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	<title>Kokopelli - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Kokopelli 1.jpg|miniatur|Kokopelli als Felszeichnung nahe dem [[Rio Grande]] in New Mexico]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Kokopelli CanyondeChelly.jpg|miniatur|Auf dem Rücken liegender, buckliger Flötenspieler im [[Canyon de Chelly]], Arizona]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kokopelli&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist die Bezeichnung für ein [[Religiosität|religiöses]] Symbol, das in Form von [[Felsbild]]ern der [[Anasazi]] und verschiedener prähistorischer [[Indianer Nordamerikas|Indianer]]-Völker im [[Südwesten der Vereinigten Staaten]] überliefert ist. Diese menschenähnliche Figur ist als [[Flöte]]nspieler, häufig mit einem [[Kyphose|Buckel]] und in der Regel mit einem ausgeprägten [[Phallus]], dargestellt. Kokopelli gilt als [[Fruchtbarkeitsgottheit]] und wird häufig zusammen mit anderen Symbolen abgebildet, die im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit von Ackerboden, jagbarem Wild und menschlicher [[Sexualität]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name &amp;#039;&amp;#039;Kokopelli&amp;#039;&amp;#039; stammt vom [[Hopi]]-Geist &amp;#039;&amp;#039;Kookopölö&amp;#039;&amp;#039; (einem der [[Kachina]]-Geister), der für Fruchtbarkeit von Menschen und Feldfrüchten steht. Er wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts von [[Ethnologie|Ethnologen]] generell für diese prähistorischen Abbildungen angewendet, obwohl es in Darstellung und Funktion neben großen Gemeinsamkeiten auch deutliche Unterschiede gibt. Heute gilt &amp;#039;&amp;#039;Kokopelli&amp;#039;&amp;#039; im Südwesten der Vereinigten Staaten als universelles Symbol für die Region und ihre Kultur und wird tausendfach in der Werbung abgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verbreitung und Entwicklung ==&lt;br /&gt;
Der Kokopelli ist die am häufigsten abgebildete menschenähnliche Figur der Anasazi und ihrer direkten und indirekten Nachfolger. Er wird sowohl als [[Felszeichnung]]en, auf den Fels gemalt, wie als [[Petroglyphen]], in die Oberfläche des Felsens geritzt, im ganzen Südwesten gefunden, vorwiegend auf dem [[Colorado-Plateau]] um die [[Four Corners]], seltener auch in anderen Teilen [[Utah]]s, [[Colorado]]s, [[New Mexico]]s und [[Arizona]]s, sowie vereinzelt auch jenseits der Grenzen in [[Nevada]], [[Texas]], [[Oklahoma]] und im äußersten Norden [[Mexiko]]s. Die größte Dichte wird mit rund 175 Bildern des Kopopelli im &amp;#039;&amp;#039;Taawaiki site&amp;#039;&amp;#039; auf der [[Black Mesa (Arizona)|Black Mesa]] in Arizona und mit mindestens 130 Flötenspielern am [[Santa Fe River (Rio Grande)|Santa Fe River]] bei [[La Cienega (New Mexico)|La Cienega]] in New Mexico erreicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 2, 33–37&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Felsbilder von Flötenspielern sind im Südwesten bereits sehr früh nachzuweisen. Mindestens fünf Figuren im südlichen Utah stammen aus der [[Archaische Periode (Amerika)|Archaischen Periode]] und sind dem &amp;#039;&amp;#039;Barrier Canyon Style&amp;#039;&amp;#039; zuzurechnen, der auf die Zeit zwischen 4000 und 500&amp;amp;nbsp;v.&amp;amp;nbsp;Chr. datiert wird. In der [[Basketmaker]]-Kultur des nördlichen Arizonas steigt ihre Verbreitung vor dem Jahr 500 deutlich an. Diese ersten Abbildungen von Flötenspielern ohne weitere Attribute können einfach menschliche Musikanten ohne religiöse Bedeutung darstellen. Einzelne Flötenspieler mit betontem Phallus stehen wohl bereits im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsritualen, weichen aber noch hinreichend von den buckligen, Flöte spielenden Figuren ab, die als Kokopelli bezeichnet werden. Die Entwicklung der Figur mit allen einschlägigen Attributen fand wohl am oberen [[Rio Grande]] und im [[San-Juan-Becken]] statt und wird in die &amp;#039;&amp;#039;Pueblo-I&amp;#039;&amp;#039;-Phase der [[Anasazi]]-Kultur und somit in den Zeitraum von 750 bis 900 datiert.