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	<title>Jansenismus - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Str1977 am 25. Dezember 2025 um 13:31 Uhr</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Jansenismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; war eine besonders in [[Frankreich]] verbreitete Bewegung in der [[Römisch-katholische Kirche|katholischen Kirche]] des 17. und 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts, die sich auf die Gnadenlehre des [[Augustinus von Hippo|Augustinus]] berief und als [[häretisch]] verfolgt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfänge ==&lt;br /&gt;
=== Cornelius Jansen ===&lt;br /&gt;
Die im 17. Jahrhundert abwertend benutzte Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Jansenismus&amp;#039;&amp;#039; bzw. &amp;#039;&amp;#039;Jansenisten&amp;#039;&amp;#039; geht auf [[Cornelius Jansen]] (1585–1638), den [[Bischof von Ypern]], zurück. Sein 1640 posthum veröffentlichtes Buch &amp;#039;&amp;#039;Augustinus, sive doctrina Sti. Augustini de humanae naturae sanitate, aegritudine, medicina adversus pelagianos et massilienses&amp;#039;&amp;#039; (Augustinus, oder die Lehre des hl. Augustinus über Gesundheit, Krankheit und Medizin der menschlichen Natur gegen die [[Pelagianismus|Pelagianer]] und die [[Messalianer]]) greift auf die Heilslehre des späten Augustinus zurück und versteht sich als Rückbesinnung auf die ursprüngliche christliche Lehre. Jansen lehrte, dass der in [[Sündenfall|Sünde gefallene]] Mensch keinen eigenen Einfluss auf seine Erlösung habe, auch nicht durch Mitwirkung in der [[Gnade (Theologie)|göttlichen Gnade]], sondern dem göttlichen Gnadenwillen völlig ausgeliefert sei. Im Zusammenhang mit der Darstellung der Lehre des Augustinus und seiner Abgrenzung von [[Pelagius (Theologe)|Pelagius]] verurteilte Jansen – wenn auch ohne direkte Namensnennung – eine zeitgenössische innerkirchliche Strömung als [[Semipelagianismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mindestens genauso wichtig wie Cornelius Jansen war für die Entstehung der kirchlichen Reformbewegung der [[Abt]] von Saint-Cyran, [[Jean Duvergier de Hauranne]], der bereits in den 1630er Jahren Augustins [[Prädestinationslehre]] predigte und zu wahrer [[Buße (Religion)|Buße]] und einer rigorosen [[Moral]] aufrief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Port-Royal ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Port Royal des Champs}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch Rückbesinnung auf Augustins Gnadenlehre entstandene moralisch-[[Askese|asketische]] kirchliche Erneuerungsbewegung fand schnell zahlreiche Anhänger in allen Volksschichten, gerade auch im Klerus. Ein Zentrum dieser Bewegung wurde durch Jean Duvergier das Kloster Port Royal des Champs nahe [[Versailles]] mit seiner reformfreudigen Äbtissin [[Angélique Arnauld]]. Im geistigen Umfeld dieses Klosters sammelten sich die sogenannten &amp;#039;&amp;#039;Messieurs de Port-Royal&amp;#039;&amp;#039;, gebildete Mitglieder der französischen Oberschicht, die Spiritualität mit anspruchsloser Lebensführung verbinden wollten, darunter viele französische Berühmtheiten wie [[Jean Racine]], [[Blaise Pascal]] oder [[François de La Rochefoucauld]] und [[Antoine Arnauld]], der Bruder der Äbtissin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konflikt mit den Jesuiten ===&lt;br /&gt;
