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	<title>Ichtilāf - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-09T19:29:51Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Fan-vom-Wiki: /* Literatur */ Bindestrich</title>
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		<updated>2024-12-24T16:57:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur: &lt;/span&gt; Bindestrich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; {{arS|إختلاف|d=iḫtilāf }} ist ein Fachbegriff der [[Fiqh|islamischen Jurisprudenz]] und bezeichnet den [[Dissens]], also die Meinungsverschiedenheit unter den Rechtsgelehrten sowohl innerhalb einer [[Madhhab|Rechtsschule]] als auch zwischen den verschiedenen Rechtsschulen im [[Islam]]. Er ist der Gegenbegriff zum [[Idschmāʿ]], dem [[Konsens]] der Rechtsgelehrten, der die dritte Quelle der Rechtsfindung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff wird im Sinne von „Variante“, „Verschiedenheit“ auch in anderen islamischen Wissenschaftsdisziplinen benutzt: „ichtilāf al-qirāʾāt“ (Lesevarianten des [[Koran]]s), „ichtilāf ar-riwāyāt“ (Varianten der [[Hadith]]-Überlieferung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bewertung von &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; im Koran und Hadith ==&lt;br /&gt;
Im Koran wird der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; immer negativ bewertet und vor allem auf das Auseinandergehen der Meinungen unter den [[Ahl al-Kitab]], also Juden und Christen verstanden ([[Sure 2]], Vers 213; [[Sure 3]], Vers 19). Allerdings wird auch ausgesagt, dass die Zwietracht dem göttlichen Heilsplan entspricht: „Und wenn Dein Herr gewollt hätte, hätte er die Menschen (tatsächlich) zu einer einzigen Gemeinschaft &amp;#039;&amp;#039;(umma wāḥida)&amp;#039;&amp;#039; gemacht. Aber sie sind immer noch uneins &amp;#039;&amp;#039;(muḫtalifūn)&amp;#039;&amp;#039; - ausgenommen diejenigen, deren dein Herr sich erbarmt hat &amp;#039;&amp;#039;(raḥima)&amp;#039;&amp;#039;. Dazu hat er sie (eben) geschaffen“ ([[Sure 11]]:118 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stete Anwachsen von [[Hadith|Traditionen]] als Aussagen [[Mohammed]]s und seiner [[Sahaba|Gefährten]] in allen geistigen Zentren der islamischen Welt im 8. und 9. Jahrhundert begünstigte die Entstehung kontroverser Lehrmeinungen sowohl im Fiqh als auch in der Interpretation des Korantextes. Bereits in den [[Al-Kutub as-sitta|ersten großen Traditionssammlungen]] sind Überlieferungen verzeichnet, die vor einer solchen Entwicklung in der [[Umma|islamischen Gemeinschaft]] warnen.&amp;lt;ref&amp;gt;A. J. Wensinck und J. P. Mensing (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Concordance et indices de la tradition musulmane&amp;#039;&amp;#039;. Brill, Leiden 1943. Bd. 2, S. 68b&amp;lt;/ref&amp;gt; Beunruhigt durch die Streitigkeiten über den Korantext, lässt man einen Gefährten Mohammeds zum Kalifen [[Uthman ibn Affan]] wie folgt sprechen:&lt;br /&gt;
{{Zitat |Text=Unternimm etwas in dieser Gemeinschaft der (Muslime), ehe sie über die Schrift uneins werden, so wie das (früher) bei den Juden und Christen der Fall war. |Autor=[[al-Buchari]]:Kitāb 66, Kapitel 3 |Quelle= [[Rudi Paret]] (1979), S. 524}}&lt;br /&gt;
Die im Koran vorgegebene negative [[Konnotation]] des Begriffes &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; kommt auch in einem, dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Spruch zum Ausdruck, der gesagt haben soll:&lt;br /&gt;
{{Zitat |Text=Meine Gemeinschaft wird nicht in einem Irrtum &amp;#039;&amp;#039;einer&amp;#039;&amp;#039; Meinung sein. Darum haltet euch an die große Mehrheit, wenn ihr seht, daß es zu &amp;#039;&amp;#039;iḫtilāf&amp;#039;&amp;#039; kommt! |Autor=[[Ibn Madscha]], Kitab 36, Kapitel 8 |Quelle= Rudi Paret (1979), S. 524}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Stellung des &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; in der Rechtslehre ==&lt;br /&gt;
