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	<title>Kurt Gerstein - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Dguendel: commonscat</title>
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		<updated>2026-04-15T08:15:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;commonscat&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Kurt Gerstein.jpg|hochkant|mini|Kurt Gerstein]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[11. August]] [[1905]] in [[Münster]]; † [[25. Juli]] [[1945]] in [[Paris]]) war ein deutscher Hygienefachmann der [[Waffen-SS]], zuletzt im Rang eines [[SS-Obersturmführer]]s.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Vernichtungslagern [[Vernichtungslager Belzec|Belzec]] und [[Vernichtungslager Treblinka|Treblinka]] war er 1942 Augenzeuge des probeweisen Einsatzes von [[Abgas]]en bei [[Massenmord]]en; ebenso wusste er von der späteren Verwendung von [[Zyklon B]] für den gleichen Zweck. Noch während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] versuchte Gerstein, das [[Neutralität (internationale Politik)|neutrale]] Ausland über seine Beobachtungen zu informieren. Nach der [[Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht|bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht]] legte er seine Erkenntnisse schriftlich nieder. Der &amp;#039;&amp;#039;Gerstein-Bericht&amp;#039;&amp;#039; wurde im [[Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher]] als Beleg für die Liefermengen von Zyklon&amp;amp;nbsp;B nach [[KZ Auschwitz I (Stammlager)|Auschwitz]] erwähnt.&amp;lt;ref&amp;gt;IMT: &amp;#039;&amp;#039;Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher&amp;amp;nbsp;…&amp;#039;&amp;#039; Fotomech. Nachdruck. Band&amp;amp;nbsp;6. München 1989, ISBN 3-7735-2503-6, S.&amp;amp;nbsp;401&amp;amp;nbsp;/ 30. Januar 1946.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gersteins Persönlichkeit und Rolle sind in der Geschichtswissenschaft umstritten: Manche Historiker sehen ihn als einen der [[Bekennende Kirche|Bekennenden Kirche]] nahestehenden Christen, der versuchte, Informationen über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erlangen und gegen das [[NS-Staat|NS-Regime]] zu verwenden. Andere sehen in ihm den Mittäter, der sein Fachwissen zur „Verbesserung“ der Massenmordmethoden weitergab und erst nach der Kapitulation Deutschlands versuchte, sich als heimlichen Kämpfer im [[Widerstand gegen den Nationalsozialismus]] darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Kurt Gersteins Eltern waren der Landgerichtspräsident Ludwig Gerstein (1868–1954) und dessen Frau Klara geb. Schmemann. Der Vater war Ehrenmitglied des [[Corps Teutonia zu Marburg]]. Als sechstes von sieben Kindern galt Kurt Gerstein seinen Eltern als das schwierigste ihrer Kinder. Er fiel den Lehrern als intelligenter, aber aufsässiger Schüler durch viele Streiche auf. Nach dem Umzug seiner Familie nach [[Neuruppin]] 1921 fand er durch befreundete Familien Kontakt zur evangelischen Kirche. Als Mitarbeiter und Leiter von Schülerbibelkreisen setzte er sich für Alkoholikerfürsorge und gegen außereheliche Sexualität ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Hey, Rickling, Stockhecke: &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein.&amp;#039;&amp;#039; S.&amp;amp;nbsp;23–35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Kurt Gerstein: &amp;#039;&amp;#039;Um Ehre und Reinheit.&amp;#039;&amp;#039; Selbstverlag, 1938.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Abitur 1925 schloss er sich dem [[Christlicher Verein Junger Menschen|Christlichen Verein Junger Männer]] (CVJM) an. 1925–1931 studierte er zunächst an der [[RWTH Aachen]] und der [[Philipps-Universität Marburg]] [[Bergbau]]. Am 28. Juli 1929 wurde er als Gerstein VII [[Corpsschleifenträger]] von Teutonia Marburg.