<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Linkes_Rheinufer</id>
	<title>Linkes Rheinufer - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Linkes_Rheinufer"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Linkes_Rheinufer&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-08T10:47:12Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Linkes_Rheinufer&amp;diff=1153472&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;SchlurcherBot: Bot: http → https</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Linkes_Rheinufer&amp;diff=1153472&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2025-10-05T02:32:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:LR Departements.png|mini|Die linksrheinischen Departements 1812]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Map administrative divisions of the First French Empire 1812-de.svg|mini|hochkant=2.0|Frankreich in den Grenzen von 1812]]&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Linkes Rheinufer&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird allgemein das [[orographisch links und rechts|orographisch]] [[Linksrheinisch|links]] des Rheins angrenzende Gebiet bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Besonderen wird diese Bezeichnung ({{FrS|&amp;#039;&amp;#039;Rive gauche du Rhin&amp;#039;&amp;#039;}})&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Recueil des réglemens et arrêtés émanés du Commissaire du Gouvernement dans les Quatre Nouveaux Départemens de la Rive Gauche du Rhin&amp;#039;&amp;#039; ([http://books.google.de/books?id=EUJHAAAAcAAJ&amp;amp;dq=%22Rive%20gauche%20du%20Rhin%22&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PP6 Google Books]; französisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; für jenes Gebiet im Westen Deutschlands verwendet, das von [[Erste Französische Republik|Frankreich]] im [[Erster Koalitionskrieg|Ersten Koalitionskrieg]] erobert und [[Annexion|annektiert]] wurde. Da der Versuch zur Schaffung einer [[Cisrhenanische Republik|Cisrhenanischen Republik]] scheiterte, wurden die [[linksrheinisch]]en Gebiete nach französischem Vorbild in [[Département]]s reorganisiert. Nach Siegen der Alliierten über [[Napoleon Bonaparte|Napoleon]] ([[Völkerschlacht bei Leipzig]] im Oktober 1813, [[Befreiungskriege#Feldzug 1814|Besetzung von Paris am 31. März 1814]]) waren die Gebiete des linken Rheinufers befreit und wurden vom [[Zentralverwaltungsdepartement]] provisorisch verwaltet. Aus einem Teil des Territoriums wurden 1816 der bayerische [[Rheinkreis]] (Rheinpfalz) und die hessische Provinz [[Rheinhessen (Provinz)|Rheinhessen]] gebildet. Die nördlich davon liegenden Gebiete kamen zu [[Preußen]] und gehörten zunächst den beiden Provinzen [[Provinz Jülich-Kleve-Berg|Jülich-Kleve-Berg]] und [[Provinz Großherzogtum Niederrhein|Großherzogtum Niederrhein]] an, aus denen 1822 die [[Rheinprovinz]] entstand. Die südlich gelegenen linksrheinischen Gebiete, die bereits im 17.&amp;amp;nbsp;und 18. Jahrhundert [[Reunionspolitik|an Frankreich gefallen waren]], kamen hingegen erst [[Deutsch-Französischer Krieg|1871]] als [[Reichsland Elsaß-Lothringen]] wieder unter deutsche Verwaltung und bleiben dies bis zum Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwaltungsstruktur ==&lt;br /&gt;
Im Spätherbst 1794 hatten [[Erster Koalitionskrieg#Feldzug von 1794|französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer besetzt]]. Im Mai 1796 wurde das Gebiet in zwei Generaldirektionen eingeteilt. Die Generaldirektion zu [[Koblenz]] wurde zuständig für die Länder zwischen [[Maas]] und [[Mosel]], einschließlich des [[Kurtrier|Kurfürstentums Trier]] auf beiden Ufern der Mosel, die zu [[Aachen]] für die Länder zwischen [[Rhein]] und Maas.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Landschaftsverband Rheinland]]: [https://www.rheinische-geschichte.lvr.de Portal Rheinische Geschichte – 1794 bis 1815].