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	<title>Kemalismus - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2026-01-02T23:51:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: http → https&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Müşir Mustafa Kemal, Ankara, 1925.png|mini|Mustafa Kemal Atatürk (1925)]]&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kemalismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (türkisch zumeist &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;{{lang|tr|&amp;#039;&amp;#039;Atatürkçülük&amp;#039;&amp;#039;}}&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, wörtlich &amp;#039;&amp;#039;Atatürkismus&amp;#039;&amp;#039;, seltener auch {{lang|tr|&amp;#039;&amp;#039;Kemalizm&amp;#039;&amp;#039;}}) ist die Gründungs[[ideologie]] der 1923 ausgerufenen Republik [[Türkei]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese ist nach [[Mustafa Kemal Atatürk]] benannt und wird durch die sogenannten [[#Sechs Pfeile des Kemalismus|sechs Pfeile]] &amp;#039;&amp;#039;(Altı Ok)&amp;#039;&amp;#039; symbolisiert, die für Republikanismus (als bestgeeignete Staatsform), [[Laizismus]] (d.&amp;amp;nbsp;h. die [[Trennung zwischen Religion und Staat]]), Populismus (als Ausdruck einer auf die Interessen des Volkes, nicht einer Klasse gerichteten Politik), Revolutionismus (im Sinne einer stetigen Fortführung von Reformen), [[Türkischer Nationalismus|Nationalismus]] (als Wendung gegen ein [[Ethnie|multiethnisches]] und religiöses Staatskonzept osmanischen Zuschnitts) und [[Etatismus]] (mit partieller staatlicher Wirtschaftslenkung) stehen. Der Kemalismus war indes nie antireligiös, sondern konzentrierte sich allein auf die staatliche Kontrolle von Religion.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. entsprechendes Zitat bei Oliver Kontny: [https://taz.de/Atheismus-in-der-Tuerkei/!5642398/ &amp;#039;&amp;#039;Atheismus in der Türkei – Ein neuer Säkularismus von unten&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[die tageszeitung]]&amp;#039;&amp;#039;, 15. November 2019.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kemalismus ist seit 1931 auch zentraler Bestandteil des Parteiprogramms der von Atatürk 1923 gegründeten und heutigen größten Oppositionspartei [[Cumhuriyet Halk Partisi]] (CHP).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Machtübernahme der rechtspopulistischen [[Adalet ve Kalkınma Partisi]] (AKP) im Jahre 2002 ist jedoch eine Reislamisierung und ein Zurückdrängen des Kemalismus feststellbar.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Joseph Croitoru |Titel=Erdogan untergräbt Kemalismus: Die islamische Gegenrevolution |Sammelwerk=FAZ.net |ISSN=0174-4909 |Online=https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/tuerkei-praesident-erdogan-untergraebt-kemalismus-13529850.html |Abruf=2022-11-19}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition des Begriffs ==&lt;br /&gt;
In der europäischen Presse wurde der Begriff Kemalismus bereits 1919 als Sammelbezeichnung für den damals als „islamistisch“ bezeichneten Widerstand unter Mustafa Kemal verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Klaus Kreiser]]: Kleines Türkei Lexikon. Beck’sche Reihe. München 1992, S. 95&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Türkei taucht der Begriff erst Anfang der 1930er auf und verweist auf die Reformbewegung durch die Republikanische Volkspartei. Von da an gibt es mehrere Versuche, der Politik Mustafa Kemals eine ideologische Basis zu geben, z.&amp;amp;nbsp;B. in den Zeitschriften &amp;#039;&amp;#039;[[Kadro]]&amp;#039;&amp;#039; (eher marxistisch) oder im [[Munis Tekinalp]]s 1936 erschienenen Werk &amp;#039;&amp;#039;Kemalizm&amp;#039;&amp;#039; (eher bürgerlich-nationalistisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atatürk selbst sprach kaum vom „Kemalismus“, sondern von „Leitlinien der Partei“, die erst im Parteiprogramm im Jahr 1935 als Prinzipien des Kemalismus vorgestellt wurden. Im gleichen Parteiprogramm ist die Rede, dass die Gültigkeit dieser Prinzipien nicht nur auf einige wenige Jahre beschränkt ist, sondern auch für die Zukunft formuliert sind. Gegen die dogmatische Auslegung verwehrte er sich allerdings,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Murat Belge]]: {{Webarchiv |url=http://www.radikal.com.tr/haber.php?haberno=91246 |text=Kemalist ideolojinin özellikleri. |wayback=20120520020402}} In: &amp;#039;&amp;#039;Radikal&amp;#039;&amp;#039;, 7. Oktober 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; dagegen sprach auch sein eher pragmatisches Verhalten, welches laut Daniel Lerner und Richard Robinson nicht dem Festhalten an einer „a priori religiösen Doktrin oder politischen Ideologie“ entsprach.