieses Mittel nicht zur Abschaffung des [[Dreiklassenwahlrecht]]s in [[Preußen]] oder gegen die Verschlechterung des Wahlrechts in [[Königreich Sachsen|Sachsen]] einsetzen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rigoros abgelehnt wurde der Massenstreik von den [[Freie Gewerkschaften (Deutschland)|freien Gewerkschaften]], die durch erwartete staatliche [[Unterdrückung|Repressionen]] um ihre Existenz fürchteten. Ihr [[Köln|Kölner]] Kongress beschloss 1905 mit breitester Mehrheit: „Den Generalstreik, wie er von [[Anarchismus|Anarchisten]] und Leuten ohne jegliche Erfahrung auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Kampfes vertreten wird, hält der Kongress für indiskutabel; er warnt die Arbeiterschaft, sich durch die Aufnahme und Verbreitung solcher Ideen von der täglichen Kleinarbeit zur Stärkung der Arbeiterorganisationen abhalten zu lassen.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. nach Lehnert, S. 102.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Theodor Bömelburg]], der Vorsitzende des [[Deutscher Bauarbeiter-Verband|Bauarbeiterverbandes]], ergänzte: „Ungeheure Opfer hat es gekostet, um den augenblicklichen Stand der Organisation zu erreichen. (…) Um aber unsere Organisation auszubauen, brauchen wir in der Arbeiterbewegung Ruhe.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. nach Grebing, S. 121f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Jenaer Parteitag]] der [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]] im selben Jahr stimmte einem Antrag zu, den Massenstreik einerseits als wirksames Kampfmittel zu werten, um politische Angriffe auf die Arbeiterklasse abzuwehren, andererseits ihn nicht als revolutionäres Kampfmittel anzusehen. Dieser Beschluss war ein Konsens zwischen den verschiedenen Parteiströmungen: Ihre Zustimmung gaben [[Rosa Luxemburg]] als Wortführerin der entschiedenen Linken, das Zentrum um die Parteiführer [[August Bebel]] sowie die [[Revisionismus#Sozialdemokratie|Revisionisten]] um [[Eduard Bernstein]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dieser Formel verbargen sich freilich höchst unterschiedliche politische Ansätze. Die erstaunliche Zustimmung von Bernstein zu einem letztlich [[Direkte Aktion|aktionistischen]] Konzept erklärt sich durch dessen Kritik am reinen Reformismus und der Organisationsroutine des Gewerkschaftsflügels. „Im Allgemeinen wird vielmehr mit einer gewissen Sorglosigkeit nach dem Motto: Unser der Sieg trotz alledem! Der Zukunft weitergewurstelt.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. Lehnert, S. 102.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem setzte Bernsteins reformorientierte Politik ein demokratisches Wahlrecht voraus – weshalb er gerade wegen seiner [[Revisionismus|revisionistischen]] Haltung Massenstreiks zur Erzwingung von Wahlrechtsreformen befürwortete.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ralf Hoffrogge, &amp;#039;&amp;#039;Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland – von den Anfängen bis 1914&amp;#039;&amp;#039;, S. 155, 156.&amp;lt;/ref&amp;gt; Rosa Luxemburg dagegen orientierte sich primär am Vorbild der [[Russische Revolution 1905|russischen Revolution]]. Der gewerkschaftlichen Sorge um die Grenzen der Streikkassen setzte sie ein sehr optimistisches Bild entgegen. „Aber im Sturm der revolutionären Periode verwandelt sich eben der Proletarier aus einem Unterstützung heischenden vorsorglichen Familienvater in einen ‚Revolutionsromantiker’, für den sogar das höchste Gut, nämlich das Leben, geschweige das materielle Wohlsein im Vergleich mit den Kampfidealen geringen Wert besitzt.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. nach Lehnert, S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die revolutionäre linke Position erwies sich recht bald als eine Fehleinschätzung der vorherrschenden Mentalität der organisierten Arbeiter und konnte daher auch kaum Einfluss auf die innerparteiliche Willensbildung erzielen.&lt;br /&gt;
[[Datei:August Bebel 3.jpg|mini|August Bebel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Mannheimer Abkommen ==&lt;br /&gt;
Sollte es nicht zum Bruch kommen, wurde stattdessen ein Ausgleich zwischen dem Beschluss der Gewerkschaften und des Parteitages von 1905 notwendig. In vertraulichen Kontakten, gegen die Luxemburg und die Linke heftig protestierten, versuchte der Parteivorstand mit den Gewerkschaften zu einer Einigung zu kommen. Bebel formulierte dies auf dem Mannheimer Parteitag von 1906 unmissverständlich:  „&amp;#039;&amp;#039;Wir wollen vor allem Frieden und Eintracht zwischen Partei und Gewerkschaften herbeiführen&amp;#039;&amp;#039;.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.gewerkschaftsgeschichte.de/data/Resolution-SPD-Parteitag-1906.pdf Mannheimer Abkommen] auf der Seite gewerkschaftsgeschichte.de der [[Hans-Böckler-Stiftung]], abgerufen am 31. Dezember 2025&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Parteitag stimmte dem Antrag des Vorstandes zu, dass politische Aktionen ohne aktiven Rückhalt in den Gewerkschaften keine Aussicht auf Erfolg haben könnten. Damit hatte nicht die Partei, sondern die [[Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands|Generalkommission]] der Gewerkschaften in der Massenstreikfrage das letzte Wort. Dies bedeutete faktisch eine  klare Absage für einen offensiven politischen Massenstreik.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hoffrogge, Sozialismus und Arbeiterbewegung, S. 157.