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Annexion]] wurde im [[Frieden von Campo Formio]] (1797) vorbereitet und im [[Friede von Lunéville|Frieden von Lunéville]] (1801) völkerrechtlich anerkannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon während der Besatzungszeit gab es Versuche, eine neue zivile Verwaltung aufzubauen. Allerdings kam es zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen militärischen und zivilen Stellen, so dass keine geordnete Verwaltung möglich war. 1797 löste das Direktorium daraufhin alle französischen Behörden auf und setzte für kurze Zeit wieder die alten Verwaltungsorgane der vorherigen Territorien ein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Peter Ullmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Territoriales Finanzwesen, französische Raubwirtschaft und napoleonisches Finanzsystem im linksrheinischen Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom Band 127&amp;#039;&amp;#039; 2013, S.&amp;amp;nbsp;164.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. November 1797 wurde die Verwaltung des Gebiets nach französischem Vorbild reorganisiert; es wurden vier [[Französische Départements in Mitteleuropa von 1792 bis 1814|Départements]] gebildet. Das [[Direktorium (Frankreich)|Direktorium]] beauftragte den Elsässer [[François Joseph Rudler|Franz-Josef (François-Joseph) Rudler]] mit dieser Aufgabe und ernannte ihn zum „Generalregierungskommissar aller eroberten Länder zwischen Maas und Rhein und Rhein und Mosel“. Rudler war zuvor Richter am [[Kassationshof (Frankreich)|Kassationshof]] in Paris gewesen. Die Einteilung in vier Départements hatte bis zum Ende der [[Franzosenzeit]] und teilweise darüber hinaus Bestand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Département de la Roer]], Rur-Departement (mit Hauptort ([[chef-lieu]]) [[Aachen]]),&lt;br /&gt;
* [[Département de la Sarre]], Saardepartement (mit Hauptort [[Trier]]),&lt;br /&gt;
* [[Département de Rhin-et-Moselle]], Departement Rhein-Mosel (mit Hauptort [[Koblenz]]),&lt;br /&gt;
* [[Département du Mont-Tonnerre]], Departement Donnersberg (mit Hauptort [[Mainz]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Gebiet in der [[Südpfalz]] wurde dem&lt;br /&gt;
* [[Département Bas-Rhin]] (mit Hauptort [[Straßburg]]) zugeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gerichtsorganisation wurde den Verwaltungsstrukturen angepasst. Siehe [[Gerichtsorganisation des Linken Rheinufers]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Veränderungen ==&lt;br /&gt;
Neben der Zentralisierung der Verwaltung nach französischem Vorbild wurden auch die übrigen in Frankreich geltenden Gesetze eingeführt. Dazu gehörte die Aufhebung aller [[Ständegesellschaft|ständischen]] Privilegien, die Herstellung der bürgerlichen [[Gleichheit]], die Etablierung einer neuen Gerichtsordnung und die Einführung des [[Code civil]]. Der geistliche Besitz [[Säkularisation#Linksrheinische Départements Deutschlands 1802|wurde säkularisiert]]. Damit verbunden war eine fundamentale Umschichtung der gesamten Besitz- und Vermögensverhältnisse. Rechtliche Grundlage dieser [[Enteignung]] war eine französische Verordnung, der Konsularbeschluss vom 9. Juni 1802 („Arrêté des Consuls“).&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Fabianek: &amp;#039;&amp;#039;Folgen der Säkularisierung für die Klöster im Rheinland – Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und Kornelimünster.&amp;#039;&amp;#039; Verlag BoD, 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3, S.&amp;amp;nbsp;12 und Anlage (Verordnung „Arrêté portant suppression des ordres monastiques et congrégations régulières dans les départemens de la Sarre, de la Roër, de Rhin-et-Moselle et du Mont-Tonnerre“).