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	<title>Kanonistik - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Kanonistik&amp;diff=306007&amp;oldid=prev</id>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Geschichte: &lt;/span&gt; Tippfehler korrigiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Causa 26.jpg|miniatur|Kopie des Manuskripts von „[[Decretum Gratiani]]“]]&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Kanonistik&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist die Wissenschaft vom [[Kanonisches Recht|kanonischen Recht]], dem [[Kirchenrecht|kirchlichen Recht]] insbesondere der [[Römisch-katholische Kirche|römisch-katholischen Kirche]]. Sie war im Mittelalter als eigene juristische Disziplin neben anderen (insbesondere der [[Römisches Recht|Romanistik]]) entstanden; seit der Etablierung der modernen [[Rechtswissenschaft]] gilt sie als [[Theologie|theologische Disziplin]].&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Schon in der Spätantike entwickelte sich ein eigenständiges Kirchenrecht, das aus den von der Kirche gesetzten oder rezipierten Normen bestand. Diese [[Kanon (Kirchenrecht)|Kanones]] wurden in eigenen kanonischen Sammlungen zusammengestellt und verbreitet.&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Kirchenrecht}}{{Hauptartikel|Kanones-Sammlung}}&lt;br /&gt;
Eine eigenständige Wissenschaft vom kanonischen Recht entwickelte sich aber nur sehr allmählich, nachdem die kirchliche Jurisdiktion sich auf immer größere Bevölkerungsgruppen in einem immer größeren Raum ausgedehnt hatte und die Rechtssetzung durch Konzilien und Päpste weit fortgeschritten war. Verstreute Hinweise auf eine eigene [[Rechtsquellenlehre]] finden sich in den Vorworten einiger [[Kanones-Sammlung]]en; vor ca. 1100 sind diese Hinweise aber noch sehr vereinzelt (z.&amp;amp;nbsp;B. in der [[Concordia canonum]] des [[Cresconius]] und in der &amp;#039;&amp;#039;[[Collectio Canonum Hibernensis|Hibernensis]]&amp;#039;&amp;#039;, in einigen echten und gefälschten Dekretalen sowie bei [[Hinkmar von Reims]]). Um 1100 verdichtet sich die Überlieferung deutlich, entsprechende Arbeiten sind unter anderem von [[Bernold von Konstanz]], [[Deusdedit (Kardinal)|Deusdedit]], [[Bonizo von Sutri]], [[Ivo von Chartres]], [[Alger von Lüttich]] bekannt; in einigen kanonistischen Sammlungen dieser Zeit werden auch einschlägige Kanones gezielt zusammengestellt (besonders ausführlich im &amp;#039;&amp;#039;[[Decretum des Ivo von Chartres|Decretum]]&amp;#039;&amp;#039; des Ivo von Chartres und in der &amp;#039;&amp;#039;[[Collectio Caesaraugustana]]&amp;#039;&amp;#039;). Am ausführlichsten äußerte sich [[Gratian (Kirchenrechtler)|Gratian]], der in seinem &amp;#039;&amp;#039;[[Decretum Gratiani]]&amp;#039;&amp;#039; sowohl einschlägige ältere Kanones zusammenstellt als auch eigene Kommentare verfasste.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Wolfgang P. Müller |Titel=The Reinvention of Canon Law in the High Middle Ages |Hrsg=Anders Winroth, John C. Wei |Sammelwerk=The Cambridge History of Medieval Canon Law |Verlag=Cambridge University Press |Ort=Cambridge |Datum=2022 |DOI=10.1017/9781139177221.005 |Seiten=79–95 |Fundstelle=82–84 |Online=https://www.cambridge.org/core/books/abs/cambridge-history-of-medieval-canon-law/reinvention-of-canon-law-in-the-high-middle-ages/E663C2114CD9453CABCCE3678E6746DB |Abruf=2022-05-12}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit leistete er einen so entscheidenden Beitrag zur Harmonisierung der oft widersprüchlichen Kanones, dass er oft als „Vater der Kanonistik“ gilt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Stephan Kuttner |Titel=The Father of the Science of Canon Law |Sammelwerk=The Jurist |Band=1 |Datum=1941 |Seiten=2–19}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert waren Kommentare und Ergänzungen zum &amp;#039;&amp;#039;Decretum Gratiani&amp;#039;&amp;#039; die wichtigsten Formen der kanonistischen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentren der mittelalterlichen Kanonistik waren unter