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	<title>Ius gentium - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Ius_gentium&amp;diff=1103917&amp;oldid=prev</id>
		<title>2003:DE:3714:2CC9:B8B8:EADB:3827:39DA: www.zeno.org/Georges-1913/A/ius+[2] u. www.zeno.org/Georges-1913/A/gens</title>
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		<updated>2025-06-26T18:27:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;www.zeno.org/Georges-1913/A/ius+[2] u. www.zeno.org/Georges-1913/A/gens&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ius gentium&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[latein]]isch &amp;#039;&amp;#039;Recht der Völker&amp;#039;&amp;#039; oder recht frei &amp;#039;&amp;#039;gemeinsames Recht (Verkehrsrecht) der Völker&amp;#039;&amp;#039;) wurden im [[Römisches Recht|römischen Recht]] die Bestimmungen bezeichnet, die in der Praxis den Umgang mit Auswärtigen oder Fremden ([[Peregrinus (Recht)|&amp;#039;&amp;#039;peregrini&amp;#039;&amp;#039;]]) regelten (Fremdenrecht). Mit der Bezeichnung wird gegenüber dem [[Form (Recht)|förmlichen]] &amp;#039;&amp;#039;[[ius civile]]&amp;#039;&amp;#039; abgegrenzt, das für [[Römisches Bürgerrecht|römische Bürger]] galt. Die Abgrenzung ist eine Konsequenz aus dem [[Personalitätsprinzip]] der Römer, jeder wurde danach nach dem Recht seines Gemeinwesens beurteilt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kaser&amp;quot;&amp;gt;Max Kaser: &amp;#039;&amp;#039;Das Römische Privatrecht. Erster Abschnitt. Das altrömische, das vorklassische und klassische Recht.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck, München 1955 (&amp;#039;&amp;#039;[[Handbuch der Altertumswissenschaft#X. Rechtsgeschichte des Altertums|Zehnte Abteilung, Dritter Teil, Dritter Band, Erster Abschnitt]]&amp;#039;&amp;#039;), §&amp;amp;nbsp;50, S.&amp;amp;nbsp;179 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In theoretischer Hinsicht ist der Begriff allgemeiner zu halten: als „Recht, das bei allen Völkern gleich“ ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wesel&amp;quot;&amp;gt;[[Uwe Wesel]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des Rechts. Von den Frühformen bis zur Gegenwart&amp;#039;&amp;#039;. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Beck, München 2006, ISBN 3-406-47543-4, S. 202.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit ist nicht das Recht der zwischenstaatlichen Beziehungen gemeint, als [[Völkerrecht]] im heutigen Sinne, sondern das Recht, das bei allen Völkern auf gleich lautenden Rechtssätzen fußt, als Völkergemeinschaftsrecht. Insoweit ist &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; frei gestaltetes Weltverkehrsrecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Abgrenzung der Rechtsschichten und Typizismen ==&lt;br /&gt;
Dem &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; stand das &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; gegenüber. &amp;#039;&amp;#039;Ius civile&amp;#039;&amp;#039; wird als heimisches Privatrecht &amp;#039;&amp;#039;([[Privatrecht#Geschichtlicher Kurzabriss|ius privatum]])&amp;#039;&amp;#039; verstanden, als Recht, das jedes Volk für sich selbst festlegt (&amp;#039;&amp;#039;ius civile est quod quisque populus sibi ipse constituit&amp;#039;&amp;#039;). Es galt für die Angehörigen des [[Römisches Reich|Reichs]], für römische Bürger; &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; kann insoweit als Bürgerordnung verstanden werden. Ausnahmsweise galt es auch für ausländische Handelstreibende &amp;#039;&amp;#039;(ius commercii)&amp;#039;&amp;#039;, die besondere Privilegien genossen. &amp;#039;&amp;#039;Ius civile&amp;#039;&amp;#039; war gesetzliches Recht der [[Decemviri legibus scribundis|Decemvirn]], das sich seit der frühen [[Römische Republik|Republik]] aus den [[Zwölftafelgesetz|XII Tafeln]] (grundlegende Kodifikation) ergab und für dessen Durchsetzung die [[Praetur|Prätoren]] (Stadtprätoren) zuständig waren, die den Klagewilligen die [[Legisaktionenverfahren|Legisaktionen]] (ebenfalls Gesetzesrecht) einräumten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Humbert&amp;quot;&amp;gt;Michel Humbert: &amp;#039;&amp;#039;Faktoren der Rechtsbildung.