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Jacob M. Landau]]: &amp;#039;&amp;#039;Atatürk and the Modernization of Turkey, Essay von Paul Dumont&amp;#039;&amp;#039;. Westview Press, 1984, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die genaue Definition und ob und wie der Kemalismus als Ideologie zu deuten ist, ist Gegenstand von Debatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kemalismus in der Verfassung ==&lt;br /&gt;
Die sechs Prinzipien erhielten am 5. Februar 1937 –&amp;amp;nbsp;14&amp;amp;nbsp;Jahre nach [[Geschichte der Republik Türkei|Staatsgründung]]&amp;amp;nbsp;– Verfassungsrang. Artikel 2 Satz 1 des [[Türkische Verfassung von 1924|Verfassungsgesetzes der Republik Türkei von 1924]] lautete von da an:&lt;br /&gt;
: Der Staat Türkei ist republikanisch, nationalistisch, volksverbunden, etatistisch, laizistisch und revolutionär.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.tbmm.gov.tr/anayasa/anayasa24.htm Verfassung von 1924]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sowohl nach dem [[Militärputsch in der Türkei 1960|Militärputsch von 1960]] als auch nach [[Militärputsch in der Türkei 1980|dem von 1980]] veranlassten die [[Türkische Streitkräfte#Geschichte|Türkischen Streitkräfte]] eine grundlegende Überarbeitung der Verfassung, deren Text jeweils per Volksentscheid ([[Verfassungsreferendum in der Türkei 1961|1960]], [[Verfassungsreferendum in der Türkei 1982|1980]]) gebilligt wurde. Dabei ging der direkte Bezug auf die sechs Prinzipien verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Türkische Verfassung von 1961|Verfassung von 1961]] wurden zunächst [[Menschenrechte]], [[Rechtsstaatlichkeit]] und [[Sozialstaat]]lichkeit stärker betont: Der Artikel 2 Satz 1 lautete nun:&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die türkische Republik ist eine auf den Menschenrechten und den in der Präambel festgesetzten Grundprinzipien begründeter nationaler, demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel 2 Satz 1 der {{Webarchiv |url=http://www.verfassungen.eu/tr/tuerkei61.htm |text=Verfassung der Türkischen Republik von 1961 |wayback=20120122000000}}&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
In der im November 1982 in Kraft getretenen [[Verfassung der Republik Türkei]] schließlich wurde der Friede der Gemeinschaft und die nationale Solidarität, aber auch explizit Atatürks Nationalismus in den Satz aufgenommen – Artikel 2 Satz 1 lautet seitdem:&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die Republik Türkei ist ein im Geiste des Friedens der Gemeinschaft, der nationalen Solidarität und der Gerechtigkeit die Menschenrechte achtender, dem Nationalismus Atatürks verbundener und auf den in der Präambel verkündeten Grundprinzipien beruhender demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel 2 Satz 1 der {{Webarchiv |url=http://www.verfassungen.eu/tr/tuerkei82.htm |text=Verfassung der Republik Türkei von 1982 |wayback=20110922140645}}&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
Konstant blieben über die Jahre hinweg nur die Prinzipien des [[Laizismus]] und [[Nationalismus]] und der [[Republik]] im Wortlaut in der Verfassung verankert.[[Datei:Flag of the Republican People&amp;#039;s Party (Turkey).svg|mini|Die sechs Pfeile in der Flagge der [[Cumhuriyet Halk Partisi|Republikanischen Volkspartei (Türkei)]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sechs Pfeile des Kemalismus ==&lt;br /&gt;
=== Republikanismus ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Politisches System der Türkei}}&lt;br /&gt;
[[Republikanismus]] &amp;#039;&amp;#039;(cumhuriyetçilik)&amp;#039;&amp;#039; bedeutete, dass die junge Türkei eine republikanische Staatsform und keine andere (vgl. Art.&amp;amp;nbsp;1 [[Verfassung der Republik Türkei|der Verfassung]]) erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Monarchie]] in Form des osmanischen [[Sultanat]]s, das [[Osmanisches Kalifat|Kalifat]] und das [[Millet-System]] wurden abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Populismus ===&lt;br /&gt;
