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	<title>Hospitalismus - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Hospitalismus&amp;diff=90138&amp;oldid=prev</id>
		<title>~2026-14174-59: Ich halte die Formulierung &#039;zu den schlimmsten Ursachen gehören...&#039; für eine Enzyklopädie zu wertend und habe das Wort &#039;schlimmsten&#039; zu &#039;schwerwiegendsten&#039; geändert.</title>
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		<updated>2026-03-05T05:46:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Ich halte die Formulierung &amp;#039;zu den schlimmsten Ursachen gehören...&amp;#039; für eine Enzyklopädie zu wertend und habe das Wort &amp;#039;schlimmsten&amp;#039; zu &amp;#039;schwerwiegendsten&amp;#039; geändert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|beschreibt psychische Störungen. Für die Verwendung des Begriffs im Zusammenhang mit infektiöser Ansteckung in Heilanstalten siehe [[Nosokomiale Infektion]].}}&lt;br /&gt;
{{Infobox ICD&lt;br /&gt;
| BREITE = &lt;br /&gt;
| 01-CODE = F43&lt;br /&gt;
| 01-BEZEICHNUNG = Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen&lt;br /&gt;
| 02-CODE = F94.1&lt;br /&gt;
| 02-BEZEICHNUNG = Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters&lt;br /&gt;
| 03-CODE = F94.2&lt;br /&gt;
| 03-BEZEICHNUNG = Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Hospitalismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (ursächlich auch &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Deprivationssyndrom&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; genannt) versteht man alle negativen [[Körper (Biologie)|körperlichen]] und [[Psyche|psychischen]] Begleitfolgen einer [[Deprivation]] durch mehr oder weniger massiven Entzug sozialer Interaktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den schwerwiegendsten Ursachen gehören mangelnde Umsorgung und lieblose Behandlung von Säuglingen und Kindern durch ihre primären Bezugspersonen (Eltern), da die hierdurch verursachten Störungen ein Leben lang fortbestehen und nur sehr eingeschränkt behandelbar sind. Zusätzlich zu dem individuellen Leiden entstehen gesellschaftliche Kosten durch eingeschränkte Arbeitsfähigkeit oder Betreuungsbedarfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Fürsorge#Einrichtungen der Fürsorge|Waisenheim]] und [[Krankenhaus]] bieten auch heute noch meist keine ausreichende [[Sozialpsychologie|psychosoziale]] Unterstützung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch fehlendes und wechselndes, jedoch auch unqualifiziertes Personal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch andere Formen der Deprivation wie Isolationshaft können auch gesunden Erwachsenen entsprechende seelische und körperliche Leiden zugefügt werden. Dauerhafte Isolationshaft gilt daher als Folter, insbesondere wenn sie nicht nur den Entzug sozialer Interaktion, sondern auch optischer und akustischer Reize bedeutet ([[sensorische Deprivation]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Deprivation&amp;#039;&amp;#039; stammt vom [[latein]]ischen Wort „deprivare“ für „berauben“ ab und bezieht sich hier auf den Entzug von Reizen und psychosozialer Zuwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursächliche Bezeichnungen ==&lt;br /&gt;