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Ulrike Babusiaux]], [[Christian Baldus]], [[Wolfgang Ernst (Rechtswissenschaftler)|Wolfgang Ernst]], [[Franz-Stefan Meissel]], [[Johannes Platschek]], [[Thomas Rüfner]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Handbuch des Römischen Privatrechts]]&amp;#039;&amp;#039;. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S.&amp;amp;nbsp;3–31, hier S.&amp;amp;nbsp;8–12 (9 f.).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mittels des heiligen &amp;#039;&amp;#039;[[Fetialen|ius sacrum]]&amp;#039;&amp;#039; wachten die priesterlichen Organe &amp;#039;&amp;#039;([[Pontifex|pontifices]])&amp;#039;&amp;#039; über die Einhaltung des Rechts und verteidigten es gegenüber den rechtlos gestellten Fremden, insbesondere Feinden, die ins Staatsgebiet eintraten.&amp;lt;ref&amp;gt;Adolf Schmidt: &amp;#039;&amp;#039;Zum internationalen Rechtsverkehr der Römer&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;[[Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte]]&amp;#039;&amp;#039; (Romanistische Abteilung). Band 9, Heft 1, 1888. S.&amp;amp;nbsp;122–143.&amp;lt;/ref&amp;gt; Später kamen Volksgesetze ([[Lex|&amp;#039;&amp;#039;leges&amp;#039;&amp;#039;]]) und [[Plebiszit]]e hinzu, die die Legitimität des &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; absicherten. Die bürgerliche Rechtsordnung umfasste damit kodifiziertes [[Gewohnheitsrecht]], das aus unvordenklicher Zeit mit dem &amp;#039;&amp;#039;[[mos maiorum]]&amp;#039;&amp;#039; verknüpft war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Ius gentium&amp;#039;&amp;#039; hingegen war das Recht aller übrigen Menschen (&amp;#039;&amp;#039;...quo gentes humanae utuntur&amp;#039;&amp;#039;). [[Gaius (Jurist)|Gaius]] definierte die Rechtsschicht – nach rhetorisch-philosophischem Vorbild des [[Hellenismus]] – als „Recht aller Menschen, die durch Gesetze und Sitten regiert werden“; er grenzt dabei gegenüber dem bürgerlichen Sonderrecht der römischen Bürger ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Gaius, &amp;#039;&amp;#039;Institutiones&amp;#039;&amp;#039;, 1, 1: &amp;#039;&amp;#039;...qui legibus et moribus reguntur&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch dieses Recht gestaltete sich aus [[Altrömisches Recht|hergebrachten]] Gewohnheiten und Gesetzen und war im Übrigen vom [[edikt]]orischen [[Ius honorarium|Amtsrecht]] geprägt,&amp;lt;ref&amp;gt;So bereits in der Forschung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit [[Moritz Voigt]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Lehre vom jus naturale, aequum et bonum und ius gentium der Römer&amp;#039;&amp;#039; (1856), Band 2, S.&amp;amp;nbsp;62 ff. und 69 ff.; Ludwig Mitteis: &amp;#039;&amp;#039;Reichsrecht und Volksrecht in den östlichen Provinzen des römischen Kaiserreichs&amp;#039;&amp;#039;. Leipzig 1891, Nachdruck Hildesheim 1963, S.&amp;amp;nbsp;116 f.; [[Moriz Wlassak]]: &amp;#039;&amp;#039;Römische Prozeßgesetze&amp;#039;&amp;#039;, Band 2, Leipzig 1889–1891, S.&amp;amp;nbsp;93–182.&amp;lt;/ref&amp;gt; vornehmlich dem der Prätoren (Fremdenprätoren).&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu: Gaius, &amp;#039;&amp;#039;Institutiones&amp;#039;&amp;#039; 4, 37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zur Durchsetzung von Ansprüchen aus &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; galt das Amtsrecht ohnehin, da es der prätorischen Hoheit unmittelbar unterfiel. Dabei war es sehr auf elastische Handhabung angewiesen,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kaser&amp;quot; /&amp;gt; da es gesetzlichen Grundlagen gerade nicht unterlag, was ihm den Ruf einbrachte, eher ein heuristisches Konzept zu sein, denn normative Vorlage.&amp;lt;ref&amp;gt;Ulrike Babusiaux: &amp;#039;&amp;#039;Römische Rechtsschichten.&amp;#039;&amp;#039; In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handbuch des Römischen Privatrechts.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 114–192, hier S.&amp;amp;nbsp;165 (Rn.&amp;amp;nbsp;177).