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	<title>Lebendschach - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Thomas Dresler: Typografie</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Typografie&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Monselice z18.JPG|mini|240px|Lebendes Schachspiel in [[Monselice]] (Italien)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Lebendschach&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist eine seit Jahrhunderten anzutreffende [[Schach#Spezielle Schachformen|Schachform]], bei der [[Schach]] mit lebenden Figuren gespielt wird beziehungsweise [[Schachfigur]]en durch Menschen in [[Kostüm (Darstellende Kunst)|Kostümen]] dargestellt werden. Lebendschach wird häufig im Freien ausgeübt. Partien mit offenem Ausgang sind eher die Ausnahme, meist werden einstudierte Partien aufgeführt. Lebendschach kann im &amp;#039;&amp;#039;Schachballett&amp;#039;&amp;#039; eine unmittelbare Verbindung mit dem [[Tanz]] eingehen. Als Motiv findet es in vielfältigen Formen u.&amp;amp;nbsp;a. in Literatur, Theater, Film und modernen [[Rollenspiel (Spiel)|Rollenspielen]] Verwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Das Schachspiel als Abbild einer Auseinandersetzung zwischen zwei Heeren, als Entscheidung eines Konflikts zweier Gegner im Kampf verknüpfte seit den Anfängen der [[Geschichte des Schachspiels|Schachgeschichte]] den abstrakten Begriff der leblosen Schachfiguren mit Menschen- und Tiergestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lebendschach hat durch verschiedene Zeiten hinweg Reiz ausgeübt und ist oft auch bei Nichtschachspielern auf Interesse gestoßen. Es verbindet das Schach, das sonst spezielle Kenntnis voraussetzt, mit anderen populären kulturellen Ausdrucksformen wie [[Schauspiel]] oder Tanz. Neben Lebendschach sind andere Bezeichnungen wie &amp;#039;&amp;#039;Lebendes Schachspiel&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Lebende Schachpartie&amp;#039;&amp;#039; usw. gebräuchlich. Bei einigen Ausprägungen, etwa als [[Ballett]] oder Rollenspiel, ist eine Beschränkung des Lebendschachs auf die Abbildung einer konkreten Partie und die korrekte Befolgung der Zugregeln nicht zwingend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Begriff zu unterscheiden ist die verbreitete Vorstellung, [[macht]]politische Vorgänge mit einer Schachpartie zu vergleichen, bei der Staaten oder Individuen „wie Schachfiguren“ auf einem imaginären Brett hin- und hergeschoben werden. Die Ausstattung der Kostüme und der Ablauf einer Lebendschachpartie ermöglichen es jedoch, dass auf konkrete historisch-politische oder gesellschaftliche Zustände angespielt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebende Schachpartie ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Bundesarchiv Bild 102-13449, Ströbeck, Lebendes Schachspiel.jpg|mini|180px|Lebendschach in Ströbeck (Aufnahme von 1932)]]&lt;br /&gt;
Im engeren Sinne wird Lebendschach als eine reguläre Schachpartie verstanden, die mit „menschlichen Figuren“ ausgetragen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Partieablauf ===&lt;br /&gt;
Lebendschach kann in geschlossenen Räumen bzw. Sälen aufgeführt werden. Meistens wird jedoch im Freien gespielt, also in einem [[Stadion|Sportstadion]] oder auf städtischen Plätzen. Das [[Spielfeld]], das dem [[Schachbrett]] entspricht, wird auf dem Boden, auf Gras oder Pflaster, markiert (Schachquadrate); anderenfalls wird eine mitgebrachte Unterlage, Plane oder ein [[Teppich]] entrollt. In selteneren Fällen wird auch von in [[Schachbrettmuster]] eingelegten Stein- oder [[Parkett]]fußböden berichtet. Die modernen Aufführungen tragen einen [[Volksfest]]charakter, und sie werden oftmals in größere Veranstaltungen schachlicher oder kultureller Art wie etwa [[Mittelaltermarkt|Mittelaltermärkte]] eingebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernsthafte Partien sind beim Lebendschach selten. Meist werden [[Liste berühmter Schachpartien|bekannte Schachpartien]], wie etwa die [[Unsterbliche Partie]], in [[choreografie]]rter Form nachgespielt. Die Darstellenden, unter denen auch Kinder sein können, müssen von Trainern gezielt vorbereitet werden. Bei aufwendiger gestalteten Aufführungen wurden in Verbindung mit der [[Springer (Schach)|Springerfigur]] früher in manchen Fällen wirkliche [[Hauspferd|Pferde]] eingesetzt. Deren Ausbildung für das lange Ruhigstehen und die Zugbewegungen ist mit besonderen Schwierigkeiten behaftet. Der Aufmarsch der Figuren und das Einnehmen der Ausgangsposition sind gewöhnlich bereits Teil der Darbietung. