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	<title>Kirchenzucht - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Weblinks&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Belege|2=Dieser Artikel}}&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kirchenzucht&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein im [[Protestantismus]] tradierter Begriff, unter dem vielfältige Bemühungen zur Sicherstellung der kirchlichen Ordnung und Lehre zusammengefasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Freikirche|evangelischen Freikirchen]] gibt es als Pendant die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Gemeindezucht&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als römisch-katholisches Äquivalent der protestantischen Spruchkammer kann die [[Dikasterium für die Glaubenslehre|Kongregation für die Glaubenslehre]] (ursprünglich &amp;#039;&amp;#039;Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis&amp;#039;&amp;#039;), geleitet von sechs [[Großinquisitor]]en mit Sonderrechten, angesehen werden. Die [[Inquisition #Römische Inquisition|Römische Inquisition]] versuchte, unter anderem, die Ausbreitung des [[Protestantismus]] zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen ==&lt;br /&gt;
Mögliche Maßnahmen zur Sicherstellung der kirchlichen Ordnung und Lehre umfassen eine breite Palette, angefangen von der Abmahnung etwa eines kirchlichen Amtsträgers bis hin zur Aberkennung von kirchlichen Rechten, zum Beispiel dem Ausschluss vom [[Eucharistie|Abendmahl]]. Praktisch werden Maßnahmen der Kirchenzucht kaum noch geübt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In evangelischen Freikirchen spielt die Gemeindezucht heute noch eine gewisse Rolle; in der Praxis wird ein Ausschluss aus der Gemeinde meist nur in als sehr eindeutig geltenden Fällen vollzogen (zum Beispiel bei [[Ehebruch]] oder [[Homosexualität]]). Beim Bekennen der als sündhaft geltenden Handlung steht aber auch eine Rückkehr zur Gemeinde offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begründung ==&lt;br /&gt;
In der evangelischen Kirchengeschichte kommt der Kirchenzucht vor allem in den reformierten Kirchen eine wichtige Bedeutung zu. Teile der reformierten Theologie sehen in ihr (neben der Wortverkündigung und der Sakramentsverwaltung) ein drittes, zwingendes Merkmal einer Kirche (eine nota ecclesiae). Die Hochschätzung der Kirchenzucht in reformierten Kirchen geht insbesondere auf [[Martin Bucer]] und [[Johannes Calvin]] zurück. Ihre theologische Begründung wurzelt im [[Neues Testament|Neuen Testament]], und zwar besonders in Matthäus {{BB|Mt|18|15–18|LUT}}: „Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein … Hört er … nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner&amp;amp;nbsp;[…]“ Wichtige Impulse gingen auch von 1. Korinther {{BB|1 Kor|5||LUT}} aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekenntnismäßig ist die Kirchenzucht in den Fragen 82–85 des [[Heidelberger Katechismus]]&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.ubf-info.de/heidelberg/hdkat/hdkat2f.htm#82 Die Fragen 82–85 des Heidelberger Katechismus online]&amp;lt;/ref&amp;gt; verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirkungsgeschichte ==&lt;br /&gt;
Subjekt der Kirchenzucht ist ihrer theologischen Begründung nach die christliche Gemeinde (vgl. {{B|Mt|18|17}}; {{B|1 Kor|5|13}}). „Erst die Kirchenzucht eröffnete jeder einzelnen Gemeinde den Weg zur Heiligkeitsgemeinde.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Graf45&amp;quot;&amp;gt;[[Friedrich Wilhelm Graf]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Protestantismus. Geschichte und Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage. C. H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70824-4, S. 45.&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch die fehlende [[Trennung zwischen Kirche und Staat]] in den meisten evangelischen Territorien konnte der Staat bestimmte Aspekte der Kirchenzucht für bürgerliche Ordnungsvorstellungen instrumentalisieren. Die Kirchenzucht führt dazu, dass die reformierte Sozialethik „zu einer radikalen Moralisierung der öffentlichen Ordnung“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Graf45&amp;quot; /&amp;gt; neigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frühe Neuzeit ===&lt;br /&gt;
In der [[Frühe Neuzeit|frühen Neuzeit]] wurden die bürgerlichen Moralvorstellungen allgemein restriktiver. In vielen Territorien versuchten Landesherren ihr [[Landesherrliches Kirchenregiment|Kirchenregiment]] zu nutzen, um mit Hilfe der Kirchenzucht eine strengere Ehe- und [[Sexualmoral#Spätmittelalter|Sexualmoral]] durchzusetzen. Dabei spielten nicht nur konfessionelle Unterschiede eine Rolle, sondern auch das Verhältnis zwischen kirchlichen und obrigkeitlichen Sanktionen schwankte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielsweise mussten nach einer Verordnung von 1708 die Eltern nichtehelicher Kinder in der Oberen [[Grafschaft Wied]]-Runkel bei der Taufe, die erst nach drei Wochen nach der Geburt stattfinden durfte, 2&amp;amp;nbsp;[[Gulden]] Kirchenstrafe zahlen und öffentlich Kirchenbuße leisten. Die herrschaftliche Strafe betrug zusätzlich für beide Elternteile jeweils 6 [[Reichstaler]] (entspricht 9 Gulden), wobei bis 1796 die Gesamtsumme von der Mutter zu zahlen war, wenn der Vater nicht ermittelt werden konnte; für den Wiederholungsfall wurden zusätzliche obrigkeitliche Strafen in Aussicht gestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Josef Scotti (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Provinzial-Gesetze.