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	<title>Interpassivität - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-26T20:15:44Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Interpassivit%C3%A4t&amp;diff=532615&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;CamelBot: Bot: linkfix: taz.de; siehe user:CamelBot.</title>
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		<updated>2025-03-13T19:36:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bot: linkfix: taz.de; siehe &lt;a href=&quot;/index.php?title=Benutzer:CamelBot&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Benutzer:CamelBot (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;user:CamelBot&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet eine von [[Robert Pfaller]] und anderen ausgearbeitete Theorie aus dem Bereich der [[Kulturwissenschaft]] und der [[Psychoanalyse]]. Sie ist die Praxis, eigene [[Handeln|Handlungen]] und [[Emotion|Empfindungen]] an äußere [[Objekt (Philosophie)|Objekte]], also Menschen oder Dinge zu [[delegieren]]. Die Theorie der Interpassivität bezieht sich hauptsächlich auf den Bereich der [[Lust]]empfindungen, weshalb Interpassivität auch als „delegiertes Genießen“ definiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Delegiertes Genießen ==&lt;br /&gt;
[[Psychologie|Psychologisch]] ist Interpassivität eine subtile Form der [[Abwehrmechanismus|Flucht]] vor dem eigenen [[Genuss|Genießen]]. Anstatt selbst zu genießen, lässt der Interpassive andere für sich genießen. Obwohl er diese Auslagerung als Luststeigerung empfindet, flüchtet er vor seiner Lust. Pfaller grenzt die Interpassivität jedoch von der [[Askese]] ab, wenn er betont, dass Interpassivität nicht eine Verneinung des Genießens bedeutet, sondern nur seine Verschiebung auf Andere und damit eine &amp;#039;&amp;#039;andere Form&amp;#039;&amp;#039; des Genießens. Das Genießen des Anderen (der auch [[Jacques Lacan|Lacans]] [[Der große Andere|großer Anderer]] sein kann) ist gerade das, wodurch man selbst – nur eben passiv – genießt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dem Wunsch nach Interpassivität steht die Angst, die die Konfrontation mit dem eigenen Genießen, der [[Jouissance]] im Sinne Jacques Lacans, verursacht. Das Subjekt wehrt die Verunsicherung ab, die mit intensiven Gefühlsregungen einhergeht, und begnügt sich mit der passiven, delegierten Form des Empfindens, die es vor echter Anteilnahme schützt. Die [[Trauma (Psychologie)|traumatische]] Präsenz realer Gefühle wird [[Abwehrmechanismus|abgewehrt]] und durch die distanzierende Vermittlung durch den Anderen ersetzt. Als [[Neurose|neurotische]] Stabilisierung der eigenen [[Identität]] und als [[Ersatzhandlung]] hat die Interpassivität Züge der [[Zwangshandlung]] und der [[Perversion]] im Sinne der [[Psychoanalyse]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Interpassivität als kulturelles Phänomen ==&lt;br /&gt;
Interpassivität besitzt jedoch auch eine überindividuelle, soziale, [[kultur]]elle Dimension. So analysieren die Autoren in dem von Pfaller herausgegebenen Band &amp;#039;&amp;#039;Interpassivität. Studien über delegiertes Genießen&amp;#039;&amp;#039; (2000) zahlreiche sozial verbreitete Verhaltensmuster als Formen der Interpassivität, die insofern keine pathologische Abweichung von der Normalität darstellt, sondern als „normales“ Verhalten akzeptiert ist. Auch stellt die Gesellschaft selbst zahlreiche Angebote für interpassives Delegieren bereit, etwa in Form bestimmter [[Konsumgut|Konsumartikel]], [[Die Gesellschaft des Spektakels|massenmedialer Inszenierungen]] und [[Ritual]]e (siehe Beispiele unten). Interpassivität ist ein [[Reziprozität (Soziologie)|reziproker]] Prozess, der eine Wechselwirkung zwischen [[Individuum]] und [[Gesellschaft (Soziologie)|Gesellschaft]] beschreibt. Die Debatte um soziale/sozialwissenschaftliche Dimensionen und politische Implikationen des Interpassivitätskonzepts wird in dem 2011 erschienenen Band &amp;#039;&amp;#039;Wir sind nie aktiv gewesen. Interpassivität zwischen Kunst- und Gesellschaftskritik&amp;#039;&amp;#039; (hrsg. v. Robert Feustel, Nico Koppo und Hagen Schölzel) erneut aufgenommen und ausgeweitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Subjekt, dem Glauben unterstellt wird ==&lt;br /&gt;