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Schlagen von Figuren und dem fast regelmäßig vorgesehenen [[Schachmatt|Mattschluss]]. Hierbei müssen die Akteure genau einstudierte Bewegungen vollziehen, um die erwünschte Wirkung beim Betrachter hervorzurufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben einstudierten Partien kommen auch reale Partien in Betracht, bei denen möglichst bekannte Spieler herangezogen werden. Unter den früheren [[Schachweltmeister|Weltmeistern]] beteiligte sich etwa [[José Raúl Capablanca]] mehrfach an solchen Schaukämpfen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Edward Winter (Schachhistoriker)|Edward Winter]]: [https://www.chesshistory.com/winter/winter18.html#4092._Capablanca_and_living_chess &amp;#039;&amp;#039;Capablanca and living chess&amp;#039;&amp;#039;, Chess Notes, Nr. 4092] u.&amp;amp;nbsp;a. mit Fotografien einer Berliner Veranstaltung (1930) mit Capablanca&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Jahr 1933 spielte Capablanca in [[Los Angeles]] eine Lebendschachpartie gegen [[Herman Steiner]], die er brillant gewann.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1266710 Partie Capablanca – Steiner, Los Angeles 1933] (Java)&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Verlierer behauptete jedoch später, der Partieverlauf sei im Voraus abgesprochen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Optionen können den Ablauf attraktiv gestalten. So traten die [[Großmeister (Schach)|Großmeister]] [[Lothar Schmid]] und [[Helmut Pfleger]] 2004 im Rahmen einer größeren Veranstaltung in [[Bamberg]] zu einer Schachpartie gegeneinander an, bei der sich prominente Bürger der Stadt als „Schachfiguren“ zur Verfügung stellten.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.chessbase.com/post/alan-turing Lebendschach in der Alten Hofhaltung in Bamberg]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beispiele: Ströbeck, Marostica und Jávea ===&lt;br /&gt;
Ein häufig erwähntes Beispiel betrifft das [[Schachdorf Ströbeck]]. Das bereits seit 1688 nachgewiesene Spiel mit lebenden Figuren in Kostümen bildet bis heute einen Höhepunkt bei Schach- und Heimatfesten. In historischer Zeit trugen die Teilnehmer Bauerntrachten – die Königsfigur war als [[Schultheiß|Dorfschulze]] gekleidet – und Kostüme, die an die Zeit der [[Kreuzzug|Kreuzritter]] erinnerten.&amp;lt;ref&amp;gt;Renate Krosch: &amp;#039;&amp;#039;1000 Jahre Schachdorf Ströbeck&amp;#039;&amp;#039;. Ströbeck 1994, S. 37; {{Webarchiv | url=http://www.schachmuseum-stroebeck.de/seiten/stroebeck.html | wayback=20150502040338 | text=Schachmuseum Ströbeck}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem wurde eine Schachpartie ursprünglich nur zur Begrüßung eines herausgehobenen Gastes in Ströbeck vorgeführt. Bis heute wird die Tradition von einem Jugend-Schachensemble fortgesetzt, das auf dem Platz am Schachspiel in Ströbeck oder auf Gasttourneen auftritt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Ströbecker Ensemble siehe die Website der {{Webarchiv | url=http://www.gs-lasker.bildung-lsa.de/lebendschach.htm | wayback=20160109022017 | text=Emanuel-Lasker-Grundschule}}; Bilder der [http://www.stroebeck-privat.de/lebendschach.html aktuellen Schachkostüme] (Privatseite von R.&amp;amp;nbsp;Grosche)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige andere europäische Orte pflegen ebenfalls das Lebendschach. International bekannt gemacht hat sich in dieser Hinsicht besonders die norditalienische Stadt [[Marostica]]. In zweijährlichem Abstand wird dort auf dem Schlossplatz eine musikalisch begleitete Schachpartie mit lebenden Personen in mittelalterlichen Kostümen aufgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Aufführung findet jeweils am zweiten September-Wochenende in den geraden Jahren statt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es handelt sich um eine moderne Tradition, die im Jahr 1923 begründet wurde. Angeknüpft wird dabei an einen auf das 15. Jahrhundert zurückgeführten, anscheinend fiktiven Schachkampf, den zwei männliche Rivalen um die Hand der Tochter des Stadtvogts austragen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1996 wird in der spanischen Stadt [[Xàbia|Jávea]] in der [[Valencia (Region)|Region Valencia]] ebenfalls alljährlich ein farbenfrohes Lebendschach-Schauspiel dargeboten. Wie in Marostica werden beachtliche Zuschauerzahlen erreicht. Als Veranstaltung, die sich bewusst an auswärtige Besucher richtet, erfüllt Lebendschach damit in den genannten Fällen den Zweck einer [[Tourismus|touristischen]] Attraktion. In Jávea wurde das Lebendschach-Festival im November 2007 darüber hinaus mit einem konventionell ausgetragenen Meisterturnier verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lebendschach in Asien ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Tendo Ningen Shogi.jpg|mini|Lebendes Shōgi-Spiel in Tendō]]&lt;br /&gt;