Die Rückbesinnung auf die Lehre von der zuvorkommenden Gnade führte zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit dem in Frankreich mächtigen [[Jesuiten-Orden]], der nach den Schriften des Jesuiten [[Luis de Molina]] auch &amp;#039;&amp;#039;Parti moliniste&amp;#039;&amp;#039; genannt wurde. Jedem Leser von Jansens &amp;#039;&amp;#039;Augustinus&amp;#039;&amp;#039; musste klar sein, dass darin der sogenannte Molinismus, der bereits seit 1588 zum sogenannten [[Gnadenstreit]] mit den [[Dominikaner]]n geführt hatte, wie auch die als laxe Moral verdächtige [[Kasuistik]] und der [[Moraltheologie#Probabilismus|Probabilismus]] in die Kritik geriet. Die Jansenisten verurteilten die jesuitische Lehre, nach der die göttliche Gnade und die menschliche [[Willensfreiheit]] bei der Erlangung des Seelenheils zusammenwirkten. Sie nahmen auch Anstoß an der jesuitischen Lehrmeinung, für die zum Empfang der [[Sündenvergebung]] notwendige Reue reiche die Furcht vor göttlichen Strafen aus. Nach jansenistischer Auffassung entspringt wahre Buße aus der Liebe zu Gott und ist allein ein Geschenk der göttlichen Gnade. Im Gegensatz zu den Jesuiten, die den christlichen Glauben in der Welt in Verbindung mit [[barock]]en Frömmigkeitsformen proklamierten, forderten die Jansenisten ein einfaches, zurückgezogenes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eine der bedeutendsten antijesuitischen Schriften gilt das 1643 erschienene Buch &amp;#039;&amp;#039;Théologie morale des Jesuites&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter C. Hartmann: &amp;#039;&amp;#039;Die Jesuiten&amp;#039;&amp;#039;; München; ISBN 3-406-44771-6; S. 79&amp;amp;#x2009;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verurteilung durch den Papst und Verfolgung durch den Staat ===&lt;br /&gt;
==== Die päpstlichen Bullen ====&lt;br /&gt;
Jansens &amp;#039;&amp;#039;Augustinus&amp;#039;&amp;#039; verbreitete sich schnell. Die Reaktion des [[Kirchliches Lehramt#Römisch-katholisches Verständnis|kirchlichen Lehramts]] in Rom ließ nicht lange auf sich warten: Bereits 1642 verurteilt Papst [[Urban VIII.]] Jansens &amp;#039;&amp;#039;Augustinus&amp;#039;&amp;#039; in der [[päpstliche Bulle|päpstlichen Bulle]] &amp;#039;&amp;#039;[[In eminenti]]&amp;#039;&amp;#039; als [[Häresie|Irrlehre]] – weil es ohne vorherige Einholung der päpstlichen Genehmigung gedruckt worden war und zudem Gedankengut des 1567 unter [[Pius V.]] verurteilten [[Michael Bajus]] (de Bay) enthielt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Enchiridion Symbolorum|DH]] 1901–1980: Verurteilt wurden u. a. die Sätze „Allein die Gewalt widersetzt sich der natürlichen Freiheit des Menschen“ (DH 1966) und „Durch die Zerknirschung wird die Sünde nicht zurückgenommen“ (DH 1971).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verurteilung wurde 1653 von [[Innozenz X.]] in der Bulle &amp;#039;&amp;#039;[[Cum occasione]]&amp;#039;&amp;#039; bekräftigt, die fünf Sätze aus Jansens Schrift als Häresie verdammte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# dass es Gebote gebe, die der Mensch ohne göttliche Unterstützung nicht halten könne;&lt;br /&gt;
# dass der sündige Mensch der göttlichen Gnade nicht widerstehen könne;&lt;br /&gt;
# dass der gefallene Mensch an seinem Heil nicht aus freiem Willen mitwirken könne;&lt;br /&gt;
# dass der [[Semipelagianismus]] zu Recht lehre, die vorausgehende Gnade sei notwendig auch für den Glauben, aber zu Unrecht lehre, dass der gefallene Mensch aus freiem Willen diese Gnade akzeptieren oder zurückweisen könne;&lt;br /&gt;
# dass es semipelagianisch sei zu behaupten, Christus sei &amp;#039;&amp;#039;für alle&amp;#039;&amp;#039; gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jansenisten – insbesondere jene im Episkopat und an anderen einflussreichen Stellen, die aufgefordert wurden, sich den päpstlichen Entscheidungen zu unterwerfen – reagierten auf zwiespältige Art: Antoine Arnauld erklärte, man erkenne die Verurteilungen „&amp;#039;&amp;#039;de jure&amp;#039;&amp;#039;“ an, da die vom Papst verurteilten Sätze tatsächlich häretisch seien, jedoch nicht „&amp;#039;&amp;#039;de facto&amp;#039;&amp;#039;“, da die verurteilten Sätze nicht Jansens Lehren und somit denen des [[Kirchenlehrer]]s Augustin entsprächen. 