Je nach Ursache und Schweregrad spricht man beim Hospitalismus auch von psychischem Hospitalismus (&amp;#039;&amp;#039;Deprivationssyndrom&amp;#039;&amp;#039;, [[psychische Deprivation]]) oder von infektiösem Hospitalismus. Ist die [[Vernachlässigung]] hauptsächlich seelischer/[[emotion]]aler Art, spricht man von psychischem Hospitalismus (Deprivationssyndrom, emotionale Deprivation). Besteht die Vernachlässigung im Vorenthalten [[Krankenpflege|pflegerischer]] sowie [[fürsorge]]rischer Maßnahmen oder ist die seelische oder psychische Deprivation so schwerwiegend, dass sie sich sowohl seelisch als auch körperlich manifestiert, spricht man von infektiösem Hospitalismus. Eine klare Trennung der Termini kann jedoch nicht oder nur grob erfolgen, denn die Übergänge sind fließend, und es sind stets die individuellen Umstände zu berücksichtigen. Es wird davon ausgegangen, dass eine schwere seelische Deprivation auch körperliche Folgen nach sich zieht und umgekehrt bei schwerer pflegerischer Vernachlässigung auch psychische Symptome auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Psychiatrischer Hospitalismus ===&lt;br /&gt;
==== Hospitalismus in der ICD-10-GM ====&lt;br /&gt;
Je nach Art der Störung werden für die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Hospitalismus&amp;#039;&amp;#039; in der klinischen Praxis verschiedene [[ICD-10]]-[[Diagnose]]schlüssel verwandt, nämlich folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bindungsstörung|Reaktive Bindungsstörung]], ICD-10 F94.1 (dieser Diagnoseschlüssel wird meistens verwendet)&lt;br /&gt;
* Ungehemmte Bindungsstörung, ICD-10 F94.2&lt;br /&gt;
* [[Anpassungsstörung]], ICD-10 F43&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursächliche Differenzialbezeichnungen werden intern und individuell verwendet, besitzen jedoch keinen eigenen ICD-10-Diagnoseschlüssel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaspar-Hauser-Syndrom ====&lt;br /&gt;
In [[Medizin]] und [[Psychologie]] verwendet man für die schwerste Form von Hospitalismus oft den Begriff „Kaspar-Hauser-Syndrom“ bei völligem [[Reiz]]entzug in Kombination mit [[Misshandlung]] bzw. falscher Haltung oder Einpferchung. Der Name des {{&amp;quot; |Kaspar-Hauser-Syndroms}} leitet sich von [[Kaspar Hauser]] ab, der laut zeitgenössischen Berichten jahrelang in einem dunklen Raum allein eingesperrt worden war. Der Begriff wird sowohl für Kinder (selten) als auch für Tiere (häufiger) verwendet, die über lange Zeit völligem Reizentzug und Misshandlungen ausgesetzt waren und somit in ihrer [[Ontogenese|Entwicklung]] gestört wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für das „Kaspar-Hauser-Syndrom“ ist die Geschichte des Hundes „Michi“, der seit seinem sechsten Lebensmonat in einem Käfig in der amtlichen Hamburg-Harburger Hundeverwahrstelle gehalten wurde. Als dieser Hund in eine Familie kam, wies er deutliche Zeichen sozialer Deprivation auf. Er verhielt sich außerhalb des Zwingers extrem ängstlich. Selbst auf Hunde reagierte er zunächst ängstlich. Alle Reize der belebten und unbelebten Umwelt ängstigten ihn stark. Die beschriebene Kaspar-Hauser-Symptomatik kann wohl auf die isolierte Zwingerhaltung in Harburg zurückgeführt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.wuff.at/artikel.php?artikel_id=14 |wayback=20101201200056 |text=Artikel im Hundemagazin WUFF, Ausgabe 10-2002 |archiv-bot=2025-06-28 12:23:36 InternetArchiveBot }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein anderes Beispiel für das „Kaspar-Hauser-Syndrom“ sind Kinder aus den [[Waisenhaus|Waisen-]] und [[Heimerziehung|Kinderheimen]] in [[Rumänien]], besonders unter der Herrschaft [[Nicolae Ceaușescu|Ceaușescus]]. Im Heim „[[Cighid]]“ lebten bis 1990 über 100 Kinder unter von Schmutz, Kälte, ungenügender Bekleidung, [[Mangelernährung]] und fehlender menschlicher Zuwendung geprägten Verhältnissen. Viele von ihnen konnten, trotz vorhandener körperlicher Fähigkeiten, nicht kriechen oder gehen, weil sie nicht gefördert worden waren bzw. weil ihre Beinmuskulatur vom langen, bewegungslosen Hocken verkümmert war.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spiegel-13499656&amp;quot;&amp;gt;{{Der Spiegel |ID=13499656 |Autor=[[Ariane Barth]] |Titel=Nacht der Zivilisation |Jahr=1990 |Nr=13 |Seiten=194–212}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Psychischer Hospitalismus (Deprivationssyndrom) ====&lt;br /&gt;