anderem die Rechtsschulen von [[Universität Bologna|Bologna]], [[Universität Pavia|Pavia]] und [[Universität Pisa|Pisa]]. Spätestens mit Entstehung der [[Geschichte der Universität|ersten Universitäten]] etablierte sich die Kanonistik als eigene Disziplin; sie bildete im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit gemeinsam mit der Romanistik eine der vier [[Fakultäten]] der Universitäten nach dem [[Sorbonne#Mittelalter und Neuzeit|Pariser Modell]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den berühmtesten Theologians and Contract Law. The Moralsten des Mittelalters zählen [[Huguccio]] († 1210), [[Bernhard von Pavia]] († 1213), [[Johannes Teutonicus Zemeke|Johannes Teutonicus]] († 1245), [[Bartholomaeus Brixiensis]] († 1258) und [[Henricus de Segusio|Hostiensis]] († 1271). Ihre Werke wurden in der Kanonistik und der kirchlichen Gerichtsbarkeit teilweise bis ins 20. Jahrhundert verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Genres der kanonistischen Rechtswissenschaften umfassten im 13. und 14. Jahrhundert die Zusammenstellung neuer Dekretalensammlungen, die Zusammenfassung bestehender Sammlungen (vor allem des &amp;#039;&amp;#039;Decretum Gratiani&amp;#039;&amp;#039;) in Form von Summen (&amp;#039;&amp;#039;summae&amp;#039;&amp;#039;), Kommentare zu einzelnen Stellen des &amp;#039;&amp;#039;Decretum Gratiani&amp;#039;&amp;#039; und des &amp;#039;&amp;#039;Liber extra&amp;#039;&amp;#039; in Form von Glossen, Traktate zu Einzelfragen sowie Gutachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kanonistik war seit ihrer Entstehung eng mit der [[Theologie]] verbunden, vor allem in Bezug auf die [[Sakrament]]e. Zu Rechtsmaterien, die besonders eng mit theologischen Fragen verbunden waren, gehörten insbesondere Taufe und Firmung, das Weiherecht, die Liturgie der Messfeier, das Eherecht und die Buße. Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts wurde aber die Verbindung der Kanonistik mit der Romanistik zunehmend wichtiger, während die Verbindung mit der Theologie eher geringer wurde. Es entstand ein &amp;#039;&amp;#039;[[Gemeines Recht|Ius commune]]&amp;#039;&amp;#039;, das sowohl kanonisches wie römisches Recht umfasste. Es war durchaus üblich, dass Gelehrte in beiden Wissenschaften beschlagen waren. [[Baldus de Ubaldis]] zum Beispiel wurde vor allem als Romanist berühmt, kommentierte aber auch das kanonische und das [[Lehnsrecht]]. Seit dem Spätmittelalter sind Promotionen zum [[Doktor beider Rechte|Dr. iuris utriusque]] nachgewiesen, also ein gemeinsamer Doktorgrad für beide Fächer. Die Kanonistik übernahm aus dem antiken Kaiserrecht viele Rechtssätze und Techniken der Rechtsauslegung; umgekehrt fand unter anderem das kanonische Prozessrecht auch im weltlichen Bereich Anwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kanonistik als theologische Disziplin ==&lt;br /&gt;
„Als theologische Disziplin erforscht die Kirchenrechtswissenschaft Quellen und theologische Grundlagen des geltenden Rechts, vermittelt im Rahmen des Theologiestudiums die Kompetenzen für die Rechtsanwendung und trägt damit und durch ihre Beteiligung bei der Rechtsschöpfung dazu bei, die rechtlich-pastoralen Herausforderungen der heutigen Zeit angemessen zu bewältigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Gregor Bier: &amp;#039;&amp;#039;Einführung in das Kirchenrecht.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Clauß Peter Sajak]]: &amp;#039;&amp;#039;Praktische Theologie. Modul 4.&amp;#039;&amp;#039; Schöningh, Paderborn 2012 (UTB; 3472), ISBN 978-3-8252-3472-0, S. 129&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kanonistik an Hochschulen ==&lt;br /&gt;