&amp;#039;&amp;#039; Sammlung 5: &amp;#039;&amp;#039;Sammlung des Gesetze und Verordnungen, welche in den vormaligen Wied-Neuwiedischen, Wied-Runkelschen, Sayn-Altenkirchen’schen, Sayn-Hachenburg’schen, Solms-Braunfeldschen, Solms Hohensolms resp. Liehschen, Nassau-Ussingen’schen, Nassau-Weilburg’schen Herzogl. Nassauischen u. Wetzlar’schen (resp. fürstl. Primatischen, großherzogl. Frankfurt’schen etc) nunmehr königl. preuß. Landesgebieten, über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege ergangen sind, vom Eintrittszeitpunkt ihrer Wirkungskraft, bis zu jenem der kgl. preuß. Gesetzgebung in den Jahren 1815 und 1816.&amp;#039;&amp;#039; Teil 1: &amp;#039;&amp;#039;Enthält die Abtheilungen für Wied-Neuwied und Wied-Runkel.&amp;#039;&amp;#039; Wolf, Düsseldorf 1836, S. 342, 360, 542.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Absolutismus ===&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert wurden die Kirchenbußen in vielen deutschen Territorien in einer auf [[Fiskus|Fiskalisierung]] der Kirchenzucht abzielenden Strategie durch erhöhte staatliche Geldstrafen abgelöst. Die Aufrechterhaltung von Sitte und Anstand wurde statt als eine Frage der Kirchenzucht zunehmend als eine Aufgabe der öffentlichen „[[Ordnungsbehörde|Polizei]]“ angesehen. Dieses Phänomenen der Ablösung kann als politisches und soziales Ergebnis des [[Absolutismus]] verstanden werden, das auf eine „[[Sozialdisziplinierung]]“ mit der [[Internalisierung (Sozialwissenschaften)|Internalisierung]] von Tugenden wie [[Arbeit (Sozialwissenschaften)|Arbeitsamkeit]], [[Fleiß]], [[Selbstbeherrschung]], [[Gehorsam]] oder [[Selbstdisziplin|Disziplin]] abzielte. Diese Vorstellung wirkt bis dahin nach, dass Straftatbestände wie [[Ehebruch]] (§ 172 StGB a. F.) und andere „[[Unzucht|unzüchtige Handlungen]]“ in der Bundesrepublik Deutschland erst durch das [[Große Strafrechtsreform#1950er Jahre bis 1969|Erste Gesetz zur Reform des Strafrechts]] vom 25. Juni 1969  oder [[Kuppelei]] (§ 180 StGB a. F.), zum Beispiel gegenüber Verlobten, erst durch das 4. StrRG vom 23. November 1973 beseitigt wurden, während diese Straftatbestände in der DDR in der Praxis kaum verfolgt und bereits mit der EheVO 1955 vollends abgeschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Nationalsozialismus ===&lt;br /&gt;
Pfarrer [[Paul Schneider (Pfarrer)|Paul Schneider]] und seine Gemeinde [[Womrath]], die sich während der [[NS-Zeit]] zur [[Bekennende Kirche|Bekennenden Kirche]] hielt, gingen gegen Gemeindeangehörige, die der Ideologie der [[Deutsche Christen|Deutschen Christen]] anhingen, 1937 mit einem Verfahren zum Ausschluss vom Abendmahl vor.&amp;lt;ref&amp;gt; {{Internetquelle |autor=Klaus Maßmann |url=https://www.heidelberger-katechismus.net/daten/File/Upload/Pfarrer%20Paul%20Schneider%20Heidelberger%202a(1).pdf |titel=Der „Heidelberger“ musste mit ins Gefängnis: Paul Schneider und der Heidelberger Katechismus |werk=Heidelberger-Katechismus.net |datum=2012-07-18 |format=PDF, 179&amp;amp;nbsp;kB |kommentar=mit einem Exkurs: „Kirchenzucht“ in Womrath, gemäß Frage 85 des Heidelberger Katechismus |abruf=2019-03-17}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies führte zu seiner Verhaftung und letztlich zu seinem Tod im [[KZ Buchenwald]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Exkommunikation]], [[Anathema]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Gerhard Oestreich]]: &amp;#039;&amp;#039;Strukturprobleme des europäischen Absolutismus. Otto Brunner zum 70. Geburtstag.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 55, Nr. 3, 1968, {{ISSN|0340-8728}}, S. 329–347.&lt;br /&gt;
* John H. Leith, [[Hans-Jürgen Goertz]]: &amp;#039;&amp;#039;Kirchenzucht.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Theologische Realenzyklopädie.&amp;#039;&amp;#039; Band 19: &amp;#039;&amp;#039;Kirchenrechtsquellen – Kreuz.&amp;#039;&amp;#039; de Gruyter, Berlin u. a. 1990, ISBN 3-11-012355-X, S. 173–191.&lt;br /&gt;
* [[Heinz Schilling (Historiker)|Heinz Schilling]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Kirchenzucht und Sozialdisziplinierung im frühneuzeitlichen Europa&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Zeitschrift für Historische Forschung.&amp;#039;&amp;#039; Beiheft 16). Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-07981-7.&lt;br /&gt;
* Frank Konersmann: &amp;#039;&amp;#039;Kirchenregiment und Kirchenzucht im frühneuzeitlichen Kleinstaat. Studien zu den herrschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Kirchenregiments der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken 1410–1793&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 121). Rheinland-Verlag u. a., Köln 1996, ISBN 3-7927-1610-0 (Zugleich: Bielefeld, Universität, Dissertation, 1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
* [https://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/wayback/20190716084151/https://www.historicum.net/themen/reformation/glossar/k historicum.net: Reformation: Glossar K]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Evangelisches Kirchenwesen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>~2026-29544-5</name></author>
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