Pfaller betont noch einen weiteren, [[Ideologie|ideologischen]] Aspekt der Interpassivität: Man glaubt als rationaler, vernünftiger Mensch nicht an den Erfolg der interpassiven Delegation, sondern geht stets von der Existenz eines fiktiven Publikums aus. Dieses Publikum, das die Funktion eines „naiven Beobachters“ der eigenen Interpassivität einnimmt, braucht real nicht zu existieren. Es ist, mit Lacan gesprochen, ein „Subjekt, dem Glauben unterstellt wird“. Es „glaubt“ an die Inszenierung des Interpassiven, wodurch diese erst funktionieren kann und sinnvoll wird. Diese Funktion wird dadurch ermöglicht, dass der naive Beobachter, anders etwa als das [[Sigmund Freud|freudsche]] [[Über-Ich]], nicht die geheimen Regungen der interpassiven Person, sondern nur die täuschende Oberfläche seiner Inszenierung sieht. Pfaller unterstreicht seine These durch das Beispiel der Darstellung einer toten Person auf einer [[Theater]]bühne. Wenn diese Person niesen muss, erfolgt üblicherweise allgemeines Gelächter. Aber warum? Sowohl die übrigen Darsteller als auch das Publikum wissen, dass die Person in Wirklichkeit nicht tot ist. Die Freude lässt sich, so Pfaller, dadurch erklären, dass durch den [[Fauxpas]] bewusst werde, dass durch die Theaterinszenierung nicht so sehr die realen Zuschauer getäuscht wurden, sondern vor allem der fiktive naive Beobachter. Dieser (dem Bereich der [[Magie]] und des [[Aberglauben]]s angehörende) Glaube ermöglicht den [[Ästhetik|ästhetischen]] Genuss der [[Fiktion]] überhaupt erst. Gelacht wird also nicht über die &amp;#039;&amp;#039;eigene&amp;#039;&amp;#039; Ent-Täuschung, sondern über die des naiven Beobachters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beispiele ==&lt;br /&gt;
* Der Sportzuschauer erfreut sich an Leistungen anderer, und in der Kochsendung kochen andere zum Vergnügen des Zuschauers.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Jakob Schrenk |Titel=Kochshow-Boom im Fernsehen: Couchpotatoes im Speckmantel |Sammelwerk=Die Tageszeitung: taz |Datum=2008-01-11 |ISSN=0931-9085 |Online=https://taz.de/Kochshow-Boom-im-Fernsehen/!5188606/ |Abruf=2022-04-05}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tibetische [[Gebetsmühle]]n ersetzen das eigene [[Gebet|Beten]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Žižek, &amp;#039;&amp;#039;Die Substitution zwischen Interaktivität und Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;, in: Pfaller (Hg.), &amp;#039;&amp;#039;Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;, S. 14.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ein geläufiges Beispiel aus der Alltagskultur ist die [[Lachkonserve]] („canned laughter“) in [[Sitcom]]s, die an unserer Stelle lacht und uns so die „Mühe“ des eigenen Lachens erspart. Wir fühlen uns so befreit, als wäre das Lachen unser eigenes gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Žižek, &amp;#039;&amp;#039;Liebe Dein Symptom wie Dich selbst&amp;#039;&amp;#039;, S. 50 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Jacques Lacan]] sieht den [[Chor (Theater)|Chor]] in der [[Griechische Komödie|griechischen Tragödie]] als stellvertretende Instanz, welche die Emotionen des Zuschauers artikuliert und ihm diese abnimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Lacan, &amp;#039;&amp;#039;Seminar XII: Die Ethik der Psychoanalyse&amp;#039;&amp;#039;, S. 303 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Slavoj Žižek]] illustriert Interpassivität an Lacans Figur des „Subjekts, dem Glauben unterstellt wird“. Er erläutert dies an einem Beispiel aus der [[Stalinismus|stalinistischen]] [[Diktatur]]: Als der hochrangige sowjetische Politiker [[Lawrenti Beria]] 1954 starb und bald darauf als Verräter und Spion geächtet wurde, gab es in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie einen lobpreisenden Artikel über ihn. Der Verlag der Enzyklopädie schrieb deshalb alle Empfänger an und forderte sie auf, die Seiten über Beria auszuschneiden und an den Verlag zurückzuschicken. Im Austausch für die fehlenden Seiten bekamen sie einen Artikel über die [[Beringstraße]] zugeschickt. Wenn aber alle von der Fälschung wussten, da sie ja an ihr beteiligt waren, wozu oder für wen wurde sie dann noch verschleiert? „Die einzige Antwort lautet selbstverständlich: für das nichtexistente Subjekt, dem Glauben unterstellt wird“, antwortet Žižek. Dieses fiktive Subjekt, das nach Žižek grundlegender Bestandteil jeder [[Ideologie|ideologischen]] [[Identifikation (Psychologie)|Identifikation]] ist, glaubt sozusagen an unserer Stelle.