&amp;lt;ref name=slifer21 /&amp;gt; Frühe Darstellungen sind zumeist [[Strichmännchen]] oder als Umriss abgebildet,&amp;lt;ref&amp;gt;Malotki 2000, Seite 6&amp;lt;/ref&amp;gt; später kommen weitere Formen hinzu und prägen sich regional unterschiedliche Traditionen aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Malotki 2000, Seite 136&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1000 wird Kokopelli mit Flöte, Buckel und Phallus auch auf Keramiken des &amp;#039;&amp;#039;red-on-buff&amp;#039;&amp;#039;-Typs der [[Hohokam-Kultur]] gefunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Malotki 2000, Seite 1&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Abbildungen gehen auch auf die Abspaltungen und Verwandten der Anasazi, die [[Fremont-Kultur|Fremont]]-, [[Sinagua-Kultur|Sinagua]]- und [[Mogollon-Kultur]], zurück. Nach 1300 erreichten die Abbildungen von Kokopelli ihre größte Verbreitung, sie sind im &amp;#039;&amp;#039;Rio-Grande&amp;#039;&amp;#039;-Stil gehalten.&amp;lt;ref name=slifer67&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 67 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor 1500 bricht die Kulturtradition im Südwesten zusammen. Die [[Pueblo (Siedlung)|Pueblo]]-Siedlungen werden verlassen und die Kunst der prähistorischen Felsbilder endet. Die Nachfolger der &amp;#039;&amp;#039;Ancestral-Pueblo&amp;#039;&amp;#039;-Kulturen sind die [[Hopi]], die [[Zuñi (Volk)|Zuñi]] und die heutigen [[Pueblo-Kultur|Pueblo-Indianer]]. In ihrer Kunst sind bis heute Elemente des &amp;#039;&amp;#039;Rio-Grande&amp;#039;&amp;#039;-Stils erhalten, weshalb die Datierung der jüngsten Kokopelli-Bilder schwierig ist. Einige könnten aus historischer Zeit stammen. Einzelne Aspekte der prähistorischen Felsbilder werden auch von den nach 1500 von Norden in die Region eingewanderten [[Apachen]]- und [[Navajo (Volk)|Navajo]]- sowie aus dem Westen stammenden [[Ute (Volk)|Ute]]-Indianern aufgegriffen. Diese Völker haben nachweislich noch in historischer Zeit auf dem Colorado-Plateau Felsbilder mit buckligen Figuren hinterlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 67–68, 74–77&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prähistorische Mythen um und Abbildungen von Flötenspielern gibt es in vielen Kulturen. In Nordamerika besonders bei den [[Anishinabe]] im Gebiet der [[Große Seen|Großen Seen]] sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Kanada. Sie weisen einige Gemeinsamkeiten mit Kokopelli auf, eine Verbindung ist aber nicht anzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 37&amp;lt;/ref&amp;gt; Flötenspieler sind als Felsbilder auch in anderen Teilen der Erde verbreitet: In Afrika werden sie sowohl nördlich wie südlich der Sahara gefunden, australische [[Aborigines]] malen Musikanten mit Blasinstrumenten, eine besonders ausgeprägte Tradition gibt es in großen Teilen Südamerikas. In der europäischen Mythologie kommen Flötenspieler als [[Orpheus]] und [[Pan (Mythologie)|Pan]] vor. Die indische Ikonografie bildet [[Krishna]] mit einer Flöte ab. Alle diese Flötenspieler stehen in Zusammenhang mit Ritualen und Naturmagie, ein direkter Zusammenhang mit der als Kokopelli bezeichneten Figur ist jedoch nicht nachweisbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 134–142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Dino Cub-Creek-Petroglyphs-IMG 3619.jpg|mini|Schlecht erhaltener Flötenspieler der Anasazi im [[Dinosaur National Monument]], Utah]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Honanki Ruins near Sedona.jpg|mini|Prähistorisches Felsbild eines Flötenspielers der Sinagua nahe [[Sedona]], Arizona]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung und Funktion ==&lt;br /&gt;