&amp;lt;/ref&amp;gt; Davon profitierte in erster Linie das [[Bürgertum]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weniger erfolgreich war der Bereich der Bildungspolitik. Anstatt einer Reform der Universitäten setzte die französische Verwaltung auf die Etablierung von spezialisierten Fachschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik kam von kirchlich beeinflussten Kreisen, aber zur Zeit Napoleons auch von ehemaligen deutschen [[Jakobiner]]n. Während die einen die Verweltlichung beklagten, kritisierten die anderen die Unterdrückung der Freiheit. Ein Beispiel für einen dieser Kritiker ist der ehemalige Mönch [[Franz Theodor Biergans]]. Er agierte nach seiner Abkehr vom klösterlichen Leben im [[Kloster Schwarzenbroich]] (bei [[Düren]]) als Jakobiner in Köln, wo er als Anhänger der französischen Revolutionsideale Kirche und Feudalherren deutlich kritisierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Fabianek, &amp;#039;&amp;#039;Folgen der Säkularisierung für die Klöster im Rheinland – Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und Kornelimünster&amp;#039;&amp;#039;, 2012, Verlag BoD, ISBN 978-3-8482-1795-3, S.&amp;amp;nbsp;17–20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der gesamten Bevölkerung war der Unmut über die [[Levée en masse|Militärdienstpflicht]] weit verbreitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Braubach: &amp;#039;&amp;#039;Von der französischen Revolution bis zum Wiener Kongress&amp;#039;&amp;#039;. München, 1974 S.&amp;amp;nbsp;88&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wohlhabende konnten sich von dieser Pflicht freikaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche Organisation ==&lt;br /&gt;
Die Besatzungsjahre von 1794 bis 1797 waren von einer Ausbeutung der besetzten Gebiete geprägt. Die Besatzer nahmen wenig Rücksicht auf den Erhalt der wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit und forderten (wie später auch [[Napoleon]]) [[Kontribution]]en. Dabei ging es zunächst um die Unterhaltung der [[Armée de Sambre-et-Meuse|Maas-]] und der [[Armée de la Moselle|Mosel-Armee]]. Es kam sowohl zu unkoordinierten [[Requisition]]en auf Anweisung einzelner Militärbefehlshaber als auch zu öffentlich ausgeschriebenen Verfahren dieser Art. Betroffen waren in erster Linie [[Staatsdomäne|Domänen]] vertriebener oder geflüchteter Fürsten, das Vermögen der Kirche und von Klöstern sowie das von französischen Emigranten. Dies umfasste nicht nur die Wegnahme beweglichen Besitzes, insbesondere Pferde, Vieh, Futter, Nahrungsmittel und Brennholz, sondern auch [[Zwangsarbeit]] für den Bedarf der französischen Armee. Formal bestand zunächst das Steuersystem der früheren Territorien des Gebiets weiter.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Peter Ullmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Territoriales Finanzwesen, französische Raubwirtschaft und napoleonisches Finanzsystem im linksrheinischen Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom Band 127&amp;#039;&amp;#039; 2013, S.&amp;amp;nbsp;163&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der 1798 beginnenden Integration in die französische Staatsorganisation&amp;lt;ref&amp;gt;Am 1. Mai 1798 wurde im von Frankreich besetzten linken Rheinufer [[1798#Deutschland/Frankreich|das staatliche Personenstandswesen eingeführt]]&amp;lt;/ref&amp;gt; stieg die Steuerlast deutlich an. Dies führte zu breit angelegter Steuerhinterziehung und vor allem Schmuggel über den Rhein als neuer [[Zollgrenze]] hinweg. Dessen Akteure waren vor allem Mitglieder der ländlichen Unterschichten. Von Kaufleuten und Unternehmern wurde das rechtssichere französische Steuersystem hingegen als vorteilhaft sowohl gegenüber der Willkür der Besatzungsjahre als auch gegenüber dem komplizierten und von Ausnahmen für Adel und Klerus geprägten Handhabung im Alten Reich eingeschätzt. Vorteilhaft für vermögende Schichten waren darüber hinaus eine durchgängig proportionale und nicht [[Steuerprogression|progressive Besteuerung]] und der hohe Anteil [[Indirekte Steuer|indirekter Steuern]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans-Peter Ullmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Territoriales Finanzwesen, französische Raubwirtschaft und napoleonisches Finanzsystem im linksrheinischen Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom Band 127&amp;#039;&amp;#039; 2013, S.&amp;amp;nbsp;168–170.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Recht ==&lt;br /&gt;
