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	<title>Ikonophobie - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-09T19:40:51Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Ikonophobie&amp;diff=147759&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;M Huhn: bibliographische Angaben vervollständigt; ISBN berichtigt; einen Weblink gelöscht, der nicht zur angegebenen Seite führte</title>
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		<updated>2022-11-17T20:55:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;bibliographische Angaben vervollständigt; ISBN berichtigt; einen Weblink gelöscht, der nicht zur angegebenen Seite führte&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{QS-Religion}}&lt;br /&gt;
Als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ikonophobie&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Bilderangst&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (von {{grcS|εἰκών|eikṓn|de=Bild}}, und {{lang|grc|φόβος|phóbos|de=Furcht}}) bezeichnet man die Furcht vor Bildern oder die Ablehnung von Bildnissen, insbesondere als Merkmal bestimmter [[Religion]]en. Die Bilderangst ist möglicherweise ein archaischer Grundzug menschlichen Erlebens. In den [[Wissenschaft]]en der [[Antike]] und des [[Mittelalter]]s wurden Bilder ebenfalls noch abgelehnt oder geringgeschätzt. Erst in der [[Neuzeit]] trugen die Wissenschaften zur Überwindung der Bilderangst in den modernen Gesellschaften bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mögliche Ursachen ==&lt;br /&gt;
Die Ursachen für diese Bilderangst sind noch nicht hinreichend erforscht. Angenommen wird beispielsweise ein Konflikt zwischen dem mythischen Gehalt des Bildes und dem rationalen Anteil dieser Strukturen, wie dies beispielsweise [[Max Horkheimer|Horkheimer]] und [[Theodor W. Adorno|Adorno]] in ihrer &amp;#039;&amp;#039;[[Dialektik der Aufklärung]]&amp;#039;&amp;#039; (1944) herausarbeiten; Ursache der Ikonophobie wäre demnach der archaische Konflikt zwischen [[Mythos]] und [[Logos]]. Der Mythos „stellt ein Bild von der Welt und umstellt die Welt mit Bildern“ (Bolz 1991), daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Austreibung des Mythos aus der Kultur zur Horizonterweiterung des Menschen. [[Aufklärung]] ist damit nichts anders als Tilgung des Bildcharakters von Bewusstsein, also ein Entbilderungsunternehmen. Diese Denkfigur taucht auch bei [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]] auf, der von einem [[apollinisch-dionysisch]]en Spannungsverhältnis im Menschen ausging und die &amp;#039;&amp;#039;Abstraktheit&amp;#039;&amp;#039; des modernen Denkens erkannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuere Forschungen der [[Bildwissenschaft]] aus dem Kontext des [[Iconic turn]] beginnen erstmals, dieses Wechselverhältnis wertneutral zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ikonophobie in den Religionen ==&lt;br /&gt;
Die [[jüdische Religion]] gilt ausgewiesenermaßen als bilderfeindlich, d.&amp;amp;nbsp;h. [[Ikonoklasmus|ikonoklastisch]]; dieser Zug kommt bereits im [[Altes Testament|Alten Testament]] in der Erzählung von [[Moses und Aron]] zum Ausdruck. Als Kern des Problems wird hier die Differenz von Wahrheit des [[Wort]]es und [[Wahrnehmungstäuschung|Schein]] des (Götzen-)Bildes (altgr. &amp;#039;&amp;#039;eídolon&amp;#039;&amp;#039;, lat. &amp;#039;&amp;#039;idolum&amp;#039;&amp;#039;) genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliche bilderfeindliche Züge finden sich auch in der [[Christliche Religion|christlichen Religion]]. Ein Höhepunkt der Auseinandersetzung für und gegen bildliche Darstellungen des / der [[Heilig]]en war der [[Byzantinischer Bilderstreit|Byzantinische Bilderstreit]]. Die Bildergegner argumentierten theologisch, insbesondere [[Christologie|christologisch]], wie folgt: Die Person Christi habe [[Christologie#Die Zwei-Naturen-Lehre|zwei Naturen]], eine göttliche und eine menschliche, von denen das [[Konzil von Chalcedon]] lehrte, dass sie „ungetrennt“ (griechisch: ἀδιαιρέτως) und „unzerteilt“ (griechisch: ἀχωρίστως) seien. Die göttliche Natur lässt sich nicht umschreiben (griechisch: περιγράφειν), also auch nicht malen. Folglich könne ein Maler nur die menschliche