Der Name Kokopelli ist von dem [[Kachina]] Kookopölö der [[Hopi]] abgeleitet, der in deren Mythologie eine vergleichbare Funktion hat. Die Übertragung des Namens des Hopi-Kachinas auf den prähistorischen Flötenspieler erfolgte schon seit den 1930er Jahren und galt in den 1960er Jahren unter Ethnographen als etabliert. Ebenfalls in den 1960er Jahren lehnten Hopi bei jüngeren Befragungen die Gleichsetzung aber ab und bezeichneten den prähistorischen Flötenspieler einfach als &amp;#039;&amp;#039;lelenhoya&amp;#039;&amp;#039; für Musiker. Andere Hopi bezeichneten die Abbildungen in Felszeichnungen als &amp;#039;&amp;#039;maahu&amp;#039;&amp;#039; für [[Singzikaden|Zikade]].&amp;lt;ref name=malotkiintro&amp;gt;Malotki 2000, &amp;#039;&amp;#039;Introduction&amp;#039;&amp;#039;, Seiten 1–13&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die prähistorischen Felsbilder ===&lt;br /&gt;
Die prähistorischen Kulturen des Südwestens haben außer den Felszeichnungen und [[Artefakt (Archäologie)|Artefakten]] keine Hinweise hinterlassen. Daher kann die Bedeutung des Symbols nur aus dem Kontext der Überlieferungen und den [[Mythos|Mythen]] der heutigen Indianer-Völker, die als Nachfahren gelten, abgeleitet werden. Die prähistorischen Felsbilder des buckeligen Flötenspielers treten in vielfältiger Weise auf: Einzeln oder in Gruppen, zusammen mit geometrischen Formen oder Symbolen, mit Tieren und mit Menschenfiguren und mit verschiedenen [[Attribut (Kunst)|Attributen]]. Das gemeinsame Thema der Darstellungen ist [[Fruchtbarkeit]].&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Kapitel &amp;#039;&amp;#039;The Many Faces of the Flute Player&amp;#039;&amp;#039;, Seiten 81–133&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelne Darstellungen sind bezüglich der Verbindung völlig eindeutig: Hier wird Kokopelli als buckliger Flötenspieler beim Geschlechtsverkehr oder neben schwangeren oder gebärenden Frauen abgebildet. In anderen Darstellungen wird die Flöte zum phallischen Symbol bis hin zu einer gezeichneten Verbindung zwischen Flöte und Phallus in einer Art [[Autofellatio]].&amp;lt;ref&amp;gt;Mehrere Abbildungen aus New Mexico bei Slifer 2007, Seite 82&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehrfach wird der Flötenspieler dargestellt, mit seinem Phallus auf im Stein vorhandenen Löchern oder Vertiefungen ausgerichtet, die zum Teil zur Form einer weiblichen [[Vulva]] bearbeitet sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seite 42&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Bitte um dauerhaftes Bestehen des jagbaren Wildes verweisen Darstellungen von Kokopelli zusammen mit [[Dickhornschaf]]en und anderen Tieren. Ein weiterer Zusammenhang ist der Einsatz der Flöte bei Wetterritualen, insbesondere dem Regenmachen. Daher kommt eine verbreitete Darstellung des Kokopelli zusammen mit wasserliebenden Tieren, wie Eidechsen und Schlangen. Abstrakte Darstellungen zeigen ihn mit einer Spirale als Wassersymbol oder den Wolken-Terrassen, die überall im Südwesten als Regensymbol verwendet werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 81–100&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kokopelli kann aber auch andere Formen annehmen. Es gibt Abbildungen von Flöte spielenden Tieren wie Dickhornschafen oder menschlichen Figuren mit Vogelkopf. In diesen Zusammenhang passen auch Flötenspieler mit verzerrten oder verfremdeten Körpern oder Attributen. Ethnologen interpretieren sie als [[Schamane|schamanische]] Darstellung von [[Trance]]-Erfahrungen, hervorgerufen durch Rituale, Träume oder den Gebrauch von [[Halluzinogen]]en.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 100–107&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Verbindung aus Fruchtbarkeitssymbol und [[Animismus (Religion)|animistischer]] Gestaltwandlung leitet zur Interpretation von Kokopelli als „universaler [[Trickster]]-Archetyp“, der „ungezügelte Sexualität“ aufweist, und sich „in seiner Rolle als Jagdzauberer und Regenpriester von einer ungeregelten amoralischen Kraft zum Schöpfer verwandeln kann, der Ordnung und Sicherheit in das Chaos der Welt bringt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Wellmann: &amp;#039;&amp;#039;Some Observations on Human Sexuality in American Indian Rock Art.