Psychischer Hospitalismus wird auch als Hospitalismus-Syndrom, Hospitalschaden, Deprivationssyndrom, [[anaklitische Depression]] oder emotionale/seelische Deprivation bezeichnet. Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Hospitalismus&amp;#039;&amp;#039; geht auf den österreichischen Pädiater [[Meinhard von Pfaundler]] zurück, der 1901 nachweisen konnte, dass Spitalsschädigungen bei Säuglingen und Kindern in Kliniken mit einer Muttertrennung in Verbindung zu bringen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er äußert sich durch [[Pubertas tarda|Entwicklungsverzögerungen]] und Entwicklungsstörungen bei längerem Krankenhaus- oder Heimaufenthalt infolge unpersönlicher Betreuung und mangelhafter individueller Zuwendung (Mangel an Reizen, Mangel an Zuwendung). Durch die Einweisung in ein Heim, die lieblose Betreuung zu Hause, die Trennung der Eltern oder gar [[Kindesmisshandlung]] kommt es oft zu einer &amp;#039;&amp;#039;ängstlich-widerstrebenden&amp;#039;&amp;#039; oder einer &amp;#039;&amp;#039;ängstlich-vermeidenden [[Bindungstheorie|Bindung]]&amp;#039;&amp;#039; des Kindes an die Erzieher. Das [[Urvertrauen]] der Kinder wird frühzeitig wieder zerstört. Psychischer Hospitalismus kommt häufig in [[Krankenhaus|Krankenhäusern]], [[Heimerziehung|Kinder- und Jugendheimen]] und auch in manchen Familien vor, wenn die Kinder „wie am Fließband“ und unter Zeitdruck „abgefertigt“ werden, das heißt, nicht ausreichend Zuwendung erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt sind die Forschungen von [[René A. Spitz|René Spitz]] zur Entwicklung der Beziehung zwischen Mutter und Kind im ersten Lebensjahr. Untersuchungen der gestörten Mutterbeziehungen des Säuglings bei widersprüchlichem Mutterverhalten: Aktive und passive Ablehnung des Kindes, Überfürsorglichkeit, abwechselnde Feindseligkeit und [[Verwöhnung]], mit Freundlichkeit verdeckte Ablehnung. Solche Bedrohungen der Beziehung führen je nach Art der gestörten [[Objektbeziehung]] zu verschiedenen schweren psychischen und psychosomatischen Störungen beim Kind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die tschechische Kinderpsychologische Schule unter [[Zdeněk Matějček]] hat in wichtigen Langzeitstudien die Entwicklungsbedingungen von Kindern und ihre Folgen in verschiedenen Settings ([[Heimerziehung|Heime]], [[Tageskrippe|Tages-]] und [[Wochenkrippe]]n, [[Kinderhort|Horte]], [[Internat]]e, [[Familie]]) bis weit ins Erwachsenenalter untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Harry Harlow]] zeigte mit jungen Rhesusaffen und einer Mutter-Attrappe aus Drahtgeflecht als Milchspender und einer zweiten mit Stoffbezug als Kuscheltier, dass Kuscheln einen sehr hohen Stellenwert beim Aufwachsen hat. Affen, die ohne Spielgefährten heranwuchsen, wirkten später oft ängstlicher als ihre Artgenossen, die mit Gleichaltrigen herangewachsen waren. Völlig isoliert aufgezogene Tiere waren später derart verhaltensgestört, dass sie oft zur Aufzucht eigener Jungen nicht mehr fähig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem psychischen Hospitalismus verwandt ist die [[Verwahrlosung]] von Kindern und Jugendlichen; sie werden sich selbst überlassen. Früher hat man den Hospitalismus auch als &amp;#039;&amp;#039;Frühverwahrlosung&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet. Frühe Forschungen gab es dazu von [[August Aichhorn]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliche Erscheinungen kommen auch bei Erwachsenen in [[Krankenhaus|Krankenhäusern]], [[Seniorenheim]]en