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	<title>Marcel Déat - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;https://timesmachine.nytimes.com/timesmachine/1955/03/31/93736217.html?pageNumber=10&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Marcel Déat-1932.jpg|mini|Marcel Déat (1932)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Marcel Déat&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[7. März]] [[1894]] [[Guérigny]], [[Département Nièvre]], [[Burgund]]; † [[5. Januar]] [[1955]] in San Vito, einem östlichen Vorort [[Turin]]s, [[Italien]]) war ein französischer [[Politiker]] vor und während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Assemblee&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www2.assemblee-nationale.fr/sycomore/fiche/%28num_dept%29/2184 |titel=Marcel Déat |werk=Assemblée nationale |sprache=fr |abruf=2023-05-09}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Von Beruf Philosophielehrer, war er zunächst Mitglied der sozialistischen [[SFIO]], 1926–1928, 1932–1936 und 1939–1940 war er Abgeordneter in der Nationalversammlung. Er gehörte zum „[[Neosozialismus|neosozialistischen]]“ Flügel der Partei, der sich 1933 als [[Parti socialiste de France-Union Jean Jaurès|PSdF]] abspaltete und 1935 in der [[Union socialiste républicaine|USR]] aufging. Von Januar bis Juni 1936 war er Luftfahrtminister. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus pazifistischer Überzeugung vertrat er eine weitgehende [[Appeasement]]-Politik gegenüber [[NS-Deutschland]], beispielhaft formuliert in seinem Text &amp;#039;&amp;#039;[[Mourir pour Dantzig?]]&amp;#039;&amp;#039; vom Mai 1939. Nach der [[Westfeldzug|Niederlage]] und [[Deutsche Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg|Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht]] 1940 war Déat eine der prominentesten Figuren der [[Kollaboration in Frankreich (1940–1944)|französischen Kollaboration]]. Er gründete 1941 das faschistische [[Rassemblement national populaire]] (RNP), das die Vorherrschaft NS-Deutschlands in Europa unterstützte. Im [[Vichy-Regime]] war er von März bis August 1944 Minister für Arbeit und nationale Solidarität. Bei der Befreiung Frankreichs floh er nach [[Commission gouvernementale de Sigmaringen|Sigmaringen]] und ging dann ins Exil nach Italien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühes Leben und Politik ==&lt;br /&gt;
Déat war der Sohn eines einfachen Verwaltungsbeamten am Marinearsenal in Guérigny. Aufgrund seines leicht asiatisch anmutenden Äußeren und seiner kleinen Statur gab es Spekulationen, dass ein japanischer Ingenieur, der sich zur Ausbildung am Arsenal von Guérigny aufhielt, sein leiblicher Vater gewesen sein könnte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maitron&amp;quot;&amp;gt;Alain Bergounioux: &amp;#039;&amp;#039;DÉAT Marcel&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Le Maitron – Dictionnaire biographique mouvement ouvrier, mouvement social&amp;#039;&amp;#039; (online), Stand 12. Oktober 2022.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach Besuch des [[Lycée]] in [[Nevers]] absolvierte er die geisteswissenschaftlichen [[Classe préparatoire|Vorbereitungsklassen]] am [[Lycée Henri IV]], wo [[Émile Chartier]] („Alain“) sein Philosophielehrer war. Dieser war politisch bei der [[Parti républicain, radical et radical-socialiste|Parti radical]] beheimatet und beeinflusste mit seinem [[Pazifismus]] den jungen Déat. Er bestand 1914 die Aufnahmeprüfung für die [[École normale supérieure (Paris)|École normale supérieure]], wo er [[Philosophie]] studierte. Im selben Jahr trat der 20-Jährige der sozialistischen Partei [[Section française de l’Internationale ouvrière|SFIO]] bei, mehr aus philosophischem [[Idealismus (Philosophie)|Idealismus]] denn aus [[Materialismus|materialistischer]] Weltanschauung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ersten Weltkrieg stieg Déat bald zum Offizier auf, erhielt fünf Auszeichnungen für Tapferkeit und wurde in die [[Ehrenlegion]] aufgenommen. Bei Kriegsende hatte er den Rang eines [[Hauptmann (Offizier)|Hauptmanns]] erreicht. Unter dem Pseudonym &amp;#039;&amp;#039;Taëd&amp;#039;&amp;#039; veröffentlichte er 1919 die Schrift &amp;#039;&amp;#039;Cadavres et maximes, philosophie d’un revenant&amp;#039;&amp;#039; (dt.:  &amp;#039;&amp;#039;Leichen und Maximen, Philosophie eines Gespensts&amp;#039;&amp;#039;), in der er seinem Entsetzen vor dem Krieg, den Schützengräben, seinem eingefleischten Pazifismus und seiner Bewunderung für die Kameradschaft und kollektive Disziplin Ausdruck gab – Werten, die seine Entscheidungen seitdem beeinflussten. Déat kehrte 1918 zurück an die École Normale Supérieure und bestand 1920 die [[Agrégation]] (Staatsprüfung für das höhere Lehramt) im Fach Philosophie als Zweitbester seines Jahrgangs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maitron&amp;quot;/&amp;gt; Er wandte sich der [[Soziologie]] von [[Célestin Bouglé]] zu, einem ebenfalls der Parti radical angehörenden Freund Chartiers, und arbeitete in dessen Sekretariat des Dokumentationszentrums in der Rue d’Ulm. Ab 1922 unterrichtete er als Philosophielehrer am Lycée in [[Reims]]. Er heiratete 1924 eine seiner ehemaligen Schülerinnen, die zehn Jahre jünger als er war.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maitron&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Spaltung der SFIO 1920 in [[Tours]] schloss sich Déat der &amp;#039;&amp;#039;Groupe de la vie socialiste&amp;#039;&amp;#039; („Gruppe sozialistisches Leben“) um [[Pierre Renaudel]] an. 1925 wurde er in Reims zum Stadtrat gewählt, und bereits ein Jahr später, 1926, erhielt er bei einer Nachwahl im Wahlkreis [[Département Marne|Marne]] ein Abgeordnetenmandat der SFIO für die [[Nationalversammlung (Frankreich)|französische Nationalversammlung]], das er jedoch schon 1928 wieder verlor. Zu jener Zeit war der Aufstieg innerhalb der SFIO für junge Mitglieder schwierig, aber Déat erfreute sich der Förderung [[Léon Blum]]s. 1931 veröffentlichte Déat eine theoretische Schrift mit dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Perspectives socialistes&amp;#039;&amp;#039; (= sozialistische Perspektiven), in der der sozialistischen Partei die Anpassung an den [[Kapitalismus]] empfohlen wurde, da dieser sich im Gegensatz zur [[Marxismus|marxistischen]] [[Doktrin]] nicht selbst zerstöre. Déat sprach dem Staat darin eine [[Privileg|privilegierte]] Rolle hinsichtlich des Eigentums zu, das nach seiner Ansicht allerdings privat bleiben solle. Er trat gegen [[Kollektivismus]] und [[Revolution]] ein, weil nach seiner Überzeugung [[Chaos]] das Credo der Faschisten sei. Er widersprach den Marxisten heftig und schloss sich den [[Planification#Geschichte|Planisten]]&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe den Titel seiner Schrift von 1936 &amp;#039;&amp;#039;Le plan français&amp;#039;&amp;#039;, die 1938 in Auszügen in Deutsch erschien.&amp;lt;/ref&amp;gt; an. Er wollte nicht auf den Sozialismus warten, sondern forderte ein Übergangsregime. Déats Verständnis von „Sozialismus“ bedeutet vor allem [[Antikommunismus|Anti-Marxismus]]; es ähnelte dem des längst erledigten [[Strasser-Krise|Strasser-Flügels]] im Deutschen Reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1932 wurde Déat im [[20. Arrondissement (Paris)|20. Arrondissement]] von Paris in die Nationalversammlung gewählt. Über eine Auseinandersetzung mit [[Léon Blum]]s Politik in Bezug auf Premierminister [[Édouard Herriot]] zerstritt er sich mit seiner