1656 wurde Arnauld wegen dieser Position zusammen mit zahlreichen anderen Theologen von der theologischen Fakultät der [[Sorbonne]] entlassen und als [[Häretiker]] verurteilt. Dabei erhielten sie Unterstützung durch die Bulle &amp;#039;&amp;#039;Ad Sanctam Beati Petri Sedem&amp;#039;&amp;#039; von Papst [[Alexander VII.]], die erneut die fünf Sätze – ausdrücklich „im Sinne von Jansenius“ – verdammte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verfolgung durch die französische Regierung ====&lt;br /&gt;
Auch die Regierenden sahen in der Bewegung eine Gefahr für die kirchliche Einheit Frankreichs, wodurch das [[Gottesgnadentum]] der Monarchie bedroht sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Hinrichs: &amp;#039;&amp;#039;Jansenismus und Pietismus. Versuch eines Strukturvergleichs;&amp;#039;&amp;#039; Lehmann / Schilling / Schrader (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Jansenismus, Quietismus, Pietismus.&amp;#039;&amp;#039; Arbeiten zur Geschichte des Pietismus Bd. 42, Göttingen 2002, S. 136–156; S. 146–149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jansen und die streng katholischen &amp;#039;&amp;#039;Messieurs de Port-Royal&amp;#039;&amp;#039; hatten sich bereits in den 1630er Jahren die Feindschaft des Kardinalministers [[Armand-Jean du Plessis, duc de Richelieu|Richelieu]] zugezogen, da sie auch die Außenpolitik Frankreichs kritisierten, das sich im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] und im [[Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659)|Französisch-Spanischen Krieg]] mit protestantischen Mächten gegen die katholischen [[Habsburger]] verbündet hatte. Jean Duvergier war 1638 verhaftet worden und kurz nach seiner Freilassung 1643 verstorben. Dieser Protest und ab 1648 ihre Verbindung zur Opposition ([[Fronde]]) ließen die Jansenisten als Unruhestifter erscheinen. Die Ausbreitung der jansenistischen Lehre unter den französischen Bischöfen, im königsnahen Kloster Port-Royal sowie unter katholischen Intellektuellen&amp;amp;nbsp;– [[Blaise Pascal]] war bekennender Jansenist, seine autoritätskritische Anschauung einflussreich – erschienen dem französischen König als wachsende Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jules Mazarin]] führte nach 1642 die antijansenistische Politik seines Vorgängers Richelieu fort. 1660 wurde die Schule von Port-Royal geschlossen und das Kloster durfte keinen Novizen mehr aufnehmen. 1661 zwang Mazarin alle französischen Geistlichen und damit auch die Jansenisten von Port-Royal, Papst Alexanders Bulle zu unterzeichnen. Viele Jansenisten unterschrieben, andere verließen Frankreich. Doch sah Mazarin sich einer wachsenden öffentlichen Diskussion um die Freiheit des Gewissens und der Moral gegenüber, angeregt unter anderem durch Pascals &amp;#039;&amp;#039;[[Lettres provinciales]]&amp;#039;&amp;#039;, die dieser ab 1656 zur Unterstützung von Arnaulds Position publizierte. Zwar wurden diese Briefe verboten, jedoch führten sie zur Verdammung der jesuitischen Kasuistik und zeigten noch 100 Jahre später bei der [[Aufhebung des Jesuitenordens]] Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ruhephase bis 1680 ==&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der alleinigen Regierungsverantwortung durch [[Ludwig XIV.]] wurde es zunächst um die Jansenisten ruhiger, da der eher jansenistenfeindliche König zu Beginn des [[Devolutionskrieg|Krieges gegen Holland]] 1667 keine Konflikte im Reich wollte und Papst [[Clemens IX.]] ihn 1668 zum Einlenken bewegen konnte. Zu jener Zeit entstanden wichtige Werke projansenistischer Autoren wie Pascals &amp;#039;&amp;#039;Pensées&amp;#039;&amp;#039; oder [[Pasquier Quesnel]]s &amp;#039;&amp;#039;Nouveau Testament en français avec des reflexions morales sur chaque verset&amp;#039;&amp;#039;, das sich in der Folgezeit als besonders einflussreich herausstellen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neue Repressionen ==&lt;br /&gt;
