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	<title>Justinian II. - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Justinian_II.&amp;diff=70396&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Le Duc de Deux-Ponts: /* Exil und Rückkehr */</title>
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		<updated>2026-02-25T09:10:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Exil und Rückkehr&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Solidus-Justinian II-Christ b-sb1413.jpg|mini|300px|Auf der Rückseite dieses [[Solidus]], der während der zweiten Regierungszeit Justinians geprägt wurde, trägt der Kaiser einen Globus mit der Aufschrift PAX („Frieden“). Auf der Vorderseite ist Christus abgebildet.]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Justinian II.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{grcS|Ἰουστινιανός Βʹ|variant=mittel}}; * [[668]]/[[669]]; † [[711]] in der Nähe von Damatrys in [[Bithynien]]&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Ort siehe Head S. 146–148.&amp;lt;/ref&amp;gt;) mit dem Beinamen &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Rhinotmetos&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{lang|grc|Ῥινότμητος}} „mit der abgeschnittenen Nase“) war byzantinischer Kaiser (685–695 und 705–711). Mit ihm endete die [[Herakleische Dynastie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Justinian war der ältere der beiden Söhne des wegen seiner überragenden militärischen Erfolge populären Kaisers [[Konstantin IV. (Byzanz)|Konstantin IV.]] Dieser hatte seinen beiden jüngeren Brüdern [[Herakleios (Sohn Konstans’ II.)|Herakleios]] und [[Tiberios (Sohn Konstans’ II.)|Tiberios]] die Nasen abschneiden lassen, um sie nach damaligem Brauch für die Kaiserwürde zu disqualifizieren und so seine Alleinherrschaft und die Thronfolge seines Sohnes zu sichern. Als Konstantin 685 im Alter von etwa 33 Jahren an [[Dysenterie]] starb, konnte der etwa sechzehnjährige Justinian problemlos den Thron besteigen. Justinian war mit einer Frau unbekannter Herkunft namens Eudokia verheiratet; diese Kaiserin starb noch vor dem Ende des 7. Jahrhunderts. Mit ihr hatte er eine Tochter.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 29, Stratos S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Außen- und Siedlungspolitik ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Byzantine Empire Themata-750-en.svg|mini|Die Themen in den 750er-Jahren]]&lt;br /&gt;
Der neue Herrscher hatte sich zunächst mit zwei vordringlichen Gefahren zu befassen: der anhaltenden arabischen Expansion und der kriegsbedingten Entvölkerung strategisch wichtiger Regionen, in denen sich Angehörige fremder Völker ansiedeln konnten. Eine große Gefahr für das Reich war die slawische und bulgarische Besiedlung der bereits &amp;#039;&amp;#039;[[Sklavinien|Sklavinia]]&amp;#039;&amp;#039; genannten Gebiete südlich der Donau. Diesen Herausforderungen wollte Justinian durch eine Kombination von militärischem Vorgehen mit einer großangelegten Umsiedlungspolitik begegnen. Dabei erzielte er aber nur Teilerfolge. Nach einem erfolgreichen Feldzug gegen die [[Slawen]] 688 siedelte er Zehntausende von unterworfenen Slawen und Bulgaren als Wehrbauern in der byzantinischen Provinz ([[Thema (byzantinische Verwaltung)|Thema]]) [[Opsikion]] in Kleinasien an. Etwa um diese Zeit kam es auch zu Kämpfen mit den Arabern, die für die byzantinische Seite vorteilhaft verliefen. Darauf bat der Kalif [[Abd al-Malik (Umayyade)|Abd al-Malik]] 688/689 um Frieden.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 33; Stratos S. 22f. meint, dass die Friedensverhandlungen bereits 687 begannen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden Herrscher einigten sich auf eine gemeinsame Verwaltung [[Zypern]]s und hälftige Teilung der dortigen Steuereinkünfte; außerdem verpflichteten sich die Araber zu regelmäßiger Tributzahlung. Die Regelung für Zypern erwies sich trotz aller folgenden Kriege als langfristig stabil.