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	<title>Liurai - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;J. Patrick Fischer: /* Anzahl der Liurais */</title>
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		<updated>2026-01-14T20:02:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Anzahl der Liurais&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Boaventura.jpg|mini|[[Boaventura (Liurai)|Boaventura]], Liurai von [[Manufahi]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Liurai&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Liuriai&amp;#039;&amp;#039;; auf [[Bunak (Sprache)|Bunak]]: &amp;#039;&amp;#039;Lamak&amp;#039;&amp;#039;;&amp;lt;ref&amp;gt;Katharine Davidson: [https://unsworks.unsw.edu.au/entities/publication/a923bc73-4dd5-4442-8ad2-ef7a808d3059 &amp;#039;&amp;#039;The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912&amp;#039;&amp;#039;, S. 113], Sydney 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf [[Kemak (Sprache)|Kemak]]: &amp;#039;&amp;#039;Koronel bote&amp;#039;&amp;#039;; auch: &amp;#039;&amp;#039;Usif&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Atupas&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hans&amp;quot;&amp;gt;Hans Hägerdal: &amp;#039;&amp;#039;Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650–1769.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 163, Nr. 1, 2007, {{ISSN|0006-2294}}, S. 1–33, {{JSTOR|27868341}}.&amp;lt;/ref&amp;gt;) ist der traditionelle Titel eines Herrschers auf [[Timor]]. Er bedeutet etwa „aus der Erde hervorragend“. Das Herrschaftsgebiet eines Liurais wurde &amp;#039;&amp;#039;rai&amp;#039;&amp;#039; ([[Tetum (Sprache)|Tetum]] für &amp;#039;&amp;#039;Land&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Region&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Erde&amp;#039;&amp;#039;) genannt. Aufgrund des ähnlichen [[Portugiesische Sprache|portugiesischen]] Wortes &amp;#039;&amp;#039;rei&amp;#039;&amp;#039; für &amp;#039;&amp;#039;König&amp;#039;&amp;#039; wurden die Herrschaftsgebiete als &amp;#039;&amp;#039;Reino&amp;#039;&amp;#039; (portugiesisch für &amp;#039;&amp;#039;Königreich&amp;#039;&amp;#039;) bezeichnet. Andere europäische Sprachen übernahmen diese Bedeutung, weswegen man &amp;#039;&amp;#039;Liurais&amp;#039;&amp;#039; nun als &amp;#039;&amp;#039;Kleinkönige&amp;#039;&amp;#039; beschreibt. Im [[Niederländische Sprache|Holländischen]] verwendet man &amp;#039;&amp;#039;raj&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;[[raja]]&amp;#039;&amp;#039;. Allerdings waren die &amp;#039;&amp;#039;Reiche&amp;#039;&amp;#039; der Liurais keine isolierten, homogenen, soziokulturellen Gebilde, was ein &amp;#039;&amp;#039;Reich&amp;#039;&amp;#039; im eigentlichen Sinne ausmacht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;&amp;gt;Monika Schlicher: &amp;#039;&amp;#039;Portugal in Ost-Timor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Ost-Timor. 1850 bis 1912&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Abera Network. Asia Pacific.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 4). Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (zugleich: Heidelberg, Universität, Dissertation, 1994).&amp;lt;/ref&amp;gt; In neueren Veröffentlichungen wird die Beschreibung als Kleinkönige von einigen Autoren als „aus Europa eingeführt“ abgelehnt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kammen&amp;quot;&amp;gt;Douglas Kammen: &amp;#039;&amp;#039;Fragments of utopia: Popular yearnings in East Timor.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Journal of Southeast Asian Studies.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 40, Nr. 2, 2009, S. 385–408, {{JSTOR|27751568}}, {{DOI|10.1017/S0022463409000216}}.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlegendes ==&lt;br /&gt;
