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	<title>Jeschajahu Leibowitz - Versionsgeschichte</title>
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&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Yeshaia Leibowitz. Photograph by Grubner. Wellcome V0026693.jpg|mini|hochkant|Jeschajahu Leibowitz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Jeschajahu Leibowitz&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{heS|ישעיהו ליבוביץ&amp;amp;lrm;}},&amp;amp;nbsp;auch &amp;#039;&amp;#039;Yeshayahu&amp;#039;&amp;#039;; geboren am [[29. Januar]] [[1903]] in [[Riga]], [[Russisches Kaiserreich]]; gestorben am [[18. August]] [[1994]] in [[Jerusalem]], [[Israel]]) war ein israelischer [[Naturwissenschaftler]], [[Medizin]]er und [[Religionsphilosophie|Religionsphilosoph]]. Er lehrte fast sechs Jahrzehnte lang an der [[Hebräische Universität Jerusalem|Hebräischen Universität Jerusalem]] und hielt Vorlesungen in Biochemie, Neurophysiologie, Philosophie und [[Wissenschaftsgeschichte]]. Er war Herausgeber der [[Encyclopaedia Hebraica]] und veröffentlichte Bücher über Religion, Ethik, Philosophie, Geschichte und Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Zionismus|Zionist]] und [[Orthodoxes Judentum|orthodoxer Jude]] ist Leibowitz für seine religionsphilosophischen Schriften und für seine scharfe Kritik an der israelischen Politik bekannt geworden. Er warnte davor, dass der Staat Israel und der Zionismus heiliger geworden seien als die jüdisch-humanistischen Werte, und beschrieb das israelische Verhalten in den besetzten palästinensischen Gebieten als jüdisch-nationalsozialistisch im Charakter, während er gleichzeitig vor der entmenschlichenden Wirkung der Besatzung auf die Opfer und Besetzer warnte. Er prägte den Begriff „Judäo-Nazis“ ({{heS|מנטליות &amp;quot;יהודונאצית&amp;quot;|mentaliut jehudonatsit}}) für unmenschliche israelische Siedler und Soldaten in den besetzten Gebieten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Ilana Elkad-Lehman |Titel=‘Judeo-Nazis? Don’t talk like this in my house’ voicing traumas in a graphic novel – an intertextual analysis |Sammelwerk=Israel Affairs |Band=26 |Nummer=1 |Datum=2020-01-02 |ISSN=1353-7121 |DOI=10.1080/13537121.2020.1697072 |Seiten=59–79}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
Jeschajahu Leibowitz stammte aus einer großbürgerlichen jüdisch-[[Zionismus|zionistischen]] Familie. Seine Eltern waren Mordechai Kalman und Frieda Leibowitz.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=David B. Green |Titel=1994: A Scientist Adored by Israelis, Though Most Hated His Opinions, Dies |Sammelwerk=Haaretz |Datum=2016-08-18}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Familie wurde [[Deutsche Sprache|Deutsch]] gesprochen, auf der Straße [[Jiddisch]] und in der Schule [[Russische Sprache|Russisch]].&amp;lt;ref&amp;gt;Tsafrir Cohen: [https://www.rosalux.org.il/artikel/jeschajahu-leibowitz/ &amp;#039;&amp;#039;Dokumentiert: Ein Gespräch mit Jeschajahu Leibowitz&amp;#039;&amp;#039;], Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office, 28. April 2018&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig lernte er als Kind [[Ivrit|Hebräisch]] und [[Französische Sprache|Französisch]]; das sei im Umfeld seiner Familie der Normalfall gewesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot; details=&amp;quot;264&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jeschajahu Leibowitz, Michael Shashar |Titel=Gespräche über Gott und die Welt |Verlag=Inseln |Ort=Frankfurt am Main |Datum=1994 |ISBN=3-458-33268-5}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine Schwester und er erhielten Privatunterricht; erst später besuchte er das allgemeine Gymnasium in [[Riga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des [[Russischer Bürgerkrieg|Russischen Bürgerkriegs]] 1919 verließ die Familie Leibowitz Riga,&amp;lt;ref&amp;gt;[[Marģers Vestermanis]]: &amp;#039;&amp;#039;Juden in Riga. Auf den Spuren des Lebens und Wirkens einer ermordeten Minderheit&amp;#039;&amp;#039;. 