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;1206a Gerstein VII, Kurt&amp;#039;&amp;#039;, Blaubuch des Corps Teutonia zu Marburg 1825 bis 2000, S. 311&amp;lt;/ref&amp;gt; Dass er den Trinkzwang für unvereinbar mit dem Christsein hielt, führte zum vorübergehenden Ausschluss aus seinem [[Corps]]. Er wechselte an die [[Technische Universität Berlin|Technische Hochschule Berlin]]. Seit 1931 Bergreferendar und seit 1935 [[Bergassessor]], war er beschäftigt bei der [[Bergwerksdirektion Saarbrücken]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== NSDAP-Mitglied ===&lt;br /&gt;
Gerstein trat zum 1. Mai 1933 der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|NSDAP]] (Mitgliedsnummer 2.136.174)&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv, R 9361-I/13049.&amp;lt;/ref&amp;gt; und 1934 der [[Sturmabteilung|SA]] bei.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ernst Klee]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945&amp;#039;&amp;#039;. 2. aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, S.&amp;amp;nbsp;181.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als evangelischer Jugendführer, Mitglied der [[Bekennende Kirche|Bekennenden Kirche]] und des CVJM sowie Mitarbeiter in [[Bund Deutscher Bibelkreise|Bibelkreisen]] kam er in Konflikt mit der religionsfeindlichen Politik der NSDAP. Weil er im „Verein deutscher Bergleute“ Propaganda für die Bekennende Kirche machte, wurde er am 24. September 1936 das erste Mal in Saarbrücken verhaftet und saß bis zum 18. Oktober in „[[Schutzhaft (Nationalsozialismus)|Schutzhaft]]“. Daraufhin wurde er aus der Partei ausgeschlossen, womit auch seine Betätigung im Staatsdienst ihr Ende fand. Den Parteiausschluss focht er auf Drängen seiner Familie an, worauf der Ausschluss in eine etwas ehrenvollere Entlassung aus der Partei umgewandelt wurde. Am 14. Juli 1938 wurde er an seinem Wohnort Tübingen ein zweites Mal verhaftet, kam ins [[Schutzhaftlager Welzheim]], wurde aber sechs Wochen später, am 28. August, wieder freigelassen, weil man die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen nicht aufrechterhalten konnte. &amp;lt;!-- Dennoch bemühte sich Gerstein bis 1944 immer wieder um eine neue Aufnahme in die NSDAP. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eintritt in die SS ===&lt;br /&gt;
Im Dezember 1936 begann Gerstein sein Medizinstudium in Tübingen. Anfang 1941 meldete er sich als Freiwilliger bei der SS und trat am 13. März 1941 in die [[Waffen-SS]] ein. Nach dem Krieg erklärte er seinen Eintritt folgendermaßen:&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.ns-archiv.de/verfolgung/gerstein/gerstein-bericht.php Deutsche Fassung des Gerstein-Berichts vom 4.&amp;amp;nbsp;Mai 1945.] ns-archiv.de&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Als ich von der beginnenden [[Aktion T4|Umbringung der Geisteskranken]] in [[Tötungsanstalt Schloss Grafeneck|Grafeneck]] und [[NS-Tötungsanstalt Hadamar|Hadamar]] und andernorts hörte, beschloss ich, auf jeden Fall den Versuch zu machen, in diese Öfen und Kammern hineinzuschauen, um zu wissen, was dort geschieht.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine militärische Ausbildung erhielt er in [[Hamburg-Langenhorn]], [[Arnhem|Arnheim]] und [[Oranienburg]]. Aufgrund seiner medizinischen Kenntnisse kam er schließlich zum [[Hygiene-Institut der Waffen-SS]]. Dort wurde er im Januar 1942 Chef der Abteilung Gesundheitstechnik und war zuständig für den technischen Desinfektionsdienst. Damit hatte er für die Beschaffung von [[Zyklon&amp;amp;nbsp;B]] zu sorgen, das regelmäßig in großen Mengen zur [[Entwesung]] von Kleidung und Unterkünften benötigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeuge des Holocaust ===&lt;br /&gt;