&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die Bedeutung als Rechtsquelle, stand es in Abhängigkeit zum Erfindungsgeist des Prätors, denn der übernahm letztlich die Funktion des Gesetzgebers. Mangels anderweitiger Ermächtigung griff der Prätor auch auf die bürgerlichen Legisaktionen zurück und bediente sich dort (an sich gesetzeswidrig) bei den vorgehaltenen Formeln, soweit er mit ihnen seine Ziele im Bedarfsfall erreichen konnte. Um den Fremden &amp;#039;&amp;#039;(perigrini)&amp;#039;&amp;#039; einen effektiven Rechtsschutz verleihen zu können, diente der Treuegedanke &amp;#039;&amp;#039;bonae fidei iudicia&amp;#039;&amp;#039; als Gradmesser. Dahinter verbarg sich eine auf Interessensausgleich und [[Aequitas|Einzelfallgerechtigkeit]] bedachte Notion. Der praktische Erfolg, der von der Berücksichtigung umseitiger Einzelinteressen auf der Rechtsfolgeseite ausging, wurde schließlich auch bei der Begründung von [[Rechtsgeschäft]]en ernst genommen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Humbert&amp;quot; /&amp;gt; Es entstand ein rechtlicher Diskurs, der deutlich [[Dialektik#Geschichte|dialektische]] Züge sichtbar machte.&amp;lt;ref&amp;gt;Michel Humbert: &amp;#039;&amp;#039;Faktoren der Rechtsbildung.&amp;#039;&amp;#039; In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handbuch des Römischen Privatrechts&amp;#039;&amp;#039;. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S.&amp;amp;nbsp;3–31, hier S.&amp;amp;nbsp;27 (Rnr.&amp;amp;nbsp;51).&amp;lt;/ref&amp;gt; Soweit dabei Regelungen getroffen  wurden, die sich als allgemeine Praktiken im Mittelmeerraum etablieren konnten, so wurden sie als &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; beachtet. Ein typisches Beispiel liefern die Usancen zum Umgang mit [[Sklaverei#Altertum|Sklaven]].&amp;lt;ref&amp;gt;Florentinus, &amp;#039;&amp;#039;[[Pandekten|Digesten]]&amp;#039;&amp;#039; 1, 5, 4, 1.; [[Herbert Hausmaninger]], [[Walter Selb]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Privatrecht&amp;#039;&amp;#039;, Böhlau, Wien 1981 (9. Auflage 2001) (Böhlau-Studien-Bücher), ISBN 3-205-07171-9, S.&amp;amp;nbsp;48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Begriffspaarbildung &amp;#039;&amp;#039;ius civile / ius gentium&amp;#039;&amp;#039; geht auf [[Marcus Tullius Cicero|Cicero]] zurück, der die Begriffe abstrakt verwendete.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Max Kaser]]: &amp;#039;&amp;#039;Römische Rechtsquellen und angewandte Juristenmethode&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Forschungen zum Römischen Recht.&amp;#039;&amp;#039; Band 36. Verlag Böhlau, Wien/Köln/Graz 1986, ISBN 3-205-05001-0, S.&amp;amp;nbsp;90 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter Rückgriff auf [[Stoa|stoisches]] Gedankengut, vermittelte Cicero ein völkerübergreifendes Bindungsverständnis für das &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; in der Jurisprudenz, zusammengefasst als &amp;#039;&amp;#039;societas humana&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Cicero, &amp;#039;&amp;#039;[[De officiis]]&amp;#039;&amp;#039; 3, 69–70.; Cicero, &amp;#039;&amp;#039;[[De legibus]]&amp;#039;&amp;#039; 1, 28–32.; vgl. zu den Texten, Gabrio Lombardi: &amp;#039;&amp;#039;Sul concetto di ius gentium&amp;#039;&amp;#039;, 1947 S.&amp;amp;nbsp;61–91.; Max Kaser: &amp;#039;&amp;#039;Ius gentium&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Forschungen zum römischen Recht.&amp;#039;&amp;#039; Band&amp;amp;nbsp;40). Köln/Wien 1993, ISBN 3-412-05893-9. S.&amp;amp;nbsp;41 f.; [[Okko Behrends]], in: Pia Maria Baccari, Cosimo Cascione (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Tradizione romanistica e costituzione&amp;#039;&amp;#039;, 2006, S.&amp;amp;nbsp;481–514.