3. verbesserte und erweiterte Ausgabe in deutscher Sprache. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 58.&amp;lt;/ref&amp;gt; und zog, wie viele andere baltische Juden, ins Deutschland der [[Weimarer Republik]] nach Berlin. In Berlin studierte Leibowitz [[Chemie]] an der [[Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin]]. Seine akademischen Lehrer waren [[Fritz Haber]], [[Walther Nernst]], [[Otto Fritz Meyerhof]] und [[Otto Warburg (Biochemiker)|Otto Warburg]]. 1924 promovierte er in Chemie (an der philosophischen Fakultät). Auf Empfehlung seiner Professoren erhielt er die preußische Staatsbürgerschaft.&lt;br /&gt;
[[Datei:Yeshayahu Leibowitz 1.jpg|mini|hochkant|Leibowitz in den 1930er Jahren]]&lt;br /&gt;
Von 1926 bis 1930 war er als [[Biochemiker]] Assistent am [[Kaiser-Wilhelm-Institut]] in Berlin, später an der [[Universität Köln]]. Ab 1929 studierte er [[Medizin]] in Köln und [[Universität Heidelberg|Heidelberg]]. Nach seiner Heirat mit Grete Leibowitz (geb. Winter) 1931 wechselte sie nach Heidelberg, wo sie 1933 promovierte. 1934 habilitierte er sich in [[Basel]] in Medizin, denn nach der [[Machtergreifung]] der [[Nationalsozialismus|Nationalsozialisten]] war das für ihn als Juden in Berlin nicht mehr möglich. Noch im selben Jahr [[Alija|wanderte]] das Ehepaar in das [[Völkerbundsmandat für Palästina]] aus.&lt;br /&gt;
[[Datei:PikiWiki Israel 4961 People of Israel.jpg|mini|Leibowitz (Dritter von links) mit Studenten an der Tichon Beit Hakerem, 1947]]&lt;br /&gt;
[[Datei:PikiWiki Israel 17008 Professor Yeshayahu Leibowitz Lecturing in the He.jpg|mini|Leibowitz im Hörsaal, um 1964]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 trat er in die [[Hebräische Universität Jerusalem]] ein, erhielt dort 1941 einen Lehrstuhl für [[Biochemie]] und wurde 1952 zum ordentlichen Professor für [[organische Chemie]] und [[Neurophysiologie]] berufen. 1970 wurde er pensioniert, lehrte aber weiterhin Philosophie und Wissenschaftsgeschichte in Jerusalem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an arbeitete Leibowitz als Redakteur an der &amp;#039;&amp;#039;Encyclopaedia Hebraica&amp;#039;&amp;#039; mit und wurde 1953 deren [[Chefredakteur]]. Grete Leibowitz arbeitete als Lehrerin und Übersetzerin seiner Schriften und war ab den 1960er Jahren auch Sekretärin der Encyclopaedia Hebraica.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.hagalil.com/israel/leibowitz/grete-leibowitz.htm Grete Leibowitz, geb. Winter], [[haGalil]], 10. September 2000&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben zahlreichen Büchern über Philosophie, Politik und die Schriften von [[Maimonides]] veröffentlichte er Hunderte von Artikeln und Essays. Einige seiner Vorträge wurden zunächst im Rahmen der „Offenen Universität“ des [[Galei Zahal|Radios]] der [[Israelische Verteidigungsstreitkräfte|israelischen Armee]] gesendet und später als Buch veröffentlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1933 in Berlin geborene israelische Journalist und Politiker Michael Shashar, Sekretär von [[Mosche Dajan]] und Generalkonsul in New York, Sohn eines Jugendfreundes von Leibowitz aus der Studienzeit in Deutschland, führte 1987 ein längeres Interview mit Leibowitz, das er in Buchform herausgab und das 1990 unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Gespräche über Gott und die Welt&amp;#039;&amp;#039; auch in deutscher Sprache erschien.