Auch im asiatischen Raum fand Lebendschach Eingang, wobei auf einheimische [[Schachvariante]]n zurückgegriffen wird. Das chinesische Schachspiel ([[Xiangqi]]) wie das japanische [[Shōgi]] benutzen anstelle von Figuren beschriftete Spielsteine. Deshalb tragen die Teilnehmer am Lebendschach in der Regel Plakate oder Stangen mit Schildern, damit die Bezeichnungen sichtbar sind. In der Stadt [[Tendō]], die in Japan für ihre Shōgi-Spielsteine berühmt ist, gibt es alljährlich zum [[Hanami|Kirschblütenfest]] eine Lebende Schachpartie in festlichem Rahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Tradition existiert in [[Vietnam]], wo auf größeren Dorffesten häufig Lebendschach-Veranstaltungen organisiert werden. Das vietnamesische Lebendschach ist den Regeln des chinesischen Xiangqi angepasst. Die Schachgegner sitzen auf erhöhten Podesten hinter dem Spielfeld, während die Teammitglieder Gelegenheit erhalten, bei den Zugbewegungen und speziell beim Schlagen von gegnerischen Steinen ihre [[Kampfkunst]]-Techniken zu demonstrieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Lebendschach wird als touristische Attraktion  beworben, [http://www.vietnam-beauty.com/vietnamese-culture/vietnam-culture-value/13-vietnam-culture-value/263-human-chess-in-vietnam-.html „Human Chess in Vietnam“]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichtliche Entwicklung ==&lt;br /&gt;
Von Schach als dem Abbild des Kampfes ist es kein weiter gedanklicher Sprung zu der Idee, Schachfiguren zu [[Personifikation|personifizieren]]. Historisch gesehen steht das Lebendschach bereits auf dem Boden des mittelalterlichen europäischen Schachspiels. Im [[Mittelalter]] war der [[Allegorie|allegorische]] Bezug des Schachs zur gesellschaftlichen Realität stets gegenwärtig. So werden in vielen Texten, angeführt von der verbreiteten Schrift des [[Jacobus de Cessolis]], Schachfiguren menschliche Eigenschaften zuerkannt. In der Ordnung des Schachs schien sich zudem die [[Ständeordnung|ständische Ordnung]] der Gesellschaft widerzuspiegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Lebende Schachpartien vor dem 15. Jahrhundert veranstaltet wurden, ist ungewiss. Eine Überlieferung besagt, ein türkischer [[Sultan]] habe so gespielt, dass jede geschlagene Figur den Händen des Henkers überantwortet worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans Ferdinand Maßmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des mittelalterlichen, vorzugsweise des deutschen Schachspieles&amp;#039;&amp;#039;, Quedlinburg 1839, S.&amp;amp;nbsp;84f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wohl ebenso ins Reich der Legende gehören Geschichten, grausame spanische Inquisitoren oder Zar [[Iwan IV. (Russland)|Iwan der Schreckliche]] hätten um das Leben von wirklichen Menschen spielen lassen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;gyzicki&amp;quot;&amp;gt;Jerzy Giżycki: &amp;#039;&amp;#039;Schach zu allen Zeiten&amp;#039;&amp;#039;, Stauffacher-Verlag, Zürich 1967, S. 205–220.&amp;lt;/ref&amp;gt; Soviel steht fest, dass in Verbindung mit dem Schach das Todesmotiv, das „Spiel um Leben oder Tod“, seit jeher eine Faszination auf die menschliche Vorstellungskraft ausgeübt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee lebendiger Schachfiguren geht außerdem auf den mittelalterlichen Mythos zurück. In den [[Artus|Artus-Erzählungen]] kommen Zauberschachspiele vor, deren Figuren wie von Geisterhand bewegt werden. Der Schachhistoriker Murray leitet diese Textstellen von einem keltischen Vorläufer ab. In der Erzählung um [[Peredur]] aus dem Umkreis des [[Mabinogion]] schaut der Held einer Partie des (vielleicht mit [[Hnefatafl]] identischen) Brettspiels &amp;#039;&amp;#039;[[Fidchell|gwyddbwyll]]&amp;#039;&amp;#039; zu, dessen Spielsteine von selbst ziehen. Nach dem Ende stoßen die Figuren der siegreichen Seite einen Schrei aus, als wären sie Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;H. J. R. Murray: &amp;#039;&amp;#039;A History of Chess&amp;#039;&amp;#039;, Oxford University Press, 1913 (Reprint-Ausgabe 2002), S.