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine systematische Entwicklung der Rechtskategorien kann nicht ausgemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch kann eine Abgrenzung des &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; zum &amp;#039;&amp;#039;ius naturale&amp;#039;&amp;#039; ([[Naturrecht]]) vorgenommen werden. Die Grenzen sind in den Quellen allerdings nicht scharf gezogen. Belege liefern aus der römischen [[Klassik (Jurisprudenz)|Klassik]] [[Ulpian]]s Schriften. Auch gibt es Zeugnisse des [[spätantike]]n Kirchenlehrers [[Aurelius Augustinus]]. Nach Augustinus war das &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; als Recht aller [[Vernunft]]wesen zu verstehen. Durch rechten Gebrauch ihrer Vernunft kämen sie von selbst auf dieses Recht. Gemäß Ulpian war Naturrecht kein Recht des Menschengeschlechts allein (so das &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039;), es stand allen Lebewesen gleichermaßen zu (&amp;#039;&amp;#039;...quod natura omnia animalia docuit&amp;#039;&amp;#039;). Er folgerte, dass die Verbindung von Mann und Frau oder die Kindererziehung typischerweise auch im Tierreich sich wiederfänden, weshalb [[Ehe]] und [[Familie]] lediglich Begriffsbildungen und Institutionalisierungen des Menschen seien.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ulpian]], &amp;#039;&amp;#039;Digesten&amp;#039;&amp;#039; 1, 1, 1, 2; Ulpian verweist hier darauf, dass das Privatrecht aus drei Teilen bestünde, dem &amp;#039;&amp;#039;ius naturale&amp;#039;&amp;#039;, dem &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; und dem &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Wesel&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; verrechtlicht wurde, beruhte auf praktischen Erwägungen. Ausländer (Fremde) und gemeinschaftslos Unterworfene ([[Deditio|&amp;#039;&amp;#039;dediticii&amp;#039;&amp;#039;]]) waren der lateinischen Sprache häufig nicht oder nur unzureichend mächtig, weshalb sie mit der [[rechtsgeschäft]]lichen [[Altrömisches Recht|Formstrenge]] im Vertragswesen und bei der Verteidigung ihrer Interessen im [[Legisaktionenverfahren|Prozess]] überfordert waren. Dem sollte das vereinfachte Fremdenrecht Abhilfe schaffen. Formfreie Geschäfte, die bei den [[Konsensualvertrag|Konsensual-]] beziehungsweise den [[Realvertrag|Realkontrakten]] angesiedelt waren, bedurften keiner besonderen Regelungen; es galt aber die Einschränkung, dass Rechtsgeschäfte nur unter Lebenden vereinbart werden durften, nicht hingegen von Todes wegen. [[Verbalvertrag|Verbal-]] und [[Litteralvertrag|Litteralkontrakte]] waren hingegen „formstreng“ aufgebaut&amp;lt;ref&amp;gt;Das alte &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; war nahezu ausschließlich vom Formalgeschäft geprägt, das die Spätklassiker [[Papinian]] als &amp;#039;&amp;#039;actus legtimi&amp;#039;&amp;#039; (vgl. insoweit: &amp;#039;&amp;#039;Digesten&amp;#039;&amp;#039; 50,16,77) und [[Ulpian]] als &amp;#039;&amp;#039;negotia civilia&amp;#039;&amp;#039; bezeichneten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und fanden gegenüber Fremden keine Anwendung. Für deren Verkehrskompatibilität wurden stattdessen treugläubige Grundsätze ([[Treu und Glauben|&amp;#039;&amp;#039;bona fides&amp;#039;&amp;#039;]]) geschaffen,&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kaser&amp;quot; /&amp;gt; was als Errungenschaft des Völkergemeinschaftsrechts gelten darf, denn Treu und Glaubens-Grundsätze gingen tief in die Rechtstraditionen späterer Gesellschaften ein. Die Materien des Erb- und Sachenrechts waren grundsätzlich nur für römische Bürger geregelt (vgl. auch &amp;#039;&amp;#039;[[res mancipi]]&amp;#039;&amp;#039;). Fremde konnten [[Eigentum]] weder durch &amp;#039;&amp;#039;[[mancipatio]]&amp;#039;&amp;#039; noch im Wege der &amp;#039;&amp;#039;[[in iure cessio]]&amp;#039;&amp;#039; erwerben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mitteis&amp;quot; /&amp;gt; Vom &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; überschnittenes &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; bezeichneten die Römer ursprünglich als &amp;#039;&amp;#039;ius [[Quiriten|quiritium]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mitteis&amp;quot; /&amp;gt; Erst die formlose [[Traditio ex iusta causa|&amp;#039;&amp;#039;traditio&amp;#039;&amp;#039;]] schuf Entlastung, insbesondere durch den Besitzschutz, den die gesetzliche Maßnahme der [[Actio Publiciana (römisches Recht)|&amp;#039;&amp;#039;actio Publiciana&amp;#039;&amp;#039;]] auslöste. Auch diese Übereignungsform kann daher als Errungenschaft des Völkergemeinschaftsrechts betrachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutungsverlust ==&lt;br /&gt;