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Parteitag verlief zwar hektisch und nervös, endete aber mit einem Beschluss, der faktisch einen Sieg der Gewerkschaften bedeutete. Dieses später so genannte Mannheimer Abkommen definierte über die Frage des Massenstreiks hinaus die Rolle von Gewerkschaften und Partei neu. Der Parteitag stimmte der Formulierung zu, dass die Gewerkschaften an „&amp;#039;&amp;#039;Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurückstehen.&amp;#039;&amp;#039;“ Außerdem mit Blick auf einen Massenstreik wurde festgelegt: „&amp;#039;&amp;#039;Um bei Aktionen, die die Interessen der Gewerkschaften und Partei gleichermaßen berühren, ein einheitliches Vorgehen herbeizuführen, sollen die Zentralleitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen suchen&amp;#039;&amp;#039;.“&amp;lt;ref&amp;gt;zit. nach Grebing, S. 121&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Niederlage der russischen Revolution hat zur nachlassenden Unterstützung für den politischen Generalstreik zweifellos stark beigetragen. In dieser Entscheidung zeichnet sich nicht nur die Stärke der in den letzten Jahren explosionsartig gewachsenen Gewerkschaften ab. Vielmehr deutete sich hier eine Abkehr der Sozialdemokratie von den bisherigen revolutionären Konzepten hin zur primär sozialreformerischen Ausrichtung während der [[Weimarer Republik]] ab. In Bremen war die Debatte ein Auslöser für einen Radikalisierungsprozess, der zum Entstehen der [[Bremer Linksradikale]]n führte. Die Massenstreikdebatte selbst spielte in den folgenden Jahren keine nennenswerte Rolle mehr. Eine Ausnahme machte die internationale Ebene. Auf dem [[Internationaler Sozialistenkongress (1907)|Sozialistenkongress von 1907]] in Stuttgart war das Problem ein zentrales Thema. Im preußischen Wahlrechtskampf von 1910 blieb das Thema im Wesentlichen auf eine „Schreibtischdebatte“ zwischen Rosa Luxemburg und [[Karl Kautsky]] beschränkt, und im Jahr 1913 bestätigte der sozialdemokratische Parteitag die Linie von 1906.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Antonia Grunenberg]] (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Die Massenstreikdebatte. Beiträge von Parvus, Rosa Luxemburg, Karl Kautsky und Anton Pannekoek&amp;#039;&amp;#039;, Frankfurt 1970.&lt;br /&gt;
* Helge Döhring (Hg.): Abwehrstreik…Proteststreik…Massenstreik? Generalstreik! Streiktheorien und -diskussionen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie vor 1914. Grundlagen zum Generalstreik mit Ausblick, Edition AV, Lich 2009, ISBN 978-3-86841-019-8&lt;br /&gt;
* [[Ralf Hoffrogge]]: &amp;#039;&amp;#039;Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland: Von den Anfängen bis 1914&amp;#039;&amp;#039;. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 3-89657-655-0.&lt;br /&gt;
* Klaus J. Becker / Jens Hildebrandt: 100 Jahre &amp;quot;Mannheimer Abkommen&amp;quot;. Zur Geschichte von SPD und Gewerkschaften, Ludwigshafen 2006, ISBN 978-3-938031-21-6.&lt;br /&gt;
* [[Peter Lösche]]: &amp;#039;&amp;#039;Kleine Geschichte der deutschen Parteien&amp;#039;&amp;#039;. Stuttgart, 1993. ISBN 3-17-010036-X&lt;br /&gt;
* [[Detlef Lehnert]]: &amp;#039;&amp;#039;Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei. 1848 – 1983&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt, 1983. ISBN 3-518-11248-1&lt;br /&gt;
* [[Helga Grebing]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein Überblick&amp;#039;&amp;#039;. München, 1966.&lt;br /&gt;
* [[Klaus Schönhoven]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Gewerkschaften als Massenbewegung im Wilhelminischen Kaiserreich 1890 bis 1918.&amp;#039;&amp;#039; In: Klaus Tenfelde u.&amp;amp;nbsp;a.: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der deutschen Gewerkschaften. Von den Anfängen bis 1945&amp;#039;&amp;#039;. Köln, 1987. ISBN 3-7663-0861-0&lt;br /&gt;
* [[Franz Osterroth]] / [[Dieter Schuster (Historiker)|Dieter Schuster]]: &amp;#039;&amp;#039;Chronik der deutschen Sozialdemokratie. Bd.1: Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges&amp;#039;&amp;#039;. Berlin, Bonn, 1975. S. 117–120, S. 123f.&lt;br /&gt;
* [[Dieter Dowe]] (Hrsg.): Uneins - aber einig? - Zur Geschichte des Verhältnisses von SPD und Gewerkschaften, Eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung zum 100. Jahrestag des &amp;quot;Mannheimer Abkommens&amp;quot; 1906, Bonn 2006, ISBN 978-3-89892-585-3&lt;br /&gt;
* Rosa Luxemburg. Massenstreik, Partei und Gewerkschaften. Hamburg, Verlag von Erdmann Dubber, Hamburg 1906&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://geschichte.verdi.de/stichworte/tag/09/060923 Kurzdarstellung des Mannheimer Abkommens (von ver.di)]&lt;br /&gt;
* [http://library.fes.de/fulltext/bibliothek/chronik/band1/e235e678.html Der Parteitag von Mannheim. In: Franz Osterroth / Dieter Schuster: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. (Online-Ausgabe)]&lt;br /&gt;
* [http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1906/09/mannheim1906.html Rede von Rosa Luxemburg auf dem Mannheimer Parteitag]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte der SPD]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutsche Geschichte (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte der Arbeiterbewegung (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Arbeitskämpfe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Kontroverse]]&lt;/div&gt;</summary>
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