&amp;amp;nbsp;745ff. ISBN 0-19-827403-3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lebendschach als Traum: Hypnerotomachia Poliphili ===&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Bericht zum Lebendschach datiert auf das Jahr 1467, als [[Francesco Colonna]] (dahinter verbarg sich möglicherweise ein [[Pseudonym]]) eine [[Mystik|mystische]] Erzählung verfasste. Eine Passage des Werkes schildert einen Traum, in dem eine Partie mit lebendigen Gestalten unter Musikbegleitung auf einem großen Schachbrett ausgetragen wird. Darin werden teilweise die Spielzüge und regelrechte [[Taktik (Schach)|taktische]] und [[Strategie (Schach)|strategische]] Überlegungen der Gegner beschrieben. Der Text wurde 1499 in einem [[Latein|latinisierten]] [[Italienische Sprache|Italienisch]] unter dem Titel&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;[[Hypnerotomachia Poliphili]]&amp;#039;&amp;#039; (wörtlich: Traumliebeskampf des Poliphilus) veröffentlicht und ins Französische und Englische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Original werden noch die mittelalterlichen Zugregeln zugrunde gelegt – so springt der als &amp;#039;&amp;#039;Secretario&amp;#039;&amp;#039; bezeichnete [[Läufer (Schach)|Läufer]] diagonal ins übernächste Feld,&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://mitpress.mit.edu/e-books/HP/hyp120.htm | archive-is=20120716141102 | text=&amp;#039;&amp;#039;Hypnerotomachia Poliphili&amp;#039;&amp;#039;, Kapitel 10, S. 120}}; van der Linde&amp;lt;/ref&amp;gt; wie es der Zugweise des ursprünglichen [[Alfil]] entsprach –, während in den Übersetzungen die Bewegungen von [[Dame (Schach)|Dame]] und Läufer nach den in der Zwischenzeit [[Geschichte des Schachspiels#Frühe Neuzeit|reformierten Schachregeln]] beschrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Colonnas Schrift trägt rätselhafte und [[Phantastik|phantastische]] Züge. Diesem bedeutenden Text der [[Renaissance]] wird eine große Wirkung im Bereich der [[Bildende Kunst|bildenden Künste]] und der Literatur zugeschrieben. Bezogen auf das Schach hat der „Traum des Poliphilus“ das Konzept des Lebenden Schachspiels in mehrfacher Hinsicht entscheidend geprägt. Hierzu gehört an erster Stelle die Verbindung des Lebendschach-Gedankens mit Schauspiel, Musik und Tanz, die sich als ungewöhnlich lebenskräftig erwies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Tradition der Schachschauspiele ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lebendes Schachspiel - München.jpg|mini|240px|Aufführung eines [[Schachkomposition|Schachproblems]] von [[Alexander Dmitrijewitsch Petrow|Alexander Petrow]] in München (1899)]]&lt;br /&gt;
An französischen und italienischen Höfen diente der Traum des Poliphilus praktisch jahrhundertelang als Vorlage zur Abbildung einer Lebenden Schachpartie, die während vornehmer [[Kostümball|Maskeraden]] und [[Turnier]]e dargeboten wurde. [[François Rabelais]] widmete diesen höfischen Schachschauspielen in seinem Werk „[[Gargantua und Pantagruel]]“ zwei ganze Abschnitte, die allerdings möglicherweise erst nachträglich ein Schachliebhaber einfügte (sie sind in einem [[Postum|posthum]] erschienenen Band enthalten). Für das höfische [[Gesellschaftsspiel]] gab es genaue Regeln und Vorschriften. An Haaren oder Kleidungsstücken wurden Abzeichen der einzelnen Figuren befestigt, die Spielgegner leiteten die Partie durch bestimmte Signale. Geschlagene Figuren mussten sich verneigen und das Feld räumen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;gyzicki&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der materielle Aufwand der Schauspiele ließ sich im Zeitalter der [[Absolutismus#Die höfische Kultur|höfischen Kultur]] beliebig steigern. Auf höchster Ebene konnte eine Lebende Schachpartie zum Zwecke der [[Repräsentation (Politik)|Repräsentation]] eingesetzt werden. So wurde 1796 beim Besuch des schwedischen Königs [[Gustav IV. Adolf (Schweden)|Gustav Adolf IV.]] in der russischen Hauptstadt [[Sankt Petersburg]] eine Schachpartie in mittelalterlichen Kostümen veranstaltet. Kostüme und Rasen-Spielfelder waren in gelben und grünen [[Quadrat (Geometrie)|Quadraten]] ausgestaltet. Das erwähnte Ströbecker Beispiel (seit 1688) zeigt darüber hinaus, wie das höfische Lebendschach ausstrahlte und in den unteren [[Klasse (Soziologie)|Gesellschaftsklassen]] nachgeahmt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Weiterführung des Schauspiel-Gedankens in neuerer Zeit war die kostspielige Inszenierung historischer oder erdichteter Schlachten, die unter freiem Himmel vor zahlreichen Zuschauern aufgeführt wurden. Auf der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Wien fand 1898 ein Schauspiel statt, in dem der zwei Jahrhunderte zurückliegende Sieg des Prinzen [[Eugen von Savoyen|Eugen]] über die Türken in der [[Schlacht bei Zenta]] veranschaulicht wurde. Jede Schachfigur wurde von einer ganzen Gruppe von Darstellern verkörpert. Insgesamt wirkten 340 Mann und sechzehn Pferde mit, hinzu kam noch ein größeres Orchester für die musikalische Begleitung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;gyzicki&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schachkostüme ==&lt;br /&gt;
