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	<title>Kognitive Poetik - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-08T05:35:15Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2025-05-06T06:20:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;growthexperiments-addlink-summary-summary:2|0|0&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kognitive Poetik&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;cognitive poetics&amp;#039;&amp;#039;) ist die Sammelbezeichnung für zeitgenössische, kognitiv-empirische Forschungsansätze in der [[Literaturtheorie]], bzw. [[Literaturwissenschaft]], in denen die Untersuchung der Wirkung narrativer und sprachlich-[[Rhetorisches Stilmittel|stilistischer]] Kunstmittel auf den Leser im Vordergrund steht.&amp;lt;ref&amp;gt;Els Andringa: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S.&amp;amp;nbsp;50–53, hier S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kognitive Poetik versucht, [[Rezeption (Kunst)|Literaturrezeption]] aufgrund allgemeiner Prozesse der menschlichen [[Kognition|Informationsverarbeitung]] (d.&amp;amp;nbsp;h. Kognition) verstehbar zu machen. Der Name des Forschungsfeldes setzt sich folgerichtig aus &amp;#039;&amp;#039;[[Kognition]]&amp;#039;&amp;#039;, d.&amp;amp;nbsp;h. jene die menschliche [[Erkenntnis]] strukturierenden Mechanismen, und &amp;#039;&amp;#039;[[Poetik]]&amp;#039;&amp;#039;, d.&amp;amp;nbsp;h. Theorie zum Verständnis von Literatur, zusammen. In ihrer methodischen Ausrichtung ist die Kognitive Poetik damit eine Tochterdisziplin des jungen Feldes der [[Soziale Neurowissenschaften|sozialen Neurowissenschaften]], die sich der Untersuchung kognitiver Korrelate [[Sozialverhalten|sozialer Prozesse]] im menschlichen [[Gehirn]] widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb des genannten Forschungsparadigmas lassen sich aktuell thematische Spezialisierungsfelder ausmachen (zumeist verbunden mit einzelnen Forscherpersönlichkeiten), obwohl ein integrativer programmatischer Ansatz bislang nicht formuliert worden ist. Dominierende Ansätze hierbei sind ein (kognitions-)psychologischer, ein [[Linguistik|linguistischer]] sowie [[Evolutionsbiologie|evolutionsbiologisch]] orientierter Ansatz. Dennoch gehen die verschiedenen Ansätze oder Ausrichtungen von bestimmten gemeinsamen Grundannahmen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
Die Erforschung sprachlicher Besonderheiten im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf den [[Rezipient]]en war bereits Thema der klassischen [[Rhetorik]] und [[Poetik]], wurde jedoch von den [[Russischer Formalismus|russischen Formalisten]] in den 1920er Jahren erneut aufgegriffen. So wies vor allem [[Wiktor Borissowitsch Schklowski|Šklovskij]] (&amp;#039;&amp;#039;Die Kunst als Verfahren&amp;#039;&amp;#039;, 1917) auf die Zusammenhänge zwischen den Abweichungen von [[Sprachwissenschaft|linguistischen]] oder erzählerischen Konventionen und den Effekten der [[Verfremdungseffekt|Entfremdung]] und Deautomatisierung hin. Das Gedankengut des Formalismus wurde nach dessen Verbot durch [[Josef Stalin|Stalin]] 1930 von den [[Strukturalismus|Strukturalisten]] weiterentwickelt und von den Exilanten in andere Länder überliefert. In seinem grundlegenden Aufsatz &amp;#039;&amp;#039;Closing Statement: Linguistics and Poetics&amp;#039;&amp;#039; (1960) führt [[Roman Ossipowitsch Jakobson|Jakobson]] die poetische Sprachwirkung auf Äquivalenzstrukturen zurück, die die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf die Sprache bzw. das sprachliche Medium selbst lenken. Die Prinzipien der Deautomatisierung und Verfremdung wurden im angelsächsischen Raum beispielsweise im Rahmen der Analyse von &amp;#039;&amp;#039;[[Found Poems|found poems]]&amp;#039;&amp;#039; auch unter dem Begriff des &amp;#039;&amp;#039;foregrounding&amp;#039;&amp;#039; weiterverfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Ansätzen zur strukturellen Poetik werden zumeist Konzepte des Lesers sowie die Rezeptionsanalyse mit einbezogen oder aber zumindest, wenngleich nicht immer in expliziter Form, mitgedacht. Beispielsweise sieht [[Jonathan Culler|J. Culler]] eine linguistische Analogie auf Seiten des Lesers im Sinne einer „literarischen Kompetenz“ (J. Cullers, &amp;#039;&amp;#039;Structuralist Poetics&amp;#039;&amp;#039;, 1975, Kapitel 6).