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Southwestern Lore&amp;#039;&amp;#039;, Jahrgang 40, No 1 (1974), Seiten 1–12, zitiert nach Slifer 2007, Seite 107&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbreitet sind auch Darstellungen, in denen Kokopelli doppelt vorkommt, sei es Rücken an Rücken oder einander zugewandt. Sonderformen sind zwei Flötenspieler, die gemeinsam auf einem Instrument spielen oder Kopf an Kopf übereinander stehen oder gespiegelt sind. In einigen wenigen Fällen wird eine Vielzahl an Flötenspielern zusammen dargestellt oder Szenen, in denen ein Flötenspieler eine Gruppe von Personen in einem Ritual anleitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 127–133&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In zwei prähistorischen [[Kiva]]s der Anasazi im südwestlichen Colorado (&amp;#039;&amp;#039;Yellow Jacket Canyon&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Sand Canyon&amp;#039;&amp;#039;) wird Kokopelli mit der Schöpfung der Welt in Verbindung gebracht. Kivas sind runde, unterirdische Kulträume, die durch einen Einstieg mittels Leiter durch eine Öffnung in der flachen Balkendecke und eine Feuerstelle mit einer speziellen Frischluftzufuhr gekennzeichnet sind. Außerdem weisen Kivas ein kleines, häufig tiefes Erdloch auf, das als &amp;#039;&amp;#039;sipapu&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet wird und als Verbindung zwischen dem Kultraum und der Erde gilt, als Öffnung aus der die Menschen aufgestiegen sind und die gesamte Schöpfung hervorgegangen ist. In diesen beiden Kivas wurden beim Bau der Kivas neben dem sipapu Figuren von Flötenspielern mit ausgeprägtem Phallus in den ausgehobenen Erdboden geritzt oder flächig vertieft, bevor die Zeichnungen mit dem eigentlichen Boden der Kiva überdeckt wurden und somit nur noch symbolisch anwesend waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Bruce A. Bradley: &amp;#039;&amp;#039;Architectural Petroglyphs at Sand Canyon Pueblo (5MT765) Southwestern Colorado&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Kiva&amp;#039;&amp;#039; Zeitschrift der Arizona Archaeological and Historical Society, Volume 54, No. 2 (1989), Seiten 153–161 (Online bei Jstor: [http://www.jstor.org/stable/30247374 Architectural Petroglyphs])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zusammenhang mit nachweisbaren Ereignissen könnte bei den gelegentlich vorkommenden Darstellungen von Kokopelli mit einem (Wander-)Stab bestehen. Ethnologen diskutieren, ob es sich hier um Anlehnungen an [[Pochteca]] handelt; Händler aus dem [[mesoamerika]]nischen Raum, die zwischen 1200 und 1400 nachgewiesen sind und kulturelle Güter und Fertigkeiten in das [[Sonora-Wüste|Sonora-]] und [[Chihuahua-Wüste|Chihuahua-Gebiet]] brachten. Sie werden in Mesoamerika mit Stab und Sack auf dem Rücken abgebildet. Der Ursprung der Figur kann hierin jedoch nicht bestehen, da die frühesten Abbildungen von Kokopelli älter sind als die Pochteca.&amp;lt;ref name=slifer31&amp;gt;Slifer 2007, Seite 31&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kokopelli kachina.jpg|miniatur|Der Kookopölö-Kachina der Hopi links, mit seinem weiblichen Gegenstück, Kokopölmana, rechts. Zeichnung des &amp;#039;&amp;#039;U.S. Bureau of American Ethnology&amp;#039;&amp;#039;, 1903]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Arizona, hopi, bambola kokopelli kachina, fine del XIX sec.JPG|mini|Kachina-Puppe des Kookopölö, spätes 19. Jahrhundert. [[Brooklyn Museum]], New York]]&lt;br /&gt;
=== Der Hopi-Kachina Kookopölö ===&lt;br /&gt;
Kookopölö ist eine [[Kachina]]-Gottheit der Hopi. Wie alle Kachinas wird sie bei Tänzen durch Menschen in Kostümen und mit überdimensionalen Masken dargestellt und in Form von geschnitzten Puppen mit aufwändigen Gewändern in Hopi-Haushalten für private Rituale genutzt. Kookopölö ist gekennzeichnet durch eine bucklige Gestalt, die bei den Tänzern durch viele Lagen umgelegter Stoffe erzeugt wird, eine schwarze Kopfmaske mit einem charakteristischen weißen Strich, der senkrecht das Gesicht in zwei Hälften teilt, sowie weiße Umrandungen der Augen und eine große runde, weiße Zeichnung auf Höhe der Ohren. Er trägt einen überdimensionalen Phallus umgeschnallt, der aus einem passend geformten [[Flaschenkürbis]] besteht.