und in der [[Psychiatrie]] vor, wenn sie lieblos betreut werden und von der übrigen Bevölkerung abgeschnitten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliche [[Psychische Störung|Störungen]] kommen auch bei Tieren vor. In einem [[Tierversuch]] hat man [[Küken]] isoliert in verschiedenen Käfigen gehalten und beobachtet. Nach einiger Zeit saßen sie in einer Ecke des Käfigs und starrten die Wand an. Bei [[Hauspferd|Pferden]] im Stall kann man teilweise beobachten, dass sie sich hin und her wiegen, wenn sie über längere Zeit sich selbst überlassen und ohne äußere Reize sind (sog. [[Weben (Pferd)|Weben]]; weitere psychische Verhaltensstörung: [[Koppen]] ([[Gewährsmangel]])). Manche [[Zootier]]e, die lange Zeit in Gefangenschaft leben, neigen zu [[Stereotypie (Medizin)|Stereotypien]], die sich etwa in motorischer Unruhe manifestieren (z.&amp;amp;nbsp;B. an der Wand hin und her laufen). So ist bei [[Eisbär]]en zu beobachten, die in der Natur viel Bewegung brauchen und im Zoo stark eingeschränkt sind, dass diese den Kopf wie in [[Trance]] stark hin und her wiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursachen ==&lt;br /&gt;
{{Belege fehlen}}&lt;br /&gt;
Hospitalismus kann überall dort entstehen, wo Menschen zu wenig ([[Vernachlässigung]]) oder negative (Ablehnung) emotionale Beziehungen ([[Bindungsstörung]]) erhalten. Eine mögliche Ursache ist zum Beispiel Personalmangel in Alten-, Pflege- und Kinderheimen sowie Krankenhäusern. Es ist auch in Familien anzutreffen, in denen die Eltern mit der Pflege der Kinder überfordert sind oder diese aus irgendwelchen Gründen ablehnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hospitalismusfördernd ist das Fehlen optischer sowie akustischer [[Reiz|Stimulation]], was sich aus folgenden Beobachtungen ergibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn Kinder in Waisenhäusern ausschließlich im Gitterbett „gehalten“ werden und keine Möglichkeit haben, sich selbstständig und frei in der Umgebung zu bewegen und z.&amp;amp;nbsp;B. im Garten oder mit anderen Kindern zu spielen (siehe hierzu [[René A. Spitz]]; [[Harry Harlow]])&lt;br /&gt;
* längere [[Fixierung eines Patienten|Fixierung]] alter oder psychisch kranker Menschen in Pflegeheimen oder Psychiatrien&lt;br /&gt;
* Fehlen von sensorischer Stimulation in Kliniken: Farben, Bilder, Musik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der fehlenden Stimulation als Folge schwerer Deprivation kann man die Ursache für das Vorhandensein von [[Stereotypie (Medizin)|repetitiven Stereotypen]] sowie [[Wahrnehmung]]sverarbeitungsstörungen ableiten. Daher ist vor allem bei Kleinkindern, die sich in einer hospitalisierenden Umgebung befinden, keine zuverlässige Differenzialdiagnose zum [[Autismus]] möglich, denn im Zustand der schweren Deprivation zeigen nicht-autistische Kinder nahezu die gleichen Symptome. Eine klare Differenzierung zwischen Hospitalismus und Autismus kann daher nur außerhalb einer hospitalisierenden Umgebung erfolgen, wenn die Symptome von Hospitalismus abklingen, während die (gleichen) Symptome bei Autismus in unverminderter Intensität bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Symptome und Beschwerden des Hospitalismus ==&lt;br /&gt;
Je nach individueller Situation des von [[Vernachlässigung]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Norbert Kühne]]: &amp;#039;&amp;#039;Frühe Entwicklung und Erziehung – Die kritische Periode.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Unterrichtsmaterialien Pädagogik – Psychologie.&amp;#039;&amp;#039; Nr. 694, Stark Verlag, Hallbergmoos, 2012&amp;lt;/ref&amp;gt; Betroffenen kommen nicht alle Symptome vor oder sind je nach Ursache eher körperlicher oder eher seelischer Natur. Folgende Symptome aufgrund von Vernachlässigung können auftreten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erhöhte Krankheitsanfälligkeit und Sterblichkeit der Säuglinge und Kinder, vermehrtes Auftreten von [[Infektion]]skrankheiten&lt;br /&gt;