Im August 1942 erhielt Gerstein den Auftrag, in den Vernichtungslagern Belzec und Treblinka den Massenmord an Menschen mittels Abgasen zu beobachten und Verfahren für eine „Verbesserung“ zu entwickeln. Gemeinsam mit [[Rolf Günther (SS-Mitglied)|Rolf Günther]] und dem [[Hygiene|Hygieniker]] [[Wilhelm Pfannenstiel]] wurde er hierbei Zeuge, wie Menschen in [[Gaskammer (Massenmord)|Gaskammern]] mit Motorabgasen umgebracht wurden. Seine Aufgabe war es, zu prüfen, ob die Vergasungsanlagen auf Zyklon&amp;amp;nbsp;B umgerüstet werden könnten. Seiner späteren Darstellung (April 1945) zufolge war er über das, was er gesehen hatte, so erschüttert, dass er auf der Zugrückfahrt von Treblinka am 20. August 1942 dem Sekretär der [[Schwedische Botschaft in Berlin|schwedischen Gesandtschaft]] [[Göran von Otter]] seine Erlebnisse erzählte mit der Bitte, diese an das Ausland weiterzugeben. Göran von Otter setzte daraufhin den evangelischen früheren Generalsuperintendenten und späteren Bischof [[Otto Dibelius]] und den katholischen Bischof [[Konrad Graf von Preysing]] in Kenntnis, jedoch ohne Folgen. Auch unternahm Gerstein einen Versuch, den [[Apostolischer Nuntius|Apostolischen Nuntius]] und die [[Schweizerische Botschaft in Berlin|Schweizer Gesandtschaft in Berlin]] aufzusuchen, was jedoch scheiterte.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Nicholas Stargardt]]: &amp;#039;&amp;#039;The German War.&amp;#039;&amp;#039; London 2015, S. 253.&amp;lt;/ref&amp;gt; Desgleichen gelang es ihm nicht, seinen Vater, einen pensionierten Richter, vom Ausmaß des Verbrechens zu überzeugen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Nicholas Stargardt]]: &amp;#039;&amp;#039;The German War.&amp;#039;&amp;#039; London 2015, S. 252–253.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ihn im Februar 1943 sein niederländischer Freund Ubbink besuchte, erzählte er auch ihm, was er gesehen hatte, und drängte ihn, die Informationen über die Massentötungen in den [[Konzentrationslager]]n an den [[Niederländischer Widerstand 1940–1945|niederländischen Widerstand]] weiterzugeben, damit sie per Funkspruch [[London]] erreichten, was auch geschah. Auch diese Aussage wurde nach dem Krieg durch einen Zeitzeugen belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Zeit wurde Gerstein immer weiter in die Vernichtungsmaschinerie hineingezogen, da er im Rahmen seines Dienstes auch Zyklon&amp;amp;nbsp;B beschaffen musste, das für die Tötung von Menschen bestimmt war. Er forderte von der [[Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung|Degesch]] eine Sonderform des Zyklon&amp;amp;nbsp;B an, das keinen Warn- und Reizstoff enthielt. Allerdings will er diese Lieferungen dann als überlagert und verdorben erklärt oder nur zur Bekämpfung von Läusen verwendet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Verstrickung und das Wissen darum, was in den Konzentrationslagern geschah, führte ihn (nach eigenen Angaben) in immer tiefere [[Depression]] und Verzweiflung. Trotzdem versuchte er weiter, vom Regime bedrohten Menschen zu helfen. Zum Beispiel verteilte er gefälschte Ausweise, die den Träger als Angestellten der SS auswiesen, womit er sich selbst in Gefahr brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeugenaussage und Tod ===&lt;br /&gt;