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 33f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Übersiedlung eines großen Teils der christlichen [[Mardaïten]] aus dem [[Libanon]] ins byzantinische Gebiet, die im Einvernehmen mit dem Kalifen erfolgte, konnte Justinian entvölkerte Gebiete stärken. Zugleich entlastete er aber den arabischen Feind, dem mardaïtische Widerstandskämpfer erhebliche Schwierigkeiten bereitet hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 34–36, Stratos S. 23f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Frieden mit dem Kalifen hielt nur wenige Jahre. Justinian holte Bewohner Zyperns aufs Festland und siedelte sie in der neu gegründeten, nach ihm benannten Stadt Nea Justinianopolis (lateinisch Nova Justiniana) im Gebiet von [[Kyzikos]] an. Mit dieser einseitigen Aktion verringerte Justinian die Steuereinkünfte des Kalifen aus Zypern. Der Kalif protestierte erfolglos.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 45–47, Stratos S. 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Verschlechterung der Beziehungen trug anscheinend auch der Umstand bei, dass der Kaiser erstmals in der byzantinischen Geschichte Münzen mit dem Bild Christi prägen ließ, was für die Muslime eine Provokation darstellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 48–50; vgl. Stratos S. 31f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Araber beschuldigten Justinian des Vertragsbruchs und griffen an. Auch byzantinische Geschichtsschreiber geben dem Kaiser die Schuld am Kriegsausbruch, doch der tatsächliche Verlauf der Ereignisse ist unklar.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 45–50, Stratos S. 30–34.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei Sebastoupolis (heute Sulu-Saray) nordwestlich von Sebasteia (heute [[Sivas]]) kam es im Sommer/Herbst 692 (nicht 693, wie in der älteren Forschung vermutet) zur Schlacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlich dazu und zur Datierung [[Wolfram Brandes]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Schlacht bei Sebastopolis (692). Quellen und historische Bedeutung.&amp;#039;&amp;#039; In: Isabel Grimm-Stadelmann u.&amp;amp;nbsp;a. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Anekdota Byzantina. Studien zur byzantinischen Geschichte und Kultur. Festschrift für Albrecht Berger anlässlich seines 65. Geburtstags.&amp;#039;&amp;#039; Berlin/Boston 2023, S. 29 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der arabische Feldherr Muhammad ibn Marwan, ein Bruder des Kalifen, brachte den Byzantinern eine schwere Niederlage bei. Entscheidend für den Ausgang der Schlacht war, dass die zum Kampf zwangsrekrutierten umgesiedelten Slawen zu den Arabern überliefen. Darauf mussten die Byzantiner Teile des bisher von ihnen beherrschte Themas [[Armeniakon]] räumen. Die Kämpfe gegen Muhammad waren 695 noch im Gange.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 50, Stratos S. 34–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religionspolitik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Osten des Reiches hatte sich die Glaubenslehre der häretischen [[Paulikianer]] unter Simeon-Titus seit dem Tod ihres Apostels [[Konstantin von Mananalis]] weiter verbreitet, sodass Justinian II. 690 befahl, deren Anhänger zu verfolgen und zu töten. Simeon-Titus wurde 694 gefangen genommen und wie viele seiner Anhänger auf einem Scheiterhaufen verbrannt. 