* Störungen des Appetits (Appetitverminderung oder übermäßige Esslust), Essen wird gesammelt und irgendwo eingelagert, z.&amp;amp;nbsp;B. unterm Bett (bei Kindern, die neben der Vernachlässigung auch Hunger erfahren haben)&lt;br /&gt;
* [[Motorik|Motorische]] Verlangsamung, ungenügende [[Koordinative Fähigkeiten (Motorik)|Reaktionsfähigkeit]], [[Muskelatrophie|Muskelabbau]], [[Dekonditionierung]]&lt;br /&gt;
* Passive Grundstimmung, [[Teilnahmslosigkeit]] bis zur [[Apathie]]&lt;br /&gt;
* [[Soziale Kontaktstörung|Kontaktstörungen]] (z.&amp;amp;nbsp;B. Kontaktarmut) und [[Wahrnehmung]]sstörungen, die dem [[Autismus]] stark ähneln können&lt;br /&gt;
* Erzwingen von Aufmerksamkeit, stehlen, lügen (bei Kindern)&lt;br /&gt;
* [[Resignation]], mangelnder Genesungswille, [[Anaklitische Depression]]&lt;br /&gt;
* Mögliche Entwicklung einer reaktiven [[Bindungsstörung]], einer [[Anpassungsstörung]] oder [[Borderline-Persönlichkeitsstörung]] als Folge der Resignation; bei Kindern aufgrund sehr langen Heimaufenthalts und extremer [[Deprivation]] (Deprivationssyndrom) sowie Fehlen von „Nestwärme“&lt;br /&gt;
* Motorische Unruhe und Stereotypien wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Jaktation]] (&amp;#039;&amp;#039;Jactatio capitis&amp;#039;&amp;#039; = Kopfwackeln, &amp;#039;&amp;#039;Jactatio corporis&amp;#039;&amp;#039; = Schunkeln) bis zur [[Selbstverletzung]] (zum Beispiel Anschlagen mit dem Kopf an die Wand), ständiges Umhergehen (eine Untersuchung hat ergeben, dass die ständige Jaktation den Menschen abstumpft und ihn in eine Art von Trance versetzt)&lt;br /&gt;
* Schnelle Ermüdbarkeit&lt;br /&gt;
* Geringe/fehlende [[Frustrationstoleranz]] (Neigung zu [[Wut]]anfällen), Aggressionen und Reizbarkeit&lt;br /&gt;
* Mangelnde [[Sozialisation|soziale Integration]] oder gar keine Sozialisation, Neigung zu [[Asozialität|asozialem]] Verhalten, Vereinsamung&lt;br /&gt;
* Verstärktes [[Daumenlutschen]]&lt;br /&gt;
* Körperliche Retardierung (zum Beispiel [[Kleinwuchs]] oder Abmagerung durch mangelhafte Ernährung), [[Marasmus]], schlechte Zähne&lt;br /&gt;
* Ungepflegtes Äußeres, verschmutzte und zerlumpte Kleidung, mangelnde [[Hygiene|Körperhygiene]]; bei Kindern spätes Sauberkeitsgefühl&lt;br /&gt;
* [[Intellekt]]uelle und emotionale Retardierung, die das Ausmaß einer [[Geistige Behinderung|geistigen Behinderung]] annehmen kann ([[Pseudodebilität]])&lt;br /&gt;
* [[Angst]]zustände, ängstlich-vermeidendes Verhalten&lt;br /&gt;
* Störungen der Konzentration und der Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
* [[Legasthenie|Lernstörungen]], späte Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* [[Neurasthenie|Leistungsschwäche]]&lt;br /&gt;
* [[Depression]]en und [[Larmoyanz|Weinerlichkeit]], depressive Grundstimmung&lt;br /&gt;
* Geringes Selbstwertgefühl&lt;br /&gt;
* Mangelhaftes Gefühl von [[Geborgenheit]] und wenig [[Urvertrauen]] (bei Kindern)&lt;br /&gt;
* Verantwortungslosigkeit gegenüber sich selbst und den Mitmenschen&lt;br /&gt;
* Mangelnde Kritikfähigkeit, gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen&lt;br /&gt;
* [[Regression (Psychoanalyse)|Regression]], Abbau [[Kognition|kognitiver]] Fähigkeiten, erworbene Fähigkeiten gehen wieder verloren, ein Zurückgreifen auf frühere Verhaltensweisen, dies häufig bei Menschen in Altersheimen oder Krankenhäusern&lt;br /&gt;
* Monotone Bewegungen, ständig gleiche Fragestellungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen und Komplikationen ==&lt;br /&gt;