Ab 1680 sahen sich die Jansenisten vermehrter Repression ausgesetzt. König Ludwig XIV. hatte die [[Fronde]] noch in frischer Erinnerung und empfand diesen religiösen Aufbruch deshalb immer mehr als Gefahr für seine eigene Stellung als [[Absolute Monarchie|absoluter Monarch]]. Jansenisten wurden verfolgt, verhaftet oder flohen ins Exil. Pasquier Quesnel wurde 1703 in [[Brüssel]] verhaftet.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Pierre Golliet |Titel=Pasquier Quesnel et les destinées du jansénisme |Sammelwerk=Revue d&amp;#039;Histoire littéraire de la France |Band=64 |Nummer=3 |Datum=1964 |ISSN=0035-2411 |Seiten=455–462 |Online= |Abruf=}}&amp;lt;/ref&amp;gt; 1705 verlangte die Bulle &amp;#039;&amp;#039;Vineam Domini&amp;#039;&amp;#039; innere Zustimmung zur Unterschrift unter den verurteilten fünf Sätzen. Dagegen erhob sich ein Sturm der Entrüstung aus dem Umkreis von Port-Royal. Der König reagierte mit äußerster Härte: 1710 ließ er die Nonnen vertreiben, 1713 wurde das Kloster niedergerissen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Carol Baxter |Titel=Dissenting Catholic Women in Early Modern France |Sammelwerk=Renaissance Quarterly |Band=71 |Nummer=1 |Datum=2018 |ISSN=0034-4338 |Seiten=206–218 |Online= |Abruf=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Bulle &amp;#039;&amp;#039;Unigenitus Dei filius&amp;#039;&amp;#039; von 1713 ===&lt;br /&gt;
Der König hatte vom Papst wiederholt neue Verurteilungsschreiben verlangt, aber erst 1713 kam Papst [[Clemens XI.]] seinem Wunsch nach. In der Bulle &amp;#039;&amp;#039;[[Unigenitus Dei filius (1713)|Unigenitus Dei Filius]]&amp;#039;&amp;#039; setzte er sich in 101 Punkten mit Quesnels Ansätzen auseinander und verurteilte die Jansenisten erneut. Damit gab er Ludwig XIV. ein mächtiges Instrument in die Hand.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jeffrey Merrick |Titel=Conscience and Citizenship in Eighteenth-Century France |Sammelwerk=Eighteenth-Century Studies |Band=21 |Nummer=1 |Datum=1987 |DOI=10.2307/2739026 |Seiten=48 |Online= |Abruf=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Appellanten und Akzeptanten ===&lt;br /&gt;
Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche bestimmte nunmehr die Akzeptanz der Bulle. Das führte zur Spaltung der Kirche in Appellanten und Akzeptanten. Zahlreiche Kleriker, darunter ein Kardinal und 18 Bischöfe, appellierten trotz [[Exkommunikation]] durch den Papst an ein [[Konzil]]. Unterstützt wurden sie dabei vom [[Parlement de Paris]]. Ihr Zentrum war die Sorbonne. Dort wurde eine einflussreiche Zeitung herausgegeben, die die breite Öffentlichkeit gegen die Bulle mobilisierte. Das [[Schisma]] hielt bis 1728 an, auch wenn die meisten Appellanten bereits 1719 Frankreich verließen und sich in [[Belgien]] und den [[Niederlande]]n niederließen, wo sich das [[Bistum Utrecht]] den Appellanten anschloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der &amp;#039;&amp;#039;parti janséniste&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
Der 91. Punkt der Bulle, in dem auf Wunsch des Königs die Exkommunikation durch den Papst im Falle des Festhaltens an den Lehren Jansens angedroht wurde, provozierte Auseinandersetzungen zwischen gallikanischen Bischöfen und dem Parlement einerseits und den Vertretern des [[Ultramontanismus]] andererseits und ließ das Jansenismusproblem von einem theologischen zu einem politischen Konflikt werden. Die Drohung sahen nicht nur die Jansenisten, sondern auch alle Vertreter des [[Gallikanismus]] als unzulässige Bevormundung durch den [[Papst]]. Sie bezogen sich u.