[[Datei:GNAT speakers.jpg|mini|220x220px|„Die Souveränität gehört bedingungslos dem Volk“ an der Wand des [[Große Nationalversammlung der Türkei|Parlaments]]]]&lt;br /&gt;
Mit Populismus &amp;#039;&amp;#039;(halkçılık)&amp;#039;&amp;#039; ist bei Atatürk nicht der Populismus im [[Populismus|heute gebräuchlichen Sinne]] gemeint, sondern das Konzept einer klassenübergreifenden gesellschaftlichen Kooperation. Dies äußerte sich insbesondere in der Adaption des [[Zivilgesetzbuch (Schweiz)|schweizerischen Zivilgesetzbuches]]. Beeinflusst wurde dieser Populismus durch die solidarischen Konzepte von [[Émile Durkheim]] und [[Léon Bourgeois]]. Der Populismus sollte dazu beitragen, das Volk für den Aufbau eines modernen Staates zu mobilisieren. Seinen Ausdruck fand er unter anderem in der [[Frauenrechte in der Türkei|rechtlichen Gleichstellung der Frau]]. Später diente der Grundsatz zur Rechtfertigung des Ein-Parteien-Systems: Das Volk wird durch die Partei repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Laizismus ===&lt;br /&gt;
[[Laizismus]] &amp;#039;&amp;#039;(laiklik)&amp;#039;&amp;#039; bedeutete in der Türkei die Nichteinmischung religiöser Würdenträger in staatliche Belange. Erreicht wurde dies primär durch die Kontrolle des religiösen Apparats und das Verbot religiöser Parteien. Zwar bestimmte die [[Türkische Verfassung von 1921|erste Verfassung der Türkei]], dass die Religion des türkischen Staates der Islam sei, aber dieser Passus wurde bereits vier Jahre später gestrichen. Laizismus wurde als eines der Staatsprinzipien im Jahr 1937 in die damals gültige [[Türkische Verfassung von 1924|Verfassung]] aufgenommen. Das türkische [[Verfassungsgericht der Republik Türkei|Verfassungsgericht]] definierte Laizismus u.&amp;amp;nbsp;a. als Befreiung der Religion von der Politisierung.&amp;lt;ref&amp;gt;Christian Rumpf: &amp;#039;&amp;#039;Laizismus, Fundamentalismus und Religionsfreiheit in der Türkei in Verfassung, Recht und Praxis.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Verfassung und Recht in Übersee.&amp;#039;&amp;#039; 1999, Nr.&amp;amp;nbsp;2, S. 166&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgende Reformen zeigen den Versuch, die Gesellschaft zu säkularisieren: Abschaffung des Kalifats, [[Tevhid-i Tedrisat Kanunu|Vereinheitlichung des Schulwesens]], Verbot der [[Vielehe]], Aufhebung des [[Schari’a|islamischen Rechts]], Einführung westlicher Kleidung ([[Hutgesetz]]), des [[Neues türkisches Alphabet|lateinischen Alphabets]] und des [[Gregorianischer Kalender|gregorianischen Kalenders]] und das Verbot religiöser Parteien. Für religiöse Fragen wurde eine staatliche Religionsbehörde geschaffen: das [[Diyanet İşleri Başkanlığı|Präsidium für religiöse Angelegenheiten]]. Das sogenannte &amp;#039;&amp;#039;Diyanet&amp;#039;&amp;#039; bezahlt die [[Imam]]e, unterhält die [[Moschee]]n und war bis zu dessen Abschaffung 2018 dem türkischen [[Türkiye Cumhuriyeti Başbakanlığı|Ministerpräsidialamt]] angegliedert, seitdem ist es direkt dem [[Präsident der Republik Türkei|türkischen Präsidenten]] unterstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Religionen in der Türkei}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Revolutionismus ===&lt;br /&gt;
Revolutionismus (ursprünglich &amp;#039;&amp;#039;inkılâpçılık&amp;#039;&amp;#039;, heute &amp;#039;&amp;#039;devrimcilik&amp;#039;&amp;#039;) bezeichnet den Grundsatz, die Umgestaltung der türkischen Gesellschaft auch nach den großen Reformen der 1920er Jahre voranzutreiben. Ferner zielt der Terminus auf die umfassende Modernisierung des Staates. Die traditionellen osmanischen Institutionen wurden durch zeitgemäße Einrichtungen ersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nationalismus ===&lt;br /&gt;