Der [[Code civil]] galt am linken Rheinufer lange nach den [[Befreiungskriege]]n bis zum Inkrafttreten des [[Bürgerliches Gesetzbuch|Bürgerlichen Gesetzbuches]] (BGB) am 1. Januar 1900 fort. Aus Gründen der [[Deutsch-französische Erbfeindschaft|Abgrenzung von Frankreich]] wurde er „[[Rheinisches Recht]]“ genannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Verena Peters: &amp;#039;&amp;#039;Der „germanische“ Code civil. Zur Wahrnehmung des Code civil in den Diskussionen der deutschen Öffentlichkeit.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck, Tübingen 2018, S.&amp;amp;nbsp;60, 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Reiner Schulze (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rheinisches Recht und Europäische Rechtsgeschichte.&amp;#039;&amp;#039; Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Juden in den französischen Departements ==&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt folgt der Dissertation von Cilli Kasper-Holtkatte: &amp;#039;&amp;#039;Juden im Aufbruch. Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800&amp;#039;&amp;#039;,&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch. Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800 |Hrsg=Helmut Castritius, Alfred Haverkamp, Pranz Irsigler, Stefi Jersch-Wenzel |Sammelwerk=FORSCHUNGEN ZUR GESCHICHTE DER JUDEN, Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden e.&amp;amp;nbsp;V. |Verlag=Hahnsehe Buchhandlung |Ort=Hannover |Datum=1996 |ISBN=3-7752-5612-1}}&amp;lt;/ref&amp;gt; online verfügbar bei der Universitätsbibliothek Trier.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://ubt.opus.hbz-nrw.de/home |titel=OPUS |werk=Universitätsbibliothek Trier |datum=2023 |sprache=de |abruf=2023-09-22}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lage der Juden in den linksrheinischen Provinzen des „Alten Reichs“ ([[Heiliges Römisches Reich|Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen]]) entsprach derjenigen in ganz Deutschland. Die Juden lebten in einer prekären Existenz, geduldet, aber nicht akzeptiert. Sie wohnten meistens auf dem Land und nicht in der Stadt, sie waren kleine Händler, oft Viehhändler, Hausierer oder Geldverleiher. Sie mussten spezielle Steuern bezahlen und wenn ihr Landesherr in finanziellen Schwierigkeiten war, belegte er sie mit Sonderabgaben. Sie konnten ihre Religion ausüben, aber nur sehr diskret. In der Bevölkerung gab es immer noch eine massive Judenfeindschaft. Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es auch im Reich Bestrebungen der Emanzipation der Juden, wegen der zersplitterten Herrschaften sehr unterschiedlich, das hier relevante Gebiet gehörte nicht zu den fortschrittlichen Fürstentümern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für keine andere Bevölkerungsgruppe des Saar-Mosel-Raumes war die „französische Zeit“ so folgenreich wie für die Juden. Zwar erhielten sie die verfassungsrechtliche Gleichstellung nicht sofort nach 1794, sondern endgültig erst nach 1801. Die verfassungsrechtliche Gleichstellung, die die französischen Juden im Jahre 1791 erhielten, erstreckte sich zunächst nicht auf die besetzten linksrheinischen Gebiete. Gleichwohl sorgte General [[Lazare Hoche]], als oberster Befehlshaber im Rheinland, 1797 dafür, dass allen Religionsgruppen die ungehinderte Religionsausübung garantiert und der [[Leibzoll]] aufgehoben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=192}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben allen Vorteilen gab es auch Probleme für die Juden: Es war nicht klar, wie sie ihre Rabbiner bestimmen konnten, für die früher ein Einverständnis des Landesherrn notwendig war. Nach dem Tod von Marx Levy (1804), dem Rabbiner des vormaligen Obererzstifts Trier, blieb das Trierer Rabbinat für einige Jahre vakant, weil die Judenschaft nicht wusste, auf welche Weise unter den neuen politischen Verhältnissen ein Rabbiner bestimmt und eingesetzt werden durfte.