&amp;lt;ref&amp;gt;Els Andringa: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S.&amp;amp;nbsp;50f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Verlauf der 1970er Jahre wurden zunehmend Konstrukte und Modelle aus der [[Kognitionswissenschaft]] richtungweisend, die sich in den sozial- und informationswissenschaftlichen Disziplinen mit den mentalen Prozessen der Wahrnehmung, des Verstehens sowie des Lernens beschäftigen. Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;cognitive poetics&amp;#039;&amp;#039; wurde in Analogie zum Terminus &amp;#039;&amp;#039;cognitive linguistics&amp;#039;&amp;#039; ([[kognitive Linguistik]]) eingeführt. R. Tsur verwendete den Ausdruck im Zusammenhang mit der Analyse und Interpretation poetischer Texte (R. Tsur, &amp;#039;&amp;#039;What is Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;, 1983). Dabei entwickelte er einerseits aus Beobachtungen am Text Annahmen über mentale Prozesse beim Leser, bezog andererseits jedoch ebenso Überlegungen und Vermutungen ein über Repräsentationen menschlicher Kognition und Erfahrung in den Texten.&amp;lt;ref&amp;gt;Els Andringa: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S.&amp;amp;nbsp;51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundannahmen ==&lt;br /&gt;
=== Generelle Gültigkeit menschlicher Kognition ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Kognitive Poetik Schema.png|mini|Schematische Darstellung der Kognitiven Poetik]]&lt;br /&gt;
Ein zentraler Grundsatz der Kognitiven Linguistik ist die Verallgemeinerbarkeit der kognitiven Grundleistungen des Menschen, d.&amp;amp;nbsp;h. die das menschliche Erkennen strukturierenden Mechanismen, auf alle Arten von zu verarbeitenden Informationen, und damit auch auf die Verarbeitung literarischer Werke.&lt;br /&gt;
So werden, im Verlauf einer [[Textanalyse]], Konzepte der Kognitionsforschung auf literarische Werke angewandt. Kognitive Literaturanalyse versucht also, die besondere Wirkung literarischer [[Rhetorische Figur|Stilmittel]] oder Textformen beim Rezipienten unter Rückgriff auf kognitive Grundmechanismen menschlichen Verstehens (i.&amp;amp;nbsp;e. Informationsverarbeitung) zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kognitionspsychologische Konzepte, die dabei besondere Beachtung finden, sind:&lt;br /&gt;
*[[Figur-Grund-Wahrnehmung]]&lt;br /&gt;
*[[Aufmerksamkeit]]ssteuerung&lt;br /&gt;
*[[Frameanalyse|Kognitives Framing]]&lt;br /&gt;
*[[Prototypensemantik|Prototypentheorie]]&lt;br /&gt;
*[[Skriptanalyse|Script-Theorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Illustration der generellen Gültigkeit menschlicher Kognition&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit des kognitiven Framings beispielsweise – das Verstehen neuer Umweltinformation durch deren Einbettung in einen kognitiven Interpretationsrahmen (frame) – lässt sich in vielfältigen menschlichen Sinnesleistungen beobachten; so werden beispielsweise Noten im Verhältnis zu einer gewissen Tonart (auditiven frame) interpretiert und als tonal/atonal bewertet, optische Täuschungen unterliegen gewöhnlich einem frame-Konflikt zwischen konkurrierenden Interpretationsrahmen (vgl. [[Necker-Würfel|Kippfigur]]), und menschliche Äußerungen im Gesprächsfluss werden generell im Rahmen des bisherigen Gesprächs interpretiert (vgl. „Triff mich hier, heute in einer Woche, mit einem Stock der diese Größe hat“ – ohne adäquates Framing kann dem Satz keinerlei Bedeutung zugemessen werden).&lt;br /&gt;
In Bezug auf literarische Texte schlägt beispielsweise Emmot&amp;lt;ref&amp;gt;Emmott, Catherine (2003) &amp;#039;&amp;#039;A cognitive poetic analysis of &amp;#039;twists in the tale&amp;#039; and other plot reversals in narrative texts.&amp;#039;&amp;#039; Ed. Steen, Gerard: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics in Practice&amp;#039;&amp;#039;. London: Routledge.&amp;lt;/ref&amp;gt; vor, plötzliche Handlungsumbrüche am Ende einer Short Story als kognitives Re-framing zu betrachten, in dessen Licht vorherigen Handlungselementen eine völlig neue (und schlüssige) Bedeutung zukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperliche Verankerung der Kognition ===&lt;br /&gt;