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1993 sollte Leibowitz den [[Israel-Preis]] erhalten. Als sich zeigte, dass der damalige Premierminister [[Jitzchak Rabin]] sich weigern würde, an der Zeremonie teilzunehmen, wies Leibowitz den Preis zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibowitz’ jüngere Schwester, [[Nechama Leibowitz]], war eine bekannte Bibelwissenschaftlerin; der bedeutende polnisch-französische [[Komponist]], [[Musiktheorie|Musiktheoretiker]] und [[Dirigent]] [[René Leibowitz]] war sein Cousin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jeschajahu Leibowitz 1994 mit 91 Jahren gestorben war, nannte Präsident [[Ezer Weizmann]] ihn „eine der größten Persönlichkeiten im Leben des jüdischen Volkes und des Staates Israel in den letzten Generationen“ und fügte hinzu, dass er „für viele in Israel das spirituelle [[Gewissen]]“ gewesen sei.&amp;lt;ref name=&amp;quot;NYT94&amp;quot;&amp;gt;Joel Greenberg: [https://www.nytimes.com/1994/08/19/obituaries/yeshayahu-leibowitz-91-iconoclastic-israeli-thinker.html Yeshayahu Leibowitz, 91, Iconoclastic Israeli Thinker], The New York Times, 19. August 1994&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religiöse Positionen ==&lt;br /&gt;
Jeschajahu Leibowitz war in seinem Denken stark von [[Maimonides]] geprägt, außerdem von der jüdischen Orthodoxie litauischer Prägung.&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die mündliche Tora ist einerseits ohne Zweifel ein menschliches Produkt, andererseits akzeptieren wir sie als die göttliche Tora; die Tora, die wir selbst geschrieben haben, ist die göttliche Tora!&lt;br /&gt;
 |Quelle=Gespräche über Gott und die Welt, S. 129&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot; /&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlegend war für ihn die Selbstverpflichtung zum Tun der [[Mitzwa|Mitzwot]], und zwar um ihrer selbst willen. Daraus zog er Konsequenzen, die ihn in Gegensatz zu chassidischen Positionen brachten, aber auch zum liberalen Judentum:&lt;br /&gt;
* Das Gebet ist eine Mitzwa; das Gebet um seiner selbst willen zu verrichten, bedeutet, darauf zu verzichten, mit Beten den Lauf der Welt oder das persönliche Schicksal ändern zu wollen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot;  details=&amp;quot;255&amp;quot;/&amp;gt; Das Gebet sei kein „emotionaler Sport“. Wie der Opferkult im Tempel, so sei das Gebet nach Zerstörung des Tempels ein „Formalismus der Gottesverehrung“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot;  details=&amp;quot;157&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Yeshayahu Leibowitz.jpg|mini|hochkant|Leibowitz fotografiert von [[Bracha Ettinger]]]]&lt;br /&gt;
* Die Speisegesetze und andere Regeln der Alltagsgestaltung sollen um ihrer selbst willen befolgt werden, sie haben medizinisch keine Relevanz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot;  details=&amp;quot;166&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Mitzwa des Torastudiums soll auch strikt um ihrer selbst willen ausgeübt werden, also ohne Bezahlung oder Freistellung von irgendwelchen Pflichten. Der Jude, der sich nach Feierabend mit der Tora befasst und nur zu einem oberflächlichen Verständnis gelangt, übt diese Mitzwa mehr aus als der [[Jeschiwa]]student, der zu einem profunden Wissen gelangt ist, aber keinem Broterwerb nachgeht. Orthodoxen Frauen sollte das Torastudium offenstehen, da es ein wesentlicher Aspekt jüdischen Lebens ist. Das liberale Judentum disqualifiziert sich in Leibowitz’ Sicht durch seinen selektiven Umgang mit der [[Halacha]]: „Was ist der Unterschied zwischen einem Menschen, der niemals in die Synagoge gegangen ist und niemals gehen wird, und einem Menschen, der eine Synagoge ausdrücklich gegen die halachischen Vorschriften baut?