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	<title>Justin II. - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Justin_II.&amp;diff=109829&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Procopius am 28. März 2026 um 10:36 Uhr</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Solidus-Justin II-sb0391.jpg|mini|300px|[[Solidus]] Justins II.]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Justin II.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{laS|&amp;#039;&amp;#039;Flavius Iustinus&amp;#039;&amp;#039;}},&amp;lt;ref&amp;gt;Mit vollständiger Titulatur {{lang|la|&amp;#039;&amp;#039;Imperator Caesar Flavius Iustinus fidelis in Christo mansuetus maximus benefactor Alamannicus Gothicus Francicus Germanicus Anticus Alanicus Vandalicus Africanus pius felix inclitus victor ac triumphator semper Augustus&amp;#039;&amp;#039;}}; vgl. [[Gerhard Rösch (Historiker)|Gerhard Rösch]]: &amp;#039;&amp;#039;Onoma Basileias. Studien zum offiziellen Gebrauch der Kaisertitel in spätantiker und frühbyzantinischer Zeit.&amp;#039;&amp;#039; Wien 1978, S. 168.&amp;lt;/ref&amp;gt; {{grcS|variant=mittel|Ἰουστίνος}}; * [[520]]; † [[5. Oktober]] [[578]]) war vom 14. November 565 bis zum 5. Oktober 578 [[Byzantinisches Reich|(ost-)römischer]] Kaiser. Justin II. war der Neffe und Nachfolger Kaiser [[Justinian I.|Justinians]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Regierungszeit kam es erneut zum Krieg mit dem persischen [[Sassanidenreich]], der zweiten [[spätantike]]n Großmacht, wobei die Kämpfe für die Römer ungünstig verliefen. In Italien fielen die [[Langobarden]] ein und beendeten die [[Völkerwanderung]]szeit. Im Inneren hatte der Kaiser, der in den meistens Quellen eher negativ beschrieben wird, ebenfalls mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Nach dem Ausbruch einer Geisteskrankheit führte ab Ende 574 der erfolgreiche General und spätere Kaiser [[Tiberios I.|Tiberius]] als &amp;#039;&amp;#039;princeps rei publicae&amp;#039;&amp;#039; die Regierungsgeschäfte. Ob die Berichte über Justins Wahnsinn zutreffen, ist unklar; in der Forschung wird teils erwogen, dass sich hinter den Berichten ein Putsch gegen den Herrscher verbergen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
=== Regierungsantritt und innenpolitische Maßnahmen ===&lt;br /&gt;
Justins Eltern waren Dulcidius und Vigilantia, die Schwester Kaiser [[Justinian I.|Justinians]]. Dank seiner Stellung bei Hofe als &amp;#039;&amp;#039;[[Kuropalates|curopalatus]]&amp;#039;&amp;#039; seit 552 und der Hilfe seiner Frau [[Sophia (Byzanz)|Sophia]], die eine Nichte der 548 verstorbenen Kaisergattin [[Theodora I.|Theodora]] war, kam er auf offenbar reibungslose Weise zum Kaisertitel. Allerdings war er von Justinian nicht durch eine Erhebung zum &amp;#039;&amp;#039;Caesar&amp;#039;&amp;#039; oder Mitkaiser als Nachfolger designiert worden: Der &amp;#039;&amp;#039;praepositus sacri cubiculi&amp;#039;&amp;#039; – der „Vorsteher des heiligen Schlafgemachs“ und Privatsekretär des verstorbenen Kaisers – hatte Justin als ersten vom Tod Justinians unterrichtet, so dass jener heimlich in den Palast gelangen und so etwaigen Rivalen zuvorkommen konnte. Der spätere Kaiser [[Tiberios I.|Tiberius Constantinus]] fungierte in dieser Zeit als [[Excubitores|Gardekommandeur]]. Justin wurde drei Tage nach Justinians Tod von Senatoren und Soldaten zum neuen &amp;#039;&amp;#039;[[Augustus (Titel)|Augustus]]&amp;#039;&amp;#039; ausgerufen. Ein anderer möglicher Kandidat war ein erfolgreicher General, der ebenfalls den Namen [[Justin (Feldherr)|Justin]] trug, vom Verwandtschaftsgrad her aber nur ein Großcousin Justinians war. Dieser Justin konnte auf eine hervorragende Laufbahn zurückblicken, doch wurde er übergangen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. John Martindale: &amp;#039;&amp;#039;[[The