Die Kognitive Poetik berücksichtigt dabei besonders die grundlegende Verankerung menschlicher Kognition in der artspezifischen [[Körper (Biologie)|Körperlichkeit]]. Diesem Ansatz zufolge hat der Mensch im Laufe seiner evolutionären Entwicklung spezifische Mechanismen herausgebildet, um seine Wahrnehmung von [[Wirklichkeit]] zu strukturieren, die vor allem von seinem körperlichen Erleben abhängen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. „Wenn wir ganz andere neuronale Adaptionsprozesse durchlaufen hätten – wie etwa der Octopus – hätten wir auch ein anderes Weltbild.“ Ernst Pöppel: Neurowissenschaftler. In: {{Der Spiegel |ID=18074412 |Autor=Katja Thimm, Gerald Traufetter |Titel=Schauder des Schaffens |Jahr=2000 |Nr=51 |Seiten=220 |Datum=2000-12-18 |Kommentar=Interview mit dem Lyriker [[Durs Grünbein]] und dem Neurowissenschaftler [[Ernst Pöppel]] über die Vorgänge im menschlichen Gehirn, die zum Schöpferischen führen.}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Solche körperlich determinierten Kognitionskonzepte lassen sich in der Folge auch im literarischen Rezeptionsvorgang aufzeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Illustration der körperlichen Verankerung sowie kognitiver Leistungen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne lässt sich beispielsweise die &amp;#039;&amp;#039;Figur-Grund-Unterscheidung&amp;#039;&amp;#039; als eine zentrale kognitive Fertigkeit betrachten, die der Mensch im Laufe seiner körperlichen [[Phylogenese]] entwickelt hat (zweifellos zu einem frühen evolutionären Zeitpunkt, da er diese Fähigkeit mit zahllosen Schwesterspezies teilt). Die spezifische Körperlichkeit des &amp;#039;&amp;#039;[[Mensch|Homo sapiens]]&amp;#039;&amp;#039;, seine Situiertheit in einer physischen Umgebung voller beweglicher und starrer Objekte, die es erfolgreich zu manipulieren gilt, führte demnach zur Ausbildung der (primär visuellen) Unterscheidung zwischen Vordergrundobjekten (Figur) und einem starren Hintergrund (Grund). Diese Fertigkeit hat im Laufe der Evolution im Menschen eine besondere Entwicklungsstufe erreicht (vgl. tarnendes [[Mimikry]] betreibende Falter, welche von hochspezialisierten Raubvögeln nicht als separate Objekte identifiziert werden können, während dem Menschen diese Unterscheidung ohne Schwierigkeiten gelingt).&lt;br /&gt;
In Bezug auf Literaturrezeption ermöglicht diese kognitive Fähigkeit dem Menschen beispielsweise [[Protagonist]]en in größeren Textteilen als separate Handlungsträger zu identifizieren, eine Haupt- von einer Hintergrundhandlung zu unterscheiden oder die Isolierung bestimmter [[Semantik|semantischer]] Felder vorzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Interdisziplinarität ===&lt;br /&gt;
Die Kognitive Poetik ist, per Definition, [[Interdisziplinarität|interdisziplinär]] angelegt. Die geisteswissenschaftliche Literaturforschung steht dabei im Austausch mit zahlreichen Schwesterdisziplinen aus den Naturwissenschaften:&lt;br /&gt;
*[[Kognitive Psychologie]]&lt;br /&gt;
*[[Neuropsychologie]]&lt;br /&gt;
*[[Kognitive Linguistik]]&lt;br /&gt;
*[[Biologie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spezialisierungsfelder ==&lt;br /&gt;
=== Evolutionsbiologischer Ansatz ===&lt;br /&gt;
Erste Überlegungen zur Biologie der Literatur finden sich schon bei [[Wilhelm Scherer]] in seiner Poetikvorlesung im Abschnitt „Ursprung der Poesie“. Im 20. Jahrhundert war die Literaturwissenschaft von einem weitgehend kulturalistischen [[Menschenbild]] geprägt und selbst Forschungen zu literarischen Universalien kamen ohne explizit biologische Argumentation aus. Erst in den 1990er Jahren gab es wieder vereinzelte Überlegungen zur „Biologie der Poesie“ und Versuche einer systematischen Einbeziehung der biologischen [[Evolutionstheorie]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Katja Mellmann: Literatur. In: Benjamin P. Lange, Sascha Schwarz (Hrsg.): Die menschliche Psyche zwischen Natur und Kultur. Pabst Publishing, Lengerich 2015, ISBN 978-3-95853-023-2, S. 105–113, hier S. 