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot;  details=&amp;quot;162&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Leibowitz engagierte sich im [[Christlich-jüdischer Dialog|interreligiösen Gespräch]] mit Christen und hielt im [[Theologisches Studienjahr Jerusalem|Theologischen Studienjahr Jerusalem]] 1976/1977 Vorlesungen. Er machte aber keinen Hehl daraus, dass er das Christentum ablehnte bzw. „tief verachtete“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Shashar&amp;quot;  details=&amp;quot;87–88&amp;quot;/&amp;gt; Das Christentum sei eine Religion ohne Mitzwot, ja, es habe das Tun der Mitzwot als Gesetzlichkeit bekämpft.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Netta Schramm |Titel=A Dialogue of Difference: Y. Leibowitz in Conversation with M. Dubois on Judaism and Christianity |Sammelwerk=Journal of Ecumenical Studies |Band=59 |Nummer=1 |Datum=2024 |ISSN=2162-3937 |Seiten=54–67 |Online=https://muse.jhu.edu/pub/56/article/922802 |Abruf=2024-03-27}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibowitz erkannte in der Ausbreitung einer neuen, messianischen Ideologie unter den jüdischen Israelis ein Grundproblem: Nationalistische, religiöse Juden, die der Idee eines [[Großisrael]] anhingen und Araber nicht als gleichwertige Menschen betrachteten, würden auch in Zukunft einen dauerhaften Frieden verhindern. Er urteilte unmissverständlich und nannte diese Nationalisten „Judeo-Nazis“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mendel&amp;quot; details=&amp;quot;12&amp;quot;&amp;gt;[[Meron Mendel]]: &amp;#039;&amp;#039;Über Israel reden: Eine deutsche Debatte&amp;#039;&amp;#039;. Kiepenheuer &amp;amp; Witsch, Köln 2023&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als überzeugter Verfechter der Trennung von Staat und Religion argumentierte er, dass die Vermischung von Religion und Politik in Israel den Glauben korrumpiere. Er verurteilte die Verehrung jüdischer Heiligtümer und Rituale als Glücksbringer und bezeichnete die Klagemauer, eine beliebte Pilgerstätte, als „religiöse [[Diskothek|Disco]]“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;NYT94&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Ansichten ==&lt;br /&gt;
Leibowitz war als überzeugter Zionist 1934 nach Israel eingewandert. Schon vor der [[Israelische Unabhängigkeitserklärung|Staatsgründung]] 1948 setzte er sich für eine absolute [[Laizismus|Trennung von Religion und Staat]] ein. Mit großem Misstrauen stand er der Verbindung von [[Nationalismus]] und [[Mystik|mystischem Denken]] bei so unterschiedlichen Personen wie dem [[Liste von Oberrabbinern|Oberrabbiner]] von [[Palästina (Region)|Palästina]] [[Abraham Isaak Kook]] und dem Historiker der jüdischen Mystik [[Gershom Scholem]] gegenüber. Die Idee, der Staat Israel, das Land oder die Armee seien „heilig“, wurde von ihm zurückgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er des Öfteren von Gegnern als „Antizionist“ bezeichnet wurde, bekräftigte er gegen Ende seines Lebens seine Parteinahme für die zionistische Idee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er entwickelte nach dem [[Qibya-Massaker]] vom 14./15. Oktober 1953 eine zunehmend kritischere Haltung gegenüber der israelischen Regierung. In seinen späteren Schriften verneinte er jegliche religiöse Bedeutung Israels und betonte wiederholt die seiner Ansicht nach notwendige Trennung von Religion und Staat.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leibowitz1995&amp;quot;&amp;gt;Yeshayahu Leibowitz (1995): &amp;#039;&amp;#039;Judaism, Human Values and the Jewish State&amp;#039;&amp;#039;. Cambridge: Harvard University Press.