Prosopography of the Later Roman Empire]] IIIa&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge 1992, S. 750 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; 566 wurde er nach [[Alexandria]] abgeschoben und kurz darauf beseitigt: Als erfolgreicher Feldherr hätte er dem neuen Kaiser gefährlich werden können, daher ließ Justin II. ihn zunächst seines Kommandos entheben und dann im Schlaf ermorden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Monate der Herrschaft Justins II. waren durchaus vielversprechend: Er zahlte Schulden Justinians ab, erließ seinerseits Steuerschulden, kümmerte sich demonstrativ persönlich um die Rechtsprechung und rief zu religiöser Toleranz auf. Im Inneren bereitete ihm bald jedoch seine kompromisslos anti-[[monophysitisch]]e Religionspolitik Schwierigkeiten, die für wachsende Spannungen zwischen der Zentrale und den reichen syrischen und ägyptischen Provinzen sorgte; zudem machte er sich durch eine rigide (aber offenbar zunächst nicht ganz erfolglose) Finanzpolitik unbeliebt. Bemerkenswert ist, dass Justin II. mit einer jahrhundertealten Tradition brach und anordnete, die Statthalter der Provinzen sollten fortan nicht mehr vom Kaiser, sondern von einer Versammlung aus den örtlichen Bischöfen und &amp;#039;&amp;#039;potentes&amp;#039;&amp;#039; bestimmt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militär- und Außenpolitik ===&lt;br /&gt;
Außenpolitisch vernachlässigte Justin II. den Westen nicht, sondern war bemüht, die dortigen römischen Gebiete zu halten. Er erweckte den Anschein, wieder eine offensivere Außenpolitik verfolgen zu wollen als Justinian in seinen letzten Jahren. Gegenüber fremden Gesandten trat der neue Kaiser demonstrativ herablassend auf, was möglicherweise ein Indiz dafür sein kann, dass er die eher fragwürdige Legitimität seiner Herrschaft durch außenpolitisches Auftrumpfen ausgleichen wollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Vernichtung des [[Gepiden]]reichs [[Kunimund]]s durch die mit den [[Awaren]] verbündeten [[Langobarden]] unter [[Alboin]] ließ Justin 567 seine Truppen [[Sirmium]] besetzen, womit das Oströmische Reich unter seiner Herrschaft seine größte Ausdehnung erlangte, wenn auch nur für ein knappes Jahr. Jedoch blieben wegen aufsässiger Provinzstatthalter und aufgrund der angespannten finanziellen und militärischen Lage seine – wohl ohnehin eher oberflächlichen – Reformbemühungen langfristig wirkungslos. Es hatte seinen Grund gehabt, wieso Justinian zuletzt primär auf diplomatische und weniger auf militärische Lösungen gesetzt hatte, denn die Kräfte des Imperiums waren bereits aufs Äußerste angespannt; das aggressive Auftreten der Römer unter Justin II. führte zu einer Verschärfung der Situation. Der Awarenkhagan [[Baian]] wäre gerne römischer [[Foederaten|Föderat]] geworden, doch wollte er seine Kinder nicht als Geiseln stellen, wie Justin gefordert hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einschneidendes Ereignis in seiner Regierungszeit war die Invasion [[Italien]]s durch die Langobarden im Jahr 568 unter ihrem König [[Alboin]]. Ursache war vielleicht die Vernichtung des Reiches der Gepiden durch die Langobarden, die sich das gepidische Territorium mit den Awaren aufteilten. Angeblich flohen die Langobarden vor den aggressiv expandierenden Awaren, die einen erheblichen Machtfaktor in diesem Raum darstellten, nach Italien; nach Ansicht anderer Forscher war die Invasion hingegen schon länger geplant gewesen, und diese Annahme ist wohl auch die plausiblere. Möglich ist auch, dass [[Narses]], der oströmische Kommandeur in Italien, die Krieger eigentlich als Föderaten anheuern wollte. Die Langobarden eroberten jedenfalls in wenigen Jahren große Teile Italiens und machten damit das Restaurationswerk Justinians dort fast ganz zunichte. Ihr Einfall gilt allgemein als der letzte