Natur Christi darstellen. Insofern sei eine [[Ikone|Christusikone]] „falsch“, gar [[Häresie|häretisch]], da in ihr die menschliche von der göttlichen Natur Christi getrennt werde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Ludger Schwienhorst-Schönberger]]: &amp;#039;&amp;#039;Bildergegner&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Christ in der Gegenwart]]&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 74 (2022), Nr. 20, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbehalte gegen bildliche Darstellungen gab es auch in der [[Lateinische Kirche|lateinischen Kirche]], zumindest bis zum [[Bilderdekret]] des [[Konzil von Trient|Tridentiner Konzil]]s von 1563.&amp;lt;ref&amp;gt;Reformerlass des Tridentinischen Konzils, 25. Sitzung des Konzils am 3. und 4. Dezember 1563.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gab und gibt sie auch in einigen der aus der [[Reformation]] hervorgegangenen Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Islam]] ist ähnlich bilderfeindlich wie das Judentum. In [[Moschee]]n findet man abstrakte [[Fresken]] und kunstvolle [[arabische Schrift]]züge, in der Regel jedoch keine konkreten Darstellungen von Gott, Menschen, Tieren oder Gegenständen. Eine bedeutende Ausnahme bildet allerdings die Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts im islamischen [[Mogulreich#Malerei|Mogulreich]] in Indien.&amp;lt;ref&amp;gt;Douglas E. Barrett, Basil Grey: &amp;#039;&amp;#039;Indische Malerei&amp;#039;&amp;#039;. Skira / Klett-Cotta, Stuttgart 1980, ISBN 3-88447-058-2, darin das Kapitel „Die Mogulschule“ von Basil Gray.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ikonophobie in den Wissenschaften ==&lt;br /&gt;
=== Antike und Mittelalter ===&lt;br /&gt;
Die Bilderfurcht der Wissenschaften, die ihren Ursprung ja in der [[Philosophie der Antike]] haben, reicht zumindest bis [[Platon]] zurück, der in seiner [[Ideenlehre]] eine klare Unterscheidung zwischen den Dingen an sich (Urbild oder Idee, altgriechisch &amp;#039;&amp;#039;eidos&amp;#039;&amp;#039;), unserer äußeren Realität und deren Abbildern vornimmt. Bilder sind demnach nur Schatten von Schatten (altgriechisch &amp;#039;&amp;#039;skiá&amp;#039;&amp;#039;), verzerren also die Schau der Dinge an sich bis zur Unkenntlichkeit; Platon spricht im [[Liniengleichnis]] von „vagen Bildern“ (&amp;#039;&amp;#039;eikónes&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;skiaí&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;phantásmata&amp;#039;&amp;#039;), d.&amp;amp;nbsp;h. Vermutungen oder Ahnungen (&amp;#039;&amp;#039;eikasía&amp;#039;&amp;#039;) im strikten Gegensatz zur Vernunft (&amp;#039;&amp;#039;nóesis&amp;#039;&amp;#039;). Bei Platon manifestiert sich dabei auch die moralische Verbindung von Erkenntnis (&amp;#039;&amp;#039;epistéme&amp;#039;&amp;#039;) und dem Schönen und Wahren sowie dem [[Das Gute|Guten]] (&amp;#039;&amp;#039;agathón&amp;#039;&amp;#039;) und damit die moralische Abwertung der Bildhaftigkeit, d.&amp;amp;nbsp;h. des Trugs:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „Deshalb versteht Philosophie ihren Aufklärungsauftrag als Entbilderungsunternehmen: Begriffszusammenhänge treten an die Stelle von Bildwelten, die per se Trugbildwelten sind. So vollzieht sich das philosophische Projekt einer Entzauberung und Entauratisierung der Welt im Kampf der Begriffe mit Mythen und Metaphern“ (Bolz 1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ungewöhnlicher Einmütigkeit mit Platon orientieren sich dann auch [[Aristoteles]] und die an ihn anschließenden Wissenschaftler bis ins Mittelalter an der Ablehnung der Bildlichkeit. Wissenschaftliche Abhandlungen bestehen in der Regel ausschließlich aus Text, der in den [[Skriptorium|Skriptorien]] handschriftlich verfasst und gegebenenfalls [[Buchmalerei|illuminiert]] wird, jedoch keine inhaltsrelevanten visuellen Elemente enthält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuzeit ===&lt;br /&gt;