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Evyatar Protest 180222 005.jpg|mini|Räumung des illegalen Außenposten Eviatar auf palästinensischem Farmland nahe [[Nablus]] jüdische Siedler im [[Westjordanland]]. T-Shirt mit Leibowitz’ Silhouette und den Spruch „Ich hab’ (es) euch gesagt“ (2022)&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.btselem.org/firearms/20220228_nine_months_of_protesting_seven_killed_and_dozens_injured_in_the_town_of_beita Nine months of protesting a new outpost: seven killed and dozens injured in the town of Beita], [[B’Tselem]], 28 February 2022&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Siegeseuphorie nach dem [[Sechstagekrieg]] von 1967, in dem Jitzchak Rabin Generalstabschef &amp;#039;&amp;#039;([[Ramatkal]])&amp;#039;&amp;#039; der Armee war, warnte Leibowitz, dass die [[Israelische Siedlung|anhaltenden Besetzung der Gebiete]] Israel zu einem Agenten der Unterdrückung machen würde und dessen Bürger in wachsender Zahl zur Überwachung der Palästinenser eingesetzt werden würden. Bereits 1968, nur wenige Monate nach dem spektakulären Sieg Israels über die drei Nachbarländer [[Ägypten]], [[Jordanien]] und [[Syrien]], schrieb er: „Der wichtigste Tag im Sechstagekrieg ist der siebte Tag.“ Am siebten Tag nämlich hätte sich die israelische Armee aus seiner Sicht aus den besetzten Gebieten – [[Ostjerusalem]], [[Westjordanland]] und [[Gazastreifen]] – vollständig zurückziehen müssen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mendel&amp;quot;  details=&amp;quot;11&amp;quot;/&amp;gt; Israel müsse sich „von diesem Fluch befreien, ein anderes Volk zu beherrschen“, sagte er und argumentierte, dass eine anhaltende israelische Gewaltherrschaft über die Palästinenser „eine Katastrophe für das jüdische Volk als Ganzes herbeiführen“ würde. Er unterstützte israelische Armeeangehörige, die sich weigerten, in den besetzten Gebieten zu dienen, und warnte davor, dass Soldaten Gefahr liefen, zu „jüdischen Nazis“ zu werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.middleeastmonitor.com/20181112-chomsky-echoes-prominent-israeli-warns-of-the-rise-of-judeo-nazi-tendencies-in-israel/ |titel=Chomsky echoes prominent Israeli, warns of the rise of ‘Judeo-Nazi tendencies’ in Israel |hrsg=Middle East Monitor |datum=2018-11-12 |sprache=en |abruf=2024-08-17}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Israelische Undercover-Einheiten, die dort flüchtende Palästinenser aufspürten und manchmal töteten, unterschieden sich nicht von Bewaffneten der militanten islamischen Gruppe [[Hamas]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;NYT94&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf Folter in den besetzten palästinensischen Gebiete sagte er: „Wir wenden Folter an. Die Folter! Wir verwenden es mit der Genehmigung des Geschöpfs, das noch vor drei Jahren Präsident des Obersten Gerichtshofs des Staates Israel war.&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist [[Moshe Landau]], der von 1980 bis 1982 Präsident des Obersten Gerichts Israels war.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Persönlichkeit, die in der Praxis wichtiger ist als der Staatspräsident oder der Premierminister und die den Einsatz von Folter, um arabische Gefangene zum Sprechen zu bringen, ausdrücklich legalisiert hat. Das meine ich mit jüdisch-nazistisch. Es gibt jüdische Nazis. Ich sehe eine Tatsache. Wenn ich meine Stimme erhebe, dann deshalb, weil die Leute es immer noch nicht wissen.“ Er sagte, wenn „das Gesetz... die Anwendung von Folter zulässt, um Geständnisse aus Gefangenen herauszuholen, dann zeugt dies von einer Nazi-Mentalität“.&amp;lt;ref&amp;gt;David Hoffman: [https://www.washingtonpost.com/archive/politics/1993/01/25/maverick-israeli-professor-gives-up-state-prize-amid-flap/f0890de2-e571-454d-b1e5-a835932e060e/ &amp;#039;&amp;#039;Maverick Israeli Professor gives up state prize amid flap&amp;#039;&amp;#039;], 25. Januar 1993, abgerufen am 19. Dezember 2023.