Zug der so genannten [[Völkerwanderung]] und zudem als eines der möglichen Daten für das „[[Ende der Antike]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Nordafrika kam es derweil zu verlustreichen Kämpfen mit dem [[Mauren|maurischen]] &amp;#039;&amp;#039;rex&amp;#039;&amp;#039; Garmules, über die wenig bekannt ist, in denen aber drei hochrangige römische Funktionäre den Tod fanden: 569 der Prätorianerpräfekt Theodorus, 570 der &amp;#039;&amp;#039;magister militum per Africam&amp;#039;&amp;#039; Theoctistus und 571 dessen Nachfolger Amabilis. Erst 578 gelang es dem kaiserlichen Feldherrn Gennadius, Garmules zu besiegen und zu töten.&amp;lt;ref&amp;gt;Hugh Elton: &amp;#039;&amp;#039;The Roman Empire in Late Antiquity. A Political and Military History.&amp;#039;&amp;#039; Cambridge 2018, S. 287. Jonathan Conant: &amp;#039;&amp;#039;Staying Roman. Conquest and Identity in Africa and the Mediterranean, 439–700.&amp;#039;&amp;#039; Cambridge 2012, S. 231f., datiert die Tode mit Bezugnahme auf [[Johannes von Biclaro]] auf die Jahre 568 bis 570.&amp;lt;/ref&amp;gt; Justin konnte den Angreifern im Westen wenig entgegensetzen, da seine Aufmerksamkeit vor allem dem Norden und dem Osten des Reiches gelten musste. An der Donau ließ er mehrere erfolglose Feldzüge gegen die Awaren durchführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
568/69 übergab Justin II. einer Gesandtschaft [[Radegunde]]s eine [[Reliquie]] des [[Heiliges Kreuz|Heiligen Kreuzes]] für deren Kloster in [[Poitiers]]. Dies steht sehr wahrscheinlich in Verbindung mit vorherigen Friedensverhandlungen zwischen Ostrom und dem [[Merowinger]]könig [[Sigibert I.]], der sich an seinen Grenzen nun Langobarden und Awaren erwehren musste. In diesem Zusammenhang scheint Justin daran interessiert gewesen zu sein, Sigibert und sein Teilreich enger an Konstantinopel zu binden.&amp;lt;ref&amp;gt;Stefan Esders: &amp;#039;&amp;#039;„Avenger of all Perjury“ in Constantinople, Ravenna and Metz. St Polyeuctus, Sigibert I, and the Division of Charibert&amp;#039;s Kingdom in 568.&amp;#039;&amp;#039; In: A. Fischer, I. N. Wood (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Western Perspectives on the Mediterranean. Cultural Transfer in Late Antiquity and the Early Middle Ages (400–800).&amp;#039;&amp;#039; London 2014, S. 17–40, hier S. 34 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perserkrieg und Kontakte zu den Kök-Türken ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Roman-Persian Frontier, 565 AD.png|mini|Die römisch-persische Grenze beim Herrschaftsbeginn Justins II. im Jahr 565.]]&lt;br /&gt;
Ebenso spitzte sich die außenpolitische Lage an der Ostgrenze des Imperiums zu. Im Jahr 572 brach der Krieg gegen die persischen [[Sassaniden]] wieder aus, die zuletzt 562 mit Ostrom einen Friedensvertrag geschlossen hatten (siehe [[Römisch-Persische Kriege]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Perserkrieg siehe etwa [[Geoffrey B. Greatrex]], Samuel N. C. Lieu: &amp;#039;&amp;#039;The Roman Eastern Frontier and the Persian Wars. Part II AD 363–630. A narrative sourcebook.&amp;#039;&amp;#039; London/New York 2002, S. 142 ff.; Peter Sarris: &amp;#039;&amp;#039;Empires of Faith.&amp;#039;&amp;#039; Oxford 2011, S. 229 ff.; Michael Whitby: &amp;#039;&amp;#039;The Emperor Maurice and his Historian. Theophylact Simocatta on Persian and Balkan Warfare.