105f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im deutschen Sprachraum wurde die biologische Perspektive vor allem von dem Germanisten [[Karl Eibl (Germanist)|Karl Eibl]] vertreten, der schon 1995 in seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Die Entstehung der Poesie&amp;#039;&amp;#039; die Grundlagen menschlichen [[Kunst]]verhaltens mit evolutionsbiologischen und [[Ethologie|ethologischen]] Argumenten zu erhellen suchte. In &amp;#039;&amp;#039;Animal poeta&amp;#039;&amp;#039; (2004), &amp;#039;&amp;#039;Kultur als Zwischenwelt&amp;#039;&amp;#039; (2009) und zahlreichen Aufsätzen erweiterte Eibl seinen Ansatz mit Argumenten der [[Soziobiologie]] und der [[Evolutionäre Psychologie|Evolutionären Psychologie]]. Ebenfalls 1995 initiierte der amerikanische Literaturwissenschaftler Joseph Carroll mit seinem Buch &amp;#039;&amp;#039;Evolution and Literary Theory&amp;#039;&amp;#039; eine Forschungsrichtung, die sich unter dem Namen des &amp;#039;Literary Darwinism&amp;#039; etablierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Katja Mellmann: Mimetistische Tendenzen im ‚Literary Darwinism‘. Über Sinn und Unsinn in gegenwärtigen Versuchen einer evolutionsbiologischen Literaturbetrachtung. In: literaturkritik.de 02/2009, http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12715; Karl Eibl: Literaturwissenschaft. In: [[Philipp Sarasin]], Marianne Sommer, Thomas P. Weber (Hrsg.): Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch. Metzler, Stuttgart und Weimar 2010, S. 257–267, hier S. 258f.; Katja Mellmann: Zum Stand des Literary Darwinism. Gesammelte Aufsätze von Joseph Carroll. In: JLTonline.de, https://jltonline.de/reviews/2013/mellmann-stand-literary.de.html, 31. Oktober 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die inzwischen recht zahlreichen Ansätze einer solchen [[Literarische Anthropologie|Anthropologie der Literatur]] widmen sich insbesondere emotionalen Wirkungen von Literatur, evolutionsbiologisch ableitbaren Gestalterwartungen des Lesers, dem [[Erzählen]] als menschlichem Verhalten und dem Phänomen der [[Fiktionalität]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Katja Mellmann: Literatur. In: Benjamin P. Lange, Sascha Schwarz (Hrsg.): Die menschliche Psyche zwischen Natur und Kultur. Pabst Publishing, Lengerich 2015, ISBN 978-3-95853-023-2, S. 105–113, hier S. 107–110.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kognitionslinguistischer Ansatz ===&lt;br /&gt;
In diesem Feld finden sich vor allem Arbeiten, die Konzepte und Ansätze der Kognitiven Linguistik auf die Kognitive Poetik übertragen. Besondere Bedeutung wird dabei dem „begrifflichen [[Blending]]“ (nach Fauconnier und Turner) zugemessen, das jedoch bislang nicht durch neurokognitive Evidenz zu belegen ist. Ein anderer Schwerpunkt wurde an der [[Freie Universität Berlin|FU Berlin]] verfolgt. Die von [[Peter Stockwell]] theoretisierte gestaltpsychologische Interaktion von foregrounding und backgrounding wurde unter Bezugnahme auf die Theorie des „fringe“ neurokognitiv erklärt. Demnach lässt sich dieses Zusammenspiel von Figur und Grund durch das auf [[William James]] zurückgehende Konzept der Umrandung(fringe) von fokalen Bewusstseinsinhalten (Kerne oder Nuclei) durch nur dunkel erinnerte Kontextinformationen erklären und somit auch auf literarische Texte – etwa Lyrik – anwenden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Burkhard Meyer-Sickendiek]], [[Arthur Jacobs]] und Jana Lüdtke: &amp;#039;&amp;#039;Bausteine einer Neurokognitiven Poetik: Foregrounding/Backgrounding, lyrische Stimmung und ästhetisches Gefallen&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Stimmung und Methode&amp;#039;&amp;#039;, hg. v. Friederike Reents und Burkhard Meyer-Sickendiek, Tübingen: Mohr Siebeck 2013, S. 63–94.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Produktionsästhetischer Ansatz ===&lt;br /&gt;