Partei und wurde 1933 offiziell ausgeschlossen. Déat verlor darüber seinen Sitz in der Nationalversammlung und gründete daraufhin zusammen mit anderen Neo-Sozialisten, wie [[Adrien Marquet]] und Pierre Renaudel, eine neue Splitterpartei mit dem Namen &amp;#039;&amp;#039;Parti Socialiste de France&amp;#039;&amp;#039; (PSDF), deren Slogan lautete: „ordre, autorité et nation“ (= Ordnung, Autorität und Nation). Sie propagierte eine Öffnung zur [[Mittelschicht]] und eine Beteiligung an einer nichtsozialistischen Regierung. Auf ihrer Liste kehrte er 1936 als Abgeordneter von [[Angoulême]] in die Nationalversammlung zurück und wurde im gleichen Jahr Luftfahrtminister im Kabinett [[Albert Sarraut]]. Diesen Posten verlor er jedoch schnell wieder durch Meinungsverschiedenheiten mit dem Premierminister. Später verlor er auch sein Abgeordnetenmandat an einen Kommunisten. Mit allen Mitteln trat er gegen einen Kriegseintritt Frankreichs auf. Als strikter Antikommunist trat er der [[Front populaire]] jedoch nicht bei.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Assemblee&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Faschismus und Kollaboration ==&lt;br /&gt;
[[File:L&amp;#039; oeuvre title 1939 mai 4.jpg|thumb|L&amp;#039; oeuvre 4. Mai 1939]]&lt;br /&gt;
Gründlich von seinem Verständnis des Sozialismus frustriert, wandte sich Déat dem [[Faschismus]] zu und wurde ein eifriger Verfechter rechtsextremer Politik. Zunächst schwärmte Déat von einem autoritären republikanischen Regime, wobei er eine starke [[Autonomie|autonome]] [[Exekutive]] zulasten der [[Legislative]] fördern wollte, um den von ihm inzwischen verachteten [[Parlamentarismus]] zu schwächen. Er forderte von seiner Regierung, Frankreich nach faschistischem Vorbild umzubauen. Als es 1939 schien, dass Frankreich gegen [[Zeit des Nationalsozialismus|Nazi-Deutschland]] in den Krieg treten werde, veröffentlichte er einen höchst umstrittenen Artikel unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;[[Mourir pour Dantzig?|Mourir pour Dantzig ?]]&amp;#039;&amp;#039; („Für [[Danzig]] sterben?“) in der Zeitung &amp;#039;&amp;#039;[[L’Œuvre]]&amp;#039;&amp;#039;, deren Leitung er 1940 übernahm.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Marcel Déat |Titel=Mourir pour Dantzig |Sammelwerk=L&amp;#039;Œuvre |Datum=4. Mai 1939}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Artikel argumentierte er, dass Frankreich einen Krieg mit Deutschland für das später überrannte [[Polen]] vermeiden solle. Damit löste er eine weitreichende Kontroverse aus und beförderte sich selbst in das nationale Abseits. Zusammen mit den späteren Kollaborateuren [[Pierre Laval]] und [[Jacques Doriot]] bildete er die Gruppe der „Pazifisten“, die, um der Konfrontation mit Deutschland aus dem Weg zu gehen, die [[Appeasement-Politik]] des Premierministers [[Édouard Daladier]] unterstützten, die im [[Münchener Abkommen]] mündete. Sie sahen die sozialen Brüche und Konflikte im demokratischen Frankreich als Ursache einer angeblich rückständigen politischen Entwicklung ihres Landes gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Déat, der ein starker Befürworter der [[Militärverwaltung in Belgien und Nordfrankreich|deutschen Besetzung Nordfrankreichs]] 1940 wurde, zog in die vom [[Vichy-Regime]] beherrschte Südzone um und wurde anfangs Unterstützer von [[Marschall]] [[Philippe Pétain]]. Doch als er erkannte, dass das konservative Vichy kein faschistischer Staat nach deutschem Vorbild werden würde, kehrte er nach [[Paris]] in die besetzte Nordzone zurück, wo er durch die deutschen Besatzungsbehörden Unterstützung fand. Im Februar 1941 gründete er den [[Rassemblement national populaire]] (RNP, nationale Volkssammlung), eine [[Kollaboration in Frankreich (1940–1944)|kollaborationistische]] Partei, die [[Antisemitismus (bis 1945)|Antisemitismus]] und [[Totalitarismus]] unterstützte. Er beabsichtigte mit dem RNP, ehemalige Sozialisten und Gewerkschafter, aber auch die von [[Daniel Brottier]] gegründete [[Union nationale des combattants]] (nationale Kriegsveteranenvereinigung) und den [[Mouvement social révolutionnaire]] (MSR, sozialrevolutionäre Bewegung) [[Eugène Deloncle]]s zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laval, ein ehemaliger Sozialist, der vom erzkonservativen Pétain zum ersten Ministerpräsidenten des Vichy-Regimes berufen worden war, sah nach seiner Entlassung im Dezember 1940 im RNP eine willkommene Möglichkeit, das Vichy-Regime politisch zu schwächen und sich zu rächen. Der RNP warb nachhaltig für Lavals Rückkehr, und Deloncle plante zeitweilig sogar nach dem Vorbild von [[Benito Mussolini|Mussolinis]] [[Marsch auf Rom]] 1922 einen Marsch auf [[Vichy]], den die deutschen Okkupationsbehörden aus Sorge um Pétains Reaktion ablehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit anderen faschistischen Kollaborateuren, wie Doriot und [[Marcel Bucard]], gründete Déat die [[Légion des volontaires français contre le bolchévisme]] (LVF; Legion französischer Freiwilliger gegen den Bolschewismus) oder &amp;#039;&amp;#039;Légion anti-bolchévique&amp;#039;&amp;#039; bzw. &amp;#039;&amp;#039;Légion tricolore&amp;#039;&amp;#039;, in der sich französische Freiwillige in Uniformen der [[Wehrmacht]] am [[Krieg gegen die Sowjetunion]] beteiligten. Später wurden die Reste dieser Legion, genauso wie [[Cornelis van Geelkerken|niederländische]], [[Léon Degrelle|wallonische]], flämische, [[Vidkun Quisling|norwegische]], [[Blaue Division|spanische]], [[Eiserne Garde|rumänische]], [[Pfeilkreuzler|ungarische]], [[Lettische SS-Verbände|lettische]] und [[Ustascha|kroatische]] Freiwilligenverbände, in die [[Waffen-SS]] integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Laval am 27. August 1941 in [[Versailles]] der LVF einen Truppenbesuch abstattete, wurde Déat bei einem Anschlagsversuch durch das [[Résistance]]mitglied [[Paul Collette]] verwundet. Nach seiner Genesung wurde er zu einem Unterstützer von Laval, der ihn seit seiner Rückkehr zur Macht 1942 bis 1943 mit staatlichen Mitteln subventionierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die von Déat geforderte Auflösung des MSR entstand im Mai 1941 ein Konflikt zwischen Déat und Deloncle, der unvorsichtigerweise erklärte, alleiniger Führer des RNP werden zu wollen. Deloncle heckte fieberhaft einen Plan zur Beseitigung Déats von der Spitze des RNP durch einen fingierten „Autounfall“ aus. Vom Krankenhausbett aus befahl daraufhin Déat die Beseitigung Deloncles aus allen Parteiämtern und betrieb seinen Ausschluss aus dem RNP. Daraufhin verlor diese Kollaborationspartei ihre politische Spitzenstellung und repräsentierte fast nur noch die Mittelschicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Déat übte mit seinem RNP jedoch großen Einfluss insbesondere über eine Organisation aus, die sich &amp;#039;&amp;#039;Union de l’enseignement&amp;#039;&amp;#039; (= Bildungsvereinigung) nannte und der Lehrer und Angehörige des Bildungswesens angehörten. Sie trat für erhöhte Bezüge der Lehrer, Beseitigung des katholischen Einflusses auf das Bildungswesen und stärkere nationalsozialistische Erziehung der französischen Jugendlichen ein. Déat setzte sich außerdem gegen die von [[Bernard Faÿ]] betriebene obsessive Verfolgung der [[Freimaurer]] ein und reduzierte sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara Will: &amp;#039;&amp;#039;Unlikely Collaboration.