&amp;amp;nbsp;a. auf [[Edmond Richer]]s Werk &amp;#039;&amp;#039;De ecclesiastica et politica potestate libellus&amp;#039;&amp;#039; (1611), in dem dieser die katholische Hierarchie kritisierte und für eine Stärkung der Ortsgemeinden eintrat. Auch von dessen Anhängerschaft wussten sie sich unterstützt. Im Rahmen dieser verschiedenen religiösen Bewegungen entstand eine anti-elitäre Glaubensauffassung, die sich von den elitennahen Jesuiten und dem Einfluss Roms auf französische Belange abgrenzte und die [[Glaubensfreiheit]] propagierte. Spätestens jetzt, da die meisten Anhänger der religiösen Bewegung das Land verlassen hatten, entwickelte der Jansenismus sich zu einer politischen Partei, dem &amp;#039;&amp;#039;parti janséniste&amp;#039;&amp;#039;. Die Aktionen des Pariser Erzbischofs [[Christophe de Beaumont]], eines radikalen Gegners der Jansenisten, lösten erhebliche Turbulenzen aus. Die Auseinandersetzungen der Parlemente mit König [[Ludwig XV.]], die sich fast durch seine gesamte Regierungszeit zogen, bereiteten den Boden für die [[Französische Revolution]].&amp;lt;ref&amp;gt;Dale K. Van Kley: &amp;#039;&amp;#039;The Religious Origins of the French Revolution: From Calvin to the Civil Constitution, 1560–1791&amp;#039;&amp;#039;, New Haven 1996; Catherine Maire: &amp;#039;&amp;#039;De la cause de Dieu à la cause de la Nation. Le jansénisme au XVIIIe siècle&amp;#039;&amp;#039;, Paris 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Erfolg des Jansenismus waren 1764 die antijesuitischen Maßnahmen der französischen Krone.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine auch von den jansenistischen Theologen kritisch gesehene Ausprägung des Jansenismus war die schwärmerische Sekte der [[Konvulsionäre von Saint-Médard]], die sich um das Grab des verehrten, 1727 verstorbenen jansenistischen Priesters [[François de Pâris]] (1690–1727), eines Führers der Appellanten, scharte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verhältnis zum Protestantismus ==&lt;br /&gt;
Der Jansenismus greift wie [[Martin Luther]] auf die Lehren des [[Augustinus von Hippo]] zurück. Wie Luther lehrten Jansen und seine Anhänger die [[Rechtfertigung (Theologie)|Rechtfertigung]] allein aus Gnade und ohne Mitwirkung des menschlichen Willens. Ihre Gegner bezichtigten sie deshalb der Nähe zum [[Calvinismus]]. Dennoch grenzte einer seiner führenden Vertreter, [[Antoine Arnauld]], den Jansenismus ausdrücklich vom [[Protestantismus]] ab. So hielten die Jansenisten an der katholischen [[Eucharistie]]lehre und am [[Sakrament]] der [[Beichte]] fest. Aus Sorge, die Eucharistie unwürdig zu empfangen, rieten sie vom Empfang der Kommunion ohne vorherige Lossprechung von den Sünden durch das Beichtsakrament ab, was zu einem seltenen Kommunionempfang unter Jansenisten führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die streng moralische, verinnerlichte Frömmigkeit ähnelte dem sich etwa gleichzeitig in Deutschland verbreitetenden [[Pietismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirkungsgeschichte ==&lt;br /&gt;
Außerhalb Frankreichs fasste der Jansenismus vor allem in Belgien und den Niederlanden Fuß, wohin seine Anhänger vor den Verfolgungen geflohen waren, und dort, wo besonderer Widerstand gegen die Jesuiten bestand. In Böhmen war der Reichsgraf [[Franz Anton von Sporck]] ein eifriger Verfechter des Jansenismus, was zu seiner von den Jesuiten betriebenen Verurteilung und Bestrafung durch den Kaiser führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18. Jahrhundert ging er in anderen Strömungen wie der [[Aufklärung]], insbesondere der [[Katholische Aufklärung|katholischen Aufklärung]], auf und verschwand im 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert allmählich. Trotz der relativ kurzen Blütezeit des Jansenismus hat seine [[Anthropologie]] die französische Literatur bis heute nachhaltig geprägt. Das jansenistische Menschenbild und die jansenistische Gnadenlehre fanden auch in späteren Jahrhunderten ihre Anhänger und