&amp;#039;&amp;#039; Oxford 1988, S. 250 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anlass waren nicht gelöste Streitigkeiten in der [[Kaukasus]]region, zudem kam es immer wieder zu Übergriffen der mit den Persern verbündeten [[Araber]] vom Stamm der [[Lachmiden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 568/69 hatte eine Delegation der [[Kök-Türken]] unter Führung des einflussreichen [[Sogdien|Sogdiers]] [[Maniakh]] Kontakt mit Konstantinopel aufgenommen. Der türkische Herrscher war über seine Behandlung durch Chosrau I. empört und plante als Vergeltung ein Bündnis mit den Römern gegen den gemeinsamen Feind. Justin nahm dieses Angebot gerne wahr und schickte im August 569 den hohen Militär [[Zemarchos]] zum Türkenherrscher [[Sizabulos]] nach Sogdien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Spätantike]] Autoren werfen Justin daher vor, den Krieg mit den Sassaniden daraufhin leichtfertig provoziert zu haben, indem er eine Rebellion im persisch kontrollierten Teil [[Geschichte Armeniens|Armeniens]] (&amp;#039;&amp;#039;[[Persarmenien]]&amp;#039;&amp;#039;) unterstützte; doch es ist unklar, ob der Kaiser, der sich als Schutzherr der Christen gab, den Hilferuf der armenischen Christen wirklich hätte ignorieren können, ohne einen Ansehensverlust zu erleiden. Vor allem aber gab es wohl unter den Römern auch Unzufriedenheit über den von Justinian mit Tributen erkauften Frieden von 562: 572 hätte man nach den Bestimmungen von 562 zu jährlichen Zahlungen an die Perser übergehen müssen; stattdessen verweigerte Justin die Abgaben und forderte sogar die bereits gezahlten 300.000 Goldstücke zurück. Diese Geste gab den Ausschlag, der Perserkönig, der friedenswillig gewesen war, nahm diesen Affront nicht hin, und der offene Krieg begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;[[magister militum]] per Orientem&amp;#039;&amp;#039; Marcianus,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. John Martindale: &amp;#039;&amp;#039;[[The Prosopography of the Later Roman Empire]] IIIb&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge 1992, S. 821–823.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein Verwandter des Kaisers, drang 572 in die persische Provinz Arzanene ein. Der römische Angriff blieb allerdings rasch stecken. Auch wenn beide Seiten ähnlich schlecht auf den Kampf vorbereitet waren, erzielten die Perser unter ihrem greisen Großkönig [[Chosrau I.]] doch sehr bald bedeutende Erfolge: Der König wehrte zunächst eine türkische Invasion im Osten seines Reiches ab, anschließend überrannten die Truppen der Sassaniden bei ihrer Gegenoffensive im Westen das römische [[Mesopotamien]], nahmen die reiche Stadt Apameia ein und eroberten im Jahr 573 die wichtige Festung [[Dara-Anastasiupolis|Dara]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bündnis Justins mit den Kök-Türken hatte nicht das gewünschte Ergebnis erzielt;&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Sarris: &amp;#039;&amp;#039;Empires of Faith.&amp;#039;&amp;#039; Oxford 2011, S. 230–232.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Gegenteil, bald wandten sich auch die Türken gegen Ostrom und besetzten die Stadt Bosporos auf der Krim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geisteskrankheit und Ende der selbstständigen Regierungszeit ===&lt;br /&gt;
Diese Häufung schlechter Nachrichten scheint Justins geistige Gesundheit angegriffen zu haben: Seit Anfang 574 zeigte der Kaiser laut Auskunft der Quellen Anzeichen einer schweren Geisteskrankheit. Während [[Euagrios Scholastikos|Euagrios]] und [[Theophylakt Simokattes]] dabei die militärischen Rückschläge als Ursache bezeichnen,&amp;lt;ref&amp;gt;Euagrios, &amp;#039;&amp;#039;Kirchengeschichte&amp;#039;&amp;#039;, 5,11; Theophylakt, &amp;#039;&amp;#039;Historien&amp;#039;&amp;#039;, 3,11.&amp;lt;/ref&amp;gt; interpretierte der Monophysit Johannes den Wahnsinn des Kaisers als göttliche Strafe für die Religionspolitik Justins:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Doch entkam er nicht der Gerechtigkeit Gottes, der aber, weil er gnädig ist, nicht wünschte, dass er gänzlich vergehen möge, sondern lediglich von seinen verruchten Taten abgehalten werde; er sandte ihm, in den Worten der Heiligen Schrift, „Zorn, Trübsal und Furcht“. Und diese kamen über ihn durch einen bösen Dämon, der plötzlich in ihn fuhr und ihn erfüllte. Dieser beherrschte ihn grausam und machte ihn furchtsam, geradezu als ein Beispiel für die Bösartigkeit der Dämonen. Denn schlagartig zerstörte er seinen Verstand, und seine Seele wurde zugleich erregt und verfinstert, und sein Leib war sichtbaren und unsichtbaren Qualen und Foltern und grauenvoller Agonie ausgeliefert. Er schrie jetzt wie wilde Tiere; er bellte wie ein Hund, meckerte wie eine Ziege, miaute wie eine Katze oder krähte wie ein Hahn.&lt;br /&gt;