&amp;#039;&amp;#039; Columbia University Press, New York 2011, S. 175&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obwohl Déat gegen das [[Frauenwahlrecht]] war (das [[Charles de Gaulle]] erst einführte), protestierte er gegen die Versuche Vichys, die Bildungsrechte für Frauen einzuschränken und sie auf die Rolle der Hausfrau und Mutter zu beschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem waren sich die deutschen Besatzungsbehörden bei ihrer Besatzungspolitik keineswegs einig, verfügten sie doch über drei Schnittstellen zu den französischen Kollaborateuren: Da war der [[Militärbefehlshaber in Frankreich]] (MBF), der mit seinem knapp 1.000 Mann starken Stab aus Wehrmachtspersonal und zivilen, eilends in Uniform gesteckten Experten im [[Avenue Kléber#Das Hotel Majestic|Hôtel Majestic]] residierte, dem Oberkommandierenden des Heeres unterstellt. Er war neben militärischen auch für wirtschaftliche und lange Zeit für sicherheitspolitische Fragen verantwortlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorwiegend politische Fragen wurden vom Botschafter [[Otto Abetz]] geregelt, der dem deutschen [[Auswärtiges Amt|Auswärtigen Amt]] und damit dem Außenminister [[Joachim von Ribbentrop]] unterstand. Der Botschaft gehörten neben Bürokraten und Juristen aller Ebenen in wachsendem Maße auch Wissenschaftler, vor allem Romanisten, an, die sich in dem von ihnen erhofften faschistischen Gesamteuropa, dem [[Nationalsozialistische Europapläne|SS-Europa]], Karrieren im Westen ausrechneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Machtbereich auf deutscher Seite bestand aus der Sicherheitspolizei ([[Geheime Staatspolizei|Gestapo]], als vorrangige Juden- und Résistance-Jäger) und dem Sicherheitsdienst ([[Sicherheitsdienst des Reichsführers SS|SD]]), die zusammen mit der [[Schutzstaffel|SS]] [[Heinrich Himmler]] unterstanden. Zwischen allen drei deutschen Machtbereichen, insbesondere zwischen der Botschaft und der SS, bestand eine gewisse Rivalität, die durch eine mangelnde Abgrenzung der genauen Verantwortlichkeiten gefördert wurde. Abetz und die Botschaft favorisierten Laval und Déat, während die SS [[Jacques Doriot]] förderte. So war es kein Wunder, dass der RNP bereits im Februar 1941 in der nördlichen Zone einen „autorisierten Status“ erlangte, den der PPF erst ab Oktober 1941 erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinsam war allen deutschen Besatzungsbehörden, dass sie gar nicht daran dachten, Pétains Ziel eines [[monolith]]ischen „einigen Frankreich“ zu fördern, sondern ihn nach Kräften daran hinderten, einen [[Einparteienstaat]] nach deutschem oder italienischem Vorbild aufzubauen. Die Nationalsozialisten stimulierten nach Kräften die parteipolitischen, religiösen, regionalen und anderen innerfranzösischen Gegensätze, um Frankreich leichter überwachen und ausbeuten zu können. So zielte auch die Förderung der rivalisierenden Gruppen RNP und PPF auf eine Spaltung von französischen Kräften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Déats vergleichsweise kleiner RNP mit ca. 20.000 Anhängern nach der von ihnen betriebenen Rückkehr Lavals zwar mit finanziellen Mitteln unterstützt wurde, jedoch die erhoffte Regierungsbeteiligung ausblieb und Déat klar wurde, dass Laval als Mann der Deutschen überhaupt nicht beabsichtigte, Frankreich zu einem Einparteienstaat zu formieren, strebte er in Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse mit der Gründung des [[Front révolutionnaire nationale]] (FRN, revolutionäre nationale Front) an, erneut eine föderative Einheitspartei unter Einbeziehung von Doriots sehr viel größerem [[Parti populaire français]] (PPF, französische Volkspartei) zu bilden, um gemeinsam Druck auf das Vichy-Regime ausüben zu können. Während Déat von oben die Bildung einer Einheitspartei vorantrieb, versuchte Doriot die gemeinsamen Hoffnungen und Befürchtungen der Kollaborateure vor Ort zu nutzen, um