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibowitz hielt der israelischen Gesellschaft immer wieder das Zitat von [[Franz Grillparzer]] vor „Es führt ein Weg von der Humanität durch die Nationalität in die Bestialität“. „Diesen Weg ist das deutsche Volk in diesem Jahrhundert tatsächlich bis zu Ende gegangen, und eben diesen Weg haben wir 1967 betreten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Tsafrir Cohen: [https://taz.de/Ein-grosser-Provokateur/!1547499/ Ein großer Provokateur - Jeshayahu Leibowitz, der wichtigste Philosoph und Kritiker Israels, ist tot], 19. August 1994&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem 1968 in der israelischen Tageszeitung &amp;#039;&amp;#039;[[Jedi’ot Acharonot]]&amp;#039;&amp;#039; erschienenen Aufsatz mit dem Titel &amp;#039;&amp;#039;The Territories&amp;#039;&amp;#039; schrieb er:&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die Araber verwandeln sich in die Arbeiterklasse, und die Juden zu Administratoren, Inspektoren, Verwaltern und Polizisten – vor allem aber zu Geheimpolizisten. Ein Staat, der eine unfreundlich gesinnte, eineinhalb bis zwei Millionen fremde Menschen zählende Bevölkerung beherrscht, wird zwangsläufig zu einem [[Polizeistaat|Staat, der von einer Geheimpolizei beherrscht wird]] – mit all seinen Implikationen für die Bildung, die Redefreiheit und die Demokratie. Die korrumpierenden Kräfte jedes [[Kolonialmacht|Kolonialregimes]] werden sich auch im israelischen Staat zeigen. Die Verwaltung wird mit der einen Hand den arabischen Aufstand unterdrücken, und mit der anderen sich arabischer [[Kollaborateur|Quislinge]] annehmen. Es bestehen auch gute Gründe für die Befürchtung, dass die [[Israelische Verteidigungsstreitkräfte|Israelischen Verteidigungsstreitkräfte]], die bis jetzt eine Volksarmee waren, als Resultat dieser Entwicklung sich in eine Besatzungsarmee verwandeln, degenieren, ihre Offiziere zu militärischen Verwaltern mutieren und sodann ihren Kollegen in anderen Nationen ähneln.&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;Leibowitz1995&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.rosalux.org.il/50-jahre-israelischer-widerstand-zur-besatzung/ |titel=52 Jahre Besatzung – 52 Jahre Widerstand |werk=Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office |zugriff=2019-10-15}}&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner [[Subversion|subversiven]] Äußerungen wurde er noch ein Jahr vor seinem Tod von der Armee gebeten, Vorträge vor den Truppen zu halten.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1994-08-19-mn-28803-story.html Yeshayahu Leibowitz; Iconoclastic Israeli Philosopher], LA Times, 19. August 1994&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
Nach langjährigen Diskussionen entschied die Stadt [[Herzlia]] 2011, eine Straße nach Jeschajahu Leibowitz zu benennen. Es war dies das erste Mal, dass ihn eine israelische Stadt auf diese Weise ehrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2014 wurde eine Straße in Jerusalem nach ihm benannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Newsletter der [[Israelische Botschaft in Berlin|Botschaft des Staates Israel]] vom 18. August 2014&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Vorträge über die Sprüche der Väter. Auf den Spuren des Maimonides&amp;#039;&amp;#039;. Context-Verlag, Obertshausen 1984; 2. Auflage 1999, ISBN 3-924072-03-5.&lt;br /&gt;
* Michael Shashar (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Jeshajahu Leibowitz. Gespräche über Gott und die Welt.&amp;#039;&amp;#039; insel taschenbuch Nr. it 1568, Frankfurt 1990, ISBN 3-458-33268-5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;in der Reihenfolge des Erscheinens&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Art. &amp;#039;&amp;#039;Leibowitz, Yesha&amp;#039;yahu&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Yaacov Shimoni]]: &amp;#039;&amp;#039;Biographical dictionary of the Middle East&amp;#039;&amp;#039;. Facts on File, New York 1991, S. 147.&lt;br /&gt;