Atatürks Ziel war es, aus dem [[Vielvölkerstaat]] des [[Osmanisches Reich|Osmanischen Reiches]] einen Nationalstaat zu formen. Der Nationalismus &amp;#039;&amp;#039;(milliyetçilik)&amp;#039;&amp;#039; diente diesem Zweck. Grundlage des Nationalgefühls war eine gemeinsame Sprache und die gemeinsame Geschichte der Bewohner des Landes. Die [[Öztürkçe|Sprach-]] und [[Buchstabenrevolution|Schriftreform]] sowie die „kemalistisch konstruierte“ [[türkische Geschichtsthese]] dienten der Stärkung des [[Türkischer Nationalismus|türkischen Nationalismus]]. Der identitätsstiftende Islam wurde verboten und durch eine weltliche, nationalistische Ideologie ersetzt. Auch der traditionell arabische Gebetsruf der Muslime (&amp;quot;[[Adhān]]&amp;quot;) wurde verboten und durch eine Übersetzung in türkischer Sprache ersetzt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Richard Hattemer |Hrsg=University of Michigan |Titel=Atatürk und die türkische Reformpolitik im Spiegel der ägyptischen Presse |Verlag=Klaus Schwarz Verlag |Datum=1997 |ISBN=3-87997-262-1 |Seiten=197}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im Staatsgebiet der Türkei lebenden ethnischen Volksgruppen wie [[Kurden in der Türkei|Kurden]] u.&amp;amp;nbsp;a. wurden jedoch geleugnet und unterdrückt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Martin Strohmeier, Lale Yalçın-Heckmann |Titel=Die Kurden: Geschichte, Politik, Kultur |Reihe=Beck’sche Reihe |BandReihe=1329 |Verlag=C.H.Beck |Datum=2010 |ISBN=3-406-59195-7 |Seiten=264}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Minderheitenrechte gewährte die Türkei nur partiell.&amp;lt;ref&amp;gt;Benjamin Wochnik: &amp;#039;&amp;#039;Atatürks islamische Erben. Wer regiert die Türkei?&amp;#039;&amp;#039; Tectum, Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2222-1, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jeder Bürger, der sich als Türke bezeichnete, wurde als solcher akzeptiert. Der Nationalismus Mustafa Kemals basierte nicht auf dem Begriff der Rasse. Atatürks Nationalismus erteilte dem [[Turanismus]] ebenso eine Absage wie dem [[Panislamismus]]. Seinen Ausdruck findet der Nationalismus in dem Ausspruch Atatürks: „[[Ne mutlu Türküm diyene|Froh sei derjenige, der sagt: Ich bin ein Türke]].“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Etatismus ===&lt;br /&gt;
Der [[Etatismus]] &amp;#039;&amp;#039;(devletçilik)&amp;#039;&amp;#039; meint das Eingreifen des türkischen Staates in die [[Wirtschaft der Türkei|Wirtschaft]]. Grund waren die fehlende [[Infrastruktur]] und mangelnde Industrialisierung. Der Staat wurde überall dort unternehmerisch tätig, wo privatwirtschaftliches Engagement fehlte. Zwischen 1933 und 1938 wurde der &amp;#039;&amp;#039;Fünfjahres-Industrieplan&amp;#039;&amp;#039; realisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einfluss auf die türkische Gesellschaft ==&lt;br /&gt;
=== Eliten als Hüter des Kemalismus ===&lt;br /&gt;
Der Kemalismus bestimmt nach wie vor das politische, kulturelle und religiöse Leben in der Türkei. Ein Großteil der Bevölkerung führt einen westlichen Lebensstil und viele, sich eher als religiös bezeichnende Menschen, halten nach wie vor an den Grundsätzen des Kemalismus fest. Während die intellektuelle Elite sich stets mit Parteien identifiziert hat, die das kemalistische Gedankengut als [[Maxime]] verstehen, finden islamische Parteien vor allem bei der religiöseren Bevölkerung Gehör und werden von ihnen als Wahlalternative gewählt. Die Entwicklung der letzten Jahre jedoch ist dahingehend, dass es eine neue islamische Elite gibt, die zunehmend auch intellektuelle Kreise anspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kontrollfunktion der [[Türkische Streitkräfte|türkischen Streitkräfte]] mit dem Ziel, die Verfassung und ihre kemalistischen Prinzipien zu schützen, war lange Zeit gesetzlich verankert. Als Hüter der kemalistischen Ideen sah sich das türkische Militär zuletzt 1980 zu einem [[Militärputsch in der Türkei 1980|Putsch]] legitimiert, als kommunistische und rechtsextreme Terroristen die Sicherheit des Staates und der Bevölkerung bedrohten und das Militär, wie zuvor 1960 und 1971, in die Politik eingriff. Dem Putsch folgten Monate der Repression politischer Gegner, im Zuge deren nicht nur mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgegangen wurde, sondern willkürliche Inhaftierung, Verschleppung und Folter als Maßnahmen systematisch eingesetzt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Gesetzesänderungen im Zuge des EU-Prozesses hat das Militär als nicht demokratisch legitimierte Instanz Teile seiner Macht eingebüßt. In den Schulen steht der Kemalismus vom ersten Schuljahr an auf dem Lehrplan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parteien und der Kemalismus ===&lt;br /&gt;