Das Nebeneinander der Rechtsschichten von &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;[[ius honorarium]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; wurde de facto Ende des dritten Jahrhunderts durch [[diokletian]]isches [[Codex Gregorianus|Recht]] überwunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Herbert Hausmaninger, Walter Selb: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Privatrecht&amp;#039;&amp;#039;, Böhlau, Wien 1981 (9. Auflage 2001) (Böhlau-Studien-Bücher), ISBN 3-205-07171-9, S.&amp;amp;nbsp;48.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Fritz Sturm (Jurist)|Fritz Sturm]]: &amp;#039;&amp;#039;Ius gentium. Imperialistische Schönfärberei römischer Juristen&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Römische Jurisprudenz – Dogmatik, Überlieferung, Rezeption.&amp;#039;&amp;#039; Festschrift für [[Detlef Liebs]] zum 75. Geburtstag, hrsg. von [[Karlheinz Muscheler]], Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin (=&amp;amp;nbsp;&amp;#039;&amp;#039;Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 63), S.&amp;amp;nbsp;663–669.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit [[Justinian I.|Justinians]] [[Corpus iuris civilis|&amp;#039;&amp;#039;CIC&amp;#039;&amp;#039;]] gilt es als abgeschafft.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Mitteis&amp;quot;&amp;gt;[[Ludwig Mitteis]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Privatrecht bis auf die Zeit Diokletians. 1: Grundbegriffe und Lehre von den Juristischen Personen&amp;#039;&amp;#039;. Leipzig 1908 (Scientia Verlag, Aalen 1994), § 4 (&amp;#039;&amp;#039;Jus civile und Jus gentium&amp;#039;&amp;#039;), S.&amp;amp;nbsp;62–72.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Gesetzgebung wandelte sich im Laufe der Zeit, denn mit Ausklang der Republik war den [[Comitia|Volksversammlungen]] das Gesetzesinitiativrecht zunehmend entzogen worden. In der [[Römische Kaiserzeit|Kaiserzeit]] überwogen Gesetzgebungen aus dem Kreis des [[Römischer Senat|Senats]], die sogenannten [[Senatus consultum|Senatskonsulte]]. Diese unterschieden immer weniger nach Kriterien des Bürger- oder Fremdenrechts, vornehmlich vor dem Hintergrund, dass das Bürgerrecht zunehmend ausgebreitet wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Kaser&amp;quot; /&amp;gt; Abgelöst wurden diese dann durch die [[Römisches Verfassungsrecht#Kaiserkonstitutionen von Diokletian bis Justinian|Kaiserkonstitutionen]] ([[Kaiserrecht|&amp;#039;&amp;#039;constitutiones principum&amp;#039;&amp;#039;]]), die im Rahmen einer sich globalisierenden Welt in der Spätphase der [[Spätantike]] die Bedeutung für rechtliche Unterscheidungen aufgaben.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Mitteis: &amp;#039;&amp;#039;Reichsrecht und Volksrecht in den östlichen Provinzen des römischen Kaiserreichs&amp;#039;&amp;#039;. Leipzig 1891, Nachdruck Hildesheim 1963, S.&amp;amp;nbsp;120.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In spätantiken Gesetzen ansonsten zwar nie erwähnt, floss das &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; gleichwohl in die &amp;#039;&amp;#039;[[Pandekten|Digesten]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Ulpian 1 inst. &amp;#039;&amp;#039;Digesten&amp;#039;&amp;#039; 1,1,4; Hermogenianus I iur. epit. &amp;#039;&amp;#039;Digesten&amp;#039;&amp;#039; 1,1,5.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die &amp;#039;&amp;#039;[[Institutiones Iustiniani|Institutionen]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;Institutiones Iustiniani&amp;#039;&amp;#039; 1,2,2.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Justinian I.