* Ami Bouganim: &amp;#039;&amp;#039;Yeshayahou Leibowitz: le retour du Sadducéen&amp;#039;&amp;#039;. Éditions du Nadir de l’Alliance israélite universelle, Paris 1999, ISBN 2-902969-39-2.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Jüdisch-orthodoxe Wege zur Bibelkritik. I. Schriftauslegung der mündlichen Tora: Vom Drasch zum Pschat&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Judaica. Beiträge zum Verstehen des Judentums&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 56 (2000), S. 178–192 (zu Leibowitz: S. 188–192).&lt;br /&gt;
* [[Matthias Morgenstern]]: Art. &amp;#039;&amp;#039;[https://www.spektrum.de/lexikon/juedische-philosophen/jeshajahu-leibowitz/102 Jeschajahu Leibowitz].&amp;#039;&amp;#039; In: [[Andreas Kilcher|Andreas B. Kilcher]], [[Ottfried Fraisse|Otfried Fraisse]], Mitarbeit von Yossef Schwartz (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Metzler Lexikon jüdischer Philosophen. Philosophisches Denken des Judentums von der Antike bis zur Gegenwart&amp;#039;&amp;#039;. Metzler, Stuttgart 2003, ISBN 3-476-01707-9, S. 403–407.&lt;br /&gt;
* {{BBKL| archive-url= https://web.archive.org/web/20110205043232/http://www.bautz.de/bbkl/l/leibowitz_y.shtml |autor=[[Verena Lenzen]]|artikel=Yeschayahu Leibowitz|band=27|spalten=853-859}}&lt;br /&gt;
* Roi Benbassat: &amp;#039;&amp;#039;Yeshayahu Leibowitz: Jewish existentialism&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Religious studies&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 51 (2015), S. 141–163.&lt;br /&gt;
* Ḥanokh Ben-Pazi: &amp;#039;&amp;#039;Yeshayahu Leibowitz: The Holocaust as a Sign of Warning against Nationalism&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Judaica. Beiträge zum Verstehen des Judentums&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 74 (2018), S. 263–286.&lt;br /&gt;
* Davide Bizzini: [https://mimeo.dubnow.de/torah-true-zionism &amp;#039;&amp;#039;Torah-True Loyal Zionism. Yeshayahu Leibowitz on Religion and Nationalism&amp;#039;&amp;#039;]. In: Mimeo [Weblog], 1. Juni 2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Yeshayahu Leibowitz|Jeschajahu Leibowitz}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|119048701}}&lt;br /&gt;
* [https://www.hagalil.com/israel/leibowitz/leibowitz.htm Weiterführende Informationen] auf [[haGalil]].com&lt;br /&gt;
* {{Internetquelle |url=https://www.hagalil.com/archiv/2004/09/leibowitz.htm |autor=[[Uri Avnery]] |hrsg=[[Haaretz]]|titel=Wie ein einsamer Komet am Himmel: Yeshayahu Leibowitz zur Erinnerung |werk=hagalil.com |datum=2004-09-15 |zugriff=2017-02-23}}&lt;br /&gt;
* {{SEP|https://plato.stanford.edu/entries/leibowitz-yeshayahu/|Yeshayahu Leibowitz|Daniel Rynhold}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=119048701|LCCN=n83027393|VIAF=91457475}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Leibowitz, Jeschajahu}}&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Gestorben 1994]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Leibowitz, Jeschajahu&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Leibowitz, Yeshayahu; ישעיהו ליבוביץ (hebräisch)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=israelischer Religionsphilosoph und Biochemiker&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=29. Januar 1903&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Riga]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=18. August 1994&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Jerusalem]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;ⵓ</name></author>
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