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=196}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Streitpunkt im neuen Regime war die sogenannte Schuldenregulierung. Es ging dabei um Schulden der Juden und jüdischen Gemeinden vor der französischen Annexion. Die Gläubiger bestanden auf der Bezahlung der Schulden, die Juden argumentierten, dass diese Schulden nur dadurch zustande gekommen waren, weil sie, die Juden, so viele Sonderbelastungen tragen mussten, die sie nicht erfüllen konnten. Jakob Simon Oppenheimer vertrat die jüdischen Interessen. Ab 1805 sollten die Juden die Schulden tilgen, wegen völliger Mittellosigkeit konnten viele aber keine Zahlungen leisten. Der Streit zog sich bis 1818 hin, es kamen nur geringe Beträge zusammen. Gerichtliche Streitigkeiten zogen sich bis 1836 hin und wurden dann gerichtlich für beendet erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=236ff}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1806 erließ Napoleon die ersten Dekrete, die die Juden betrafen. Sie nahmen einen Teil der Gleichstellung wieder zurück. Einer der Vorwürfe an die Juden war der [[Wucher]], oft völlig unbegründet; es gab mindestens genauso viele christliche Wucherer.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=258f}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Langfristig bedeutender war die Neuorganisation der Juden: sie sollten 100 Vertreter einer Versammlung („Grand Sanhedrin“) bestimmen, die darüber entscheiden sollten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=261}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wurde die weitgehende Gleichstellung der Juden als Franzosen beschlossen. Sowohl die Zusammensetzung der Versammlung als auch ihre Ergebnisse waren unter den Juden umstritten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=270}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 1808 erließ Napoleon zwei weitere Dekrete, darunter das „Décret Infame“ (berüchtigtes Dekret), welches die Gleichstellung wieder in Frage stellte. Dieses Dekret war als „Sozialreform der Juden“ gedacht und zielte darauf ab, Wucher, Handel und Wehrpflicht von Juden zu regeln. Es war auf 10 Jahre befristet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Juden wurde ein [[Konsistorium|Konsistorialsystem]], wie für die christlichen Kirchen, eingeführt. Napoleon drängte die Juden, sich selbst feste Glaubenssätze (Dogmen) zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=273}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. Juli 1806 trafen die beiden jüdischen Delegierten des [[Saardepartement]]s, Mayer Nathan Bernkastel von Trier und Jeremie Hirsch von Saarbrücken, in Paris zur ersten Versammlung ein.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=279}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 1808 wurden Zahlen zur jüdischen Bevölkerung der linksrheinischen Departments erfasst, im Saardepartement ca. 3000, im Departement Rhein-Mosel ca. 4000, allerdings sind diese Zahlen ungenau, in verschiedenen Dokumenten findet man unterschiedliche Zahlen. Diese Zahlen dienten dazu, die Kosten für die Versammlung in Paris auf die Bevölkerung umzulegen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=285}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. Januar 1809 wurde die Konsistorialversammlung eingesetzt, im März fand die erste Sitzung statt, es dauerte bis 1810 bis alle Gemeinden in der Versammlung vertreten waren.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=298}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst wurden die Aufgaben festgelegt, zusammen mit den Präfekten der Departements.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=306f}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gab Streit über die Abgaben der Juden, außerdem waren die Daten über die jüdischen Gemeinden und ihre Mitglieder lückenhaft. Das Konsistorialdekret vom 17. März 1808 verpflichtete die Juden, die [[Kult]]uskosten ausnahmslos aus ihren eigenen Mitteln zu bestreiten. Dazu gehörten insbesondere die Gehälter der Rabbiner.