Am 22. April 1945 stellte sich Gerstein in [[Reutlingen]] der [[Forces françaises en Allemagne|französischen Armee]] und wurde interniert. Er bot sich als Zeuge an und händigte dem amerikanischen „Field Team“ am 5.&amp;amp;nbsp;Mai 1945 in [[Rottweil]] mehrere Dokumente und Schriftstücke aus, darunter eine auf Französisch abgefasste und auf den 26. April datierte sechsseitige Fassung seines Lebenslaufes, seiner Tätigkeit und Erlebnisse sowie eine zweiseitige Kurzfassung in englischer Sprache. Er verfasste das Dokument auf einer geliehenen Schreibmaschine während der Gefangenschaft in der [[Predigerkirche (Rottweil)|Predigerkirche in Rottweil]], die bei Kriegsende als Gefangenenlager genutzt wurde. Ein Jahr später wurde eine auf den 4.&amp;amp;nbsp;Mai datierte deutsche Parallelfassung in Rottweil sichergestellt, die sprachlich klarer ist, keine verallgemeinernde Schätzung der Opferzahl enthält und in dieser Form heute als „Gerstein-Bericht“ zitiert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Augenzeugenbericht zu den Massenvergasungen.&amp;#039;&amp;#039; Wiss-kritische Edition. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039;, 1953, 1, S.&amp;amp;nbsp;177–194.&amp;lt;br /&amp;gt; [https://www.ns-archiv.de/verfolgung/gerstein/gerstein-bericht.php Gerstein-Bericht.] ns-archiv.de&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Wert des Berichts besteht in der Schilderung der Vorgänge in Belzec. An seiner Authentizität und Gersteins subjektivem Willen zur Genauigkeit und Wahrhaftigkeit besteht kein Zweifel.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Augenzeugenbericht&amp;amp;nbsp;…&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039;, 1953, 1.&amp;amp;nbsp;Jahrgang, Heft&amp;amp;nbsp;2, S.&amp;amp;nbsp;180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerstein war zunächst in einer Art Ehrenhaft und konnte sich zwischen Tübingen und Rottweil frei bewegen. Dann wurde er nach [[Paris]] gebracht und dort als Angeklagter vernommen. Am 25. Juli 1945 wurde er in seiner Zelle im Pariser [[Militärgefängnis]] [[Cherche-Midi-Gefängnis|Cherche-Midi]] erhängt aufgefunden. Es ist umstritten, ob er durch [[Suizid]] starb oder von Mitgefangenen ermordet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Friedemann Bedürftig]]: &amp;#039;&amp;#039;Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg: das Lexikon.&amp;#039;&amp;#039; Piper, München u.&amp;amp;nbsp;a. 2002.&amp;lt;br /&amp;gt; Valerie Hebert: &amp;#039;&amp;#039;Disguised Resistance?&amp;#039;&amp;#039; … In: &amp;#039;&amp;#039;Holocaust and Genocide Studies&amp;#039;&amp;#039;, 2006, 20. Hält einen Suizid für fast sicher &amp;#039;&amp;#039;(almost certain)&amp;#039;&amp;#039; und verweist auf Abschiedsbriefe, die jedoch kurz nach dem Tod verlorengingen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerstein wurde auf dem Pariser Friedhof &amp;#039;&amp;#039;Cimetière parisien de Thiais&amp;#039;&amp;#039; in [[Thiais]], südlich der Hauptstadt, beerdigt. Sein Grab ist nicht mehr auffindbar.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=45845460 |Titel=Spion im Lager der Mörder |Jahr=1969 |Nr=3 |Seiten=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Titel=Le dossier Kurt Gerstein |Sammelwerk=Revue d’Histoire de la Shoah |Nummer=Nr.&amp;amp;nbsp;1, Nr.&amp;amp;nbsp;196 |Datum=2012 |Online=https://www.cairn.info/revue-revue-d-histoire-de-la-shoah-2012-1-page-379.htm |Abruf=2019-11-26}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rehabilitierung ==&lt;br /&gt;
Gersteins Rolle wurde im Prozess gegen [[Gerhard Peters]] von der [[Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung|Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung]] durchleuchtet. Das Gericht hielt es nicht für erwiesen, dass das von Gerstein angeforderte Zyklon&amp;amp;nbsp;B ohne Warnstoff zur Ermordung verwendet wurde, schloss dies aber auch nicht aus. Gerstein wurde in der [[Entnazifizierung]] als belastet eingestuft. Im Spruch der Entnazifizierungskammer hieß es, Gerstein sei auf seinem Posten zwangsläufig zum Handlanger des organisierten Massenmordes geworden und hätte sich von dort wegmelden müssen. Auch in einem Revisionsverfahren kam es zu keinem günstigeren Urteil. Den Hinterbliebenen wurde die Auszahlung einer Erbschaft in Höhe von 3000 US-Dollar versagt. Die Witwe sollte Verfahrenskosten in Höhe von 24.000 [[Reichsmark]] begleichen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hebert&amp;quot;&amp;gt;Valerie Hebert: &amp;#039;&amp;#039;Disguised Resistance? The Story of Kurt Gerstein.