|Justinians]] ein. Dort behielt die Rechtsschicht ihre Bedeutung als Feststellungs- und Auslegungsmittel für diverse Tatbestände. Auf völkerrechtlicher Ebene blieben damit die Begriffe Krieg, Gefangenschaft, Friedensvereinbarungen oder Gesandtenrecht definiert, auf privatrechtlicher Ebene, Sklaverei/Freilassung, Konsensualkontrakte, Eigentumsrecht. Kaum etwas anderes gilt für das &amp;#039;&amp;#039;ius naturale&amp;#039;&amp;#039;; hier blieben die hergebrachten Assoziationen auf dem Gebiet des Familien- und Erbrechts in der neuen Rechtsordnung ebenso bestehen wie die [[Stoa|stoische]] Idee der freien Geburt.&amp;lt;ref&amp;gt;Lorena Atzeri: &amp;#039;&amp;#039;Vom Prinzipat zur Spätantike.&amp;#039;&amp;#039; In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Handbuch des Römischen Privatrechts&amp;#039;&amp;#039;. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S.&amp;amp;nbsp;75–100, hier S.&amp;amp;nbsp;93 (unter Bezugnahme auf die Bezeichnungsvorbilder bei [[Gaius (Jurist)|Gaius]], [[Ulpian]] und [[Hermogenian]]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gegenwärtige Verwendung ==&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen juristischen Sprachgebrauch steht der Begriff &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; für diejenigen Grundsätze und Normen im [[Privatrecht|Privat-]] und [[Öffentliches Recht|öffentlichen Recht]], die den Rechtssystemen aller Völker gemeinsam sind und deshalb, bereits von Cicero und den [[Römische Juristen|Juristen]] der [[Vorklassisches Recht|(Vor-)]][[Klassik (Jurisprudenz)|Klassik]], als „Recht aller Menschen“ beziehungsweise Völkergemeinrecht bezeichnet wurden. Zum Teil wird der Begriff &amp;#039;&amp;#039;ius gentium&amp;#039;&amp;#039; aufgrund seiner sprachlichen Bedeutung auch als [[Synonym]] für das [[Völkerrecht]] verwendet, auch wenn dieses vor allem zwischenstaatliche Beziehungen regelt. Als &amp;#039;&amp;#039;ius civile&amp;#039;&amp;#039; wird demgegenüber heutzutage das [[Zivilrecht]] eines bestimmten Landes bezeichnet, das vor allem als [[Kodifikation|kodifiziertes]] [[positives Recht]] in Form von nationalen [[Gesetz]]en besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Herbert Hausmaninger]], [[Walter Selb]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Privatrecht&amp;#039;&amp;#039;, Böhlau, Wien 1981 (9. Auflage 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 24, 26, 30, 48.&lt;br /&gt;
* [[Heinrich Honsell]]: &amp;#039;&amp;#039;Römisches Recht,&amp;#039;&amp;#039; 5. Auflage, Springer, Zürich 2001, ISBN 3-540-42455-5, S. 20.&lt;br /&gt;
* [[Max Kaser]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Römische Privatrecht&amp;#039;&amp;#039;. 2. Auflage, C.H. Beck, München/Würzburg 1971, ISBN 3-406-01406-2, § 50, S. 202–205.&lt;br /&gt;
* Max Kaser: &amp;#039;&amp;#039;Ius gentium&amp;#039;&amp;#039;, Böhlau Köln, Weimar, Wien 1993, ISBN 3-412-05893-9.&lt;br /&gt;
* [[Hans Josef Wieling]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Begründung des Sklavenstatus nach ius gentium und ius civile&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Corpus der römischen Rechtsquellen zur antiken Sklaverei (CRRS)&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. von Johannes Michael Rainer, Tiziana Chiusi, Steiner Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07488-0.&lt;br /&gt;
* [[Fritz Sturm (Jurist)|Fritz Sturm]]: &amp;#039;&amp;#039;Ius gentium. Imperialistische Schönfärberei römischer Juristen&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Römische Jurisprudenz – Dogmatik, Überlieferung, Rezeption.&amp;#039;&amp;#039; Festschrift für Detlef Liebs zum 75. Geburtstag, hrsg. von [[Karlheinz Muscheler]], Duncker &amp;amp; Humblot, Berlin (=&amp;amp;nbsp;&amp;#039;&amp;#039;Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge&amp;#039;&amp;#039;, Band 63), S. 663–669.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Liste lateinischer Phrasen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Römisches Recht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Völkerrecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtssprache]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politische Ideengeschichte (Antike)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lateinische Phrase]]&lt;/div&gt;</summary>
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