verquickten sich im 18. und 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert mit dem [[Gallikanismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Alt-Katholische Kirche der Niederlande]] verdankt den Beginn ihrer Unabhängigkeit von Rom den Auseinandersetzungen um den Jansenismus. Sie hat den Vorwurf, jansenistische Lehren zu vertreten, stets bestritten, sich jedoch von der jansenistischen [[Spiritualität]] und [[Ekklesiologie]] beeinflussen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Literaturwissenschaftler [[Jean Firges]] diagnostiziert bei jansenistischen Autoren wie Pascal, Racine (v.&amp;amp;nbsp;a. in [[Phèdre]]) und [[Marie-Madeleine de La Fayette|Madame de La Fayette]] eine markante Leibfeindlichkeit, die seiner Meinung nach im Katholizismus bis heute nachwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitere nennenswerte Anhänger des Jansenismus ==&lt;br /&gt;
* {{Siehe auch|:Kategorie:Person des Jansenismus}}&lt;br /&gt;
* [[Maria Theresia]]&lt;br /&gt;
* [[Arnold Geulincx]]&lt;br /&gt;
* [[Pasquier Quesnel]]&lt;br /&gt;
* [[Jacqueline Pascal]], Schriftstellerin und [[Nonne]].&lt;br /&gt;
* [[Charles Perrault]]&lt;br /&gt;
* [[Nikolaus Heyendal]]&lt;br /&gt;
* [[Louis Adrien Le Paige]], Jurist&lt;br /&gt;
* [[Pierre Nicole]], Logiker und Moraltheologe, insbesondere Verfasser von umfangreichen rigorosen Moralschriften&lt;br /&gt;
* [[Antonius Triest]] (1577–1657), Bischof von [[Gent]] ([[Flandern]]), sympathisierte mit dem Jansenismus und wurde deswegen in 1653 durch Papst Innozenz X. vom Amt suspendiert&lt;br /&gt;
* [[Heinrich Franz von Rottenhan|Heinrich Franz Graf von Rottenhan]] (1738–1809), Oberst Burggraf zu Prag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Zuordnung ist Vorsicht geboten. Im aufgeheizten religiösen Klima des 17. Jahrhunderts war „Jansenismus“ ein Kampfbegriff. [[François Fénelon]] etwa geriet in den Verdacht, Jansenist zu sein, weil er sich während der [[Hugenotten]]mission nach Meinung seiner Kritiker zu nachsichtig gezeigt hatte. Theologisch war er einer der schärfsten Kritiker des Jansenismus&amp;lt;ref&amp;gt;Sabine Melchior-Bonnet: &amp;#039;&amp;#039;Fénelon&amp;#039;&amp;#039;. Perrin, Paris 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im [[Kulturkampf]] des späten 19. Jahrhunderts taucht Jansenismus wieder auf als Kampfbegriff gegen die Alt-Katholische Kirche der Niederlande. So bezeichnet z.&amp;amp;nbsp;B. die &amp;#039;&amp;#039;Deutsche Reichs-Zeitung&amp;#039;&amp;#039; (Untertitel: &amp;#039;&amp;#039;Organ für das katholische deutsche Volk&amp;#039;&amp;#039;) 1873 durchgehend den Bischof von Deventer als „jansenistisch“.&amp;lt;ref&amp;gt;z.&amp;amp;nbsp;B. Deutsche Reichszeitung 1873-10-12, S. 1 – Meldung „Berlin, 10. October“&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
* [[René Rapin]]: &amp;#039;&amp;#039;Histoire du Jansénisme&amp;#039;&amp;#039;. Ed. Abbé Domnech. 1861.&lt;br /&gt;
* René Rapin: &amp;#039;&amp;#039;Mémoires sur l&amp;#039;église et la societé, la cour, la Ville et le Jansénisme&amp;#039;&amp;#039;. Ed. Léon Aubineau. Lyon Paris 1865.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Paul Honigsheim]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Staats- und Sozial-Lehren der französischen Jansenisten im 17. Jahrhundert&amp;#039;&amp;#039;, Heidelberg, Phil. Diss., 1914.&lt;br /&gt;
* [[Robert Spaemann]]: &amp;#039;&amp;#039;Reflexion und Spontaneität. Studien über [[François Fénelon|Fénelon]]&amp;#039;&amp;#039;. [[Kohlhammer Verlag]], 1963 (1992&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;); [[Klett-Cotta]], 1990, ISBN 3-608-91334-3.&lt;br /&gt;
* Dominik Burkhard, Tanja Thanner (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Der Jansenismus – eine „katholische Häresie“? Das Ringen um Gnade, Rechtfertigung und die Autorität Augustins in der frühen Neuzeit&amp;#039;&amp;#039;. Aschendorff, Münster 2014. ISBN 978-3-402-11583-1.&lt;br /&gt;