1853 wurde durch [[Pius IX.]] (1846–1878) die Fakultät für Kanonisches Recht und [[Zivilrecht]] errichtet sowie das [[Institut päpstlichen Rechts|Päpstliche Institut]] utriusque iuris an der [[Päpstliche Lateranuniversität|Päpstlichen Lateranuniversität]] gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1947 wurde in Deutschland das Kanonistische Institut an der [[Ludwig-Maximilians-Universität München]] gegründet. Seit 2001 heißt es „Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik“. Es ist eine wissenschaftliche Einrichtung &amp;#039;&amp;#039;ad instar facultatis&amp;#039;&amp;#039; ({{laS|anstelle einer Fakultät}}) für das Kanonische Recht in Lehre und Forschung. Hier werden die Fachzeitschrift „[[Archiv für katholisches Kirchenrecht]]“ sowie die wissenschaftlichen Reihen „Münchener Theologische Studien. Kanonistische Abteilung“ und „Dissertationen. Kanonistische Reihe“ herausgegeben. In Münster besteht ein Institut für Kanonisches Recht in der theologischen Fakultät der [[Westfälische Wilhelms-Universität|Westfälischen Wilhelms-Universität]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissenschaftler der Kanonistik wird als „Kanonist“ bezeichnet und muss kein [[Kleriker]] sein. Voraussetzung zur Aufnahme des kanonistischen Vollstudiums ist ein abgeschlossenes Studium der Theologie (Diplom, Magister Theologie, Fachtheologie) oder ein Erstes juristisches Staatsexamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Der Einfluss der Kanonistik auf die europäische Rechtskultur&amp;#039;&amp;#039;, hg. von Orazio Condorelli et al., 5 Bde., Böhlau, Köln und Weimar 2009–16, u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
** [[Orazio Condorelli]], [[Franck Roumy]], [[Mathias Schmoeckel]], [[David von Mayenburg]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Einfluss der Kanonistik auf die europäische Rechtskultur&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Bd. 1: Zivil- und Zivilprozessrecht&amp;#039;&amp;#039; Böhlau, Köln und Weimar, 2009, ISBN 978-3-412-20433-4&lt;br /&gt;
** Yves Mausen, [[Orazio Condorelli]], [[Franck Roumy]], [[Mathias Schmoeckel]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Einfluss der Kanonistik auf die europäische Rechtskultur, Bd. 4: Prozessrecht&amp;#039;&amp;#039; Böhlau, Köln und Weimar, 2014, ISBN 978-3-412-22236-9&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Roy Flechner |Titel=Canonical Collections |Hrsg=Philip L. Reynolds |Sammelwerk=Great Christian Jurists and Legal Collections in the First Millennium |Verlag=Cambridge University Press |Ort=Cambridge |Datum=2019 |Reihe=Law and Christianity |ISBN=9781108471718 |DOI=10.1017/9781108559133.014 |Seiten=182–197 |Online=https://www.cambridge.org/core/books/great-christian-jurists-and-legal-collections-in-the-first-millennium/canonical-collections/5FB2BD04A09950DB964897B51BE20970 |Abruf=2022-05-12}}&lt;br /&gt;
* {{TRE|19|1|44|Kirchenrechtsquellen I. Katholische|[[Georg May (Theologe)|Georg May]]}} ([https://www.degruyter.com/serial/TRE%20GEB-B/html Digitalisat])&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Christoph H. F. Meyer |Titel=Kanonistik |Sammelwerk=Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte |Band=2 |Auflage=2 |Ort=Berlin |Datum=2008 |Seiten=1576-1580 |Online=https://www.hrgdigital.de/HRG.kanonistik |Abruf=2022-05-12}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Mathias Schmoeckel |Titel=Kanonisches Recht. Geschichte und Inhalt des Corpus iuris canonici: ein Studienbuch |Reihe=Kurzlehrbücher für das juristische Studium |Verlag=C.H.Beck |Ort=München |Datum=2020 |ISBN=9783406749100}}&lt;br /&gt;
* {{LexMA|5|904|907|Kanonistik|Rudolf Weigand}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Titel=The Cambridge History of Medieval Canon Law |Hrsg=Anders Winroth, John C. Wei |Verlag=Cambridge University Press |Ort=Cambridge |Datum=2022 |ISBN=9781139177221 |DOI=10.1017/9781139177221 |Online=https://www.cambridge.org/core/books/cambridge-history-of-medieval-canon-law/72D014967A97D4456D60EC898D5DA96E |Abruf=2022-05-05}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Recht (Mittelalter)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kirchenrechtsgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kanonisches Recht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtswissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsgeschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
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