691 berief der Kaiser ein Konzil ein, das Quinisextum oder [[Trullanische Synode|Trullanum]] II, das als Ökumenisches Konzil gedacht war. Mit den Konzilsbeschlüssen, die das Staatskirchenrecht erneuern und vereinheitlichen sollten, wollte er Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen Kirche durch ein Machtwort beseitigen. Papst [[Sergius I. (Papst)|Sergius I.]] verweigerte jedoch seine Zustimmung. Nach der Darstellung des [[Liber Pontificalis]] wollte Justinian den Papst verhaften und nach Konstantinopel bringen lassen; der byzantinische Beauftragte scheiterte jedoch am entschlossenen Widerstand der Römer und papsttreuer Milizen&amp;lt;ref&amp;gt;{{LibPont|Ausgabe=duchesne|Bd=1|S=372–374|Vita=Sergius}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur | Autor=Herrin |Titel=Ravenna|Fundstelle=S.346/7}}&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Schilderung aus päpstlicher Sicht mag übertrieben sein, doch endete der Konflikt offenbar mit einem Fehlschlag der Kirchenpolitik Justinians. Im Ergebnis wurden die Gegensätze nicht beseitigt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innenpolitik und Sturz ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Verdienste Justinians werden das Bauerngesetz &amp;#039;&amp;#039;(nómos georgikós)&amp;#039;&amp;#039; und eine Steuerreform betrachtet. Allerdings ist unklar, ob das dem Schutz des Eigentums freier Bauern dienende Bauerngesetz eine legislative Neuerung Justinians oder nur eine Aufzeichnung von damals bereits geltendem Recht war.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 84–87, Stratos S. 62f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Steuerreform (Abschaffung des [[spätantike]]n Steuersystems und Einführung einer Herdsteuer)&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 90f., Stratos S. 64f.&amp;lt;/ref&amp;gt; war zwar sinnvoll, verschaffte dem Kaiser aber keine Popularität. Bei den Vornehmen und Wohlhabenden machte er sich durch rücksichtslose Steuereintreibungen, bei denen auch gefoltert wurde, verhasst. Sein großer Geldbedarf hing unter anderem mit kostspieligen Bauprojekten zusammen, mit denen er seinem Vorbild [[Justinian I.]] nacheiferte. So zerbröckelte seine Machtbasis, und 695 gelang es seinen Gegnern, durch eine Intrige eine Revolution der hauptstädtischen Bevölkerung auszulösen. Es wurde behauptet, der Kaiser wolle den Patriarchen ermorden lassen und in Konstantinopel ein Massaker veranstalten. Dieses haltlose Gerücht wurde sofort geglaubt. Justinian wurde festgenommen, ihm wurde im [[Hippodrom (Konstantinopel)|Hippodrom]] öffentlich die [[Rhinokopia|Nase abgeschnitten]] und er wurde nach [[Chersones (Stadt)|Chersones]] auf der [[Krim]] (in der Nähe des heutigen [[Sewastopol]]) verbannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 92–96, Stratos S. 69–74.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Exil und Rückkehr ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Chersones flüchtete Justinian ins Reich der damals noch heidnischen [[Chasaren]], deren Herrscher ([[Khan|Khagan]]) ihn ehrenvoll aufnahm und ihm seine Schwester zur Frau gab.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Name des Khagans wird griechisch mit „Ibouzeros Gliabanos“ wiedergegeben; in seiner eigenen Sprache hieß er vielleicht Ibuzir-Glavan. Die Angabe, es sei nicht seine Schwester, sondern seine Tochter gewesen, dürfte auf einem Missverständnis beruhen. Siehe dazu Head S. 102–105, Stratos S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wurde getauft und erhielt den Namen der berühmten Frau [[Justinian I.|Justinians I.]], [[Theodora I.|Theodora]]. Das Paar ließ sich in der Stadt [[Phanagoria]] nieder. Nach der in Byzanz herrschenden Auffassung war eine solche Ehe nicht standesgemäß.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 104–106, 119.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Byzantiner unter [[Tiberios II.]] auf Justinians Auslieferung oder Tötung drängten, gab der Khagan ihnen nach und versuchte seinen Schwager ermorden zu lassen. Justinian wurde jedoch gewarnt und konnte fliehen, während seine Frau an den Hof ihres Bruders zurückkehrte.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 106–107.