 |Quelle=[[Johannes von Ephesos]]: &amp;#039;&amp;#039;Kirchengeschichte&amp;#039;&amp;#039;, 3,2-5.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Berichte über den Wahnsinn des Kaisers zutreffen, ist unklar; in der Forschung wird teils erwogen, dass sich hinter den Berichten der Quellen in Wahrheit ein [[Putsch]] gegen den erfolglosen Herrscher verbergen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. [[Henning Börm]]: &amp;#039;&amp;#039;Justinians Triumph und Belisars Erniedrigung. Überlegungen zum Verhältnis zwischen Kaiser und Militär im späten Römischen Reich&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Chiron&amp;#039;&amp;#039; 43 (2013), S. 81 f. Vgl. zu den Vorgängen auch [[Averil Cameron]]: &amp;#039;&amp;#039;An Emperor&amp;#039;s Abdication&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Byzantinoslavica&amp;#039;&amp;#039; 37 (1976), S. 161 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Justins Schwiegersohn, der erfahrene Feldherr und &amp;#039;&amp;#039;[[comes stabuli]]&amp;#039;&amp;#039; Baduarius, der eigentlich als naheliegender Nachfolger galt, wurde jedenfalls übergangen. Auf Drängen des Hofes, der Senatoren und seiner Gattin Sophia erhob Justin schließlich am 7. Dezember 574 den &amp;#039;&amp;#039;comes excubitorum&amp;#039;&amp;#039; (Gardekommandeur) und erfolgreichen General [[Tiberios I.|Flavius Tiberius Constantinus]] zu seinem &amp;#039;&amp;#039;[[Caesar (Titel)|Caesar]]&amp;#039;&amp;#039; (Unterkaiser). Dieser wurde kurz darauf zum &amp;#039;&amp;#039;princeps rei publicae&amp;#039;&amp;#039; ernannt und führte von da an alle Regierungsgeschäfte.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Imperiale fastigio provehit et rei publicae principem designat&amp;#039;&amp;#039;; [[Johannes von Biclaro]], ad ann. 574,3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20 Nummi – Half Follis - Justin II with Sophia - Carthage.jpg|mini|300px|Münze mit Justin II. und Sophia]]&lt;br /&gt;
Etwas später erzielten die Römer im Kampf gegen die Sassaniden endlich einige Erfolge: Justins Feldherr [[Justinian (Feldherr)|Justinian]], der Bruder des Jahre zuvor vom Kaiser beseitigten Thronprätendenten Justin, konnte 575 oder 576 die Perser in der [[Schlacht bei Melitene]] schlagen. Es war eine der bis dahin schwersten persischen Niederlagen gegen die Römer, und König Chosrau konnte offenbar nur mit Mühe entkommen. Dennoch erwies sich der Erfolg als nicht kriegsentscheidend; die Perser erholten sich rasch von der Niederlage. Ostrom sah sich schließlich gezwungen, einen unsicheren Waffenstillstand durch die Wiederaufnahme der 562 vereinbarten jährlichen [[Tribut]]e zu erkaufen. Dieser galt nur für Mesopotamien; Armenien war von seinen Bestimmungen ausgeklammert, und die Waffenruhe hielt auch nicht lange. Bereits 578 flammten die Kämpfe wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Justin, der in der modernen Forschung überwiegend negativ beurteilt wird (im Gegensatz zu manchen Aussagen in den Quellen), 578 starb, wurde Tiberius Constantinus ohne Schwierigkeiten sein Nachfolger als &amp;#039;&amp;#039;Augustus&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Justin II. scheint ein eher mäßig begabter Kaiser gewesen zu sein. Einer recht umsichtigen Finanzpolitik stehen Rückschläge in der