Ursprünglich waren unterschiedliche Lehrmeinungen und Rechtsauffassungen in den Rechtsschulen, die in den Zentren des islamischen Reiches – [[Medina]], [[Kufa]], [[Basra]], [[Bagdad]], [[Fustat]], [[Kairouan]], [[al-Andalus]] u.&amp;amp;nbsp;a. – im 8. und 9. Jahrhundert entstanden sind, möglich. Sie waren allerdings nur dann zulässig, wenn sie im [[Idschtihād]], in der unabhängigen Interpretation von [[Koran]] und [[Sunna]] begründet waren. Liegt dieser Interpretationen kein allgemein anerkannter Beleg (arabisch: dalīl) vor, so spricht die Rechtslehre nicht von &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039;, sondern von „&amp;#039;&amp;#039;Chilāf&amp;#039;&amp;#039;“, Widerspruch, Abweichung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;al-mausūʿa al-fiqhyya&amp;#039;&amp;#039;. 5. Auflage. Kuwait 2004. Bd. 2, S. 292&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Zitat |Text=Ohne diese Voraussetzung wäre es ja kaum begreiflich, wie im II. Jahrhundert&amp;lt;ref&amp;gt;d. i. zwischen 719 und 815&amp;lt;/ref&amp;gt; sowohl in rituellen als auch in gesetzlichen Fragen in den verschiedenen orthodoxen Maḏāhib, ja innerhalb eines und desselben Maḏhab, voneinander verschiedene Lehren aufkommen konnten, mit denen dann die harmonisierende Theologie nichts anderes anzufangen wusste, als sie als nebeneinander gleichberechtigt anzusehen, ja sogar ihre Verschiedenheit als Segen für die Islam-Gemeinde zu erklären. |Autor=[[Ignaz Goldziher]] |Quelle=Muhammedanische Studien, Bd. 2, S. 74 }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits der [[Umayyaden]]-[[Kalif]] [[ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz]] († 720) soll einen Erlass in die Provinzen des islamischen Reiches mit der Anweisung gesendet haben, dass jeder sich an die Lehren der örtlichen Rechtsgelehrten zu halten habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;Muhammedanische Studien&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 2, S. 74&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem islamischen Recht waren die kontroversen Lehrmeinungen also schon seit seinen Anfängen nicht fremd; die Rechtsfindung durch Idschtihad, durch das Bestreben, bei Beachtung von Koran und Sunna neue Rechtsnormen abzuleiten, führte allerdings nur in der angewandten Pflichtenlehre (furūʿ), nicht aber in den Grundlagen des Fiqh (uṣūl)&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu siehe: &amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam&amp;#039;&amp;#039;.New Edition. Brill. Leiden. Bd. 10, S. 931&amp;lt;/ref&amp;gt; zu kontroversen Lehrmeinungen. Unumstritten ist zum Beispiel die Pflicht, die fünf vom Gesetz vorgeschriebenen [[Salat (Gebet)|Gebete]] täglich zu verrichten; &amp;#039;&amp;#039;wie&amp;#039;&amp;#039; sie im Rahmen des Gebetsrituals im Einzelnen durchgeführt werden, kann je nach Rechtsschule allerdings variieren und &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Institutionalisierung des &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; und gegenseitige Duldung kontroverser Lehrmeinungen entstand &amp;#039;&amp;#039;„ein innerislamischer oder wenigstens innerhalb der Sunniten anerkannter Pluralismus. Er beschränkt sich allerdings im Wesentlichen auf das Recht, und innerhalb dieses Bereiches im großen und ganzen auf das Material der vier Rechtsschulen, die sich im Lauf der Zeit durchgesetzt und nun auch gleiche Gültigkeit erlangt haben...Für die Grundwahrheiten des Glaubens kommt iḫtilāf nicht in Betracht, da sie unumstrittenes Gemeingut sind.“&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;R. Paret (1979), S. 525–526&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahrhunderte hat man die Unterschiedlichkeit der Meinungen, auch in juristischer Sicht, in positivem Sinne gewertet. Denn Ichtilāf erwies sich als eine Möglichkeit, der Rechtslehre Flexibilität zu verschaffen. Schon der in Kufa wirkende [[Sufyān ath-Thaurī]] († 778) soll späteren Rechtsgelehrten zufolge unterrichtet haben:&lt;br /&gt;