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Holocaust and Genocide Studies&amp;#039;&amp;#039;, 2006, 20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Intervention von [[Hermann Ehlers]] und ein Gnadengesuch beim Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg [[Gebhard Müller]] blieben in der Sache erfolglos; der Witwe wurden jedoch die Kosten des Verfahrens erlassen. Ein Antrag auf „Kriegshinterbliebenenrente“ nach dem [[Bundesversorgungsgesetz]] wurde 1962 letztinstanzlich abgewiesen. Erst 1963 begann das Umdenken. Issy Wygoda setzte sich für Gersteins Rehabilitierung ein; auch der [[Zentralrat der Juden]] würdigte Gerstein. Mit der Uraufführung von Rolf Hochhuths &amp;#039;&amp;#039;[[Der Stellvertreter]]&amp;#039;&amp;#039; wurde das Schicksal Kurt Gersteins einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 1965 schließlich stufte Ministerpräsident [[Kurt Georg Kiesinger]] Gerstein in die Gruppe der „Entlasteten“ um. 1969 erhielt die Witwe eine Rente nach dem Bundesergänzungsgesetz zugesprochen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hebert&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1990er Jahren hat die Auseinandersetzung um die Neubewertung der Person Gersteins erneut begonnen. Die erste große [[Biografie]] erschien nicht in Deutschland, sondern 1995 in Frankreich.&amp;lt;ref&amp;gt;deutsch: Pierre Joffroy: &amp;#039;&amp;#039;Der Spion Gottes. Kurt Gerstein – ein SS-Offizier im Widerstand?&amp;#039;&amp;#039; 2.&amp;amp;nbsp;Auflage. Berlin 1995, ISBN 3-7466-8017-4.&amp;lt;/ref&amp;gt; 2018 haben [[Hermann Kaienburg]] und [[Andrej Angrick]] eine genauere Überprüfung zur Bewertung gefordert.&amp;lt;ref&amp;gt;Andrej Angrick: &amp;#039;&amp;#039;„Aktion 1005“ – Spurenbeseitigung von NS-Massenverbrechen 1942–1945: Eine „geheime Reichssache“ im Spannungsfeld von Kriegswende und Propaganda&amp;#039;&amp;#039;. Band&amp;amp;nbsp;1. Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3268-3, S. 183–187.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Verarbeitung ==&lt;br /&gt;
Literarisch wurde die Figur des Kurt Gerstein im [[Dramatik|Drama]] &amp;#039;&amp;#039;[[Der Stellvertreter]]&amp;#039;&amp;#039; (1963) von Rolf Hochhuth verarbeitet, cineastisch in der erfolgreichen französischen [[Der Stellvertreter (2002)|Verfilmung des Werkes]] durch [[Constantin Costa-Gavras]] aus dem Jahre 2002, die ihn ganz in den Mittelpunkt der Handlung stellt.&amp;lt;!--Bereits in Hochhuths Drama ist Gerstein eine der, wenn nicht sogar DIE Hauptfigur!!!! Der Film hat mit der Person und den Tätigkeiten Gersteins nicht viel zu tun.(unbelegte Stelle auskommentiert)--&amp;gt; Im Film wird Gerstein von [[Ulrich Tukur]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Hochhuths Schauspiel &amp;quot;Der Stellvertreter&amp;quot; Ausgabe 1992.jpg|mini|Hochhuths Schauspiel &amp;quot;Der Stellvertreter&amp;quot; Ausgabe 1992]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Zeitgenössische Kenntnis vom Holocaust]]&lt;br /&gt;
* [[Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung]], mit Urteil gegen F.&amp;amp;nbsp;Peters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Biografien&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* Dieter Gräbner, Stefan Weszkalnys: &amp;#039;&amp;#039;Der ungehörte Zeuge. Kurt Gerstein – Christ, SS-Offizier, Spion im Lager der Mörder.&amp;#039;&amp;#039; Conte, Saarbrücken 2006, ISBN 3-936950-45-8.&lt;br /&gt;