Die Folgen von psychischem Hospitalismus (Deprivation, Deprivationssyndrom, anaklitische Depression) sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen, können jedoch gravierender und langfristiger sein als beim körperlichen Hospitalismus. Mögliche Folgen sind psycho-affektive Störungen, also Verzögerungen und Veränderungen im Antrieb, in der Wahrnehmung und im Fühlen und Denken sowie emotionale Stumpfheit. Die Kinder können retardieren und/oder entwickeln später möglicherweise eine [[Bindungsstörung]] (ICD-10 F94), eine [[Borderline-Persönlichkeitsstörung]] (ICD F60.3) oder eine [[Anpassungsstörung]] (ICD-10 F43). Langzeitpatienten in Krankenhäusern, Altenheimen und Anstalten können regredieren und beispielsweise von einer [[Depression]] (ICD-10 F32) betroffen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorbeugung ==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ermöglicht man Hautkontakt zwischen Mutter und Kind im Krankenhaus (so genanntes &amp;#039;&amp;#039;[[Bonding (Psychotherapie)|Bonding]]&amp;#039;&amp;#039; sowie das &amp;#039;&amp;#039;[[Rooming-in]]&amp;#039;&amp;#039;). Kinder, insbesondere in jungen Jahren, die nicht bei ihren Eltern leben können, werden vorzugsweise in besonders ausgewählten Pflegefamilien untergebracht.&lt;br /&gt;
Auch für körperlich, geistig oder seelisch behinderte (pflegebedürftige) Menschen gibt es inzwischen unabhängig von der jeweiligen Wohnform ein breites Repertoire prophylaktischer und therapeutischer Interventionen wie [[Basale Stimulation]], [[Kinästhetik]], [[Milieutherapie]], [[tiergestützte Therapie]]. Viele Einrichtungen (Krankenhäuser und Heime) leisten professionelle [[Sozialarbeit]], [[Sozialpädagogik]] oder [[Ergotherapie|Beschäftigungstherapie]] und organisieren ehrenamtliche Besuchsdienste, die regelmäßigen Kontakt mit alten und kranken Menschen halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Differentialdiagnose ==&lt;br /&gt;
Es gibt auch andere Störungen mit ähnlichen Symptomen, z.&amp;amp;nbsp;B. der [[Frühkindlicher Autismus|frühkindliche Autismus]], das [[Asperger-Syndrom]], manche Arten der [[Depression]], die schizoide [[Persönlichkeitsstörung]] und bestimmte Formen der [[Schizophrenie]]. Ähnliches Verhalten kann auch bei ständiger [[Kindesmisshandlung]] vorkommen. Auch die [[geistige Behinderung]] ist vom Hospitalismus abzugrenzen, kann allerdings in Kombination auftreten. Die Störung, die dem psychischen Hospitalismus äußerlich betrachtet am ähnlichsten sieht, ist der [[Frühkindlicher Autismus|frühkindliche Autismus]] (ICD-10 F84.0). Jedoch der Umstand, dass die Symptome des Hospitalismus mit deutlicher Verbesserung der Lebensumstände mit der Zeit verschwinden, ist es, der diese Störung vom Autismus unterscheidet und eine Differenzialdiagnose ermöglicht, denn Autismus ist im Gegensatz zu Hospitalismus nicht heilbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Behandlung und Prognose ==&lt;br /&gt;
Die Symptome von Hospitalismus sind je nach Schweregrad der körperlichen und psychischen Symptome behandelbar durch frühzeitige Therapien, wobei Hospitalismus eine psychische und eine physische Therapie gleichermaßen erforderlich macht. Die Symptome gehen bei Besserung der äußeren Umstände, z.&amp;amp;nbsp;B. durch intensive Zuwendung und/oder den Wechsel in eine liebevolle und fürsorgliche Umgebung, deutlich zurück und verschwinden mit der Zeit. Hat sich aufgrund der seelischen Deprivation keine andere Störung wie z.&amp;amp;nbsp;B. eine reaktive [[Bindungsstörung]] entwickelt, verschwinden die Symptome mit Besserung der Lebensumstände sowie geduldiger und liebevoller Zuwendung. Es gilt: Je früher der Mensch aus der Situation der Vernachlässigung herauskommt, umso besser sind die Aussichten auf schnelles und völliges Verschwinden der Symptome. Bei schwerer erfahrener seelischer Deprivation kann eine längerfristige intensive [[Psychotherapie|psychotherapeutische]] Behandlung erforderlich werden, doch auch hier sind die Prognosen gut, wenn das Kind so schnell wie möglich aus der Situation der Vernachlässigung heraus und in eine liebevolle und fürsorgliche Umgebung kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausblick für Lösungen ==&lt;br /&gt;