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Justinian floh zusammen mit einigen Vertrauten mit einem Fischerboot aus [[Phanagoria]] über das [[Schwarzes Meer|Schwarze Meer]] an die Donaumündung zu den [[Bulgaren]], die damals noch keine Christen waren, und verbündete sich mit deren [[Khan]] [[Terwel von Bulgarien|Terwel]]. Justinian hatte Terwel für dessen Hilfe seine Tochter zur Frau versprochen. Im Frühjahr 705 konnten er und Terwel mit einem bulgarischen Heer nach Konstantinopel vordringen.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Datierung Head S. 110.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dreitägiger Belagerung drang Justinian durch einen [[Aquädukt]] in die Stadt ein. Der überraschte Kaiser Tiberios II. leistete kaum Widerstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweite Regierungszeit ==&lt;br /&gt;
So bestieg Justinian zum zweiten Mal den Thron. Er ließ nun seine Frau Theodora aus dem Chasarenreich holen und krönen und versöhnte sich mit seinem Schwager. Theodora war die erste Kaiserin ausländischer Herkunft. Ihr Sohn [[Tiberios (Sohn Justinians II.)|Tiberios]] war in Justinians Abwesenheit geboren worden; er wurde zum nominellen Mitkaiser erhoben und auf Münzen zusammen mit Justinian abgebildet.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 119–122, Stratos S. 126–129.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angeblich trat Justinian Terwel zum Dank das byzantinische Gebiet Zagoria (Zagorje) ab; dies wird von der Forschung aber als unglaubwürdig eingeschätzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 123, Stratos S. 120f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls erhielt Terwel den Titel &amp;#039;&amp;#039;[[Caesar (Titel)|Caesar]]&amp;#039;&amp;#039;. Dieser Titel wurde gewöhnlich Personen verliehen, die mit dem Kaiser verwandt oder verschwägert waren; mit einem Anspruch auf die Thronfolge war er damals nicht mehr verbunden, auch nicht mit konkreten Machtbefugnissen. Terwel war der erste Ausländer, der diesen Titel erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Stratos S. 119f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er kehrte in sein Reich zurück, als dessen legitimer Herrscher er nun von Byzanz anerkannt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner zweiten Regierungszeit entfaltete Justinian ein Terrorregime mit Massenhinrichtungen. Die ehemaligen Kaiser [[Leontios (Byzanz)|Leontios]] (695–698) und Tiberios II. (698–705), die während seiner Verbannungszeit regiert hatten, wurden nach einer eindrucksvoll inszenierten öffentlichen Demütigung hingerichtet, der Patriarch [[Kallinikos I.]] abgesetzt, [[Blendung (Strafe)|geblendet]] und nach Rom verbannt&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur | Autor=Herrin | Titel=Ravenna| Fundstelle=S. 351}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
708 richtete er sich in der [[Schlacht von Anchialos (708)|Schlacht von Anchialos]] gegen seinen ehemaligen Helfer Terwel, um das Gebiet Zagoria wieder zu unterwerfen. Justinian wurde jedoch von den Bulgaren geschlagen und musste in der dritten Nacht nach der Schlacht auf einem Schiff fliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil er den Streitkräften und den Bürgern von [[Ravenna]] eine Mitschuld an seinem Sturz und seiner Verstümmelung gab, befahl Justinian einem kaisertreuen &amp;#039;&amp;#039;Strategos&amp;#039;&amp;#039; von Sizilien, die Stadt zu bestrafen und ihren Erzbischof und ihre führenden Bürger nach Konstantinopel bringen, um sie dort vor Gericht zu stellen. Zusätzlich sorgten die Soldaten für eine Massenpanik, indem sie Feuer in der Stadt legten&amp;lt;ref&amp;gt;{{LibPont|Ausgabe=duchesne|Bd=1|S=389|Vita=Constantinus}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge dieser Schwächung des Reichs konnten die Araber im Nordwesten Afrikas weiter vordringen und dessen letzte verbliebene Außenposten auf dem afrikanischen Festland (u.&amp;amp;nbsp;a. [[Ceuta|Septem]]) einnehmen. Damit endete die [[byzantinische Herrschaft im Maghreb]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umstände, die schließlich zum erneuten Sturz Justinians führten, sind mysteriös. 