[[Datei:COLLECTIE TROPENMUSEUM Portret van de Raja van Amarasi Isaac van Baven met dominee Loeff en zijn beoogde opvolger raja Alex TMnr 60034966.jpg|mini|Raja Isaac von [[Amarasi]] mit Kronprinz Alexander und Reverend Loeff (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name stammt ursprünglich von einem mythischen Herrscher, der das Reich von [[Wehale]] gegründet haben soll. Zunächst war dieser Titel nur auf dessen Herrscher beschränkt. Erst später wurde er auch für die anderen Stammesführer Timors verwendet. Die Liurais sicherten ihre Macht durch ein kompliziertes Netz aus Verwandtschaftsbeziehungen und Hochzeiten. Sie hatten auch während der Kolonialzeit einen großen Einfluss auf die Bevölkerung, wurden aber mehr zum Objekt der Verehrung und des tiefen Respekts. Zudem schöpften sie ihren Herrschaftsanspruch zum Teil aus heiligen Objekten (&amp;#039;&amp;#039;[[Lulik]]&amp;#039;&amp;#039;), die sich im Besitz ihrer Familie befanden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Liurai gehörte zu adligen Familien, &amp;#039;&amp;#039;Datos&amp;#039;&amp;#039; genannt, und wurde von Seinesgleichen und deren Nachkommen, den &amp;#039;&amp;#039;Principais&amp;#039;&amp;#039;, gewählt. Starb ein Liurai, wurde sein Nachfolger unter den Mitgliedern der königlichen männlichen Linie auserwählt (&amp;#039;&amp;#039;patrilinear&amp;#039;&amp;#039;: nur männliche Nachfolge) – daher die weitverbreitete Anrede der Liurais als &amp;#039;&amp;#039;amo&amp;#039;&amp;#039;, das sich vom [[Tetum (Sprache)|Tetumwort]] für Vater, &amp;#039;&amp;#039;áman&amp;#039;&amp;#039;, her ableitet. Obwohl die Liurais die höchste exekutive Macht ausübten, wurden sie von einem Ältestenrat kontrolliert, insbesondere von dem &amp;#039;&amp;#039;Dato-hei&amp;#039;&amp;#039;, dem Schattenchef. Er hatte die Verantwortung für das Einhalten von Standessitten und Gebräuchen, die dem [[Malaien|malaiischen]] [[Adat]] entsprachen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;/&amp;gt; Starb die gesamte königliche Familie aus, folgte eine der Dato-Familien als Nachfolger.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab noch zwei weitere Gesellschaftsschichten. Die &amp;#039;&amp;#039;Ema-reino&amp;#039;&amp;#039; (ursprünglich wohl &amp;#039;&amp;#039;Ema-rai&amp;#039;&amp;#039;) bildeten die freie, nicht-adlige Bevölkerung. Die unterste Schicht teilte sich in zwei Gruppen, die &amp;#039;&amp;#039;Ata&amp;#039;&amp;#039; (Sklaven) und die &amp;#039;&amp;#039;Lutun&amp;#039;&amp;#039; (Viehhirten und Diener). Teilweise werden die Lutun auch als [[Leibeigene]] charakterisiert. Die Lutun bedienten die Liurai, bestellten deren Felder und hüteten deren Vieh. Sie konnten aber im Gegensatz zu den Ata nicht einfach verkauft werden, da sie fest zum Land gehörten, auf dem sie lebten, und daher eher Eigentum des Reiches waren. Die letzten Lutun soll es bis 1940 gegeben haben. Die Ata waren zumeist Menschen aus Nachbarreichen, die bei Raubzügen gefangen genommen wurden. Solche waren Alltag im alten Timor, weswegen Sklaven auch immer damit rechnen konnten, wieder befreit zu werden. Daher stieg der Anteil der Ata-Bevölkerung