[[Datei:ChessCostume.gif|mini|120px|Historisches Schachkostüm]]&lt;br /&gt;
Die Ausstattung der Schachkostüme (König, Turm, „Ritter“ usw.) variiert vielfältig. Oft werden die Motive aus der Geschichte entlehnt, dabei finden [[Ritter]]kostüme und historische [[Tracht (Kleidung)|Trachten]] Verwendung. Neben Schwarz und Weiß werden häufig andere [[Farbe]]n gewählt, nicht selten sind auch bunte (mehrfarbige) Kostüme. Die Figurenkostüme der beiden Parteien sind außerdem nicht immer [[Symmetrie (Geometrie)|symmetrisch]] ausgestaltet. Der künstlerischen Freiheit bei der Gestaltung sind praktisch keine Grenzen gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Motive aus der Tradition der Schachkostüme fanden verschiedentlich Eingang in die [[Mode]]. Neben einem allgemeinen Bezug von [[Kleidung]] zum Thema Schach, etwa durch Verwendung des [[Schachbrettmuster]]s, ist die Verbindungslinie zum Lebendschach dann sichtbar, wenn eine Ausrichtung auf bestimmte Schachfiguren zu erkennen ist. So können Kostüme oder eine dazugehörige [[Kopfbedeckung]] mit entsprechenden Symbolen ausgestattet werden oder auf andere Art eine [[Identifikation (Psychologie)|Identifikation]] mit einer der Schachfiguren nahelegen. Schachkostüme werden, abgesehen von der Verwendung bei Lebendschach-Veranstaltungen, gelegentlich auf [[Tanzball|Kostümbällen]] oder im [[Karneval]] getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Variationen des Lebendschach-Motivs ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Middleton &amp;#039;A Game of Chess&amp;#039;.jpg|mini|Titelblatt von Thomas Middletons „Das Schachspiel“]]&lt;br /&gt;
Die Idee des Lebendschachs lässt sich als [[Stilelement]] verwenden und in die verschiedensten Kunst- und Unterhaltungsformen integrieren. So ist eine berühmte Lebendschachpartie in der 1876 uraufgeführten [[Operette]] &amp;#039;&amp;#039;[[Der Seekadett (Operette)|Der Seekadett]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Richard Genée]] im zweiten Akt enthalten. Gezeigt wird eine [[Eröffnungsfalle]] im Schach, die seither als [[Seekadettenmatt]] bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in die Gegenwart wurde das Thema Lebendschach in vielfältiger Form aufgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Theater und Literatur ===&lt;br /&gt;
Das [[Satire|satirische]] Theaterstück &amp;#039;&amp;#039;A Game at Chess&amp;#039;&amp;#039; (deutscher Titel: Das Schachspiel), das 1624 im [[Globe Theatre]] aufgeführt wurde, zeigte bekannte zeitgenössische Politiker unter der [[Maske]] von Schachfiguren. In dem Werk wurde besonders der spanische [[Botschafter]] verhöhnt. Der politische Streit darüber führte zur Anklage, die beteiligten Schauspieler verurteilte das Gericht zu Geldstrafen, und der Autor [[Thomas Middleton (Schriftsteller)|Thomas Middleton]] musste sogar für einige Zeit ins Gefängnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Traumcharakter des Lebendschachs wurde als Motiv beispielhaft in dem Kinderbuch-Klassiker &amp;#039;&amp;#039;[[Alice hinter den Spiegeln]]&amp;#039;&amp;#039; herausgearbeitet. [[Lewis Carroll]] baut die Handlung rund um eine Schachpartie auf. Die Angehörigen dieser Märchenwelt, darunter die „Rote Königin“, sind keine Menschen, sondern buchstäblich verlebendigte Schachfiguren. In der [[Science-Fiction]]-Erzählung &amp;#039;&amp;#039;[[John Carter vom Mars|Die Schachfiguren des Mars]]&amp;#039;&amp;#039; von [[Edgar Rice Burroughs]] nimmt Lebendschach eine zentrale Funktion ein, die Figuren kämpfen auf Leben und Tod. Für das Mars-Schachspiel „[[Jetan]]“ konstruierte der Autor besondere Spielregeln.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.gutenberg.org/ebooks/1153 &amp;#039;&amp;#039;The Chessmen of Mars&amp;#039;&amp;#039;], Projekt Gutenberg; [http://www.chessvariants.org/other.dir/jetan.html „Jetan“], Artikel bei &amp;#039;&amp;#039;chessvariants.org&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Kurt Vonnegut]]s 1951 erschienener Kurzgeschichte &amp;#039;&amp;#039;All the King&amp;#039;s Horses&amp;#039;&amp;#039; spielt ein amerikanischer Oberst, dessen Familie und ein Dutzend Soldaten mit ihm gefangen sind, eine Partie gegen einen asiatischen Guerillaführer. Mit den Gefangenen als lebende Schachfiguren, die sterben müssen, falls sie geschlagen werden, gerät der Protagonist in ein moralisches Dilemma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lebendschach im Film ===&lt;br /&gt;