{{Zitat |Text=Sagt nicht: Die Gelehrten sind in dem und in dem Fall uneins geworden &amp;#039;&amp;#039;(iḫtalafa)&amp;#039;&amp;#039;, sondern sagt: Die Gelehrten haben der Gemeinschaft in dem und dem Fall Raum gegeben.|Quelle= Rudi Paret (1979), S. 526.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ichtilāf als Gottesgnade ==&lt;br /&gt;
Zur Rechtfertigung der im Zuge des Idschtihād entstandenen Meinungsunterschiede hat man schon früh auf ein angebliches Prophetenwort verwiesen: „Der Dissens der Gemeinde ist eine Gnade“ &amp;#039;&amp;#039;(Iḫtilāf al-umma raḥma)&amp;#039;&amp;#039;. [[Josef van Ess]] hat darauf hingewiesen, dass es aus den Kernbegriffen von Sure 11:118f zusammengesetzt ist und damit gewissermaßen eine Auslegung dieser Koranstelle darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. sein &amp;#039;&amp;#039;Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam&amp;#039;&amp;#039;. Band IV. Berlin-New York 1997. S. 659.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Leitsatz wird auch dem Gründer der [[Hanafiten|hanafitischen]] Rechtsschule [[Abū Hanīfa]] als ein Bekenntnissatz zugeschrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe R. Paret (1979), S. 523&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Variante des Satzes, die den Akzent stärker auf die Urgemeinde legte, lautete: „Der Dissens meiner [[Sahāba|Gefährten]] ist eine Gnade“ &amp;#039;&amp;#039;(Iḫtilāf aṣḥābī raḥma)&amp;#039;&amp;#039;. Beide Versionen des Satzes haben später Aufnahme in [[Hadith]]-Sammlungen gefunden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. van Ess 659.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der koranischen – und dort negativen – Bedeutung des Begriffes &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; und seiner Anwendung in der Hadithliteratur ist das Wort „raḥma“ in diesem Satz wahrscheinlich zunächst im Sinne von „Nachsicht“ interpretiert worden: „Wenn &amp;#039;&amp;#039;innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen&amp;#039;&amp;#039; Meinungsverschiedenheit auftritt, lässt Gott Gnade für Recht ergehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe R. Paret (1979), S. 524; Joseph Schacht (1973), S. 67&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Christiaan Snouck Hurgronje]] vertrat die Ansicht, dass hier ursprünglich „ein Zugeständnis von Gott, der menschlichen Schwäche wegen, gemeint“ sei.&amp;lt;ref&amp;gt; Siehe R. Paret (1979), S. 524–525 &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Laufe der Jahrhunderte hat das Prophetenwort vom Dissens als Gottesgnade allerdings eine positive Umdeutung erfahren. [[Ignaz Goldziher]] versteht entsprechend im obigen Spruch den Begriff &amp;#039;&amp;#039;raḥma&amp;#039;&amp;#039; als „Ausfluß der göttlichen Barmherzigkeit“.&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher (1884), S. 94.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings waren nicht alle Gelehrten mit diesem Satz einverstanden. [[Al-Dschāhiz]] zum Beispiel ließ daran seinen Spott aus und meinte: Wenn die Meinungsverschiedenheiten eine Gnade wäre, so folgte daraus zwangsläufig, dass der Konsens eine Strafe sei. Dies sei aber fernliegend.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Goldziher 1884, 101.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gegen das angebliche Prophetenwort wird außerdem im [[Sahīh al-Buchārī]] die Aussage von [[ʿAlī ibn Abī Tālib]] betreffs einer bestimmten Rechtsfrage&amp;lt;ref&amp;gt;In der juristischen Diskussion wird dort laut Überlieferung gefragt, ob es erlaubt sei, Sklavinnen, die Muslimen Kinder geboren haben, zu verkaufen.