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	<title>Ludwig Tessnow - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-08T09:42:37Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2025-06-24T09:21:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ludwig Tessnow&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[15. Februar]] [[1872]] in [[Stołczyn|Stolzenhagen, Kr. Randow]]; † [[November]] [[1939]] in [[Wielka Piaśnica|Groß Piasnitz]]) war ein deutscher [[Serienmörder]], dem mindestens vier Kinder zum Opfer fielen. Sein Fall ging durch das erste wissenschaftliche [[Gutachten]] über Blutarten in die Kriminalgeschichte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Mordfälle ==&lt;br /&gt;
=== Doppelmord bei Lechtingen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ludwig Tessnow Lechtingen.JPG|mini|hochkant|Denkmal für die in Lechtingen ermordeten Kinder]]&lt;br /&gt;
Am Morgen des 9. September 1898 verließen zwei siebenjährige Mädchen ihre Elternhäuser bei [[Lechtingen]] nördlich von [[Osnabrück]] (heute ein Ortsteil der Gemeinde [[Wallenhorst]]), um zur Schule zu gehen. Ihre entkleideten, zerstückelten und [[Exenteration|ausgeweideten]] Körper wurden mittags in einem Wald nahe dem Schulweg gefunden. Die Polizei verhaftete den sich in der Gegend aufhaltenden [[Tischler]]gesellen Tessnow und konnte einen [[Knopf (Kleidung)|Knopf]], den man am Tatort fand, seinem Anzug zuordnen. Er bestritt die Tat hartnäckig und erklärte, die auffälligen Flecken an seiner Kleidung seien [[Beizen|Holzbeize]], kein [[Blut]]. Da nach damaliger Lehrmeinung nur ein „[[Geisteskrankheit|Geistesgestörter]]“ solch eine grausame Tat begehen konnte, Tessnow aber keine Anzeichen einer [[Geisteskrankheit]] aufwies, wurde er letztendlich mangels Beweisen aus der Haft entlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Doppelmord in Göhren ===&lt;br /&gt;
Am Abend des 1. Juli 1901 verschwanden im [[Ostsee]]bad [[Göhren (Rügen)|Göhren]] auf [[Rügen]] die beiden fünf- und siebenjährigen Söhne des [[Fuhrmann (Beruf)|Fuhrmann]]s Graweert. Nach einer die ganze Nacht andauernden Suchaktion wurden ihre Leichen am Morgen des 2. Juli gefunden. Sie waren auf dieselbe grausame Weise verstümmelt worden wie ein paar Jahre zuvor die beiden Kinder in Lechtingen. Bei dem Jüngeren war der [[Schädel]] zertrümmert, der [[Hals]] bis zur [[Wirbelsäule]] durchtrennt und der [[Rumpf (Anatomie)|Rumpf]] mit einem Schnitt durch den gesamten [[Unterleib]] geöffnet, die [[Darm]]schlingen hingen heraus, das [[Herz]] fehlte. Auch dem Älteren wurde der Schädel eingeschlagen. Der Körper war in der Mitte durchtrennt, der Beckenabschnitt mit den Beinen wurde erst später gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhaftierung ==&lt;br /&gt;
Da eine Obsthändlerin beobachtet hatte, wie der im benachbarten [[Baabe]] wohnende Tessnow die beiden Jungen am Mordtag ansprach, fiel der Verdacht schnell auf ihn und er wurde am Abend des 2. Juli verhaftet. Seine Kleidung war mit zahlreichen Flecken übersät, die er erneut mit Tischlerbeize erklärte. Während seiner Untersuchungshaft wurde der Mordfall aus Lechtingen bekannt und der Verdacht erhärtete sich. Während der Ermittlungen kam ein weiterer Vorfall ans Licht: Auf einer Weide wurden zwei Wochen zuvor mehrere [[Hausschaf|Schafe]] getötet, zerstückelt und im Gelände verteilt. Ein [[Landwirt]] sah den Täter wegrennen und erkannte Tessnow bei einer [[Gegenüberstellung]] wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Ermittlungsrichter|Untersuchungsrichter]] beauftragte [[Paul Uhlenhuth]], seit 1899 Assistent am [[Hygiene]]institut der [[Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald|Universität Greifswald]] und ehemaliger Mitarbeiter von [[Robert Koch]], mit der Untersuchung der Kleidung. Uhlenhuth hatte kurz zuvor als erster eine Methode entwickelt, die den Nachweis von Menschen- und Tierblut erlaubte: den [[Serum-Präzipitin-Test|Blut-Präzipitin-Test]]. Er fand an der [[Sonntagsstaat|Sonntagskleidung]] zahlreiche Blutflecken und konnte sie in Menschen- und Schafsblut differenzieren. Ebenso erwiesen sich die Verfärbungen an einem Stein, der als mögliches Tatwerkzeug am Tatort gefunden wurde, als Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verurteilung ==&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1902 wurde Tessnow in Greifswald der Prozess gemacht, in dem dem Gutachten von Uhlenhuth gefolgt wurde. Das Urteil lautete auf [[Todesstrafe]]. Während der Verkündung des Hinrichtungstermins erlitt Tessnow einen [[Epilepsie|epileptischen