Das Lebendschach-Motiv wurde verschiedentlich in der Filmkunst eingesetzt. In der Bildsprache einer [[Szene (Film)|Filmszene]] lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen die [[Assoziation (Psychologie)|Assoziation]] mit einer Lebenden Schachpartie herstellen. Dies geschieht am einfachsten dadurch, dass die Darsteller auf einem schachbrettartigen Fußboden gruppiert werden. Eine gezielte [[Einstellung (Film)|Kameraeinstellung]] und die Ausstattung der Darsteller vermag den gewünschten Eindruck zu verstärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein klassisches Beispiel liefert der 1957 entstandene [[Kriegsfilm|Anti-Kriegsfilm]] &amp;#039;&amp;#039;[[Wege zum Ruhm]]&amp;#039;&amp;#039; des Regisseurs [[Stanley Kubrick]]. Im Mittelpunkt der Handlung steht die blutige [[Patt]]situation zwischen den alliierten und deutschen Streitkräften an der [[Westfront (Erster Weltkrieg)|Westfront]] des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]]. In einer Schlüsselszene stehen mehrere französische Soldaten, die einen sinnlosen Angriffsbefehl verweigert haben, vor einem [[Militärgericht]]. Auf dem schachbrettartigen [[Marmor]]fußboden erscheinen Angeklagte und Militärrichter wie in einer Schachposition vor dem Auge des Betrachters.&amp;lt;ref&amp;gt;Bill Wall:&lt;br /&gt;
{{Webarchiv | url=http://www.geocities.com/SiliconValley/Lab/7378/kubrick.htm | wayback=20111130102326 | text=&amp;#039;&amp;#039;Stanley Kubrick and Chess&amp;#039;&amp;#039;}}; siehe das [https://4.bp.blogspot.com/_t6BI04qlGCw/SIjoEs3jLYI/AAAAAAAAAVs/qj-uRidZVNM/s400/PathsFerrol.jpeg Standbild aus der entsprechenden Sequenz]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einzelnen Fällen wurde eine Lebende Schachpartie als solche in einer Szene gezeigt. Der Film &amp;#039;&amp;#039;[[Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt]]&amp;#039;&amp;#039; von 1981 parodiert das höfische Gesellschaftsspiel. Der niederländische Kinder-Schachfilm &amp;#039;&amp;#039;[[Lang lebe die Königin (1995)|Lang lebe die Königin]]&amp;#039;&amp;#039; (1995) zeigt mehrere Lebendschach-Szenen, darunter eine vollständige Partie, die mit dem [[Narrenmatt]] endet. Eine dramatische Umsetzung erfuhr das Thema 2001 in der [[Harry Potter und der Stein der Weisen (Film)|Verfilmung]] des Buches &amp;#039;&amp;#039;[[Harry Potter und der Stein der Weisen]]&amp;#039;&amp;#039;. Die Helden müssen eine Schachpartie siegreich bestreiten. Die gewaltigen Spielsteine werden auf [[Magie|magische]] Weise gezogen, die Kinder selbst treten an die Stelle mehrerer Figuren.&amp;lt;ref&amp;gt;Bilder der Filmszene zeigt die Informationsseite [http://www.chess-in-the-cinema.de/showfilm.php?filmfile=0128.txt&amp;amp;pfad=0004 Schach im Kino]&amp;lt;/ref&amp;gt; Es spricht für die Tragweite des uralten Motivs, dass bei diesem Kampf die geschlagenen Figuren zerstört werden. Die Kinder sind daher in Lebensgefahr und müssen diesen Faktor bei der Zugwahl berücksichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur entscheidenden Partiephase siehe [[Jeremy Silman]]: {{Webarchiv|url=http://www.jeremysilman.com/shop/pc/Creating-the-Harry-Potter-Chess-Position-87p3692.htm |wayback=20160111212424 |text=&amp;#039;&amp;#039;Creating the Harry Potter Chess Position&amp;#039;&amp;#039; |archiv-bot=2022-03-14 05:45:40 InternetArchiveBot }} (englisch). Abgerufen am 18. Januar 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Modenschau ===&lt;br /&gt;
Der Modedesigner [[Alexander McQueen]] erregte Aufsehen, als er seine Frühjahrskollektion 2005 „It’s Only a Game“ in Form einer Lebenden Schachpartie präsentierte. Eine Zugansage mit Computerstimme ergänzte die futuristische Ästhetik der [[Modenschau]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv | url=http://www.alexandermcqueen.com/experience/en/alexandermcqueen/archive/?years=2005 | wayback=20140518131315 | text=&amp;#039;&amp;#039;Womens Spring / Summer 2005 „It’s Only a Game“&amp;#039;&amp;#039;}}, auf: alexandermcqueen.com; [https://www.youtube.com/watch?v=Yq3Chh8Xqew Video]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Adaption im Computerspiel ===&lt;br /&gt;