&amp;lt;/ref&amp;gt; angeführt: „Entscheidet so wie ihr bisher entschieden habt, &amp;#039;&amp;#039;denn ich liebe die Meinungsverschiedenheit nicht&amp;#039;&amp;#039;, damit unter den Menschen Uebereinstimmung herrsche.“&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung: Ignaz Goldziher (1884), S. 98 nach al-Buchārī: &amp;#039;&amp;#039;aṣ-Ṣaḥīḥ&amp;#039;&amp;#039;: Faḍāʾil aṣḥāb an-nabīy (Die Tugenden der [[Sahaba|Gefährten]] des Propheten), Nr. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei der Beurteilung der Legitimität der Zulässigkeit kontroverser Lehrmeinungen ist somit bereits in der ältesten Geschichte der Jurisprudenz von verschiedenen, einander widerstrebenden Strömungen auszugehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher (1884), S. 98–99&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im obigen, dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Spruch begründete Lehre über die Zulässigkeit von &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; als Gottesgnade und dessen Nachsicht gegenüber der islamischen Gemeinschaft hat bis in die Moderne ihre Gegner. Hierzu gehörten insbesondere die Vertreter der Manār-Schule, [[Muhammad Abduh]] und [[Raschīd Ridā]]. Den Beleg dafür, dass der Spruch unauthentisch ist, liefert ihrer Meinung nach der Koran selbst: „Und dies ist eure Gemeinschaft. Es ist eine einzige Gemeinschaft. Und ich bin euer Herr. Mich (allein) sollt ihr fürchten. Aber sie fielen in verschiedene Gruppen auseinander“ ([[Sure 23]]:52–53).&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;[[Die Richtungen der islamischen Koranauslegung]]&amp;#039;&amp;#039;. Brill, Leiden 1920. S. 326–327&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ichtilāf-Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ältesten Schriften, die die kontroversen Lehrmeinungen und die Widerlegung der Rechtslehren der „Gegenseite“ enthalten, stammen von [[Abū Yūsuf]], einem Schüler von Abū Ḥanīfa, aus dem 8. Jahrhundert.&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher (1884), S. 670–671&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie sind nicht in Originalen, sondern in Auszügen von [[Asch-Schāfiʿī]] und mit seinen Kommentaren in der Überlieferung seiner Schüler im Kitāb al-Umm, im Hauptwerk Asch-Schāfiʿīs, erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuat Sezgin: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des arabischen Schrifttums.&amp;#039;&amp;#039; Brill, Leiden 1967. Bd. 1, S. 421. Nr. IV. und V.; &amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam.&amp;#039;&amp;#039; New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 1061&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese [[Traktat|&amp;#039;&amp;#039;Traktate&amp;#039;&amp;#039;]] hat der Orientalist [[Joseph Schacht]] einer kritischen Analyse unterzogen.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Schacht: &amp;#039;&amp;#039;The Origins of Muhammadan Jurisprudence.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press. 1967. S. 290–328&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Asch-Schaibānī]], ein Zeitgenosse von Abū Yūsuf, behandelte in seinem Kitāb al-Huddscha fī ichtilāf ahl al-Kufa wa-ahl al-Madina {{arF| كتاب الحجة في اختلاف أهل الكوفة وأهل المدينة|d=Kitāb al-Ḥuǧǧa|b= Das Buch der Beweisführung über die kontroversen Rechtslehren zwischen den Kufensern und Medinensern}} das &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; zwischen den [[Malikiten]] von Medina und den Lehren seines Meisters Abū Ḥanīfa. Es ist das älteste erhaltene Werk in dieser Gattung der Rechtsliteratur.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuat Sezgin: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des arabischen Schrifttums&amp;#039;&amp;#039;. Brill, Leiden 1967. Bd. 1, S. 432. Nr. XII.; &amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam.&amp;#039;&amp;#039; New Edition.Brill, Leiden. Bd. 3, S. 1061&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Asch-Schāfiʿī wertete die &amp;#039;&amp;#039;ichtilāf&amp;#039;&amp;#039;-Werke seiner hanafitischen Vorgänger nicht nur aus, sondern verfasste auch eine Abhandlung über die kontroversen Lehrmeinungen zwischen sich und seinem Lehrer [[Mālik ibn Anas]], die in der Bearbeitung und Überlieferung seines Schülers ar-Rabīʿ ibn Sulaimān al-Murādī († 884) unter dem Titel: {{arF| اختلاف مالك والشافعي|w=Ichtilāf Mālik wa-asch-Schāfiʿī |d=Iḫtilāf Mālik wa-aš-Šāfiʿī }} ebenfalls in seinem Kitāb al-Umm erhalten ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuat Sezgin: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des arabischen Schrifttums&amp;#039;&amp;#039;. Brill, Leiden 1967. Bd. 1, S. 487. Nr. 2.; &amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam.&amp;#039;&amp;#039; New Edition.Brill, Leiden. Bd. 3, S. 1061; R. Brunschvig: &amp;#039;&amp;#039;Polémiques médiévales autour du rite de Mālik.&amp;#039;&amp;#039; In Etudes d&amp;#039;Islamologie. Bd. 2, S. 65–101&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Werk unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf al-hadīth&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Fuat Sezgin: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte des arabischen Schrifttums&amp;#039;&amp;#039;. Brill, Leiden 1967. Bd. 1, S. 489. Nr. IV.&amp;lt;/ref&amp;gt; über kontroverse Lehrmeinungen bei der Auslegung des Hadith ist der Analyse derjenigen Prophetenhadithe als Quellen der Jurisprudenz gewidmet, die von den Rechtsschulen zum Zwecke der Rechtfertigung ihrer eigenen Rechtsauffassungen unterschiedlich ausgelegt worden sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Gedruckt in Beirut 1985 (die Angabe bei Fuat Sezgin, Bd. 1. S. 489. Nr. IV ist zu ergänzen)&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Buch ist daher entsprechend den Kapiteln der islamischen Jurisprudenz angeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse der Hadithliteratur durch Rechtsgelehrte war erforderlich, da Hadithe sogar mit unvollständigen [[Isnad]]en und ungeachtet anderslautender Urteile der Hadithkritik als Argumentationsgrundlage (huddscha) in der Rechtslehre verwendet werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;M. Muranyi (1987), S. 305&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den [[Ashāb al-hadīth|Traditionariern]] zeigte vor allem [[Muhammad ibn ʿĪsā at-Tirmidhī|at-Tirmidhi]] († 892) Interesse dafür, die in seinem Werk überlieferten Hadithe als Quellen der juristischen Argumentation den betreffenden Rechtsschulen zuzuschreiben. Somit bietet seine Traditionssammlung sehr gute Einblicke in den Umgang der Rechtsgelehrten mit dem schriftlich überlieferten Hadithmaterial.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam&amp;#039;&amp;#039;. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 1061&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Al-Marwazi.JPG|mini|Titelblatt des Unikats: Ichtilāf al-ʿulamāʾ. Abschrift: 1251.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den ältesten, vollständig erhaltenen Werken dieser Gattung der Rechtsliteratur gehört das Kitāb ichtilāf al-ʿulamāʾ {{arF|كتاب اختلاف العلماء |d=Kitāb iḫtilāf al-ʿulamāʾ |b= Die kontroversen Lehrmeinungen der Gelehrten }} von [[Muhammad ibn Nasr al-Marwazī]] († 906 in [[Samarqand]]), der vor allem durch dieses Buch im islamischen Osten bekannt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Fuat Sezgin (1967), S. 494; der dort und auf S. 881 (Register) angegebene Werktitel „ichtilāf al-fuqahāʾ“ ist zu korrigieren&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Werk ist nach den Kapiteln des [[Fiqh]] zusammengestellt, in dem der Verfasser die kontroversen Lehren der vier Rechtsschulen systematisch darstellt, ohne seine eigenen Ansichten in den Vordergrund zu stellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Gedruckt