Mittlerweile versucht man, Flüchtlings- oder Waisenkinder in geeigneten [[Pflegeeltern|Pflegefamilien]] oder in [[SOS-Kinderdorf|Kinderdörfern]] unterzubringen, damit es nicht zu Deprivations-Erscheinungen kommt. In [[Hamburg]] gibt es die &amp;#039;&amp;#039;Evangelische Stiftung Alsterdorf&amp;#039;&amp;#039;, wo Menschen mit [[Kognitive Behinderung|kognitiver Behinderung]] und ohne Behinderung gemeinsam in einer Dorfanlage leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lichtblick in der Betreuung alter und kranker Menschen sind qualitätsbewusste Heime, insbesondere Heime mit kleinen Wohngruppen (sog. [[Hausgemeinschaft]]en) nach den Empfehlungen des „Kuratoriums Deutsche Altershilfe“,&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.kda.de/ KDA]&amp;lt;/ref&amp;gt; Einrichtungen des [[Betreutes Wohnen|Betreuten Wohnens]], die [[Hospizbewegung]] für pflegebedürftige Menschen in der akuten Sterbephase, die [[ambulante Pflege]] und integrative Therapieprogramme wie in [[Geel]], bei dem psychisch kranke Menschen bei Familien aufgenommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Belastungsstörung]]&lt;br /&gt;
* [[Dauerheime für Säuglinge und Kleinstkinder in der DDR]]&lt;br /&gt;
* [[Dialogphilosophie]]&lt;br /&gt;
* [[Harold M. Skeels]]&lt;br /&gt;
* [[Säuglingsheim]]&lt;br /&gt;
* [[Säuglings- und Kleinkindforschung]]&lt;br /&gt;
* [[Waise]]&lt;br /&gt;
* [[Wolfskind]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
; Sachbücher:&lt;br /&gt;
* [[August Aichhorn]]: &amp;#039;&amp;#039;Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung.&amp;#039;&amp;#039; Huber, Bern 2005, ISBN 3-456-84260-0.&lt;br /&gt;
* [[Norbert Kühne]] u.&amp;amp;nbsp;a. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Pädagogik für Fachschulen.&amp;#039;&amp;#039; Stam, Köln 1997, ISBN 3-8237-5959-0.&lt;br /&gt;
* Lauren Slater: &amp;#039;&amp;#039;Von Mensch und Ratten. Die berühmten Experimente der Psychologie.&amp;#039;&amp;#039; Beltz, Weinheim 2005, ISBN 3-407-85782-9 (siehe Kapitel über Harry F. Harlow &amp;#039;&amp;#039;Affenliebe&amp;#039;&amp;#039;, S. 174 ff).&lt;br /&gt;
* [[René A. Spitz]]: &amp;#039;&amp;#039;Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehung im ersten Lebensjahr.&amp;#039;&amp;#039; Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-91823-X.&lt;br /&gt;
* Josef Langmeier, Zdeněk Matějček: &amp;#039;&amp;#039;Psychische Deprivation im Kindesalter: Kinder ohne Liebe.&amp;#039;&amp;#039; Urban &amp;amp; Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1977, ISBN 3-541-07901-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
; Aufsätze:&lt;br /&gt;
* B. Bynum: &amp;#039;&amp;#039;Hospitalism.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;The Lancet.&amp;#039;&amp;#039; Band 357, 2001, S. 1372.&lt;br /&gt;
* [[Harry Harlow|Harry F. Harlow]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Wesen der Liebe.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Otto M. Ewert]]: &amp;#039;&amp;#039;Entwicklungspsychologie I.&amp;#039;&amp;#039; Kiepenheuer &amp;amp; Witsch, Köln 1972, ISBN 3-462-00865-X.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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