Schon in frühen [[Computerspiel]]en tauchen „lebendige“ Schachpartien auf. Im 1988 veröffentlichten Spiel &amp;#039;&amp;#039;[[Battle Chess]]&amp;#039;&amp;#039; bekämpfen sich [[Animation|animierte]] Figuren – eine Spielidee, die bereits 1976 im Film &amp;#039;&amp;#039;[[Futureworld – Das Land von Übermorgen]]&amp;#039;&amp;#039; vorgeführt wurde. Der Einsatz [[Holografie|holografischer]] Figuren wurde damals allerdings mangels Digitaltechnik mit einkopierten, stark verkleinerten Lebendschach-Szenen simuliert. Analog zum Lebendschach können Figuren auch mit [[Avatar (Internet)|Avataren]] besetzt werden. So ist etwa beim Online-Rollenspiel &amp;#039;&amp;#039;[[World of Warcraft]]&amp;#039;&amp;#039; ein auf Schach basierendes Gefecht möglich. Dabei schlüpfen verbündete Spieler in jeweils eine Schachfigur auf dem Brett und versuchen den Computergegner zu schlagen.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe [https://www.buffed.de/World-of-Warcraft-PC-16678/Guides/WoW-Guide-Karazhan-791202/11/ Beschreibung] und [https://www.buffed.de/World-of-Warcraft-PC-16678/Guides/WoW-Guide-Karazhan-791202/galerie/1385957/?fullsize Screenshot] bei &amp;#039;&amp;#039;buffed.de&amp;#039;&amp;#039; (Datenbank zu World of Warcraft)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schachballett ==&lt;br /&gt;
Die Züge einzelner Schachfiguren im Partieverlauf ähneln oftmals einem eigenartigen „Figurentanz“ ([[Savielly Tartakower]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Savielly Tartakower: &amp;#039;&amp;#039;Die Hypermoderne Schachpartie&amp;#039;&amp;#039;, Wien 1925 (Nachdruck Zürich 1981), S. 237–240, ISBN 3-283-00094-8.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine besonders kunstvolle Ausformung fand das Lebendschach folgerichtig im Ballett. Literarisch vorgezeichnet war die Verbindung des Lebendschachs mit Tanz und Musik bereits im „Traum des Poliphilus“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schachballett kann eine konkrete Partie oder Zugbewegungen abbilden oder das Thema Schach in anderer geeigneter Form aufgreifen. Nach Aufkommen des Balletts, das sich aus dem Gesellschaftstanz entwickelt hatte, wurde Schach frühzeitig als Motiv genutzt. Erstmals wurde 1607 unter dem französischen König [[Heinrich IV. (Frankreich)|Heinrich IV.]] eine Schachpartie als Ballett interpretiert.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Ballet des Eschecs&amp;#039;&amp;#039;, 22. Februar 1607, Eintrag in: [http://www.cesar.org.uk/cesar2/titles/titles.php?fct=edit&amp;amp;script_UOID=303232 césar (Calendrier électronique des spectacles sous l&amp;#039;ancien régime et sous la révolution)]&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Weiterentwicklung der Ballettform mit einer eigenständigen [[Ballett#Ballettmusik|Ballettmusik]] wurde im Lebendschach nachvollzogen. In Paris fand zur Zeit [[Ludwig XIV.|Ludwigs XIV.]] im Jahr 1700 die Erstaufführung der großen [[Ballett]]-[[Pantomime]] „Ballet des Echecs“ statt, zu der [[André Danican Philidor|Philidor l’ainé]], der Vater des berühmten Schachspielers und Komponisten [[François-André Danican Philidor]], die Musik komponiert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schachballett bildet auch die Hauptepisode der Oper „Die Zauberkünstlerin“ &amp;#039;&amp;#039;([[La magicienne]])&amp;#039;&amp;#039; von [[Fromental Halévy]], die 1858 in Paris einen großen Erfolg erzielte. In der Schlüsselszene vollzieht sich der Tanz der lebenden Schachfiguren in historischen Trachten in einem schachbrettartig gestalteten Saal des Fürstenschlosses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schachtanz ließen sich zahlreiche Beispiele von vertonten Märchen, Musikkomödien oder amerikanischen Ballettrevuen aufzählen. Den größten künstlerischen Erfolg mit Schach als Thema hatte das Ensemble [[Sadler’s Wells]] (das spätere [[Royal Ballet]]), das 1937 auf der Pariser [[Weltfachausstellung Paris 1937|Weltausstellung]] das Ballett „Checkmate“ des Komponisten [[Arthur Bliss]] vorführte. Das Stück war nach dem Zweiten Weltkrieg in London erneut sehr erfolgreich und wird bis heute aufgeführt. Darin wird der Kampf zwischen Liebe (Rot) und düsterem Tod (Schwarz) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur ersten Schachszene in einem Ballett auf Eis kam es 1953 in dem Stück „Sinbad the Sailor on Ice“. Die Eisläufer führten die bekannte [[Morphy – Karl von Braunschweig und Graf Isoard, Paris 1858|Schachpartie]] zwischen [[Paul Morphy]] und den Beratenden [[Karl II. (Braunschweig)|Herzog von Braunschweig]] und Graf Isoard auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Sarah’s Chess Journal: [http://www.edochess.ca/batgirl/IceAge.html &amp;#039;&amp;#039;Chess: The Ice Age&amp;#039;&amp;#039;]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem anlässlich der [[Schacholympiade]] in [[Havanna]] 1966 präsentierten Schachballett „A Living Game“ sang ein tausendstimmiger Chor unter Begleitung des kubanischen Nationalorchesters. Zugrunde gelegt wurde bei dieser Gelegenheit die Gewinnpartie Capablancas gegen [[Emanuel Lasker]] aus dem [[Liste der bedeutendsten Schachturniere (1901–1949)|Moskauer Turnier 1936]].