Außenpolitik gegenüber. Justin scheint – vielleicht aufgrund einer schwachen Position im Inneren – gegenüber allen „Barbaren“ aggressiv und undiplomatisch aufgetreten zu sein, ohne einen Blick für die realen Machtverhältnisse und das jeweils Machbare zu haben. Sein offensives Auftreten gegenüber den Persern wiederum verwickelte das Imperium in einen langjährigen und verlustreichen Krieg, der die meisten römischen Truppen zu einem Zeitpunkt band, als sie auf dem Balkan zur Abwehr der Slawen dringend benötigt worden wären. Der vom Kaiser angeregte Einsatz der Awaren gegen die Slawen wiederum hatte weitere awarische Plünderungsgelüste zur Folge. Erst Kaiser [[Maurikios]], der zu Zeiten Justins II. noch Delegationsführer bei Waffenstillstandsverhandlungen war und später als Nachfolger [[Justinian (Feldherr)|Justinians]] Feldherr wurde, konnte die von Justin II. mit verursachten Krisen [[Balkanfeldzüge des Maurikios|zeitweilig meistern]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
Wichtige erzählende Quellen sind [[Euagrios Scholastikos|Euagrios]] (Buch 5 seiner &amp;#039;&amp;#039;Kirchengeschichte&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;Historia Ecclesiastica&amp;#039;&amp;#039;), der Justin II. gegenüber eher negativ eingestellt ist, der dritte Teil der Kirchengeschichte des [[Johannes von Ephesos]] (ebenfalls Justin gegenüber feindlich eingestellt), [[Menander Protektor]] (nur fragmentarisch erhalten), [[Theophylaktos Simokates]] und [[Theophanes]]. Bis auf ein Fragment verloren ist das Werk des [[Johannes von Epiphaneia]] und das des [[Theophanes von Byzanz]]; die &amp;#039;&amp;#039;Historien&amp;#039;&amp;#039; des Johannes waren auch die Hauptquelle Theophylakts für diese Zeit. Knappe Bemerkungen zu Justin II. finden sich auch bei westlichen Autoren, so etwa bei [[Gregor von Tours]],&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Beispiel Gregor von Tours, &amp;#039;&amp;#039;Historiae&amp;#039;&amp;#039;, 4,40&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Johannes von Biclaro]] und [[Paulus Diaconus]] (bzgl. der Invasion Italiens durch die Langobarden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ist die [[Panegyrik|panegyrische]] lateinische Dichtung &amp;#039;&amp;#039;In laudem Iustini Augusti Minoris&amp;#039;&amp;#039; in vier Büchern des [[Gorippus]] zu nennen, die wohl 565 oder 566 entstand und die Thronbesteigung des neuen Herrschers feierte. Man kann dem Werk unter anderem Informationen über den kaiserlichen Hof entnehmen. Ein weiterer erhaltener Panegyricus auf den Kaiser wurde in Gallien von [[Venantius Fortunatus]] verfasst. Gesetze Justins sind in den &amp;#039;&amp;#039;Novellen&amp;#039;&amp;#039; zum &amp;#039;&amp;#039;[[Codex Iustinianus]]&amp;#039;&amp;#039; gesammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Münzen, die Justin II. schlagen ließ, trugen nach wie vor lateinische Inschriften (Legenden). Während sich dabei seit der Zeit seines Nachfolgers Fehler und Verschreibungen zu häufen beginnen, sind die Texte auf Justins Münzen noch korrekt abgefasst: Ebenso wie die Dichtung des Gorippus mag dies ein Indiz dafür sein, dass an seinem Hof und in seiner Verwaltung noch Latein beherrscht wurde. Gorippus berichtet jedenfalls 566, es werde erwartet, Reden vor dem Kaiser auf Griechisch &amp;#039;&amp;#039;und&amp;#039;&amp;#039; Latein halten zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Gorippus, &amp;#039;&amp;#039;In laudem Iustini Augusti Minoris&amp;#039;&amp;#039;, 4,154 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der syrischen Überlieferung wurde Justin II. bezeichnenderweise als der letzte „lateinische“ (bzw. „fränkische“) Kaiser gezählt, während mit Tiberius Constantinus die Zeit der „griechischen“ Kaiser begonnen habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z. B. [[Michael der Syrer]] 10,11.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Averil Cameron]]: &amp;#039;&amp;#039;The Empress Sophia.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Byzantion&amp;#039;&amp;#039; 45 (1975), S. 5–21.&lt;br /&gt;