&amp;lt;ref&amp;gt;Malotki 2000, Seiten 17 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Hopi-Mythologie spielen die Zikade und nahe verwandte Insekten eine Rolle, die durch auffallende Ähnlichkeiten zu den prähistorischen Abbildungen einen Einblick in den Hintergrund der Figur gibt. Beim Kachina Kokopelli ist die Flöte jedoch mit aus der Insektenwelt übernommenen Mundwerkzeugen zu einer langen Schnauze verschmolzen.&amp;lt;ref name=slifer21 /&amp;gt; Die Wortherkunft ist nicht eindeutig geklärt. Der erste Wortteil mit lang gesprochenem o &amp;#039;&amp;#039;Kooko&amp;#039;&amp;#039;, ist isoliert bei den Hopi nicht in Gebrauch, die Annahme, dass „Pelli“, dem Hopi- und Zuñi-Wort für die [[Raubfliegen|Wüsten-Raubfliege]] sei, ist wohl unzutreffend. Stattdessen wird dieser Wortbestandteil bei verschiedenen runden Objekten, so auch einem buckligen Rücken verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Hopi gelten Zikaden und Raubfliegen als Fruchtbarkeitssymbole und sie weisen auffällige Buckel auf.&amp;lt;ref name=slifer21&amp;gt;Slifer 2007, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Zikade ist auch das Symbol der Hopi-Flöten-Gemeinschaft, einer &amp;#039;&amp;#039;[[Phratrie (Clan-Verband)|Phratrie]]&amp;#039;&amp;#039; (Clan-Verband), und spielt eine Rolle in ihrer Schöpfungsgeschichte. Die Zikade und wohl auch die Raubfliege symbolisieren wegen ihres an Jahreszeiten gebundenen Auftretens den Sommer und die Zeit der Bodenfruchtbarkeit. Der Gesang der Zikade wird bei den Hopi mit demselben Wort bezeichnet wie die Musik der Flöte. Verwandte Insekten wie die [[Laubheuschrecken]] gelten auch bei anderen Indianer-Völkern als Fruchtbarkeits-Symbole, bei den heute im selben Gebiet wohnenden [[Jicarilla]]-Apachen wird die Laubheuschrecke in einem [[Liebeszauber]] verwendet.&amp;lt;ref name=slifer23&amp;gt;Slifer 2007, S. 23.&amp;lt;/ref&amp;gt; Von diesen Zusammenhängen könnten die häufigen Schmuckelemente auf dem Kopf des Kokopelli abgeleitet sein, die an Insektenfühler und -mundwerkzeuge erinnern.&amp;lt;ref name=slifer21 /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mythen der Hopi wird eine direkte Verwandlung von Kookopölö in eine Zikade und zurück erzählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Malotki 2000, S. 72, und Wiedergabe des Mythos auf den Seiten 106–110.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übertragung von der prähistorischen Kultur zu den Hopi ===&lt;br /&gt;
Fruchtbarkeit, Buckel, eine Vielzahl an gemeinsamen Attributen und der Phallus sind ein deutliches Indiz für die Zusammenhänge, wie sie von frühen Ethnologen aufgezeichnet wurden. Das Fehlen der Flöte bei Kookopölö steht dem nicht entgegen. Von besonderer Aussagekraft sind Motive von prähistorischen Felsbildern, die in Mythen der Hopi bis in die Gegenwart fortgeführt werden. Bei [[Jemez Pueblo]] in New Mexico gibt es einen Petroglyphen der Anasazi, auf dem ein Flötenspieler auf einer Flanke eines Felsblocks mittels eines überlangen Phallus in eine Frauenfigur auf der benachbarten Felsflanke eindringt, wobei beide Figuren einander nicht sehen können. Ethnologen sehen Parallelen zu Mythen, die bei den [[Acoma-Pueblo]] und den Hopi erzählt werden. Darin verbirgt sich in einem Fall ein junger Krieger der Acoma vollständig unter der Erde an der Stelle, wo eine allseits begehrte aber alle Avancen zurückweisende Häuptlingstochter abends zu urinieren pflegt. Als sie kommt, dringt er von unter der Erde in sie ein und schwängert sie, ohne dass sie den Geschlechtsverkehr als solchen erkennt. Bei den Hopi ist es Kookopölö selbst, der eine Häuptlingstochter auf ähnliche Weise schwängert. Er verfügt über einen überlangen Penis und legt einen Graben von seinem Haus bis zu dem Platz an, wo die junge Frau uriniert. Mittels einer Röhre aus Schilfrohr im wieder verdeckten Graben kann er die Häuptlingstochter über die weite Entfernung schwängern.