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Žižek, &amp;#039;&amp;#039;Die Substitution zwischen Interaktivität und Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;, in: Pfaller (Hg.), &amp;#039;&amp;#039;Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;, S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Schamgefühl#Fremdscham|Fremdscham]] „Ich schäme mich für jemanden, d.&amp;amp;nbsp;h. an Stelle jemandes.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Robert Pfaller |Titel=Zwei Enthüllung über die Scham |Datum=2022 |Seiten=38}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wird das Diskretionsgebot der Scham missachtet, die Menschen tragen die Fremdscham wie eine teure Handtasche vor sich her und schlagen einen Distinktionsgewinn für sich heraus.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Klaus Nüchtern in FALTER 22/2022 vom 03.06.2022 (S. 25) |url=https://shop.falter.at/detail/9783103971378/zwei-enthuellungen-ueber-die-scham |titel= &amp;quot;Scham ist eine Ressource der Solidarität&amp;quot;|abruf=2024-03-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Interaktivität]]&lt;br /&gt;
* [[Homo ludens]]&lt;br /&gt;
* [[Spiegelneuron]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Robert Feustel, Nico Koppo, Hagen Schölzel (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Wir sind nie aktiv gewesen. Interpassivität zwischen Kunst- und Gesellschaftskritik&amp;#039;&amp;#039;, Kadmos, Berlin 2011, ISBN 978-3-86599-138-6 (mit Beiträgen von Robert Pfaller, Gijs van Oenen u.&amp;amp;nbsp;a.)&lt;br /&gt;
* Robert Pfaller (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Interpassivität. Studien über delegiertes Genießen&amp;#039;&amp;#039;, Springer, Berlin u.&amp;amp;nbsp;a. 2000, ISBN 3-211-83303-X (mit Beiträgen von Slavoj Žižek, Mladen Dolar, August Ruhs u.&amp;amp;nbsp;a.)&lt;br /&gt;
* Robert Pfaller: &amp;#039;&amp;#039;Die [[Illusion]]en der anderen. Über das [[Lustprinzip]] in der Kultur.&amp;#039;&amp;#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-12279-7.&lt;br /&gt;
* Robert Pfaller: &amp;#039;&amp;#039;Ästhetik der Interpassivität&amp;#039;&amp;#039;. Philo Fine Arts, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86572-650-6&lt;br /&gt;
* Slavoj Žižek: &amp;#039;&amp;#039;Liebe Dein Symptom wie Dich selbst! Jacques Lacans Psychoanalyse und die Medien&amp;#039;&amp;#039;, Merve, Berlin 1991, ISBN 3-88396-081-0.&lt;br /&gt;
* Jacques Lacan: &amp;#039;&amp;#039;Seminar VII: Die Ethik der Psychoanalyse&amp;#039;&amp;#039; (Textherstellung durch Jacques-Alain Miller, übersetzt von Norbert Haas), Quadriga, Berlin / Weinheim 1996, ISBN 3-88679-910-7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.uni-due.de/~bj0063/texte/interpassiv.html Claus Pias: &amp;#039;&amp;#039;Genießen unterstellen. Eine Theorie der „Interpassivität“&amp;#039;&amp;#039;], in: [[Frankfurter Allgemeine Zeitung|FAZ]], September 2000.&lt;br /&gt;
* [https://kreuzer-leipzig.de/2010/02/19/macht-euren-dreck-doch-alleine/ Tobias Prüwer: &amp;#039;&amp;#039;Macht Euren Dreck doch alleine. Eine Tagung stimmt das Lob der Interpassivität an&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [http://www.bergande.de/wp-content/uploads/2009/01/Bergande_Das-Blinzeln-der-letzten-Menschen_Rezensionsessay-zu-Pfaller_Die-Illusionen-der-anderen_RISS-75-2010_S-100-114.pdf Bergande, Wolfram: „Das Blinzeln der letzten Menschen. Ein Rezensionsessay zu R. Pfallers &amp;#039;&amp;#039;Die Illusionen der anderen&amp;#039;&amp;#039;“, in RISS 75, 2010, S. 100–114] (PDF-Datei; 1,3&amp;amp;nbsp;MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Interpassivitat}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lacanismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kulturwissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Medienkritik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konsumsoziologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Konzeptkunst]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kulturphilosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gesellschaftskritik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Philosophie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Medienkunst]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;CamelBot</name></author>
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