&amp;lt;ref&amp;gt;Frank Brady: &amp;#039;&amp;#039;Bobby Fischer, Profile of a Prodigy.&amp;#039;&amp;#039; New York 1973, S.&amp;amp;nbsp;111.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Schacholympiade 2002 im slowenischen [[Bled]] wurde mit einem Schachballett eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Cosplay-Schach ==&lt;br /&gt;
Seine jüngste Ausprägung hat das Lebendschach in [[Live Action Role Playing|Live-Rollenspielen]] erfahren. Seit 2004 haben mehrere amerikanische [[Anime-Convention]]s Lebendschach-Shows in ihr Programm aufgenommen. Die jugendlichen Teilnehmer stellen ihre Lieblingsfigur aus dem [[Anime]]-Bereich durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar ([[Cosplay]] oder „Kostüm-Rollenspiel“). Beim &amp;#039;&amp;#039;Cosplay Human Chess&amp;#039;&amp;#039; wird das Lebendschach, vergleichbar der Situation beim Schachballett, mit einer anderen kulturellen Ausdrucksform verschmolzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind verschiedene Varianten möglich: sorgfältig geplante choreografierte Abläufe oder die Option, zwei Spieler an einem „normalen“ Schachbrett abseits des Lebendschach-Spielfelds einen improvisierten Kampf austragen zu lassen, den die Darsteller interpretieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe z.&amp;amp;nbsp;B. die Anforderungen an Cosplay-Chess-Mitspieler bei der Sakura-Con in [[Seattle]], 6.–8. April 2012, {{Webarchiv | url=http://www.sakuracon.org/programming/chess_rules.php | wayback=20121213083355 | text=„Sakura-Con Cosplay Chess Rules“}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei manchen Schachkämpfen orientiert sich die Verkleidung der Mannschaften an einem [[Wahlspruch|Motto]] wie beispielsweise „Gut gegen Böse“ oder „Zauberei gegen Wissenschaft“. Wie beim klassischen Lebendschach kommt dem Schlagen der Figuren herausgehobene Bedeutung zu. Ein Kampf der Figurendarsteller bildet den Vorgang ab und entscheidet gegebenenfalls darüber, ob die „getötete“ Figur das Spielfeld verlassen muss oder nicht. Das Cosplay-Schach dient der Unterhaltung, und die gezeigte Partie soll vorrangig Gelegenheit zu sehenswerten Aktionen der beteiligten Anime-Figuren geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cosplay Human Chess als aktuelles Phänomen bestätigt den flexiblen Charakter des Lebendschachs. Die Grundidee, dass „Menschen zu Schachfiguren werden“, hat in verschiedenen Epochen immer wieder die Phantasie herausgefordert und neue Formen hervorgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Jerzy Giżycki: &amp;#039;&amp;#039;Schach zu allen Zeiten&amp;#039;&amp;#039;, Stauffacher-Verlag, Zürich 1967, S. 205–220.&lt;br /&gt;
* [[Antonius van der Linde]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte und Literatur des Schachspiels&amp;#039;&amp;#039;, Julius Springer, Berlin 1874 (Nachdruck Olms, Zürich 1981), Bd.&amp;amp;nbsp;2, S.&amp;amp;nbsp;329–334, ISBN 3-283-00079-4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Human chess|Lebendschach}}&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv | url=http://www.gs-lasker.bildung-lsa.de/lebendschach.htm | wayback=20160109022017 | text=Information zum Ströbecker Lebendschach-Ensemble}} Website der Grundschule „Dr. Emanuel Lasker“, Schachdorf Ströbeck&lt;br /&gt;
* [https://www.marosticascacchi.it/en/ Internetpräsenz des Lebendschachs in Marostica] (englisch)&lt;br /&gt;
* [http://www.ajedrezvivientexabia.com/ Internetpräsenz des Lebendschachs in Xàbia/Jávea] (spanisch)&lt;br /&gt;
* [https://www.youtube.com/watch?v=kGx-zg35qlg Sakk és Vivaldi (Chess and Vivaldi)] Schachballett (HD-Video) des ungarischen Botafogo Dance Ensemble&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Lesenswert|27. Februar 2008|43065668}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schachform]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schach in Kunst und Literatur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rollenspiele]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Thomas Dresler</name></author>
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