nach dem [[Unikat]] in der Yūsuf Āgha-Bibliothek von [[Konya]] in Beirut 1986&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der wichtigsten Werke auf diesem Gebiet verfasste [[At-Tabarī]] († 923) unter dem Titel {{arF| اختلاف الفقهاء|w=ichtilāf al-fuqahāʾ |d=iḫtilāfu ʾl-fuqahāʾ |b= Die kontroversen Lehrmeinungen der Rechtsgelehrten}}, von dem nur einige Fragmente vorliegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Schacht (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Das Konstantinopeler Fragment des Kitāb Iḫtilāf al-Fuqahāʾ&amp;#039;&amp;#039; des Abū Ǧaʿfar Muḥammad ibn Ǧarīr aṭ-Ṭabarī. Brill, Leiden 1933. Weitere Teile sind in der Edition von Friedrich Kern erschienen. Kairo 1902; 2. Auflage. Beirut, (o. D.)&amp;lt;/ref&amp;gt; In seiner heute vorliegenden Form gilt das Werk als eine sorgfältige Zusammenfassung der kontroversen Rechtslehren seiner Vorgänger, der Vertreter der Jurisprudenz in der umayyadischen Zeit des späten 7. und frühen 8. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausschließlich an der hanafitischen Rechtslehre orientiert sich das von [[at-Tahāwī]] († 933) verfasste {{arF|اختلاف الفقهاء |w= Ichtilāf al-fuqahāʾ |d= Iḫtilāfu ʾl-fuqahāʾ |b= Kontroverse Lehrmeinungen der Rechtsgelehrten}}. Der Verfasser stellt die zwischen den vier orthodoxen Rechtsschulen herrschenden Lehrdifferenzen dar.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Werk ist erstmals 1971 in [[Islamabad]] gedruckt worden&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtsschule der Mālikiten brachte erst relativ spät ein Ichtilāf-Werk hervor, das sich ausschließlich auf die madhhab-internen Lehrdifferenzen beschränkt. Der Verfasser ist der andalusische Gelehrte [[Ibn ʿAbd al-Barr]] († 1071); von seinem Werk unter dem Titel {{arF| إختلاف أقوال مالك وأصحابه|w=ichtilāf aqwāl Mālik wa-ashābihi |d=iḫtilāf aqwāl Mālik wa-aṣḥābihi |b=Kontroverse Lehrmeinungen Māliks und seiner Anhänger}} ist nur der erste Teil erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Gedruckt in Beirut 2003. In der Einleitung der Herausgeber (S. 9) werden weitere ichtilāf-Werke malikitischer Provenienz genannt, die aber nicht mehr erhalten sind&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die übereinstimmenden und abweichenden Lehren der vier orthodoxen Rechtsschulen verfasste Muhammad ibn ʿAbd ar-Rahmān as-Dimaschqī († 1370)&amp;lt;ref&amp;gt;Carl Brockelmann: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der arabischen Litteratur.&amp;#039;&amp;#039; Zweite den Supplementbänden angepasste Auflage. Brill, Leiden 1949. Bd. 2, S. 111–112&amp;lt;/ref&amp;gt; ein Werk unter dem inhaltsreichen Titel: {{arF| رحمة الأمة في اختلاف الأئمة|w=Rahmat al-umma fī ichtilāf al-aʾimma|d=Raḥmat al-umma fī iḫtilāf al-aʾimma|b= Gottes Gnade für die Gemeinschaft (der Muslime) bei der Meinungsverschiedenheit der Gelehrten }}. Der Verfasser ist bestrebt, auf der Grundlage der [[Schāfiʿiten|schāfiʿitischen]] Lehre zwischen den Lehrdivergenzen der Rechtsschulen harmonisierend zu vermitteln.&amp;lt;ref&amp;gt;Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;Zur Literatur der ichtilāf al-maḏāhib&amp;#039;&amp;#039;. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (Anzeigen), (ZDMG) 38 (1884), S. 669–682; hier: 669–670. – Im Orient mehrfach gedruckt: siehe Otto Spies und Erwin Pritsch (1964), S. 270; zweite Auflage, Kairo 1967&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &amp;#039;&amp;#039;Ichtilāf&amp;#039;&amp;#039; und Fatwa ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontroverse Lehrmeinungen sind vor allem im [[Fatwa]]-Wesen der islamischen Jurisprudenz, in den Rechtsgutachten des [[Mufti]], die alle Bereiche des religiösen und profanen Lebens der Muslime erfassen, üblich. Selbst die im Koran dokumentierten Verbote können unterschiedlich interpretiert werden. In einem Gutachten von ʿ[[Alī Efendi]] († 1692) – nach der [[Hanafiten|hanafitischen]] Rechtsschule – heißt es:&lt;br /&gt;