* [[Saul Friedländer]]: &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten.&amp;#039;&amp;#039; Beck’sche Reihe (1789), München 2007, ISBN 3-406-54825-3 (deutsche Erstausgabe: Bertelsmann, München 1968; Originaltitel: &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein ou l’ambiguité de bien&amp;#039;&amp;#039;. Castermann, Paris 1967, übersetzt von Jutta und Theodor Knust)&lt;br /&gt;
** {{Der Spiegel |ID=45865062 |Titel=Spion im Lager der Mörder |Jahr=1968 |Nr= 52|Seiten= |Kommentar=Kurzfassung}}&lt;br /&gt;
* Jürgen Schäfer: &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein – Zeuge des Holocaust. Ein Leben zwischen Bibelkreisen und SS.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte&amp;#039;&amp;#039;, Band 16. Luther, Bielefeld 1999, ISBN 3-7858-0407-5.&lt;br /&gt;
* Bernd Hey, Matthias Rickling, Kerstin Stockhecke: &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein (1905–1945). Widerstand in SS-Uniform.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;6, 4.&amp;amp;nbsp;Auflage, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010 (Erstauflage 2003, ISBN 3-89534-486-9), ISBN 978-3-89534-776-4.&lt;br /&gt;
* [[Pierre Joffroy]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Spion Gottes.&amp;#039;&amp;#039; Aufbau, Berlin 2002, ISBN 3-7466-8017-4.&lt;br /&gt;
* Gerhard Hirschfeld, Tobias Jersak (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Karrieren im Nationalsozialismus: Funktionseliten zwischen Mitwirkung und Distanz&amp;#039;&amp;#039;, Campus, Frankfurt am Main / New York 2004, ISBN 3-593-37156-1, S.&amp;amp;nbsp;255–264.&lt;br /&gt;
* [[Sebastian Sigler]], Klaus Gerstein: &amp;#039;&amp;#039;Der einsame Weg des Kurt Gerstein.&amp;#039;&amp;#039; In: Sebastian Sigler (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler&amp;#039;&amp;#039;. [[Duncker &amp;amp; Humblot]], Berlin 2014, ISBN 978-3-428-14319-1, S.&amp;amp;nbsp;289–321.&lt;br /&gt;
* Ludwig (V) Emil Gerstein (1868–1954): &amp;#039;&amp;#039;Wie sind wir miteinander verwandt?&amp;#039;&amp;#039; Bearbeitet und neu herausgegeben von Rolf Stamm und Hans Joachim Gerstein, Bonn 2013, ISBN 978-3-416-03400-5, S. 112–116.&lt;br /&gt;
* Gerstein-Bericht. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039;, 1953, S.&amp;amp;nbsp;177&amp;amp;nbsp;ff.; [https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1953_2.pdf ifz-muenchen.de] (PDF; 5,2&amp;amp;nbsp;MB).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Drama&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* [[Rolf Hochhuth]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Der Stellvertreter]].&amp;#039;&amp;#039; Ein christliches Trauerspiel, mit Beiträgen von [[Adolf Muschg]], [[Erwin Piscator]], [[Karl Jaspers]], [[Golo Mann]]; 40. Auflage. [[Rowohlt Verlag|rororo]] 10997, Reinbek bei Hamburg 1967ff, ISBN 978-3-499-10997-3 (1963 durch Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt, seither in über 25 Ländern gespielt, Gesamtauflage über 1&amp;amp;nbsp;Mio.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dokumente&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
* Sammlung Kurt Gerstein (Bestand 5.2). [[Landeskirchliches Archiv Bielefeld]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Filme ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein – oder die Geschichte eines extremen Gewissens&amp;#039;&amp;#039;. Dokumentarfilm von Otto Laurisch nach einem Manuskript von [[Joachim Burkhardt]], ARD-SFB, 13. August 1968 / 6.&amp;amp;nbsp;März 1969 (Wh.), 45 Min.&lt;br /&gt;