Auch die Wissenschaften der Moderne trennten sich nur bedingt von der Bilderfurcht. Bilder wurden überwiegend als illustrierendes Beiwerk einem Text beigegeben und erreichten nur selten eine Eigenständigkeit. Nach der Erfindung des [[Buchdruck]]s mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert entwickelte sich in der [[Renaissance]] eine zunächst bilderlose Buchtradition, d.&amp;amp;nbsp;h. ein [[alphabetisches Monopol]], das bis in die [[Moderne]] reicht (vgl. auch [[Marshall McLuhan]], 1962: &amp;#039;&amp;#039;[[The Gutenberg Galaxy]]&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Umdenken findet in den [[Naturwissenschaft]]en beispielsweise bei [[Charles Darwin]] (&amp;#039;&amp;#039;Origin of Species&amp;#039;&amp;#039;) und [[Ernst Haeckel]] (&amp;#039;&amp;#039;Generelle Morphologie&amp;#039;&amp;#039;, 1866) statt; hier werden beschreibende Erläuterungen von &amp;#039;&amp;#039;Bild-[[Diagramm]]e&amp;#039;&amp;#039; verwendet, die sich in reiner [[geschriebene Sprache|Schriftlichkeit]] kaum noch ausdrücken ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hoher Grad an Ikonophobie findet sich auch heute noch beispielsweise in der [[Jurisprudenz]]; dies untersucht [[Klaus F. Röhl]] im Projekt &amp;#039;&amp;#039;Visuelle Rechtskommunikation&amp;#039;&amp;#039;. Hier gilt noch immer: „Recht ist Text.“ Auch [[Fabian Steinhauer]] weist Bilderangst als Kennzeichen des modernen Rechtsstaats nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==  Überwindung der Ikonophobie als geschichtlicher Prozess ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Indizien deuten auf einen fortwährenden Prozess der Überwindung der Ikonophobie in den Wissenschaften der westlichen Gesellschaften. Bisher sind hierzu drei entscheidende Einschnitte festzustellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mit der Entwicklung des altgriechischen Alphabets um 1000 v. Chr. setzt die Visualisierung von Sprache an. Noch [[Sokrates]] und [[Platon]] bekämpfen vehement die „Trennung des Wissenden vom Wissen“, können sich jedoch nicht durchsetzen. Dadurch wird die exakte Speicherung und Tradierung von Wissen über die Traditionen der [[Mündliche Überlieferung|Oralität]] hinweg möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In einem zweiten Entwicklungsschritt werden [[Makrokosmos]] und [[Mikrokosmos]] sichtbar durch die Erfindung von [[Teleskop]] (um 1611) und [[Mikroskop]] (um 1625). Diese Entwicklungen führen zu einem [[Paradigma|Paradigmenwechsel]] in der Wissenschaft: der [[Kopernikanische Wende|kopernikanischen Wende]] und der Ablösung der [[Spontanzeugung|Urzeugungstheorie]] durch die [[Präformationstheorie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In einem vorerst letzten Schritt wird es durch Entdeckung der [[Röntgenstrahlung|Röntgenstrahlen]] möglich, das Unsichtbare sehbar zu machen (um 1895); hierbei wird erstmals etwas anderes als sichtbares Licht zur Visualisierung von Objekten genutzt; [[Röntgentomographie|Röntgen]]- bzw. [[Computertomographie]], [[Elektronenmikroskop|Elektronen-]] und [[Ionenmikroskop]]ie bilden dabei nur eine quantitative Verbesserung, jedoch keinen qualitativen Sprung mehr (Peter Rumpf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Überwindung der tiefsitzenden Ikonophobie ist demnach ein Prozess, der sich über mehrere Jahrtausende hinzieht und in einer Emanzipation der Bildanwendung und -analyse ([[Vilém Flusser|Flusser]]) münden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Volker Boehme-Neßler: &amp;#039;&amp;#039;BilderRecht. Die Macht der Bilder und die Ohnmacht des Rechts&amp;#039;&amp;#039;. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-03876-1.&lt;br /&gt;
* Klaus F. Röhl: &amp;#039;&amp;#039;Visuelle Rechtskommunikation, gestern, heute, morgen&amp;#039;&amp;#039;. In: Heino Speer (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Wort, Bild, Zeichen. Beiträge zur Semiotik im Recht&amp;#039;&amp;#039;. Universitätsverlag Heidelberg 2012, S. 127–149.&lt;br /&gt;
* [[Norbert Bolz]]: &amp;#039;&amp;#039;Eine kurze Geschichte des Scheins&amp;#039;&amp;#039;. Fink, München 1991, ISBN 3-7705-2671-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Ikonizität]]&lt;br /&gt;
* [[Bildersturm]]&lt;br /&gt;
* [[Technisches Bild]] im Sinne von Vilém Flusser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bilderverbot]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;M Huhn</name></author>
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