auch nicht mit der Zeit an. Auch wer in Armut geriet und sich nicht selbst ernähren konnte, wie Waisen und Witwen, konnte zu einem Lutun oder Ata werden. Ebenso konnte man nach einer Straftat oder durch Geburt Mitglied der untersten Schicht werden, wobei in der Regel Abkömmlinge in der zweiten oder dritten Generation in die Freiheit entlassen wurden. Trotz des niedrigen Status waren Ata und Lutun Teil der menschlichen Gesellschaft und wurden im Allgemeinen gut behandelt. Sie hatten einen gewissen Grad an Bewegungsfreiheit und konnten zum Beispiel auch nebenbei Handel und eigene Landwirtschaft betreiben. Wenn sie sich selbst versorgen konnten, hatten sie die Möglichkeit, ihre Herren um die Entlassung in die Freiheit zu bitten. Selbst Einheiraten in die Familie des Liurais war möglich – ein Grund, weswegen die timoresischen Ethnien trotz ihrer sehr unterschiedlichen Herkunft sich stark untereinander vermischt haben und sich kulturell sehr nahestehen. Im dünn besiedelten Timor richtete der Ruhm und der Reichtum eines Liurais sich nicht nach der Landesfläche, die er beherrschte, sondern nach der Anzahl seiner Untergebenen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Família de um Chefe.jpg|mini|Familie eines Liurais in Portugiesisch-Timor]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich eines Liurais unterteilte sich in [[Verwaltungsgliederung Osttimors#Sucos und Aldeias|Sucos]], die jeweils aus drei bis 20 Siedlungen bestanden und von einem &amp;#039;&amp;#039;Dato&amp;#039;&amp;#039; (in niederländischen Quellen: &amp;#039;&amp;#039;temukung&amp;#039;&amp;#039;)&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hans&amp;quot;/&amp;gt; regiert wurden. Diese Siedlungen bildeten aber keine geschlossenen Dörfer, sondern waren weit auseinander gezogene Weiler. Grund dafür ist die zerklüftete Geographie der Insel.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die einzelnen Reiche waren in eine rituelle Hierarchie strukturiert. An erster Stelle stand die „Maromak Oan“ (das Kind Gottes), die (nur symbolisch) das Weibliche und Inaktive darstellte und in Wehale residierte. Der dortige Liurai verkörperte die männliche und aktive Seite. Ihm untergestellt waren die Liurai von [[Sonba’i]] (Westtimor) und Likusaen (heute: [[Liquiçá (Verwaltungsamt)|Liquiçá]], Osttimor). Die Liurai von Wehale, Sonba’i und Likusaen galten als „Söhne“ der Maromak Oan. Andere Erzählungen nennen [[Reich von Luca|Luca]] statt Likusaen das dritte Reich. Den drei Reichen waren die anderen nominell untergeordnet. Daraus ergab sich keine wirkliche Macht, aber das Prestige der drei Herrscher konnte die Bildung von Bündnissen unterstützen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hans&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16903 - Aleixo Corte Real de Ainaro com chefes locais e António Magno.jpg|mini|Liurais in Aileu (1938)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im rituellen Status stand über dem Liurai in der Hierarchie von Wehale die „Maromak Oan“ (das Kind Gottes). Während der Liurai die männliche und aktive Seite verkörperte, stellte die Maromak Oan (nur symbolisch) das Weibliche und Inaktive dar. Der Legende nach hatte die Maromak Oan drei Söhne: Liurai (etwa „aus der Erde hervorragend“), Sonba’i und den Vorfahren des Herrschers von Likusaen (heute: Liquiçá). Sonba’i herrschte im Westen Timors, das die Portugiesen [[Servião]] nannten, die Holländer Zerviaen oder Sorbian. Liurai gründete Wehale im