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=311}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Juden durften Grund erwerben, dies gelang aber nur wenigen. Einerseits waren die meisten zu arm, andererseits gab es immer noch die Vorbehalte, die Juden wären Betrüger, nur „verzehrendes Mitglied des Staates“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=345}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hauptziel des Konsistoriums war die Aufhebung des Décret Infame. Ab 1810 gab es die Möglichkeit, dass einzelne Juden oder Gemeinden davon ausgenommen wurden, dies wurde nur selten bewilligt. Ein Ziel des Décret Infame war, die Juden von ihren angestammten Berufen wie Viehhändler oder Geldverleiher abzubringen und sie zu Handwerkern, Angestellten (französisch: arts et metiers) oder in akademischen Berufen auszubilden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=350}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Décret Infame lief 1818 aus, da es nicht erneuert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ kurze Zeit, in der die Juden unter französischer Herrschaft lebten, hatte großen Einfluss auf sie. Sie waren zum ersten Mal formal gleichberechtigt und lernten, ihre Rechte einzufordern und durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Cilli Kasper-Holtkatte |Titel=Juden im Aufbruch |Seiten=434f}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachliche Relikte der Franzosenzeit ==&lt;br /&gt;
In der [[Franzosenzeit]] flossen viele französische Wörter in die Umgangssprache ein, wie [[Verwandtschaftsbeziehung#Cousin und Cousine|Cousin und Cousine]], Onkel und Tante (statt Oheim und Muhme)&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wir-rheinlaender.lvr.de/rheinland_franzosen/franzoesisch_populaire.htm &amp;#039;&amp;#039;Das Rheinland unter den Franzosen (1794–1813)&amp;#039;&amp;#039;], Webseite im Portal &amp;#039;&amp;#039;wir-rheinlaender.lvr.de&amp;#039;&amp;#039;, abgerufen am 1. Juli 2020.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Plumeau|Plümo (Federbett)]], [[Lausbub|Filou]], Monnie (Geld), [[Gehweg|Drottewaar (Bürgersteig)]] oder auch malaad (von französisch &amp;#039;&amp;#039;malade&amp;#039;&amp;#039; = krank). In Koblenz entstand der Begriff [[Schängel]] (vom französischen Vornamen &amp;#039;&amp;#039;Jean&amp;#039;&amp;#039;); so nannte man (teils abfällig) die von Franzosen abstammenden Kinder deutscher Mütter ([[Besatzungskind]]er). Auch Wörter aus der Verwaltungssprache haben sich – zumindest in einigen Teilen der Pfalz – erhalten, dazu zählen Bolles (Gefängnis, von französisch &amp;#039;&amp;#039;police&amp;#039;&amp;#039;) und Hissje oder Hussje für [[Gerichtsvollzieher]] (von &amp;#039;&amp;#039;huissier&amp;#039;&amp;#039; = Gerichtsdiener).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Linksrheinisch]]&lt;br /&gt;
* [[Rechtsrheinisch]]&lt;br /&gt;
* [[Hanseatische Departements]]&lt;br /&gt;
* [[Franzosenzeit]]&lt;br /&gt;
* [[Koalitionskriege]] (1792 bis 1815)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [[Elisabeth Fehrenbach]]: [http://books.google.de/books?id=5_9Dqp_BOPAC&amp;amp;pg=PA102&amp;amp;lpg=PA102&amp;amp;dq=rheinland+franz%C3%B6sisch++annektiert&amp;amp;source=web&amp;amp;ots=wpQFDXAk9J&amp;amp;sig=BFVdJS_NDipvqz8XolwRz0idbiY&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;oi=book_result&amp;amp;resnum=10&amp;amp;ct=result#PPA48,M1 &amp;#039;&amp;#039;Vom Ancien Régime zum Wiener Kongress&amp;#039;&amp;#039;], S.&amp;amp;nbsp;48&amp;amp;nbsp;ff. über die Annexion des Rheinlandes&lt;br /&gt;
* [http://www.wir-rheinlaender.lvr.de/rheinland_franzosen/1794_1815.htm Landschaftsverband Rheinland: &amp;#039;&amp;#039;Das Rheinland unter den Franzosen 1794–1815&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehemaliges französisches Département|!Linkes Rheinufer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte (Rheinland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte (Kurpfalz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutsch-französische Beziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
	</entry>
</feed>