Déat zu konterkarieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Scheitern von Déats Versuch zur Bildung einer Einheitspartei bemühte er sich im Sommer 1943 gemeinsam mit anderen enttäuschten Kollaborateuren, wie [[Joseph Darnand]] und [[Jean Luchaire]], einen &amp;#039;&amp;#039;Plan de redressement national français&amp;#039;&amp;#039; (= „nationaler französischer Sanierungsplan“) vorzulegen. Gleichzeitig wurden die deutschen Besatzungsbehörden gewarnt, dass Laval indirekt für ein Frankreich an der Seite der Alliierten eintreten könne, falls Lavals Regierung nicht durch ein Einparteiensystem unter Führung Darnands und hoher Funktionäre der [[Milice française|Milice]] zur „Macht“ gelange. Pétain wollte daraufhin die seit drei Jahren nicht mehr tagende Nationalversammlung zur [[Legitimität|Legitimation]] seiner Herrschaft einberufen, was von deutscher Seite verhindert wurde. Stattdessen bestanden die Deutschen auf der Berufung Déats, Doriots und [[Philippe Henriot]]s zu Ministern, woraufhin Laval Déat im März 1944 zum „Minister für Arbeit und nationale Solidarität“ in seiner Marionettenregierung machte. Dies war nicht ohne Hintersinn, denn die [[Relève]] war alles andere als ein Erfolg, immer mehr junge Franzosen zogen stattdessen den Untergrund mit der Résistance vor, und die deutschen Forderungen nach französischen Arbeitskräften wurden immer unerbittlicher. Während Déats Amtszeit gelangten nur vergleichsweise wenige französische Arbeitskräfte ins [[Drittes Reich|Dritte Reich]]. Gleichzeitig bemühte sich Déat, die von Vichy einseitig den [[Arbeitgeber]]n in den angeblich paritätisch besetzten [[Betriebsrat|Betriebsräten]] gewährten Vorteile zugunsten der [[Arbeitnehmer]] zu verbessern. Nach der erfolgreichen [[Operation Overlord|Landung der Alliierten in der Normandie]] veranstalteten Doriot und Déat im Juli 1944 noch einmal in Paris eine Großdemonstration, bei der sie ihren &amp;#039;&amp;#039;Plan de redressement&amp;#039;&amp;#039; bekräftigten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maitron&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Exil ==&lt;br /&gt;
1944 floh Déat zusammen mit der [[Commission gouvernementale de Sigmaringen|Regierungskommission]] nach [[Sigmaringen]] in Süddeutschland. Am 1. September 1944 erwähnte Hitler seine Absicht, Doriot zum Führer der französischen „Exilregierung“ zu machen, während Darnand und Déat in Sigmaringen fortwährend gegeneinander [[Intrige|intrigierten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz vor der deutschen Kapitulation 1945 floh Déat nach [[Italien]], wo er unter einem neuen Namen zeitweilig in [[Mailand]] und [[Turin]] unterrichtete. Später wurde er von einem religiösen Orden, der Congrégation des sœurs de la providence, gastlich aufgenommen, der ihn bis zu seinem Tode 1955 in seinem [[Karmeliter]]-Kloster „Institut Jeanne d’Arc“ nahe Turin unentdeckt verbarg. Das Mutterhaus der [[Kongregation (Klosterverband)|Kongregation]] steht in Frankreich, in [[La Pommeraye (Maine-et-Loire)|La Pommeraye]]. Déat schrieb in Turin seine Memoiren. In Frankreich wurde er am 19. Juni 1945 in Abwesenheit wegen [[Landesverrat]] angeklagt und [[Todesstrafe|zum Tode verurteilt]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;Maitron&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Le plan français&amp;#039;&amp;#039;. Deutsch in: [[Paul Distelbarth]]: &amp;#039;&amp;#039;Neues Werden in Frankreich. Zeugnisse führender Franzosen&amp;#039;&amp;#039;. [[Ernst Klett Verlag]], Stuttgart 1938, S. 193–203&amp;lt;ref&amp;gt;Übers. P. D. Enthält das komplette Inhaltsverzeichnis der Ausgabe November 1935, Verlag Fasquelle, in Deutsch, sowie im Volltext Auszüge aus zwei Kapiteln, von P. D. benannt „Vom Verkauf mit Nutzen – Einzige Quelle