Anfall]], der eine psychiatrische Untersuchung des Verurteilten begründete. Trotz gegenteiliger Meinung von vier [[Psychiater]]n als [[Zurechnungsfähigkeit|zurechnungsfähig]] beurteilt, wurde Tessnow erneut verurteilt; auch die Berufungsverhandlung beim [[Reichsgericht]] in [[Leipzig]] bestätigte am 14. März 1904 das Urteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Jahr wurde Tessnow angeblich auf dem Hof des Greifswalder Gefängnisses [[Enthauptung|enthauptet]]. Ein [[Strafverteidiger (Deutschland)|Strafverteidiger]] behauptete aber, die Strafe sei nach einigen Jahren in [[Lebenslange Freiheitsstrafe|lebenslängliche]] [[Zuchthaus]]strafe umgewandelt worden – ein Beweis für die Hinrichtung oder die Strafumwandlung fand sich zunächst nicht in den Justizakten. 2016 ergaben Nachforschungen in Akten der [[Krankenhaus West (Stralsund)|Landesheilanstalt Stralsund]], dass Tessnow in die [[psychiatrische Klinik]] überstellt wurde, wo er bis 1939 einsaß. Als „ungeheilt“ eingestuft, wurde er nach [[Wejherowo|Neustadt in Westpreußen]] verlegt und während der [[Massaker von Piaśnica]] als frühes Opfer des [[Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus|NS-Euthanasieprogramms]] per Genickschuss hingerichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Jasmin Lörchner |url=https://www.spiegel.de/geschichte/als-forscher-begannen-moerder-zu-ueberfuehren-a-abfc642a-9406-4b8c-bf06-57b182dfb429 |titel=Als Forscher begannen, Mörder zu überführen |werk=[[Spiegel Online]] |hrsg= |datum=04.02.2020 |abruf=05.02.2020 |sprache=de}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach anfänglichem wissenschaftlichen Widerspruch wurde das Uhlenhuthsche Präzipitinreaktionsverfahren am 8. September 1903 als gerichtsfestes Beweisverfahren offiziell in Preußen eingeführt. Später ließ sich der Test auf weitere Körperseren wie [[Sperma]] oder [[Speichel]] erweitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Ingo Wirth: &amp;#039;&amp;#039;Tote geben zu Protokoll – Berühmte Fälle der Gerichtsmedizin&amp;#039;&amp;#039;, Bechtermünz Verlag, 2000, ISBN 3-8289-0029-1&lt;br /&gt;
* Jan Armbruster, Kathleen Haack: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall Ludwig Tessnow (1872–1939) – Aspekte zur Geschichte der Forensischen Psychiatrie vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die NS-Zeit&amp;#039;&amp;#039;, Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie 8 (2014): 254–262. ([[DOI:10.1007/s11757-014-0292-1]])&lt;br /&gt;
* Ingo Wirth, Jan Armbruster: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall Ludwig Tessnow. Eine interdisziplinäre Nachbetrachtung. Teil 1: Die vier Morde Tessnows und der Nachweis seiner Täterschaft.&amp;#039;&amp;#039; Kriminalistik 70 (2016) (8-9): 552-556.&lt;br /&gt;
* Jan Armbruster, Ingo Wirth: &amp;#039;&amp;#039;Der Fall Ludwig Tessnow. Eine interdisziplinäre Nachbetrachtung. Teil 2: Die Strafprozesse gegen Tessnow und sein weiteres Schicksal.&amp;#039;&amp;#039; Kriminalistik 70 (2016) (10): 635-639&lt;br /&gt;
* Christiane Gref: &amp;#039;&amp;#039;Die Blutlüge – Ludwig Tessnow: Biografischer Kriminalroman&amp;#039;&amp;#039;, Gmeiner-Verlag, 2016, ISBN 3-8392-1940-X&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.morgenpost.de/incoming/article231398/Das_Blut_der_Opfer.html Berliner Morgenpost: Das Blut der Opfer]&lt;br /&gt;
* [http://das-blaettchen.de/2018/01/der-fall-tessnow-42746.html Dieter Naumann und Rainer Leonhardt: Der Fall Tessnow] in [[Das Blättchen]], 21. Jg., Nr. 2 vom 15. Januar 2018&lt;br /&gt;
{{DEFAULTSORT:Tessnow, Ludwig}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Serienmörder (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Opfer der NS-Euthanasie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kriminalfall (19. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kriminalfall (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zum Tode verurteilte Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1872]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1939]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Tessnow, Ludwig&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Sexualmörder&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=15. Februar 1872&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Stolzenhagen, Kr. Randow]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=November 1939&lt;br /&gt;
|STERBEORT=bei [[Wielka Piaśnica]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>2.245.143.159</name></author>
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