711 sandte der Kaiser wiederholt Flotten nach Cherson, angeblich um sich für die Haltung der Stadtbewohner während seiner dortigen Verbannungszeit zu rächen. Ein anderer, wohl wichtigerer Grund war, dass sein chasarischer Schwager im Einvernehmen mit einem Teil der Stadtbevölkerung versuchte, Cherson unter seine Kontrolle zu bringen. Justinians Truppen konnten die Stadt zunächst unterwerfen, verbündeten sich dann jedoch mit den Einwohnern und den Chasaren. Darauf entsandte er eine neue Flotte. Diese Truppen belagerten zunächst die Stadt, schlossen sich dann jedoch der Rebellion an, und die Flotte der Aufständischen segelte nach Konstantinopel.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 142–148, Stratos S. 157–171.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie konnten die Hauptstadt mühelos einnehmen, denn Justinian hatte keine Verteidiger mehr. Vergeblich versuchte er von Kleinasien aus mit Unterstützung von Terwels Truppen (3000 Mann) Widerstand zu mobilisieren. Er wurde kampflos gefangen genommen und geköpft. Sein Kopf wurde nach Rom und Ravenna geschickt und dort ausgestellt. Man tötete auch seinen einzigen Sohn, den sechsjährigen Thronfolger Tiberios.&amp;lt;ref&amp;gt;Head S. 149, Stratos S. 176f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neuer Kaiser wurde [[Philippikos Bardanes]], der den Aufstand in Cherson angeführt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption und Einschätzung in der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle byzantinischen Geschichtsschreiber – allerdings ist kein zeitgenössisches Werk erhalten, wenngleich die Chronik des [[Traianos Patrikios]] von [[Theophanes]] benutzt wurde – beurteilen die Regierung Justinians negativ. Er wird als grausamer Tyrann geschildert. Die Chroniken spiegeln die Haltung der vornehmen und wohlhabenden Kreise wider, die unter der Steuereintreibung des Kaisers gelitten hatten, und seiner ihm feindlichen Nachfolger. Wegen dieser Einseitigkeit sind ihre Berichte nur begrenzt glaubwürdig. Allerdings vermitteln auch westliche Quellen ein sehr ungünstiges Bild.&amp;lt;ref&amp;gt;Stratos S. 3f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor allem wird Justinian Rachsucht vorgeworfen und die große Zahl der von ihm angeordneten Hinrichtungen betont, wobei manche Angaben übertrieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die moderne Forschung bemüht sich um ein ausgewogenes Urteil. Unstrittig ist, dass Justinian in beiden Regierungszeiten durch eigenes Versagen entscheidend zum Scheitern seiner Politik beigetragen hat. Beim Tode seines Vaters hatte er eine innen- und außenpolitisch vorteilhafte Lage vorgefunden, das Ansehen der Dynastie war hoch. Mit seiner Schroffheit und der Härte seiner Maßnahmen schuf er sich unzählige Feinde. Zum Verhängnis wurde ihm seine Unfähigkeit, Konsens aufzubauen und die Loyalität der von seinen Anordnungen Betroffenen zu gewinnen. Bezeichnenderweise vollzog sich sein Sturz sowohl 695 als auch 711 schnell und kampflos. In beiden Krisen wandten sich die Massen gemeinsam mit den Vornehmen gegen ihn, und niemand wollte für ihn kämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass er als verstümmelter und allgemein verhasster Flüchtling ausländische Unterstützung mobilisierte und erneut an die Macht kam, zeugt von seiner außerordentlichen Tatkraft, die seinen Mangel an Weitsicht aber nicht kompensieren konnte. Nachdem sich gezeigt hatte, dass auch ein Verstümmelter regieren konnte, gaben die Byzantiner die zuvor beliebte Maßnahme des Nasenabschneidens auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Peter Crawford: &amp;#039;&amp;#039;Justinian II&amp;#039;&amp;#039;. Barnsley 2021. ISBN 978-1-5267-5530-8.&lt;br /&gt;
* Jan Louis van Dieten: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1072 Justinian II. Rhinotmetos]&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas&amp;#039;&amp;#039;. Band 2. München 1976, S. 314–316&lt;br /&gt;