* Hugh Elton: &amp;#039;&amp;#039;The Roman Empire in Late Antiquity. A Political and Military History.&amp;#039;&amp;#039; Cambridge University Press, Cambridge 2018, ISBN 978-1108456319, S. 283 ff.&lt;br /&gt;
* Sihong Lin: &amp;#039;&amp;#039;Justin under Justinian. The Rise of Emperor Justin II Revisited&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Dumbarton Oaks Papers&amp;#039;&amp;#039; 75 (2021), S. 121–142 ([https://www.jstor.org/stable/27107153 JSTOR]).&lt;br /&gt;
* John Martindale: &amp;#039;&amp;#039;[[The Prosopography of the Later Roman Empire]] IIIa&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge 1992, S. 754–756.&lt;br /&gt;
* [[Walter Pohl]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Awaren&amp;#039;&amp;#039;. 2. Aufl., C.H. Beck, München 2002.&lt;br /&gt;
* [[Klaus Rosen]]: &amp;#039;&amp;#039;Iustinus II&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Reallexikon für Antike und Christentum]]&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 19 (1999), Sp. 778–801. [informativer Überblick]&lt;br /&gt;
* [[Peter Sarris]]: &amp;#039;&amp;#039;Empires of Faith. The Fall of Rome to the Rise of Islam, 500–700.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press, Oxford 2011, S. 226 ff.&lt;br /&gt;
* Ernst Stein: &amp;#039;&amp;#039;Studien zur Geschichte des byzantinischen Reiches vornehmlich unter den Kaisern Justinus II. und Tiberius Constantinus&amp;#039;&amp;#039;. Metzler, Stuttgart 1919. [veralteter Forschungsstand, teils aber immer noch grundlegend]&lt;br /&gt;
* Paul Stephenson: &amp;#039;&amp;#039;New Rome. The Roman Empire in the East, AD 395-700.&amp;#039;&amp;#039; Profile Books, London 2021, S. 219 ff.&lt;br /&gt;
* [[Michael Whitby]]: &amp;#039;&amp;#039;The successors of Justinian. Justin II&amp;#039;&amp;#039;. In: Averil Cameron u.&amp;amp;nbsp;a. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[The Cambridge Ancient History]]&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 14. 2. neubearbeitete Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 86 ff.&lt;br /&gt;
* Michael Whitby: &amp;#039;&amp;#039;The Emperor Maurice and his Historian – Theophylact Simocatta on Persian and Balkan Warfare&amp;#039;&amp;#039;. Oxford 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Iustinus II|Justin II.}}&lt;br /&gt;
* {{DIR|justinii|James Allan Evans}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personenleiste&lt;br /&gt;
|AMT=[[Liste der byzantinischen Kaiser|Oströmischer Kaiser]]&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER=[[Justinian I.]]&lt;br /&gt;
|ZEIT=565–578&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER=[[Tiberios I.]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=102518157|LCCN=n/82/212904|VIAF=89552299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Justin 02}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Justinianische Dynastie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kaiser (Byzanz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kaiser (Rom)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 520]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 578]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Justin II.&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=byzantinischer Kaiser, Nachfolger Justinians I.&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=520&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=5. Oktober 578&lt;br /&gt;
|STERBEORT=&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Procopius</name></author>
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