Heute betrachten sich vor allem die [[Cumhuriyet Halk Partisi]] (CHP), die [[Demokratik Sol Parti]] (DSP), die [[İyi Parti|İYİ Parti]] (İYİ), die [[Memleket Partisi]] und die [[Türkische Streitkräfte|türkischen Streitkräfte]] als Vertreter des Kemalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl rechte als auch linke Parteien beanspruchen die kemalistischen Ideen für sich und instrumentalisieren diese für ihre Politik. Nur die islamisch orientierten Parteien stehen distanziert zum Kemalismus oder lehnen diesen ganz ab. Gründe hierfür sind der propagierte Laizismus und damit die [[Trennung zwischen Religion und Staat]], aber auch die restriktive Behandlung des [[Islam]]s durch die Kemalisten in den Anfangsjahren der türkischen Republik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht als Parteien organisierte Vereinigungen wie die [[Atatürkçü Düşünce Derneği|Vereine zur Förderung des Gedankenguts Atatürks]] und die [[Türkiye Gençlik Birliği|Türkische Jugendvereinigung]] berufen sich auf das Gedankengut Atatürks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Türkischer Befreiungskrieg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Sara-Marie Demiriz: [http://ieg-ego.eu/de/threads/modelle-und-stereotypen/tuerkengefahr-exotismus-orientalismus/sara-marie-demiriz-kemalismus-das-tuerkische-modell-einer-saekularen-republik &amp;#039;&amp;#039;Kemalismus – Das türkische Modell einer säkularen Republik&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Europäische Geschichte Online]]&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. vom [[Leibniz-Institut für Europäische Geschichte|Institut für Europäische Geschichte (Mainz)]], 2019; abgerufen am 11. März 2021; [https://d-nb.info/1209639726/34 d-nb.info] (PDF).&lt;br /&gt;
* Şahinler Menter: &amp;#039;&amp;#039;Kemalismus. Ursprung, Wirkung und Aktualität&amp;#039;&amp;#039;. Anadolu, Hückelhoven 1997, ISBN 3-86121-072-X&lt;br /&gt;
* [[Bassam Tibi]]: &amp;#039;&amp;#039;Aufbruch am Bosporus. Die Türkei zwischen Europa und dem Islamismus&amp;#039;&amp;#039;. Diana, München und Zürich 1998, ISBN 3-8284-5012-1&lt;br /&gt;
* Leng Wang: &amp;#039;&amp;#039;Kemalism. A General Political Survey of the Rise of the Turkish Nationalism between 1918 and 1928&amp;#039;&amp;#039;. Dissertation, Stanford University, 1929; [http://dlib.stanford.edu:6520/text1/dd-ill/kemalism.pdf stanford.edu] (PDF).&lt;br /&gt;
* Atatürk Araştırma Merkezi: &amp;#039;&amp;#039;Atatürk’ün Söylev ve Demeçleri I-III&amp;#039;&amp;#039;. Ankara 2006 (&amp;#039;&amp;#039;Sammlung von Atatürks Reden und Ansprachen vom Atatürk-Forschungszentrum&amp;#039;&amp;#039;)&lt;br /&gt;
* [[Gazi Çağlar]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Türkei zwischen Orient und Okzident. Eine politische Analyse ihrer Geschichte und Gegenwart.&amp;#039;&amp;#039; Münster 2003, ISBN 3-89771-016-1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Sinan Özbek, Christof Ohm: [https://www.academia.edu/34589800 &amp;#039;&amp;#039;Kemalismus&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus]]&amp;#039;&amp;#039;, Band&amp;amp;nbsp;7/I. Argument-Verlag, Hamburg 2008, Sp. 554–577.&lt;br /&gt;
* Bekim Agai: [https://www.bpb.de/apuz/28164/islam-und-kemalismus-in-der-tuerkei?p=all &amp;#039;&amp;#039;Islam und Kemalismus in der Türkei&amp;#039;&amp;#039;.] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Aus Politik und Zeitgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039; (APuZ), B 33–34/2004, 9. August 2004, S. 18–24; auch [https://www.bpb.de/system/files/pdf/0QSGEC.pdf bpb.de] (PDF; 526&amp;amp;nbsp;kB).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4030214-3|LCCN=sh85071904}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kemalismus| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Laizismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politik (Türkei)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion (Türkei)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politik 1931]]&lt;/div&gt;</summary>
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