der Kaufkraft“ und „Die Frage der Landwirtschaft“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Friedrich Grimm (Jurist)|Friedrich Grimm]]; Marcel Déat; [[René Martel]]: &amp;#039;&amp;#039;La France et le corridor polonais&amp;#039;&amp;#039;. Paris : La Technique du Livre, 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Reinhold Brender: &amp;#039;&amp;#039;Kollaboration in Frankreich im Zweiten Weltkrieg. Marcel Déat und das Rassemblement National Populaire,&amp;#039;&amp;#039; Oldenbourg, München 1992, (= Studien zur Zeitgeschichte 38, zugleich: Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), ISBN 978-3-486-55895-1  ([https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/59025/50829 Rezension]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118671235}}&lt;br /&gt;
* {{Pressemappe|FID=pe/003766}}&lt;br /&gt;
* [http://www.contextxxi.at/context/content/view/227/97/ Paradoxe Biographien - Wirre politische Seitenwechsel im Frankreich der 30er Jahre] von [[Alexander Emanuely]], Context XXI, 7/2002&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://www.historia.fr/mensuel/683/les-filieres-devasion-01-11-2003-47441 |wayback=20150630161500 |text=Les filières d&amp;#039;évasion (Flucht Déats auf Historia)}}&lt;br /&gt;
* {{BibNatFrance|ID=cb121081673}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Folgenleiste&lt;br /&gt;
|AMT={{nowrap|Französischer Minister für Luftfahrt}}&lt;br /&gt;
|ZEIT=[[Kabinett Sarraut II|24.01. 1936 – 04.06. 1936]]&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER=&amp;lt;br /&amp;gt;Victor Denain&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER=&amp;lt;br /&amp;gt;[[Pierre Cot]]&lt;br /&gt;
|AMT2=Minister für Arbeit und&amp;lt;br /&amp;gt;nationale Solidarität (Vichy)&lt;br /&gt;
|ZEIT2=16.03. 1944 – 19.08. 1944&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER2=&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;{{nowrap|[[Jean Bichelonne]]}}&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER2=&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;selbst&lt;br /&gt;
|AMT3=Arbeitsminister (Vichy)&lt;br /&gt;
|ZEIT3=[[Commission gouvernementale de Sigmaringen|01.09. 1944 – 22.04. 1945]]&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER3=&amp;lt;br /&amp;gt;selbst&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER3=&amp;lt;br /&amp;gt;{{nowrap|Alexandre Parodi}}&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118671235|LCCN=n87816367|VIAF=24632016}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Deat, Marcel}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (französische Kollaboration)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Arbeitsminister (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Luftfahrtminister (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:SFIO-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:RNP-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zum Tode verurteilte Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Franzose]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1894]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1955]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Déat, Marcel&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Taëd (Pseudonym)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=französischer Politiker und Kollaborateur&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=7. März 1894&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Guérigny]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=4. Januar 1955&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Turin]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Hallospencer135</name></author>
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