* John F. Haldon: &amp;#039;&amp;#039;The Empire That Would Not Die. The Paradox of Eastern Roman Survival, 640–740.&amp;#039;&amp;#039; Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 2016.&lt;br /&gt;
* John F. Haldon: &amp;#039;&amp;#039;Byzantium in the Seventh Century&amp;#039;&amp;#039;. 2. Auflage, Cambridge 1997, ISBN 0-521-31917-X&lt;br /&gt;
* Constance Head: &amp;#039;&amp;#039;Justinian II of Byzantium&amp;#039;&amp;#039;. Madison 1972, ISBN 0-299-06030-6&lt;br /&gt;
* Maria Leontsine: &amp;#039;&amp;#039;Justinian II&amp;#039;&amp;#039;. In: Alexios G. Savvides, [[Benjamin Hendrickx]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization]]&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 3: &amp;#039;&amp;#039;Faber Felix – Juwayni, Al-&amp;#039;&amp;#039;. Brepols Publishers, Turnhout 2012, ISBN 978-2-503-53243-1, S. 422–425.&lt;br /&gt;
* [[Ralph-Johannes Lilie]], Claudia Ludwig, Thomas Pratsch, Ilse Rochow, Beate Zielke: &amp;#039;&amp;#039;[[Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit]].&amp;#039;&amp;#039; 1. Abteilung: &amp;#039;&amp;#039;(641–867).&amp;#039;&amp;#039; Band 2: &amp;#039;&amp;#039;Georgios (#2183) – Leon (#4270).&amp;#039;&amp;#039; Nach Vorarbeiten [[Friedhelm Winkelmann|F. Winkelmanns]] erstellt. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. De Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-016672-0, S. 430–434 [http://pom.bbaw.de/exist/servlet/db/pmbz/scripts/browse.xql?position=&amp;amp;id=3556 Nr. 3556].&lt;br /&gt;
* Thomas Pratsch: &amp;#039;&amp;#039;Absetzungen und Absetzungsformel in Byzanz: οἱ εὐσεβεῖς ἡμῶν βασιλεῖς χρείαν σου οὐκ ἔχουσιν.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Das Altertum.&amp;#039;&amp;#039; Band 68, Nummer 3/4, 2023, S. 95–116, besonders S. 96–100.&lt;br /&gt;
* Andreas N. Stratos: &amp;#039;&amp;#039;Byzantium in the Seventh Century&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 5, Amsterdam 1980, ISBN 90-256-0852-3&lt;br /&gt;
* {{Literatur | Autor=Judith Herrin | Datum=2022 | Titel=Ravenna. Hauptstadt des Imperiums, Schmelztiegel der Kulturen | Ort=Darmstadt | ISBN=978-3-8062-4416-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Iustinianus II|Justinian II.|audio=0|video=0}}&lt;br /&gt;
* {{DIR|Just2|R. Scott Moore}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personenleiste&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER=[[Konstantin IV. (Byzanz)|Konstantin IV.]]&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER=[[Leontios (Byzanz)|Leontios]]&lt;br /&gt;
|AMT=[[Liste der byzantinischen Kaiser|Kaiser von Byzanz]]&lt;br /&gt;
|ZEIT=685–695&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER2=[[Tiberios II.]]&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER2=[[Philippikos Bardanes]]&lt;br /&gt;
|AMT2=[[Liste der byzantinischen Kaiser|Kaiser von Byzanz]]&lt;br /&gt;
|ZEIT2=705–711}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=120174952|LCCN=n98082251|VIAF=100262830}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Justinian 02}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kaiser (Byzanz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Familienmitglied der Herakleischen Dynastie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren im 7. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 711]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Justinian II.&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Rhinotmetos&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=Kaiser des byzantinischen Reiches&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=668 oder 669&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=711&lt;br /&gt;
|STERBEORT=bei Damatrys, [[Bithynien]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Le Duc de Deux-Ponts</name></author>
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