Zentrum der Insel und der Osten wurde von Likusaen beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Herkunft der Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Liurai&amp;#039;&amp;#039; gibt es verschiedene Theorien. Eine geht davon aus, dass es sich vom [[Javanische Sprache|javanischen]] Wort &amp;#039;&amp;#039;lurah&amp;#039;&amp;#039; (Distriktschef) oder dem Adelstitel &amp;#039;&amp;#039;larah&amp;#039;&amp;#039; aus [[Sumatra]] ableitet. Wahrscheinlicher ist eine Herkunft aus Tetum, der [[Lingua Franca]] Mittel- und Osttimors. &amp;#039;&amp;#039;Rai&amp;#039;&amp;#039; bedeutet &amp;#039;&amp;#039;Land&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Liu&amp;#039;&amp;#039; heißt &amp;#039;&amp;#039;mehr&amp;#039;&amp;#039;, könnte sich aber auch aus dem Tetumwort &amp;#039;&amp;#039;Leo&amp;#039;&amp;#039; für &amp;#039;&amp;#039;Ort&amp;#039;&amp;#039; ableiten. &amp;#039;&amp;#039;Dato&amp;#039;&amp;#039; lässt sich zwar auch dem Tetum zuordnen, stammt aber aus dem [[Malaiische Sprache|Malaiischen]], wo es &amp;#039;&amp;#039;Oberhaupt eines Archipels&amp;#039;&amp;#039; bedeutet. Auch &amp;#039;&amp;#039;Suco&amp;#039;&amp;#039; ist malaiischen Ursprungs mit der Bedeutung &amp;#039;&amp;#039;Viertel, Stammesverband&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Clan&amp;#039;&amp;#039;. Daraus ergibt sich der Schluss, dass das Gesellschaftssystem aus dem Westen des [[Malaiischer Archipel|Malaiischen Archipels]] stammt und hier durch Einwanderer eingeführt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;/&amp;gt; Tatsächlich sollen die Tetum nach mündlichen Erzählungen erst im 14. Jahrhundert von [[Malakka]] nach Timor eingewandert sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Selbst während der Kolonialzeit unter [[Portugal|Portugiesen]] und [[Niederlande|Niederländern]] beherrschten Liurais in einer großen Anzahl von kleinen Reichen die Insel. Die koloniale Verwaltung wurde über diese regionalen Herrscher nur schwach ausgeübt, indem man sie zu tributpflichtigen Bündnissen mit der Kolonialmacht bewegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Osttimor ===&lt;br /&gt;
[[Datei:16900 - Timor-Chefes tradicionais e suas esposas ( e um labáric).jpg|mini|Timoresische Herrscher mit ihren Frauen (ca. 1938)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1702 vergaben die [[Liste der Gouverneure von Portugiesisch-Timor|portugiesischen Gouverneure]] den Liurais den militärischen Rang eines Coronel (Oberst) – eine Tradition, die bis zum Ende der portugiesischen Kolonialzeit auf Timor 1975 fortgeführt wurde. Treudienenden Liurais wurden hohe Titel und Orden verliehen, als Anrede verwendete man den adligen Ehrentitel &amp;#039;&amp;#039;[[Don (Anrede)|Dom]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;/&amp;gt; Der portugiesische Name, den die adligen Familien bei der christlichen Taufe annahmen, wurde zu einer Insigne der Herrschaft, selbst wenn der jeweilige Liurai bereits wieder dem alten Glauben huldigte.&amp;lt;ref&amp;gt;Davidson 1994, S. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte Portugal die Kontrolle über die Kleinkönige zu verstärken, doch erst nach den [[Rebellionen in Portugiesisch-Timor (1860–1912)|Rebellionen zwischen 1861 und 1912]] wurde die Macht der Liurais gebrochen. Die einzelnen Sucos, die Verwaltungseinheiten innerhalb der Reiche, wurden der Herrschaft der Liurais entzogen und die Liurais den Militärkommandanten unterstellt. Die Kinder der Liurais wurden auf katholischen Schulen europäisch erzogen. Die Sucos, sowohl die Unabhängigen wie die noch in Reichen verbundenen, überlebten als grundlegende politische Zelle bis zu heutigen Zeiten. &amp;#039;&amp;#039;Liurai&amp;#039;&amp;#039; wurde nun das Oberhaupt des Suco genannt, welches die größte Macht in seinem Gebiet innehatte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Beginn der Entkolonisierung 1974/75 gründete sich die [[Klibur Oan Timor Asuwain|Klibur Oan Timor Asuwain (KOTA)]] als monarchistische Partei der Liurais. Die Kolonialmacht [[Portugal]] erkannte sie nicht als Partei an, da sie zu wenig Anhänger hatte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PPG1&amp;quot;&amp;gt;[[Pat Walsh (Anwalt)|Pat Walsh]]: &amp;#039;&amp;#039;East Timor’s Political Parties and Groupings. Briefing Notes.&amp;#039;&amp;#039; Australian Council for Overseas Aid, 2001, (Complete Text, englisch. [http://members.pcug.org.au/~wildwood/01apracfoa2.htm online]).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die KOTA sprach sich für ein indirektes Wahlsystem aus, in dem jeder Stamm einen Chef aus den Männern einer Erblinie bestimmen könnte. Diese Chefs sollten dann aus ihren Reihen die Repräsentanten für das Parlament wählen und diese wiederum den König. Die meisten ausländischen Beobachter sind der Meinung, dass die KOTA niemals die Chance gehabt hätte, damit in der Bevölkerung Zustimmung zu gewinnen, nur der Journalist Bill Nichol glaubt, dass sie durchaus mit diesen Ideen die Mehrheit hätte gewinnen können, wenn sie sich selbst nicht als so inkompetent dargestellt und Werbezeit im Radio bekommen hätte. Am 26. Januar 1975 stellte die KOTA eine Wahlkampagne in [[Dili]] mit 10.000 Teilnehmern auf die Beine. 1999, als sich ein Ende der indonesischen Besetzung andeutete, diskutierte man Ideen von Selbstregierung bis hin zur Selbstbestimmung bei Wirtschaft und Verteidigung oder die Einrichtung eines &amp;#039;&amp;#039;Senats der Liurais&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kammen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat der Liurai praktisch weder politische noch administrative Macht, er wird aber immer noch von der timoresischen Bevölkerung mit Respekt und Ehrerbietung behandelt. Mehrere osttimoresische Politiker entstammen Liurai-Familien. Die [[Partido do Povo de Timor]] und die KOTA werden von ihnen besonders gestützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Westtimor ===&lt;br /&gt;
Erst 1916 wurden die letzten Liurais in Westtimor von den Niederländern zur Raison gebracht. Sonba’i konnte sogar seine Unabhängigkeit bis 1906 bewahren. In der Kolonialverwaltung behielten die hier &amp;#039;&amp;#039;Rajas&amp;#039;&amp;#039; genannten Kleinkönige sogar weiter einen gewissen Einfluss. Einige Reiche wurden zu einer &amp;#039;&amp;#039;zelfbesturend landschap&amp;#039;&amp;#039; (selbstregierendes Gebiet).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach der Unabhängigkeit Indonesiens behielten die Herrscher in ihren selbstregierenden Territorien &amp;#039;&amp;#039;(Swapraja)&amp;#039;&amp;#039; eine Führungsposition. Doch bis 1962 wurde auch diese Form der Monarchie von der Zentralregierung durch eine republikanische Verwaltungsform ersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anzahl der Liurais ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Timor 1700.png|mini|Timor und Nachbarinseln im 17. und 18. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Datei:16924 - Vida familiar e vida social.jpg|mini|Vertreter der Reiche [[Bemutin]], [[Atabae]], [[Balibo (Verwaltungsamt)|Balibo]], [[Leolima (Balibo)|Leolima]], [[Irlelo]], [[Cowa]] und [[Batugade (Suco)|Batugade]] (um 1940)]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bekannte Orte und Sucos sind verlinkt, auch wenn es noch keine Artikel dazu gibt. Vergleiche die Namen mit „Liste der Sucos Osttimors“ --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine portugiesische Quelle von 1769 zählt die Reiche der östlichen Provinz [[Belu]] auf: Lamaquine, Lanqueiroz, [[Balibo (Verwaltungsamt)|Balibo]], Saneré, Simião, Baibao, [[Liquiçá (Verwaltungsamt)|Liquiçá]] (&amp;#039;&amp;#039;Liquisa&amp;#039;&amp;#039;), Mahere, Fatuboro, Roadelle, Atossabe, [[Motael]], Genovatte, Eramira, Sicas, [[Camenaça|Camanassa]], [[Alas (Verwaltungsamt)|Allas]], Ramião, Humallara (&amp;#039;&amp;#039;Uma Laran&amp;#039;&amp;#039;), Cloco, [[Bubussuso|Bibisuso]], Tirismonte (&amp;#039;&amp;#039;Tiro-Mauta&amp;#039;&amp;#039;), Titiluro, [[Bibiluto]], [[Reich von Luca|Luca]] (&amp;#039;&amp;#039;Luc&amp;#039;&amp;#039;), Corni, Loculata, [[Dilor]] (&amp;#039;&amp;#039;Daslor&amp;#039;&amp;#039;), [[Viqueque (Verwaltungsamt)|Viqueque]] (&amp;#039;&amp;#039;Biquaque&amp;#039;&amp;#039;), [[Samoro]], Dotte, [[Dili]] (&amp;#039;&amp;#039;Dille&amp;#039;&amp;#039;), [[Manatuto (Verwaltungsamt)|Manatuto]], Sifoi, Licoré, Lalupa, [[Vemasse (Verwaltungsamt)|Vemasse]], Tatoso, [[Sarau (Osttimor)|Sarau]], [[Hera (Cristo Rei)|Hera]], [[Matarufa]] und [[Maubara (Verwaltungsamt)|Maubará]] (&amp;#039;&amp;#039;Maubere&amp;#039;&amp;#039;).&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Hägerdal: &amp;#039;&amp;#039;Servião and Belu: Colonial conceptions and the geographical partition of Timor.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Studies on Asia.&amp;#039;&amp;#039; Series 3, Bd. 3, Nr. 1, 2006, S. 49–64, ([https://castle.eiu.edu/studiesonasia/documents/seriesIII/Vol%203%20No%201/3_3_1Hagerdal.pdf Digitalisat (PDF; 337,64 kB)]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Frankreich|französische]] Forschungsreisende [[Louis de Freycinet]], der 1800 Timor besuchte, verfasste eine Liste der Königreiche auf der Insel der letzten 200 Jahre. Demnach standen 23 unter portugiesischer Hoheit, 24 waren Portugal tributpflichtig und 18 mit ihm verbündet. Im niederländischen Herrschaftsgebiet werden nur fünf Reiche aufgeführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://pascal.iseg.utl.pt/~cesa/History_of_Timor.pdf |wayback=20090324213447 |text=&amp;#039;&amp;#039;History of Timor.&amp;#039;&amp;#039;}} (PDF; 824&amp;amp;nbsp;kB).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein anderes Bild liefert eine portugiesische Liste von 1811. Sie zählt insgesamt 62 Herrschaftsgebiete auf Timor (16 im Westen und 46 im Osten) auf, die von einem &amp;#039;&amp;#039;Dato&amp;#039;&amp;#039; oder Liurai regiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Liste von [[Afonso de Castro]] (Gouverneur von Portugiesisch-Timor 1859–1863) aus dem Jahre 1868 führt 47 Reiche auf, die zu [[Portugiesisch-Timor]] gehörten: [[Alas (Verwaltungsamt)|Alas]], [[Atsabe (Verwaltungsamt)|Atsabe]], [[Bibiluto]], Bibico, [[Barique]], [[Balibo (Verwaltungsamt)|Balibo]], [[Buibau]], [[Bubussuso|Bibissuço]], [[Cairui]], [[Caimau]], [[Cailaco]], [[Cowa]], [[Aidabaleten|Tutubaba]] (Cotubabe, Cutubaba), [[Deribate|Diribate]], [[Dailor]], Dóte, [[Failacôr]], [[Faturó]], [[Fatumartó]], Foulão, [[Funar]], [[Hera (Cristo Rei)|Hera]], [[Ermera (Verwaltungsamt)|Ermera]] (Hermera), [[Laclo (Verwaltungsamt)|Laclo]], [[Laleia (Verwaltungsamt)|Laleia]], [[Laicore]], [[Lacluta (Verwaltungsamt)|Lacluta]], [[Leimea]] (Limian), [[Liquiçá (Verwaltungsamt)|Liquiçá]], [[Laclubar (Verwaltungsamt)|Laclubar]], [[Reich von Luca|Luca]], [[Manatuto (Verwaltungsamt)|Manatuto]], [[Motael]], [[Manufahi]], [[Mau-Ubo|Mahubo]], [[Maubara (Verwaltungsamt)|Maubara]], [[Raimea|Raemean]], [[Sarau (Osttimor)|Sarau]], [[Suai (Verwaltungsamt)|Suai]], [[Samoro]], [[Sanirin]], [[Turiscai (Verwaltungsamt)|Turiscai]], [[Tutuluro]], [[Ulmera]], [[Venilale (Verwaltungsamt)|Venilale]], [[Viqueque (Verwaltungsamt)|Viqueque]] und [[Vemasse (Verwaltungsamt)|Vemasse]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://oecussi.no.sapo.pt/HistoriaTimor.htm |wayback=20011113185808 |text=TIMOR LORO SAE, Um pouco de história}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.geocities.com/CapitolHill/Rotunda/2209/East_Timor.html | wayback=20040221185550 | text=Portuguese Dependency of East Timor}}.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Naturforscher [[Henry Ogg Forbes]] zählte 1880 nur 37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Erhebung von 1910 betrug die Anzahl der Portugal loyalen Reiche nun 73 oder 75. Einige Quellen sprechen auch von um die hundert Kleinreiche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;HoT&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich lässt sich die Anzahl nicht genau festschreiben, da sie sich ständig aufgrund von Kriegen, Zusammenschlüssen und Abspaltungen änderte und manche anderen untergeordnet waren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Schlicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bekannte Liurais ==&lt;br /&gt;
* [[Aleixo Corte-Real]], Liurai von [[Ainaro (Gemeinde)|Ainaro]] aus [[Soro (Ainaro)|Soro]]&lt;br /&gt;
* [[Boaventura (Liurai)|Boaventura]], Liurai von [[Manufahi]]&lt;br /&gt;
* [[Guilherme Maria Gonçalves]], Koronel bote von [[Atsabe (Verwaltungsamt)|Atsabe]]&lt;br /&gt;
* [[Francisco Ruas Hornay]]&lt;br /&gt;
* [[Nai-Cau]], der &amp;#039;&amp;#039;Verräter-Liurai&amp;#039;&amp;#039; von Soro&lt;br /&gt;
* [[Gaspar Correia da Silva Nunes]], Liurai von Maubara&lt;br /&gt;
* [[Manuel dos Remédios]], Liurai von Laleia&lt;br /&gt;
* [[Siprianu]], Koronel bote von Atsabe&lt;br /&gt;
* [[Aquiles Freitas Soares]], Liurai von [[Letemumo]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Geschichte Osttimors]]&lt;br /&gt;
* [[Rebellionen in Portugiesisch-Timor (1860–1912)]]&lt;br /&gt;
* [[Malaiische Anreden und Ehrentitel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Henk G. Schulte Nordholt: &amp;#039;&amp;#039;The Political System of the Atoni of Timor&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde.&amp;#039;&amp;#039; 60). Nijhoff, Den Haag 1971, ISBN 90-247-5137-3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv | url=http://royaltimor.com/ | wayback=20110207120006 | text=Royal Timor}} (englisch): Adelsgeschlechter in Westtimor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur (Osttimor)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herrschertitel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herrscher (Portugiesisch-Timor)|!]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;J. Patrick Fischer</name></author>
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