* [[Lucien Goldmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Der verborgene Gott. Studie über die tragische Weltanschauung in den „Pensées“ Pascals und im Theater Racines&amp;#039;&amp;#039;. Soziologische Texte, 87. Luchterhand, Neuwied 1971, ISBN 3-472-72587-7; wieder Suhrkamp, Frankfurt 1985, ISBN 3-518-28091-0.&lt;br /&gt;
* Dale K. Van Kley: &amp;#039;&amp;#039;The Religious Origins of the French Revolution: From Calvin to the Civil Constitution, 1560–1791&amp;#039;&amp;#039;; Yale UP, New Haven 1996&lt;br /&gt;
* Catherine Maire: &amp;#039;&amp;#039;De la cause de Dieu à la cause de la Nation. Le jansénisme au XVIIIe siècle&amp;#039;&amp;#039;; Gallimard, Paris 1998.&lt;br /&gt;
* Walter Demel: &amp;#039;&amp;#039;Europäische Geschichte des 18. Jahrhunderts. Ständische Gesellschaft und europäisches Mächtesystem im beschleunigten Wandel (1689/1700–1789/1800).&amp;#039;&amp;#039; Kohlhammer, Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
* [[Otto Zwierlein]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Der bekränzte Hippolytos|Hippolytos]] und [[Phaidra]]. Von [[Euripides]] bis [[D’Annunzio]]. Mit einem Anhang zum Jansenismus.&amp;#039;&amp;#039; [[Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften]]. Vorträge aus den Geisteswiss. 405; Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 3-506-75694-X&lt;br /&gt;
* {{CE|https://www.newadvent.org/cathen/08285a.htm|Jansenius and Jansenism|Jacques Forget}}&lt;br /&gt;
* Jean Carreyre: &amp;#039;&amp;#039;Le jansénisme durant la [[régence]].&amp;#039;&amp;#039; Bureaux de la Revue, Louvain 1929–1933.&lt;br /&gt;
* Jacques M. Grey-Gayer: &amp;#039;&amp;#039;Jansénisme en [[Sorbonne]] 1643–1656.&amp;#039;&amp;#039; Klincksieck, Paris 1996, ISBN 2-252-03079-8 (französisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Jansenism|Jansenismus}}&lt;br /&gt;
* [http://www.amisdeportroyal.org/ Société des Amis de Port-Royal]&lt;br /&gt;
* [http://universal_lexikon.deacademic.com/255328/Jansenismus%3A_Jansenismus: Eine Elitemoral] von Ulrich Rudnick&lt;br /&gt;
* [https://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rhef_0300-9505_1930_num_16_71_2541_t1_0276_0000_2%20Rezension%20des%20Buches%20von%20Carreyre Rezension des Buches von Carreyre] durch Eugène Lavaquery, Revue d&amp;#039;histoire de l&amp;#039;Église de France, Bd. 16, No 71, 1930, S. 276–278 (französisch)&lt;br /&gt;
** [https://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rhef_0300-9505_1924_num_10_48_2325_t1_0370_0000_2 J. Carreyre, Rezension zu:] [[:fr:Jean Laporte|Jean Laporte]], &amp;#039;&amp;#039;La doctrine de Port-Royal.&amp;#039;&amp;#039; Zs. wie vor, Bd. 10, No. 48, 1924, S. 370–375 (französisch)&lt;br /&gt;
** [https://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rhef_0300-9505_1947_num_33_123_3046_t1_0282_0000_2 derselbe,] Rez. zu [[:fr:Jean Orcibal|Jean Orcibal]], &amp;#039;&amp;#039;Les origines du jansénisme.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 1: &amp;#039;&amp;#039;Correspondance de Jansenius.&amp;#039;&amp;#039; Bibliothèque de la histoire ecclésiastique, Louvain 1947; Zs. wie vor, in Bd. 33, No. 123, 1947. S. 282–284&amp;lt;ref&amp;gt;auf dem Server persee.fr zahlreiche weitere Art. von oder über Carreyre, Suchfunktion nutzen&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fb2/b-historischetheologie/mittlereundneuerekirchengeschichte/unterburger/6_jansenismus.pdf Jansenismus] Paper der Uni Münster (PDF; 320&amp;amp;nbsp;kB), abgerufen am 5. August 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4162703-9|LCCN=sh85069350|NDL=00574983|VIAF=}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Str1977</name></author>
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