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 43 f., der zweite Mythos wird auch bei Malotki 2000 erzählt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gemeinsame Herkunft des prähistorischen Flötenspielers und des Hopi-Kachinas Kookopölö von Insekten gilt als weiterer Hinweis auf die kulturelle Identität. Der prähistorische Kokopelli wird häufig zusammen mit Insekten abgebildet oder aber es sind buckelige Insekten, die Flöte spielen.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seite 22 mit einer Vielzahl von Abbildungen&amp;lt;/ref&amp;gt; Vorwiegend in jüngeren Felsbildern der Anasazi und der Sinagua und bis zu den historischen Ute-Indianern tritt Kokopelli mit auffälligen Auswüchsen aus dem Kopf auf, der von Mundwerkzeugen der Insekten abgeleitet werden kann.&amp;lt;ref name=slifer21 /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kookopölö der Hopi kann daher als Entwicklung aus zwei Traditionslinien erkannt werden: Sowohl der prähistorische Flötenspieler als auch die mythologische Figur der Zikade oder Raubfliege gingen in ihm ein. Aus ihrer Kombination entwickelte sich der Kachina.&amp;lt;ref name=slifer21 /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich gibt es Erzählungen der Pueblo-Indianer, die die prähistorischen Felsbilder des Flötenspielers erklären sollen. Die Abbildungen werden darin als Bringer von Saatgut, Nahrung und Babys interpretiert. Sie tragen diese Gaben in einem Sack auf dem Rücken, der mit dem Buckel des Kokopelli assoziiert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seiten 81–100&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Verwendung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Neutered kokopelli.svg|miniatur|hochkant|links|Entmanntes Kokopelli-Symbol ohne Phallus, das heute überall im Südwesten verbreitet ist]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren hat sich Kokopelli zu einem Wahrzeichen des Südwestens der Vereinigten Staaten entwickelt,&amp;lt;ref&amp;gt;Arno Heller: &amp;#039;&amp;#039;Amerikanischer Südwesten&amp;#039;&amp;#039;. Innsbruck University Press, 2006, ISBN 3-901249-91-5, Seiten 23–28, 28&amp;lt;/ref&amp;gt; mit [[Merchandising]] wie Baseball-Kappen und Schlüsselanhängern. Dabei wird er allerdings zumeist ohne den übergroßen Phallus abgebildet. Die Verbreitung des Symbols erstreckt sich auch auf Bereiche, die angesichts der prähistorischen Herkunft absurd sind. So werben Unternehmen in Arizona mit golfenden, fahrradfahrenden oder skilaufenden Kokopelli-Zeichnungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Slifer 2007, Seite 49&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die angeblich größte Kokopelli-Figur steht in [[Camp Verde (Arizona)|Camp Verde]], Arizona, einem kleinen Ort im [[Verde Valley]] unterhalb des [[Mogollon Rim]], wo dieser vom [[Interstate 17|Interstate Highway 17]] erschlossen wird. In Camp Verde finden mehrmals im Jahr Feste im Zusammenhang mit der Ernte verschiedener Feldfrüchte statt,&amp;lt;ref&amp;gt;Camp Verde Chamber of Commerce: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.visitcampverde.com/ Welcome to Camp Verde]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; zu denen das Fruchtbarkeitssymbol Kokopelli passt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Dennis Slifer: &amp;#039;&amp;#039;Kokopelli – The Magic, Mirth, and Mischief of an Ancient Symbol&amp;#039;&amp;#039;. Gibbs Smith, 2007, ISBN 978-1-4236-0174-6.&lt;br /&gt;
* Ekkehart Malotki: &amp;#039;&amp;#039;Kokopelli. The Making of an Icon.&amp;#039;&amp;#039; University of Nebraska Press, Lincoln, NE 2000, ISBN 0-8032-3213-6.&lt;br /&gt;
* Bruni Kobbe: [https://www.wissenschaft.de/allgemein/kokopelli-der-floetenspieler/ &amp;#039;&amp;#039;Kokopelli der Flötenspieler&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;Bild der Wissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Heft 2/1997, Seiten 24–27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Indianische Gottheit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Männliche Gottheit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Fruchtbarkeitsgottheit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;SchlurcherBot</name></author>
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