{{Zitat |Text=Ist das als &amp;#039;&amp;#039;višnāb&amp;#039;&amp;#039; (Sauerkirschwasser) bekannte berauschende Süßgetränk erlaubt, wenn es nicht in der Absicht, sich zu erheitern und in einer nicht berauschenden Menge getrunken wird? – Responsum: Bei dem Größten Imām und bei dem Imām [[Abū Yūsuf]] ist es erlaubt, bei dem Imām Muḥammad ist es verboten. Zu unserer Zeit zieht man vor, nach dem Wort des Imām Muḥammad gutachtlich zu entscheiden. |Autor=ʿAlī Efendi: Kapitel: Ašriba. Nr. 1.  |Quelle=Johannes Benzing (1977), S. 15–16}}&lt;br /&gt;
Gemeint ist als „der größte Imām“ der Schulgründer [[Abū Hanīfa]]; der Imām Muḥammad ist [[asch-Schaibānī]], der bedeutende Repräsentant der hanafitischen Rechtsschule im 8. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Johannes Benzing: &amp;#039;&amp;#039;Islamische Rechtsgutachten als volkskundliche Quelle.&amp;#039;&amp;#039; Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Mainz. Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse. Jahrgang 1977. Nr. 3.&lt;br /&gt;
* Norman Calder: “Ikhtilâf and Ijmâ&amp;#039; in Shâfi&amp;#039;î &amp;#039;s Risâla.” in &amp;#039;&amp;#039;Studia Islamica&amp;#039;&amp;#039; 58 (1983) 55–81.&lt;br /&gt;
* R. Y. Ebied &amp;amp; M. J. L. Young: &amp;#039;&amp;#039;An unpublished legal work on a difference between the Shāfiʿites and Mālikites.&amp;#039;&amp;#039; In: Orientalia Lovaniensia Periodica. 8 (1977), S. 251–262&lt;br /&gt;
* Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;Muhammedanische Studien&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 2. S. 73–87. Halle a.S. 1890&lt;br /&gt;
* Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;Zur Litteratur des Ichtilāf al-maḏāhib.&amp;#039;&amp;#039; In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), 38 (1884), S. 669ff.&lt;br /&gt;
* Ignaz Goldziher: &amp;#039;&amp;#039;Die Ẓāhiriten&amp;#039;&amp;#039;. Ihr Lehrsystem und ihre Geschichte. Ein Beitrag zur Geschichte der muhammedanischen Theologie. Leipzig 1884. S. 84–102&lt;br /&gt;
* [[Miklós Murányi]]: &amp;#039;&amp;#039;Religiöse Literatur in arabischer Sprache. Fiqh.&amp;#039;&amp;#039; In: Helmut Gätje (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Grundriß der Arabischen Philologie.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 2, S. 299–325; hier S. 304–305. Dr. Ludwig Reichert Verlag. Wiesbaden 1987. ISBN 3-88226-145-5&lt;br /&gt;
* Samuela Pagani: «The Meaning of Ikhtilāf al-Madhāhib in ʿAbd al-Wahhāb al-Shaʿrānī’s al-Mīzān al-Kubrā» in &amp;#039;&amp;#039;Islamic Law and Society&amp;#039;&amp;#039; 11/2 (2004) 177–212.&lt;br /&gt;
* Rudi Paret: &amp;#039;&amp;#039;Innermuslimischer Pluralismus.&amp;#039;&amp;#039; In: Ulrich Haarman und Peter Bachmann (Hrsg.): Die islamische Welt zwischen Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Hans Robert Roemer zum 65. Geburtstag. Beirut 1979. S. 523–529&lt;br /&gt;
* Joseph Schacht: &amp;#039;&amp;#039;An Introduction to Islamic Law.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press. 1971. S. 67; 114&lt;br /&gt;
* Joseph Schacht: &amp;#039;&amp;#039;The Origins of Muhammadan Jurisprudence&amp;#039;&amp;#039;. Oxford University Press. 1967. S. 290–328&lt;br /&gt;
* Otto Spies und Erwin Pritsch: &amp;#039;&amp;#039;Klassisches islamisches Recht&amp;#039;&amp;#039;. In: Handbuch der Orientalistik. 1. Abt., Erg.-Bd. III: Orientalisches Recht. Leiden/Köln 1964, S. 269–270&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;The Encyclopaedia of Islam&amp;#039;&amp;#039;. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 1061&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Ichtilaf}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Islamische Rechtstheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
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