* [http://www.arte.tv/de/Kirche-unterm-Hakenkreuz/Videos---TV-Programm/1523706.html &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein – Zeuge der Wahrheit&amp;#039;&amp;#039;]. Dokumentarfilm von Phillipe Labrune, Frankreich 2007, 70 Min. (Sendung auf &amp;#039;&amp;#039;arte tv&amp;#039;&amp;#039; am 6.&amp;amp;nbsp;April 2007, Videoauszüge aus der Dokumentation mit dem &amp;#039;&amp;#039;Real Player&amp;#039;&amp;#039; [http://www.arte.tv/de/Kirche-unterm-Hakenkreuz/Videos---TV-Programm/1527606.html hier]).&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein – Der Christ, das Gas und der Tod.&amp;#039;&amp;#039; Ein Film von Claus Bredenbrock und [[Pagonis Pagonakis]]. Dokumentation des LWL-Medienzentrums für Westfalen, Deutschland 2007, ca. 30&amp;amp;nbsp;Min.&amp;lt;br /&amp;gt; [https://www.lwl.org/lmz-download/medienproduktion/booklet_gerstein.pdf &amp;#039;&amp;#039;Begleitheft zum Film.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 321&amp;amp;nbsp;kB) LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster 2007, ISBN 978-3-923432-55-4).&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[[Der Stellvertreter (2002)|Der Stellvertreter]].&amp;#039;&amp;#039; Verfilmung des gleichnamigen Dokumentarschauspiels von Rolf Hochhuth durch [[Constantin Costa-Gavras]], Deutschland/Frankreich/Rumänien 2002.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Aus Schweden kein Wort – Ein Diplomat und der Holocaust.&amp;#039;&amp;#039; Dokumentarfilm von [[Carl Svensson (Dokumentarfilmer)|Carl Svensson]], Schweden 2017.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118690914}}&lt;br /&gt;
* [https://www.kurt-gerstein.de/ Website über Kurt Gerstein]&lt;br /&gt;
* {{GDW|kurt-gerstein}}&lt;br /&gt;
* [http://www.deathcamps.org/belzec/gerstein_de.html Gerstein-Bericht.] deathcamps.org&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://www1.jur.uva.nl/junsv/Excerpts/415inhalt.htm |text=Urteil des LG Frankfurt am Main vom 27. Mai 1955, 4a Ks 1/55 gegen den Zyklon-B-Lieferanten Dr.&amp;amp;nbsp;Peters mit detaillierter Darstellung der Aktivitäten Gersteins. |wayback=20120717090416}} Universität Amsterdam.&lt;br /&gt;
* Louis Bülow: [http://www.auschwitz.dk/Gerstein.htm &amp;#039;&amp;#039;Kurt Gerstein, conscience-stricken SS-officer&amp;#039;&amp;#039;.] auschwitz.dk&lt;br /&gt;
* {{SaarBiogr |447 |Gerstein Kurt}}&lt;br /&gt;
* [[Entnazifizierung]]sakte Kurt Gerstein als [https://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=6-418028 digitale Reproduktion.] [[Staatsarchiv Sigmaringen]].&lt;br /&gt;
* Hans-Georg Hollweg: [https://www.gerstein.hubertus-wunschik.de/ Vortrag über Kurt Gerstein.] hubertus-wunschik.de, 28. April 2010.&lt;br /&gt;
* [[Heiner Wember]]: [https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/kurt-gehrstein-102.html &amp;#039;&amp;#039;25.07.1945 – Todestag von Kurt Gerstein.&amp;#039;&amp;#039;] [[Westdeutscher Rundfunk Köln|WDR]], [[Zeitzeichen (Hörfunksendung)|ZeitZeichen]], 25. Juli 2015 (Podcast).&lt;br /&gt;
* {{Deutsche Biographie |GND=118690914 |Name=Gerstein, Kurt |NDB-online=1 |Autor=Matthias Rickling |Datum=2022-07-01}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118690914|LCCN=n85062973|VIAF=89089114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Gerstein, Kurt}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:NSDAP-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:SS-Mitglied]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Deutscher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1905]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1945]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Gerstein, Kurt&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Angehöriger der Waffen-SS, Abteilungsleiter im Hygieneinstitut der Waffen-SS&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=11. August 1905&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Münster]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=25. Juli 1945&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Paris]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Dguendel</name></author>
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