In der deutschen Literatur hat sich vor allem der Lyriker [[Durs Grünbein]] mit den Beziehungen zwischen Gehirn und schöpferisch-schriftstellerischer Tätigkeit beschäftigt. In den Gedichtbänden &amp;#039;&amp;#039;Schädelbasislektion&amp;#039;&amp;#039; (1991), &amp;#039;&amp;#039;Gehirn und Denken&amp;#039;&amp;#039; (2000) oder in &amp;#039;&amp;#039;Der cartesische Taucher. Drei Meditationen&amp;#039;&amp;#039; (2008), aber auch in Gesprächen mit Neurowissenschaftlern&amp;lt;ref&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=18074412 |Autor=Katja Thimm, Gerald Traufetter |Titel=Schauder des Schaffens |Jahr=2000 |Nr=51 |Seiten=214–220 |Datum=2000-12-18 |Kommentar=Interview mit dem Lyriker [[Durs Grünbein]] und dem Neurowissenschaftler [[Ernst Pöppel]] über die Vorgänge im menschlichen Gehirn, die zum Schöpferischen führen.}} Vgl. dazu auch [http://www.kas.de/wf/doc/kas_882-544-1-30.pdf „Zu Durs Grünbeins Poetik“] (PDF; 692&amp;amp;nbsp;kB)&amp;lt;/ref&amp;gt; reflektiert Grünbein über das Verhältnis zwischen Kognition und Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik ==&lt;br /&gt;
Methodologisch ist die Kognitive Poetik zum jetzigen Zeitpunkt eine reine Korrelationswissenschaft. Danach werden gewisse [[Narratologie|narratologisch]]-poetologische Phänomene mit kognitiven-neuronalen Mustern in Verbindung gesetzt; eine schlichte [[Korrelation]] zweier Datensätze jedoch liefert weder eine Erklärung der beobachteten Phänomene noch weiterreichende oder übertragbare Erkenntnisse.&lt;br /&gt;
Die Argumentation, man erforsche auf diesem Wege die neuronale Funktions- und Arbeitsweise des Gehirns, verschiebt die Frage nach funktionalen Erklärungsmustern dieser Phänomene auf andere Forschungsfelder, speziell die [[Neurowissenschaft]]en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Erzähltheorie kritisiert der Narratologe Sternberg, dass die Modelle und Verfahren der Kognitiven Poetik, mit Hilfe derer Texte und mentale Prozesse in Einzelheiten zerlegt werden, „zu starr und reduktionistisch seien, um der Beweglichkeit und Veränderlichkeit des lesenden Geistes gerecht zu werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sternberg: &amp;#039;&amp;#039;Universals of Narrative and Their Cognitivist Fortunes&amp;#039;&amp;#039;, Tl. 1 und 2, in: &amp;#039;&amp;#039;Poetics Today&amp;#039;&amp;#039;, 24,2 und 3, 2003. Siehe auch Els Andringa: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S.&amp;amp;nbsp;53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wird von den [[Empirie|empirisch]] vorgehenden Literaturwissenschaftlern die fehlende Beweiskraft der Aussagen der kognitiv ausgerichteten Narratologen und Poetologen bemängelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Els Andringa: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics&amp;#039;&amp;#039;. In: Gerhard Lauer und Christine Ruhrberg (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lexikon Literaturwissenschaft · Hundert Grundbegriffe&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010810-9, S.&amp;amp;nbsp;53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
* Eibl, Karl: &amp;#039;&amp;#039;Die Entstehung der Poesie&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt 1995, ISBN 3-458-16696-3.&lt;br /&gt;
* Eibl, Karl: &amp;#039;&amp;#039;Animal poeta. Bausteine zur biologischen Kultur- und Literaturtheorie&amp;#039;&amp;#039;. Paderborn 2004, ISBN 3-89785-450-3.&lt;br /&gt;
* Eibl, Karl: &amp;#039;&amp;#039;Kultur als Zwischenwelt: Eine evolutionsbiologische Perspektive&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt 2009, ISBN 978-3-518-26020-3.&lt;br /&gt;
* Stockwell, Peter: &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics: An Introduction&amp;#039;&amp;#039;. London: Routledge 2002.&lt;br /&gt;
* Vandaele, Jeroen und Brône, Geert (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Cognitive Poetics. Goals, Gains and Gaps&amp;#039;&amp;#039;. Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020560-2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Online&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&amp;amp;tag=det&amp;amp;id=6699 Begriff im Filmlexikon der Uni Kiel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturwissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kognitionswissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturtheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;JoKa1979</name></author>
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